Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVIII (1923)
- Issue
- Heft 83-84 (28.9.1923)
- Date
- 1923-09-28
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Listenführer müßte eigentlich ein Jüdischnationaler jfin, nicht nur weil der Jüdischnationalen Partei allf Grund ihrer ,Verdienste um die Verteidigung <jcs Judentums bej allen Gelegenheiten, auch als die andern zu schweigen vorzogen, die Führung gebührt, fonilrrn auch weil das österreichische Judentum keine Persönlichkeit aufzuweisen hat, die sich an politischer Kapazität und parlamentarischer Wirkung mit dem Abgeordneten Stricker messen könnte. Die Jüdischnationalcn!,abert sich mit der Listeufiilmnig für das Reststimmcii* mandat begnügt, das auch Aussicht auf Erfolg hat, v,cnn ein Kandidat bereits gewählt ist. Es kommt also alles darauf an, daß wirklich die gesamte Judcnheit ,!!re Stimmen auf die jüdische Liste vereinigt. Auch in der Wiener Gemeinde könnten die Juden dann ihren Besitzfand an Mandaten vermehren. Das Zustandekommen dos Wahlbündnisses wäre ein Beweis, daß in Zeiten ocr Gefahr die jüdische Solidarität sich stärker erweist aI5 alle Partcidiffcrciuicrungcn, die darum natürlich noch longe nicht aufgehoben sind. Auf dem Gebiet der Landespolitik, wo noch vor kurzem die wenigsten cs für möglich gehalten hätten, verwirklicht sich die Kooperation der jüdischen Parteien und Gruppen, die wcltaiischamingsmäßig getrennt sind und getrennt bleiben. Dies ist ein großer Schritt zur politischen Reife. Wie aber steht es mit der einen Sache, ohne die keine jüdische Landespolitik bestehen kann, da von ihr allein nicht nur die innere Kräftigung und moralische Erziehung des jüdischen Volkes, sondern bei der heutigen Konstellation auch sein Ansehen bei allen Völkern der Erde abhängt? Wie steht cs mit der Arbeit für den Aufbau der nationalen Heimstätte in Palästina? Der letzte Zionistenkongreß hat nicht nur wie frühere Tagungen den Grundsatz der Vereinigung aller Kräfte für den Aufbau Palästinas bejaht, sondern er hat auch den konkreten Weg gewiesen, der nach seiner Meinung die geeignete Methode zur schrittweisen Erweiterung der Basis der gesamten Palästina-Arbeit bilden kann. Der Kongreß hat, wie Sokolow in seiner Schlußrede sagte, ״die Losung einer Vereinigung aller Juden“ ausgegeben. ״Einer Vereinigung aller Juden“, — ja, aber zu welchem Zweck? Doch nur für den Aufbau der nationalen Heimstatte in Palästina, der in schnellerem Tempo und mit mehr Angriffspunkten vor sich gehen soll als bisher. Das versteht Herr Dr. Naumann, der Füiircr der nationaldeutsehcn Juden, nicht, oder er will cs nicht verstehen. Er zitiert die erwähnten Worte Sokolows als Beweis dafür, daß die ״nationale Heimstätte in Dunst zerflossen ist, aber man meint, eine Nation auch ohne Heimstätte schaffen zu können“. Das kann natürlich nichts anderes sein als ein ״Weg ins Ghetto“ — und da hat Dr. Naumann, der ein geschickter Journalist ist, auch schon die schlagkräftige, wenn auch nicht sehr originelle Überschrift für seinen Artikel. Für den Artikel II, denn der Artikel I ist schon vor dem Kongreß geschrieben und daher muß II des Gedankengang von I fortführen. Ucbcr I haben wir kurz in Nr. 68 der ״J. R.