Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVIII (1923)
- Issue
- Heft 83-84 (28.9.1923)
- Date
- 1923-09-28
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 83/84 JUEDtSCHE RUNDSCHAU Seite 501!Be ■ len!!10• bei 1 111־- j P.1-! Her > ICH. ' *n, j חזי i ine Hiß! 1icn! ird I 1m-;!ibe im• der! irkdes her :h f!!1"; lien ein rtin intan »je itig 1.:c h!1. oße hoilen nso iort 1ien die und nie en• len, her Heu der :rn. len, nt (rn. rtin den 11 mt d!c aut,!de an hen, zu 10• le n eich Mr. für :ren ׳je kt end, uns che, wir, rj;r 'eite ä'zc orm :'neu i'irt- und 1.1 nn dien hat. .:«us F r.i'-t De• dien liese :111er wirt- :׳Jen Isatz hen. * bei das dien trete über nur er• 1 zu Er• noch wähl iber־ per eben von sind lotet» Uclcrzlonlstlsclie Bewegung Von Andreas Meyer. Schon als Ach ad Hain seine Schcritimme erhob, war die Gefahr groß, daß aus Palästina eine jüdische Kolonie ohne wirklich jüdischen Charakter würde. Gamals erschien cs bereits Achad flaam so, als ob der jüdische Charakter sich nicht aus einem Kunterbunt jüdischer Eigenschaften nisnmmciiselrc, sondern als ob er die Blüte des historischen Judeseins sei. üamnls bereits bekannten sich Zionisten, die von starkem geistigen Ochnlt erfüllt waren, zum Geiste Achad Ha,1111«, der weder blind traditionell noch etwa gegen das jüdische Gesetz gerichtet war. Man erkannte die Gefahr einer Verkalkung der Organisation zur Partei. Aber liier setzt die Kritik ein: Was Achad Haam predigte, war nur eine uralte jüdische Idee, wenn auch die wichtigste, nämlich die von der Notwendigkeit einer absoluten sozialen Gerechtigkeit im jüdischen Gemeinwesen. Für das Tun der Zionisten bedeutete sie keine Rettung, weil sie den zionistischen Gedanke« nicht entscheidend genug beeinflußte. Von entscheidender Bedeutung hätte diese Idee nur werden kennen, wenn sic von der Gesamtbewegung als Grundlage eine* Bekenntnisse» angenommen worden wäre, Nun hat der Herrische Zionismus überhaupt kein Bekenntnis zur Voraussetzung, sondern nur eine politische Formel: Palästina als (nationales) Jtnlenlnnd! Infolgedessen ist eine wirklich geistige Entwicklung des Zionismus als solchen unmöglich. Man kann höchstens von einer Veränderung der geistigen Grundlagen des Zionismus reden, von einer Veränderung, die vielfach von ganz äußerlichen Gründen abhängig ist, während es doch das Kennzeichen einer geistigen Bewegung ist, daß sie irn wesentlichen von innen heraus wächst. Der Zionismus hat weder Achad Haam noch Bttber innerlich ״verdaut“, sondern diese. Erscheinungen bewegen sich rein an der Oberfläche. Damit der Zionismus diese geistige Sterilität, von der man in dem erwähnten Sinne unbedingt sprechen kamt, überwindet, muß er sich einer größeren, einer geistigen Bewegung des Judentums cinordnen, die er selbst erfinden müßte, — falls sie nicht schon existierte. Ich komme auf diese Dinge, weil ich bestimmt hoffe, daß infolge der jüngsten Konstellation innerhalb der Zio• nistischen Organisation diese geistige Sterilität überwunden werden kann, indem man di« letzten Konsequenzen aus dieser Konstellation zieht. Bisher glaubte man, die geistige Erneuerung käme von den zionistischen Jugend •Organisationen. Man hat sich schwer getäuscht. Das Resultat war, daß die eine Gr• ganisation die andere beschimpfte, weil keine hielt, was sic versprochen hatte. Geistige Erneuerung ist nicht Saciie einer Organisation, die