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Jüdische Rundschau · 1923-09-28 · Heft 83-84 (28.9.1923) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVIII (1923)
Issue
Heft 83-84 (28.9.1923)
Date
1923-09-28
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 4ftfl TUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 83/84 stimmten Momenten der Provokation und der Gereiztheit die Organisation nicht die volle Gewalt über ihre Mitglieder lmt, besonders wenn cs sich uni hungernde Arbeitslosc handelt. Es ist nicht angemessen, hungernden Menschen mit sattem Magen Moral zu predigen; viel fruchtbarer ist es, aus diesen traurigen Ereignissen überhanpt Folgerungen über die Lage in Palästina zu zielten. Man muß die fürchterliche Situation verstehen, in der sich diese Menschen befinden, die auf den Ruf des Volkes nach Palästina gegangen sind und nun arbeitslos in der Stadt hcrumlungern oder irgendein Gnadenbrot essen und gierig nach jeder auch nur kleinsten Arbeitsmrtgliehkcit ausschnucn. In einer solchen Situation wirkt jede Verletzung der Solidarität doppelt aufreizend, und wenn nun gar dieses Recht auf Sonderaktion aus rcligiöser Gesinnung hcrgclcitct wird, die mit Fragen der Arbeit nichts zu tun hat, so kann man verstehen, — und dies muß auch der Misrachi verstehen, — daß es schwer ist, die Empörung der Betroffenen im Zaume zu halten. Unter der palästinensischen Arbeiterschaft bestellt die Auffassung, daß der Misrachi die Sonderbcstrebungcn des Hapoel Hamisraclii aus ,.bürgerlicher Interessen- Politik“ unterstützt, weil er auf diese Weise einen Keil in die Arbeiterschaft treiben kann und weil dadurch eine materiell und politisch abhängige, den bürgerlichen ,Tendenzen gefügige Arbeitergruppe geschaffen wird. Jeder, der die Prinzipien der Arbeiterbewegung und der Gewerkschaftsbewegung kennt, weiß, daß die Arbeiter• Schaft auf derartige ״Streikbrecherorganisationen“ mit ,Verachtungund Erbitterung blickt. Wir wollen wieder dahingestellt sein lassen, ob diese Auffassung in dem gegebenen Fall zutrifft, aber wir würden es im Interesse des Aufbaus Palästinas, dessen viele Schwierigkeiten nicht durch neue Schwierigkeiten vennehrt werden sollten, begrüßen, wenn der Misrachi durch ein offenes Wort diese Vorwürfe entkräften und die wohl unbestreitbare!Tatsache, daß Arbeiterintcressen in Fragen der Arbeit lediglich vom Arbeitergesichtspunkt und nicht nach rcli giös-rituellen Momenten zu beurteilen sind, bestätigen würde. Durch eine beruhigende Einwirkung auf seine palästinensischen Genossen könnte der Misrachi viel zur Reinigung der geladenen Atmosphäre beitragen. Denn es wäre sehr zu beklagen, wenn ein nächster Anlaß wieder zu einer feindseligen Entladung führte. * In der vorigen ,Woche brachte« verschiedene deutsche Zeitungen die Nachricht über die Kämpfe in Transjordanien unter der aufsehenerregenden Uebcr• schrift: ״Blutige Kämpfe in Palästina“ und mit dem Kommentar, daß sich die hier zum Vorschein getretene arabische Bewegung gegen die jüdische Einwanderung richtet. Wir haben schon in der vorigen Nummer darauf hingewiesen, daß diese vielleicht weniger der Böswillig• keit als der völligen Unkenntnis der Verhältnisse entspringende Darlegung sachlich falsch und irreführend ist. Wie wir nunmehr feststcllen, stammt die Notiz der deutschen Zeitungen aus der englischen Presse. Die englische antizionistische Hctzpressc, die Jeden Anlaß benutzt, um das Aufgeben der Balfourpolitik zu fordern, hat die Meldung über die Kämpfe in Transjordanien