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Jüdische Rundschau · 1923-10-05 · Heft 85-86 (5.10.1923) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVIII (1923)
Issue
Heft 85-86 (5.10.1923)
Date
1923-10-05
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 508 grosses verteilte illustrierte Broschüre des Misrachi 1;1 Paliistina), und ob die Chahiziuth durch die Stamäoiiisten nul die Höhe, auf die sic die Sozialisten gebracht haben, gekommen wäre, wird man wohl bezweifeln dürfen. Es ist durchaus anzunehmen, daß ein Zusammenschluß auf der Orundlagc der Simon - de Liemcschen Ansdiaimngcn Leistungen Wirtschaft• lieber Art hervorbringen wird, die die gleichen Zionisten, verstreut in ihre Landesverbände, nicht sdiaffen würden u. s. f. Dabei hat die Erfahrung gelehrt, daß die Erfüllung der zionistische״ Pflidite;,, z E der Keren Hajcssod-Pfliditen, unter dieser Fraklionicning nicht gelitten hat, sondern, daß sic, wie cs auch theoretisch zu erwarten Ist, eine Hinzufügiing neuer Energien zu den bereits vortiandcncn und nicht auf deren Kosten bedeutet. Wenn nun Rosenblüth gerade auf den letzten Kongreß exemplifiziert, um die Bedeutung der Landsmannschaften zu erweisen, so steht hier freilich Ucbcrzeugung gegen Ucbcr• zeugung. Ei» Block der Stmnzionistcn, wie er auf dem vorigen Kongreß und auf diesem sich zusaimncngcfundcn hat und der nicht, wie die Fraktionen, von einer .einheitlichen Auffassung zu den Zen trat Problemen des Zionismus getragen ist (weil er keine Fraktion sein will), hat vielmehr die ungeheure Gefahr, die sich ganz besonders auf diesem Kongreß erwiesen hat, daß er zu einer ״Regierungspartei ä tout prix“ wird. Rosciiblüth rühmt den Landsmannschaften nach, daß sie sich in der Agency-Frage mit dem Misrachi und mit den linken Parteien in der Frage des Absolutorhims verständigt haben. Wenn er sich ehrlich fragt, wird er zugeben müssen, daß die vereinigten Landsmannschaften ebenso umgekehrt paktiert hätten, wenn es auf diesem Wege leichter gewesen wäre, Wci/inann zu halten. Es war rein eine Frage der taktischen Zweckmäßigkeit für den Block, mit wem er zuiiamniciigingf Er scheint׳ sich aber nicht dessen bewußt zu sein, daß der I lauptvorwurf, den Misrachi und Grünbaum• Gruppe gemeinsam gegen die Leitung erhoben hatten, der der autokrafischcn Verachtung der Kongreßbeschlüssc war. Diesen gefährlichen Fehler hat der Block auf dem XU. und XIII. Kongroß, wie uns leider die Zukunft lehren wird, vertieft. Er hat der Exekutive das beruhigende Bewußtsein gegeben, daß cs auf jedem Kongreß nur des Heranziclicns irgendwie zusammcngcvvürfelter ״Randgebilde“ bedürfen wird, um eine Mehrheit zu komplettieren, die der Block der Fraktionsloscn aus seinen Stimmen bereitwillig von vornherein zu einem erheblichen Prozentsatz, stellt. Wenn wir wirklich eine Leitung haben wollen, die sich ihrer Verantwortung gegenüber der Organisation bewußt wird, und die auch mit der Organlsation wieder zu einer Einheit verwächst, so müssen wir ihr vor allem das Gefühl nehmen, daß eine Partei der Fraktionslosen zur Verfügung sicht, die immer bereit ist, mit ihr zu gelien. Wenn erst die heute Fraktionslosen sich gleichfalls in ideologisch zusammcngeschlosscncn Gruppen aufgelöst haben werden, wird jede Leitung eine klare