Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVIII (1923)
- Issue
- Heft 83-84 (28.9.1923)
- Date
- 1923-09-28
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. A3 >84 *r0** «״ K״ Vmviridiciuing des Ziiküsil■.!:. Das Untcrhaueinlfglied Sir Martin Conwcy, der *ich einige Zeit ln Palästina aufgeh,alten hat, veröffentlichte vor cini, c׳. Zeit im ״Daily Telegraph“ eine Artikelserie über Palästina, deren Inhalt wir — infolge Raummangels — erst heute wieder• geben können. Palästina, schreibt Sir Martin Conwcy, gleicht einem Jamiskopf, mit dem einen Gesicht nach dem Lande und dem anderen nach dem Uebersee gerichtet. Die Einwohner derartiger Jantisländcr gehören gewöhnlich verschiedenen ttnd sogar einander feindlichen Rassen an und keine politische Vereinbarung von Staatsmännern kann die notwendigerweise sich ergebende Verschiedenheit der Bcvüikcrungsdemente vereinheitlichen. Die Grundsätze von Mehrheitshcrrschaft und Sclbstverwaltimg bringen hier keine Lösung. Die Gstküste der Levante, schreibt Sir Martin Conwcy, gehört mm Komplex der Mittclmcerlämler. Das Hinterland von Syrien und Palästina ist ein Gebiet von großer politischer Bedeutung und unermeßlichen kommerziellen Möglichkeiten. .Verschiedene islamitische Mächte haben, das Land beherrscht, aber immer blieb cs ein Land fiir sich. Ein Bindeglied zwischen Ost und West, keinem von beiden zugehörig, Darum ist Palästina die Geburtsstiitte bedeutender Weitregionen ge• wesen Und dämm kann cs ebensowenig arabisch sein, wie europäisch, Der Landweg zwischen Ost und West ist Immer zwischen Syrier» und dem persischen Golf verlaufen. Der wichtigste Seeweg führt durch den Suezkanal. Palästina befindet sich zwvischen beiden und liegt am eigentlichen Luftweg. Die Bagdadbahn muß eines Tages vollendet werden. Länder in einer solchen Lage können sich nicht abschlicßcn und sich damit zufrieden geben, ihre eigenen Gärten zu bestellen. Arabien und Mesopotamien haben großes Interesse für Palästina und Syrien, aber ebenso auch die Mittclmcerländer und die Länder des Westens im allgemeinen. Wem! man Syrien und Palästina zu einem Teil eines großen arabischen Königreiches macht mit der Hauptstadt in Mekka, würden sie von den Mitteimecrlämlcrn abgesclinitlen werden Und wiederum den Lauf der Zivilisation zwischen Osten und Westen unterbreche1״. Diese Länder können weder ganz, dem Osten noch ganz, dem Westen nngcliören. Sie sind Länder des ״lieber• greifens“ und als solche müssen sie teilnehmen an beiden ,Welten, an denen sie grenzen. Sie sollen autonome und protegierte Länder sein, in denen aber die Interessen der Weit ebenso wie die Interessen der Einwohner berücksichtigt werden müssen. Syrien und Palästina, schließt der Artikel, ist ein Gebiet, wo Ost und West ineinander (ibergreifen, sic können umnöglieh mit ihren Nachbarländern auf der einen oder anderen Seite verbunden werden, ohne ihre Kraft der freien Betätigung zu zerstören. Wenn sic mit der einen oder anderen Seite verbunden werden, darf das Band nur lose sein. Palästina als ein Teil eines arabischen Reiches wäre eine Mauer auf der großen Weltsiraße. Was aber dort nötig ist, ist keine Mauer, sondern ein Tor. Es ist die Pflicht Englands und Frankreichs, darauf zu sehen, daß die Tore Palästinas und Syriens weit offen gehalten werden und daß sichere