Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVIII (1923)
- Issue
- Heft 58 (20.7.1923)
- Date
- 1923-07-20
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 58 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seife 3G9 ow׳c!c gen E 1 Pa• erbat c vr.i!, 23 u1k| ist und irmnen• sowie tonnen. währte Yorker Zweck seine nvi< op ä ire auf zünden einen wirken, eil ver• eil der :aß der batten, 1,״ be• rischen welche 01111t Arlx.it lferer.t aß die S auch :ciincn. eilen 1 mich c ihrer ilionen lr Pa•!glaubt zu zu• Weit- 1:1t die Monat in ein• :legten rikaiier i den hr er• eure• er.z m ׳egung ,tionen ungoi f i) a u e Ein• n der Mische u ver• l:j;e• 1isa• rollen, 11 für; verde u Englands Interesse an Palästina. Die bekannte linksstehende Londoner Wochenschrift ״T 11 c ne«’ S ta t esman" enthält in der Nummer vom 7" Juli einen mehrere Spalten langen Artikel ״Großbritannien' und Palästina". Der Artikel wendet sich gegen die antiziomstisehe Kampagne eines Teiles der englischen Presse. Die Bejiaiijuung der Antizionisten, daß das britische Volk einschließlich der Politiker nicht besonders am Zionismus interessiert ist, erklärt ״New Statesmau“ für richtig. Das bedeute ober noch nicht, daß sie nicht an Palästina interessiert sind. Die britische Ocffentliciikeit in ihrer überwiegenden Majorität ist vielmehr der Ansicht, daß England seine'Aufgabe in Palislina weiter führen soll, solange hierfür triftige Gründe vorhanden sind. Man dürfe sieh nicht darüber täuschen, daß heute solche Gründe bestellen. ״Die Annahme, daß wir nur um der Juden willen in Palästina sind, ist ein schwerer Irrtum. Zwar ist es wahr, daß wir ein feieriiciies Versprechen gegeben haben, ein nationales Heim für die Juden zu errichlciC und daß es uns schwer diskreditieren würde, dieses Versprechen zu bicdicn. Es ist mich sehr wahrscheinlich, daß diejenigen, die das Versprechen gegeben haben, nicht alle seine Konscquenzen vorhergcselicn haben, noch seine Bedeutung erkannten; Me wurden auch in ernste Meinungsverschiedenheiten mit den Juden bezüglich der Interpretation verstrickt. Aber diese Diiicrciucn sind jetzt aufgeklärt. Nur eine kleine Gruppe von Ullrazionisieii, die keinen praktischen Einfluß haben, betrachtet es jetzt noch als unsere Pflicht, einen jüdischen Staat zu (,cliaffen, und nur die extremsten arabischen Nationalisten und ihre Hintermänner in England geben vor, daß wir dies zu tun beabsichtigen. Was wir aber in Wirklichkeit versuchen wollen, in Verbindung mit der großen Gesamtheit der vernünftigen Juden, ist die Schaffung eines palästinensischen Staates, an dessen Lasten und Rechten beide Völker, Araber und Juden in gleicher Weise Anteil nehmen sollen. Auf dieser Basis haben wir das Mandat übernommen.“ Der Artikel setzt sich dann mit dein Vorwurf auseinander, daß der britische Steuerzahler für die Juden zahlen muß und widerlegt diese Argumente an der Hand der Ziffern. Er ver• weist dann darauf, daß die Palästina-Unternehmung sehr wichtigen britischen Interessen dient, insbesondere militäri scli en Interessen zur Sicherung des Suez-Kanals. Pa- Lislina ist aber auch der Schlüssel für die englische Stellung im östlichen Mittclniccr und in Westasien. Wenn wir Paläslina verlassen, so wird König Hussein und Faisul und Abdallah zufrieden sein, aber hinter Urnen stehen die Franzosen in Syrien und hinter denen die Türken, und im Süden die Wahabis. ״Wozu immer wir uns später entschließen werden oder wozu wir später auch gezwungen sein mögen, der gegenwärtige Augenblick ist jedenfalls nicht geeignet, Palästina au («!geben.