Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVIII (1923)
- Issue
- Heft 73-74 (22.8.1923)
- Date
- 1923-08-22
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Die ArtellerMnk l'Aus «Inem' in Karlsbad anläßlich des Kongresses geh'illenea Vortrag von Dr. Arthur Ru pp in. Der Gedanke der Arbeiterbank entstand vor ungefähr 'vier Jahren. Wenn damals Arbeiter sich zu einer kleinen 'Genossenschaft nisanmicntatcn, um irgendeine kleine Werk- Schaft zu errichten, oder die Landwirtschaft zu betreiben, jso fanden sie keine Möglichkeit, einen Kredit zu erhalten. ,Unsere Hanken gehen Kredite nur auf kurze Zeit, drei bis!sechs Monate, während die kleinen Produzcntcngrappcii einen Kredit für mindestens 1—2 Jahre benötigen. Ferner ist der;Zinsfuß, den die Ranken berechnen, so hoch, daß fast der (ganze Kredit aufgefressen wird. Unit außerdem erfüllen die JArbcitergruppcn nicht die formalen juristischen Bedingungen [für die Gewährung von Krediten. Sie sind keine Kredit- [■fähigen Subjekte. Sie können keine Garantien in bankmäßiger;Form bieten. I Die Arbeiterbank macht cs sich zum Prinzip, gerade [diesen Gruppen zu helfen, ihnen Kredite zu geben und ihnen die Formalitäten bei der Erlangung von Krediten zu .'erleichtern. Aber damals standen wir noch nicht so weit, jwir fühlten bloß den Mangel eines solchen Institutes und [aus diesen Erwägungen entstand der Gedanke der Arbeiterjbank, Die Zionistische Organisation half wesentlich bei der;:Errichtung der Dank mit durch Bcistcllung einer ,Summe .von 30000 Pfund des Anfangskapitals. Das Charakteristikum [der Arbeilcrbank Ist, daß sie das Interesse des Kreditnehmers 'vor das Interesse des Aktionärs stellt. Und ein zweites *Charakteristikum ist cs, daß sie aufgebaut ist auf dein■ Gedanken der Verwaltung der Bank durch die organisierte Arbeiterschaft. 1 Das Kreditwesen in Palästina ist kein geordnetes, jaluefang kam Geld nach Palästina nicht in der Form van Darlelicn, sondern in der Form von Geschenken (die• Rothsdiildschc Kolonisation ist typisch dafür). Der Gedanke, daß!Darlehen unter allen Umständen zurikkgczahlt werden müssen, ist noch nicht überall durchgedrungen. Wir mußten bcfürchten, daß wir hei der Rückzahlung der Darlehen auf [Nachlässigkeit stoßen würden, wenn wir nicht den Arbeitern!klar machten, daß es ihr cigenstcns Interesse ist, die Bank, die ihrer Verwaltung untersteht, zu schützen, und daß sie [nicht irgendeinen privaten unbekannten Kapitalisten, sondern [sich selbst durch Nichtrückzahlung der Darlehen schädigen •würden. Wir müssen sagen, daß unsere Befürchtungen grund״ jlos waren. Wir haben ein Direktorium, das zusammengesetzt!ist aus vier Vertretern der Arbeiterschaft und drei Vor-!treten» der Zionistischen Organisation, und wir können mit [Freude vermerken, daß wir in voller Harmonie zusammen-!gearbeitet haben. Die Zionistische Organisation hat aber nicht nur durch Beschaffung des Anfangskapitals von 30 000 Pfund die Arbeiterbank unterstützt, sie bat siel! außerdem verpflichtet, ihr Leihkapital in Aktien umzuwandeln in dem Maße, als die Arbeiter Aktien selbst erwerben oder verkaufen werden. jDa die Arbeiter bis heute bereits ungefähr 20000 Aktien!in Amerika, Palästina und Europa abgesetzt