Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVIII (1923)
- Issue
- Heft 62 (3.8.1923)
- Date
- 1923-08-03
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 303 JUEDISCHE RUNDSCHAU liidt und ihnen mul damit der Bewegung ihre ungewöhnliche | Kraft und Leidenschaft gab, das war ein anderes Moment, ein ■umfassenderes, als es das Baseler Programm enthielt; das \v,1־r die radikale Negation des Zustandes des jüdischen Lehens von heute; das war die Ablehnung der gegenwärtigen pikli- sehen Lebensform und der leidenschaftliche Wille, einen neuen jüdischen Menschen und eine neue jüdische Lebensform zu schaffen. Dies war das revolutionäre Element in der Entslchung und der Entwicklung des Zionismus; jenes Element, das die umfassende Wirkung der Bewegung ir» allen Sphären jüdischen Lebens ermöglicht und den Zionismus zu dem ׳Träger und Pionier ciiies neuen Judentums auf allen Ocbicten jüdischer Entwicklung gemacht hat. Gesehen vom Standpunkt dieses zweiten Elements, war' das erste, das im Baseler Pro pranim formulierte positive Ziel, nur ein Mittel zum Zweck. Palästina war uns das wichtigste Mittel zur Erneuerung des 'Judentums; cs war uns niemals das einzige Mittel. Deswegen führten wir nationale Politik im Gahrtli; deshalb waren wir die Pioniere der neuhebräischen Bewegung; deswegen führten wir einen erbitterten Kampf gegen die Struktur des jüdischen 'gesellschaftlichen Lebens von heute; deswegen in- .augurierten wir eine neue jüdische Jugendbewegung; deswegen mit einem Wort schlosset, wir den gesamten Bereich des jiidisehen Lehens, auch insoweit er keinen direkten Zusammenhang mit Palästina besaß, in das Arbeitsgebiet des Zionismus ein. ,Und wenn wir die Erfolge unserer rein politisch praktischen Arbeit zur Verwirklichung des Baseler Programms mit unseren ,Wirkungen in dieser umfassenderen Sphäre unserer jüdischen Arbeit vergleichen, 90 erscheint diese letztere trotz der Balfour- Deklaration gewiß nicht geringer und bedeutungsloser als die erste. Vor allem aber: der Charakter der Bewegung wurde durch das revolutionäre Element bestimmt; cs war ein schnell überwundenes Stadium des Zionismus, in dein einer, der lediglieh das Baseler Programm anerkannte, noch als vollwertiger Zionist galt. Wir begnügten uns nicht mit dem Minimai- Programm der jüdisch-nationalen Heimstätte in Palästina, sondern es entwickelte sich das Maximalprogramm einer revolutionänen Bewegung, die sich nicht auf ein bestimmtes positives Einzclziel beschränken kann, sondern die Totalität der Wirklichkeit, die sie von Grund auf umgestalten will, zum Objekt ihrer Wirksamkeit machen muß. Es ist klar, daß in dieser doppelten Motivation der zio- •nistischen Bewegung von vornherein ein Element des Wider- Spruches enthalten war (ein Schicksal übrigens, das der Zionisinus mit allen revolutionären Bewegungen teilt, die denn auch alle früher oder später sich vor dieselben prinzipiellen Fragen gestellt sehen, vor denen der Zionismus gegenwärtig steht). Der Widersprach konnte latent und verborgen bleiben, solange Palästina eine Sache der Forderung blieb, das heißt also auch eines revolutionären Postulats, so lange nämlich fügte r,icb das praktische Minimalprogramm der Bewegung in ihr umfassenderes revolutionäres Maximalprogram ein, deren wichtigster Bestandteil sie sein konnte. In dem Augenblick aber, in dem diese praktische Forderung realisiert wurde, in dem sie aus dem Stadium eines revolutionären Kampfpostulats in dasjenige der praktischen, langsamen