“ Schließlich kommt der Artikel ata die Frage zu sprechen, warum England nicht Palästina halten könne, ohne die jüdische Sache zu unterstützen. ״Dafür gibt es zwei Gründe — ganz abgesehen von dem moralischen Grund, der Einhaltung des gegebenen Versprechens. Der erste Grund ist ein niatcriciler, Palästina ist ein Land von beträchtlichen Naturschätzen, ist aber unentwickelt und unterbevölkert. Es ist jedermanns Interesse, einschließlich der Araber und der Eng-!ander, daß es kultiviert und entwickelt wird. Die Araber sind ökonomisch zurückgeblieben und könnten das Land selbst mit Englands Hilfe nur langsam vorwärts bringen. Die Juden hingegen können, wenn man ihnen die Möglichkeit gibt, das Land schnell und wirksam entwickeln. Palästina braucht jüdische Arbeit und jüdisches Kapital, und wenn diese ordentlich wirken sollen, müssen die Juden innerhalb der vernünftigen Grenzen, die wir gesetzt und sie angenommen haben, freien Spielraum haben. Der zweite Grund ist jedoch ein viel höherer. Das jüdische nationale Heim bedeutet zweifellos für viele, wenn nicht für die meisten Zionisten, die nationale und religiöse Wiederaufrichtung, Für uns, die wir von dem Ruhm des alten Israel ,nicht besonders bctrolfcn sind, bedeutet es ein Experlmentdes Internationa• liimus. Wenn arabische und jüdische Kultur, westliche und orientalische Gedankenwelt zur Harmonie gebracht werden können, kann das Ergebnis von einem kulturellen Einfluß sein, der sich weit über die Grenzen Palästinas erstreckt Dies ist kein leichtes Experiment, aber seine Bedeutung kann nur Vorurteil oder Dummheit geringschätzen. Das britische Volk »Ute stolz sein, dabei die Hand im Spiele zu haben.“ Au! die gegenwärtigen Chancen eingehend, erklärt der Vcrlasser, daß trotz des offenbar ungünstigen Anscheines doch gewisse Anzeichen einer Besserung vorhanden sind. Es gehe sogar das Gerücht herum, daß einzelne arabische Notabcln ihren Austritt aus dem Advisory Council widerrufen haben. Das Blatt spricht die Hoffnung aus, daß die Araber schließlich die Vorteile begreifen werden, die Englands Politik ihnen bringt. England jedenfalls bleibt nichts anderes übrig, als fest und geduldig an der einmal cingeschlagencn Richtung festzuhaltcn, RathenaU und der Zionismus. Anläßlich des Jahrestages der Ermordung Rathenaus, sind natürlich in der ganzen deutschen Presse Erknerungsartikcl erschienen. Die Berliner Wochenschrift ״Das!Tagebuch“, gab ein eigenes Sonderheft heraus, das dem An• denken Rathenaus gewidmet ist, und u. a. Aufsätze von. Gerhart Hauptmann, Oskar Müller, dem früheren Reichskanzler Dr. W i r t h, sowie ein Gedicht von Hermann S t e h r enthält Alle Beiträge setzen sich natürlich auch mit Rathenaus Judentum auseinander. Die Redaktion allerdings scheint ihr Pro- (׳ramm durch jenen Absfclinitt aus Lagarde anzudeuten, der die : Assimilation der Juden als deutsche Kulturaufgabe bezeichnet.! Besonders bemerkenswert ist ein ausführlicher Aufsatz d:s bekannten Publizisten Dr. Adolf Grabowsky, der in der ״Deutschen Allgemeinen! Zeitung“ erschien. Der Aufsatz versucht die Judenfrage wirklich in ihrer Tiefe zu erfassen! und enthält eine ganze Reihe richtiger Beobachtungen und Er- ׳ Kenntnisse. Der Verfasser setzt sich an einigen Stellen auch < mit dem Zionismus •vitselnandcr, allerdings scheint er die ■ zionistische Gedankenwelt leider nur aus sckimdäter Quelle , Zu kennen, und erliegt daher der Verführung, einer zweifellos existierenden, aber keineswegs repräsentativen, oberflächlichen j zionistischen Auffassung In der ihr adäquaten Spuäro zu bo• l gegnen Er stellt s. B de Unterschied« zwisclvon dm drei > jüdischen Typen, dem deutschen Juden, den! Ostjuden und i dem Westjuden, fest und bemerkt dazu; ״pic Zioniste, pflegen über diese drei Richtungen hinwcgzugleitcii .zugunsten feie« jüdischen EWbcitstypu*, Aber es irird *ich gleich irrt. Jü. ~ייי1 Id; Auf Grund eingehender Erkundigungen an zuständiger Stelle sind wir in der Lage, folgendes mitzutcilcn: In Berlin werden die tschechischen Visen zur Reise nach Karlsbad ab 25. Juli erteilt, Es ist anzunehmen, daß die übrigen tschechoslowakischen Konsulate in Deutschland gleichfalls von diesem Termin ab die Pässe visieren. Wie bereits durch Mitteilung des K011greßbiiros bekannt ist, werden an Kongreßbesucher von den Landesorganisationen Legitimationen erteilt, die dem Antragsteller einmal bestätigen, daß er bcabsichtige, zmn Kongreß zu fahren, andererseits Minder־ oder Nichtbcmittcltcn als Ausweis zur Erlangung von Ermäßigungen der Visengebühren dienen. Da die tschccho-slowakischen Konsulate berechtigt sind, neben diesen von der Zionistischen Vereinigung für Deutsch-!and ausgegebenen Kongreßlcgitiinationcn auch sonstige amtliche Nachweise über die Vermögenslage der Antragsteiler zu verlangen, wird den Kongreßteilnehmern, die auf Ermäßipng zu reflektieren berechtigt sind, empfohlen, sich derartige Ausweise (Steuerquittungen, polizeiliche Bestätigungen, Bestätigungen des zuständigen Finanzamtes usw.) zu beschaffen und auf Verlangen vorzuzeigen. Zionisliselie Vereinigung lilr Deutschland seien, sich um jeden Preis auszuliefern. Die zionistische Welt habe im polnischen Zionismus immer eine Festung iarcr Ideen gesehen. Die Amerikaner wollten den XIII. Kongreß in einem liociivalul,irischen Lande ahlultcn lassen, um die Teilnahme der polnischen Zionisten möglichst zu verhindern, uni zü verhindern, daß sie, die seit mehr als 25 Jahren den volkstüm׳■ liehen Charakter der zionistischen Bewegung gewahrt hätten, gegen die Umwandlung der Zionistischen Organisation in ein Kolwiisatlotisiimeruelmien auftreten. Bloßer _H0ff11ungcn, bloßer Erwartungen wegen dürfe man nicht kapitulieren. Es heiße, man müsse dickes Opfer um Erez Israel willen bringen, man sage, man mt1-.se es tun, um die Arbeit in Erez Israel zu beschleunigen. Aus Erez Israel käme schlechte Nachricht und man befinde sich in Panikstimmung, und in zouistischcn Reihen gehe der Rur um; ״Rcüet Euch, sonst gehen wir alle unter". Man möge sich nicht von dieser Stimmung beeinflussen lassen. Niemals und von keiner Seite sei die Situation so dargestellt worden, als sei nach den pnlitisclion Erfolgeji die Möglichkeit gegeben, jubelnd 11:1dl Erez Israel cinzuziehen; im Gegenteil, man habe immer betont, daß die Immigration durchaus abhängig sei von den aufgebrachten Mittel 11. Unter den C11 a 111 z i m herrsche keine Panik- Stimmung, diese arbeiten unverdrossen am Aufbau des Landes. Nur jene seien in dieser Stimmung, welche der Verantvvortmig müde seien und sie von sich abschüttcln wollen. Aber diese täten cs nicht im Namen des Chaluzmi, sondern weil sie für sich nach einer Rechtfertigung