Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVIII (1923)
- Issue
- Heft 77-78 (7.9.1923)
- Date
- 1923-09-07
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Kr. 77/78־ JÜEDISCHE RUNDSCHAU Seite 47S ״!p1!i.1li״n begnügt und die Zweiteilung aufrecht eriiaiten. ft ist Sache der palästinensischen Mitglieder der Exekutive, pun ein geeignetes System inrer Arbeit zu schaffen. Aus der Londoner Exekutive ist Richard Licht heim |U־geschiedcn. Die deutschen Zionisten sind mit Lichtheim!״ t>csoliderem Maße verbunden, sie kennen und schätzen seine mißen Qualitäten. Ueber ihn persönlich ist au anderer Stelle r03 berufener Jlcitc mehr gesagt. Wir wollen uns damit bejflügen festzustellcn, daß Min korrektes und konsequentes Ver• (ulten auf diesem Kongreß auch denen imponierte, die sachlich הסז ihm getrennt waren. Lidithcim hat bekanntlich zur Fog* der Jcwish Agency einen ganz abweichenden Standpunkt, den er auch in der ״Jüdischen Rundschau" ausführlich dargelegt bat. Es war klar, daß er unter diesen Umständen I, die neue Exekutive nicht eintreten kann. Wir sind aber übericiigt, daß gerade Lichtheim, wenn er auch auf dem 1Kt״lücksc!igcn Posten im Londoner Organisitionsdeparterneut, du in seiner Isoliertheit und Abgerissenheit mit den stärksten U'kkr*tinden zu kämpfen hat, nicht reüssieren konnte, der Bewegung in Zukunft noch wichtige Dienste wird leisten könne״• Die neue Leitung, 90 gut oder 90 schlecht sic sein mag, rird nur dann ihrer schweren Aufgabe gerecht werden können, nenn sie der loyalen Unterstützung der gcsunten Bewegung «jeher i«1. Dies hängt zum großen Teil von der Bewegung selbst ab, aber auch von der Leitung, die einen Weg finden muh, um sich einen lebendigen Unterbau zu schaffen, der die Verantwortung tragen helfen kann. IV. Kolonisation und Budget. Die sachlichen Fragen unserer Kolonisation sind auf diesem k'oncrcß zu kurz gekommen. Vielleicht ist diese« MißverhäHnis des Interesses insofern berechtigt, als gerade die koNisatorischcn Ergebnisse der letzten zwei Jahre — gemessen an unseren bescheidenen Möglichkeiten — nicht unbefriedigend sind, so daß eine Fortsetzung und ein Ausbau desselben Systems vom Kongreß ohne viele Auseinandersetzungen angenommen werden konnte, während gleichzeitig die Uebcrzcugimg, daß die Geld auf bri ngu 11g das primäre Problem ist, immer siärker wurde. Die zenlralc Kampffragc dieses Kongresses hatte ihren Ausgangspunkt im wesentlichen in der Vorausrctzung der Koloiiisationsarbeit, nicht in deren Methode und Inhalt Die Sdiaffmig realer wirtschaftlicher Positionen wurde als das Um und Auf unserer gesamten Aufgabe, auch als unsere einzige durchschlagende politische Waffe, erkannt, Dazu aber brauciit man vor allem Kapital. Diese Erkenntnis wurde von Dr. Wcizmann auf die Formel gebracht, daß der Kongreß durch seine zum Teil an die Adresse des außerzionistischen Judentums gerichteten Beschlüsse, die Bedin• gungdi für eine erfolgreiche Keren Haicssod-Campagne. ins• besondere in Amerika schaffen müsse. Dr, Weizniann glaubt, daß es gelingen kann, in Amerika im nächsten Jahr eine Million Pfund für den Keren Hajcsxxf zu bekommen. Trägt diese Finanzierung dennoch den Charakter einer Notstandsalction, so war man sich doch darüber einig, daß Hand in Hand damit entscheidende Vorbereitungsarbetten gehen müssen, die die Kontinuität der Arbeit auch für später sichern. In diesem Sinn sind auch die Richtlinien des finanzpolitischen