politische Grundlagen hat. Ein« jede solche Organisation sollte, anstatt sich mit geistigen Surrogaten zu begnügen, inbrünstig auf die Zeichen der Zeit achten, wenn sic sieh an geistige Dinge heran wagt. Das gilt be• sonders von den Jugendorganisationen. Die Zeichen der Zeit deuten auf ein einziges Wort: Religion. Solche ist noch niemals gemacht worden, sondern immer nur geworden. Religion ist eine religiöse Anschauung immer nur solange, als sie noch wird. E» gibt keinen Abschluß für eine wirkliche Religion. Wenn eine Religion einen vollkommenen Abschluß für sich in Anspruch nimmt, spricht sic sich selbst das Todesurteil. Das wird mir die orthodoxeste Richtung des Judentums, die sich nie offiziell orthodox nennen wird, bestätigen. Infolgedessen müssen wir an eine Fortbildung des Judentums als Religion glauben, solange wir das Judentum als eine religiöse Macht anerkennen, mit andern Worten mehr als einen erstarrten Kult in ihm erblicken. Da nun das Judentum immer nur als religiöse Macht allem Nationalen die Grundlagen einer wirklich geistigen Bewegung verschafft hat, so gibt es für jede nationale Bewegung unter den Juden keine andere Möglichkeit einer geistigen Entwicklung als die, sich als Glied in der Kette der allgemeinen Bewegung des Judentums zu empfinden. Das sollte vor allem die nationale Jugend bedenken, wenn sic sich über die Notwendigkeit ihrer Vorbildung liinsicht• lieh der Stellungnahme zur jüdischen Religion schlüssig wird. Aber auch die Zionistische Organisation als solche ist dieser Tatsache gegenüber bisher viel zu indifferent gewesen. Sie nahm vielfach die jüdische Religion wie ein notwendiges Uebcl hin. Das muß ihre Schwungkraft lähmen! Wenn der Zionismus überhaupt den Anspruch erhebt, außer der politischen eine geistige Bewegung des Judentums zu sein, so muß diese eine entschiedene Wendung zur allgemeinen geistigen Bewegung des Judentums hin machen. Es genügt mir aber nicht, daß der einzelne Steilung nimmt und die Bewegung diese geistigen ״Parasiten“ am liebsten ab• schütteln möchte. Ich denke hierbei nicht etwa In erster Linie an philosophische Betrachtungen über jüdischen Gottesbegriff, jii• dischcn Erlösungsgedankcn und jüdische Missionsidee (vgl. Hermann Collen, Klatzkin, Rosenzweig, aber auch Heinrich Marguiics in ״Kritik des Zionismus“), sondern an unmittclbar religiöses Leben, wie wir es in den Formen von Ge• meinden wohl hauptsächlich im Osten finden. Alle jüdischen Betrachtungen können natürlich niemals 90 fruchtbar sein "׳ic ein einziges jüdisches Erlebnis, das heißt ein Erlebnis, wie es von dieser Art nur i n einer und a n einer jüdischen Seele Vorkommen kann. In allen Büchern, selbst den tiefsten, wird man hiervon Immer nur ein Nachzittern verspüren. Deshalb wird es namentlich der Jugend gut tun, *ich wenigstens in den Geist solch lebendigen Erlebens, wenn der Pleonasmus gestattet wird, möglichst intensiv zu ver• senken. Voraussetzung hierfür aber ist ein Minimum von jüdischem Wissen. Dieses alles trifft auf Jede jüdische Oeislcsbewcgung lut mag sie politisch wie immer auch gerichtet sein. Hierin wüßte sich demnach der Zionismus mit jeder geistigen Be• "׳cgung im Judentum begegnen. Dafür aber, daß der Zionismus auch heute noch den Anspruch erhebt, außer der politischen eine geistige Be- 'vtgung zu sein, spricht in letzter Zelt besonders die Hervornebung der Bedeutung eines jüdischen Weltkongresses gerade für den Palastinagedankcn. Diese Bedeutung kann unmöglich ,u* nüchternen Zwcckmiißigkclisgründen ausschließlich erklärt ''׳erden, sondern deutet gleichzeitig auf geistig* Expansion, ״icr liegt klar zutage, daß der Zionismus der Anstrich auch?