Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVIII (1923)
- Issue
- Heft 54 (6.7.1923)
- Date
- 1923-07-06
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 338 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 54 Folge unserer eigenen Erschlaffung, des Versagens unsercr Ideenpropaganda, aber auch ein Symptom der Ent• Wicklung scheu, die von manchen zionistischen Kreisen so g״rn ignoriert wird. Die englischen Staatsmänner, die 1917 und 1918 für die BaUour-Dcklaration eintraten, kannten wirklich die Realitäten des Landes nicht. Sie lernten erst all• mählich verstellen, welche Aufgabe die Verwirklichung des zionistischen Programms bedeutet. In den Jahren 1917 und 191S wußten ja auch die meisten Zionisten noch nicht genau, was eigentlich geschehen ist. Erst heute stehen wir an einem Wendepunkt, wo die zionistischc Erkenntnis zu reifen beginnt; und die Er• kenntnis, die den englischen Slaatsmänncrn ebenso wie uns gekommen ist, zeigt, daß die Realitäten Palästinas gegen uns sind. Die Engländer sind Realpolitiker, und sic verlieren das Interesse an einer Sache, die mit der Realität im Widerspruch stellt. Der Zionismus aber hat nicht verstanden, sein politisches Programm der Wirkliclikeit anzupassen. Obwohl schon vor zwei Jahren die Situation gebieterisch eine deutliche Erklärung unserer politischen Ziele erforderte, obwohl au! dem XII. Kongreß diese Forderung von einer kleinen Gruppe mit allem Nachdruck erhoben wurde, hat es doch die Zionistische Organisation nicht über sich' gebracht, diese Erklärung abzugeben. Die englische Regierung hat dann diesen Schritt für uns getan: das Weißbuch, das ״wahrscheinlich von Herbert Samuel entworfen ist, ent• hält in seinem grundsätzlichen Teil beinahe wörtlich dasjenige, was von uns freiwillig hätte erklärt werden müssen. Wir haben zwar das Weißbuch akzeptiert, aber selbstverständlich ist eine abgenötigte Erklärung, die zudem noch nachher vom größten Teil der zionistischen Oeffentlichkeit desavouiert wurde, lange nicht von solchem Wert, wie ihn eine spontane Kundgebung des Kon• gresses gehabt hätte. Auf der Jahreskonferenz in Karlsbad wurde das Weißbuch heftig kritisiert, und bis heute ist im Zionismus nicht allgemeine Klarheit darüber ge• schaffen, daß es sich hier um eine natürliche und riehtige Interpretation unserer Ziele handelt. Durch den Kampf gegen das Weißbuch wurde die zionistische Position noch wesentlich verschlechtert. Die Folge war, daß nicht einmal die Definition des Weißbuches mehr anerkannt wird, sondern man derartige Definitionen erfindet, wie die von Lord Orey. Auch die Araber hätten wahrscheinlich diese Kundgebung ganz anders beurteilt, wenn sie von uns ausgegangen wäre und nicht von der englischen Regierung. Durch diese verhängnisvolle Situation ist die zionistische Politik auf die abschüssgc Bahn des Hinter-den-Ereignissen-Naciihinkcns geraten; aber statt sich zu emanzipieren, gleitet sie immer weiter auf dieser Balm. ׳ Die Entwicklung unserer Beziehungen zu den Arabern läßt sich von diesem Gesichtspunkt beurteilen. Fast immer sind in Konfliktsfällen die Araber Sieger geblieben, immer haben wir nachgegeben und nachträglich zugestimnit, immer gezwungen oder sogar unbefragt. Niemals ist die Initiative von uns ausgegaiigeii. Heute stehen wir an einem besonders kritischen Abschnitt der Entwicklung. Die Entstehung der arabischen Föderation war ein Anlaß, aus unserer Reserve herauszutreten und eine positive Vereinigung der Interessen- Sphären anzustreben. Die Versuche, die in dieser Riehtung gemacht wurden, stießen in der zionistischen Oeffentlichkeit auf krasses Unverständnis. Wir üben schwere Kritik an der Tätigkeit unserer politischen Leitung, aber es darf bei dieser Gelegenheit nicht ungesagt bleiben, daß die zionistische Oeffentlichkeit den Großteil der Sclruld trägt; denn keine Leitung kann es wagen, eine Politik zu führen, die bei der von ihr vertretenen Masse unpopulär ist und bei der sie jeden Moment gewärtig sein muH, daß •Itr in den Rücken gefallen wird. Auch