haben, hat die Zionistische Organisation den gleichen Betrag Aktien durch Umwandlung ihres Leihkapitals erworben. Die Zionistische Organisation hat für ihre Aktien, die siel» auf zirka 18 000 Pfund belaufen, ein besonderes Vetorecht, aber ich kann sagen, daß wir, die drei ״Bourgeois“, gegenüber dem Arbeiter* kolfcgittm des Direktoriums niemals von diesem Recht, das sich auf die Gewährung von Krediten aus dem nicht um- [gewandelten Leihkapital bezieht, Gebrauch gemacht haben. ,Wie Sie aus dem Bericht der Exekutive ersehen, hat die Bank im vorigen Jahre Kredite für den Betrag von 150 000 bis f&ÖOOO Pfund gegeben, davon für öffentliche Arbeiten 74 000 Pfund, für landwirtschaftliche Kooperativen 50000 Piund Und außerdem an andere Genossenschaften. Die Bank hat besonders wirksam in den kritischen Monaten zu 'Anfang dieses Jahres gearbeitet, und wir können sagen, daß sie den größten Teil beigetragen hat, daß die landwirtsehaft״ liehen Betriebe diese Krise überstanden haben. :י■ Durch die Tätigkeit der Bank ist besonders die Ein* rieh tun(» und Ausdehnung der Arbeiten des Misrad-Laawodot- Ziburiot möglich geworden. Bekanntlich hatten früher ungelernte jüdische Arbeiter in Palästina die größten Sdiwierigkeiten, um sich zu Facharbeitern, namentlich im Bau* wesen, heranzubikleu, Der private Unternehmer hat stets in seinem Verlangen nach billiger Arbeit die große Zahl der zu niedrigen Löhnen arbeitenden geschickten arabischen [Arbeiter vorgezogen, den man gegen die Juden ausspiclte. ן Die Ziele des Misrad, der die Vereinigung aller Bauarbeiter darstellt, sind andere als die des privaten Unternehmers. Einer seiner Hauptzwecke ist cs, die ungelernten Arbeiter in die Facharbeit hineinzubringen, sie anzulernen und ihnen '80 die Möglichkeit zu besseren Verdiensten zu geben. Noch;vor zwei Jahren, als man die erste Chaussee von "Tibcrias jfiach Scmacli baute, verhandelte Ruthenberg, für dessen Werk [die Straße bestimmt war, mit der Arbeiterschaft über den Bau und es stellte ein ungeheueres Novum dar, daß die Arbeiter die Arbeit seihst in eigene Verantwortung übernahmen. Dies war dadurch möglich, daß die Zionistische *Organisation sich verpflichtete, für ein etwaiges Defizit in ,der Höhe von ungefähr 5000 Pfund aufzukommen, aber schon damals stellte sich heraus, daß keine größere Arbeit .von der Arbeiterschaft selbst übernommen werden kann, warn ,nicht eigenes Betriebskapital zur Verfügung steht. {’ Für mich ist die Besiedlung Palästinas durch Juden nicht nur «in Sicdlungsproblcm; unser zionistisches Problem ist nicht erreicht, wenn hunderttausend Händler sich im Lande niedergelassen habet», und wem! wir die ganze natürliche wirtschaftliche Struktur unseres Volkes aus der Galutli nach Palästina übertragen. Für mich ist die zionistische Idee verbunden mit der Umwandlung des sozialen und Wirtschaftlidwn Lebens. Der Gegensatz zwischen Unternehmern und Arbeitern muß in Palästina verschwinden. In der Arbeiter* bank sehe ich den Ansatz zu dieser Reformierung. Durch den Misrad schalten wir den privaten kleinen Unternehmer in» Bauwesen aus, der in Palästina keine wirtschaftliche Rolle spielt. Und hier sind die Ansätze, von denen weitergearbeitet werden kann, und die Hebung