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Jüdische Rundschau · 1923-09-21 · Heft 81-82 (21.9.1923) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVIII (1923)
Issue
Heft 81-82 (21.9.1923)
Date
1923-09-21
Page
– (sequence 3)
Language
German
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1??ו |1/«2 " der Ol'f ,ך.ן |י n!c s,1>!ן e Anzahl . Verwal. he und uferaie, CauiKil as he■ ' ts kon- ״ zio- ׳־ ( nicht ' Tätig. nstitute lenz jr״ sndeis. 1« wird,!an die hlich!'!! 1 lalit. jede״, iiliru׳.״ - Wir Simon, sc des R.״ offen• t Jahre מ Mi!. I nn.׳ltr ׳eh die ie Aus- Betrag, findristc de» di Pa• m ihre Kapital. Kräfte getan ie Oehkeiten ästitia, ן viele fl, und :11, das Bodens Kredit- Kr. 81/82 סך EDI SC HE RUNDSCHAU Seite 401 schon t ö 11 n wahr, lest ine• Ider in 1R eine r Bank lästina: Credit nd imgyptian wickelt fügung alastina ,rn, da 11 werden id dies ran zu coopekoopet. Kredit m dasi gen werden i eh e arahi- ׳legend in, die Lande n nicht assring voller Eigenselbst seinen 1t ohne laltung, icrative Ferner nüclicn ikrcdit• en bei lang* Leute hi und ,auchen weldic billigen gezahlt iheiien 1r und citbliek trs für Inge» kapital! 1 wäre Femef slcute!» len traf־ itismiis lt de!« ormale ׳oitaten V, Aber bietet Palästina Möglichkeiten für der• dpt Ansiedler? Die gegenwärtige Zahl Industrieller Unter• ,((,,'iiiingen beweist nicht viel. Solange Kohle für wdrtßchaft• ,;!ie Zwecke noch im Durchschnitt mehr als 23 Dollar per Ion 1c im Hafen beträgt, solange Oel viel zu kostspielig 5t!;in in weitem Ausmaß benützt zu wenden, und Wasser• noch nicht entwickelt ist, ist die heutige Lage nicht .£!ra,'(־hc״d. Nur aut einem Spezialgebiet hat eine Industrie, jje ״och viel größere Möglichkeiten hat, bereits begonnen,!((, meine die Industrielle Verwertung der 1 n 11 d - ״■jrts cli a f t liehe n Produkte des Landes. Bei iinifa «uidc eine große moderne Mühle errichtet, ferner eine große I3;,,ik für Pflanzenöl. Die Regierung ermutigte die Tabakj״clit und große Zigarettenfabriken wurden errichtet. Die ejjaf• und Kamelzucht ist in Palästina ganz beträchtlich; J;nc große Menge von Wolle wiid gegenwärtig ausgeführt ,.j die erste moderne Fabrik für Spinnerei mid Weberei ,uid gerade jetzt errichtet. Der letzte Regicrungsbericht er- 31111״t eia nettes Unternehmen, das erste seiner Art, die Er• icugting von Alkohol aus den Laiuksprodukten. Das ganze Ocl'ict der Erzeugung eingemachter Früchte, Jams und Manne- '!den, wofür I’nlästina s! große Möglirhkcitcn bietet, wurde iäitni noch berührt, Seifenfabriken bestehen nur ht einem ,dir primitiven Zustand. Ein selir interessanter Versndi wurde i.cr/hcl» l'Cgoniicn und befindet sich noch im Anfangsstadium: [r t.csU’ht in einer Pflanzung und einem Laboratorium für je Erzeugung von Parfüms, Drogen und Essenzen aus an 01t und ''tehe gewachsenen Blumen, und von Zitronensäure, *eiche, wenn sie sich bewähren, nach Ansicht der Regierung •■;tc Aufsichten haben. Aber die industrielle Verwertung der landwir'sehnftlichrn Pirdiikte erschöpf* nicht die industriellen Möglichkeiten. Ich C.v.mIiii Ie selten den großen Pc'rag, für den jährlich Güter -ach Palästina imponiert werden. Diese Güter hatten im phrc 1021 einen Wert von mehr als 25 Millionen Dollar. 