diesmal sind die Möglichkeiten beinahe schon versäumt, denn die Entwicklung, die wir zu fördern unterlassen haben, ist ohne uns und daher gegen uns ihren Weg gegangen. Heute sind wir in eine Sackgasse gedrängt und müssen Anstrengungen machen, aus ihr hcrauszukommen. Ueber den Vertrag zwischen England und Hedschas wird noch verhandelt. Die englische Regierung hat zwar bekanntlich den Text des Entwurfes veröffentlicht; die letzten Meldungen besagen aber, daß gerade die Palästinafrage zum Gegenstand neuer Konflikte geworden ist. Wenn die Palästinafrage zur Entscheidung stellt, müssen auch die Zionisten ihr Wort sprechen. Die Zionisten können sich nicht einer Einbeziehung Palästinas in die arabische Gemeinschaft widersetzen, vielmehr müssen sie durch ihre Bereitschaft, der großarabischen Sache zu dienen, auch das Vertrauen der Araber dafür gewinnen, daß die jüdische Einwanderung keine Gcfährdung, sondern eine Stärkung und Bereicherung der arabischen Macht bedeutet. Wenn die englische Mandntarmadit so lange im Lande bleibt, bis ein organisches Vertrauensverhältnis zwischen den beiden Völkern des Landes angebahnt und dadurch eine friedliche Weiterent Wicklung gesichert ist, dann wird sich England ein historisches Verdienst erworben haben*). England hat sich verpflichtet, die Errichtung der jüdischen nationalen Heimstätte zu fördern; unsere Sache aber ist es, zu zeigen, daß wir alle Kräfte für diese Errichtung einsetzen wollen und entschlossen sind, auch politisch die Voraussetzungen für ihre dauernde ungestörte Ent- Wicklung zu schaffe 1. R. W. •) Die letzten unmittelbar vor Drucklegung dci Biattes in unsere Hände gelangten Nachrichten melden die Einsetzung einer englischen Kabincttskommission zur Ausarbbclturg /on neuen Vorschlägen, die beide Völker befriedigen »ollen. «maj£ ■V ־ ־ h? '# *4 ךך. I J•, Af1!■/ i. Die von uns bereits erwähnte Rede Dr. Wei/inaims auf der Convention in Baltimore, die Wcizmann nach der Ab- Stimmung über die Frage der Jewish Agency, gegen 2 Uhr morgens hielt, ist in den ainerikauisclien jüdischen Zeitungen im Wortlaut veröffentlicht. •Wir geben nachstehend die Uebersetzung. Meine Damen und Herren! Alles, was ich Ihnen jetzt sagen werde, drückt meine persönlictie Meinung aus, clic ich auch auf dem kommenden Zionistciikoiigrcß vertreten will. Sic ist nicht die Meinung aller Mitglieder der Zionistischen Exekutive, und ich allein bin für das verantwortlich, was ich jetzt sagen werde. Soeben haben Sie nach einer regen und heißen Debatte einen wichtigem Be- Schluß angenommen, Dieser Beschluß deckt *ich mit meiner Meinung über diese Frage. Ich halse mich, nachdem idi viele Jahre über dieses Problem nachgedacht habe, nur schwer zu diesem Entschluß durcligcrtiiigcn, denn ebenso wie Sic alle begreife ich, wie groll die Verantwortung und das Risiko sind, die mit diesem Beschluß verbunden sind.; Wir Zionisten haben seit vielen Jahren ehrlich unsere schwere Last getragen. Wir haben klein begonnen, haben uns heran (gearbeitet, ungeachtet der sdrweren Störungen, und haben die Bewegung zur Erreichung ihres Ziels, der politischen Vcrwirkliclmng ,ü'es Baseler Programms geführt. Id) teile vollkommen die Meinung, daß dies ein Wunder war, vielleicht auch die Fügung der Vorsehung; vicllcidit mußte unsere Arbeit, weil sic mit der Linie des hisiorisdien Versprechens au das jüdische Volk zusmniiicnfälrt, erfolgreich sein. Aber, sei dem wie immer, wir gelangten zu diesem Erfolge im Juni 1922. Das Mandat wurde ratifiziert — das letzte Stadium nach der Baifotir-Dcklaration, dem San Remo-Bcscl!U1ß. Bel jedem Stadium hatten wir gehofft, daß sich eine Sturzwelle, eine messi,mische Weile ergießen und die Juden von einem Ende der Welt bis zum andern überfluten würde, eine Welle, die alle Kräfte des Judentums ergreifen und alle Juden zum Aufbau Palästinas bekehren würde. Wir hatten gedacht, (laß dieses Ereignis nach der Balfour-Dekiaration cintrctcn würde, wir hatten gehofft, daß es nach dem San Remo-Beschluß geschehen würde, und wir waren sicher, daß