als eine Reaktion auf den Zionismus hingestellt. Mit Recht erklärt ״Jewish Cronicle“, daß man mit derselben Be• rechtigung die spanische Revolution als eine Niederlage der englischen Verfassung bezeichnen könnte. Jede Md• düng über Unruhen in Palästina pflegt bd uns begreifliehe Beunruhigung hervorzurufen, die sich auch gewohnlich in telephonischen Anfragen bei unserer Redaktion äußert. Es soll daher festgestellt werden, daß nicht alles, was von der allgemeinen Presse als Unruhen oder Kämpfe in Palästina bezeichnet wird, wirklich von beachtenswerter Bedeutung ist. Vielmehr ist es eine der Schattcnsdtcn des öffentlichen Interesses, das der Zionismus in der letzten Zeit findet, daß alle Kleinigkeiten, die in Palästina Vorgehen, maßlos übertrieben in die ,Weltpresse ländert werden. Dies ist journalistische Betriebsamkeit, die selbst kleine Notizen aus der Lokalchronik einer palästinensischen Zdtiing gleich als großes Ereignis mit politischem Anstrich in die Welt telegra׳• phiert. Kürzlich gab cs so ein Beispiel, das gerade auch in Deutschland große Beunruhigung hervorgerufen hat. Verschiedene deutsche Zeitungen brachten — gleichfalls in Anlehnung an die englische Presse, die Korrespondenten in Jerusalem sitzen hat *י־־ eine Nachricht über einen Zusammenstoß zwisclien Juden und Arabern m Emek Jesreel. Wie sich später aufgeklärt hat, handelte es sich um einen Annähenungsversuch arabischer Hirten י auf ein jüdisches Mädchen, das alldn in einsamer Gegend über die Felder ging, und als• einige Chaluzhn dem Mädchen zu Hilfe kamen, kam es zu Steinwürfen, die Verletzungen zur Folge hatten. Die ganze Angclegcnhdt stand in einer kurzen Notiz in der Lokalchronik des ״Doar Hajom“. Wahrscheinlich passieren ähnliche Dinge nicht nur in Palästina, sondern überall in der Welt, und aus diesem Gründe ist es eben nicht zu empfehlen, daß Mädchen in einsamer Gegend allein spazieren gehen, in Berlin ebensowenig wie im Emck JesreeL Wir gehen sogar noch weiter und behaupten, daß so eine leichtfertige Handlungsweise auf einem so exponierten Punkt wie es das Emek ist, nicht nur im Interesse des gefähr- 'deten Mädchens, sondern aus allgemeinen Rüdesichten vermieden werden sollte. Denn wie man sieht, entsteht dort aus einem derartigen kleinen menschlichen Konflikt im Spiegel der Weh eine große politische Affäre, In!Wahrheit war dieser Zusammenstoß ebensowenig poll* tischen oder nationalen Charakters wie die häufigen Räubereien, die von Beduinen hundertmal bd arabischen Effendis und dann auch einmal in einer jüdischen Be- Sitzung versucht werden. Man sagt dann ״Araber haben eine jüdische Kolonie überfallen“, und d.15 klingt hoch* politisch, während man in Wahrheit sagen sollte: ״Pferdediebe haben einen Stall überfallen“. Es liegt uns fern, durch diese Darstellung den Ernst und die Größe des wirklich bestehenden nationalen Gegensatzes verkleinern zu wollen. Gerade weil wir die Nationalitätenfrage in Palästina als eines der wichtigsten, vielleicht das wichtigstc Problem anselten, glauben wir darauf aufmerksam machen zu müssen, daß die Lösung dieser Frage durch ungerechtfertigte Ucbertrcibungcn nicht erleichtert wird. Nun hat ja allerdings ein Teil der englischen und auch der deutschen nntizlonistlschen Presse kein Interesse daran, diese Lö ng zu erleichtern. Vielmehr dient ihr verdcrblichcs Trauen — das gilt natürlich vorwiegend von der englischen — nur dazu, den Konflikt zu verschärfen und die Völker gegeneinander sufzuhetzen, gleichzeitig der englischen Regierung