Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVIII (1923)
- Issue
- Heft 62 (3.8.1923)
- Date
- 1923-08-03
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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jsTf. 62 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 305 ׳• H Vc;?,-. 0; 11 *י',1 11;1 k'';in ד.ז 11.; Ck' > , ן ■ I ‘יי■ HA vlin ein v,1;־ A׳r:;nrrt!111 Pro. tcr sc-iu I» :mtrf!:'• ׳: der /«-“hiltS- . :1 u n ■ 1h״ ',!)er״!in), D*. cii ין Dr. l-.1t/ky f. N’emi. . Brut!• (Or.erno. ilewitsd» (Hrimn),!rw,artet, I ’.,ui■־;, ifii, in Aif n rheit ח Kreuz, 1, sowie il :1 rheit ׳ Kinder• iife, (1c• 11 J uden ח wurde eiten, minieres ive Herr 70. Ge- V.otzkin, en einen aihropen er Juden .cn Dank :il'.e von!7'r Zio• Kern• ין! s. k'r;11, drigen 1".זו zwar C> r Ex.־• 1 mit der!t<1״, daß tßicrein• S S il/V. :;1. Hern. « 11׳ Ab. c.1 Form, des v.־!blende;׳er;en die us. Zwar uuh zum ix r ״der oder er Julj 1023 fis Tageja ener Edt mit />11 da risch jbrr dcit krtz aus, r rsuf die und dem In llerzl tuiier gec;;.1!׳ und 1>;.״ der 1 V! likes 1 c r/l war ciiropäi־ ׳st.:1 und 1 M'jllCS inze״ Aber ׳.Um il nirlit•׳!׳ •,t 1 mit!• Ai klaff‘ ״ .• 1 .endi 1 1 .trald*■ ’ k rankt Demi .׳, IV istina eilte״; .- )■ mern,■;■״!! Uuf i, int ruht*' 1>1;f frei« Pb. | f •ן י4י T’ ß* ß *9 A W (•״<!*»«•«•* Z-. •T . . Kl..#,/ *JLjt i. - - ,71, fe .,J i 1 TT «<• י־"/ \י . . ך;""!׳"׳/ &Ä44«!H^L ־ '171 * I. per Dresdener Dclcgicricntag der Zionistischen Vcreinir, für Deutsdikml hat auf dem Gebiet der Finanz- Aj’jlilc folgende Beschlüsse gefaßt: '1 f);r Aufbau Palästinas erfordert neben den intensiven ׳S.immliingen für die Geineiimciinftsfomis KKL. und Kl I. den Aushau der bestellenden und die Schaffung neuer Finanztute. Der Delegiertentag beauftragt seinen fiuanzpolitischen Ausschuß, der Exekutive eine Denkschrift über (|1C Finanzierung des Palästina• Aufbaus vorzuiegen, die gje in seinen Verhandlungen zutage getretenen Probleme mul ihre I.ösimgsmöplichkeiteit beliamicln, ף pcr Dolegierlaitng cmptiehlt, daß möglichst bald von "der Exekutive eine Konteren/, von Fachleuten für die Finan/ierungsfragen cinbcnifcit wird, die den Gesamtn],in für die Finanzierung systematisch begutachten soll. 3 Pie Finan/propagaiula soll unter Beteiligung der ver- ' jchicdetieii Gcldaiiibringungs-Iustitutioncn in einer cinlicitliehen Zentralstelle zusanmiengefaßt werden. 4 pie Zionistische Organisation soll für die großen Wirt- ' sdiaftsgcbietc Stellen entrichten, deren einzige Aufgabe die systematische Herstellung wirtschaftlicher Verbindungen /.wischen Palästina und der Diaspora ist. Bei den Beratungen, die der Ausschuß in Verfolg dieser rHjc!11us>e abgchalten hat, hat er sich auf die Erörterung derjenigen •Probleme beschränken müssen, die ihm als die w;htig׳stc11 erschienen und die nach seiner Auffassung am dringlich sku einer Lösung bedürfen. Er ist bei seinen!';;!frstichungen zu einem Ergebnis gelangt, das bis zu einem p-bsen Grade dem Beschluß entspricht, den der Dresdener pdi’f:erteiltag in der Jcwish Agcncy-Frage gefaßt hat: cs fj;;cn und müssen auch auf dem Gebiet der Finanzpolitik rcile Wege gegangen werden, aber gerade diese neuen Ver-;iciie und Bemühungen setzen voraus, daß die bestehen <1 c 11 brfi'.Hiibriiigungsmöglichkeitcn erhalten bleiben und ausgebaut »erden, II. Aus der angedeuteten Auflassung ergibt sieh die zwingende Konsequenz, daß der Keren Hajessod den