suchen, und wollen, daß alle andern das gleiche tun. Man müßte genau überlegen, ob es nicht Selbstmord sei, wenn man den vorgesclilagencu Weg betrete, ob wir, weil einige in der Panikstimmung den Kopf verloren haben, alles hingeben wollen, die Organisation, den Kongreß, Grünbaum ruft die Wähler auf, sich von solcher Panikstimmung nicht liinniiicn zu lassen. Heilig sei, was mit Leiden, mit Opfern bezahlt wird, schöpferisch sei die Leistung des ganzen Volkes; man dürfe das Prinzip der Selbsthilfe, auf welcher die Zionistische Organisation aufgebaut sei, nicht vergessen. Dcr Ausgang der Walllen müsse beweisen, daß die polnischen Zionisten frei seien von Panikstimmung, daß in ilincii die Kraft sei zur Beseitigung der heutigen Krise, daß sie in der Lage seien, mehr als bisher breitere und größere Volksmassen mit sich zu reißen. zeigen, daß man mit solcher Simplifizicrung der Judenfrage nicht näher kommt." Und an anderer Stelle bemerkt er in ähnlichem Sinne; ״Von mechanischer Assimiiierung kann nicht die Rede sein; noch viel mechanischer aber ist das Ideal des Zionismus, das, primitiv, wie man cs Juden nicht Zutrauen seilte, die jüdische Nation kurzweg einreiht unter die andern Nationen (ganz abgesehen von der falschen Romantik und der noch viel ärgeren Furcht vor der Tragik des jüdischen Stammes, seiner eigentlichen Größe)." So primitiv freilich, wie Grabowsky meint, ist der Zionismus nicht. Der Zionismus geht keineswegs an den Grundtatsachen des jüdischen Lebens vorüber, aber gerade, weil er tiefer geht, gerade weil er die Frage in ihrer ganzen beispiellosen Kompliziertheit erfaßt hat, gerade weil der Zionist das Schicksal des jüdischen Volkes in seiner Tiefe erlebt, alle Schmerzen dieses Schicksals und dieser Problematik durciigelittcn hat, war er imstande, zu der Erkenntnis vornulringcn, daß die Judenlrage nicht nur in äußerlichem Sinn, sondern im innerlichsten, nur durch eine entscheidende Tat gelöst werden kenn, an deren Anfang die Sclbstbcjahung des Juden steht. Die sehr vornehme, mit der banalen nicht zu verwechselnde, Assimilationsthcorie Grabewskys, war in einer bestimmten Geistesphase, deren Ausläufer vielleicht Rathenau ist, auch ein jüdisches Ideal, das überwunden werden uuißie, weil cs auf fundamentalen Fehlern beruht. Das ״Pariagefülil“, dessen Ucberwindung Grabowsky wünscht, ist endgültig erst mit dem Zionismus auf• gehoben worden. Der Wille zur Sammlung der Volkskraft, zu ihrer Realisierung in einem Geincinscliaftszentrum, ist keine Absage an die jüdische Tragik, die übrigens ästhetisch oder literarisch zu bewerten (was der christlidic Denker wahr• scheinlich bei manchen modernen jüdischen Literaten gelernt hat) nicht angängig ist. Auch der Zionismus ist nur möglich, weil das jüdische Volk im Grunde seiner Seele das Bewußtsein hat, daß sein Schicksal noch nicht abgeschlossen ist Der Zionismus ist aber der erste Lösungsversuch der Judenfrage, der nicht vor soziologischen Tatsachen und den Erfahrungen der Wirklichkeit die Augen verschließt. Da* sollte ein Mann wie Grabowsky, der mit objektiver und vornehmer Gesinnung an die Fragen herangcht, audi nicht tim, Der zionistische Wahlkampf In Polen. Im Warschauer ״Neuen Haint“ vom 12. Juli erwidert der I gcwi&scns, Jabotinsky über Herbert Samuel Im ״Rasswjet“ (Nr. 28) zieht Jabotinsky i« einem Artikel ״Drei Jahre H. Samuel“ die Bilanz der Tätigkeit des Oberkommissars. Entsprechend