Ausschusses des Kongresses zu verstehen, wenn er au* davon absal«, dem Kongreß konkrete Anträge jetzt schon zur Beschlußfassung zu unterbreiten. Leider ist es der tiefste Mangel unserer Tagungen, daß ts » außerordentlich schwer fällt, dauernd den ganzen Zu. sammenhang der Probleme zu überblicken. Im Kongreßsaal erscheinen losgelöste Teil fragen als selbständige Kampfobjekte, und so kommt es, daß unsere besten zionistischen Arbeiter, befangen in den Perspektiven ihres unmittelbaren lokalen Arbeitsgebietes, mit allem Elan für Thesen kämpfen, deren Konsequenzen auf einem andern Gebiet sie gar nicht übersehen, oft auch nicht sehen wollen. Nur durch diese abstrakte Art der Beh indlung der Fragen ist die merkwürdige Inkonsequenz zu erklären, die bis in die Kreise der besten und ergebensten zionistischen Arbeiter hiiicinreicht. Der letzte Kongreß wurde durch diesen Kampf um Einzclproblcme charakterisiert, z. B. die Frage der Jcwish Agency. So sehr konzentrierte sich das Interesse auf diese Streitfragen, daß es z, B. möglich vaT, daß eine so ausgezeichnete und wichtige Darbietung wie das Referat von Dr. Ruppin •völlig wirkungslos vorüberging. Nach den vorausgegangenen Abstimmungen verließen die meisten Delegierten den Saal und während Ruppin vor halb leerem Saale sprach, wurde in den Couloirs aufgeregt über Personalfrapm debattiert. Und doch enthält das Referat Rirppins (׳rundlegende Richtlinien, darunter gewisse Wahrheiten, die zu hören vielen Delegierten sehr notwendig gewesen wäre. Ruppin hat unsere Situation mit der unbcstcdilidicn Wahrhcilslicbc und dem klaren Blick, die diesen Mann auszeichnen, dargelcgt, er hat klar gezeigt, daß der Schwerpunkt unserer pnzen Aufgabe, um den sich so viele Diskussionsredner her- Umdrucken, in eigenen wirtschaftlichen Leistungen liegt. Ruppin Bilder aas einem Jerusalemer Kindergarten*) Von Dina CIdincnce Mayer, Jerusalem. 1. Der Nasir. Unter allen Wildfängcn im Gan ist der kleine Mosche d«r wildeste. Er ist voller Energie, und seinem Tätigkeits- Web «t es ganz gleich, ob er mit dem Stock, der immer in seiner Hand sein muß, auf einem uingedrehten Stuhl, seinesn ״Pferd“, hcrumhaut, oder auf dem Rücken eines 8einer kleinen Kameraden. Im letzteren Fall ertönt durch 11en ״Gan" ein fürchterliches Gebrüll, und wir wissen schon: P* ist Mosche an der Arbeit! Er hat keinerlei böse Ab- 8'cbt, Gott behüte! Seine großen blauen Augen blicken in ״oldester Unschuld auf das Opfer, als wenn er sagen wollte: »'*'מ kann man nur wegen einer solchen Kleinigkeit brüllen? *־, Und wenn die ״Owercth“ (Fräulein — Anm. d. R.) ilnn j"1f sanften Worten Vorwürfe macht — denn es ist unmögsolchen Augen gegenüber streng zu sein — so antwortet *f Mit dem liebenswürdigsten Lächeln: ״Aber der Jakob Ist ooth eben mein PferdI“ — Seine Phantasie kennt keine WMzen. Jeden Tag erzählt er mir von neuem: ״Lcabuhi fl "1"י abil adol“, d. h. aus seiner arabisch-hebräischen Kinder- 8Pfad« übersetzt, sein Vater sei Besitzer von zwei großen Automobilen. Und obgleich dieser Vater an den Türen Jciusa- *ms und an der Klagcmaucr bettelt, setzt der kleine Mosche ״'Wt den geringsten Zweifel in seine Worte. Als Beweis *ctae: reichen Phantasie diene auch folgendes Beispiel: Auf *einem Wege vom Gan nach Hause kam ich auf dein ■jBitrak“ an einer vielleicht zwei Meter tiefen Orube vorbei, * hi Kanalisationszwccken ausgegraben war. Auf einem (Ifoßcn Haufen Steine daneben saß der kleine Mosche, schaute 1״it strahlendem Gesicht entgegen und rief: ״Sich doch, v׳'״ereth, was für ein große« Loch ich da gemacht habe!