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Jüdische Rundschau · 1923-08-13 · Heft 66-67 (13.8.1923) · page 10

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVIII (1923)
Issue
Heft 66-67 (13.8.1923)
Date
1923-08-13
Page
– (sequence 10)
Language
German
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י Eaafi; PfcÄ , Ich baSe, dass wir fa ifer Palästina-Kommission noch Ober tHo Praxen sprechen werden, über die Ich in reden für not- :,wcadlg halte und über die ich schon Im vorigen Jahre tmd bei '"der Bcspiecbanc der PaEUtlna-Aemtef meine Melntme gesagt 'habe. Wenn ich darauf — ganz Iran! — elmsche, eesebioht dies, weil Aretrirto gegen die Exekutive erhoben wurden, r.uni Teilo auch solche, die mein Ressort angchcn. Ich habe os für natürlich gehalten, im setben Augenblicke, da Ich da Amt In der Zionistischen Organisation übernahm, meinen Partei- Standpunkt beiseite tu steilen und metae persönlichen Anschauungen, wo es notwendig war, hintanzusetzen. Dass dies nicht bei allen Funktionären der Fall Ist, werden Sie ar.s der Rede Van Vrieslands entnommen haben. Es ist ein organi- ז satorlschcs Problem, wenn man die Mitglieder der Exekutive vor Ucbcrgtüfen des Treasurers zu schützen hat, der bei uns tu viel Macht hat und stets einen Ressortchef, der Üur> ans irgendwelchen Gründen nicht gefällt, Schwierigkeiten bereiten kann. Das Problem der Beamtenschaft In Erex Israel und wahrscheinlich auch anderwärts Ist überhaupt ein sehr ernstes, dem wir unsere Aufmerksamkeit zuwenden müssen. Ich habe cs übernommen, namens der Beamtenschaft ln Palästina Ihnen dieses Problem vorzutragen, denn cs ist unmöglich, dass Menschen, gleichgültig welcher Fähigkeit, nach besten Kräften 5 oder 10 oder 15 Jahre für unsere Sache arbeiten und dann plötzlich vor die Türe gesetzt werden. — Ich komme mm zur Alliah und bitte Sie, zunächst zu bedenken, dass Paiästina kein Einwandcrungsland im ökonomischen Sinne ist Wäre ich als Delegierter hier, so würde Ich wahrscheinlich von dieser Tribüne genau so sprechen, wie manche Redner hier gesprochen haben, aber aus der Kenntnis der Tatsachen, die Ich hi der Kommission voiicgcn werde, erkläre ich Ihnen, dass wir zunächst mit diesem Umstände, dass Palästina ein natürliches Einwanderungsland nicht ist, rechnen müssen. Wir haben die Aufgabe, die Alijah zu fördern und es ist eine unserer produktivsten Aufgaben. Bei dieser Gelegenheit möchte ich gleich sagen, dass Ich auch die Erziehung für eine produktive Aufgabe halte und mich mit allen Kräften dafür clnsctzen werde, dass das Erziehungsbudget erhalten bleibt. Alijah und Erziehung, diese beiden Dinge sind unsere produktivsten Aufgaben. Aber das Elend der jüdischen Emlgration können wir durch Palästina heute nicht lindern. Im letzten Jahre sind etwa 12.000 Menschen eingewandert, davon sind vielleicht 2000 arbeitslos, aber schon dies war eine grosse Leistung. Wir haben uns bemüht, mit der grössten Zweckmässigkelt und Oekonou1ie vorzugehen und haben die Kosten der einzelnen Chalazlm herabgedrückt Für die Zukunft halte Ich es für das beste, die Immigration so zu regeln, dass wir von der Regierung die Festsetzung einer bestimmten Ziffer verlangen, etwa 30.000 für das nächste Jahr, und in diesem Rahmen die Immigration regulieren. Wenn es uns gelingt Im nächsten Jahre 50 Prozent der Einwanderer mit produktiven Existenzen zu versehen und 50 Prozent ln provisorischer Arbeit zu beschäftigen, so wäre das befriedigend. Ich glaube, dass dann auch das Jüdische Volk den Aufbau des Landes nicht im Stiche lassen wird. ©18 Rede Solictows Präsident Sokolow (vom Kongress lebhaft akklamiert, beginnt seine Rede unter lautloser Sülle hn Saal): Herr G r ü n b a u m hat in seiner Rede den Eindruck erweckt, dass sich in der brennenden Frage der Jewish Agency innerhalb der Exekutive