der Steilung Jabotinsky* wird diese Kritik natürlich schlechthin vernichtend. ״Es handelt stell um einen Mann,“ bemerkt er einleitend, ״der von korrcklcsteri Absichten beseelt ist. Trotzdem aber bilden die drei Jahre Regime Samuel in Palästina eines der traurigsten Kapitel, nicht nur der zionistisdicn, sondern auch der jüdischcn Geschichte im allgemeinen “ J. zählt dann eine Reihe von Tatsadien auf, um zu zeigen, daß Herbert Samttcl dein offiziellen antisemitischen Kurs in Palästina keine!) Abbruch getan hat, ja sogar ihn fortwährend ermutigt hat. Bei seinem Amtsantritt habe er, zur allgemeinen Enttäuschung, den am Aprilpogrom in Jerusalem beteiligten Poiizciorgancn kein Haar gekrümmt tmd die stark belasteten leitenden Per: sonen in ihren Acmtcrn belassen. Bei der Begnadigung der Verurteilten sei ferner kein Unterschied gemacht worden zwischen den Schuldigen ain Pogrom und den jüdischen Sclbstscluitzlcuten, einige arabische Hauptbeteiligte seien sogar in höhere Acmtcr gekommen. J. gellt dann zu den Ercignissen in Jaffa über und weist darauf hin, daß auch die Schuldigen an diesem Pogrom unbestraft geblieben und Per!• sonen, wie Oberst Margoiin und Leutnant Jeime, die die Juden in Schutz genommen haben, ihrer Acmtcr enthoben worden sind. Der von einer von S. ernannten Kommission verfaßte und von ihm approbierte Bericht über den Pogrom für London sei ein polemisches Werk gegen den Zionismus gewesen, das u. a. die Behauptungen enthielt, daß die Juden mit derselben Bestialität vorgegangen *eien, wie die Araber, und daß die Hauptursache des Pogroms in der Interpretation des Zionismus liege, wie sie den Arabern jüdischerseits geeiten worden sei. Die ganze weitere Tätigkeit von S. habe as antisemitische Regime in Palästina gestärkt und beinahe zur patriotischen Pflicht gemacht. J. erinnert zuletzt an das von S, verfaßte Weißbuch, dessen Approbation durch die Exekutive ultimativ erzwungen worden ist, an die palästi* ncnsischo Verfassung, die eine zweideutige Auslegung der Balfour-Deklaration zum System erhebt, und an die Rolle Samuel* während der Wahlen, wobei die Antizionisten v0(1 der Verwaltung offen begünstigt wurden, und schließt mit den Worten: ״H. Samuel führt — ganz abgesehen vom Zionismus — ein gefährliches Spiel mit einem Stamm, der noch an der Grenze . , . zwischen Primitivität und Kultur ,steht. Derartig« Wege füJiren zur Korruption des Masse»• Abg. Grünbaum in einem ״Jüdisches Volk, was hast du getan?“ überschriebcnen Aufsatz auf Weiz- 111 an ns Rede in Baltimore. Er reagiert insbesondere auf Weizmanns Aeußerung, er liätte immer auf die große Tat de3 jüdisdien Volkes gewartet und all seine Erwartungen seien getäuscht worden. Grunbaum führt aus daß die Kundgebungen der zionistischen Organisation während des Krieges und nach dem Kriege überall den Aufbauwillcn des Volkes deutlich bewiesen hatten. Gerade durch die Wahl zionistischer Parlamentarier hätte das Volk sein Schicksal in die Hände der Zionistischen Organisation gelegt, sonst wäre wohl die Balfour-Deklaration das geblieben, was einmal der Aufruf Napoleons an die Juden gewesen sei. 