״ **»er geistigen Bewegung sein möchte. Denn geistige ■j^l'ärgie läßt sich nur mittels geistiger Kräfte bannen. Und jüdische. Welt als Ganzes befindet sich heute in einem ‘^stände geistiger Lethargie. Def Weltkongreß verlangt des• יאך tu seiner Verwirklichung in de* Worte* eigentlichem Sinne nach einer überlegenen geistigen Bewegung, die der Ziouisnvut heute ohne Zweifel noch nicht Ist. Hierdurch offenbart sich auch eine Schwäche des Aeliad Haamsehcn Gedankens, daß wir erst durch Palästina als geistiges Zentrum zu einer wirklichen Oeistesbewegung kn Judentum kommen werden. Palästina «1■ geistiges Zentrum Ist sehr wohl denkbar und jedenfalls unser zionistisches Ideal, aber bewußt Herauf warf««, das wäre Bestärkung des Judentums ln »einer Letnargle. Man müßte cs vielmehr als eine lynkrctistitche Tat des Zionismus begrüßen, d.!1. als eine Zusammenfassung «Iler geistigen Kräfte der heutigen Ucbcrgangszeit,, wenn er olle in ihm vorhandenen geistigen Kräfte zunächst einmal sammelte, um sie einer größeren geistigen Bewegung Im Rahmen eines Weltkongresses, der in Permanenz erklärt werden könnte, dienstbar zu machen, Int Augenblick wird freilich die Zeit am praktischen Gründen hierfür noch nicht reif empfunden. Sammlung aller geistigen — d. h. In diesem Zusammenhang unpolitischen — Kräfte innerhalb des Zionismus unabhängig von der Verschiedenheit der Fraktionen — und zwar nicht aus organisatorischen Gründen, sondern au* rein geistigen, nämlich aus Gründen der Erhaltung ihrer selbst, In dem diese Kräfte zunächst einmal Ihrer selbst als einer Oeuamthcit bewußt werden (alle* Organisatorische müßte, *owelt es eben möglich ist, peinlichst vermieden werden!) — das würde clic Voraussetzung zur Einmündung de* Zionismus «11 einer geistigen Bewegung in eine größere geistige Bewegung de* ganzen Judentums bilden. Unter solchem Zeichen würde die Bündnispolitik, die sich heute innerhalb der Zionistischen Organisation durch* zuHtzcn beginnt und die vom organisatorischen Standpunkte au» selbstverständlich nur eine taktische Bedeutung haben kann, da sic ja den Elnzclcharakter der Organisation uuangc• tastet lassen muß und demnach nur aus Zweckmäßigkeit«• gründen politischer Art gewählt werden kann, dennoch vom geistigen Standpunkt' eine größere Bedeutung ah eine solche rein taktischer Art gewinnen. Die Kräfte, die sich im Alltag berühren, würden sich allmählich in einer höheren Welt nämlich der lebendigen geistigen Welt, zusammc11fi!1dcn. Einet solchen lebendigen jüdischen Welt bedarf def Zionismus in immer stärkerem Maße, wenn er sich nicht in einem ureigensten Wesen an (geben will. Hierin liegt seine werbende Krall, nicht in der, wenn auch mit Recht — das kann nicht genug betont werden in den Vordergrund gestellten praktischen Wirklichkeit. Nur Ideen werben, Praktische Taten locken höchstens neue Nutznießer. Press«-Rundschau Das Organ der amerikanischen Zionisten ״The New Palcstine" schreibt in einem der Beratung der jüdl• sehen O c we rks c h a f ten Amerikas über die Palästina* frage gewidmeten Artikel 11. a.: .,Es ist den jüdischen Ar• bcitcrbcwcgungcn eigentümlich und spricht