Marschroute und ein klar ausgesprochenes Gepräge haben. Sic wird wissen, auf wen sic sich stützt, und die Organisation und die übrige Welt werden dadurch wissen, wie ihr Weg sein wird. Auch aus diesem Grunde liegt die Zukunft deä Zionismus nicht auf der Erneuerung des landsinannschaftlidien, sondern auf der möglichst restlosen Ausgestaltung des föderativen Prinzips, Wir resümieren. Rosenblüth wünscht, daß die Fraktionen ״als Randgruppiemngen um einen kräftigen Kern gelagert sein sollten, den ihrer politischen und materiellen Bedeutung nach die allgemeinen Zionisten zu bilden hätten“. Der Weg, den er gehen will, ist aber nicht der einer Ausgestaltung der Lands!»,uiuschaftbikhuig, sondern einer Weiterbildung und Stärkung des Fraktionsprinzips. Er und die ihm folgen, mögen klar erkennen, daß dies wirklich der richtige Weg ist, und mögen ihn gehen. Dann wird dem Zionismus besser geholfen sein als mit einer Verewigung des Systems der Blockbildung ohne ideologische Geschlossenheit, die nur zu verwaschencn Kompromissen und zu verantwortungslosen Rcgierungen führt. * Versprochenermaßen sei noch auf einige der Unrichtigkeiten des Artikels cingcgangen, 1. Rosenblüth behauptet, wie schon oben erwähnt, daß das zionistische Verantwortungsgefühl in den Fraktionen geringer die deutschen ,Juden neben den russischen, so die Emanzipationsbestrehu ugen neben gleichzeitiger Literatur, und man wünscht sich den Künstler, der der' starren Statue Blut zum Kreisen bringe, die Dubnow vor uns errichtet hat. Aber wenn wir vor einigen Jahren noch zweifeln konnten, ob ein Mominscn oder ein Trdtschke für uns kommen könne: jetzt sind wir ohne Sorge, denn das Material hat Dubnow beschafft und weitgehendst vorgearbeitet, und wo das Fundament so sorglich und solide gelegt wurde, da kommt eines Tages auch ein Baumeister. Vielleicht darf man sogar hoffen, daß Dubnow seihst eines Tages den Bau errichten wird. München. Dr. RaphaelStraus. Das Judentum als Weltanschauung (Ein Vortrag von Dr. Schemarja L'ewin.) ln der vergangenen Woche fand in Berlin ein von der Beiliner Zionistischen Vereinigung veranstalteter Vortragsabend statt, bei welchem Dr, Schemarja Lewin über die ,Weltaiisdiau- 1mg des Judentums sprach. Der Vortrag war auBerordentlieh stark besucht, der Saal überfüllt und das Publikum lauschte mit gespannter Aufmerksamkeit den interessanten Ausführungen des Redners. Das Judentum ist sehr populär, sagte Dr. Lewin, und mit Recht hat ein großer Dichter festgestellt, je populärer ein Dichter oder ein Buch ist, desto weniger weiß man davon; Auch über das Judentum glaubt jeder sprechen zu dürfen, der ein paar Zitate kennt und sich daraus ein ganzes Geblinde aufbaut. Der Gegenstand ist 60 unermeßlich, daß es schwer ist, in einem Vortrag wirklich klarzumadicn, was man für das Wesen (liehe hält. Ich muß mein Thema von vomherein einschränken, indem ich zunächst das ganze Gebiet des religiösen Judentums heute außer Betracht lasse. Ich will nur über das Judentum als Lcbensanschauung sprechen. Es ist eine ganz falsche Vorstellung, daß die Juden keine Philosophie und Kunst haben. Man hat auch behauptet, die Juden hätten kein Verhältnis zur Geschichtsschreibung, bis 1913 ein deutscher Professor, Oncken, in den ״Preußischen Jahrbüchern“ einen Aufsatz schrieb, in dem er nachwics, daß die jüdische Geschichtsschreibung die griechische übertriff! In ähnlicher Weise nennt Heine Moses den ersten großen Künstler, einen Künstler, der nicht Stoff und Farbe, aoadern die menschliche Seele formte. JUEDISCHH RUNDSCHAU . 