“ — ״ •Automobile und Wagen — das sind die Centre« im Leben ^*bes. Er jgt schon 1>/1 Jahre im Gan, und nicht ein 1! ,״ Die hebräischen Originale dieser Charakterbilder er- *0*י»« demnächst im Drude. (Anm. d. Verf.j vor ז?"1ה .zwf* Legenden zerstört, die!reif Jahren das Material zionisfisclicr Ver« imni'u.igen bilden, die Legende von der Schuld der Regierung an 11er Beschränkung der Ein Wanderung und die' Lege nie von den uns ungcrcchtcnveisc vorenthallcnen Slaats'Kndcreieii. Für beide Fälle hat Ruppin gezeigt, daß wir gegen not ,von lig bestellende Schranken an* reimen, deren ü<se1ti1׳u1׳g ausschließlich in unserer Hund liegt, eine Frage imserer Arbeit und innerer Gcldatifbringung ist. Das noch vom vorig•• 1 Kongreß besdiiossene Budget von I'.׳ Millionen £ i.ihridi Ir!יי die Möglichkeit für eine Ein- Wanderung von :j 0(01 נ g.:h;t.ווי; das tatsächlich aufgebrachte Piidg׳ t von L n׳•n «f, Mil.ion cri •üble nicht mehr als 8—10000 Einwanderer ins Land zu bringen, von denen die Mehrzahl f oooooooooo!יססססססססג n A ö ^cr^wcr Zionistische Vereinigung 11 ■ iniifaiäl; spricht am Dienstag, den 18« September, in Thema und Ort des Vortrages werden noch bekanntgegeben heute noch nicht einmal seßhaft gemacht worden ist. Diese Daten wirken ernüchternd, die Erfahrungen der letzten Jahre hatten aber doch das Gute, daß der Kongreß die Dinge nüchtern zu sehen begann und dabei zu Resultaten kam. die richtige Tendenzen für die Zukunft ergeben und zu richtigen Resultaten führen könnten. Das wichtigste dieser Ergebnisse ist die Erkenntnis, daß eine planlose Einwanderung wertlos ist, wenn sie nicht zur Verwurzelung der Einwanderer im Lande, zur dauernden Seßhnftniachung der Einwanderer fuhrt. Zwar kann sich unsere Einwanderung niemals strikt nn die ״wirtschaftlichen Not- Wendigkeiten" des Landes halten, zwar hat das System der Beschäftigung von Einwanderern in vorübergehenden Notstandsarbeiten nach wie vor die größte Bedeutung, aber wenn wir auf diese beschränkten Möglichkeiten provisorischer Arbeit — bei öffentlichen Arbeiten, zum Teil auch im Häuserbau, trsw. — gestützt, immer neue Arbeitsuchende ins Land bringen, dann riskieren wir die Gefahr der Arbeitslosigkeit mit allen ihren Konsequenzen bis zur Auswanderung. Daher ergibt sich im heutigen Stadium, solange nicht ein deutliches Anwachsen der Keren Hnjcsood-Eingängc sich zeigt, vor allem die Aufgabe der Seßhaftmadiung der heute im Lande befindlichen Ein* wandcicr. Der Kongreß hat in dieser Ridihing mehrere wichtige Beschlüsse gefaßt. Das eine ist die Konsolidierung der gegenwärtigen Siedlungen, insbesondere der neuen kolomsatorisclicn Schöpfungen der letzten zwei Jahre. Das andere ist der Versuch, den städtischen Arbeiter an seinem Arbeit*• platz zu verwurzeln und vor ständiger Wanderung, die bis zur Auswanderung führen kann, zu bewahren.!Diesem Zweck dient die Schaffung‘ von Arbeiter-Gartenstädten atn Rande der großen Städte (Scnchunoth owdim). De erwähnte Tendenz kommt audi in der Tatsache zum Ausdruck, daß zum ersten Mal für die Arbeitsabtcilung ein höheres Budget beschlossen wurde, als für die Einwanderung. Darin zeigt sich die Erkenntnis, daß die Einwanderung sich in der nächsten Zeit notwendig In engem 'Rahmen bewegen muß, bis die Konsolidierung der jetzt in Angriff