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Jüdische Rundschau · 1923-07-13 · Heft 56 (13.7.1923) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVIII (1923)
Issue
Heft 56 (13.7.1923)
Date
1923-07-13
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Der ciiischcklende Frontabschnitt im Kampf des Zionisjnus um die Verwirklichung seiner Ziele liegt in der Kolonis.itioiisnrbeit selbst und dem, was damit unmiltclb.ir verknüpft ist, der Wirtschaftspolitik und der KapUalspoInik also. Mögen sich zeitweilig auch andere Teiikiiegsschauplälze, mögen sieh politische und organisatorische Fragen auffallend stark in den Vordergrund drangen — diese Erscheinung hat viele Gründe: sic fesselt mehr ein verbildetes politisches Interesse der Bewegung, sie läßt mehr Spielraum für nlleihaud organisatorische Kombinationen und scharfsinnige Schlüsse, sic läßt mehr die reine Ideologie, die alle Beziehungen zur Wirklichkeit verloren hat, zur Geltung kommen — so wird doch das Schicksal unserer Bewegung im Grunde mir von der Entwicklung unseres kolonisatorisch-wirtschaftlichen Aufbans entscheidend bestimmt werden. Auch die politische Geltung und Macht der zionistischen Bewegung hängt auf die Dauer ganz bestimmt von der Entfaltung unserer'sozial Und ökonontisch konstruktiven Krätte im Lande ab; von den Positionen ökonomischer und sozialer Realmncht, wird auf die Dauer nicht mir unser Verhältnis zu den Arabern, nicht mir die Stellung der palästinensisch-britischen Ad• tninistration zu unserer Arbeit, sondern auch letzten Endes die Bedeutung, die z. B. die Jewish Agency für den Palästina- Aufbau bekommen wird, oder die Geltung der Zionistischen Exekutive gegenüber der Mandatarmacht abhängig sein. Es wäre also falsch, wenn der XIII. Zionisteukongrcl) aus Sensationslust oder aus Verlegenheit oder aus jenem Mang zu organisatorischen Kombinationen, von dem wir eben gesprechen haben, sich bestimmen ließe, seine Arbeit wiederum auf die breite Diskussion aller dieser ״politischen“ Fragen zu beschränken, und die Fragen unserer sachlichen Aufbau• arbeit im Lande demgegenüber mehr in den Hintergrund treten würden. Es nuiii vielmehr unser Bestreben sein, nicht nur hier, sondern auch in den Tagen des Kongresses die zentrale Bedeutung, die die kolonisations• und kapitalpolitischen Probleme für uns besitzen, mit aller Kraft zu betonen, zu versuchen, dem Kongreß die Physiognomie der engen Verbundenheit mit den realen Lebensfragen des jüdischen Jisclnnv in Palästina aufzupriigen. Vielleicht daß auf diese Weise such politische Gegensätze in der Zionistischen Organisation, die sich in der letzten Zeit allzu stark vorgedrängt haben und übertrieben zugespitzt worden sind, gemildert werden können, wenn an die Stelle der politischen oder gar der persönliehen Auseinandersetzung die sachliche Erörterung koloni- «torisch-wirtschaftlicher Fragen tritt. Stärker als durch alle anderen Probleme müßlcdie zionistische Bewegung ja von der Tatsache berührt werden, daß die großtägige Kolonisation?,arbeit, die nach dem Kriege und den großen politischen Erfolgen des Zionismus zu erwarten stand, noch gar nicht eingesetzt hat. Diese Feststellung muß gemacht Werden, um keine Selbsttäuschung im Zionismus in dieser Beziehung aufkommen zu lassen. Es ist manches in den N'aehkriegsjahren getan worden. Wir hatten die 3. Alijah, tvir hatten einige Versuche neuer Kolouisation, wir hatten die öffentlichen Arbeiten und das äußere Wachstum der Städte, wir hatten auch in gewisser Hinsicht eine Konsolidierung der bestehenden Positionen. Aber das in Maßen und Methoden neue Kolonisationsprogramm, den errungenen