unserer Genossenschaften und ihre Vervielfachung ist möglich, wenn wir hierfür Kredit״ Möglichkeiten schaffen. Da» jetzige Kapital der Arbeiterbank besteht aus etwa 40000 Aktien und ungefähr 20000 Pfund Darlehen der Zionistischen Organisation. Es bedeutet eine große Er- Weiterung der Arbeitsmöglichkeiten der Bank, wem» es gelingt, poch 2Q0ÜQ bi» 25 0<# Aktien abnuetzea, in Amerika gibt es Komitees, die fffr die Bank arSelferf, afcef wir ifü'rferi niclit alles auf Aipcrik.» schieben, denn gerade die Aktien der Arbeiterin »k soffen »!!*•er dem breitesten jüdischen Publikum verbreitet werden. Nicht vielleicht, weil sie einen besonderen Anspruch auf Dividende erwarten laaen, sondern weil dies, die erste Institution ist, die trotz geordneter Oeschäftsführung nette wirtschaftliche Formen zur Hebung der Lage des Arbeiterstandes in Palästina bedeutet. Die Arbeiterbank hat schon im ersten Geschäftsjahre mit einem Gewinn abgeschlossen und große Darlehen, die pünktlich rtirückgczalilt wurden, und auf die verschiedenste Weise durch Garantien und Sicherheiten gedeckt sind, gewähren können und auch im zweiten Jahre ihrer Tätigkeit arbeitet sie erfolgreich. Wir können behaupten, daß sie das erste und wichtigste Instrument der jüdischen Arbeiterschaft Palästinas ist. Palästinensische Kolonlsaüonslrasea Erwerb, zur Stadt md er fühlt sich' nicht zur Eandwlrtsch*(» hingezogen und gerade deshalb fürchte ich alle die Losung^ 80 sehr, die eine Illusion von Landwirtschaft schaffen werrka und im Grunde mir die fremde Landwirtschaft kräftigt״ können. Genug, daß «in Städter ein paar Hühner besitzt und er hält sich schon für einen Landwirt. Landwirtschaft und Industrie stehen in keinem Widerspnuj, zueinander. Im Gegenteil, das eine bildet die natürlich Ergänzung des anderen. Der sicherste Industriezweig w,fj der sein, der siel» auf Rohstoffe aus der einheimischen Land- Wirtschaft stützen kann. Die Landwirtschaft kann sieh nicht entfalten ohne Städte. Aber eine kaufkräftige Stadtbcvölkcn»!!׳• kann nur durch eine gesunde und fcstbcgründcte Industrie entstehen und diese saugt ihre Kräfte aus der der landwirtschaftlichen Entwicklung, und wenn diese E*t- Wicklung auf manchen Gebiet siel* im Anfang extensiver Methoden wird bedienen müssen, so wird sie doch schließ,!ich und endlich dcu Ucbcrgang zur maximalen Intensität finden. Aus Von Agr. J. W.ilkaaskt. dem auf der letzten Konferenz des palästinensischen Hapoci-Hazai'r in Nahalal erstatteten Referat. Wenn auch der ganze Zionismus aus der Grammatik der Völker als Ausnahme von den Regel!» herausfallt, so muß doch innerhalb des Zionismus alles nach *len erprobten Erfahrungen und Aufbauuiethoden der anderen Völker vor sich gehen. Ohne Kräfte, ohne Mittel und auf morschem und zufällig zusammengetragenem Fundament können wir nicht fcstbegrrtndete Positionen schaffen. Und so wird auch niemals ein Aufnahmereservoir für eine breite Einwanderung entstehen. Deshalb muß der überwiegende Teil der Mittel, die von jetzt ab uns zur Verfügung stehen werden, für die Schaffung realer landwirt״ schädlicher und handwerklicher Positionen eingesetzt werden. Und diese Positionen selbst müssen nach dea physikalischen Gesetzen der Welt und nicht nach