Ausgangspunkt lür alle finanzpolitischen Erörterungen und Maßnahmen bilden auS. Damit ist nicht gesagt, welche Rolle endgültig tuicrseits der Keren Hajessod, andererseits die Finanzinstnintc■nte, von «lenen noch die Rede sein soll, in dem kiiin-;;;cn finanzpolitischen System zu spielen haben werden, ins- Vomiere ob der Keren Hajessod der entscheidende Träger der Gddaulbfüigiingsarbeit bleiben kamt und wird. Aber der Keren Hajessod ist das Ftnanziustnuncnt, das besteht und sehr beachtliche finanzielle Leistungen aufzuweisen hat; er ist fernerhin das Finanzinstruincnt, das jedenfalls für c.e Erhaltung des in Palästina Bestehenden bis auf weiteres unerläßlich ist, weil es — so gut oder so schlecht, Ke die Erträge seiner Arbeit cs bisher gestatteten — das P.i'istinabudgct gespeist hat. Die Erhaltung und der Ausbau ccs Keren Hajessod stellt sich deshalb als die primitive Selbsterhaltengspüicht der Zionistischen Organisation dar, Es ist such nicht angängig, dem Keren Hajessod einen Teil seines Aufgabenbereichs schon jetzt dadurch zu entziehen, daß man bestimmt, er solle mir einem Teilzweck, der Immigration und Kolonisation, dienen. Inwieweit Aufgaben, die gegenwärtig dem Koren 1 lajessod obliegen, zweckmäßig auf andere Institutionen übertragen werden, soll hier nicht untersucht werden. Jeden- Uh kann eine solche Abänderung nur das Ziel einer Ent- Wicklung darstellen, die sich erst dann verwirklichen kann, wenn & Institutionen aktionsbercit dastehen, die den Keren Hajessod für einzelne Gebiete ablösen sollen. Die volle Würdigung der Bedeutung des Keren Hajessod bm auf der anderen Seite der Erkenntnis nicht entgegensichen, (laß seine Erträge und die der übrigen Spende tifonds Klein für eine großzügige Durchführung des Palästina;»!!(־ : bis nicht atisrcichen. Der Ausschuß betrachtet den Keren! Hajessod zwar nicht als eine bloße Vorkehrung für die Geber- Pr.gs/cLt und glaubt, daß seine Erträge sich durch eine zjgieich extensive und intensive Werbearbeit vervielfachen lassen werden. Daneben aber müssen die übrigen bisiicr in Kn Hintergrund getretenen Möglichkeiten, Kapitalien für die Palästinakolonisation heranzuziehen, restlos ausgenutzt werden, hie Durchführung einer äußeren Anleihe große 11 Stils siufl in dem Augenblick in Angriff genommen werden, in dem Voraussetzungen für eine derartige Aktion gegeben sind. Unabhängig׳ davon — vor einer äußeren Anleihe und gegebenen- bis auch gleichzeitig mit ihr oder nach ihr — muß die bev.dere Chance ausgenutzt werden, die darin liegt, daß die nationale palästinensische Wirtschaft Darlehen und Beleih- "®gen beim jüdischen Volke aufnehmen kann; einen besonders wichtigen Teil dieses Aufgabengebiets bildet die üeidwerbu 11 g für die zionistischen Finanz Institute. Schließlich hält der Ausschuß — ohne über bs unter den gegenwärtigen Verhältnissen mögliche Ausmaß 1®er privaten Unternehmertätigkeit in Palästina ein U׳rt«׳ä1l <1ד fällen — cs für erforderlich, daß Mittel und Wege geb.dea werden, um systematisch die P r i v a t i n i t a t i v c b Palästina anzuregen und zu fördern. 