sehr für sie, daß sie, obgleich sie di« Besserung ihrer wirtschaftlichen Lage zu ihrem ersten Ziel gemacht haben, doch niemals die t«ko• nomische Unabhängigkeit als Selbstzweck betrachtet haben: in der jüJischen Arbeiterbewegung war immer ein Gefühl für das Unprofnnc lebendig, eine Beziehung zu kulturellen lind geistigen Werten, ein Streben nach diesen Dingen, welche das!.eben lebenswert machen, wenn einmal die ökonomische Sicherheit erreicht worden ist. Die Ueberzeugung, daß sie In der zionistischen Bewegung, in der Mitarbeit am Aufbau des jüdischen nationalen und kulturellen Zentrum* die Möglich• keit haben, diese Instinkte, die sogar wahrend des ökono• mischen Kampfes sich nicht verdrängen lassen, zu betätigen und zu be'iicdigcn, bat sich allmählich in den Reihen der Jüdischen Arbeiterschaft Bahn gebrochen. Daß sic dort schon festen Fuß gefaßt hat, kann nicht behauptet werden: daß aber ihr Vorhandensein gefüllt wird, kann auch nicht ge• leugnet werden,“ * Wie ,,The New Palestinc" mitteil(, ist Dr. Tscherno• witz, der auch in Berlin persönlich bekannte Gelehrte in New York cingctroffcn. Dr. Tschcrnowitz wird sich einige Monate in Amerika aufhaltcn und skh dann nach Palästina begeben, um dort seine Vorlesungen 4bcr talmmlisches Recht aufznmchmcn. Dr. Tschcrnowilz bat erklärt, er betrachte Amerika und Palästina als die künftigen Zentren der jüdischen Kultur. Paläslina als das Land der nationalen Heimstätte, Amerika wegen seiner großen und blühenden jüdischen Bevölkeruug. F,r sprach die Hoffnung aus, daß die amerikanische Regierung ihren Einfluß bei der Sowjetregierung zugunsten der verfolgten russischen Rabbiner geltend machen werde. Dr. Tschcrnowitz wird au mehreren amerikanischen jüdischen Hochschulen Vorlesungen halten. Kampfansage der zionistischen Opposition Lemberg (J. C. B,). Dieser Tage sprach hier der Sejmdeputicrte und Führer der zionistischen Opposition J. Gr (in bäum aus Warschau vor einer tauscndköpligcn Menge und kritisierte in schärfster Form die Ergebnisse des 13. Kongresses, sowie den neuen Kur» der Leitung, dem er einen schweren Mißerfolg prophezeit, Grlinbatnn kündigte den hartnäckigsten Kampf an, sowie den Zusammenschluß aller Zionisten, die gleich Ihm die jetzige offizielle zionistische Politik als schädlich anschcn. Diese Oruppc wird nach Grün• bäum die Aufgabe haben, auf dem kommenden H. Zionisten Kongreß die zionistische Bewegung aus der Hand jener zu erlösen, die sie jetzt nach seiner Meinung der Auflösung Zufuhren. ״Die neue mächtige Opposition“, sagte Orünbaum, ,,wird sich bereit machen müssen, wenn nötig, auch die Macht zu übernehmen“. Kleine Nachrichten Der Diiektor.dcs von der Regierung eingerichteten Lehrer• seminar* hat da* Aufnalirnegcsuch eine» jüdischen Kandidaten abgdehnt mit der Begründung, daß kein Platz frei »0, Es war dies das erste AufnahmcgCBUch eine* Juden, Der Direktor des Seminars ist ein Araber. Das Seminar wird von 67 Studierenden, und zwar von 53 Mohammedanern und 14 Christen besucht. Aus dem Haag wird gemeldet: Da* Drama ״Der Scder• abend“ von Jan Fabriciu* errang bei der Uraufführung in der Plantage-Schaubühne zu Amsterdam einen stürmischen Erfolg. Das Drama Ist auf dem Roman Samy Grone• ma 11118 ״Tohuwabohu" aufgebaut, Beide Autoren wurden entliiisi'iÄllscIi gefeiert1, Auf der in Boston stattfindenden Jahreskonferenz des People'* Releaf Committee, an der 138 Delegierte