der besonderen palästinensisehen Physik, festbegründet, massiv von Grund ans, produktiv und mit einer natürlichen Resorptionsfähigkeit aufgebaut werden. Die anderen Positionen, deren Schaffung wir uns nicht entziehen können, weil die mächtige Chnluabcwcgumg, die keine Hemmnisse sehen kann, hinter uns herdrängt, müssen an zweiter Stelle stehen. Das bedeutet nicht, daß wir stop Immigration sagen. Ein großer Teil der neue« Olim wandert jetzt sowieso nicht mehr mit Hilfe des zionistischen Budgets ein, und auch der Chaluzimstrom, nach den» wir lechzen, braucht nicht gestaut zu werden, Es ist nicht rieht(״, wenn man sagt, daß das jüdische Volk kein Geld geben wird, sobald sich eine vorübergehende Einschränkung der Alijah bemerkbar machen wird. Das jüdische Volk als solches gibt ja kein Geld. Es gibt einen gewissen Teil des Volkes, der aktiv und regsam ist uud in dem das Volksbcwußtscin, eine richtige Bewertung der Bedürfnisse und eine gesunde Erkenntnis von den Wegen, die zum Ziele führen, lebendig ist. Auf der anderen Seite haben die amerikanischen Juden auch in der Zeit, wo sie geglaubt haben, daß es in Palästina schon einen jüdischen Staat mit Ministern gebe, ihre Taschen nicht geöffnet. Das Volk, da« die Mitte! gibt, ist nicht wie König Davids Harfe, die selbst spielt. Es hängt alles von denen ab, die das Heft in der Hand halten. Wenn man das Volk darauf hinweist, daß für die Schaffung «ines Aufnahme״ reservoirs für eine große Alijah die Schaffung bestimmter, fester V/irischaftspositioncn notwendig ist» so wird es dafür geben. Man soll die Palliativmittel nicht gering schätzen, aber man kam» aus ihnen auch kein ständiges System schaffen. Das Aufnahmereservoir der Landwirtschaft ist niclit groß, wir können es nur durch eine Erweiterung der Flächen vergrößern. Diese Erweiterung der Flächen stelle ich in die erste Reihe. Meine Gründe sind bekannt. Jeder verlort ne Tag bede»»tct für mich eine verlorene Position, uud cs ist die wichtigste Position, die wir hier verlieren! Aus diesem Grunde müssen gerade wir den jüdischen Nationalofnds in den Mittelpunkt der Aktionen stelle;» und seine entschiedensten Träger sein. Dazu muß man auch die Gefahr sich vor Augen halten, die in der antilandwirtschaft״ liehen Strömung liegt, welche in der zionistischen Bewegung jetzt einen gewissen Anklang findet. Es gibt Leute, die glauben, daß ein Warschau In Palästina mehr ist als ein Warschau in Polen. Aber eine solche Auffassung ist unserer Meinung nach gar nicht diskutabel. Die Welt ist überall die gleiche und and» die Luft ist überall die gleiche, sei sic unter dein auscrwählten Himmel oder unter den trüben Wolken des Galuth. Bodenmangcl ist unser Zusammenbruch, der Boden ist unsere Rettung. Eine Selterwasscr-Alijah läßt wohl viele Blasen aufsteigen, aber sie hat keine genügende» Vor״ aussetzungen in sich. Wir nehmen keine Rücksicht darauf, daß cs neben uns im Lande eine Kraft gibt, die mit dem Boden verbunden lebt und wächst und mit der wir zusammen leben und wachsen müssen. Die Ostmark und die Tschechoslowakei sind ernste Warnungen. Dort lebte eine Herrenschicht ii» der Stadt und die unferdriiekie Bevölkerung in den Dörfern. Aber die Knechte von gestern sind heute