11,y״ l!j||j||t JUBISC2SS MIIOMLFOrJUS E. V. POSTSCHECKKONTO BEBLIN 28247 Die Spcndenprcise slud minmelir . end gültig aul der Grundlage von G01DMAKK festgesetzt worden. Es kosten: 1 Goldene Bucl1*Elnlraguug .. 100 Goldmark 1 Baum. 3 Goldmarli 1 Telegramm ......... 0,5 Goldmark Die Mindestspende üir den namcnlllclten Ausweis ist 1 Goldmark ן«ו1ז11011זו«<ו״ו|1ןן!11||!ו״,״ן!ז:’~ס?)יייוון|!||111!!!ווויוו1?ז|[01{|׳ו״יייז!1|,!!׳!11)1ו«11111!11ן1זווו1ו1111!!111]!<ו>ווי!!1!!!'!ו!״וו־,’״,*’'.!!!!ו (Kitf-. *St > -• •m *k»!MM■ sei als bei den allgemeinen Zionisten. Es Ist oben schon hiergegen angekämpft. Tatsächlich Ist dies eine absolut unberechtigte schwere Verletzung des Ehrgefühls der Fraktionen. Rosciiblüth scheint vergessen zu haben, daß die Zionistische Organisation durch ihren Beschluß von 1911 den Misrachi vor die Frage gestellt halle, ob er überhaupt noch In der Zionistischen Organisation bleiben könne. Der Misrachi wußte, daß er mit jedem Tage seiner weiteren Zugehörigkeit zum Zioiiisinus zwar in der Lage sei, gegen diesen Beschluß an zukämpfen und wieder dafür zu sorgen, daß die aus allgemeinen Kreisen stammenden Gelder nur solchen Zwecken zugeführt werden, denen die Gesamtheit der Zionisten zusllniineii kann, daß aber, bis er dies durcligcsetzt habe, er Tag für Tag ln schweren! Gewisscnskampf leben muß. Er hat seinen Be- Schluß gleichwohl für das Verbleiben ln der Organisation, gefaßt und I1.1t sich dem Keren Hajcssod, der ja u. a. auch die vom Misrachi als verderblich angesehenen Schulen unterstützt, zur Verfügung gestellt Er tut dies aus jüdischem Verantwortungsgefühl, weil die Zionistische Organisation die einzige gcsainljüdischc Organisation ist, in der die neue nationale Heinislättc durch die vorbereitende Tat einer nalion.ilen Organisation verwirklicht werden kann. Die Poalc* Zion kämpfen einen vielleicht nicht ebenso schweren aber auch außerordentlichen Kampf, weil ihnen die Zugehörigkeit zur nationalen Organisation in weiten Kreisen ihrer Gesinnung»* genossen als ein Bruch mit ihren Prinzipien angereclinet wird. Es ist schlechterdings unbegreiflich, daß da Mann von der Objektivität Roscnblütlis cs über siel! bringen kann, Födcrationeu, die so den ״Nachweis ihres jiklisclinalionalcit Verantwortungsgeliilils erbracht haben, mit solchen Behauptungen entgegenzutreten. Das ist die Art, wie man im Wilhelminischen Deutschland unbequeme Parteien als weniger national hinzusteilcn suchte. 2. ״. . . Die allgemeinen Zionisten, die ln vielen Ländern als die wirklichen Träger des Keren Hajcssod, des Keren Kjijcmcth, der zionistischen Landespolitik und der Kulturarbeit für Schckelarbcit keine Zeit haben . . Mit dieser Legende muß endlich einmal aufgeräumt werden. Nicht einmal, sondern zehnmal haben die verschiedensten verantwortungsvollen Männer der Exekutive und des amerikanischcn Zionismus erklärt, daß cs ohne den Misrachi in Amerika keinen Kcrcu Hajcssod gäbe. Aber freilich, da In allen Ländern die Kcrcu Ilajessod-Arbcit als eine einheitliehe Arbeit