Möglichkeiten in Tempo und in Größen angcpnßt, der ״Aufbau des Landes Israel“, die planmäßige jüdische Großkolonisation hat noch nicht einmal eingesetzt. Es ist notwendig, das zu betonen, tun in der zionistischen Bewegung nicht die unbegründete Resignation aufkommen zu lassen, die allzu schnell sich mit dein heute gegebenen Tempo der Einwanderung und der Siedlungsarbeit und den im Augenblick gegebenen Größen- Möglichkeiten der Kolonisation sich abfindet und woinöglieh noch aus der Not eine Tugend macht, indem sie voreilig die Ideologie unserer Augenblicklichen Schwäche anpaßt. Der kolonisatorische Wille des Zionismus muß ttnverrückt auf das Ziel eines jüdischen Großsied lu 11 gs wer k s in Palästina konzentriert bleiben. Die Erreichung dieses Zieles sichert allein auch die national-politischen und national-kulturellen Wirkungen, die das Judentum der Welt vom Palästina-Aufbau erwartet. Es handelt sich nicht darum, etwa den alten und unfruchtbaren Streit zwischen Maximalsten und Minimalistcn auf/uw.irmcn,?ondern nur darum, klar festzustcllen, daß Tempo und Maß- Stäbe unserer gegenwärtigen Arbeit auch noch weit hinter den Arbcitsprogramnien derjenigen zionistischen Wirtscha'.ts- Politiker Zurückbleiben, die als die extremsten Minimalistcn verschrien worden sine!. Mit diesen Größen müssen wir wohl für den Augenblick rechnen, aber wir dürfen uns nicht auf ",eitere Sicht mit ihnen abfinden. Wir sielten also in der Sphäre der Kolonisation noch immer im Stadium der Vorbereitung. Wir haben aber die Augen War auf den Uobergaug zu den großzügigen und systematischen Auibaumethoden gerichtet, die kommen müssen, wenn unsere Generation ihrer zionistischen Aufgabe gerecht werden will Vielleicht war es sogar nicht anders möglich, als daß die ersten Jahre nach Beendigung des Krieges dieses Stadium der Vorbereitung weiter hinzogen. Nach der Erschüttern״״ aller wirtschaftlichen Verhältnisse durch den Krieg us1d der gewa!Bamen Unterbrechung aller ökonomischen Beziehungen mußte unser Siedhmgswerk erst wieder reorganisiert werden und Energien sammeln. Das Land ist in einen neuen politisch administrativen Zusammenhang gestellt worden, die neue Verwaitung mußte sich erst notdürftig installieren und die vorbereitenden gesetzgeberischen und administrativen Verfugungen treffen. Der Zionismus mußte seinen Finanz,1ppar.it den neuen Anforderungen anpassen, auch das erforderte Zeit und dieser Anpassungsprozeß stellt auch heute noch am Anfang. Ine endgültige Formgebung der Finanzen niußto überdies von der definitiven Entscheidung über die politischen Formen, m denen Sich unser Sicdlungswcrk in der nächsten Zeit abspielen wird, abhängig sein. Diese Entscheidung ist erst «n Verlauf der letzten Monate gefallen. Alle diese Momente mußten zur Folge haben, daß die ersten Jahre nach dem Kriegsende eine gewissermaßen natürliche Karenzzeit fui unsere Kolonisationsarbeit darstcllcn. Andererseits ist inzwischen in manchen Beziehungen eine Erschlicßungdcs Landes für einen raschen Wirtschafti liehen Aufschwung vor sich gegangen. Der Ausbau, des! palästinensischen Eisenbahnnetzes, _ die AusgesUitmu• des ■! Strallensystcms im Land, die mit der dritten Alijah und j de, öffentlichen Arbeiten ci.1sctz.tc, der Aufschwung des Auto- »obilverkehrs, der für palästinensische Bedingungen von icUUv *ehr weittragender B׳ leuiung ist, stellen in dieser Hinsicht für ein!ס kleines Land wie Palästina schon weitwukeiulc Fortschritte dar. Es ist damit eine Grundlage geschaffen, auf der eine systematische Kolonisationsarbeit und Immigration aufbauen kann. Nun ist die Durchführung dieses größeren Immigration!!