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Jüdische Rundschau · 1923-09-21 · Heft 81-82 (21.9.1923) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVIII (1923)
Issue
Heft 81-82 (21.9.1923)
Date
1923-09-21
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Sette 492 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 8l/82 Plenum auch die Kompctcnzcrvciterung des Actions-Gomik'ä, vor allem das Recht, mit Zweidrlttelmitjorität die Exekutive abzuberufen, gestrichen. Bestätigt wurde lcdlglidi der Kommissionsbcscliluß, daß das Acticxus-Gomitö alle sechs Monate zusammentreten soll. Es bat sich also auf organisatorischem Gebiet nicht viel geändert, so daß eine Gewöhnung an neue Verhältnisse nicht in Frage kommt. Um so wichtiger ist es, daß wir der Organisationsrcforin schon jetzt unsere Aufmerksamkeit zu• wenden. F.in wichtiges Problem, dessen Bedeutung dieser Kongreß uns wieder gezeigt hat, ist die künftige Gestaltung der Kongresse. Auch die wichtigen organisatorischen Fragen dürfen nicht wieder erst kurz vor dem Kongreß auf taudien, sondern müssen itt Gründlichkeit und Ruhe vorbereitet werden. Man hat früher bei uns Organisationsfragcn überschätzt und neigt jetzt zu einer Unterschätzung. Beides ist gleich falsch. Eine unzweckmäßige Organisationsform kann die Arbeit tnorm erschweren. Bericht Uber den XIII. Zioolslcnliongrcß Am Doncistag, den 6. September, fand in der Aula des Dorothcenstädtisdien Realgymnasiums eine Mitgliedervcrsammhing der Berliner Zionistischen Vereinigung statt, in der Dolegierte über den Verlauf und die Ergebnisse des Kongresses sowie über das Verhalten der deutschen Landsmannschaft Bericht erstatteten. Als erster Redner spracli R.-A. Rosen• blüth, der ausführlich den Standpunkt der Mehrheit der Landsmnnschaft vertrat und in systematischer Weise alle Probletne des Kongresses und der gegenwärtigen Lage zu er• schöpfen suchte. Bekanntlich war die deutsche Landsmann• sehaaft mit einem bestimmten Programm auf den Kongreß gegangen, das in den Resolutionen des Dresdenei• Delegiertentages festgelegt ist. im Vordergrund des Programms standen Forderungen, die sieh auf den inneren Ausbau der Organisation, finanzpolitische Neuordnung und andere sachliche Fragen bezogen, in der politischen Situation und Stimmung des Kongresses traten jedoch diese Fragen in den Hintergrund. Der Kongreß wurde beherrscht von einem persönlichen Pro• blem, dein Kampf tun Weizraann. Allerdings ist nicht zu verkennen, dali gerade auch dieses Problem einen eminent sachlichen Hinlcrgnmd hat. Es erhob sich die Frage, inwiefern die innere Struktur der Organisation noch zeitgemäß und den Aufgaben entsprechend׳ ist, inwiefern besonders der Kongreß dem Ansprüche genügen kann, den er selbst erhellt, das jüdische Parlament zu sein, wie es gelingen kann, eine neue lebendige Berührung zwischen dem Führer und der Organisation lierzustcllcn. Roscnbiiith begründete den Standpunkt der Mehrheit, die für Weizmann eintrat, weil er der einzige Mann war, der mit entschiedenem Willen und einem klanrmrisscnen Programm vor den Kongreß trat, weil er unersetzbar ist und weil insbesondere auch seine Oegtier kein Programm und keine Namen bieten konnten, die ihn zu ersetzen imstande wären. Er suchte dem Standpunkt