gemacht wird, erscheint sic dem Außenstehenden als Leistungen der Laiidcsorgaiiisntionen, Dies gilt in erlichtem Malte in Ländern wie Deutschland, in denen die Landesorganisnfion seihst aus den Stamzionistcii und den Fraktionen besteht, Rosenblütii vergißt nur eins: die Fraklionen haben neben der Keren Hajcssod-Arbeit und neben den Leistungen, zu denen sic für die Lamlcsorganisationcn iicrangczogen werden, jiod! die Pflicht, für ihre eigene Landes- Organisation, für ihre Weltorganisation und für ihre Palästinaarbeit zu geben und zu sammeln. Wo bei der Summierung all dieser Leistungen die größere zionistische Aktivität zu suchen ist, bedarf noch sehr des Beweises. Oder glaubt Bei der Betrachtung des Judentums als Weltanschauung habe ich vor allem drei für das Judentum charakteristische Merkmale gefunden; erstens die Distanz, zweitens die Zahl der Dimensionen und drittens die Leidenschaft. Die Auffassting des Judentums von der Distanz unterscheidet sich grundlegend von der Auffassung, in der wir alle erzogen sind. Wir sind erzogen in der Meinung, daß Ideale um so besser sind, je höher sie über uns schweben. Das Wesen des Judentunis besteht gerade darin, daß zwischen Wirklichkeit und Ideal kein großer Abstand ist. Wenn man das Ideal übermäßig lioclistellt, daun zwingt das den Menschen, in zwei Welten zu leben. Die Lehre des Judentums Auge um Auge, Zahn um Zahn, hat man vielfach angegriffen und unsere Apologeten meinten sie verteidigen zu müssen. In Wirklichkeit sehen wir, daß alle Nationen danach verfahren, man muß sogar froh sein, wenn niclit zwei Augen für ein Atige genommen werden. Wir Juden stellen uns immer wieder die Frage, wie kommt 03, daß inan zwar nicht morden darf, aber kollektiv zu morden ist erlaubt. Das kommt davon, daß man die Ideale so hoch gestellt hat, daß sie entflogen sind und die Wirklichkeit ist zurückgeblieben. Kennzciclinend für das Judentum ist die Stelle der Bibel, wo Moses zu Gott hinaufsteigt und Gott sieh herabsenkt, aber cs bleibt immer eine Distanz von zwei Ellen. Das Judentum gebietet! Liebe deinen Nächsten wie dich selbst, das ist noch möglich, aber es ist unmöglich, mehr zu geben als ipan selber hat, das führt nur dazu, daß mau das Gebot überhaupt niclit erfüllt und sich diesen Dualismus aufbaut, in dem mau dann sündigt. Das Judentum ist dreidimensional, cs kennt drei Bc- Ziehungen: Mensch und Mensch, Mensch und Gott, Mensch und Volk. Diese dritte Dimension hat keine andere Religion, und der Unterschied Ist derselbe, wie zwischen der zweidimensionalen und dreidimensionalen Welt. Das Judentum war die erste Lehre, die verstanden hat, daß man einen Mensehen außerhalb seiner Gemeinschaft nicht verstehen kann. 90 0/0 aller Prophetenreden beziehen sich auf die Beziehungen zum Volk. Die Propheten waren nicht Kosmopoliten, aber sic waren Internationalisten, das setzt den Nationalismus voraus. Jede Nation wird sich bemühen, ihre Individualität zu erhalten, aber die Beziehungen zwischen den Völkern können viel bessere werden, wen״ die Völker sich von der falschen Lehre emanzipieren werden, daß sie Ihren Feind lkbea »ollen, _ Nr, 85/86 Rosenblüth, daß beispielsweise die Ocrätcsammlung der ״w zlallstischcn Gruppen, die Schaflung der Aktien der Arbeiter, bank, die Sammlungen für den Hapoel Hamisradii usw, nicht zur Betätigung ״zionistischer Kraft“ zu rechnen haben? ״ 3. ״, . . so übten die Fraktionen zwar negativ einen Terror aus". Wo? Wann? Mit welchen Mitteln? Oder hat, wie wir hoffen, was aber doch mindestens klargestellt werden m!!i in der ״Jüdischen Rundschau“ das Wort Terror eine andere Bedeutung als im sonstigen politischen Sprachgebrauch? 