“ berichtet. Naumann kam dort zu der Folgerung, daß der Zionismus tot ist, da England Palästina als seine Kolonie fcsthalte und daß daher die zionistische Bewegung sich einen Ersatz suche in der nationalen Kulturbewegung in der Diaspora. Den reinen Palästina-Zionismus, der die Juden zur Aus- Wanderung veranlaßt, kann Naumann gelten lassen, da er Deutschland von fremdfühlenden Elementen befreit. kostet das ״ßcrfincr Ta2<־blaU" in der Woche vom 23. bis 29. September 19231 Dagegen hat ein großer Teil der Leser (kr ״Jüdischen Rundschau“ die zu Beginn de# Monat« geforderte Vorscifußzahlurig von 2 Millionen für September und Oktobrr nicht gezahlt, 80 daß die Zusendung des blatte* eingc ,teilt werden muß. Wer noch nicht bezahlt hat und Lieferung im Oktober wünscht, überweise sofort 34 Millionen auf das Postscheckkonto Berlin 17392 der ״Jüdischen Rundschau“. Die Abonncmcntszuschliigejfür September und Oktober sowie die Hoho der Vorschußzahlung für November, die Anfang Oktober durch Nachnahme erhoben werden, geben wir in der Nummer der ״Jüdischen Rundschau“ vom 5. Oktober bekannt. Verlag der ״Jüdischen Rundachmi“ Berlin W 15, Südnlscha Straße 8. illVili Dagegen wendet er sich mit aller Schärfe gegen den außerpalästinensischen Zionismus, der, wie Naumann sagt, die jüdische Einheitsfront, das Alljudentum außerhalb Palästinas schaffen will. Nun hat der Kongreß durch seine Beschlüsse über die Jewish Agency Naumantis Auffassung bestätigt: Der Zionismus ist tot, das Alljudeiitum marschiert. Er sicht im heutigen Zionisinus ״die seelische Unrast des Ghettocmpfiudcns, die dein Gefühisdeutschcn gleichviel welchen Stammes, der mit beiden Fiißcn fest auf nordischer Erde stellt, fremd ist.“ Wir wollen nicht so boshaft sein, den Spieß tinmrdrehen und an Herrn Dr. Naumann psychologische Studien über das leider so alte, auf die Assinrilantcn aller Völker vererbte Ghcttoübel der inneren Knechtschaft zu treiben. Wir wollen auch nicht Dr. Naumann einpfehlen, seine etwas fadenscheinige Peer Oynt-Intcrprctation zu revidieren, da ihn der ״Große Krumme“ vielleicht belehren könnte, was es heißt, zu sich selbst zu kommen, statt in tausend Masken durch die nordische oder nichtnordische Welt zu ״trollen“. Dies gehört in ein vielleicht interessantes, aber hier nicht zu schreibendes mehr literarisches Kapitel. Wir stellen fest, daß das Judentum auf dem Wege zu sich selbst ist, und wir hoffen, dnß diese Entwicklung sich trotz Naumanns Hetzerei, die die Polizcimächte der Völker zum Schutz ihrer geheiligten Güter gegen die Zionisten aufm ft, nicht allzu langsam vollziehen wird. Denn ein Volk kann nur sich selbst helfen; dazu muß cs zunächst eigenes Lcbcnsbcwußtscin haben. Die Arbeit für Palästina und das Erwachen des jüdischen Sdbstbewußtseins in der Diaspora sind zwei verschicdene Aspekte derselben Sache. Wir leugnen nicht, daß über die verschiedenen Probleme, die durch die Stellung der Juden unter den-Völkern gegeben sind, die verschiedcnsten Anschauungen möglich sind. Trotzdem müssen wir soweit kommen, unsere Kräfte dort zu vereinigen, wo entscheidende Lebensfragen zu bewältigen sind. Die Zionisten sind die voranschreitende Minorität. Der Zionismus hat Palästina geistig für das Judentum erobert, und das Judentum für Palästina. Der Palästinagedanke ist heute so lebendig, daß er es vertragen kann, daß Dr. Naumann ihn für tot erklärt. Das Alljudcntum — das Wort ist übrigens fürchterlich — ist vielleicht auf dem Marsche, vielleicht, wir wissen es nicht und wagen nicht zu prophezeien. Aber der Zionismus lebt! Die jüdische Einheitsliste in Wien Die ״Wiener Morgenzcitung“ vom 25. d. M. teilt mit: Als Resultat der