Verwirklichung überging, mußte der Widerspruch akut werden. Denn in diesem Augenblick hörte diese Forderung auf, nur den Zionisten eigentümlieh zu sein und wurde zu einem Gemeingut sehr vieler anderer Juden, die in ihrer menschlichen Struktur nach wie vor nichts ״mit dem revolutionären Charakter der zionistischen'Bewegung 211 tun haben wollten. Das ist der große Sirm der Balfour- Deklaration in der inneren Entwicklung des Zionismus und des jüdischen Lebens, daß Palästina aufhörte, ein revolutiorares Postulat von Schwärmern und Kämpfern zu sein und zu einer praktischen Sadic wurde, der auch die busincss men und Baalehatun des Judentums zustimrricn konnten. Damit entstand die große kardinale Frage für den Zionismus, deren!Vorhandensein den Sinn der Krisis der letzten Jahre ausmacht und die jetzt vor ihrer prinzipiellen Entscheidung steht: die Frage nach der neuen Wesensbestimmung der Be- .,wegung. Was soll der Zionismus nun sein? Die Organisation aller Juden, die eine jüdische Heimstätte in Palästina wollen Und an deren praktischen Aufbau mitarbeiten oder die Be- ■wegung der revolutionären Elemente im Judentum, die für eine menschliche und jüdische Erneuerung des Volkes kämpfen, für sie im Galuth und in Palästina kämpfen. Scharf formuliert ,lautet die Frage: Zion «der Zionismus; und cs spricht für den großen Blick von Brandeis, daß er es war, der vor drei Jahren sdion die Frage in ihrer ganzen Schärfe formulierte und ,diese Formel zum Inhalt seines damaligen Kampfes mit Weizmann und den demokratischen Zionisten in Amerika machte. Er war der einzige, der diese Frage klarerkannte, sie klar beant- .wortete und bereit war, alle Konsequenzen aus seiner Antwort zu ziehen. Seine Antwort war: Zion, laicht Zionismus; daher verlangte er die Oeffmmig der Zionistischen Organisation für alle Juden, die die Heimstätte in Palästina bejahen; daher verlangte er die Beseitigung aller Galuth- und Kulturarbeit aus dem Programm der Organisation; daher verlangte er die radikale Reform der Organisation, die Beseitigung des demokritischen Prinzips, die Abschaffung des Kongresses und war mit allen seinen Forderungen, akzeptiert man nur seinen Ausgangspunkt im Prinzip, durchaus im Red\t. Die Galutharbeit ist das Kriterium des revolutionären Charakters der zionistisehen Bewegung, die keinen Platz mehr in ihr hat, wenn sie nur die Palästina-Organisation des jüdischen Volkes sein soll. Die demokratische Struktur der Organisation ist ein Hindernis für die praktisch-ökonomische Aufbauarbeit in Palästina, die eine Sache von Fachmännern, von Finanzuifd Wirtscliafts- Politikern ist, nicht aber eine Sache volkstümlicher Agitatoren und demokratischer politischer Volksführer. Und der zionislische Kongreß in seiner heutigen Struktur ist das denkbar Ungeeignetste Forum, praktische Fragen der Kolonisation zu ,begutachten oder gar zu entscheiden. Man hätte atinehinen sollen, daß die Gegner von Brandeis, die ihn mit solcher Vehemenz bekämpften, die Frage,׳ um die es sich letzthin handelte, ebenso klar erkannt hätten wie er. Es war nicht der Fall. Das Chat» der heutigen Lage im Zionismus hat letzten Endes darin seine Begründung, daß wir Uns •nicht zu einer klaren Entscheidung der Frage durch ringen konnten; und so war die Signatur der letzten vier Jahre zionistischer Wirksamkeit die eines Lavierens, eines Hin und Her zwischen den beiden Möglichkeiten zionistischer Entwick- Jung. Wir wollten Volksorganisation bleiben mit der Auf- .gäbe einer umfassenden Emcuerungswirksamkeit