die Größe der Gefahr vor Augen zu führen, die sie durch Förderung des Zionismus heraufbeschworen hat. Um wieder zum Emir Abdullah zurückzukehren, so zeigen uns die Kämpfe, in die er verwickelt war, in welcher schwierigen Position sich die neuen arabischen Staaten befinden. Es bestehen alte Oegcnrsätze zwischen den arabischen Stämmen, Gegensätze, die zum Teil auf religiöse Nuancen und vielleicht auch alte persönliche Differenzen zurflekgehen. Außerdem darf nicht vergessen werden, daß das Gebiet des Emir Abdullah heute englische Interessensphäre ist und daß es zweifellos rivaligierende Mächte gibt, die an der Erschütterung dieser englischen Position ein Interesse haben und sich zu diesem Zweck der innerhalb des arabischen Volkes be* stehenden Rivalitäten bedienen. Uebcr die letzten Kämpfe sind uns Einzelheiten nocli nicht bekannt. Aber die Tat* suche dieses Konfliktes zeigt uns, wie wenig konsolidiert die arabische Welt noch ist und wie sehr es darauf ankommt, das Jpdische Element in Palästina zu einem Machtfaktor zu machen, dessen Bundcsgcnosscnschaft und Hilfe bei der Konsolidierung der Verhältnisse des gesamten gemeinsamen Gebietes auch den Arabern in einem bestimmten Moment erwünscht erscheinen könnte. Freilich gehört dazu ein besonders taktvolles und politisch kluges Vorgehen und eine energische, die Landes* Wohlfahrt sichtbar fördernde aufbauende Arbeit; denn sonst könnte es geschehen, daß die heute noch streiten* den Araber sich im Abwehrkampf gegen das jüdische Element vereinigen. * Der bevorstehende Beschluß der jüdischen Gewcrkscliaftcn Amerikas, eine Kommission nach Palästinn zu entsenden, die die Lage der dortigen jüdischen Arbeiterschaft, ihre konstruktive Tätig* keit und Institutionen studieren soll, ist ein Ereignis von großer prinzipieller Bedeutung. Amerika ist das einzige Land, das heute eine große jü* dischc Arbeiterbewegung hat, denn in den ' meisten Ostländern wurde die jüdische Arbeiterbewegung von den kommunistischen Verbänden verschlungen. Die in den ״Trade-Unions“, den jüdischen Gewerkschaften, organisicrien Arbeiter, die nach Hunderttausenden zählen, bilden einen der wichtigsten Faktoren des jüdischen öffentlichen Lebens Amerikas überhaupt. Diese Arbeiter* Schaft war bisher ausgesprochen antizionistisch. Die Immigranten haben aus Rußland die Theorie des ״Bund“ mitgebracht und diese Ideologie wurde in Amerika durch den Einfluß des mitreißenden Tempos des intensiven amerikanischen Wirtschaftslebens noch mehr matcriaii• siert. Die Interessen der Arbeiterbewegung waren zu* nächst rein ökonomische, die Gewerkschaften führten mit Erfolg den Klassenkampf um bessere Lebens- und Arbeitsbedingungen. Die Streiks der jüdischen Arbeiter der großen' Industrien, z. B. Konfektionsindustrie, gehören zu den größten Streiks, die überhaupt veranstaltet wurden. Nur ein verhältnismäßig kleiner Bruchteil der Arbeiterschaft zeigte sich poalc-zionislischen Gedanken zugänglich. Während des Krieges schien es, daß der zionistische Einfluß auf de« Arbeiterring im Wachsen begriffen wäre, damals war die Arbeiterschaft die stärkste treibende Kraft der amerikanisch-jüdischen Kongreßbcwegung. Aber bald darauf tat wieder die antizionistische oder azionistischc Tendenz die Oberhand errungen und selbst gegenüber einer so wichtigen Arbcitcrinstitution wie der palästinensischen Arbeiterbank, die eine Dcle• gation nach Amerika schickte, verhielten sich die Unions gleichgültig und abweisend. Aber der Einfluß Palästinas konnte doch nicht abgewehrt