der Opposition gerecht zu werden, tadelte jedoch scharf die Art ihres Vorgehens und die Verantwortlichkeit, mit der sie die Stellung eines Führers schwächte, von dessen Unentbehrlichkeit sie im Grunde genommen überzeugt war. Einen großen Raum in seinen Ausführungen nahm die Frage der Fraktionen Uns zu‘weit gegangen sei, daß sie im Begriff sei,, den einheitlichcn Charakter der Bewegung zu sprengen und den Kongreß der zionistischen Bewegung dem Bilde eines ,Weltkongresses aitzuähncln, auf dem verschiedene Parteien zusammenkommen. Auch bei den Fraktionen rügte er besonders die Taktik der parlamentarischen Manöver, die dem Parteiirfteresse dienen sollten, ohne daß die Fraktionen wirklieh die Absicht hatten, ernsthaft die Majorität zu erzwingen, selbst die Führung zu übernehmen und ihr Programm zu verwirklichen. Demgegenüber sah die deutsche Landsmann- Schaft ihre Aufgabe darin, die ״Vereinigten Landsmannschaften", die die sogenannten allgemeinen Zionisten umfaßten, zu einem aktionsfähigen Gebilde zusammenzufassen, so daß sie ihrer inneren Bedeutung cnlsprcchcnd zur Geltung kommen konnten, statt wie bisiier dem Zwange der Fraktionen zu erliegen. Die deutsche Landsmannschaft hat in dieser Hinsicht auf dem Kongreß eine überaus wichtige Rolle gespielt, und es sind Bestrebungen im Gange, das dort begonnene Werk der Vcreinhcitlichung und Stärkung d-cs allgemeinen Zionismus weiter fortzusetzen. — Wir greifen nur diese wenigen Punkte aus dem erschöpfenden Referat heraus, an die sicli die Debatte ein. Redner war der Meinung, daß die Fraktionsbildung bei hauptsächlich anknüpfte. WT»..."»1 II1"""!1■- 1!LI■■"-« 1. ■— 11. 1 ■■■!11.׳ .. ij L JJ "J'f.ll.i. daß das Alte Testament, religionsgeschichtlich betrachtet, eine Vorbereitung auf Jesus dnrstrlie. Der Verfasser vertritt In der Auslegung der in Betracht kommenden Stellen den wissenschaftliclicn Standpunkt und der Leser darf sich seiner Füllrung unbedenklich anvertraucn. Aber cs macht sich doch etwas eigentümlich, wenn man die wissenschaftliche Auffassung der Bibelstellen der, sagen wir, midraschartigen Auslegung im Neuen Testament — es hat nämlich auch einen christlichen Midrasch gegeben — und der bei inspirationsgläubigen Christliehen Autoren entgegensetzt. Der Nachweis der Unzulässigkeit der christoiogischcn Deutung gelingt natürlich immer, muß aber, da die wissenschaftliche Einstellung des Kritikers von vornherein gegeben ist, auf die Dauer eintönig und ermüdend ■wirken. Es liiuit überall darauf hinaus, daß die betreffenden Stellen entweder überhaupt nicht mcssianisch, oder wenn schon mcssianisch, daun nicht christologisch zu verstehen sein, worin der Verfasser zweifellos überall im Rechte bleibt. Die fünf Bücher Mose werden auf christologisch gedeutete Stellen hin durchgegaiigen, die groben und kleinen Propheten, die Psalmen, die Spruche Salomos, das Hohelied, Hiob und Daniel. Dabei beschränkt sich der Verfasser nicht ausschließlich auf solche Stellen, die im Neuen Testament christologisch ausgeiegt werden, er befaßt sich vielmehr auch mit solchen, die von Kirchenvätern, wie Justinus Martyr oder Origenes, ja auch noch später, von Luther und sogar von Franz Delitzsch, im christoiogischcn Sinne gedeutet werden. Wenn der Leser der Untersuchung