Straßen zu Lande und in der Luft nach dem Osten führen. ln einem zweiten Artikel unterstreicht Sir Martin Conwcy die Bedeutung der Sympathien der Juden Amerikas, Unter diesen Bedingungen wurden die Verhandlungen geführt, die mit der Baifour-Deklaration endeten. Großbritannien kann darum unmöglich die Baifour-Deklaration zurückzichcn. Was wir versprochen haben, müssen wir auch halten. Wenn es wichtig war, die Unterstützung der Juden zu erlangen, so war es nicht weniger ratsam, die aktive Unter- Stützung der Araber zu erlangen. Die Araber verlangten dafür das Gebiet zwischen dem Mittclnieer, dem Roten Meer, dem Persischen Golf, dem Gebirgslande itn Norden, außer Aden. Diese Forderung wurde nicht bewilligt. Syrien und insbeson• dere das Vilajet von Beyrut, zu dem ganz Palästina nördlich von Jaffa gehört, wurde ausgenommen. 111 den übrigen Ländem sollten arabische Staaten gegründet werden. Das ist jetzt im Zuge der Verwirklichung. Darüber herrscht auch kein Streit. Nur wegen Syrien und Palästina, als Länder des Uebergreifens, ist eine Meinungsverschiedenheit entstanden. dem Schicksal der russischen Seele, in der asiatische Maßlosigkeit sich mit europäischem Rationalismus verbindet, denn auch in uns ist diese Polarität, audi bei uns gibt es solche Figuren, wie die echt russischen Führer des Bolschewismus, die Fanatiker der mechanischen Organisation sind und doch ohne daß sic cs wissen aus religiöser Inbrunst itändeln. Aber darüber hinaus ist vieles, was in diesem Buch über das Wesen und die Gesetzlichkeit der Revolution gesagt wird, von all• gemeinerer Gültigkeit, so daß auch eine Bewegung wie der Zionismus, der nur in beschränktem Sinne eine Revolution genannt werden kann, davon getroffen wird. Oft meinen wir, indem wir von der Problematik der Revolution lesen, direkt auf unsere eigene Problematik zu stoßen. Die Beziehungen von Intellektuellen und Ma .se, die Widersprüche zwischen Idee und Realität, die im Zuge der Verwirklichung mit abstoßender Peinlichkeit in Erscheinung treten und manche Träger der Bewegung wankend, andere resigniert machen, aber doch als Notwendigkeit verstanden und bejaht werden wollen, — dies alles kennen wir aus eigenem Erleben. Und noch in einem Punkt fördert dieses Buch unsere Erkenntnis; cs läßt uns ahnen, mit welcher Wucht die russische Geistigkeit auf unsere in Rußland lebenden Brüder gewirkt hat. Viele Erscheinungen ׳ni zionistischen politischen Leben, die guten und die schlechten Seiten unseres Parteiwesens, insbesondere die ganze Struktur unserer Arbeiterparteien, ist nur verständlich, wenn wir uns ihre Genesis aus alter russischer Tradition vor Augen halten. Daher hat dieser zionistische Autor, während er über ein ganz allgemeines Thema schrieb, auch unser zionistisches Denken befruchtet. Bei dieser Gelegenheit soll noch auf ein anderes Buch hingewiesen werden, das in vielen Punkten das Buch von Kolm zu ergänzen geeignet ist und in seiner Darstellung im wesent* liehen die Auffassung Kohns bestätigt. Es ist das Buch ״Russische Köpfe“ von Oskor B1 u m*), das ein ansclwuhohes Bild von der Entstellung der russischen Revolution gibt und die bekanntesten Führerpcrsronlidikeiten in kurzen charakteristischen Monographien vorfübrt, sowohl die Führer der Menschiwiki und SozhAievolutkmäre (Kerenski, Plechanow, *) Franz Schneider, Vertag, Berlin W.3. Mit neun Porträtswiedergaben, Gr. Pr. 8 M, ח־זז!