in der Totalität des jüdischen Lebens und wollten zugleich eine praktische Kolonisationsgesellschaft sein. Wir hatten eine Exckulive. die eine Mischung wär von politischen Volksführcrn Jumd ökonomischen Fadücuten. Des Kongreß blieb in seiner glten Struktur erhalten und' sollte, was ein Absurdum ist, zugkidi zu einet Körperschaft gemacht yverden, die übet praJktische KolonhatJonsfragen entscheidet Kein Wunder, daß wir in keiner der beiden Richtungen zionistischer Arbeit Großes leisten konnten; unsere Galifliarbcit war in den letzten Jahren ebensowenig erfolgreich wie ■unsere praktische Palästinaarbeit. Wir verloren immer mehr den Einfluß auf die lebendige Ent- Wicklung der jüdischen Gegenwart iin Galuth und habe;» nur sehr bescheidene Resultate der Aufbauarbeit in Palästina zu verzeichnen. Wir taten weder das eine noch das andere ganz und taten daher beides schlecht. Jetzt ist def Moment gekommen, in dem wir eine klare Antwort auf diese Frage geben müssen; die alte Brandcisschc Alternative steht — und das Ist der letzte prinzipielle Situ! aller. Detallfragen des Kongresses — wieder einmal zur Entscheidung. Es hat sich heute erwiesen, daß sdir viele, die vor zwei Jahren rabiate Gegner von Brandeis waren, im Grunde seine Parteigänger sind, ohne es sich vielleicht cingcstehen zu wollen. Daher war die Ent- Scheidung des letzten Kongresses, wie es sich erwiesen hat, keine definitive Antwort, weil die Frage damals noch nicht der Mehrheit der Zionisten zum Bewußtsein gekommen awr. Erst dieser Kongreß wird diese Frage neu stellen und definitiv beantworten!missen. Und wenn in dem Kampf der letzten Wodien das böse Wort von eitern ״neuen Uganda“ gefallen ist, so soll man darin ׳nicht eine demagogische Ucbcrtrcibung sehen. Es handelt sich in der Tat um an neues Uganda. Das erste Hcrzlsche Uganda enthielt die Gefahr einer Preisgabe des einen Elementes der zionistischen Bewegung, des Zionsgedankens. Die heutige Situation birgt in sich die Gefahr einer Preisgabe des anderen Elementes der zionistischen. Bewegung: ,ihres revolutionären Emcucrungsgcdankcns. Und die Begründung sogar für die neuen Ugandisten ist eine ähnliche, wie sic damals war. Beide Male hieß cs: Wir haben keine Zeit zu warten; beide Male war man in Gefahr, aus der Verzweiflung einer schwierigen Lage heraus Grundsätzliches preiszugeben. Damals wie heute handelt es sich um einen Kampf der Reinhaltung der Prinzipien gegen Die neuen Zionistensteuersätze für das 3. Quartal 1923 Die katastrophale .Geldentwertung and die dadurch bedingte schwierige finanzielle 'Lage der Z. V. f. D. veranlassen um, die Bekanntmachungen In No. 56 u.5יי der indischen Rundschau Uber die Zionistensteuersätze für das 3. Quartal 1923 wie folgt abzuändern: 1. Stufe: (Jugendliche und Personen mit riartdjihriieh ganz kleinem Einkommen) , . . 30 600— 60 000 M, II. Stufe: (Perionen mit gering. Einkommen) 140000—300000 M, III. Stufe: Personen m. mittlerem Einkommen) den Ocfteuwrrt tor R1!nd«1t«n■ I Goldnurk (tusenbllcklich «», M. 600000,—) IV. Stufe:'(Personea m. höherem Einkommen) den Otffimnrrt ran mieden•'»( 4 Ooldairk (a׳!s״nblloU!ich et. 1 JIIIIIos Hark) V. Stufe: (Personen mit hohem Einkommen) den Ofgenwert ron minie■!•«• 16 Oallmtrk (»genblleklleh et. SJCOUOO,— MS.) , I Gold mark 1 sh. Die Ncuregelnng gilt für alle noch nicht gezahlten Zionistenstcacrbcltrüge für das 3. Quartal, Ebenso sehen wir uns gezwungen, Zlonlstcusleuerbctrüge für das 2. Quartal, die trotz aller Mahnungen bis jetzt nicht eingegnngen sind, zu den oben angegebenen Sätzen einzuzichcn. Zionisten zahlt Zlonlstensteuerl Unterstützt die Arbeit Eurer Organisationt Postscheckkonto: Zion-Vereinlgung (.Deutschland, Berlin 8091 j Bank’ konto: Darmstädlcr- und Nationalbank, Dep.