auf einer Seite der Präsident der Organisation Dr< Weizmann und auf der anderen Seite alle übrigen Mitglieder der Exekutive gegenüberstehen. Ich für meine Person erkläre: Es ist richtig, dass die Meinungen in der Exekutive geteilt sind; sie ist in dieser Frage nicht zu einer allgemeinen Ansicht gekommen. Das ist kein konstitutioneller Konflikt und kann nicht verglichen werden mit einem Konflikt zwischen dem Kabinettschef und seinem Ministerium. Es gibt Meinungsverschiedenheiten, aber sic beziehen sich nicht auf diese Frage, sondern rühren von einem anderen Gebiet her. Sie beziehen sich vielmehr auf die Geschäftsführung innerhalb der Exekutive, sie sind eine organisatorische Angelegenheit, über die der Kongress, insbesondere der Permanenzausschuss, Gelegenheit haben wird, ruhig und sachlich iniormiert zu werden- Man darf diese Dinge nicht aufbauschen und sie vor allem mit der Frage der Jewish Agency nicht verbindet. Nun will Ich meine Meinung sagen über die Frage, die den Kongress so viel beschäftigt hat Wir wenden uns nicht gegen Kritik. Wir sind dankbar für Kritik, aber vor der Kritik kommt die Information. Und da wi ich den Kongros warnen, er möge keinen falsches Eindrücken erliegen. Seine Kritik ist gut gemeint, aber seine Informationen sind nicht gut Haben wir wirklich ln der letzten Zeit nur politische Misserfolge gehabt? Die politische Lage ist ernst, und wir wollen sie nicht in einen falschen Optimismus einluflen. Die Lage ist aber weit davon entfernt, tragisch zu sein. Wozu dienen einseitige Schilderungen? Werden sie der Bewegung nützen? Ist י es nicht parteiisch, die Bestätigung des Mandats gan:: unerwähnt zu lassen? Sie wissen nicht, wie schwer cs war, alle Hindernisse für die Bestätigung des Mandat / zu beseitigen. Sie wisspn nicht, dass die Baifour-Dckir. ration und das Mandat nur an einem dünnen Faden hing. Es hätte geschehen können, dass man die Bestätigung andere Tatsachen verschwiegen werden? So wie bei uns, gibt cs auch auf der anderen Seite eine Bewegung, die aber, itn Gegensatz zu der unsrlgcn einig ist Die Delegationen, dio von Palästina nach London geschickt wurden, sind von Kräften unterstützt worden, die nicht zu nntcrscltälzcn sind. Und dass trotzdem noch Icdc Delegation bisher eine negative Antwort bekommen hat, ist unser Erfolg. Warum sollen wir von unseren Erfolgen nicht reden? Mögen wir sein, was immer, Stadlanim sind wir nicht Dieses Wort hätte nicht fallen sollen. Es muss aus dem polemischen Lexikon gestrichen werden, das wir benützen Ihr gebt uns Ratschläge, wie wir reden sollen; das ist überflüssig. Täglich, ja stündlich haben wir so geredet Die politische Lage Ist ernst, aber der Emst liegt anderswo als in der Tätigkeit der Exekutive. Er liegt in den ungeheuren Schwierigkeiten imseres Kampfes gegen eine Majorität die sich immer mehr organisiert In der Entwicklung jener Kräfte, die ausserhalb unseres Einflusses stehen, liegen die Scirwicrigkeiten. Sie ,waren nicht sichtbar ln der Zeit, als wir noch nicht praktisch gearbeitet haben. Jetzt stossen wir auf diese Schwierigkeiten und da müssen wir doch die Kraft haben, zu fragen: was können wir dagegen tun? Sollen wir vielleicht den Weg der Abwehrvereine gehen? Wir stehen auf einem anderen Standpunkt Wir müssen Tatsachen schaffen. Man hat mir gesagt: auch ohne Kanonen und ohne Flotte haben kleine Völker etwas erreicht. Nur durch dio Macht des Volkswillcns. Aber wo ist der jüdische Volkswillc? Wir haben von ihm geredet in London, ln Paris, in San Remo, man hat uns geglaubt. Jetzt müssen wir mit einem Dokument des Jüdischen Volkswillens kommen. Man kann sich wohl ein kleines Volk ohne Militär vorstcllcn, aber cs muss einig sein und einheitlich das Land verlangen. Der kürzlich verstorbenc Präsident Harding hat mir gesagt, als wir vom Zionismus