1 111 1 Eine National an leibe — wie sie neuerdings mit j 0-״Orders eingehender Begründung von Arlosoroff vorgebbjjert worden ist — welche Kapitalien vom internationalen 1 inanzmarkt für die Palästinakolonisatiou hcranz.icht, ist ge- ־'־'׳net, «len Aufbau des Landes in besonderem Maße zu fördern. H1tinierl.1f.cn für eine solche Anleihe komme!! die Aktiva der 5״‘‘ionalen Wirtschaft in P«'*otina und die Werte in Betracht, i f־:;Ci: Ifcrcitstelihng für eine Kredilaktkm _ vom Galmli zu j '■jbfren ist. Ein finanztechnischcr Vorteil liegt in dem Umj!bd, daß durch eine derartige Kreditaktion die zionistische; r‘״anzpropaganda nicht belastet wird. I Der Ausschuß!ult es für erforderlich, daß der Karlsbader! T’äreiS eine Kommission einsetzt, die die Anleihe frage un- I 'c,17•blich in Bearbeitung zu nehmen hat. Diese Kommission j *1il die Durchführbarkeit der Anleiheיnach der ökonomischen! iinanztcchnischcn Seite hin prüfen und durch Verband- i;!©n mit den Kreisen, die für die Finanzierung der Anleihe j 15 Betracht kommen, die Vorarbeiten praktisch cinleitcn. | 1v. 1 k Che vom Dclegiertentag dem Kongreß bereits empfohlenen! ^liutiaa-JKi rtschaf tsatellen sollen nicht als Bf״■« der Zionistischen Organisation eingerichtet, sondern mit einer gewissen Selbständigkeit ausgestattet werden, ihr Aufgabrnkreis soll außer dem Auskunftsilienst vor allem auch die Anregung und Vermittlung wirtschaftlicher Verbindungen zwischen Palästina und dem Galuih umfassen. Sie müssen ihr Material von einer in Palästina neu ein/iirichteiiüen Informatkin.s/entrnle erhalten, die zweckmäßig der neuen Ableilung des Jcwish Colonial Trust an.zuschließen sein wird, welche der Ausschuß vorschlägt. (Vcrgl. unter VI.) Es ist aii/ustrebcn, daß zu Leitern der Palästina-Wirtsclialtsstellcn ■solche Zionisten bestellt werden, die eine Zeitlang in Paiäsiiua — tunlichst in Verbindung mit der dortigen Informationszentrale — gearbeitet haben. Auf jeden Fall müssen sie Gelegenheit haben, die palästinensische Wirtschaft persönlich kennen zu leinen. Der AbsatsunscrcrWcrtpapicrcist mir möglich, wem! auch dieser Zweig unserer Arbeit systematisch ausgestaltct wird. V. Bei der künftigen Ausgestaltung des Keren Hajessod ist auf eine sachgemäße Handhabung bei der Verwendung seiner Erträge besonders Bedacht zu nehmen und zwar schon deshalb, weil naturgemäß der Erfolg des Keren Hajessod zu einem großen Teile davon abliängt, daß möglichst allgemein die Uebcrzeugung der sachgemäßen Ver- Wendung seiner Erträge besteht, Wäre die Keren Hajcssod-Organisatron neu zu schaffen, so vväi'e eine Regelung sehr erwägenswert, bei der der Keren I lajessod lediglich als Gcldaufbringiuigsapparat dient, während die Gcldvenvendtmg ,vollständig anderen Stellen übertragen ist. jetzt winde eine derartige Regelung der bisherigen Entwicklung allzusehr z.uwklerlaufcii und vielleicht auch aus politischen Gründen nicht angängig sein. Zu erstreben Ist aber, daß der Keren Hajessod in möglichst weitem Maße voll den mit der Verwendung der Gelder zusammenhängenden Aufgaben entlastet wird. Soweit seine Erträge Somlerzwcckcn zugeführt werden, für die es besondere gcmcinwirtschaftlichc Institute gibt oder für die solche Institute erforderlich sind und deshalb geschaffen werden müssen, müssen diese lnstilufiouen die dem Somlcrzweck zmgcdachteu Keren Hajessod- Lrtr.'ige erhallen. Der Verkehr mit dem ״letzten Empfänger“ der Gelder kann keinesfalls Sache des Keren Hajessod sein. Insbesondere sollen die für die landwirtschaftliche Kolonisation bestimmten Beträge nicht unmittelbar durch den Keren Hajessod an die Siedler gezahlt werden. Neben der Errichtung eines Agrarkredits-Unternehmens erscheint daher die Schaffung einer besonderen — bis auf weiteres vom Keren Hajessod zu