• und Kolonisations-Programms natürlicherweise an die Ver■ fügiing über die für diese Zwecke iiotweiuligcn Kapitalien gebunden. Es muß die Pflicht der zionistischen Käpiialpolitik sein, diesem Problem ins Auge zu sehen und an seine Lösung licratiziigchcn. Die zionistische Kapital- Politik 111 u It s i c 11 darauf c i n s t e 11 e n , die D c c I; 11 n g des großen M i 11 c 1 b c d a r f s unseres Siedln 11 g swerks in d cn ko m in enden J a h reu z 11 ermöglichen oder wenigstens planmäßig vorzu her ei teil. Audi hier wäre eine Beschränkung des Intercsses und des Aktionsradius auf die Bedürfnisse und Möglichkeiten des gegenwärtigen Augenblicks fatsch und kurzsichtig. Aber solange dieser Uebergaug der zionistischen Kapitalpolitik zu den Methoden und Maßstäben dos Lamiesanfbaivs noch nicht vollzogen ist, wäre cs müßig, die konkreten Aufgaben der Palästina-Kolonisation für die nächste Zeit unabhängig davon in abstrakten Weiten abzustecken. Auch das Kolonisations-Prägramut muß sidt diesem Uehergaugsstadimn anpassen, einen Uehcrgangscliaraktcr tragen und in der Richtung auf die keininende Zeit sich den Möglichkeiten cinglicdcrn, die das heutige Budget der Zionistischen Organisation eröffnet. Das Aktions- Programm für die Sicdlungsarbeit, das der XIII. Kongreß zu beraten haben wird, wird also im Rahmen des Etats seilten Platz, finden müssen, über den ■wir gegenwärtig verfügen können. Was nun die Verfügung über den Pnlästina-ctat anbetrifft, so sollte dabei auch in den Grenzen der ti n m i 11e 1 - bar der Kolonisation d i cn c 11 d c n A u s g a b e n ein klarer Trennungsstrich zwischen denjenigen Ausgaben, die für die Schaffung dauernder wirtschaftlicher Positionen von Juden in Palästina nutzbar gemacht werden und solchen, die nur vorübergehende Arbeit, Notstamlsbcschäftigung bieten können, gezogen werden. Wir standen die ganzen letzten Jahre hindurch und stehen auch heute noch unter dem Druck der politischen Notwendigkeit einer ununterbrochenen Fortsetzung und Verstärkung der Alijah. Die Fortsetzung der Alijah ist eine Lebensnotwendigkeit für den jüdischen Jischuw in Palästina und wirkt hatte mit genau der gleichen Wucht, wie sic 1920 und 1921 gewirkt hat. Solange jedes Schiff, das in Palästina anlegt, neue jüdische Eiiiwaiidercrgrupneit an Land setzt, solange der Strom jüdischer Jugend uiicl Arbeitskraft ins Land flieht, kann auch eine schwere finanzielle und ökonomische Krisis nicht über das Fortschreiten und den Machtzuwachs der jüdischen Position im Land hiiiwegtäuschcn. Solange die Alijah weitergeht, empfinden die Engländer diesen Macht- Zuwachs, empfinden die Araber diesen Machtzuwachs, empfin* det ihn mich die palästinensische Judenheit, Diese Alijah bringt mm stoßweise größere Trupps von Chaluzim nach Palästina, die nicht sofort von der palästinensisch-jüdischen Wirtschaft resorbiert werden. Es ist das ke.in Wunder, Im Gegenteil wird jeder, der die Immigrationsbewegung nach viel größeren und reicheren Siedlungsländcrn untersucht hat, überrascht sein, wie günstig verhältnismäßig die palästinensischen Resorntionsergcbnissc, wie klein die Rückwandcnmgsquotc, wie klein die Quote der Bcscliiiftigimgslosigkcit ist, wie schnell die Aufsaugung der Nciveiiiwandcriidcn im Orundc genommen vor sich gellt. Aber diese Ergebnisse sind nur dadurch zu erreichen, daß unsere Kolonisations- und Einwanderungsbeiiördcu einen Abschnitt der Reservearbeit zwischen die. Ankimft der Einwanderer und ihre endgültige Aufnahme in das Wirtschaftsleben des Jisclmw cinschicbcn und diese Reservearbeiten gleichfalls aus ihrem Budget decken. So nützlich an und für sich diese