sprachen: Es ist ja ganz schön, aber es sind da Juden, welche dagegen sind. Darum müssen wir der politischen Tatsache Ausdruck geben, dass das ganze jüdische Volk Erez Israel verlangt Wie kann sich diese Tatsache manifestieren? Und so komme Ich zu der Frage, über welche der Kongress! geteilter Meinung ist. Aber die Meinungsverschiedenheit ist nicht durch die Frage selbst bedingt, sondern durch die Mythologie, welche sich um diese Frage herum gebildet hat. Es sind zwei Parteien da: Gestatten Sic mir den Kalauer: Zionisten und Heranzieh—onisten. Es ist ein Unglück gewesen, dass man dies zur Wahlkampfparole gemacht hat. Und da es für die Presse nicht genug Sensationen gab, hat sie diese Sache weidlich ausgenützt Und dann ist Herrn Grünbaum Gelegenheit geboten worden, die schöne Rede za halten, welche ich mit beiden Händen unterschreibe (und mir ist es leichter zu unterschreiben, weil ich nicht in der Fraktion war). Nur eine Sache ist traurig dabei, dass man es für nötig hält, au! einem Zionistenkongress diese Anfangsgründe des Zionismus vorzutragen. Das sind Binsenwahrheiten. Die Frage, die uns beschäftigt, Ist nicht erst in letzterer Zeit entstanden. Sie ist entstanden zu der Zelt, als ,wir den Keren Hajessod geschaffen haben. Wir haben uns an das jüdische Volk gewendet, haben es aufgefordert, Geld für den Paläjtinaaufbau herzugeben; haben wir uns gedacht, die Leute sollen nur die Geldgeber sein? Ein jeder vernünftige Mensch hat vorausgesehen, dass wir ihnen auch Einfluss werden einräumen müssen. So haben wir neben den organisierten Zionisten noch eine grosse Anzahl von Menschen, welche sich für den Palästinaaufbau interessieren, welche Maasser geben, aber welcho nicht dazu zu haben stad, sich zionistisch zu organisieren Diese beiden Gruppen muss man nun irgendwie vereinigen. Das ist das organisatorische Problem, mit dem wir uns beschäftigen. Ich appelliere an Sie, der Frage der Jewish Agency Ihr ganzes Augenmerk zu schenken. Ich bin der Mdnung, das in die Jewish Agency Vertreter von Organ!־ sationen cinzubezlchen sind, die verantwortlich sein werden vor ihrer Organisation und vor dem Organ, das gcmeinschaitlicb mit uns geschaffen werden wird. Die zionistischen Mitdieder werden dem Kongress verantwörtlich bleiben. Wenn Vertreter jüdischer Organisationen vorhanden sind, die am Aufbau Palästinas mitarbeiten wellen und den Bedingungen »!stimmen, dass derVorsitzende der Jewish Agency der Jeweilige Präsident der zionistischen Organisation sei, und noch eine Reflic anderer Bedingungen akzeptieren, die garantieren, dass der Geist der Icwish Agency nach unserem Sinne seht wird, daun wollte wenigstens ich nicht die Verantwortum;!rasen 7.11 sagen: wir wollen sie nicht aufnehmen, wir wollen weiter allein das Budget stellen. /.un ScliIns.׳; noch zwei Worte: Herr Fischer! 'כי.'ס •■.'c'r.rau'״ i.:'n, dass die Frage der Jewish Agency noch nicht reif ist, weil wir keine Unterlagen haben; ich behat. Es Ist kein Plan, sondern eine Tatsache, <5^ •. I Board of Deputies in England mit uns in Untertan 1 Iungen trat und bereit ist, unter günstigen Bedingung' 1 mit uns zusammen zu arbeiten. Mein letztes Wort sb2 f ist: Wenn wir die anderen in unsere Reihen •afnehmeB. so soll das mit Würde, Freundlichkeit und Utbe I schehenl (Lebhafter langanhaltender BeifalL) I Me Hede WelzüiQn!! 