folgen will, muß er das Alte und Neue Testament stets zur Hand nehmen. Interessant ist der wiederholte und berechtigte Hinweis des Verfassers darauf, daß manche christologischc Auslegung von Stellen des Alten Testaments im Neuen durch eine irrtümliehe Ucbcrictzung in der Septuaginta hervorgerufen sei. Die reichste Ausbeute an einschlägigen Stellen findet sich bei Jesaja und in den Psalmen. Mit Recht verweilt der Verfasser lange bei Jesaja Kap. 53 und bei Psalm 2. Be- *onders steht Jesaja 53 seit jeher im Vordergrund der «hristologisclien Auslegung, weil dies Kapitel mit Leben, Wirksamkeit und Leiden Jesu am meisten Analogien auf weist. ,Der Verfasser legt in überzeugender Weise dar, daß mit idem leidenden Oottesknccht überhaupt kein liidividitura, 80n- מד־ um iieiica Nachdem die In Deutschland s. Z. gehenden Druckand Papierpreise die Weltmarktpreise bereits erheblich überschritten faabea and mit Rücksicht auf die stark erhöhten Porto-Qcbühren sind wir gezwangen, auch die AbonnemeaUgebflbrea für unsere Abonseatea in Auslände neu festzaielxeu. Die Gebühren betragen: . Für Afrika. .... 4 sh tf Amerika. .... 1 Dollar fl Aegypten .... .... 4 sh * Belgien .... 10 Franca B»!s׳arlen .... ׳ 80 Lewa .... Dänemark, Schweden 11. Horwezen 3 Kronen Dcuicclt-Ocsterrelcb , . . 1 35000 Kronen fl .and!׳! En .... 4 th « Kalla 11 d. ... 350 esin.Kark Finnland. .... 30 finn. Mark Frankreich . < . . , , 12 Franca tl Griechenland . , , . . 12 Francs Jt Holland . , . . . . 2M Gulden Uniien ... . , 20 Lira M lugoslarlen . . . . . 80 Dinare fl Lettland .... , 5 Lata Litauen ... , . 12 Llts »1 Luxemburg , . . ... 10 France Mtrnciiana .... .... 10 Llts Palästina .... .... 4 811 Polen . . . 200 000 po!n. Mark Rumänien . . . . . . 2üö Lei II Schweiz .... ... 5 Franc* Spanien. ... 7 Peseta• יו Tschechoslowakei ... 30 Kronen II Türkei . It Ungern. . , . 14000 Kronen Wir ersuchen alle unsere Abonnenten am umgehende Ein- Sendung dicrcr Gebühren für das 4. Quartal und um schleunigste Begleichung der wiederholt von Ihnen angemalmten rückständigen Gebühren bis zum 1. Oktober. Wir sind mit Rücksicht auf unsere schwierige finanzielle Lage dazu gezwungen, die Lieferung unserer Zeitung an nlic diejenigen, die mit der Zahlung im Rückstand sind, elnznstellcn. Die Zusendung der Gebühren erbitten wir in Original noten Im eingeschriebenen Brief, Verlag Jüdische Rundschau Berlin W 15, Sächsische Sir. 8 112, ־1/iiU Als erster Diskussionsredner vertrat Nahtim Go lefmann in sehr eindringlicher und temperamentvoller Weise den Standpunkt der Opposition, insbesondere der Demokratischen Fraktion. Für ihn ist das wesentlichste im Zionismus der nationale Kanipfgcdanke. Er und seine Freunde sind der Meinung, daß durch den Weg, den Weizmann geht, die Reinheit dieses Gedanken* der nationalen Idee und des demokratischen Prinzips sehr gefährdet werden. Vor allein werfen sic Weizmann vor, daß er dem Kongreß und dem Volke entgegentritt wie eine Macht der anderen, daß der Füll rer cs nicht versteht, als Exponent der Geführten zu erscheinen, daß er den Kongreß mit ultimativen Forderungen terrorisiert und daß er kein Vcrsländnis für die Bedeutung der Organisation besitzt und infolgcdesscn den Zusammenhang mit ihr verloren hat. Auch in anderen Punkten, besonders ln der Frage der Fraktion»- bildung und in der Beurteilung der Lcbensmögliclikcitcn und Berechtigung eines sogenannten allgemeinen Zionismus, trat Goidmaim dem ersten Redner scharf entgegen. Infolge der vorgerückten Stunde mußte die Debatte abgebrochen werden. Sie wurde an! Donnerstag, den 13. d. M. in der Aula des Falk-Realgymnasiums in der Llitzowstr. 