Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVIII (1923)
- Issue
- Heft 73-74 (22.8.1923)
- Date
- 1923-08-22
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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•fc!fcn abgestlitfirü und cTä's B'iiSßef a¥ge niHn'itt'e n7 Es entspinnt siel! eine Gcschäftsordnungsdcbattc, ob in lief En-bloc-Annahme auch die ״Bemerkung* zum Budjet enthalten war. Das l^rüsidium entscheidet diese frage in positivem Sinne. Eine Gcscliiiftsordmmgsdcbatfe entstellt auch über 'die Fräse, ob nach der En-bloc-Annahmc des Budgets noch über alle anderen zum Budget beantragten Amende־ nients ab/ustimmen ist. Der Kongress entscheidet, dass infolge der En-bloc-Annalunc jedes weitere Amendement unzulässig sei. Präsident Motzkin erklärt, dass sich das A. C. mit den Vorschlägen der verschiedenen Antragstcllcr befassen wird, um dem grossen Teile der Delegierten, die für die Zulassung der Amendements gestimmt haben, zu entsprechen. Die Resolutionen I, HI und IV der Budgetkotmnission werden angenommen, über die Resolution II wird infolge Einspruches des Resolutionsausschusses nicht ab* jestimmt. ׳ יי׳■ s,, Budget der Londoner Exekutive. . \ ‘•*A SA* Isaak Feucrlnjc '.■:!!>' unterbreitet namens der Budgctkommisslon den Vorschlag auf Annahme eines Budgets von Pfund Sterling 2G.OCO für das Bureau der Londoner Exekutive ohne Detaillierung der Einnahmen und Ausgaben.,. 'e Dr. Daiches , , , .׳ verlangt Rückvcrwelsung des Antrages an die Budgetkommission und Verschiebung der Abstimmung auf einen späteren Zeitpunkt. (Abgeiehnt.) Der Antrag der Budgctkommisslon wird mit dem ,Amendement Dr. Krämers angenommen: «Per Kongress beauftragt das Aktionskomitee, die einfeinen Posten liir die Ausgaben des Bureaus der Londoner Exekutive Im Rahmen von 20.000 Plund Sterling lestzuletzen.“ J. Meretninskl (Zeire Zion) beantragt Im Namen von 39 Delegierten: ״Der Kongress verpflichtet alle zionistischen Finanz• Institutionen, nur solchen gesellschaftlichen und privaten Unternehmungen Hilfe und Kredit zu gewähren, die ge- Erster Rückblick R, W. Karlsbad, 19״ August, Der Kongreß ist zu Ende. Zwei Wochen aufreibender Tätigkeit bat er in Anspruch genommen und erst die Zukunft wird lehren, ob die Resultate in einem Verhältnis zu den aufgewandten Kräften stehen. Beim Lesen der protokoliartigen Berichte über die Plenarsitzungen kann man die entscheidenden Faktoren des Kongresses nicht richtig würdigen. Denn das Charakteristische dieses Kongresses und — wenn man will — sein Fortschritt liegt in der Paxlamentarisieriing der gesamten Arbeit, die in weit höherem Maße als bisher das Schwergewicht aller Entscheidungen in die Parteiklubs verlegte. Nicht nur die Föderationen bildeten diesmal geschlossene Kongreß-Fraktionen, sondern auch die »:)genannten ״allgemeinen Zionisten“ mußten sielt in straffer parteimäßiger Form vereinigen, allerdings nicht zu einer Partei; sondern zu zwei Parteien, die geschieden waren in der wichtigsten Frage des Kongresses: in der Frage der Bildung der Jewish Agency und gleichzeitig in ihren Anschauungen über die Neubildung der Exekutive. Die große Partei der ״Vereinigten Landsnmuischaften“, die unter Führung der deutschen und wesigalizischcn Delegation geschaffen wurde und die die tragende Gruppe des Kongresses war, vertrat bezüglich der Jewish Agency einen Standpunkt, wie er etwa in den amerikanischen Proposals und in den Beschlüssen des Dresdener Delcgiertentagcs zmn Ausdruck kommt. Dieser ßbek stellte sich unbedingt hinter Weizmann und erharte von vornherein jede andere Führung für indiskut'M, Im Gegensatz hierzu bat die andere Gruppe der %emeincn Zionisten, die Fraktion der ״Zionistischen Demokratie“ unter Führung des Abgeordneten Gränkaum, den schärfsten Kampf gegen Dr. Weizmann persänüch und gegen jeden Versuch der Schaffung einer jewish