Maßnahme» auch sein mögen, wie notwendig sie sein mögen unter den Bedingungen der palästiuciisisclien Alijah, so dienen sie doch nicht dazu, die dauernde wirtschaftliche Existenz der in diesen Arbeiten Beschädigten zu begründen. Die Verwurzelung des Arbeiters im palästinensischen Wirtschaftsleben mit dein Ziel seiner ökonomischen Unabhängigkeit von irgendwelchen äußeren KapUalzusctiüssca ist aber das eigentliche Gebiet und Gebot der kolonisatorischen Tätigkeit. Wenn cs daher auch notwendig ist, im Palästina-Wirtscluftshudgct den Bedürfnissen der Alijah in angemessener Weise Rechnung zu tragen, so sollte doch dieser Posten von dem der eigentlichen Kolonisationstätigkeit scharf getrennt werden. Und wenn die beiden Posten zusammen auch die wesentlichsten des ganzen Palästina- Budgets sind und als solche den Vorrang vor allen anderen bekommen müssen, so verdient unter ihnen beiden derjenige unsere besondere Aufmerksamkeit und das äußerste Maß von möglicher Berücksichtigung, der uns gestattet, die nächsten Aufgaben der Palästinakolonisntion sachgemäß zu erfüllen. Fragen wir uns nun, welches diese nächsten Aufgaben der Palästina-Kolonisation konkret genommen sind, so haben wir von der gegenwärtigen Lage des Sicdlungswerkcs auszugehen. So, als ob wir aus «lern palästinensischen Leben heraus urteilen, müssen die Fragen gestellt und behandelt werden. Und da muß ich zunächst rundheraus erklären, daß für mich im wesentlichen noch die ״veraltete“ zlonistische Kolonisationslehre in Geltung ist, die das ganze Schwergewicht unserer S i c dt u n g s t ä t i g k e i t auf die landwirtschaftliche Kolonisation ver■ legt. Lind ich brauche nicht hinzuziiftigcn, daß meiner An׳ schaumig nach nur diejenigen 1 a 11 d w i r t s c 11 a f t liehen Kolonisationsformcn einen nationalen Wert repräsentieren, die auf der erneuernden und unentwurzclbaren Grundlage der jüdisehen Arbeit aufgebaut sind. Diese Anschauung erscheint manchem ״veraltet'* der sich willig von den Erscheinungen ‘der letzten Monate hat fesseln lassen, die ihm in Palästina den ganzen Zauber der ״stäilti• sehen Kolonisation" vor Augen geführt haben. Er sali die lliiiiscr, um mich des Touristenausdrucks zu bedienen, wie Piize aus dem Boden schießen, er »ah die sprunghafte Aus׳ dchming von Tel-Awiw auf nackten Sanddünen, er sah die ZusautnienbnUmigdtcr Arbeiterschaft und des Verkehrs an diesen Punkten, Und mit der ״städtischen Kolonisation“ und der privaten Initiative, die sie durch führte, begann man aufs neue überspannte Hoffnungen zu verknüpfen. Diese Hoffnungen können sich dennoch nicht verwirkliche!^ die sprunghafte Aufwärtscnkvicklmig der palästinensischen Städte hat heute keine genügende volkswirtschaftliche Begründung in sich. Sie kann — gegenwärtig — kaum mehr sein als eine Uebergangsersehdnun״ mit relativ engen Grenzen; und alle, die voreilig Kolo-!nsatkmsprogranimc auf diese Entwicklung konstruieren, haben buclisiählich auf Saud gebaut. Zwar hat die sogenannte städtische Kolonisation in den letzten Jahren in zweifacher Beziehung eine naüoiialwirtschafl- I lieh wertvolle und wichtige Funktion erfüllt Sie bildete in diesen Jahren einerseits — und das durch ihren hatiptsachliehen Zweig, die Bautinternelmimig — das Aufnahmereservoir für einige lausende von Arbeitern, Als niimlich im Herbst 1921 die großen öffentlichen Arbeiten, die zum überwiegenden Teil von der Regierung aimgcgcbon waren, sich ihrem Ende näherten, setzte gerade, von den Mitteln der Hypothekenbank unterstützt, die private Bautätigkeit in den Städten in größerem Malle ein, und nahm die von den Kwischim abxtröiiiomien Arbcitcrrleinentc in sich auf. Wahrend im Herbst 1V21 der Misrad l’Awodot Ziburiot etwa 50 Arbeiter in der Bautätig• keit beschäftigt hatte, belief sich die Zahl seiner Bauarbeiter im Sommer 1922 auf ungefähr 2000 Arbeiter. Dazu kommen noch diejenigen, die auHerli.alb des Misrad bei privaten Unter* iiehiiicrn Arbeit gefunden haben. Dadurch wime eine weite Kreise umfassende Erwerbslosigkeit verhindert, die von unliebsamen politischen tmd ökonomischen Folgen hätte sein müssen lind auch zu einer unerwünschten Verstärkung der Rückwändernng hätte führen 11!