- Kasse Kurfllrstendamm52. ihre Verwässerung und Vernichtung durch die Verführungen einer opportunistischen Gesinnung. Es wäre ein Unrecht, denjenigen, die harte bereit sind, den volkstümlich revolutionären Charakter der zionistischen Bewegung preiszugeben zugunsten einer schnelleren Arbeitsmöglichkcit in Palästina, den guten Willen almr.prechen, wie c« ein Unrecht war, wenn man ihn damals Hcrzl und seinen Anhängern abgesprochen hat. Nicht um die guten Absichten der einen oder der anderen Gruppe handelt es sidi. Aber •notwendig ist, daß beide Gruppen sich über die Konsequenzen ihrer Stellungnahme klar werden und über die Tragweite der Entscheidungen, die sie Vorschlägen. Warum ist der Weg, den Brandeis vorgeschlagen hat, so gefährlich? Weil er die Aufgabe des Zionismus i:n jüdischen Leben ■nicht verstanden hat. Die Umwandlung der zionistisehen Bewegung zu einer reinen Palästinaorßanlsation wäre nur dann denkbar und sinnvoll, wenn die Garantie gegeben wäre, daß in einer kurzen und absehbaren Zeit das gesamte jüdische Volk in Palästina leben würde. Dann — könnte man sagen — brauchten wir ׳nicht mehr den Zionismus als revolutionäre Erneucrungsbcwcgung, weil wir hoffen dürfen, daß Palästina in einer organischeren und direkteren Form die Erneuerung des Judentums bewirken werde, ist man sich aber darüber klar, daß eine solche Möglichkeit für die absehbare Zukunft nicht besteht, daß in Palästina bestenfalls ein großer Bruchteil des Judentums leben, die große Majorität jedoch für lange Zeit im Galuth bleiben wird, dann ist das Fortbestehen des Zionismus in seiner Bedeutung als revolutionäre erneuernde Volksbewegung und die Fortsetzung seiner Wirksamkeit auf allen Gebieten des jüdischen Lebens unbedingt notwendig. Ohne eine solche Bewegung müßte das jüdische Leben im Galuth stagnieren; ohne sic würde der Auflösungsprozeß des DiasporaJudentums ein ganz neues, ungeahntes Tempo annehmen, und damit würden nicht nur große entscheidende Positionen jüdischen Lebens verloren gehen, sondern Palästina selbst müßte früher oder später davon betroffen werden. Das Judentum des Galuth wird nicht durch natürliche ökonomische Lebensnotwendigkeiten nach Palästina getrieben, sondern durch eine bewußte Wjlienscinstelhing, durch ein heroisches Sichaitfkhncn, durch die radikale Ablehnung seiner gegenwärtigen Lebensformen. Zu einer solchen Ablehnung muß’ das Volk erzogen werden. Vergessen wir nicht, wie wir es in diesen Monaten immer wieder tun, daß zwei Elemente nötig sind, um ein Land aufzubauen: Menschen und Geld. Wir sprechen heute immer nur von den mangelnden Kapitalien für 'den Aufbau des Landes und sind glücklicherweise nicht in der viel fataleren Notwendigkeit, über den Mangel an nötigen Menschen, die hinübergehen wollen, klagen zu müssen. Waran!? Weil eine dreißigjährige zionistische Wirksamkeit und Erziehungsarbeit vorhergegangeu ist. die Teile des Volkes zur Bereitschaft erzogen hat, ihr Leben in Palästina aufzubauen. ,Ohne einen Zionismus dieser Art ständen wir heute vor einer Frage der mangelnden Menschen, die sehr viel schwieriger wäre als die _ Nt, 62 des mangelnden Oeldes. Man kann durch geeignete 0t*>n tioneil Qcldkrcdifc bekommen und Kapitalsanleihen aufnehmen■ cs gibt aber keine Institute, die Menschen auf Kredit »jJ und Pioniere leihen. Dieses eine Beispiel genügt,!!ra al ganze Kurzsichtigkeit einer Politik zu demonstrieren, die Z־ die Vorteile eines momentan vielleicht schnelleren Aufb1״ tempos willen bereit wäre, den Charakter .der zionistisch(» Bewegung in ihrer heutigen Form und Funktion schwäch,* oder gar zerstören zu Limen, Deswegen kann es für 1018 jyj die Frage: Zion oder Zionismus keine alternative Entscheid(!,!