Agency auf einein anderen Wege als durch all- Remeine demokratische Wahlen eingenommen. Da der Block der Vereinigten Landsmannschaften, obwohl er zweifellos die größten zionistischen Energien repriisenliert (die ganze ׳amerikanische Delegation gehörte ihm [ *■ B. an) im Kongreß nur etwa ein Viertel der Mandate war er gezwungen, nach links und rechts Anscllll1ß zu suchen. Aus dieser parlamentarischen Lage I hgeben sieh die Resultate, die zunächst überraschen ״™ssen, daß die Landsmannschaften z. B. für das Absoiu- "0,■iuin sich nach links hin die Majorität sichern mußten, »ährend sic für die Frage der Jewish Agency eine Korn- PfoiiiißPormel mit dem Misrachi fanden. Der Kongreß bt alle Schattenseiten dieses Parlamentarismus scho- |Jl1ngslos enthüllt; er hat, wie gleich offen gesagt wer- Jcn soll, die ganze Schwäche unseres sogenannten ״fnwkratischen Systems gezeigt und manche bittere "WUerung, die früher über unsere Demokratie gefallen .)l (*• B. in Dr. Weizmanns Rede in Baltimore), gerecht- Daß nicht einmal die parlamentarischen Prin- ' ן"®» konsequent zu Ende gedacht wurden, sondern ‘ eine Partei, die ihren Vertreter in der Exekutive 5 Regen das Absoiutorium1 stimmt und trotzdem in «selbe Exekutive dann neuerlich ihren Vertreter ent- 'tlJdet1 öde!; eine andere Partei gegen das״JProgratim n¥scWCafaW®fflrW«rWia’k״e׳^Ä’rBffatlc»' Jüdischen Mitteln erhaltenen ,Kapitalien für; IMlsche ,Arbeit vorwenden“*;% - -<».««.4.•־־- ״.»•■v•**•׳.,, \ ,1. , /./xyr■ a . -s- Der Antrag wlrd yö/ii Kongress einstimmig ,zur Kenntnis genommen. % ' ■« .<, ,• a 1 ’!*».־ **' '■*' ׳י׳‘,hf .׳<׳־; , >l v Hierauf wird der noch rückständige Teil von Antrügen zmn Keren Halessod der Beratung unterzogen. "יי'■' ■י '־ '׳ *■‘’'"ij*,‘• . ‘ ■ ■ ־ ־׳' ״ ז•> V ״ , י י •,•.t»‘ + Morris Mycr (England) beantragt, dass׳lm Gegensatz zur jetzigen Praxis von seiten des Keren Hajessod keine Subventionen mehr an Fraktionen erteilt werden sollen. . ־ Beri Locker (Poalc Zion): Der Antrag ist gegenstandslos, da bereits von den Fraktionen diesbezüglich in der Budgctkommisslon vorgesorgt worden ist. Der Kongress möge daher über diesen Antrag zur Tages- Ordnung übergehen. Nachdem Feuerring zur Information mitgeteüt hat, dass unter den Resolutionen, die die Budgetkonimission bei den Beratungen des Organisationsstatutes vorlcgcn wird, sich eine befindet, welche diesen Punkt erledigt, wird der Antrag Locker abgestimmt und angenommen, v "׳«׳!»׳ '׳׳׳*׳■ ׳' ׳׳'‘M*■*.* ,> ..׳•׳ •״. Dr. Weiner (Oesterreich) bringt ' namens der Keren ־ Hajessod-Kommission diejenigen Anträge vor, welche mit der Frage der Jewish Agency zusanmicnhängcn und erst durch den Permanenzausschuss gehen mussten: 8. Um eine doppelte Behandlung des Budgets durch den Zionistischen Kongress einerseits, den Keren Hajessod andererseits zu vermelden, wird die Exekutive ersucht, bet der Organisierung der Jewish Agency darauf hlnzuwlrkcn, dass deren Organe gleichzeitig eine Repräsentanz der Beltragslclstcr des Keren Halessod bilden, so dass eine Verelnhcitllcliung erfolgt die eine separate Behandlung des Budgets durch den Keren Halessod entbehrlich macht. 9. Die Bcltragstclsiungcn zum Keren Halessod sollen Wahlrecht zum Council nur in dem Jahre gewähren, In dem sie erfolgen. 10. Der Kongress beauftragt die Vertreter der Zlonlstlsehen Organisation Im Direktorium des Keren Halessod, der neuen Leitung■ stimmt, es aber trotzdem für möglich hält, einen Vertreter in •die neue Exekutive zu entsenden, die dieses Programm ausführen soll, — vervoilstiindigt nur das Bild des Absurden. Kein Teilnehmer dieses Kongresses dürfte siel» der Ueberzeugung erwehren können, daß die Maschinerie unseres Parlamentes in all ihren Verzweigungen reformbedürftig ist, und trotzdem ist es ungeheuer schwer, auch nur die kleinsten Reformen durchzusetzen, weil diese schwerfällige Mascliine