speisenden — Institution nötig, welche die Beihilfen mehr ungeschäftlicher Natur gibt. VI. Die Frage, wer in Zukunft der verantwortliche Träger der Aufbauarbeit sein soll, mag als eine überwiegend politische Frage hier ausgeschieden werden. Vom finanzpolitischen Standpunkt aus ist lediglich zu fordern, daß cs eine Instanz gibt, die als der verantwortliche Träger des Aufbaues sich fühlt und aufgefaßt wird, mag das nun die zionistische Exekutive oder die Jcwish Agcitcy sein. Und fernerhin ist zu fordern, daß dieser Instanz ein Organ und Instrument zur Verfügung steht, welches die Finanzierung des Aufbaues unmittelbar zu dirigieren hat. Der Ausschuß hat sich auf den Standpunkt gestellt, daß alle Anstrengungen gemacht werden müssen, um den Jcwish Colonial Trust zum obersten Finanzinstrument des Palästina-Aufbaues zu entwickeln. Er Ist auch hierbei davon ausgegangen, daß unserer gesamten Lage die Anknüpfung an das Bestehende besser entspricht, als eine Schöpfung neuer Gebilde, wenn nicht /wingewk ,Notwendigkeiten sie erheischen. Der J. C. T. ist eine Institution, die besteht, wenn seine Basis schmal ist, so wird die erste Aufgabe sein müssen, sie zu verbreitern. Der J. C. T, wird seinen bisherigen Ausgabenkreis bcihehaltcn können, gleichzeitig aber folgende neuen Aufgaben zu übernehmen haben: L die Aufbringung der Geldmittel für die Kreditinstitute tisw., 2. die Koni rolle und Verwaltung der Wirtschaflsinstitiitc, 3. das Studium der wirtschaftlichen Möglichkeiten und Not- Wendigkeiten Palästinas. Der neue Aufgahcnkreis wird organisatorisch von dem bisherigen Au (g,ibenkreis des J. C. T. zu sondern sein. Die neu zu errichtende Abteilung wird volle Selbständigkeit in Bezug auf ihr Arbciissysfem und auf die von ihr hcranzuziehenden Personen haben müssen, Eine Frage der Zukunft ist cs, ob die vorstehend kurz skizzierte Struktur des J. C. T. seine endgültige Struktur darstellen wird. Gerade wenn cs gelingt, seine Basis beträchtlich zu erweitern, wird es vielleicht möglich und erwünscht sein, den bisherigen und den neuen Aufgabciikreis des J. C. T. zwei oiganis,•»torisch völlig getrennten Gebilden zu übertragen. Auch eine Herausnahme eines Teiles seiner neuen Aufgaben kann sieh als möglich und nötig erweisen, inssondere die Uebcrgabc seiner Kon troll- und Vcrwaltungsaufgaben an eine besondere holding Company. Es wird Sache der Zionistischen Organisation sein, ständig die Notwendigkeit einer organisehen Fortentwicklung des oberstea Finanzmstrumciitcs im Auge zu behalten. VII. Der Finanz-, und Wirtschaftsrat balirf nach der Aiiffarsung des Ausschusses einer Umgestaltung. Es bedeutet eine Kraftvcrgemhmg, wem! mehrere Mitglieder des Finanz- und Wirtschaftsrales in der Exekutive an der Beratung auch der politischen und propa::amlistiscitcn 'Fragen milwirken. Notwendig ist, daß der Vorsitzende des Finanzmul Wirtsehaftsrates der Exekutive als Vollmitglied angchört. Im übrigen muß der Finanz- und Wirtscliafisrat sieh auf sein spezielles Arbeitsgebiet beschriinken, dessen Bedeutung für die Organisation gar nicht iiocli genug ,veranschlagt werden kann. Spnnpm’tcil in der Pr,liislinavcnv;1iJuR^ Jerusalem. (J.C. B.) Die Regierung sc'zt ihre Sparsamkcitspoliiik in allen Abteilungen der Verwaltung fort. Das Budget ist um 250000 Pfund verringert worden, die Geliälter werden überall reduziert und eine Anzahl von Beamten entlassen. SI11 uni Ziilciinll des Zionismus