ז I SCH ח RUNDSCHAU Es bestellen zwei (imdamcis'.n'a Verpflichtungen für Groß* tiritannien, von denen keine Regierung zurückwckhcn kann. Wir sind verpflichtet, die Bildung eines Jüdischen National־ heimes in Palästina zu beschützen und zu fördern. Wir sind auch verpflichtet, darauf zu sehen, daß die bürgerlichen und religiösen Rechte der einheimischen Bevölkerung gewahrt werden. Die Baifour-Deklaration verlangt nicht, daß ganz Palästina in ein jüdisches Nalionalhehn verwandelt werde, sondern daß ein solches Heim i!1 Palästina gegründet werde. Nichts — so schließt der Artiketschreiber — kann die Baifour-Deklaration abändern, wenn man auch am Mandate herumzupfuschen versucht.;jjj ■CM (IIÜIIIIIII 111111%'? -t mi ■; Sammolt In den Sa-rfcotli - S1ct')uc!or2׳nHa§1 iimmiimiiimiiiiiimiiHiiiiiiiiiiiiiuiim.iiiniiiimimuHiiniiiiiiiiimiuiu( für Jadjurl 1׳i In einem anderen Artikel im ״Daily Telegraph" schreibt Sir Martin Conway über die Stellung der Araber zum Zionisinus. Die Araber Palästinas zerfallen in Extremisten und Gemäßigte. De Extremisten stellen auf dem Standpinkt, Palästina sei ein arabisches Land und müsse eine arabische Regierung haben, ebenso wie Aegypten eine ägyptische. Sie verlangen die Zurückziehung der Baifour-Deklaration und Fallcnlasscn des Art. 4 des Mandates. Die Gemäßigten fiircliten nicht die Herrschaft der Juden, sondern die große soziale Veränderung, die die jüdische Einwanderung zur Folge haben wird. Sie stellen fest, daß bis letzthin Arbcitcrunruhcn in den arabischen Ländern unbekannt waren, Der Effendi war der Vater seiner Leute, die bei ihm Hilfe und Rat suchten. Das!.eben war einfach und leicht und jeder war mit wenigem zufrieden. Die Juden, sagen sic, haben nll das geändert, sie liehen den Standard of Life, sie machen die Leute unzufrieden und bringen die Klassen gegeneinander auf. Jeder muß jetzt schwerer arbeiten als lüsher. Viele der Effendis sind auch überzeugt, die Politik der Regierung gehe dahin, daß sie ihr Land verkaufen, damit es die Juden erwerben. Die Araber beschworen siel! auch ühcr die Anerkennung des Hebräischen als offizielle Sprache. Sie sehen als Sprache Palästina* nur da* Arabische an. Die arabische Opposition gegen den Zionismus hat zwei Hauptsachen: Die Furcht vor der jüdischen Herrschaft und die Abneigung gegen das Eindringen moderner Ideen. Der Araber üirrhtct den Juden sowohl a'8 Einzelperson, wie auch ab Gesamtheit. Jahrhundertelang hat er den Juden als minderwertig be!rächtef und cf kann es nicht ertragen, daß der Jude jetzt eine überragende Stellung cimiohme. per Araber sagt, Palästina sei sein, und die Juden haben kein Recht, cs ihm wegztmclimen. Solange diese Furcht unter den Arabern herrscht, wird die politische Lage in Palästina unsicher bleiben. Ein anderer wichtiger Einwand der Araber gegen die Be* dingungen der Nachkriegszeit wird nicht beseitigt werden können. Der Araber verabscheut die moderne materialistische westliche Welt, er liebt sein altes einfaches Leben. Der Jude hingegen ist ein westlicher Mensch. Wenn sich auch Osten in seinem Herzen befindet, beherrscht der Westen sein Gehirn, der Jude ist typisch modern, der Araber das Oegen• teil. Der Araber weiß, daß der Fortschritt •ich ausdehnen wird und daß seine