Verhandlungen, die seit einiger Zeit zwischen den jüdisch«! Parteien geführt wurden, ist nun der Beschluß gefaßt worden, sowohl für die Gemeinderatswie für die Nationalratswalrlen eine jüdi sehe Einheitsliste aufzusteJkn. Die Einigung darüber kam gestern zustande und es wird Oberbaurat Ing. Robert Stricker als Listenführer für da« R e s t s t int m e 11!11 a 11 d at für ganz Wien nominiert Listenführer für die Getneindcratswahlen in der Leopoldstadt ist Gemeinderat Dr. Leopold Plaschkes. l ür die Gemeindendswahlcn in der Brigittenau tritt Ing. Stricker als Kandidat auf, Für den 9. Bezirk Gemeinden׳. Dr. Po 11 a k P a r n a u. Als zweiter Kan* didat in der Brigittenau und an dritter Stelle in der Lcopoldstadt tritt Dr. J. H. Körner, der Präsident der Hakoah, auf. Die L i s 1 c n f ü h r u 11 g für die Nationalrats• wählen in der Leopoldstadt, Brigittenau und Floridsdorf, ferner die zweite Stelle auf der Oemeiuderatsliste in der Leopoldstadt sowie die Listenführung! in allen Wiener Bezirken, d, 11. zu den Bezirksrats• wählen — Red. ״J. R.“), haben die nichtnationalen jüdischen Parteien innc. Die Namen dieser Kandidaten sind noch nicht bekannt. Demnach war die von uns in der vorigen Nummer wicdcrgcgcbcnc Meldung des JG'B. nicht nur verfrüht, sondern auch ungenau. Denn erstens ist die Einigung erst am 23. September erfolgt und zweitens haben keines• wegs die Jüdischnationalen überall die Listenführung. inne, vielmehr haben sic gerade im aussichtsreichsten Wahlbezirk, der Leopoldstadt, wo 1919 Stricker gewählt wurde, die Listenführung und damit das zu erwartende Parlamcntsmandat den ״nichtnationalen“ Parteien ab* getreten. Oeslerrcicliischc Privatinitiative ifir Palästina Wien (J. C. B,). Das Wiener Palästina,imt geht jetzt daran, eine besondere Abteilung für Privatinitiative öster* rcichisclrer Juden zu •..nisten des palästinensischen Aufbau* cinzurichten. In Oesterreich, besonders in Wien, besteht unter den jüdischen Industriellen und Finanz! cutcn ein wachsende* Interesse tür die gewerbliche und industrielle Entwicklung Palästinas. Mit diesen Kreisen soll nun ein dauernder Kontakt unterhalten werden. Es wird jetzt eine große Gescllscfiafts• reise nach Palästina vorbereitet. ן Der Vertreter des Handel*- und Wirtschaftsdepartement* der zionistischen Exekutive in Palästina, Herr Tisch bi. der sich in den letzten Tagen liier aufgchaltcn hat, verhandelte mit einer Reihe jüdischer Industrieller und Finanzlcutc über ihre eventuelle geschäftliche Betätigung in Palästina. Es fand eine größere Konferenz jüdischer Industrieller statt, hr welcher Herr Tischbi ein ausführliches Referat über die wirtschaftlichen Möglichkeiten Palästinas gehalten hat. Auf Einladung mehrerer Industrieller hat Herr Tischbi verschiedene Fabriken und Unternehmungen, die Wir Errichtung von Filialen in Palästina in Betracht kommen, besichtigt. Sir Alfred Mond in New York New York. (J. C. B.) Sir Alfred Mond ist mit dem Dampfer ״Bcrcngaria“ in New York eingetroffen. Er wird dort an mehreren öffentlichen Unternehmungen int Interesse des Keren Hajcssod teilnehmen. Fs sind Vorbereitungen zu einem großen öffentlichen Empfang Sir Alfred Monds in New York getroffen worden. Sinn und Schicksal der Revolution (Von Hans Kohn. E. P. Tal & Co. Verlag, Wien 1923) Das bedeutendste historische Ereignis der letzten Epoche kt zwciicllos die russische Revolution, die das östliche Europa in seiner politischen