Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVIII (1923)
- Issue
- Heft 75-76 (30.8.1923)
- Date
- 1923-08-30
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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,Nr. 75/76 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 460 'len hnt •110׳ ׳,Mit der nio. rem ׳neu ׳ven ׳ms, ren, 1־(ier :11. 1״ng;eitda!) ort, '1, der ’dt® dllill foio. doch pol!. des Hin, uicse -Isen ulen die tilirt, iger der her. prak• ,men,!1. a׳hen h im Bern• iiitee, von ihge. und .iCSCt de! > aut rillte, hran.!fpibt nahm 1 aut rinde erenz : mit isten-;ihrer r bc• Jetzt esiich dazu .mgca unter das eine laben gentlcis• intidi ngreß Leit• v:1 . ln;rsön* ri.1* winl ilire ihren {heu lautet ■Itent• ei eilt!.1111• ׳ die : Re- ■gahe den lurcli* 1rotck* H,1• rwirlt, 1 der f isten,;solcl, e der rcak• r die arbef־ bei r vor׳ ׳, der? :reitet Land, der« r^Cil* Sein 1 :ul er ® weck. 111 zu ab•; Dcnlsclicr Ztonlsiais und XIII Kongreß Der Historiker der zionistischen Bewegung wird dergijiit vielleicht urteilen wie Sokolow in »einer Schlußrede: Cs war ein langer und schwerer Kongreß} aber Ich denke, fl war nicht schlecht.‘‘ Die Besucher der Karlsbader Tapmg werden gern anerkennen, daß ihre Ergebnisse Weiterirbeit und Erfolg der Organisation ermöglichen. — Sie werden!!!er nicht ohne Besorgnisse gesehen haben, daß das Schwergewicht der Bewegung mehr und mehr an die Peripherie ge• rückt ru sein scheint und daß wenigstens auf den parlameiitarisclicn Tagungen des Zionismus die Nurzionisten den Bindestrich-Zionisten gegenüber bedenklich ins Hinterüdiert graten. Der Verlauf des Kongresses hat gezeigt, in eine wie schwierige Lage die Organisation kommen kann, wenn der Slatnnizionismiis nicht imstande ist, den Einfluß auszuüben, der seiner zahlenmäßigen und politischen Bedeutung ent• spricht. •Oie ״allgemeinen Zionisten‘‘ und ihre Organisationen, die Landesverbände, sind fast überall Hauptträger der schweren und entscheidend wichtigen zionistischen Tagmrbeit. Auf ihnen liegt die ganze Last der Propaganda und der Geld• lufbringung für Keren Hajessod, Naltonalfoiids und Ga lut h• Zionismus. Sie haben oft nicht ebensoviel Zeit wie die Frsk- Honen, für Sondenvünschc zu agitieren oder sich «m politischen Einfluß in der Organisation zu bemühen; sie haben vor diesem Kongreß leider nicht Zeit genug zu haben ge• glaubt, um sich mit derselben Energie wie die Sonderverbände, die agitatorisch nicht weiter belastet sind, der Schekels 1mm• lung anzunclimen. So ergab sich das typische Bild dieses Kongresses, das Üeberwiegen verhältnismäßig starker Flügelgruppen einem zu schwachen Zentrum gegenüber, das siel! überdies erst aul dem Kongreß im Block der Landsmannschaften konsolidierte. Hätte Weizanann eine feste Mehrheit für sein Programm ge• funden, so wäre uns die unerträgliche Unsicherheit und Spannung der letzten Kongreßtage erspart worden. Demi das zentripetale Element des Stammzionismus ist der Magnet, der auch die peripheren Kräfte festhalt und Dinen erst die Arbeit an gemeinsamem Werke ermöglicht Die Bedeutung der Sondergruppen auf zionistischen Tagun• gen wäre eine nicht geringere, ihr Einfluß ein Iruchtbarcrcr, wenn ihnen ein starkes Zentrum wohlorga irisierter Landes• verbände gcgenübcrstamle, deren Delegierte, bereit, Anregun• gen von rechts und links zu prüfen und zu adoptiere!, doch im Gefühl der Verantwortung für den Fortgang der Bewegung eine sichere Majorität für die klaren Notwendigkci.cn der Organisation bilden