werden. Die letzte erfolgreiche Kampagne Dr. Wciztnanns hat eine so starke prozionistischc Stimmung in Amerika geschaffen, daß auch die Arbeiterkreise sich ihr nicht entziehen konnten, Dr. Wcizmanti bat in Karlsbad selbst berichtet, daß er mit den Führern der Arbeiterbewegung Fühlung genommen hat und den Eindruck hat, daß auch diese Elemente für eine verantwortliche Mitarbeit am Aufbau der jüdisehen Heimstätte zu gewinnen wären. Er bezeichnet die organisierte jüdische Arbeiterschaft Amerikas als einen der Faktoren, der bei der Erweiterung der jewisli Agency in Betracht käme, [kr Bericht über die Ausspräche auf der Konferenz der Unions zeigt, wie stark die Stimmung für Palästina dort war. Es wurde von einem der Führer ausdrücklich ausgesprochen, daß die Zeit gekommen ist, die Ideologie des ״Bund“ aufzugeben, die Neutralität gegenüber Palästina fallen zu lassen und mit Interesse Anteil zu nehmen an den Kämpfen und den Bestrebungen der jüdischen Arbeiterschaft Palästinas, Freilich ist bisher noch nichts geschehe«, was wirklich als positive Mitarbeit gewertet werden könnte. Aber die palästinensische Arbeiterschaft hat bisher auch nichts anderes gefordert, als die Entsendung einer Delegation. Durch die Entsendung der Delegation wird ein direkter Kontakt angebahnt werden. Wir verhehlen uns ״jcu daß es dabei auch zu Schwierigkeiten kommen kan״' deren eine vielleicht die Sprachen frage ist. Aber wf hoffen, daß der starke Eindruck der positiven ökono! mischen Leistungen der palästinensischen Arbeiterschaft seine Wirkung auf die amerikanischen Genossen nicht verfehlen wird und daß diese Delegation den Anstoß geben wird zu einer dauernden fruchtbaren Zusammen, arbeit. zur Beteiligung des bisher abseits stehenden jüdh sehen Arbeiters Amerikas an dem Werke, das der Zu. :■ kunft des jüdischen Volkes dient. Die Wahlen in die Gemeindevertretungen in der tschechoslowakischen Republik haben in den meisten Landcstcilen einen großen Erfolg der jüdischen Liste ■ gebracht. In Prag, dessen jüdische Wählerzahl etwa ‘ 15000 betragen dürfte, hat die jüdische Liste 8551 Stimmen erhalten, während die restlichen jüdischen Stimmen auf alle Parteien der Deutschen und Tschechen zersplittert sind. Es ist daher mit unwiderleglicher Beweiskraft dargetan, daß die unter nationaljüdischer Führung stehende Liste der vereinigten Jüdischen Parteien allein den Anspruch darauf erheben darf, das Judentum zu repräsentieren. Die Wahlen gingen diesmal viel stiller vor sich als vor vier Jahren, wo ein heftiger Wahlkampf gerade um die jüdischen Stimmen entbrannte. Trotzdem versuchten natürlich die Assimilanten beider Nationen, sich bei ihren Nationsgenossen dadurch verdient machen, daß sie die jüdischen Stimmen in das betreffende Lager ziehen. Die kläglichste Rolle spielten dabei wie immer die sogenannten dcutsch-dcmokratischcn Juden, die für die vereinigte deutsche Liste, auf der die Hakenkreuzler und Christlich-sozialen reinster Observanz prangten, den jüdischen Listcnführer stellten. Daß sich die Antisemiten, die erst vor kurzem in Prag den von der ganzen Welt beachteten Skandal gegen den jüdischen Rektor Steinherz inszenierten, auf dem sonst verlorenen Boden Prags die jüdischen Zutreiberdienste gefallen ließen, um Mandate zu bekommen, mögen sie mit sich ausmachen. Uns geht nur an, daß Juden sich zu dieser Rolle erniedrigen. Besonders erheiternd wirkt es, wenn man erfährt, daß ein ad hoc gegründetes Wahlkomitcc deutscher Juden einige Tage vor der Wahl allen jüdischen Wählern die Aufforderung zusandte, die deutsche Listq zu wählen, weil nur deren Kandidaten den Kampf gegen den tschechischen Antisemitismus führen könnten, Bit jüdische Wählerschaft hat sich weder von diesem durchsichtigen Wahlmannöver noch von ähnlichen Verlocken!