Zn r p ri n z ipiellcn Klärung der Kongrcßfragea* Von Nabum Goldmann. Selten trat ein zionisti-9d!er Kongreß zusammen in eine* solch ungeklärten Sitihition, wie cs beim kommemlen Karlsbader Kongreß der Fall ist. Das überaus Gefährliche der gegenwärtigen inneren Lage des Zionismus beruht nicht in dort Widers!reit der Meinungen und in dem Gegensätze bestimmte« Gruppen; nie war der Zionismus stärker als in den Zeiten seiner heftigsten Mcimntgskäinpfc. Das Gefährliche des gegenwärtigen Zustandes liegt vielmehr in der Unklarheit de« prinzipiellen Differenzen, in dem Chaos der Meinungen, in der unerträglichen Atmosphäre persönlicher Verstimmung«! und sachlichen Unklarheiten, in der heu e Fragen entschieden, werden, die _richtungweisend für die ganze Zukunft der zioiiisliselien Bewegung werden müssen. Nichts tut darum 1m:l!c not, als Klarheit zu gewinnen, und die wichtigsten Gegensätze! und Differenzen auf iiire letzten prinzipiellen Begründungen und Ausgangspunkte z.urückzufuUrcn. Es ist unmöglich, zu einer solchen Klarheit zu gelangen, wenn man nicht vom Prinzipiellen ausgeht. Es ist vielleicht das traurigste Symptom der inneren Zerfahrenheit der Bewegung und ihres stumpf gewordenen moralischen Gewissens, daß man sich in der Stellungnahme zu den großen Fragen, die der Kongreß entscheiden muß, nicht von grundsätzlich ent Erwägungen, von Fragen der Idee und des zionistisdicn Gedankens, sondern von Opportimilälsmotivcn der augcnblickliehen Situation leiten läßt. Man mag die Notwendigkeit einet schnelleren Tempos im Aufbau des jüdischen Palästina fü« noch so dringlich haietn, so dürfen doch die grundsätz• tidien Fragen der zionistisdicn Entwicklung nicht lediglich vom Gesichtspunkt entsdiicden werden, ob einige tausend Chaluzin! mehr oder weniger angesicdelt werden können. Der Zionis• mus steht und fällt mit seiner Idee und mit den großen Prinzipien, auf denen er aufgebaut ist, und die Entscheidung über prinzipielle Fragen zionistischer Po,i:ik darf niemals von ausschließlich praktischen Momenten bestimmt werden. Mit jener gefährlichen unbewußten Neigung zur Assimilation, die wir Zionisten oft nicht weniger stark in uns tragen als die sogenannten Assimilantcn, ist es »11 den letzten Jahre ncrrschcdc Manier bei uns geworden, nach englischer Art sich nur vort ״praktischen“ Erwägungen leiten zu lassen. Aber abgesehen davon, daß in der real|X)litisc11en Art der Engländer ungemein viel Prinzipielles enthalten ist, «las bei dem Engländer so sehr Fleisch und Blut geworden ist, «laß es der oberflächliche Betrachtcr nicht mehr wahnümnit, soll man doch nicht vergessen, daß der Zionismus eine jüdische Bewegung und keine emglisch« ist. Wir waren immer ein Volk der Idee und der Priuzipien, und wenn vielleicht sonst europäische Politik definiert werden konnte als die Kunst des MögLehcn, so war die g־r0ßq und sch icksalbcsti nun ende jüdische Politik immer eher eine Kunst des Unmöglichen gewesen. Propheten und geistige Führer waren die Träger der Politik, die das einzigartige heroische Schicksal des Judentums geformt hat. Ein opportunistischcs Judentum hätte schon längst das Schicksal all«; anderen realpolitischen Völker geteilt. Man muß das betonen (schlimm genug, daß man das muß), weil von allen Seiten die Grundfragen des Kongresses von rein praktischen und opportunistischen Gesichtspunkten betrachtet und entschieden werden; es entsteht dadurch eine Art vott