cs nach der Ratifizierung des Mandates sich vollziehen würde. Unsere Erwartungen haben sicli nicht erfüllt. Sie müssen sich erinnern, wie wir nach San Rcino von der Jahreskarterenz zermürbt und gebrochen zurückgekommen sind, und ein Jahr nach dem Mandat sind in Palästina die Lehrer ohne Gehalt und die Chaluzim ohne Arbeit geblieben. Was Sic dabei empfunden haben, weiß Ich nicht, aber mir kamen Zweitel, daß ich vielleicht geirrt Imtte, und ich spürte, daß noch ein Jahr wie das vergangene das Rückgrat der Zioni iUclicn Organisation zerbredicn würde. Der Weltkongreß Ich rede jetzt zu Ihnen ganz offen, weil ich' vielleicht sowohl vom demokratischen als auch vom Standpunkt der Aktivität dazu bereditigt bin. Icli habe meine Pflichten nidrt vernachlässigt, idi habe entschlossen die Last auf midi genommen, während die anderen, die Ungenannten, von denen Sie gesprodicn haben, dies nicht getan haben; und als ein Mann des Volkes wiederhole ich das, was ich sdion 1920 gesagt habe: ״Jüdisches Volk, was hast du getan?!" Das ist keine Metapher und auch keine politisdie Eutsdiukligung. Ich bin genau so demokratisch wie jeder andere. Idi glaube aber nldit, daß man unter den jetzigen Umständen bei dem jüdischen VoBc den Weltkongreß durchsetzen kann, den ich gern als wahren Ausdruck einer Organisation für diejenigen sehen möchte, die Paläslina nicht mit Resolutionen, sondern mit Arbeit aufbauen wollen. Sic können dieses Ziel — das einzige, das etwas bcdeutet —■ nicht crrcidien, wenigstens nidit in absehbarer Zeit. Wie sehr Sic auch suchen, sie können dem Kongreß nichts Anziehenderes als das Mandat für Palästina bieten, und dieses ist bereits eine alte Sache.' Sic können iiicrfiir vielleicht ein Surrogat bekommen, eine Maschine schaffen, vielleicht einige Menschen hinziizichcn oder Organisationen, die sich in ihren Grenzen halten, aber Sic werden nicht den Kongreß erreichen, der damals gemacht werden sollte, als das Mandat ratifiziert worden war. Wir hätten durch eine Kraft hingerissen und zum Kongreß hingerissen werden müssen. Idi gehöre nidit zu den Leuten die sich rühmen, aber ich erkläre: Die Last, die wir getragen haben, hätte audi stärkere Sklmlterii *19 die Ihrer Führer gebeugt. Der einzige Trumpf, den Sie haben, Ihre Führer und Ihre Organisation, werden Zerrieben in einem Kampf, wie wir ihn das letzte Jahr füJiren mußten und den wir im kommenden Jahr nicht fortsetzen können, Verstärkung der Position Im Lande So ist die Situation, wie ich »ic sehe. Idi «che, daß der Forisdiritt in Palästina, wie bewundernswert er auch sein mag, für die heutige Zeit nidit mehr genügt. Zweimal soviel, dreimal soviel Chaluzim müssen wir nach Palästina bringen, wenn wir unsere Position im Lande sichern wollen, und c» ist närrisch zu glauben, daß die britischen Bajonette oder etwas anderes unsere Lage im Lande halten können. Idi, der idi das stärkste Vertrauen in die Worte der britischen Regierung habe und nodi nie an ihnen gezweifclt habe, erkläre vor der ganzen Welt, dal! idi der glücklidistc Mcnsdh sein werde, der britischen Regierung; sagen zu können: Die Garnison, die ihr in Palästina habt, dient nidit dazu, uns zu verteidigen, ihr könnt sie hatten, wenn ihr wollt, aller wir sind allein stark genug, u!n uns zu schützen. Ich habe täglidi die rauhe Wirklichkeit vor Augen, und sehe, daß die hungernden Chaluzim und die nidit bezahlten Lehrer Cs sind, die das Atandat zerstören. Ich habe •cs sdion einmal gesagt und wiederhole cs noch einmal in diesem ernsten Momente und vor dieser wichtigen Versammlung: Ich hatte nidrt die Absidit, nads Amerika zu kommen, nidit, weil idi nicht gewollt habe, sondern weil idi nidit gekonnt habe. Es ging über meine Kräfte. Aber als ich sah, was in Palästina vorgeht, habe ich gespürt, daß die Lage uns zerbrechen wird, wenn sie noch 2, 3 oder 4 Monate so andauert. Gott weiß, was sich ereignet hätte, wenn unsere flnanzieDe Krise, wie sie im Dezember und Januar bestand, während der letzten Passah-Feiertage, noch angedauert hatte. Gott