tcilnclmien, bildet die Frage der Vereinigung dieses Committee* mit der Gesellschaft .Ort“ den wkhtig*t*n Punkt der Tagesordnung. Anmerkung zur Diskussion Ober ״Zionismus und Antisemitismus" Von Dr. L, Strauß (Kirchhatn In Heisen). Wir bringen den folgenden Aufsatz, der selber nicht» anderes sein will, als eine ״Anmerkung zur Diskus• s Io n“ des Thema». Es soll aber bemerkt werden, daß u. E. die Ansprüche, die da.» deutsche Volk (nicht nur «1er Staat) gegen uns hat und mit «lenen jeder ernst• hafte nationnljuaische Politiker sich auscinandersetzen muß, nicht aus einem abstrakt konstruierten ״Versprechen“ Gor Eniaiwipationszcit, sondern aus der Realität abgeleitet werden sollten. Anm. d. R. Motto: Josua 9, 7. Keine Tatsache ist tür die Befreiung des jüdischen Geistes von der Galuth-ficsmmmg entscheidender geworden, als jene Durchbrechung der jüdischen Solidarität, die in Hcr/.l* ״Mitischcl“ ihren volkstümlichsten Ausdruck gefunden hat. Man darf geradezu sagen, daß das Aufliörcn dieser sozialen Bedingung unseres Qaluth-Dascins ein Symptom de» Aufhörens der das Galutli tragenden Ocsinnung ist Wie dem auch sei — die Diskussion über den Antisemitismus hat mit der erwähnten Umwälzung allererst begonnen — wenigsten» was die Westjuden betrifft — (im Herz!• *chcn Sinne de» Worte») ״anständig" tu werden. Diese nur die Gesinnung betreffende Bedingung ge• nügt jedoch keineswegs: man übertreibt schwerlich, wenn man findet, daß das Niveau der antisemitischen Argumentation eines Mannes wie Lagardc — auch er verliert sich natürlich dann und wann in Gehässigkeiten -- auch im Zionismus nicht erreicht worden ist. Allerdings sind die Probleme, die hier auftauchen, ohne Nutzen für die apologetische Praxi*» welche sich vielmehr mit Einfachem, Gröberem, ain licbsucn mit Zahlen und Tabellen beaclieidct. Die beste Wirkung, die der Antisemitismus auf unser nationale» Leben ausiibcrt könnte, gciit bei dieser Beschränkung freilieli verloren. Wir versagen es uns also, auf das Problem der innerer* Rechtfertigung des Staatsbürger-Dasein* der Deutschen Juden cinzugchcn. Diese Rechtfertigung mag schwierig genug sein — wenigsten» für den, der an die Ideale von 1789, denen die Emanzipation bekanntermaßen In der Hauptsache zu danken ist, nicht recht glaubt — c* genügt, daß sich dieses Staatsbürger- Dasein auf gellende» Recht gründet, daß der Krei», der durch e» bestimmten Rechte und Pflichten in einer prinzipiell eindeutigen Weise gezogen ist. In einer Formel*): e* verlangt * Loyalität gegenüber dem deutschen Staate und — so hochtrabend und unpolitisch das auch klingt — Liebe zum deutschen Volke, Ohne diese letztere ist e* nun einmal nicht denkbar: *ie und sie allein kann die nationale Kluft in einer politisches Wirken ermöglichenden Weise überbrücken. Da* Deutsche Judentum ist keine Minderheit im staatsrechtlichen Sinne, und es ist auch keine nationale Minderheit im politischen Sinne, es kann also nicht — im Besitz der hinreichenden Machtmittel und im Hinblick aut erreichbare irredentistische Ziele — auf nationalen Minderheits-Rechten bestehen, mag auch der Staat darüber zugrunde gehen, da* Staatsvolk dadurch beeinträchtigt werden. Die Rechte, die da* Deutsche Judentum In Deutschland besitzt, sind solche der die deutsche Staatsangehörigkeit besitzenden Individuen, und solche, die *ich aus dem alten, christlichen Staate unter dem Titel der ״Konfession“ zum Teil noch in die administrative Praxis des neuen Staates hcrübcrgcrettct haben. Das deutsche Volk hat uns dadurch, daß es uns Staats•! bürgerrechte zuerkannt hat, sein Vertrauern bewiesen. Wir haben die Möglichkeit, unsere politischen und ökonomischen Interessen als einzelne, unser Gruppen!