5c können alle freilich durch inländische Produktion nicht (!jetzt werden. Paläs־ ins hat nichts, was eine extensive |1׳du?tric rechtfertigen würde, aber sobald die weiße Kohle lorlunden sein wind, könnte ein großer Teil der Fertigwaren, jie et/t importiert werden, als lialhfertigfabrikate cingcführt •rd im Lande fcrtigges'ellt werden. Obwohl Holz für viele ijlire noch importiert werden muß, könnten doch die Möbel;״r palästinensische Hauser im Lande hcrgcstcllt werden. Obwohl keine Baumwollspinnereien im Lande existieren, wäre » miv'ädi, den Faden zu weben und Stoff für den Hausrhr.'.ucJ!ie! zuskdicu. Die Häute der großen Zahl von ,’ich. dx*. im Lande geschlachtet wird, sollten nicht ausgeführt wc de::, s ׳׳:־Vrn die Lcdorprodiikte sollten im Lande her- :?rieht weiden, statt daß man die Erzeugnisse wieder impor- .־׳״:, Kiii/.!ich wurde eine Kerzenfabrik errichtet. Das Roll- ■nU'n'nl kam von auswärts und Palästina hat den größten Teil des Ertrages absorbiert. Die Errichtung von Lysolwerken, ,::!n Fabrik für Mclailstöpsel wird letzthin gemeldet. Im;׳:>.uantcnha״g mit der Ausdehnung des Bauwesens in Pajs׳i!־a s;:d i1׳ der letzten Zeit gewisse Unternehmungen, 1 I',. Ziegel- und Backsteinfabriken entstanden, deren Er- ,<•־:;;״ i:s■: allmählich den Import aus Frankreich ersetzen u'itP i. Gegenwärtig befindet sich in Bildung eine englische ficr-cfischaft mii einem jüdischen Kapital von ungefähr 1 Million Dollar für die Errichtung einer großen Zementfabrik, für äc das Rohmaterial im Lande vorhanden ist. Es würde zu weit ftiluen, alle Möglichkeiten aulzuzählen. Es ist die Anschauung des Palcsüne Development Council, T(1 in Palästina ein weites offenes Feld für Kredite ist. Wahr ist, daß das herangezogene Kapital Im Anfang nicht die Anforderungen, die gemeiniglich für sichere Auilagcn erstellt werden, erfüllen wird. Die Verzinsung dürfte für eine Reihe von Jahren niedrig sein. Die Aktien palästinen■ '.eher KreditkorporaUcncn können nicht auf dem freien Markt 1 ׳.erkauft werden, und reale Anlagen i1׳ Form von Pfandbriefen :11 Hypotheken, auf Häuser, Landgüter oder Fabriken, die dne feste Verzinsung bringen und ohne Einbuße auf dem Markt jederzeit verkauft werden können, können sich erst all• :Glich entwickeln, Aber der Kredit, der im Anfang ge- ,-eben wird, sollte auch jetzt ziemlich sicher sein. Wir sagen dies nicht so sehr für den Anlegendcn, als im Hinblick auf das Ziel, dem wir znstrehcti. Der jüdische Investor kann sich (Limit zufrieden geben, wenn sein Geld wirklicli mitgcholfcn lut, das Land aiifzubaucn, aber das jüdische Palästina kann rieht durch Spenden aufgebaut werden. Zwar werden Spenden für viele Jahre nicht gänzlich entbehrt werden können, aber n immer steigendem Maße muß die Gewährung von Hilfe durch Ausdehnung des Kredits die erste Aufgabe werden. aul dem XUl Kongreß Von Salli Hirsch, Ilallterstadt. Mit fliesen! Aufsätze setzen wir die Berichte über die Tätigkeit der Kommissionen des Kongresses fort. Weite K.-cise sind sich seil langem da!über Mar, daß die Zionistis he Organisation in ihrem organisatorischen Auf• hau einer gründliche1׳ Reform bedarf. Wenn trotzdem nnf dem XIII. Kongreß mir unwesentliche organisatorische' Acnclc• riingcri licschl« bk-ii wurden, so ist das nur zum Teil «lie Schuld der vom Kongreß eingesetzten Qrganteationskomniis• sion. Einige von der Kommissioii gefaßte Beschlüsse, deren Annahme m, E. für die organisatorische Reform von De• dcutung gewesen wäre, sind aus politischen oder taktischen — also nicht in der Sache liegenden —- Gründen vom Permanenz• ausschul; bzw, vorn Plenum zu Fall gebracht worden. Auf -4!i1i11!111111ii1mim1i1:i1!1!11!iifi11111!1H11111111i1111H unsere Inserenten! Wir geben hierdurch bekannt, daß Ineernte nur noch za folgenden