zu Herren geworden, Die Auffassung, daß wir an Bodenbesitz gesättigt sind, ist von Grund aus falsch. Die höchste Intensität der landwirtsehaft* liehen Betriebs führung, auf die sich diese Auffassung stützt, wird die übertriebenen Hoffnungen zunichte machen, die man mit ihr verknüpft. Die Landwirtschaft ist ein organisches Wese» und so kann auch ihre Entwicklung nur langsam wachsen und ohne plötzliche Sprünge vor sich gehen. Dagegen gehen nationale Bewegungen, gleichgültig, ob ihre Wurzeln in Reinheit oder in Unreinheit liegen, mit dem Sturm und Drang der Zeit weiter. Dazu kommt, daß ein jüdisches Warschau vom fremden Dorfe leben kann, weil dort Kaufkraft vorhanden ist; Jerusalem und Jaffa könne» cs nicht, weil die Kaufkraft der Dorfbewohner unseres Laudes gleich null ist. Ohne eine Volkswirtschaft, die sich auf die weitverzweigter» Kräfte der Urproduktion stützen kann, Nun neigt der Jude zu leichtem kommen wir hier nicht weiter. "U Zionistischer Treffpunkt: Räume Keilstr. Kontag, den 27. August Dienstag, den 23. August Die Kenessio Gedaulo Die Einigung mit Misrachi Ira Mifidpnnlit der Erörterungen Wien, 20. August. (J.C. B) Während der Beratungen des Kongresses der Agudas fisrocl begründete Dr. Breuer «inen S t a t u t c 11 e n t w »1 r 1 der Weltorganisation Agtulaa Jisrocl. In dem Statut ist die Einberufung des Kongresses nur alle fünf Jahre vorgesehen, dagegen soll der hundertköp.fige Zentralrat der Agudah jährlich zusammentreten. Das Exekutivkomitee führt die Verhandlungen mit den politischen Machten, der Gescliäftsausschuß entscheidet nur in Vertust', tuiigsfragcn. Es sied bisher die folgenden Kommissionen gewählt worden: Eine außenpolitische Kommission nebst einer Unterkominission derselben, speziell für die Frage der Jewjslt Agency. Dann eine innenpolitische Kommission, die die Beziehungen zu anderen Organisationen, speziell zum Mis״ r a c 11 i, zu pflegen haben wird. Eine dritte Kommission soll die religiös-kulturellen Palästina-Fragen, «ine vierte, die wirtschaftlichen Palästina״ Fragen versehen. In» Namen der polnischen Landsmajuischaft erklärt Dcputierter K i r s c h b ra tt ti, es sei in Polen eine mächtige Aqudah-Organisation entstanden, die 600 Gruppen umfaßt, keiner habe nho ein Rocht, im Namen der polnischen Judenheit zu sprechen, a's die Orthodoxen. Er polemisiert sckatl gegen So ko low, der in Karlsbad auf die großen Erfolge der Zionisten bei de:» letzten Sejm-Wanleu bingewiesen hat. In Wirklichkeit hätten die Agudisten in zahlreichen Orten, wie z. 0. in Lodz, die größte Anzahl der Summen vereinigt. Das Zusammengehen mit den Zionisten bei den Wahlen ist eine reit» taktische Angelegenheit, in allem anderen hat die Agudah volle Bewegungsfreiheit. Die Agudisten haben im polnische!» Seira einet» großen Erfolg erzielt dadurch, daß die Chcdarin von der Regierung als Volksschulen anerkannt worden sind. Der Präsident Rabbiner Z i r e I s o n erhebt gegen Kirschbraun den Vorwurf, daß er z u scharf die Gegen״ Sätze betont. ln der Sitzung vom Freitag vormittag teilte der Vorsitzende mit, daß sich der große Rabbinerrat (Moazath Gedaule Hathcra) bereits proviosrisen konstituiert habe und alle auf der Kenessio anwesenden Rabbiner zu einer