״ geben, sondern die Entscheidung muß heißen: Zion und nisimre. Nur bedeutet heute diese Antwort nicht mehr, wie vor der Balfour-Deklaration da ß die zionistisch «Organisation beide Funk! tlonem erfüllen könnte oder sollte. Sie kann ns nicht, weil sic gar nicht so konstruiert ist, um im großen Sä] ökonomische Aufbauarbeit zu leisten. Weder der Typus unserer Führer, die keine Fachleute, sondern Volkspolitiker sind, ntxj, der Typus unserer Anhänger, die nicht den reichen Schicht«! des Judentums entstammen; weder der volkstümlich demokra, tische Charakter unserer Orgnrnsation noch die Struktur unsere! Kongresse und anderen Instanzen ist darauf angelegt, prak. tische ökonomische Kokmisatbnsarbcit zu leisten. Unsere ganze Bewegung ist strukturell so aufgebaut, revolutionäre Volks be- 1 wegung zu sein, und sic muß, so sehr Teil re formet! in ihrer i Organisation nötig sind, grundsätzlich so anfgebaut bleiben, und I kann daher nicht die eigentliche Kolonisatlonsarbcit allein durch- I führen. Aber sie soll cs auch gar nicht. Denn es wäre ebenso• I sehr ein Unrecht an Palästina wie auch ein Unrecht an desn I nich(zionistischen Judentum, diejenigen jüdischen Kreise, die 1 sich an der Aufbauarbeit beteiligen wollen, von Ihr ausru■ 1 schließen. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit, neben der 1 zionistischen Bewegung neue Organisationsformcn zu schaffet I für den ökonomischen Aufbau Palästinas. I Solcher Organisationsfonnen gibt es zweierlei. Die erst«, I ,die beste und natürlichste, ist die große demokratische Volks• I Organisation aller Juden, die das Minimalprogramm der ]64• I scheu Heimstätte in Palästina bejahen; mit anderen Worten: I die Einberufung des Palästina-Weltkongresses. Ei I wird für immer eine große, unverzeihliche Sünde der zionisti- I sehen Politik der letzten Jahre bleiben, daß sie den passenden I Moment für eine großzügige Verwirklichung des Weltkongreß I gednnkens, unmittelbar nach der Balfour-Deklaration, nicht au*• I genützt hat. Sie hat es nicht getan, weil sie zu sehr fasziniert I war von ihren äußeren politischen Erfolgen und glaubte, mit I der Balfour-Deklaration sei der Aufbau des Landes schon ge- I sichert. Sic hat es weiterhin nicht getan, weil sie nicht ge. I tragen war von einem starken Vertrauen in die Kräfte de* I jüdischen Volkes. Es ist möglich, daß gegenwärtig füre ine Weile I der richtige Moment verpaßt ist, und es ist dann allerdings I richtig, wenn man sagt, man solle siel! nicht mit «inan Surrogat des Weltkongresses begnügen, sondern warten, bi» sein« wirkliche Durchführung möglich sein wird. Wovor wir uns aber hüten müssen, das ist die Bagatellisierung der Kon. greßldcc; das Ist die unaufrichtige Manier, dauernd dies«! Gedanken zu proklamieren, ohne an seine ernsthafte Verwirklichung zu glauben. Ich bin überzeugt, daß in einer nicht allzu fernen Zeit der jüdische Palästina-Weltkongreß möglich sein wird, wenn wir mit einem tiefen Olauben an ihn und einer wirklichen Begeisterung an die Aufrüttelung der jüdischen Massen