Bedln• gungen anfgenommen werden» Grundpreis für dt« achtgesspalteneNon• pctrelilezeüe 100 KI., multipliziert mit der jeweils geltenden Schlüsselzahl des Vereins Deutscher Zeitangsverieger, Diese Schlüsselzahl betrügt heutet 12000. Verlag׳ ,♦Jiicllsdbe Rundschau*4 Berlin W 15, Sfichelsche Straße 8. ^IllllllllllllllflllllllllllllilllllllllllllllllllllllllllillllllllllllllllllllllllllilllUlllllUlllllllllllllllh der anderen Seite war auch die Kommission selbst Infolge ihrer Zusammensetzung nicht für die Einleitung organi• satorischcr Reformen geeignet. Litt schon der Kongreß unter der Schwäche der Mitte und der Hypertrophie der Fraktionen, so machte sich dieser Nachteil in der Organisatkmskommis• sion verschärft fühlbar. Denn In den großen politischen Fragen war cs den Landsmannschaften im allgemeinen — im Permancnzmisschuft und im Plenum — möglich, einen cinhcitliehen Block der Mitte zu bilden und bald mit rechts, bald mit links eine taktische Verständigung herbeizuführen. In den Fragen der Organisatioiiercform gab es überhaupt keine geschlossene Gruppe des Zentrums. Es soll hier nicht einem Fraktionszwang das Wort geredet werden, Bedauerlich aber war, daß in diesen Fragen überhaupt keine Aussprache unter den Vertretern der Landsmannschaften ttattgefunden hatte und gar nicht der Versuch einer einheitlichen Stellungnahme gemacht worden war. Dadurch war der Block der Mitte in der Kommission noch schwächer als der Zahl seiner Vertretcr nach notwendig war. Er sank bis zur Bedeutung»• losigkeit herab, und fast alle Entscheid trugen fielen auf Grund einer Verständigung der Fltigclgru|rpen. Wir Vertreter der Landsmannschaften haben hoffentlich diesmal In der Kornmissiou gelernt, wie es in Zukunft nicht gemacht werden darf. Die einzelnen vom Kongreß in Organisationshagen ge• faßten Beschlüsse sind in Nr. 77/78 de!״ ׳J. R," nbgcclruckt*); sie bedürfen keiner Erläuterung, Wichtiger erscheint es, auf die Fragen ei 11 zugehe 11, mit denen sich die Kommission »in• gehend beschäftigt hat, auch wenn gerade in diesen Punkten der Kongreß die Koninüssionsbcschliissc nicht akzeptiert hnt. In allen kritischen Aeußerungen, die die ״J. R.“ bisher über den Kongreß veröffentlicht hat, ist mit Recht darauf hingewiesen worden, daß die Arbeit des Kongresses unter seiner Zusammensetzung gelitten hat. Das Ist kein Angriff auf die demokratische Grundlage unserer Organisation; im Gegenteil: die Kritiker behaupten, daß die Zusammensetzung des Kongresses nfcht der Volksmcinung innerhalb der Zionistischen Organisation entsprach, daß der Kongreß die in der Organisation wirkenden Kräfte nicht getreulich widerspiegelte. Es ist ein öffentliches Geheimnis, daß zum mindester» der Verdacht des Schekdmißbrauchs und damit nach dein gegenwärtigen Wahlmodus der Verfälschung des Wahlergehnisses gegenüber dieser oder jener Gruppe besteht. Er sei dahingestellt, ob mit Recht oder nfcht; Aufgabe der •) Anmerkung: Die in Nr. 73/74 unter ״Organisationsfragen“ abgedrucklen Sätze sind die Vorschläge der OrganisationskommLssion, nicht Beschlüsse des Kongresses. Verfassung Ist es zu verhindern, daß sakli ein Verdacht überhaupt!