Nadikouiiucu andere sch werden als er selbst. Das Land seiner Väter wird verändert werden. In dieser Auffassung wird der Araber unterstützt durch die Christliehen Araber und die meisten andoren christlichen Gesellschäften auf der anderen Seite. Es stehen in Palästina, schließt der Artikelschreibcr, Juden und Fortschritt auf der einen Seite, Araber und der schöne, alte Orient auf der anderen Seite, ״Die Verwirklichung des zionistischen Traumes erfordert ungeheure Summen“, schreibt Sir Martin Conwcy in seinem weiteren Artikel im ״Daily Telegraph“. ״Etwa 1 Million Pfund wird jährlich benötigt. Wenn ein Betrag in dieser Hohe fünfzig oder hundert Jahre lang in Palästina jährlich ausgegeben wird, können die Zionisten mit Zuversicht darauf rechnen, das Land zur Fruchtbarkeit, die c9 zur Zeit der Römer hatte, zurückznbringcii. Wenn die jüdische Welt dieses Opfer bringen will, und wenn die jungen Leute dauernd mit demselben Enthusiasmus von Pionieren ins Land kommen, werden *le ein Werk vollbringen, auf da» auch eine groju Nation »lolz sein kann und den Glauben der Propheten vor der ganzen Welt rechtfertigen. Der Angelpunkt der gegenwärtigen und künftigen zi0. niütlsclicn Erfolge ist und bleibt die Leistungsfähigkeit der Anstellung auf dein Lande und die Entwicklung siver Landwirtschaft, Durch Getreide allein aber wird Pj, lästina nicht wieder bevölkert werden. Die Kundschaft« brachten von Eschkol nicht Oetrekleähren, sondern Traurlaen Das Land wurde als von Mild! und Honig fliellend beschrieben' aber mit Milch meinten sie wohl nicht nur Ziegenmilch.“ ’ Sir Martin Cotnvey erörtert die Lage der jüdischen Kolonien in Palästina und schließt: ״Enthusiasmus ist eine große Macht, aber zeitlich begrenzt. Der Zionismus tnnß ihn bis zum äyiflcrsten ausnutzen. Je älter die ׳ Kolonien werden, desto schwächer wird ihr Enthusiasmus. Er wir] wohl dann auch weniger benötigt. Es sind die Neuankömmlinge, die ihn benötigen und auch besitzen. Wenn der Glaube des Judentums lange genug anhält und die Hilfsmittel ununterbrochen erneuert werden, können die Bemühungen der Zionisten Erfolg haben. Ke christlich« Welt wird das Schick• sal des Zionismus mit Interesse verfolgen. Das Wachsen des Zionismus kann wollt mit Vorurteilslosigkeit untersucht, aber aus Gründen hoher Politik nicht mit Gleichgültlgke it beobachtet werden." In seinem letzten Artikel im ״Daily Telegraph" beschreibt Sir Martin Conwey die jüdischen Kolonien in Palästina. Er führte Petach Tikwah als ein ״vorzügliches Beispiel“ an. Ueber Rcchoboth, sagt Sir Martin Conwey, cs sei möglich, daß er dort mit seinen Bekannt• schäften kein Glück hatte. Es scheint, daß e* ihnen an Enthusiasmus mangelt, der sonst in Palästina so klar zutage tritt und für den Erfolg der zionistischen Bewegung wichtig ist. Die Kolonisten von Rcchoboth scheinen mit ihrer Lagt vollkommen zufrieden zu sein und führen ein geregeltes Lehen, In Rosch Pinah wieder kann man leicht sehen, welch große Landstriche durch die Ueberlcgcnheit der Kulrivienmgsmethoden für Siedlungen gewonnen werden können. Viele Meilen Boden* In der Umgebung von Rosch Pinah können ebenso entwickelt werden ’und viele blühende Dörfer können dort entstehen. Jeder, der ein oder zwei Dutzend der jüdischen Kolonien in Palästina besucht hat, muß zum Schlüsse kommen, daß