und sozialen Struktur völlig von der alten Zivilisation des Westens abgclöst und zu einer neuen geistigen Macht erhoben hat, die über die ganze Weit ihre Wellen wirft. Hoffnung und Furcht wird heute auf Rußland gesetzt, ind diese Affekte erschweren klare Erkenntnis. So ist für *1־, die nicht den jämmeriiclren Verzerrungen der europäischen Presse blind vertrauen, Rußland bis heute ein Rätsel. Uns Juden aber geht es vielleicht noch mehr au als anderen Völkern. Darum ist besonders interessant, was ein Mann aus unserm zionistischen Kreise, geschult an zionistischer Denkungsart, der i’hrelang als Gefangener »n Rrrßlaand zugebracht und das che Volk und die russische Literatur kennen zu lernen Odfgcnhcit hatte, über die russische Revolution zu sagen tat. Hans Kolms Buch ist keine politische Streitschrift, er betrachtet die russische Revolution überhaupt nicht unter Politischem Aspekt; vielmehr dringt Kohn zu den Wurzeln Phänomens vor, er sucht cs psychologisch, völkcrpsychologisch zu erfassen, und darüber hinaus soziologisdr bzw. ftschichtsphilosoplüsch zu bewerten. In diesem Sinne hat das Euch gewissermaßen zwei Teile: einen mehr individuellen, i h. also die historischen Ereignisse der russischen Revolution N ihre psychologische Funcfierung klärenden, und einen %mcin«n, der die eigentümlichen Gesetze des revolutionären Geschehens abzidciten versucht Die Frage nach dem Wesen eines Volkes Ist ebenso Gwierig wie verfänglich; wir Juden wissen zu gut, wie viel tabei mit falschen Verallgemeinerungen gesündigt wind. Trotzist kaum zweifelhaft, daß es eine spezifische seelische Eigenart bei jedem Volke gibt, die mir schwer ln Begriffe 6,fassen ist. Kolm zitiert'für Rußland Gorkys Buch ״Kindheit“; steht Großmutter dem Großvater gegenüber, dos “־mentare, Erdgebunden Triebhafte dem berechnenden *״'tamtosclemeni. Rußland ist eine untrennbare Mischung Religiös-Oestlichen mit dem Wissensduftlich-Wcstlichcn. «der Revolution bildet der westliche Charakter, die Auf- ‘**״ag, scheinbar die dominierend« Rolle, k* .Wahrheit aber wäre die Revolution immöglich, wenn sic nicht von der tiefen Religiosität des russischen Volkes gespeist wäre. Das erste Kapitel gibt einen kurzen Abriß des west-östlichen geschiehtliehen Am-ilgamieruugsprozcsscs, der Rußland schuf und eine Analyse des russischen Geistes; das zweite Kapitel erzählt den Werdegang der russisclicii Revolution Ws zur Herrschaft des Bolschewismus, die mit Naturnotwendigkeit die Revolution krönen mußte. Der Bolschewismus ist ein durch und durch russisches Phänomen, nur verständlich aus der Seele des russischen Volkes; er verkörperte im November 1917 allein die Forderungen der Massen, nämlich Frieden und Land, er war die wahre Volksbewegung. Aber — Und‘ nun kommt die tragische Paradoxie, ■ - die alte Garde der ״Revolutionäre“ findet sich jetzt in einer schweren Situation, die Revolution ist über sie hmaiNgcgaiigeii״ sie sehen plötzlich das unerbittliehe Chaos der Zerstörung alter Werte und Traditionen, und können innerlich nicht mehr mit. Was Hans Kohn über die unauflösbare Antinomie der Revolution (..״Die Revolution, die ihren Ursprung im gegen die Oc1nei11s<i1,1־tt protestierenden Individuum hat, kann nicht gcmciusehaftsbildeiul wirken. So dauert die rauschartige Einheit nur kurze Zeit. Revolution als Zerstörerin der Tradition kann nicht wieder tradjtionsbildend wirken ohne sieh auf zugeben. Tradition ist aber das Traggerüst jeder Gemeinschaft..