herangeben werden. Trotzdem wäre et falsch, nun 90 lange mit der Sdiaffung der neuen Organ 1• sationsformen der zur Aufbauarbeit bereiten Juden zu warten, bis der Weltkongreß möglich sein wird; und daher Ist es in der gegenwärtigen Situation richtig, »macht den leichteren Weg zu denken und noch vor der Verwirklichung des Weltkongresses Mitte! und Wege zu suchen, um die nichtzionistischen Oruppen zur Mitarbeit an der Aufbauarbeit in Palästina heran• zuziehen. Es ist dies der Weg der Erweiterung der Jewish Agency. Mir scheint, wie gesagt, daß dieser Weg grundsätzlich richtig ist; nicht, um es immer wieder zu betonen, weil wir es müssen, sondern weil wir es aus unseren Prinzipien heraus!vollen. Diese Begründung durch prinzipielle Gesichtspunkte ist aber entscheidend für die Art der Durchführung dieser Erweiterung. Wäre 6s in der Tat, so daß uns kein anderer Ausweg übrig blieb; daß wir auf Onadc oder Ungnade den nichtzionistischen Gruppen ausgeliefert wären, und alle Bedingungen, die sie stellten, akzep• tircz! müßten, dann würde ich nicht davor zurückschrecken, cu sagen, daß wir diese Erweiterung nicht vornehmen dürfen, und ■sei es sogar auf Kosten des Tempos der Aufbauarbeit Wenn wir aber freiwillig, aus der Erkenntnis heraus, daß die konsequente Entwicklung des zionistischen Gedankens es vetlangt, diese neue Organisaüonsform schaffen, dann gibt es ein entscheidendes Kriterium für die Methode dieser Er• Weiterung, und dieses Kriterium ist die Reinhaltung der Prinzipien der zionistischen Bewegung. Präziser gesagt: wir dürfen nichts akzeptieren, was den großen Erneuerungsgedanken des jüdischen Lebens, die' Bekämpfung der heutig«! Struktur des Judentums und die Herbeiführung eines demokratischen jüdischen Volkslebens im Prinzip negiert. Wir können keine Notabein als solche zur Jewish Agency heranziehen, auch wenn sie die wärmsten Palästinafreunde sein mögen, weil das Kriterium unserer Arbeit nicht nur der Aufbau Palästinas, sondern die Umgestaltung des gesamten jüdischen Lebens von heute ist. Das heißt mit anderen Worten, daß wir zur Jewish Agency nur Repräsentanten bestimmter Oruppen und Organisationen heranzielien dürfen, weil nur 90 das demo• kratischc Prinzip, für das wir im jüdischen Leben seit Jahrzehnten kämpfen, gewahrt bleibt. Und ebenso prinzipiell müsse« wir darauf bestehen, daß das andere große Prinzip, für das!!ir kämpfen (und das nur die Kehrseite des demokratischen Oe• dankens ist), daß das Prinzip der Verantwortlichkeit ge■ wahrt bleibt. Deswegen muß ein Forum geschaffen werden, vor dem die Jewish Agency verantwortlich sein wird. Und solange dieses Forum, sei cs im jüdischen Weltkongreß, sei es in irgendeiner zeitweiliger! anderen Organisationsform nicht geschallen werden kann, dürfen wir die Vertreter der anderen Oruppen nur als Mitglieder der Agency heranziehen, müssen aber die Majorität derselben durch Vertreter der Zionistischen Organisation besetzen, die vor dem zionistischen Kongreß verantwortlich sind. Auch nur die Hälfte der Sitae an unverantwortliche Milgl'edcr abzugeben, hieße da» Prinzip der Verantwortlichkeit negieren. Solange eben der jüdische Weltkongreß nicht geschahen ist, kann jede erweiterte Je* wish Agency nur ein Provisorium sein, ln diesem. Stadium . des Provisoriums müssen wir auf der Majorität der Sitze bestellen, um den verantwortlichen Charakter der Agency wahre« zu können. Ich habe mit Absicht nur einige wenige Detailfrage« der Methode der Erweiterung besprochen, Sie solle» ladic•*®