di« Bewegung, die derartige Siedlungen hervorgebracht hat und hervorbringt, eine Wohltat fiir das Land bedeutet, jede neue Kolonie ist ein Zentrum von Fortschritt. Sobald die Rassen״ gegensatze, die durch politischen Ucbcrcifer geschaffen wurden, entfernt werden könnten und wenn die Anstellung jüdischer Emigranten auf dem Lande dauernd aber in keinem allzu raschen Tempo forte.dirciicf, יא wird *ich im Lajrfc der nächsten Jahre die ökonomisch'; Lage der Fellachen verbessern. Ke arabischen Landeigentümer, die klug genug sein werden, die jüdische Kolonisation auf einem Teile ihres Bodens zu fördern und den Rest zu behalten, werden sich bereichern. ״El Karmel“ über Englands arabische Politik J eru*ale m (J. C. B.). ״Ei Karmel“ bespricht Sir Martin Gonweys Artikel über Palästina (die wir in der vorliegenden Nummer auszugsweise wiedergeben, Red. ,,J. R“) und kommt zu dem folgenden Schluß: ״Wenn Oroß-Britanien für d;e Sicherheit des Suez-Kanals fürchtet oder den Türken mißtraut, so sollte cs sich doch wenigstens die Araber als Freunde erhalten, damit diese sich nicht an die Türken oder an Frankreich, dem Rivalen Englands, zu wenden brauchen, um ihr Land und ihre natürlichen Rechte in Palästina zu verteidigen. Es wäre besser für England, wenn es die natio• nalen Hoffnungen der Araber verwirklichen würde, damit diese ihm dann als Wall gegen Frankreich und die Türkei dienen könnten." 12,500 Plund itir das Ruthenberu *Projekt Der Kassier des amerikanischen Keren Hajessod, Mf. Hermann Conheiin teilt mit, daß neuerlich 12,500 Pfd. für das Rinlictibcrg-Protekt überwiesen worden sind. Der Keren Hajessod hat bisher 25,000 Pfd. für das Ruthenberg-Projekt zur Verfügung gestellt Martern, Tschemow) als auch die bedeutendsten Bolschewiki (Lenin, Trotzki, Radck, Lunatacharski, Tschitschcrln tisw.), Unter den behandelten Gestalten sind natürlich auch mehrere Juden, was das Buch für uns besonders interessant macht. Wir sehen die Kraft jiidisdicr Persönlichkeiten, die sieh vorbehaltlos einer Idee hingeben, Trotzdem wird auch aus dieser Darstellung völlig klar, daß die russische Revolution keine ״jüdische Sache“ ist, sondern daß Juden liier der Sache anderer dienen mit derselben Hingabe, mit der sie auch unter ändert; Verhältnissen für anders geartete Ideen der Menschheit cingctrcfcn sind. Die russisch« Revolution ist eine wunderbare und einzigartige Manifestation der russischen Volksseele, uti• nachahmlich und unwicdcrholbar bei andern Völkern. Gerade darum aber verdient sic die aufmerksamste, von Vorurteilen freie Beachtung aller Zeitgenossen. Robert Weits eh, Ein JjidenkÜ der ״Tal“ Ein Versuch, der fast ahnungslosen deutschen Oeffentlicli• keit ein Bild von der genügen Bewegung im heutigen Judentum zu gehen, ist ein besonders’ verantwortungsvolles unternehmen; das gilt aircii darin, wenn bewußt nur ein Aufschnitt, nämlich mtr das Denken jüdischer Jugend, berücksichtigt werden soll. Dr. Gustav Löffler, der geistige Führer der neutralen jüdischen Jugendverbände, fiat diesen Versuch auf Veranlassung der Redaktion der bekannten bei Eugen Dicdcrichs in Jena erscheinenden Zeitschrift ״Die Tat“ gewagt. Er hat seine Aufgabe nicht so aufgcfnßt, daß er die Vertreter der einzelnen Gruppen ihr ״Pograimn“ darlegen ließ, sondern er hat eine Reihe von Beiträgen ausgewählt, die mehr in