würden, — ln diesem Sinn bat auf dem XH1. Zionistenkongreß vor allem die deutsche Landsmann• Schaft zu wirken gesucht. Es hat sich gezeigt, daß 25 Jahre straffer Organkation und zionistischer Erziehung den deutschen Landesverband zu einem Faktor von besonderer Bedeutung für die Zionistische Organisation gemacht haben. Wir brauchen nicht auf die vorbildlich wirkenden Ergebnisse des deutschen Keren Ha• jessod, nicht auf die im Verhältnis zur Zahl der deutschen Juden immerhin beträchtliche Menge organisierter Zionisten, nicht auf das, freilich Immer noch zu geringe Ergebnis der Schekelwcrbung hinzuweisen, das in der Im Vergleich zu anderen Landesverbänden großen Zahl dculschcr Delegierter zum Ausdruck kam. Aber wenn die deutsche Landsmannschaft auf diesem Kongreß Kristallisationspunkt für die anderen Landesverbände, wenn sie Mitschöpferin der stärksten Gruppe des Kongresses werden konnte, und wenn es mitentscheidend ihr zu danken war, daß schließlich eine arbeitswillige Exckutive mit einem erfolgversprechenden Programm gewählt wurde, so war dies mir möglich auf Grund des Ansehens, das Intensive zionistische Arbeit Im eigenen Bezirk verleiht, Wir halten auch nach diesem Kongreß Sonclergruppcn im Zionismus weder für schädlich noch für überflüssig. Wir glauben aber, daß jetzt ein Kampf um den entscheidenden Einfluß im Zionismus einsetzen muß. Dieser Einfluß kann legitim nur ausgeübt werden von den wirklichen Trägern der zionistischen Arbeit, den Landesverbänden. Sie werden ihn nur ausiibei» können, wenn sie imstande sind, die Arbeit in ihren Bczirken zu steigern und erfolgreicher zu gestalten, mag es lieh nun um politische oder agitatorische Tätigkeit oder um den Keren Hajessod handeln. Daß die meisten Landesverbände der Aufgabe heut noch nicht gewachsen sind, Et leider klar geworden. Sicher aber ist, daß nur das Beispiel gut organisierter und erfolgreich tätiger Gruppen Bcachtung findet und Nacheiferung weckt. Die deutsche Landsmannschaft hat auf diesem Kongreß mit Glück eine führende Rolle gespielt. Sie hat damit eine moralische Verantwortung übernommen) im eigenen Bereich mit jener Stärkung eines verantwortungsbewußten, tätigen Zionismus zu beginnen, die Vorausbedingung für die Gelunclung unserer Bewegung ist Es dürfte ein beträchtliches Unglück für den Ocsamtzlonismus sein, wenn die Z. V. f. D. durch finanzielle Not gehindert wäre, Ihre Aufgabe der organi satorischen Entwicklung Wege zu weisen, wie bisher na eh zu kommen. Diese Gefahr ist durch die katastrophale Wirt- »chaftslage in Deutschland gegeben. Die Z. V. f. D. hat nur eine beträchtliche und dauernd fllcflcndc Einnahmequelle, die Zioni1ten»teuer. Ge- Singt es nicht, sie auf Qoldmarkbasis zu bringen, zu popu-!irisieren, allgemein durchzuführen und «inzuziehen, «0 ist die Besorgnis gerechtfertigt, daß der deutsche Zionismus seine Tätigkeit clnschriinken muß und allmählich »eine einzigartige Bedeutung einbüOen wird. Mit Vereinsbeiträgen erhalt man, auf die Dauer nur einen Verein. Die Z. V. f. D., die mehr sein will und mehr ist, muß andere Anstrengungen machen; eile deutschen Zionisten müssen zu sonstigen finanziellen Sorgen auch noch die der ungeschmälerten Erhaltung ihrer Organisation übernehmen. Man braucht die Bedeutung organisatorischer Entwlck- Jungen nicht zu überschätzen. Wenn man aber dereinst den XIII. Kongreß ״keinen schlechten‘• nennen wird, 60 gewiß deshalb, weil hier die zentripetalen Tendenzen echljcßlich doch die Oberhand gewonnen haben. Der Block der