«!widerlegt bestehen kann, In der Kommission hatte sich schließlich eine wenn auch kleine Majorität dahin schlüssig gemacht, daß derartige Mißbräuche nur dann radikal verhindert werden können, wenn der Schekel innerhalb eines Landes eine einheitliche Form hat, wenn also die Föderationen das Recht des selbständigen Schckclvcrtiiebcs verlieren. Das hat allerdings vor jedem Kongreß einen Wahlkampf der einzelnen Gruppen gegeneinander mit all seinen erfreulichen! um! unerfreulichen Nebenerscheinungen zur Folge, aber es führt unbedingt zu einer Reinigung der Atmosphäre. Der Dresdener Dclegiertcntag der Z, V. f. D. hatte sich auch auf Grund eines Abkommens mit dem deutschen HapoeTHazaTr für solch einen Einhoitssdiekel ausgesprochen. Dennoch haben die deutschen Kotigrcßdclcgicrtcn im Plenum gegen den Einlieitsscliekct gestimmt und damit den Kommissionsbeschluß, für den sie cingctrclen waren, zu Fall gebracht. Es war dies eins der schwersten Opfer, das wir bringen mußten, uin in der Lcitungsfragc ei׳ e Verständigung mit dem Misrach» herbeizuführen. Beschlossen wurde lediglich vom Kongreß eine einheitliche Schekcikontrolie durch ein gemeinsame• Komitee der Landes- und der Sonderverbände. im Zusammenhang mit der Frage der Form des Schekels steht die Frage des Schekclprcises. Hier besteht das׳ Problem, ob der Schekel preis lediglich Registriergebühr sein und daher auf ein Minimum festgesetzt werden oder eint beträchtliche Einnahmequelle der Organisation sein soll. Die Frage ist von besonderer Bedeutung für die Länder mit schlechter Valuta, in denen sich die Hauptmassen des jüdi• sehen Volke« konzentrieren. Os ist bekannt, daß z, B. in Kreisen der Hithachduth die Ansicht vertreten wird, den Schekel überhaupt abznschaffen, bzw. ihn auf ein Minimum herabzusetzen, um wei'cstcn Kreisen unseres Volkes die Teil• nähme an den Wahlen zu ermöglichen. So sympathisch dieser Vorschlag an sich ist, so scheiterte er doch daran, daß es nicht gelang, den durch den Forlfali der Schckelcinnahmcn entstehenden Ausfall durch andere Einkünfte der Exekutive zu decken. Denn es war zu bedenken, daß für das Londoncr Budget der Organisation andere Einnahmen als der Schekel nicht zur Verfügung stehen und daß man auf freiwillige Beiträge für Organisa,ionszwecke, die nicht mit irgendwelchen Rechten verknüpft sind, ein Budget nicht bauen kann. Es war selbstverständlich auch nicht möglich, den Schckclbcitrag in den Ländern mit schlechter Valuta auf ein Minimum herabzusetzen und ihn in den Lindern mit guter Valuta so hoch zu halten, dal! dadurch die Ausgabeposten der Exekutive gedeckt werden konnten. Abgesehen davon, daß ein solches Verfahren am Widerspruch der Länder mit guter Valuta scheiterte, entspricht cs auch keineswegs der Billigkeit. Es gelang schließlich im Plenum auf Anregung des Vertreters der Poalc-Zion eine Verständigung dahin her• beizuführen, daß der Scliekelprcis von der Exekutive nach einem einheitlichen Maßstabe festzusetzen ist, z. B, nach dem Preise eines Kilos Brot oder nach dem Arbeitslöhne einer bestimmten Arbeiterkategorie in jedem Lande. Außerdem wurde jedem Zionisten, der dazu imstande ist, die Entrichtung des goldenen Scheke's zur Pflicht gemacht, ohne daß aber von der Entrichtung das Wahlrecht abhängig ist. Neben der Verbesserung des Wahlmodus war die Verein• fachung des organisatorischen Aufbaus und eine Verringerung des Instanzciizugcs eine wesentliche Forderung auf organi• satorischem Gebiet. Gemäß diesem allgemein akzeptierten Grundsätze hatte die Organisationskommission die Abschaffung des Zcntrnlrats (bekannter unter dem alten Namen ״Jahres• konfcrctiz“) und die Erweiterung der Rechte des Action«• Comitfe beschlossen. Beides war m. E. vernünftig. Wir brauchen zwischen dem Kongreß und der Exekutive ein aus den besten Männern der Bewegung bestehendes, mit weitgehenden Kompetenzen