sich selbst perpetuiert, wie man es bei den Beschlössen über die Organ isationsreformen gesehen hat, wo der Kongreß alle wichtigen Anträge der Kommission in letzter Stunde ablchntc. Aus diesem im freien Luftraum schwebenden parlamentarisclicn Spiel ergaben sich auch die zahlreichen Widersprüche der taktischen Haltung der einzelnen Gruppen. Die Taktik siegt über die Kraft einer starken Bejahung und Ergreifung des Notwendigen, sic verblendet und verschließt den Blick vor der Erkenntnis der Wirklichkeit. So kommt es, daß manche Gruppe die Situation zwar richtig eiuschätzt, aber aus taktischen Gründen, aus Rücksichtnahme auf Faktoren innerhalb und außerhalb des Kongresses, nicht den geraden ־Weg geht, sondern sich darauf verläßt, daß irgendeine Naciibargruppe links oder rechts schon die unbequeme Last auf sich nehmen wird, die Situation zu retten, wozu meist eine Preisgabe theoretischer Prinzipien gehört, die man besser zu wahren imstande ist, wenn man sich von jeder realen Verantwortung fcrniiäit. Dies kam am deutlichsten bei den Verhandlungen über die Neubildung der Exekutive zum Ausdruck. Man kann wohl sagen, daß mehr als drei Viertel des Kongresses die Ueberzeugung hatten, daß es nur eine Führcrgcstalt im Kongreß gibt, nämlich Chajim Weizmann. Gegen Weizmann war ein Teil der zionistischen Demokratie und ein Teil des Misrachi; diese kleinen Gruppen wollten wirklich den Versuch machen, eine Leitung ohne Weizmann zu bilden. Die anderen aber, die an Weizmann fcstliicltcn, erlaubten sich dennoch ein schwankendes Vorgehen, das aus dem kleinen Gesichtskreis parlamentarischer Taktik vielleicht verständlich, der realen Sachlage im Zionismus und auf diesem Kongreß aber durchaus unangemessen war. Wenn Weizmann sich trotzdem immer wieder davon überzeugen ließ, daß er die Pflicht hat, sich über• dieses Spiel hinwegzusetzen und seine Demission zurückzuziehcn, so ist das ein persönliches moralisches Opfer, das rückhaltlose Würdigung verdient. Weizmann kam zu diesem Kongreß mit einem klaren Programm, Er kam mit dem Bewußtsein, daß das gegenwärtige Stadium der zionistischen Arbeit durchaus uubefriedigend ist und daß in der zum׳ Teil durch ilm selbst besonders in Amerika geschaffenen Stimmung große Möglichkeiten einer Weiterentwicklung liegen. Weizmann hat offen die Grundziige seines Systems vor* gelegt. Sie sind kurz zu charakterisieren durch eine bestimmte Art der Politik gegenüber der Mandatarmacht und den Arabern, die mit den Realitäten rechnet, und ln klarer Erkenntnis der zulässigen westeuropäischen Methoden eine reine Demonstrations- und Profestpolitik abichnt. Hand in Hand damit geht die Ueberzeugung, daß in! Mittelpunkt uns:rer ganzen ,Tätigkeit die ^rComnlfeTROT <! elazubcrufcn, .• ,■,•׳•;.׳;׳״ ־! | Ton diesen 'Anträgen Wird Absatz 9 angenommen!' V׳ Bezüglich' 'der 'Absätze 8 und 10 stellt Dr. Solrfa wclczik den Antrag, sie der Exekutive zur Prün fungzuübcrgcben. Die Anträge laufen darauf hin* aus, dass der Keren Hajessod, den wir als einen Fonds etabliert haben, zu einer Organisation ausgestaltct wird* die als dritte neben die Zionistische Organisation und die vom Kongress beschlossene Jewish Agency tritt Zwischen den beiden anderen würde die Zionistische zermalmt werden. Die Angelegenheit erfordert daher noch eingehende Prüfung. Nachdem Kapiansky (Poalc Zion) sich gegen den Antrag Solowciczik ausgesprochen hat, ,wird dieser, angenommen. ׳־־“ '׳־ ' ' ' ׳<׳ Schluss der Sitzung 6 Uhr abends.' ~~ Nächste Sitzung Samstag halb 9 Ulir abends.’ fkrlchliflung Bei der Abstimmung über die Vorschläge der Immi« grationskommission!