Landsmannschaften war ein Anfang und wird hoffentlich ein dauernder Faktor der zionistischen Politik *erden. Jedes Glied dieses Blockes wird jedoch ln Zukunft nur dann seine Rolle erfüllen können, wenn er •eine eigene Organisation lebendig und »fark erhält, De» ist daher dk *entrale Aufgabe auch de« deutschen Zionismus. Die erste vorauMct!ung hierfür ist di« Schaffung der materiellen Grund- ,lagen, 0• ■kj Dia Umstellung der deutschen Wirtschaft auf di» Goldmark und di• damit verbundene Erhöhung des Preis• Niveaus, vielfach bla über das des Weltmärkte», zwingen uns, wollen wir die Arbeiten der Zionistischen Verein!• gung für Deutschland aufrecht erhalten, unsere Bekannt• machung in Nr. 62 der ״Jüdischen Rundschau" über di» Zioniatcnsteucr für da» 3• Quartal 1923 wit folgt ab• xuändera: I. Stufe: (Jugendl. u. Personen mit gnaz kleinem Einkommen) 0,2$ Goldmarls II. Stuf®; (Perconen mit geringem Einkommen) . , III. Stufet (Personen mit Einkommen) . IV. Stufe: (Personen mit Einkommen) V. Stufet (Personen mit Einkommen) . . 0,75 mittlerem •«*»•• 3,00 höherem >••»•■ 6,00 höherem .20,00 (Die Goldmsrk wird neel! dem jowellljen Berliner Doliorbdcfkur« de» Zahlungstage* berechnet) Diese Neuregelung gilt für all 5 noch nicht gezahlten Zion Isten* teuer-Bctriige für das 3. Quartal und für solche des 2. Quartals, die uns trotz unserer vielfachen Mahnungen bisher nicht zugegnngen sind. Zionisten, zahlt Zioniatcnsteuer! Es geht um die Aufrechtcrhaltang Eurer Organisation I Zionistische Vereinigung für Deutschland Postscheckkonto! Berlin 8091. Bankkonto! Darmstitdter und Nutionalbank, Depositenkassa Berlin, Karfüratandamm 52 * •Jti• dl *. —rjZ■ 21110yS'iiT“*• ■ --11ו**“*וי1ו־\ jü— presse - Rundscb&u Im öffcnil ו ,.B c r H n e r T a g c b I a 11“ vom IT. August vericht Arnold Höllijcgd (Richard A. Becrniannj, dessen gerne n!am mit Arthur Run dt hcraiisgegebenes Kelscbuch über Palästina soeben erschienen Ist, ducn Aufsatz ״Die Kolonisation Palästinas“. Darin heißt es: ״Ich war unmittelbar vor dem Kriege in Palästina und habe das Land im Frühling dieses Jahres zum zweiten Mal gcsclun. Ich fand Palästina׳ vollkommen verändert. Eine neue Generation ist am Werke und betreibt cs mit größter Energie, Die Grundlage des neuen Staatswescns, das hier unter englischcr Flagge tn.steht, bildet die landwirtschaftlichen Kolonien, die besrn.hrs in Galiläa und in der Ebene Saron vortrefflich gedeih. 11, Es sind meist sozialistische Gemeinschaften junger Arbeiter. Die Kolonien werden fast immer auf einem Stuck Land angelegt, das bisher unbebaut war, die Kolonisten bc• wässern Wüsten und entwässern Sümpfe; die Erfolge sind er• Mauniieh und mir durch den opferfreudigen Idealismus der jtiugeu Leute zu erklären, unter denen ich viele aus Deutsch InnJ ausgewanderte Intellektuelle traf. Es wird 111 Palästina mehr und eifriger gearbeitet als sonst wo In der Welt. Uebcrhaiipt herrscht ein bewundernswerter Geist der Soli• darität 1:111 der ziclbewußten Anstrengung. Die kleinste Kolonie hat ein Museum und einen Kindergarten, das intensivste gei• stige Leben. So groß die Erfolge der zionistischen Kolonisation sind, so groll sind die Schwierigkeiten, die ihr noch im Wege stehe■!!. Das Verhältnis der jüdischen Einwanderer nt den arabischen Landc&bcwohncrn ist nicht gut, Eine Agitation,׳ derer!!'