« lercsse (allerdings im wesentlichen auf die Schulnngelcgcnlieitcn beschränkt) als (wenn auch private) Religionsfreiheit vahrzunchmcn und damit in einer unserer Stärke entsprechenden Weise auf die Richtung der deutschen Politik Einfluß zu gewinnen. E* wäre illoyal gedacht und nur mit einer außerordentlichen Weite des Oewissens zu vereinigen, wenn man meinte, man dürfe die deutsche Politik im jüdischen Interesse beeinflussen und »usnutzen. Wir Deutschen Juden haben die Staatsbürger• rechte nur auf Grund der fortwährenden ausdrücklichen Ver• Sicherungen seitens der Vorkämpfer unserer Emanzipation, daß *vir keinem nationalen Zusammenhang außerhalb des deutschen angehören, erhalten, und wir müssen doch wohl, wenn wir auch die Ableugnung des jüdischen Nationalzusammenhangs als unberechtigt und unerlaubt anschcn, die praktiichen Konsequenzen d i c*e r Ableug ■ nung, welche die conditio »ine qua non für unsere staatibürgerliche Emanzipaton waren, auch weiterhin ziehen. Das heißt aber: Bei unserem politischen Handeln als deutsche Staatsbürger, dürfen wir uns von der Linie der deutschen Politik durch kein national• jüdisches Interesse (mit Ausnahme der unter dem Titel ״Konfcssion" verstandenen und zugestandenen) ablcnken lassen, Was unsere Gruppenrcchtc (al* ״Konfession“) betrifft, so betreffen diese solche Bereiche unseres nationalen Interesses, an denen die Deutschen ihr Desinteressement erklärt haben, Natürlich steht es uns frei, sie in einer von der konfcssionalisti• sehen Enge innerlich befreiten, nationalen Richtung auszu• bauen, wenn dabei unser Spielraum nicht auf Kosten des Wirtsvoikes erweitert wird. Wir sind hier unsere eigenen Herren, wie wir es immer waren und wie wir es immer sein werden, wenn der Bolschewismus nur nicht über den Westen kommt. Nach allem Gesagten leuchtet ein, daß die Teilnahme am politischen Leben Deutschlands für den Nationaljudcn ein unendlich hohes Mail von Reflexion voraussetzt. Jede* naive Politisieren treibt ihn leicht dazu, clas jüdische Inter• esse mit dem deutschen, und ebenso die jüdische, speziell ״Mili• tarismus", galuth-jüdische Vorstellung vom staatlichen Leben mit der deutschen von diesem zu verwechseln. (Man denke an Ehered.t, Todesstrafe, Prohibition u. a. tu.) Es treibt ihn speziell dazu, daß er diejenigen politischen Kreise, die der Judcn-Emanzipation skeptisch gegenüberstanden, auch, bei solchen politischen Entscheidungen bekämpft, in welchen cs um ganz andere Dinge geht. Ich erinnere an da* Toben gegen die ״Kriegs-Psychose“ die bei einem großen Teile der Deutschen ״Geist de* August 1914" heißt, der sich leider auch in Leitartikeln nationaljüdischer Blätter verirrte, Die Vertretung naHonaljikliseher Interessen auf Grund unserer verfassungsmäßigen Rechte als deutsche Staatsbürger ist rechtlich unbegründet; diese Interessen ,,hinten herum" über Parteien und Korporationen zu vertreten, ist dem uw ♦) Alles, was hier vom Deutschen Juden gesagt Ist, bezieht sich selbstverständlich •— die Überschrift sagt es — flu r auf den national-jüdisch gerichteten Deutschen Juden. (D. Verf.l