«׳ißt cs auf Seite 5 der Kongrcßatis* gäbe der ״Jüdischen Rundschau“, MittcUpaltc, 7. Zeile von unten: ״Vricsiand s,״!rieht dagegen“, es soll statt dessen richtig heißen: ״Fried!and (llitachduth) spricht da• gegen,“ — Ferner ist in der 5. Kongreßausgabe der ״Jüd, Rundschau“ bei den Resolutionen der Sanitätskommission in Antrag 5 (Pasteuriiistilut) für ״Tollwut- und Pockcnbchand• lung“ nur Tollwutbcliandhmg zu setzen. Verbot elr.es antl|iidi,sehen Lehrbuches in Palästina Jerusalem. (J. C. B.) Die Regierung hat den Gebrauch des antijüdischen und antizionistischcn Lehrbuches ״Die Ge• schichte von Palästina‘1 für den Schulunterricht verboten. Di• J,aff,1er Zeitung ״Fclcstinc“ gibt ihrer Unzufriedenheit mit diesem Verbote Ausdruck und fragt, ob es nicht der jüdisch• Einfluß bewirken wird, daß auch der Koran in den Schulen verboten werde. D!e nächste Nummer der ״Jüdischen Rund« schau״ erscheint am 28. August. Schaffung realer, wirtschaftlicher Positionen im Lande sielten muß. Daher müssen alle Kräfte auf die Be- Schaffung von Oeid konzentriert werden, und eines der Mittel, um weitere Kreise hierfür dauernd zu verpflichten, ist die Heranziehung von Vertretern palästinagerichteter judcnschaftcn in die Jewish Agency. Weizmann erklärte: ״Dies ist mein Programm, dies ist das System, an dessen Erfolg ich glaube. Wenn Sie dieses System nicht pnnciunen, dann müssen Sie ein neues System und neue Männer finden.“ Trotz dieser Selbstverständlichkeit versuchte man immer wieder, ein anderes System zu bejahen und Weizmann doch zur Führung zu überreden. Dies war der Ausgangspunkt aller Krisen, die auf diesem( Kongreß so häufig ausbrachen. E i n Mann trat vom ersten Augenblick mit großer Offenheit und Kraft Weizmann gegenüber: Ussisebkin, der Vorsilzcnde der palästinensischen Exekutive, erklärte in einer starken Anklagerede vor der politischen Konimission: Das gegenwärtige System hat bankrottiert. Ussischkin hielt die große Oppositionsrede gegen Weizman 11s Pläne in bezug auf die Jewish Agency. Hier offenbarte sich der ganze Widersinn des Zustandes, daß zwei Exekutiven, eine in London und eine in Jerusalem, nebeneinander besahen, deren Häupter in unversölinliebem sachlichen Gegensatz zueinander stehen. Es gab nur eine Konsequenz: einer von beiden mußte fallen. Daß der Kongreß bis zum letzten Moment de* in einer ernsten politischen Körperschaft unverständlichen, vielleicht in einer Kultusgcmeindc oder einem Wohltätigkeitsverein möglichen Ausweg finden wollte, beide Männer an ihrem Platz zu belassen, zeigt nur wieder, wie wenig Klarheit über die sachlichen Erfordernisse der Arbeit in dem von persönlichen Leidenschaften durchwühlten Gremium bestand. In letzter Stunde ist Ussisclikin gefallen. Er mußte fallen aus sachlichen Gründen. Ueber seine Person wird nocli zu sprechen sein. Er ist eine der größten Figuren des Zionismus, der einzige wirkliche Antipode Weizman ns, so wie er vor Jahren der Antipode I lerzls war. In diesem Moment, wo er aus der Leitung ausscheidet, soll nur mit allem Nachdruck betont werden, daß die ungeheuren Verdienste dieses Mannes um die zionistische Sache unvergessen bleiben. Er geniefit auch bei seinen sachlichen Gegnern den größten Respekt. Die Geschichte ist grausam, ihren zwingenden Notwendigkeiten müssen auch die stärksten Potenzen weichen. Aber wirkliche Verdienste sichern, auch wenn die Entwicklung andere Wege weiter geht, ein Ruhmesblatt in der Geschichte. Mit dem Kongreß ist dieser Zweikampf nicht be« endet. Aber er wird in die künftige Arbeit in neuen Formen hinübergefngen werden. Die künftige Periode wird im Zeichen der organisierten Parteien steilen. Der Block der Vereinigten Landsmannschaften hat sich gleich nach dem Kongreß als Partei konstituiert, die Wetz• mann stützen wird; ebenso geht die ״Zionistische Demo• kralic“ als scharfe Oppositionsgruppe aus dem Kon• groß hervor. Dadurch wird auch das Kräftespiel in der Bewegung verändert lind der Leitung ganz andere Grund• lagen geschaffen, die den Anfang einer wirklichen Demokratie durch Mitverantwortung weiter Kreise da! Bewegung bilden können.