״den leicht über die Grenze des englischen Mandatsgcbictcs :11 das französisch« Syrien verfolgt werden können, vermag n eilt dem von England geförderten Werke zu schaden. Ein Versuch, die Araber zur Mitarbeit an dem geplanten Aufbau einer autonomen Landesverfassung herbeizuzlchcn, scheiterte .111 dem Widerstand der arabischen Großgiund־ besitzen Andrerseits haben die Afnber durch den Verkauf brachllfgrirlen Landes viel Geld verdient und werden durch die intensive Erschließung des Landes sehr gefördert. Ihre Haitun!? gegen die Juden hat sich erat geändert, seitdem die Zionisten die Geldmittel zum raschen Ankauf größerer Ländereien auszugeben begannen. Die finanzielle Situation der Siedler ist alles eher als günstig. Der Verfall der mittel- und osteuropäischen Währung hat die ergiebigsten Geldquellen der Zienistisrhen Bewegung versiegen lassen. Es fehlt überall an Kapital. Große Unternehmungen müssen auf schwankenden Krcditgrun.llagon errichtet werden. Heute haben die meisten Zionisten erkannt, daß das große und fördernswerte Werk der Besiedlung Palästinas nicht gelingen kann, wenn es nicht ge I ngt, auch diejenigen Juden dafür zu interessieren, die sich in ihrer europäischen Heimat wohl fühlen.“ ' Wir werden noch• Gelegenheit haben, uns mit beiden Autoren des näheren auselnaiiderzusetzen. Der Leserkreis des ״Berliner Tageblatt“ muß jedenfalls' in dem ihm wohlbekannten Fcuilletonisten Höllrkgel einen unverdächtlgcn Zeugen *eben. * ״Jewish Chroniclc“ schreibt bei Besprechung des Kongresses: ״Das wichtigste Resultat des Kongresses war, der Beschluß, andere Körperschaften zur Mitarbeit mit der Zlonistischen Organisation in der Jcwlslt Agency cinzuladcn. Vorausgesetzt, daß die vier punkte, welche Dr. Weizmoun mit so großer Klarheit In seiner Eröffnungsrede dargclegt und in seiner Schlußrede vertreten hat, cingchalten werden und der Kongreß die •Form für ihre Sicherstellung gefunden hat, dann haben die Zionisten zweifellos einen sehr klugen Schritt getan, der mit den Ucberlicfertmgcit der Bewegung völlig In Einklang steht. Aber alles hangt davon ab, welche Mittel zur Verwirklichung der von dem zionistischen Führer dargclcgtcn Prinzipien aufgebracht werden. Die Zelt und Erfahrung allein werdendes lehren, aber wir glauben, daß die Beschlüsse des Kongresses eine vernünftige Garantie des nationalen C.haraktcrs der Arbeit der Agency bilden . . . ... Selbstverständlich gab cs, wie immer, auch diesmal1 beträchtliche persönliche Momente, vielleicht sogar zu viel. Die Dienste, die Dr. Welzmann der Bewegung geleistet hat, sind unschätzbar, und solange er die Bewegung weiter führen will, ist er hei der heutigen Sachlage so gut wie sicher. Ob es jedoch gut Ist, daß er nach so vielen Jahren ange• strengter, unermüdlicher Arbeit Präsident bleibt, ist eine andere Frage. Manche meinen z. Q., daß er der Sache in einer anderen Eigenschaft noch größere Dienste leisten könnte. Aber eine überwältigende Mehrheit, wenn nicht einstimmige Wahl, hat ihn wieder eingesetzt und diese Wahl wird allenthalben mit den besten Wünschen für den weiteren Fortschritt der Bewegung bekräftigt werden..,: Im ganzen War der Karlsbader Kongreß eine befriedigende und hoffnungsvolle Tagung. Er hat gezeigt, daß trotz aller Entmutigung und trotz der Wirren und Sorgen, In die ein so großer Teil der Judcnhclt versunken Ist, der nationale Geist des Juden, der durch die magische Berührung unseres unvergeßlichen Herz! erneuert wurde, noch in voller Flamme brennt•“ Die Bodealrage Das Cntndproblcm im neuen Palästina Von Dr. Jaques Adler, Leipzig. Heute, nach dem Karlsbader XIII. Kongreß, stehen wir zweifellos am Beginn einer neuen Episode gesamtjüdischen Wirkens: Der