ausgestattetes Organ. Das Actions-Comite sollte als solches ausgebaut werden. Die Verleihung von weitgehenden Machtbefugnissen war nötig, um zu verhindern, daß cs sich in verantwortungslosen Reden erschöpft. Durch häufigere Sitzungen und eine gewisse Stetig• keit in der Zusammensetzung sollten die Mitglieder des Actions• Comitf'S allmählich zur Sachkunde und Sachlichkeit heran• gebildet werden. Es erschien überflüssig, neben dieiem Organ noch den Zentratrat bcizubchalten, der sich eigentlich vom Actions-Comit6 nur dadurch unterscheidet, daß ihm noch das fluktuierende Element von Vertretern der Landes- und Sonderverbände beigemischt wird, obwohl diese Verbände ihre besten Vertreter schon im Actiors-Comite haben, leider ist auch hier der Beschluß der Kommission durch dc:1 Permanenz• ausscluifl, der auf dir Beibehaltung des Zentralrats Wert legte, timgcstoRcn worden. Konsequentenveise hat dann das 1v cid«’• junge« .. ■ jc.h יי• •ישימו»!* twiü’f* , Bdchcrscliaa Davldt Koigen: Der moralische Gott. Eine Abhandlung über die Beziehungen zwischen Kultur und Religion. (Berlin, Jüdischer Verlag 1922.) In der Krisis der Gegenwart ist die Tragweite der rdi- ״lösen Probleme unverkennbar. Dies bezeugt auch Anlaß und Anlage des vorliegenden Buches, dessen Verfasser den Lesern des ״Juden“ durch die lebensvoll/:!! Schilderungen seiner Erlebnisse im jüngsten Rußland bekannt sein dürfte. I״ der vortrefflichen Analyse gedanklicher Grundmoiivc des ßelig iösen liegt der Wert, allerdings auch die Schranke einer Darstellung, die doch durch Synthese der verschiedenen Mög- Rhkeiten auf ihr Ziel Jossfeuern möchte. Während für die beschichte des Religiösen der Mythos doch zu gering ge- '••eitet und aus seinem Gegensatz, zum erwachten religiösen Bewußtsein zu sehr ins Naturhafte gezogen erscheint,' sind die modernen Typen religiöser Motivation: als welche der ״Uiirallstisch«, der soziologische und der psy- '*1«logisch-mystische neben dem moralischen im Vordergründe stehen, mit feiner Psychologie dargcstellt, vor ,*1rin in jenen Formen, in denen sie im modernen Bewußtzur unabwendbaren Krise führen (eigentlich wohl schon Ehrten). Freilich ist der Schwerpunkt hierbei mehr in Anlaß 1״d Form als in die Inhalte des religiösen Erlebnis verlegt, welches auch manchmal die allgemeine Bezeichnung der * ,hanscliairuTigsstimniung die richtigere wäre. Koigen be- **t sich hier, auch den strengen Rationalismus, allerdings '"*a Spinozismrs her, als ״Vermählung mit der universellen Vernunft“ religiös zu fassen, entsprechend einer geistigen Aktivität, die auch noch im materialistischen Denken wirk- .i״l *1t. Wird hier das rationelle als religiöses Moment emp- 90 ,יו*ק im sozialen Motiv gerade das Irrationelle des?•«leinschaftswcseiis. (Nicht zufällig waren die filteren, vor- 4‘"*inhxhen Soziologen halbe Mystiker.) Der Mystik aber als Ges.untphänomen wird der Verfasser eigentlich nur in jener ״psychischen“ Form gerecht, bei welcher der Mensch gleichsam mit einem Schlage sich aller Zeitlichkeit entrückt, aller Entwicklung enthoben fühlt, ln zwei positiven Gedankenkomplexcn sucht Koigen echte moderne Religiosität zu charakterisieren: dem sittlichen und dem Kulturgedanken. Das sittliche Moment steht für ihn, was schon der Titel des Buches auf eine seltsame Art ausdri'rckt, im Zentrum des religiösen. Es bildet schon im Altertum die Scheide zwischen Mythos und Religion und findet im Judentum zentrale Ausprägung. Feinsinnig, wenn auch nicht einwandfrei, werden semitischer