81, fortgesetzt. Das einleitende Referat hielt diesmal R.-A, Orone• •mann. Er beschränkte sich ganz darauf, auf das persönliche Problem Weizmann cinzugchcn, weil er es für das bcherrsehende und entscheidende des Kongresses hält. Audi er hat sich für Weizmann entschieden, weil er ihn für unentbehrlich hält und er glaubt, daß man alle Konsequenzen aus dieser Entscheidung ziehen muß, selbst auf die Gefahr hin, die Prinzipien der Demokratie zu verletzen. Er entwarf ein fein ausgeführtes Bild von Weiznianns Person, <lcr Person 1 des ehemaligen sdiarfeu Oppositionsführers und Bohemiens, ,"1""י.י ״,1,,־* ״ יי -■faw'1!■׳ fgigaw.tL■11■ ״*«■וי■™־; der auf irreguläre Weise und unter irregulären UmsU!״« zur Führerschaft gelangt ist und nun nur so seines Amt'" walten kann, wie cs seinem Temperament und seiner Eigen ״ gemäß ist. Oroncmann trat ferner den Ausführungen (Vu mann ו entgegen. Er hält den Zeitpunkt nicht für geei-n,! den nationalen Katnpfgcd.mken zu betonen, da wir da* 1 Judentum zur Mithilfe nufnifett. Wohl aber verlangt er neue Belebung der alten ideellen Begeisterung Kegenfij»* 1 der fortschreitenden ״Versachlichung“ des Parlcilcbon* UJ dementsprechend and! eine nach außen gerichtete ideelle Pm״,. gandn. p' Die Diskussion erüffnete Dr. Ko Menscher, der d». Standpunkt de» Binjnn Haarez vertrat, ftinjan Haarez b( zufrieden mit den Beschlüssen des Kongresses. gr si^t In ihnen eine DurdiSetzung der von ihm vertretenen Tc״. denzen, tmd er ist bereit, auf dieser Basis mit der Organisation mitniirbeiten, solange er die Gewißheit hat, daß die Fühmn» und die Mehrheit ernsthaft gewillt sind, im Sinne der Kongreß beschlösse zu wirken. I Dann sprach Lazarus Ba rth als Misrachist, wenn auch I nicht im Namen des Misrachi. Er begründete die Halhan I des Misrachi gegenüber Weizmann und auf dem Kongreß über”• I hanpt; dabei war das Argument bemerkenswert, daß der Mis. I rachi keineswegs eine rein religiöse Partei sei, sondern ein« I Fraktion, die auch zu anderen zionistischen Tagesfragen nach I rein zionistisclicn Gesichtspunkten in cinhcitlidier Weise Stellung I nehme, in der Frage der Fraktionen überhaupt trat auch er I Roscnbiiith entgegen. I Von stürmischem Beifall begrüßt, betrat Sc h m a rj ahn Lewin die Rednertribüne. Er hat Weizmann geraten, die Führerschaft niederzulegen. Er ist auch jetzt der Meinung, daß es unmöglich und unwürdig sei, eine Person wie Weizl mann zur Führcrsdiaft zu zwingen, gleichzeitig aber u schwädten und zu schmähen. Er fordert, daß diesem Zustand ein Ende gemacht werde, und daß die Bewegung sich ernst, haft auf einen Wcdisel in der Füll rung vorbereiten soll. Das Problem Weiznianns sucht er nidit nur vom rein Persönlichen I aus zu erfassen, er sieht darin den Ausdruck der gewaltigen inneren Strukturvcrschicbimg im Judentum. Die alten Massen im Osten, in denen das starke jüdische Leben pulsierte, sind