Palastlnaaiifbau auf breitester Basis setzt ein. Die Begründung für den Entschluß de» Kongresse», «Ile dam willigen und fälligen Schriften der ücramtjudcnheit zur raktischen Mitarbeit heranzuzichen, die Begründung hierfür raucht man nicht erst in den zum Teil reichlich theoretischen Debatten des Kongresses zu suchen, sic ergibt sich vielmehr klipp und klar aus einer vorurteilslosen Betrachtung der ge• •amtjücllschcn Lage. Das Bild der jüdischen Lage Ist heute erschütternd. Die stärksten kulturellen und ökonomischen Positionen sind zerstört Da» Wort ״Odessa‘‘ mußte statt aller weiteren Ausführungen en. Der Kern der Volkskraft ist vernichtet. Neben ragödic des russischen Judentum» gehen weniger auf• fällige, aber doch tief wirkende Verfallserscheinungen einher, *0 «amenfllch der Niedergang des deutschen Judentums, das in seiner Masse zwangsläufig an der Verelendung der breiten deutschen Kultur• und Wirt»ctraftsschieht des Mittelstandes teilnimmt. AI* Element der Depression wirkt außerdem in ganz Mittelun:l Osteuropa die schwer auf den Menschen lastende politische Unsicherheit Ein Wiederaufbau kann unter den aligcmc n obwaltenden Verhältnissen nur einen «ehr bescheidend!, unvollkommenen Ersatz des Verlorenen bringen, eine künmicriichc Lebensfristung, nicht aber die freie, kräftige Entfaltung der produktiven Energien. Unter solcher Hemmt!ng und Lähmung seiner Kräfte würde nicht nur das ,fidische Volk empf.u lllch leiden; auch im Internationalen Wt nschhfitsintercsse würde ca tief zu beklagen sein, wenn Im Gesamtbild des muiiclilichen Schaffens der aktlvistlsche Zu• stand, den die jüdische Volksindividualität hincinträgt, ver• blaßt oder gar verschwindet, Wird Soziologie, Erkenntnis vom Wesen gesellschaftlicher Zusammenhänge, zum leitenden Prinzip der Weltpolitik? Wer zur Förden 11? des Weltfriedens und der internationalen Ver• «Endigung eine solche Entwicklung der Kulturmenschheit wünscht, der muß den Beschluß, den im vergangenen Jahr der Völkerbund in der Sache des jüdischen Volkes gefaßt hat, freudig begrüßen, Der Völkerbund hat das Recht de» jüdischen Volkes auf e'iii Heimstätte in seiner historischen Heimat Palästina anerkannt und gleichzeitig im Palästina-Mandat praktische Maßnahmen für die Verwirklichung dieses Rechtes eingeleitet. E* steht heute dem Jüdischen Volke frei, seine beitet Menschen, *eine edelsten Kräfte, die Blüte seiner Jugerd, au* nictlcrdrückcndcn Verhältnissen, aus aussichtsloser l.ige, aus Hunger, Verfolgung, Entwürdigung, aus Verflachung und Entfremdung herauszuzichen und in einen Boden zu vernfl.nrcn, aul dem das eigene Wesen erblühen soll, die eigene Kraft sich entfalten, der eigene Geist »ich die ihm angemessene Wirklichkeit erschaffen darf. Dabei wird der, Menschen nichts geschenkt. ״Chaluziuth“, jüdische Pionlcrtätigkcit In Pafästlna, Ist schwerste, geistige und körperliche Arbeit, doch Arbeit, die vom Fluch der SeeRnlosigkeit, des verhaßten, sozialen Zwanges, vom demoralisierenden Einfluß morscher europäischer Gesellschaftssysteme frei ist. Das 19. Jahrhuiilcrt hat den jüdischen Einzelmcnschen emanzipiert. Der Beschluß des Völkerbundes emanzipiert da« jüdische Volk. Der befreite jüdische Einzelmcnsch bat inr Leben der einzelnen Länder Großes geleistet. Das befreite jüdische Volk schuldet heute der Men׳.chhelt den Beweis, daß da* jüdische Genie, in Freiheit auf dein Helmatboden sich selbst überlassen, noch wahrhaft großer, originaler Leistun,׳ fähig ist. Wir erhoffen und erwarten es bestimmt, gestützt