genommenen Unternehmungen so weit fortgeschritten ist, daß ein weiterer Zuzug in größerem Maßestab mgelassen werden kann. Die Erhöhung des Postens für Arbeitsbeschaffung zeigt deutlich, daß man sich der Gefahren der Arbeitslosigkeit klar bewußt ist, Eine weitere Einsidit, die *ich beinahe kampflos durchgesetzt hat. ist der Vorzug derjenigen Arbeiten, die unmittelbar der Förderung der Güterproduktion dienen. Die Basis der neuen palästinensischen Gesellschaft muß eine starke Schicht wirtschaftlicher Produzenten in Stadt und Land sein. Alle andern Aufgaben, »0 wichtig sie auch von nationalem oder kulturellem Gesichtspunkt ans sein mögen, haben im Anfhaupian eine sekundäre Position. Dementsprechend soll das Erzichuugswesen und die medizinische ArbcH allmählich vom zionistischen Budget losgelöst werden, obwohl beide Zweige vitale Interessen berühren. Olmc ausreichende medizinische Hilfe kann «ne Okkupation der verseuchten Terrain nicht erfolgen und ohne ausreichende Bildungsmöglichkeiten für die Kinder werden Familien nicht auf die Dauer aut dein Posten bleiben. Dennoch zwingt die harte Notwendigkeit zu einer Einschränkung dieser Posten im Budget und cs sind schon die Wege angczcigt worden, wie andere Quellen für diese Ausgaben herangezogen werden können. Unter den produktiven Ausgaben nimmt die erste Stelle die Landwirtschaft ein. Der Primat der Landwirtschaft ist auf dem Kongreß klar zum Ausdruck gekommen. Zwar ist der bewilligte Betrag von 1QÖO00 £ nicht größer als der schon bei der Jalircskonfereiiz für das Vorjahr beschlossene, aber im Rahmen der nunmehr den zu erwartender» Eingängen angcpafSten Gesamtarbeit nimmt diese Summe eine dominierende Stellung ein. Ein wichtiger Beschluß ist die Direktive, daß mindestens 301/0 ries für die landwirtschaftliche Kolonisation vorgesehenen Budgets nicht später als im Oktober oder November bereit gestellt werden muß. Da mit 9011 den» Uc bei stand abgehoben werden, daß die für die Wintcrarbcit unbedingt erforderlichen l lilfsmit.tel zu einem Zeitpunkt geliefert: werden, wo der Termin fiir die Wintcrarbcit längst verstrichen ist, was zu unverhältnismäßig«! Verlusten fahren muß, ganz abgesehen von der durch ein solches System bewirkten Dem»*; ralisation und Entnervung der Siedler. Die wichtigste Neuerung, ist die Begründung des Kolonisationsfonds, den Ruppin schon bei der Jahreskonferenz vor^cschlagcn hatte. Der Kolonisationsfomis wird ein wirtschaftliches Instrument bilden, das mit den Siedle-m in geschäftlicher Weise — natürlich mit den durch die Sachlage gebotenen Korrekturen — verkehret» wird. Die Siedler wcrik'11 also künftig nicht wie bisher vor»' der Zionistischen Exekutive ihr Budget ausgezahlt erhalten,, sondern sic werden Dnrk'lieu vom Kolonisationsfonds be• kommen, demgegenüber sie in einem bestimmten Schuldvcrhnltnis bleiben. Durdt diese auch der Arbeiterschaft sehr erwünschte Neuerung wird «ne Gesundung der wirtschaftlichen!