zerschlagen, ein neues nationales Zentrum von jugendlidier Stärke und Zukunftsfreudigkcit erwächst inmitten der angeh sächsischen Welt, Damit Hand in Hand gellt die Vcrsdiie. Innig der politischen Maditverhältnissc und alles wirkt letzten Endes darauf hin, daß das Zentrum unserer nationalen, vvirt. schafllidicii und auch politisdien Machtstellung mehr und mehr nach Amerika verlegt wird. Nur in diesem Rahmen ist das Problem Weiznianns zu verstehen, das Problem seiner politischen und persönlichen Einstellung und besonders auch sein eigentümliches Verhältnis zum Ostjudentum. Auch da! Ausscheiden Ussischkins wurde unter ähnlichen Gesichts, punkten betrachtet, und auch hier zeigte sich, daß das anscheinend mir Persönliche der Ausdruck der tiefgehenden Umwälzung ist, die in der politischen Situation Palästinas vor sich gegangen ist. Zum Schluß sprach Lewin von den nächsten Aufgaben der Organisation. Vertiefung der Idee, Durchbil. düng der Zionisten, Heranziehung der Jugend, Vorbereitung auf Palästina, innerliche Erlassung des nationalen und jiidischen Gedankens, der Tradition und Geschichte, das u114 die Aufgaben, die er umriß. Ms letzter Redner sprach Kurt Bl Minenfeld, leider schon beeinträchtigt von der vorgerückten Stunde. Blumen, feld ist mehr als unbefriedigt von dem Oetriebc des Kongrosses und seiner Parteien. Er sieht die drohenden Verfalls- und Zerfaliscrsdieinungen, Scheinparlnmentarismus und fraktionelle Schachereien beherrschen den Kongreß, Ueberaltcrirng und Mangel an jugendlichem Zuwachs lähmeiT die Stoßkraft, die *:cgcsfmhe Stimmung ist geschwunden, der nationale Schwing erlahmt. Es gilt, in letzter Minute den Verfallserscheinungen zu steuern, aus einem Zentrum heraus die Organisation nctr zu sammeln, in der Schulung Palästinas Propagaml, redner eist hen zu 1 s;cn, die aufs neue die Idee des Zionismus nach innen und nach außen zu künden wissen. Vom hebräischen Verlagswesen Infolge des Stcigcns der Papier- und Druckpreise la Deutschland sollen, wie verlautet, demnächst einige hebräische Verlage nach Palästina übersicdcln, wo laut Berechnungen von Sachverständigen die Druckkosten geringer sein sollen als in Deutschland. Im Anschluß daran dürften auch zahlreiche angesehene hebräische Schriftsteller ihren Wohnsitz von Deutschland nach Palästina verlegen. «lern eine Koileküvpcrsönlichkcit, nämlich das Volk Israel, gemeint sei. Alle Schwierigkeiten, die dagegen zu sprechen scheinen, werden restlos beseitigt, wahrend gegen die christologische Auffassung unüberwindliche Momente geltend gemacht werden. Ebenso wird gezeigt, daß im 2. Psalm mit dem ״Sohn Gottes“ Israel gemeint sei. Wertvoll wäre es gewesen, wenn der Verfasser auch etwas über den Charakter der ältesten christlichen Bibelauslcgung erzählt und gezeigt hätte, wie nach dem Eindringen heidnischer griechischer und orientalischcr Vorstellungen in die Kreise der Christgläubigcn das christlich-religiöse Bewußtsein auf Grund midraschischcr Bibelausiegun״ in den Worten des Alten Testaments Stützen gesucht und gefunden hätte. Wie man auf Grund gegebener Vorstellungen an Stellen des Alten Testaments aniaiünfte, dafür gibt der Verfasser bei der Beleuchtung der Psalmen 89, 97 und 132 treffende Beispiele. Dr. Josef, Stolp, JW. D. Georg