der Form subjektiver Bekenntnisse das geistige Ringen jüdischer Jugend manifestieren. Den Sinn der hier zum Bewußtsein drängenden Bewegung charakterisiert Löffler mit folgender Formel: ״Dienstbarkeit aller am Geiste werde gemeinsames Ziel Hier nach Erneuerung Dürstenden". Also eine Art MUslonstcncleuz, m die auch mehrere Beitrage des Heften In mehr oder minder beholfener Art clnstimmen. Die Beiträge sind von *ehr ungleichem Wert, nicht nur was die Reite der Anschauung betrifft, denn gerade das allmählich Werdende ist ja das Merk• mal de» Jugendlichen, — sondern auch was typische Geltung und Tiefe des Gefühls betrifft. Die meisten Mitarbeiter schildern Ihr Verhältnis zur Religion und zu den religiösen Formen und Gesetzen. Daß die Auseinandersetzung mit den Problemen der Religion trud des religiösen Lebens wieder ein u1.-.1!1?*■. ״״g.■— .L^sagses^-- inneres Bedürfnis für weit« Kreise der jüdischen lugend, besonders die bisher völlig entfremdete, durch die Aulklärung durchgcgangenc Intelligenz, geworden ist, ist eine Tatsache, die ernstest« Beachtung verdient. Trotzdem zweifeln wir, daß gerade Aufsätze wie die von Glut ׳er, Koeli, Lcvmgcr dem Ferncrfitclionden einen richtigen Eindruck von der Weite dieses Streben* vermitteln. Bemerkenswert sind die AuLa.ze von Leo Bneck über Jüdische Mystik, der in knapper Form die Eigenart jüdischer Mystik gegenüber der ntr.itiildiscnea kennzeichnet, und von Hans Goslar über ״.Jüdische Wirt• sebaftsgesinnung“ die vor allem an der Idee des Sah׳ at una an der jüdischen Bodengeretzgcbirng dargelegt wird. Hermann Wcvi zeigt in einem Essay ,,Siu.i.lic Wirklichkeit“ woche# Anteil die Sittlichkeit a!1 der Oes'altung des realen Fcoens hat. Oskar Wolfsberg steuert einen Aufsatz über Mc'riar.ismus bei, Margarete Turnowsky schreibt klug über die ,,Frau in der jung-jüdischen Bewegung". Von der ge'va’tgcn Bewegamg zur Erneuerung des wirklichen Leben» der jüdisch«!! Jugend, die von der Erkenntnis ausgclit, daß diese Erneuerung nur mit einer Erlösung de» Volke» aus seiner betrügen «bliängigen Existenz, vor allem der parasitären Wirt- Behältlichen Struktur, möglich ist, — von dieser entscheidenden Bewcgtmg wird nur in einem kurzen, l'/a Seiten langen Aufsatz ״Der Chahrz“ (Verfasser ist nicht genannt) Kunde gegeben. Schon aus diesem Grund ist das Fielt unvollständig. Aber Mt nllen Mängeln, die vorstehend angedeirtet wurden, ist da* Heft, dessen ״Umschau" noch eine Reihe von literarischen und kritischen Bemerkungen bringt (darunter von Margarete S119man über Cohen und Simmel, von S. Kracaucr über Buber), eitle interessante jüdische Kundgebung, die ment nur der nichtjüdischen Ocffcutlidikcit (gerade diese Aufgabe erfüllt *te weniger), sondern auch jüdischen Lesern etwas zu sagen hat. Literarische Mitteilungen Die Jewish Publication Society in Amerika zeigt das ]־£ scheinen des ersten Bandes der jüdischen Klassikersene noai für Ende September an. Dieser Band bringt eine Auw*״• der religiösen Poesie von Salomon ibn Gabi rol, über• tragen in englische Verse von Israel Zan£׳wOl. D*> vokalisierte hebräische Text ist» jeder Seite der englisch«״ Ucbcrsctrim;» beigefügt. — Geplant ist die Herausgabe von 25 Bänden jüdischer Klassiker. L»e Hmtcllumzskoaten »nw durch einen von dem verstorbenen Jacob H. Schiff gegründete# Fond* gedeckt, \