• Beziehungen und des sogenannten Untcrstützungswcsens an*■ gebahnt und die Position der Siedler moral!sch gehoben. Der Koloimationsfonds wird ab,er auch Eigentümer der aus seinen Mitteln geschaffenen, von den Siedlern noch nicht abgclöster» Sachwerte. Wir betrachten dies als ersten Schritt zur Schaffung einer K r c d i t b a s i s, die auch in künftigen Finanzierung*• möglichkeiten des ganzen Aufbauwerkes eine große Rolle spielen kann. Endlich söi noch erwähnt, daß der Kongreß die Wichtigkeit der Schaffung einer Bodenreservc hervorgehoben hat. Dies bedeutet eine besondere Aufgabe für den Jüdischen National* fonds, der bekanntlich in den letzten zwei Jahren durch seine Bodenkiiufe den ersten Schritt zur Durchbrechung der steinernen Wand getan hat, zu der unsere ganze Kolonisation*• arbeit geraten war. Die Notwendigkeit großer Bodenkäufe hat sich gegenüber den Stimmen, die auf künftige günstigere Bedingungen warten wollen, durcligcsct/t. Es ist nun unsere Sache, dem Natioiialfonils auch die Mittel dafür beschaffen, zu helfen. •1 Von den übrigen Beschlüssen verdient besonders die Forderung nach Einberufung einer Kolonisationskonfercnz Be*, achtung. Eine solche Konferenz, die auch der Dresdener! Dciegiertcntag als notwendig bezeichnet hat, kann eine Reihe• fruchtbarer Anregungen (itr Unternehmungen aller Art bringen und auch dazu dienen, neue Kreise für unsere Arbeit ZU. interessieren und neue Mittel zu erschließen. ,1 Das Gesamtbudget des Kongresses beträgt 531 000 £,ר davon der ordentliche Etat 397 000 £. Das bedeutet, daß monatlich 50000 £ für den Keren Hajcssod aufgebracht! werden müssen, um dieses Minimalbudget zu decken. Wir, wissen aus Erfahrung, daß dies die Anspannung aller unserer. Kräfte bedeutet. Voriges Jahr beging man den Verhängnisvollen Fehler, nach der Jahreskonferenz eine Ruhepause ein* treten zu lassen, die zur Folge hatte, daß in den ersten Wintcrmonaten die schwerste Krise hercinbrach. In diesem Jahre darf der Fehler nicht wiederholt werden. Den Ver* achtern, die schon heute darüber spotten, daß trotz Weiz* manns Hoffnungen auf die Jcwish Agency der Kongreß dochl nur ein so kleines Budget auf gestellt hat, sei in Erinnerung,! gebracht, was es bedeutet, auch nur dieses Budget zu decken, und wie sehr mau im vorigen Jahr vor Weizmaiins Amerika* reise versagt hat. Wir hoffen, daß uns in diesem Jahre die Krise erspart bleiben wird und sind bescheiden genug, schon dies als Erfolg zu buchen. 1 Und haben dabei stets das Bewußtsein, daß dieses Budget,* mit dem wir in das neue Jahr hincingchen, ein Minimal- Programm ist, das für eine Ucbergangszcit entschuldbar sein mag, aber nicht zum Aufbau der nationalen Heimstätte in Palästina führen kann. Darum gilt es alles daran zu setzen,( daß nicht nur dieses Budget gedeckt wird, sondern au**, reichende Reserven für Kolonisation großen Stiles zur Vcr»i fügung stehen. ' Ans Palästina Vor kurzem hat in Palästina ein Op e r n• E n se m bl« unter Leitung des russischen Dirigenten Golinkin seine Tätigkeiti aufgenommen und zunächst ״Traviata“ mit großem Erfolg• aufgeführt. Wie der ״Doar Hajom“ mitteüt, 9011 die amerikanische! 1 Vereinigung zur Verbreitung der jüdischen Wissenschaft bcab* sichtigen, von Oktober an den ,,HaschUoach" in Jerusalem unter der Redaktion von Dr. Klausner wieder erscheinen zu lasscn,j einziges Mal hat er Oriffcl oder Bleistift ln die Hand genommen, um zu zeichnen; er hat nie das Verlangen gezeigt, sieh mit einer der Beschäftigungen abzugeben, die seine kleinen Kameraden mit Eifer und Freude betreiben. Das Einzige, was die Gedanken Mosches vom ״Abil“ (Automobil) ablenken kann, ist die Arbeit ln der Küche: Die Vorbereitungen zum Mittagessen, Tischdecken und Austci'cn, Teller und Schüsseln reinigen, das betreibt er mit großem Eifer. Seine ernte Frage am Morgen ist: ״Akul?" (arabisch: Essen). Diese Frage zeigt uns, daß der arme kleine Teufel schon am frühen Morgen hungrig in den Kindergarten kommt und schon um 9 Uhr dein Mittagessen entgcgenliofft, Mosches Kopf ist mit einem Wald von struppigen gelben Haaren bedeckt. Dieser Wald dient hunderten von Insekten a's sichere Zufluchtsstätte. Und als der Haarschncider In den Gan kam, um den ״Kinin!