üx;e11. Andererseits erfüllte die Stadt die produktive Funktion, die auch die öffentlichen Arbeiten schon erfüllt hatten: sic bildete viele Hunderte von Chaluzim, die als ungelernte Arbeiter oder für andere Tätigkeiten vorbereitet ins Land gekommen waren, in allen Zweigen, die mit der städtischen Arbeit verbundcii waren, aus. \ö'ie wir aus den öffentlichen Arbeiten die gelernten Gruppen von Steintiaueru, Chaussee,trbcilern, Eisenbnhnhauarbeitern erhielten, so bildete jetzt die ßauimtcmcliimmg in der Stadt auf alten Gebieten, Eisenbetonbau und Ziegclbau, Holz- und Steinbau die Arbeiter heran. Nach einer Berechnung, die von der Leitung der Ballgesellschaft Haboneh aufgcsteilt worden ist, betrug z. B. die Steigerung der Arbeits- Produktivität der jüdischen Arbeiter im Eisenbeton-, Ziegelliau. i!v den Fußhoden- und Tüncharbeiten von 250 bis 280 ״/#', (Die entsprechenden Lohnsteigerungen betrugen allerdings nur 10t) bis 130«/״.) Aber die Erfüllung dieser Funktionen von der ״städtischen Kolonisation“, vor ailem von der Bauunternchmung, liegt erstens gar nicht im wirtschaftlichen Wesen dieser Tätigkeit und hat zweitens enggesteckte Grenzen. Es is alles in allein eine Scheinblute, die jetzt mit schnellen Schritten ihrem Ende entgegengeht. Es bedarf hier keiner weiteren Erklärungen dafür, daß die Bautätigkeit in den Städten, die nach der Kriegsunterbrccliung in fieberhaftem Tempo die beiden letzten Jahre hindurch .•ingehalten hat, unter den gegenwärtigen Bevölkerungs- Verhältnissen der palästinensischen Städte nicht immer weiter ausgedehnt werden kann. Der Ausdehnung sind vielmehr durch die Größe der Städte relativ sehr enge Grenzen gesetzt, und der Sättigungspunkt muß bald erreicht sein. Es kann die Sorge nicht von der Hand gewiesen werden, daß dieser Punkt schon jetzt sehr nahe bevorstellt, und daß für die nächsten Monate mit einer nicht unbedeutenden Erhöhung der Arbeitslosen- Ziffern in den Städten gerechnet werden muß. Das Versiegen der alten und das Ausbleiben der neuen Hypothekenkredite im Sommer wird noch verstärkend in dieser Hinsicht wirken. Der Zionist im Gaiuth und das ganze jüdische Volk soll wissen, daß der jüdische Bauarbeiter in Palästina schon die ganzen letzten Monate ein System der A rbei iss treck 11 11g angenommen hat, das dem Einzelnen zwar nur drei Arbeitstage in der Woche als Lohn läßt, das aber wiederum dazu beitrijgt, die Arbeitslosigkeit in ihrer schärfsten Form zu verhindern. Es soll auch gewußt werden, daß nicht wenige Arbeiter in den Städten gegenwärtig mit 25 Piastern die Woche ihr Auskommen finden müssen. Uebrigens wird in diesen Monaten auch die Alijah bereits nur noch zum kleinen Teile von der Bauarbeit aufgenommen. Die Alijaii hätt sich zwar auch in der letzten Zeit auf ihret für diese Jahre normalen Flöhe von etwa 800 bis 1000 Ein- Wanderern monatlich, aber sie besteht zum großen Teil gar nicht aus Chaluzim oder Arbeiterelcincnten, sondern sic setzt sich vielfach aus älteren Personen und Familien zusammen, die entweder zu Angehörigen nach Palästina hcrüberwaiidcrn oder aber sich selbständige