4. ״. . . Anteilnahme an einer Leitung, für die rnan sich nicht verantwortlich fühlen möchte . . Damit ist offenbar der schon auf dem Kongreß ge׳׳ett den Misrachi erhobene Vorwurf gemeint, daß man einer Leitung ein MiOtrauenvotum erteilte, in der ein Mitglied der eigenen Föderation gesessen hatte. Ich kann diesen Vorwurf nicht als berechtigt anerkennen. Unser Parlamentarismus hat gegenüber dem der anderen Völker einen gewichtigen Unterschied. Wir haben alle zwei Jahre einen Kongreß und <he ganze Zwischenzeit hindurch nur Exekutive und Actions- Comitt־. Parteien ln einem Volk, die ihre Regierung unter einer ständigen parlamentarischen Kontrolle halten und die wissen daß cs Urnen jeden Tag möglich ist, die Regierung in ihrer Gesamtheit durch eine anders zusammengesetzte zu verändern können sich den Luxus einer Enthaltsamkeit gegenüber der Regierungsbildung leisten. Im Zionismus liegt dies völlig anders. Wenn man zu einer Exekutive selbst ein sehr gt. ringes Maß an Vertrauen hat, wie dies während der letzten Kongreßpcrkxte in immer steigendem Maße im Misrachi der Fall war, so wird man sich doch in der Frage, ob man deshalb sein Mitglied aus dieser Regierung zurückziehen soll durchaus nicht positiv zu entscheiden brauchen. Für die Zurückziehung spricht nur die Analogie des sonstigen Par- Iamcntnrismus und vielleicht noch die Möglichkeit, seine Opposition schärfer gestalten zu können. Dagegen spricht das zionistische und — was dasselbe ist — das allgemeinjüdische Verantwortungsgefühl. Mit der Zurückziehung hätten wir nichts gebessert und von unserem Standpunkte Außerordentliches gefährdet. Wir wären nicht einmal mehr imstände gewesen, dasjenige zu verhindern, was wir auf diesem Wege noch verhindern konnten und dasjenige zu leisten, was wir auf diesem Wege noch leisten konnten. Wir glauben[ daß wir uns dieses Abwcicheu von den ״Gesetzen der Völker" ruhig gestatten können, ohne dabei irgend etwas Unrichtiges zu tun, 5. lr , . , Erkauf von Zugeständnissen an fraktionelle Interessen im Austausch gegen taktische Stützungsaktionen zugunsten der Exekutive . . .“. Ich glaube, daß mit dieser verklausulierten Ausdrucksweise gemeint sein soll, daß der Misrachi, bevor er den Entschluß faßte, der neuen Exekutive seine Stimme zu geben, Forderungen gestellt und erfüllt bekommen hat. Es ist (sicher unabsichtlich) Irreführend, wenn man hier von ״Zugeständnissen an fraktionelle Interessen“ spricht. Es handelt sich um Zugeständnisse unseren prinzipiellen und praktischen Forderungen gegenüber, die wir auf dem vorigen und auf diesem Kongreß vertreten haben. Daß man von der Erfüllung solcher Forderungen die Teilnahme an einer Exekutive abhängig macht, ist weder neu noch, wie ich glaube, ungesund. Wenn Rosenblüth dabei die Frage des einheitlichen Schekels im Auge haben sollte, die etwas unorganisch mit der Frage der Exekutive ebenfalls verknüpft wurde, so möchte ich