Vcrzweifluiigsslimmung, in der jcüe klare Erfassung und piriuzipiellc Auseinandersetzung unmöglich wird, weil man das Gefühl bekommt, daß wir in einer Situation sind, in der wir keinen anderen Ausweg mehr haben. Demgegenüber sei hier mit aller Entschiedenheit tler Standpunkt vertreten den idt' oSnsc jede Paradoxie so formulieren möchte: steht es so mit uns, daß wir Bestimmtes tun m ü s s c n , dann dürfen wir es nicht tun. Nur was wir freiwillig, aus der klaren Erkenntnis unserer Prinzipien heraus, tun wollen, dürfen wir tnu. Von einem solchen Gesichtspunkt prinzipieller Betrachtung aus soll hier der Versuch gemacht werden, die wichtigsten Kongreßfragen zu prüfen und zu klären. Seit vier Jahren spricht inan im Zionismus von eine« Krisis,_ und es ist kein Zweifel möglich, «laß eine solche Krisis besteht. Es ist ein hausbackener Optimismus naivster Art, sic nicht sehen zu wolle״ oder zu leugnen, und es bedarf keines stärkeren Beweises für das Vorhandensein dieser Krisis, als eben der Umstand, daß seit vier Jahren tmuiüerbrocltcn von ihr gesprochen wird; von anderen Symptomen, die jä zur Genüge bekannt sind, nicht zu reden. Alle gegenwärtigen Streitfragen der Bewegung, «lie Frage des jüdischen Welt- Kongresses, der Erweiterung der Organisation, der Heran- Ziehung nichtzionistischer Kreise zur jcwish Agency sind ja letzten Endes nichts anderes als die gesteigerten Auswirkungen und Resultate dieser Krisis. Um zu einer Klärung dieser Fraget! gelangen zu können, muß man sich darum zunächst über die Ursachen der Krisis der letzten Jahre kiar werden. Man wird «lies« Ursachen bald erkennen, wenn man dem merkwür* digen Umstand Aufmerksamkeit schenkt, daß diese Krisis eigentlieh seit «ler Balfuur-Dckl.'iraticm datiert. Ist cs nicht im ersten Augenblick unverständlich, «lall mit dem Zeitpunkt, in dem der Zionismus seinen größten äußeren politischen Erfolg errungcii hat, «Laß mit dem Moment des eigent liehen weltjxditischen Triumphes des Zionismus seine innere Krisis einsetzt? ist dieses Nacheinander nicht etwas Unbegreifliches? Abc« vielleicht ist, wie so oft, das post hoc auch in diesem Falle nur ein propter hoc. Viel!:acht liegt gerade in dem weltpolitischen Sieg der Balfour-Dekl.iration die notwendige Ursache ■ det inneren Krisis der zienhtisdicn Bewegung begründet. Mir scheint, daß es sich in der Tat so verhält; mit der!Durchsetzung uns«er politischen Forderung nach einem jüdisehen Palästina, mit dem Meinen( also, wo der Aufbau Palästinas aus «lein Stadium einer Forderung in dasjenige einer prak- (isüicji* Aufgabe überging, iiiulite ein latenter Widerspruch, der von Anfang an im Wesen der zionistischen Bewegung begrüiidet lag, zu seinem oifeum Ausbruch gelangen und die!'cwcgimg zu 'einer gnmdsäi/liehen neuen Entscheidung über ihren Charakter und ihren Sinn zwingen. Das Wesen und der bum des Zionismus war von seiner Geburtsstuiulc an zwiespältig. Auf «kr einen Seite war er die Organisation zur Verwirklichung dos Baseler Programms. Als solche war er eine poiitisch-prakLsckc Organisation mit einem Minimal- Programm; jeder Jude, der das Baseler Programm aner« kannte, hatte auf Grund «1er formellen Konstitution des Zionismus das Recht und den Anspruch, vollberechtigtes Mitglied der Organisation zu sein. Aber der Zionismus hat sich nie damit begnügt, das allein zu sein; was, menschlich und seelisch gesehen, seine Anhänger zu ihm führte, si« zusammen•