• verdächtigen" die Haare zu schneiden, war Mosche als erster Kandidat vorgesehen. Aber Mesche verschwand im Augenbück unter meinen Händen und entfloh. Nach einiger Zeit erschien er wieder mit seiner Mutter. In großer Verlegenheit und unter Tränen bat mich die Frau, doch um des Hlmmc'a Willen ihrem Jungen nicht die Haare zu schneiden. ״Ein Nasir ist doch mein Sohn, ein Geweihter des Herrn. Noch ein Jahr, und ich führe ihn an Lag-bcomer zum Grab Shimonha-Zadik, und dort soll sein Haar zum Opfer gebracht w׳erden.“ — Mit ehrlichem Erstaunen blickten wir alle auf den kleinen ״Nasir“. Ohne Zweifel hatte sich jede von uns ein ganz andres Bild gemacht von einem ״Geweihten des Herrn.“ Aber von Zeit an stieg unsere Hochachtung vor Mosche, dem Nasir, und wenn er nun auf seine kleinen Spielgefährten ein haute, deuteten wir dies als Zeichen seiner Nasir—würde und respektierten sie. An die Zufluchtsstätte der Kinin! wagte keine Hand mehr zu rühren, und die lieben Tierchen mehrten sich wie Sand am Meer, nicht zu unserer Freude. Aber die Zeit vergeht, ein Tag folgt dem andern, und endlich Ist Lag-beomCr da. Die Mutter des kleinen Mesche erschien im Gan und ver* kündigte uns, daß man morgen ihrem Sohn die Haare schneiden würde. Alle blickten wir voller Erwartung dem Ereignis ent•! gegen. Und am Morgen des Tages nach Lag-beomer kantl Mosche in den Gan, als derselbe kleine Struwelpeter, de« er bisher gewesen war! Kein Schermesser hatte an sei!» Haupt gerührt! Tief enttäuscht ließ ich die Mutter rufen,׳ Die Frau kam und entschuldigte sich: Es hat ihr *o leid getan um die schönen Haare. Lieber wollte sie doch noch!, mit dem Schneiden bis Schawuoth warten. Da geht man auch• zu Shimon-ha-Zadik. — jj Aber auch an Schawuoth konnte es die Mutter nicht übers Herz bringen, die Zeichen der Nasirwürde vom Haupte ihres Sohnes trennen zu lassen, und wiederum erschien er in(• Gan als der kleine struppige Waldmcnsch von vorher. Da riß mir die Geduld: Ich ließ den Haarschncider holen, und in wenigen Augenblicken wandelte sich der ״Nasir" zu einem ganz gewöhnlichen kleinen Jerusalemer Gassenbuben um. Die Tränen, die er um seine verlorene Würde vergoß, trocknete ich mit einem halben Piaster, und voller Freude rannte er nach Hause, der Mutier die wunderbare Metamorphose ztlj zeigen. Jerusalem, Tamua 5683. 1׳ Bücherschaa Al ha-G'wulim (An den Grenzen). Von Rabbi Benjamin• (Jesua Radkr-Fcldmann). Wien 1922. I ״Kulturfragen des ganzen Palästina“, 90 möchte man 11» einem gewissen Sinne diese einen Zeitraum von mehr als /,wanzig Jahren imispannende Sammlung von Aufsätzen be* nennen, welche der Verfasser vor kurzem selbst veranstalte! hat. Denn ein inneres Kulturbcwußtscin bildet wohl das eini* gende Band in der Fülle der Gegenstände, welche, oft durchl die harten Fragen des Tages oder durch die fein erfaßt« Stimmung der Stunde veranlaßt, Erscheinungen des Kampfei um ein neues Leben mit Erscheinungen des großen, allgemeinen Kulturlebens in Verbindung setzen. Nicht dogmatische Ein* »citigkcit, sondern ein liebevolles Verstehen für die verschie* denen Seiten Viel sozialen Lebens ist dem Verfasser ln hotan^