1 Präsident Weizmann: ־ | Es ha! eigentlich nichf viel Berechtigung, Sie h! dieser späten Stunde noch lange aufzuhalten, zumal | die aiierwlchtigsten Punkte von meinem Vorredner I und Kollegen, Herrn Sokolow, besprochen worden I sind. Wenn ich aber doch noch vor Sie trete, so gei schieht es deswegen, weil viele von den Rednern mir 1 die Ehre erwiesen haben, sich mit mir besonders zu f beschäftigen. Ich werde versuchen,Herrn Grünbaum I mit einigen Worten sehr ernst — denn auch er meinte I cs sehr ernst—■ zu antworten. Herr Grün bäum basierte I einen grossen Teil seiner Rede darauf, dass ich | defätistische Stimmung verbreitet habe und auf De- I faitismus folgt natürlich logischer Welse immer Ka- I pifulation und Abdankung. Und er hat diese Anschul. I digung noch verstärkt durch die Behauptung, man I kapituliere um einer Illusion willen. Ich weiss nicht, I worauf Herr Grünbaum alle diese Behauptungen I gründet; Herr Grünbaum hat nichts von den Ver- I handlungen gehört, die ich geführt habe, und weiss nicht, was in diesen Verhandlungen vorgegangen Ist. Er hat also etwas vorausgesagt, was nicht auf Tat* Sachen beruht, und seine etwas überhitzte Phantasie malte etwas aus, was in Wirklichkeit nie stattgefunden! hat Ebensowenig berechtigt waren die Vorwürfe in einem grossen Teil der Presse mancher Lander, die mir vorschussweise zuteil geworden sind. Alles das ist überhitzte Phantasie, ohne den geringsten Funken von realem Gehalt. In meinen Verhandlungen mit den Juden, die Sie alle hier als Plutokraten oder weiss Gott was bezeichnet haben, ist nicht ein Jota von den fundamentalen Prinzipien des Zionismus verschaeher! oder verschleudert worden. Als Zionist der vielleicht auch etwas in der Bewegung geleistet hat, schleudere ich diese unwürdigen Vorwürfe mit Entrüstung denen ins Gesicht zurück, die sie mir gemacht haben. Eure Führer sind dazu hier anwesend, um gerechte Kritik anzuhören für Sünden, die sie begangen haben, aber eure Führer sind nicht Stätten der Schuttablagerung für alle Leidenschaften von Politikern und Politikastern. Und wenn Ihr alle in eurer noblen Entrüstung glaubt der Sache dadurch gedient zu haben, so irrt Ihr euch tief und bitter. Euer Führer ist bereit der erste Diener der Organi* sation zu sein, aber nicht der letzte Hausknecht Die defaitistisebe Stimmung ist nicht von mir hervorgerufen worden. (Zwischenruf: Und die Hede von Baltimore?) Was ich in der Rede von Baltimore ge* sagt habe, und das schärfen Sie sich ein, ist dass wir eine solche Krise, wie die Im Vorjahr, niemals wieder aushalten werden. Man kann nicht systematisch ar* beiten und eine lange Front verteidigen, wenn man tagtäglich von hungernden Lehrern und hungernden Chaluzlm mit Depeschen bombardiert wird Ich war ln Palästina und bin durch die Kolonien gegangen, sprach mit den Lehrern und mit den Arbeitern, und ich hatte das Gefühl — und Sie werden es bestltl* gen, wenn Sie ehrlich sind — dass dieser ungeheuere Idealismus, der dort aufgespeicherf ist nicht gehal* ten werden kann, wenn der Hunger noch drei Mo׳ nate dauern und unsere Positionen brechen wird. Keine Partei der Welt, und sei sie noch so stark, kann das auf die Dauer aushalten. Was mich nach Amerika getrieben hat war das, was mir Saslawsky nicht gesagt hat, sondern was ich in seinen Augen gelesen habe. Ich bin genug fühlender Mensch, um das zu verstehen. Und packen Sie mich nicht an einem Wort das Ich vielleicht aus meiner eigenen Bitterkeit herauf in Baltimore gesagt habe — das hält man nicht auf die Dauer, der Zustand muss aufhören, wenn wir überhaupt normal vorwärts kommen wollen. Natürlich, Herr Grünbaum kann warten; ich habe auch andere Juden gesehen, die warten können. Ich glaube, dass die Lage so ist, dass wir nicht warten können. Dass wir jeden Tag, den wir nicht vorwärts gehen׳ zurückschreiten — weil die anderen Kräfte vorwärts kommen. Das ist nicht Defaitismus oder Nichtdefaltismus. vdas ist eine Wertung der Lage, wie sie wirk* lieh ist. Es ist lächerlich und kindisch, die Augen zu schliessen und sich zu vertröste» auf etwas, was des Mandats vertagt hätte. Und warum sollen noch daure, dass Herr Fischor unsese Berichte nicht gelesen nicht elnfaeten kan», .VieUcichi 123$ Jch mich h> me*׳

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