Existenzmöglichkeiten verschafft haben, deren nationalwirtscliaftücher Wert übrigens teilweise außerordentlich skeptisch betradict werden muß. Die im Zionismus sprichwörtlich gewordene Ucbersetzung des ScitenvasserhanJeJs und darüber hinaus die Ucbersetzung im Kleinhandel überhairpt ist nur ein symptomatisches Produkt dieser letzten Periode der Alijah. Dennoch wurde die städtische Kolonisation wie sie sich in ihren gegenwärtigen Formen darstcllt, nicht nach ihrer augenblicklichen Fassungskraft für die Alijah, nicht einmal nach ihrer augenblicklichen wirtschaftlichen Bedeutung zu beurteilen sein. Man muß vielmehr die national-wiriscliaftlidie Bedeutung untersuchen, die sie im ganzen gesehen für die Entwicklung eines produktiven jüdischen Jiselniws im Lande repräsentiert. Und da muß man allerdings auch zu recht zwcifclhalten Resultaten kommen, Stellen wir nicht einmal so sehr die sogenannte indiisine in den Vordergrund. Nach allem großen Gerede über die Industrie und die industriellen Mögliclikcitcn. nach allen Beschwörungen und Aniniierbemühungen der privaten Initiative ist die Entwicklung der gewerblichen Produktion bis zum heutigen Tage überaus ärmlich geblieben. Sie hat an fast keiner Stelle gezeigt, daß sie in irgendwie nennenswertem Umfang Beute schon als LiazclUnternehmung Anziehungskraft für das Erwerbskapital besitzt «der die konkrctc Aussicht eröffnet, das Reservoir für eine breitere Alijah zu bilden. Nach einer Statistik, die die Chcwrali l’Hitnatdiut Kalkaütli sciici Erez Jisrae! im letzten Jahr über die jüdische gewerbliche Produktion in Palästina veranstaltet hat, sind einige Zahlen zu nennen die den Arbeitsradius der jüdischen Industrie deutlich beleuchten. Von 391 gewerblichen Betrieben, die die Statistik in Jaffa erfaßt bat, benutzen nur 16 Betriebe Motoren. Die 18 Moto re ,die insgesamt benutzt wurden, batten zu 90 #/0־ bis zu 18 PS. Noch drastischer liegen dieselben Verhältnisse in Jerusalem. Dort verfügen von 13-14 gewerblichen Betrieben mir 26 Betriebe über insgesamt 28 Motore. Von diesen 28 Motoren sind 16 bis z« 141/3 PS stark, keiner über 45 PS. Es ergibt sich daraus sdion unzweideutig, daß cs sich im wesentlichen um ganz, kleine handwerkliche von einem Handwerker höchstens unter Assistenz weniger Gehilfen betriebene Werkstätten bandelt, wicsiejaauchde 11 Wirtschaft»׳ Verhältnissen Palästinas, wie sic heute gegeben sind am natürlichsten entsprechen. Der palästinensische Markt ist eben noch sehr eng und sehr wenig kaufkräftig und über diese Grenzen der Absatzmöglichkeiten hinaus ist, solange nicht eine stärkere jüdische Einwanderung eine Verdichtung des inneren Marktes herbei fuhrt, eine Existenz von privatkapitalistischen Industrien nicht denkbar. Die Zusammenhänge, die zwischen dem Umfang und dem Produktionsradius der bcstelicuuen geweiMchcn 'Betriebe und diesen Marktbedingungen bestehen, kommen übrigens klar in einer anderen Tatsache noch zum Ausdruck. Jeder Gewerbezweig kennt nämlich, wie die Statistik deutlich zeigt, im gegenwärtigen Palästina nur einen oder ganz wenige ihn vertretende Betriebe. Der ganze Bedarf des heute gegebenen inneren Marktes wird eben leicht durch einen oder wenige kleine oder höchstens hiittkre Betriebe gedeckt. Rechnet nta;1 dazu die Kapitalnöte, in denen sich alle diese Gewerbe, die ,kleinen wie die mittleren, die liaiidwerkliclien wie die maschinellen Betriebe, befinden, so weiß man. daß die Krisis im jüdischen Gewerbe Palästinas nur durch eine Erweiterung der Bisis d«1 inneren Marktes, d, h, eine Verstärkung und Verdichtiuig 4' ל ף ו." F ' ij

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