'Nur dank der Begeistcrung des Volkes wäre cs möglich gewesen, daß die Balfour- Deklaration durch spätere Akten bestätigt worden sei. Die Steigerung der Einkünfte des Keren Hajessod sei nur der Erfolg der Arbeit des zionistischen Apparates, vor allem natürlieh der Arbeit Weizmanns. Olm8 solche Arbeit kann kein Wunder geschehen umf die zionistische Idee grenze in ihrer Ausführung doch an .Wunder. Wenn da« Volk nicht leiste, was ca zu lasten hätte, bo bedeute das nur, daß ca noch nicht reif sei, daß wir cs reif machen müssen^ daß wir diia in itert schlummernden Kräfte wecken müssen. Man müsse dnschcn, daß man mit derartigen Schritten, wie sie heute unternommen würden, die Begeisterung ersticke, daß man dadurch jenen die Kraft nähme, die das Volk organisieren, seine Kräfte mobdiclercn, weil die Arbeit nunmehr von Kreisen beherrscht sein würde, die tmt bisher felndlidh oder auch nur gleichgültig gcgcnübcrgcstamlcn seien. Audi Wcizmann sei von Panikstimmung ergriffen, so daß er die Lage nicht mehr übersehen, sondern mtsrufc 1 ״Rettet Euch, solange noch Zeit ist!“ Solche Stimmung kann nichts Gutes bringen, eie mache nur an den vorhandenen Kräften verzwetfein und bringt dazu, daß man auf der Sudie nach dem! Volke Israel die Komitee® der Gekljmfen und der Großjuden finde. In einem am 15. Juli in der gleichen Zeitung erschienenen den an diesem Tage in Polen stattfindenden Kongrcßwahlcn gewidmeten ArtikcF der den Titoi trägt, ״Laßt Euch von der Panikstimmung nidit beherrschen“ führt Grunbaum aus,׳ daß die Zionisten Polens durch dla .Wahlen beweisen müssen, daß der polnisch« Zionismus noch eine Volksbewegung sei und daß er die durch den 6. Dekglertentag hervorgerufene Meinung, die polnischen Zionisten seien müde, erschöpft, ent■ täuscht und verzweifelt widerlegen müsse. Es müsse die An■ sicht widerlegt werden, <Uß die iioiniochqi Zionisten bereit Wahlsieg der ״Eilt liwnoth“ In Polen Wie ״Hajnt“ berichtet, fanden am letzten Samstag in Pofcp die Dclcgiertenwahlcn zum zionistischen Kongreß unter sehr lebhafter Beteiligung statt. In Warschau, Lodz und in der Provinz, hat die Liste der Gruppe ״E t h 1 i w n o t h" (d. i. die Gruppe Lcwitc-Gottlieb, die auch bei der Konferenz in Warschau die Mehrheit hatte) den Siegdavonge tragen. Viele bekannte Zionisten der Gruppe ״Al hamic chmar (Grünbaum) sind nicht gewählt worden. In Lodz hat ״Al hamischmar“ kein!einziges Mandat erlangt. In Warschau erhielt die Grünbaum-üruppe nur eins von fünf Mandaten, Dr. Marmorcks Beerdigung Paria (J.C. B,), Die Beerdigung Dr. Alex-ander Mar.- moreks, fand am Sonntag, den 15. Juli, am Friedhof Bagneux in Paris statt. Für die Zionistische Organisation und das Komitee der jüdischen Delegation, war Leo Motzkin anwesend, für die jüdische Wcltliilfskonfereiiz Advokat Sliosberg, außerdem H. Zlatopolsky und M. AleinikoH (Paris), Jean Fischer (Brüssel) und Professor Ofn*tein (Haag), Das Paeteu r-Institut war vertreten durch die Professoren Prcvost, Mesnillc, Bcsredka, die Brüder Sabolotni und Dr. Fehnibach. Auch Frau Nordau und Nordaus Tochter Maxa, sowie Professor Vicior Basch wohnten der Beerdigung bei. Auf ausdrücklichem ,Wunsch des ,Verstorbenen^ .wurden kein® Roden gehalten. I ׳ . Die ZionistlscheBxecutlvehatan Frau Dr. Marmorek das folgende Beileidstelegramm gerichtet; ״Erschüttert von der Nachricht über iliren schweren Verlust ,drücken wir Ihnen unser tiefgefühlteste» Beileid zu ihrer traurigen VerlamMmUcit aus. Die ganze zionistische Welt wird das Andenken ihres Gatten, seine Pionierarbeit und seine Hingabe an die jüdische nationale Sache verehren.“ Auch die Zio n i. tische Vereinigung für Deutschland hat ein Beileidstelegramm au die ,Witwe ab£c6an(& , ,