midi auf die Mitglieder der Organisationskommis io» dafür berufen, daß es sich hier nicht um Fraktions-Gesichtspunkte, sondern bei der ganzen Debatte ausschließlich um allgemeinzionistische Gesichtspunkte handelt. Nach Meinung des Misraclii und einiger Landesverbände macht der gemeinsame Schekel und die Notwendigkeit eines Wahlkampfes die zionistischc Arbeit unmöglich, nach Meinung anderer, u. a. der deutschen Landsmannschaft, ist dies nicht der Fall. Der Be* Schluß in dieser Frage war in der Organisationskommission mit 14 gegen 13 Stimmen gefaßt worden. Die Vertreter des Misrachi, die die Verhandlungen bezüglich des Eintriits in die Exekutive führten, legten Wert darauf, die an siel! schon bestehende Wahrscheinlichkeit, daß der Kongreß in einer so wichtigen Frage einen Kommissionsbeschluß, der mit einer . III. ...—— - —.. Das Judentum wendet sich gegen jede Vergewaltigung der menschlichen Natur. Es konnte nicht populär sein, weil es sich von den großen unerreichbaren Idealen ferngehalten und mit der Natur des Menschen gerechnet hat. Die Diagonale eines Kräftespiels imponiert nie, aber sie spielt in der Wirklichkcit die Hauptrolle. Wenn ich für das Judentum eine Formel finden sollte, so wäre es die: Es ist die Diagonale aller Kräfte, die im Menschen wirken. Auch der soziale Typus des Kleinbürgers, des Durchschnittsmenschen, den anzuerkennen man jetzt so scheut, ist nichts anderes ah der Mensch, der den Ausgleich der Kräfte im Leben gefunden bat. Das dritte Merkmal des Judentums ist bedingt durch das über die Distanz gesagte. Es ist die Leidenschaft, zwischen der Lehre und ihrer Verwirklichung einen organischen Zu* *ammenhang herzustellen. Aus der Brücke zur Wahrheit entsteht der Wunsch, daß auch andere daran teilnchmen sollen. Wenn heute eine neue Entdeckung gemacht wird, dann liest man es in der Zeitung, aber man trinkt ruhig weiter seinen Kaffee, cs berührt den Menschen niclit innerlich, aber wenn ein Prophet aufgestanden ist und seinen Ruf ertönen ließ, dann hat der Jude nicht mehr Kaffee trinken und nicht mehr schlafen können, denn dann war er von der Leiden- Schaft ergriffen, Die Juden konnten den Prophetismus sdiaffen, nicht nur weil sie Künstler des Wortes waren, sondern weil sic Menschen geblieben waren, die immer mit den existierenden Welten rechnen. Diese Leidenschaft wirkt nicht nur im Prophetismus, sondern wir sehen sie auch in Menschen unserer Zeit, die gar keine jüdische Lehre schaffen, z. B. in Marx und selbst bei den Aposteln des Bolschewismus• Von Moses erzählt man eine wunderbare Geschichte: Die Könige aus dein Morgcnl&ndc schickten eine Delegation, um sein Grab ausfindig zu machen. Die Delegation teilte sich in zwei Teile, die einen gingen auf der Höhe des Berges, die andern Im Tale. Da geschah es, daß denen, die auf der Höhe standen, das Grab im Tal zu sein schien, die aber unten waren, die sahen das Grab auf der Höhe. Da tauschten sie ihren Standort und wieder erging es ihnen in g'cicfier Weise. Warum haben sie das Grab nicht gefunden? Sie hätten eine Gruppe in die Mitte des Berges schicke» sollen. Sie haben aber an die Diagonale vergessen. Vielleicht schickt man jetzt eine neue Expedition, die wird das Orab ln der Mitte finden.

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