s׳:f die wahrhaft erstaun!ehe Lebenskraft, die da! jüdische Volk n fast 2009 Jahren der Zerstreuung und ruhelosen Wanderung bekundet hat. Welcher Art soll die Leistung des jüdischen Volkes sein — nachdem es den Ken! seiner Menschen In der Heimstätte ln Palästina konzentriert hat —, um dem allgemeinen ethischen Interesse, das den Völkerbundsentscheid begründete, Genüge zu tun? Mindesten« so bedeutsam wie die kulturelle Leistung, die Wiederherstellung und Ncuschöpfung der hebräischen Kui* tur, Ist die soziale Lcish'tig, die Erneuerung des Gesellschaftliehen Organismus im Geiste des alten jüdischen Volksrcchts. Kulturpolitik t׳nd Sozialpolitik sind voneinander nicht zu trennen. Ein Kulturzentrum ohne die Grundlage gesunder gesellschaftlicher Zustände würde ein lebcminfähiges Gebilde »ein. Aus den freien Kräften eines ln guter Verfassung leben• den Volkes w;rd erst Kultur erzeugt. Sollen höchste Ziele der Entwicklung erreicht, weitge• »nannte Erwartungen erfüllt, d e Hoffnungen al cr groß denken• den Menschen auf die harmonische Einfügung ues jüdischen Elements in die noch werdende Weltkultur bestätigt werden, so Ist vor allem erforderlich, daß der neuen jüdischen Sied* lung der solideste, sozialökonomische Unterbau geschaffen werde. Wie einer jeden sozialen Ordnung, so Ist auch erstes Problem des jüdischen Palästina-Aufbauwerkes die Beden• frage, Ae Her noch die Doktrin der Physiokraten und die Lehre Henry Georges ist hier die Erkenntnis, die das altjüdische biblische Gesetz, die Thora, ausgesprochen hat. Wo ein gesundes, soziales Leben sich entwickelt und dem geistigen Schatten Lebcnsmöglichkeit gewähren soll, muß der Boden die nur im begrenzten Ausmaß vorhandene kulturfihige Erd- Oberfläche, dem spekulativen Eigennutz entzogen und, ambcschadct aller durch Arbeilslcist! n? und Kapitalinvestieamg begriinjeten Ansprüche des Einzelnen, dem nationalwirtschalt• liehen Interesse unterstellt sein. An Stelle der individualistischen BeslfzverhSItnlsse da* Eigentum an Grund und Boden — als Basis eflies auf Recht und Arbeit und nicht auf Macht und List gestützten sozialen Systems — eliuufiihrcn, fällt in Länder alter Kultur mit historisch überkommener Gliederung des Bodenbenutze* äußerst schwer. An lers Ist dies in einem wirtschaftlich noch Jungen Lande wie Palästina. Nur ein kleiner Teil des kidturfähigen Landes Ist hier erst angebaut. Welte Strecken, die in der Hand der jetzigen Großgrundbesitzer noch ein brach* liegendes Kapital sind, können für die jüdische Kolonisation käuflich erworben werden. Und dies geschieht denn auch. Aber nicht, wie cs so off bei der Erschließung übersceisehtn, Neulandes im 18. und 19. Jahrhundert beobachtet wurde, in den abschreckenden Formen des Landwuchers und Landschwindels, der kaum wieder gutzumachende sozialwirtschaftliche Schilden schallt, »ondern Im Geiste des gesamten jüdischen Sicdlungswerkcs nach großem, einheitlichem Plan durch den Jüdischen Nafiontlfonds (Keren KajcmctU Lejisrael). Das Land, das der jüdische Nationalfonds in Palästina durch Kauf erwirbt, ist unveräußerliche* Eigentum de« jüdlschen Volkes und wird an jüdische Kolonisten in Erbpicht vergeben. Durch planmäßigen Ankauf »chaftt der Jü* dlsche Nationalfends ein zusammenhängendes jüdische» SWde» neuen jüdischen Palästina, wird durch den Jüdischen Nationalfond* zu einer praktischen Lösung gebracht, die ,würdig «ein will der hohen kulturellen und soziale» Ziele 4er iüditchca Heim« *tättengründung in P4ll*Un*> ' 1, 1 ׳ י : 1 : r! ,'h. . : y