und arisdier Rcligionsbcgritf unterschieden. Zentrale individuelle Freiheit und auf der anderen Seite weltlcnkcnde, die Gottheit selbst, die nur absolut moralisch gedacht werden kann, rechtfertigende Ocrcchtigkeit bilden die beiden Pole von Entwicklungen, die sich dennoch in mannigfachster Weise berühren und durchkreuzen. Koigen hätte dod! auch auf die große Bedeutung der Frcihcltsidcc schon im talmudisdien und nodi mehr im chassidischen Judentum Hinweisen können. Andererseits lag hier die so* kratisch-platonisdic Ethik eben so nahe, wie das Kantische System, während bei Hermann Cohen: ״Wissensdaaft des Judentums“ und ״wissenschaftlicher Idealismus“ fast identisch werden. (Geistreich ist die Beziehung von der doch wohl nur crkcnntniskritisch gemeinten ״Reinheit“ In Cohen'schen Bücher• titeln zu den biblischen Rviuhcitsgebntcn.) Jedoch scheint sich Koigen auch mit dem moralischen Rcligionsbcgritf ircht cigcntlid! zufrieden z.1׳ geben. So sucht er mit dem an sich mehr äullendven Kulturbegriff weitem!• gehen, der aber für eine an sld! sd«m problcmaiisdic Forint!- licrung eines wesentlich Unformulicrbarcn schon gar zu vieldcutig erscheint. Frcilid! ist wieder Sie Auffassung der Kultur als eines Phänomens, das den einzelnenficnsclicn, gerade mit seiner individiicllen Geschichte, mUumfnßt, deren Bedeuhing in der Ethik nur geahnt wird, •ehr tiefgaipnd, und insbesondere der Hinweis auf die seclisch-schöpfcrischcn Poteuzen des Kulturmenscbcn ein sehr fruchtbarer. Scheinen so Entwicklung und Verfeinerung, in eigentlichem Sinne jene ״Intimität“ der Scclcninhaltc, die sidi gerade im Allgefiihle voll entfaltet, Religiosität schlcdithin zu bedeuten“, so wird hierbei die grundsät/liehe Unterscheidung von Religiosität und Religion — die auch Buber gelegentlich andeutet, ohne sie klarznstellen -- nur andeutungsweise bemerkt, wo z. B. der Verfasser ein bekanntes Knnlischcs Wort in der geistreichen Wendung variiert: ״Ein Gott ohne Religion ist leer, eine Religion ohne Gott ist blind“, da eben der starre Religion*- inhalt gerade der Religiosität, die bloße Religiosität jedoch des Wcltanschauungsinh.iltcs entbehrt. Aus einer tieferen Synthese, beider erst, die aber doch aller Mystik und echten Religion zugrunde liegt, wird der schöne Gedanke des Verfassers, der die ״Wichtigkeit und das ereignisvollc Tun des Mensehen“ als Religio« aufgefaßt sehen will, zu einer über das Moralische auch im philosophischen Sinne sich erhebenden Wirklichkeit. Ernst Müller. Seligmann Pick, Die auf Jesus gedeuteten Stellen des Alten Testaments, Quellenstudien. Verlag J. Kauffmann, Frankfurt a. Main. Die vorliegende Untersuchung Ir rt der Verfasser im Auftrage der Vereinigung für Schrittet' über jüdische Religion lirrausgegeben, die vom Verband der Deutschen Juden be* gründet worden ist. Ob ein Bedürfnis nach einer solchen Untersuchung besteht, darüber könnte man geteilter Meinung sein. Polemisch ist die Schrift nicht gemeint, und die unter• stichiiug für Juden, zum Christentum überzutreten, pflegt lindere Gründe zu haben, als die Ueberzeugung, daß Jesus 1m Alten Testament als Messias oder Christus geweissagt sei, Lines wissenschaftlichen Nachweises aber, daß letzteres nicht der Fall sei, bcdnrf es heute nicht mehr, nachdem die alt• tcstiimentlirhc Wissenschaft auch der liberalen protestantischen Thco:o״cri den kirchlichen Weissaguiigsglauben längst aufge• geben und ihn durch die andere ueberzeugung ersetzt hat.

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