Konferenz einlade. Hierauf wird iit die Generaldebatte über den Satzung»- entwurf cingcgangen. Rabbiner F erb er (London) ruft zu einer Versöhnung mit den Gegenparteien, insbesondere mit den Misrachisten auf und erklärt. England als Manda״ tarniacht Palästinas respektiere das Thora-Judentum. Dr. Breuer tritt den Ausführungen des Vorredners entgegen und erinnert au den Satz iu der Mischna ״Du sollst dich eicht dem Bösen gesellen, auch nicht in Sachen der Thora“. Wir müssen, sagt er, gesondert in Palästina arbeiten. Das Lager der Agudah muß heilig bleiben. Rabbiner Atlas (Scnaulcn, Litauen) ruft im Name» des rabbinischca Rate» zur Versöhnung auf. Von der ganze» Versammlung stehend begrüßt, beginnt cler Rabbi aus Gera (Gcrcr Rcbbc) seine Rede, in welcher er ffllc Fernstehenden aufruft, sich der Agudah anzusciilieöei». Die Fernstehenden trifft der Unsegcn. (Die Versammlung bereitet dem Gerer Rcbbc eine große Ovation.) Im Namen der deutsche!1 Agudisten spricht Dr. Muuk klkr.iu) für eine Aussöhnung ns i t d c m M»s r a « h u Rabbiner Unna (München) protestiert gegen die Extremisten, besonders gegen Kirschbraun, die die Agudah zu einer Kampf״ Organisation gegen die Zionisten machen wollen. Er führte aus, man müsse dem Misracivi den Weg zur Agudah ebnen. Die Zionisten des Westens kämpfen gemeinsam mit den Gesetzestreuen für die Erhaltung des Juden״ t u m s. (Unruhe.) Die Zionisten in Berlin haben im Kampfe gegen die Reform sehr viel mitgcholfen und es sei ihnen nur zu danken, daß das Wort Zion aus den Gebeten nicht gestrichen wurde. Redner tritt für die Einigung mit dem Misrachi ein. (Zwischenruf: Die Misrachistcn sind Reschcim.) Rosenheim (Frankfurt) «eist die die Misrachisten beleidigenden Zwischenrufe zurück und erklärt, das Statut sieht einen 10jährigen Zeitraum für eine event. Vereinigung mit dem Mis rac h i vor. Kirschbraun (Polen) bcharrt au! dem unversöhnlichen Standpunkt und führt an, die polnischen Misrachisten hätten verlangt, daß der jüdische Scjmklub in Polen eine Trauerkundgebung für den ״Apikores“ Brenner (der bei den Jaffaer Pogrome» umgekommene Dichter J. Cli. Brenner) veranstaltet. De Misrachisten zertrümmern die Religiosität in Polen. Dcpu״ lierter Lewin appelliert an die Kenessio, keine AgiMlah״ Partei und keine Karnnforganisatnn zu schaffen. Er sagte; Wir galizischcn Orthodoxen werden niemals zulassen (laß Kirschbrauns Vorschlag auf TciLaug der Juden• gemeinden .Wirklichkeit werde. Das Atteste] an! der! fjesehäffslührendcn Vizepräsidenten des arabischen Kongresses Zu der Meldung vom Attentat auf Omar Albitar, dea Vizepräsidenten des arabischen Kongresses, wird aus Kreisen i*er Palästina-Delegierten!»»!geteilt: Es handelt sich höchst״ wahrscheinlich um ein nicht politisches Attentat. Die Familie Nassassibi steht zum größten Teil auf Seite Omar Albitars, des Vorsitzende» der christlich-mohammedanische» Gesellschaft, doch gibt cs einige Mitglieder dieser Familie, die zum Verbände der eingeborenen Araber gehören, die wieder ihrerseits im Gegensatz zu den christliche» Arabern stehen. Einer der Nassassibi ist Bürgermeister in Jerusalem. Omar Albitar war Führer einer Deputation, die kürzlich dea König FeUui auf der Reise »ach Amaa begrüßte.