“), was er über die Entstehung der Konterrevolution aus der Furcht der plötzlich dem Chaos gcgciüibcrstelwndcn traditionsgebundenen Menschen sagt, ist unmittelbar einleuchtend und für die Beurteilung der russischen Geschehnisse schlechthin entscheidend. Das plötzliche Innchalten der Intelligenz, die zur endgültigen Erfüllung ihrer jahrzehntelangen revolutionären Tradition ausgeholt hatte, hat vor allem zwei Ursachen. Die eine ist das Grauen vor der Vernichtung des Bestehenden. Die Revolution, die nur durch die Kraft der Verzweifelten gelingen kann, zerschlägt die bestehende Wcltordnung und setzt an ihre Stelle das Chaos, aus dem die neue Schöpfung entstehen soll. Die Größe dieser Vorstellung — Schöpfung aus dem Niehls — wirkt überwältigend, aber gleichzeitig tritt die Realität unbarmherzig vor die Augen derer, die selbst die Revolution entfesselt haben. Die dem Intellektuellen cingcbor.oc Selm• sucht nach Ordnung und Schönheit wird verletzt und treibt ihn zurück zu dem Alten, da■ er eben noch zu stürzen auszog. Die zweite Quelle der Enttäuschung ist die ungeheure Kluft zwischen dem Intellektuellen und der Masse. Revolution kann nur gelingen, wo Intellektuelle und Volk Zusammenwirken und der Intellektuelle macht sich eine idealisierte Vorstellung von der Masse, erschrickt aber, wenn der Mann der Masse wirklich aufstclit und seine unförmigen Glieder reckt. ״Und In diesem Miß- und Unverständnis, in diesem Nichtzusammentreffen• können gerade der Edelsten unter den Herrschenden und unter den Beherrschten, die beide die Trägheit ihrer Art überwunden haben und sich cntgcgenwachsen wollen zu einem Mitein• anderlcbcn der Menschheit in Freiheit und Geist, in Bünden und Gemeinschaften, in dieser Ungleichheit der Bedingungen, des Erbes, efer Anlagen, der Möglichkeiten, liegt alle Tragik der Geschichte, ist alles scheinbare Scheitern aller Versuche zur Ucbcrwinduiig der Trägheit gelegen. Die einen sinken in Dumpfheit und Ergebung in den Alltag zurück, die andern treten in Einsamkeit und Mcnscberiverachtung zur Seite, und bei den Besten schweben die heilere Stille ihres Oeislcs und die gütige innige Milde ihres Herzens über einem Abgrund melancholischer Verzweiflung.“ Die Lösung kann nur finden, wer weiß, daß auf dieser Erde keine Wahrheit und kein Wahn restlos verwirklicht wird, sondern daß die Bedingungen des irdischen Geschehens die Bejahung des Kompromisses fordern. Nur wer weitschauend auch den Mut zu diesem Kompromiß hat, vermag die Entwicklung tätig in seinem Sinne zu meistern. Dies scheinen gerade die Bolschcwiki verstanden zu haben und daher sind sie trotz aller scheinbaren Konzessionen die Träger der Revolution geblieben, die die Gcscliidrte in eine neue Ent• Wicklung hiniiherführen. Kolm sieht mit offenen Augen alles Schlechte und Häßliche der bolschcwis ischen Revolution, aber er versucht die Notwendigkeit auch dieses Schlechten zu be• greifen, einerseits aus der russischen Volksseele und den besor.dern soziologischen Bedingungen, andrersei's aus den unabänderlichen Gesetzen der Revolution. Warum hier von diesem Buche *o ausführlich die Rede ist? Nicht um Rußlands willen und auch nicht um des Autor* willen — obwohl beide es verdienen würden —, sondern weil bei der l.c׳!;iüre dies!5 Buches, das nur an wenigen Stellen vom Judentum 5: Dir, wir dach immer wieder an uns selbst denken müssen. Wir füllten eine gewisse Parallelität zwischen