Langer! Die Erotik der Kabbala. Verlag Josef Flesch, Prag 1923. Auf dieses in mancher Hinsicht interessante Werk sei der Leser (und nicht nur der jüdische) hiugcwiesen. Die riitsclhafte Erscheinung des Judentums und seiner durch fast vier Jahrtausende eigenartig aus den verschiedensten Umgebungen hervorragenden Kultur wird hier durch Anwendung’der von Sigmund Freud und teilweise auch von Hans Ölühcr erkannten das Seelenleben unbewußt beherrschenden erotischen Prinzipien erklärt. Die ganze innere Geschichte «les ewigen Voßces erscheint dem Verfasser wie eine Kette mehr oicr mindcrbewiiiltcr Kämpfe zweier erotischer Richtungen, nämlich der vom Mann zum Weib und der von Mann zu Mann Jede derartige einseitige Erklärung eines so komplexen Phänomens wie das Judentum,, muß auf Widersprach stoßen und ich muß gestehen, daß mir Längere Deutung als eine (trotz der Belegstellen) willkürliche erscheint. Aber sie hat, wie jede derartige Deutung, das unbestreitbare Verdienst, aut vieles aufmerksam zu machen, das sonst der Beachtung entginge, und auf manche dunkle Seite ein überraschendes heiles Licht zu werfen. Doch möchte ich dem Buche noch einen anderen Vorzug höher an rechnen, Langer 4t. ein• Wh ziigliclicr Kenner des jüdischen Schrifttums, von der Bibel bis zmn Chassidismus, 11ml er ist von einer warmen Liebe zu ihm erfüllt. Mau fühlt manchmal in dem immer schlichten, saciilidicn Stil des Buches eine echtere und sinneriüiltcre Orthodoxie als in manchem pathetischen Ueberschwang Neuorthodoxer. Der reidie Zitatcnsdiatz des Buches wird so manchem, der des Schrifttums nidit so kundig ist wie Langer, einen ungeahnten Reichtum inneren Lebens in allen Jahr* lumdcrtcn unseres Volksdascins offenbaren, der noch heute wirksam sein kann. Man muß in der Literaturen aller Völker weit Umschau halten, um ein Wort von auch nur ähnlicher demütiger Zartheit und Gefühlstiefe zu vernehmen, wie die Antwort, die R. Bär ans Mescritz seinem Sdiüler gegeben hat (Seite 24 des Buches). Hans Kohn Sozialistische populäre Literatur gibt die E. Laub’sch« Verlagsbuchhandlung, Berlin, heraus. Wir erwähnen ein« Broschüre ״Einführung in den wissenschaftlichen Sozialismus' von Julian Borchardt, eine Schritt, die die wichtigsten sozialistischen Grundproblerne klärt und eine kurze Begründung des Sozialismus und seiner Ziele gibt; ferner eine interessant« Broschüre des Wieners Max Adler: ״Der Marxismus 31» proletarische Lcbcnslehre“, die die soziologische Wurzel der Marxschen Erkenntnisse aufzeigt, die trotz ihrer abstrakten Formulierung leicht verständlich werden, wenn man in ihnen die wissenschaftliche Ausbeutung des Lebensromans des Arbeiters findet; eine Broschüre ״Frklcricus Rex“ von Kurt Kersten gibt eine Darstellung der Lage der Massen des Volkes zur Zeit des aufgeklärten Absolutismus und fällt «in vernichtendes Urteil über Friedrich als Menschen und Regenten; Dr, M. Nachimsohn veröffentlicht eine eingehende Studie über ״Ke Weltwirtschaft vor und nach dem Kriege“, ״ס׳י dar der erste Band vorlicgt. Die Bücher sind durchweg trotz ihres wissenschaftlichen Charakters gemeinverständlich geschrieben und zur Einführung in die Problemwelt des So»*• üsmus vorzüglich geeignet.

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