- gen der tschechischen Assimilanten verleiten lassen und hat bewiesen., daß sie aus den Erfahrungen der letzten Jahre die Erkenntnis geschöpft hat, wer allein zur Vertretung jüdischer Interessen geeignet ist. Der Erfolg der jüdischen Liste, die um ungefähr ein Dritte! mehr Stimmen auf sich vereinigte als noch bei den letzten Parlainentswahleu, ist um so höher zu bewerten, als der Erfolg unmittelbar nach dem Umsturz vielfach dadurch erklärt wurde, daß man sagte, die Juden wollten inmitten der ungeklärten Verhältnisse sich zu keiner der beiden großen Nationen bekennen und wählen daher den neutraleren Boden der jüdischen Nationalität. Heute sind die Verhältnisse im Staate gefestigt und trotzdem hat die Mehrzahl der Juden mit vollem Bewußtsein jüdisch gewählt. Auch in anderen Städten ist der jüdische Wahl• erfolg befriedigend, besonders in der östlichen Grenz• provinz des Reiches, dem sogenannten Karpatho-Riiß• lnnd, wo in mehreren Gemeinden die Juden als di« stärkste Partei in die Gemeindestuben einziehen. * Auch in Oesterreich stehen die Wahlen zum Paria• ment, das dort Nationalrat heißt, wieder bevor, ebenso die Wahlen in die Gemeinden. Der ersten Österreich« sehen Nationalversammlung nach der Revolution gehört« bekanntlich der Führer der zionistischen Partei, Ingenieur Stricker, als jüdisch-nationaler Abgeordneter an. Bei den 2wcitcn Wahlen, die nach einem raffiniert zu ungunsten der kleinen Parteien zugcschnittcnen Wahlrecht statt• fanden, wurde Stricker nicht wiedergewählt, vor allem weil durch eine völlig aussichtslose demokratische Ge• genkandidatur des Dr. Sehwarz-Hiller, die jüdische« Stimmen des wichtigsten Wahlbezirkes, der Leopoldstadt, zersplittert worden waren. Die letzten zwei Jahre haben die österreichische Judenschaft gelehrt, was es heißt, in leichtfertiger Weise die einzige Vertretungsmöglichkeit die das Judentum in der gesetzgebenden Körperschafl hat, auf das Spiel zu setzen. Die antisemitische Bewegung ist durch ein aus Dautschland, besonders aus Bayern importiertes Hakenkreuziertum stark gewachsen und unter den von Juden mitgewählten demokratischen Mit• gliedern des Nationalrates fand sich niemand, der bei den zahlreichen Anlässen ein offenes und starkes Wort zugunsten der Juden von der Tribüne zur ganzen Well gesprochen hätte. Die Bedeutung des Judentums insbe• sondere für die Stadt Wien ist in letzter Zeit sogar von dqm christlichsozialem Reichskanzler Dr. Seipel anerkannt worden, der bei seinen Sanicrungsvcrsticben die jüdisch! Hilfe schätzen lernte. Dem österreichischen Judentum gebührt eine Vertretung, und es wäre unverzeihlich, wenn die Juden selbst durch Uneinigkeit die bestehende Möglichkeit verscherzen würden. Es ist daher zu be grüßen, daß in Wien eine Wahlvereinigung der ver• schiedenen jüdischen Gruppen zustande gekommen ist Die jüdische Einheitsliste soll von den größten jüdischen Organisationen wie der Kultusgemeinde, der zionisti sehen Landespartei, der Israelitischen Union (entsprich! etwa dem deutschen Centralvcrcin) dem Orden Bne ßrlth, Agudas Jisroel und der Schwarz-Hillergruppe offi• zieh gestützt werden. Es ist klar, daß das Zustande• kommen eines solchen Wahlbündnisses auf große Schwic•

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