weiß, wie viel wir gearbeitet und uns ben^it haben, um Palästina zu retten. Gott sei Dank, wir haben es geschafft! Aber wir werden e» nicht noch einmal und noch einmal wiederholen, well dazu keine menschliche Kraft stark genug ist. So liegen die Tatsachen. Es handelt sich um Fragen von Leben und Tod. Ei muß ein Weg gefunden werden, das Maximum der Resultate bei einem Minimum von Zeit und Anstrengung zu erzielen, Stellen Sic sich vor, daß Sic einen feierlichen Ruf von der Tribüne des Zionistcukongrcssc» etgehen lassen, eine Konferenz ein zuberufen, um Wahlen für einen demokratischen allweltlidicn jüdischen Kongreß tinz«. berufen und alle Juden zur Teilnahme an diesem Kongreß aufzufordern, usw, usw. Nicht jtder wird diesem Rufe Folge leisten. Ich stimme der Ansicht zu, daß alle Juden zu diesem Kongreß kommen sollten. Aber das russische Judentum wird von weitem ruschen müssen, weil cs nicht kommen kann. So wird mit einem Mal eine der größten jüdischen Gemeinschaften ahpcschnittcn, und zwar nur deshalb, weil dort keine jüdisdien Wahlen stattfinden können, Die wenigen Emigranten, die in Berlin wohnen und die Beschinncr der Demokratie spielen, und nicht deren Repräsentanten, Sie wissen auch nidit, was die anderen jüdischen demokratischen Kräfte tun werden. Sie sind nicht vorbereitet. Es gibt 500(XX) organisierte Arbeiterin Amerika, die gute Juden sind und die zum Kongreß kommen müssen, die aber heute nidit nur noch nidrt bereit dazu sind, sondern die noch nidit einmal begreifen, daß Palästina überliaupt ein Problem im jüdischen Leben bedeutet. Ich habe mit ihnen verhandelt. Ich habe versucht, die Schranken, die sie von uns trennen, niederzureißen. Sie vertreten hier in Amerika eine große Macht, moralisch und materiell. Aber sie gehen nicht mit tim, und sic werden audi zum Kongreß nicht kommen. So könnte ich noch manche andere Gruppe aufzählcn. Idi fühle deshalb, daß Sie Ihre letzte Karte ausspielen werden, ohne dabei etwas anderes zu schaffen als ein Surrogat, das nicht seinen Zweck erfüllt. Sie werden dabei ein oder zwei Jahre an Arbeit und Kräften verlieren, dem Winde nachjagen, während Palästina hungert. Der neue Weg Wir haben dämm einen Weg gewährt, der voller Ge( fahren ist, aber weniger Risiko bietet als ein hungernde» Palästina. Wir haben dies getan, nachdem etwas Neue» im Judentum geschehen ist, etwas, daß der Verzeichnung wert i*t. Wenn es heute einige Kreise gibt, die bis jetzt Gegner von Palatin» waren und jetzt Interesse am Aufbau nehmen, ao ist dies die Folge einer fundamentalen Umwälzung. Diese Utrw wälzung ist vielleicht nidit so sehr auf die Dafour-Deklaration zurückzuführen, auch vielleicht nicht auf das Mandat, sondern hauptsächlich auf unsere Erfolge in Palästina. Die Kraft der 30000 Chaluzim hat diese Menschen zu der Idee des Aufbaues von Palästina bekehrt. Die großen Opfer, der Idealismus, die in den steinigen Boden Palästinas gestedt wurden, haben dies vermocht. Dies hat selbst diejenigen bcrührt, die weitab standen, und sie wollen ernsthaften Anteil an dem Aufbau nehmen. Ob sie dies in drei oder vier Jahren getan hätten, weiß idi nicht, aber idi weiß aus Erfahrung, — und ich gehöre zu den wenigen, die in den Versuchen, andere Juden heranzuziehen, Erfahrung besitzen, ganz gleich ob sie demokratisch, automatisch oder oiigardiisch sind — sie sind gekommen, weil sie glauben, daß Palästina eine Wirklichkeit ist. Ich habe Amerika ganz durchquert. Idi war in vielen Städten, und Gott ist mein Zeuge, daß idi zu jedem Arbeiter für Palästina gesprochen habe. 131 erkenne die Schwierigkeiten, und in jeder Stadt wurde mir von guten Zionisten gesagt, daß der oder jener beitreten würde, falls Herr A. ln Chicago, oder Herr B. in Ncwnrk oder C. ln Omaha oder D. in Milwaukee beitreten würden. Dann könnten wir die ganze Stadt in unsere Reihen bekommen. Nun sind die Herren A, B, C und D nicht immer beizutreten bereit. Wenn wir sie in unsere Rciiien bekommen, werden wir den Keren Hajessod in Amerika verdoppeln, verdreifachen oder vervierfachen, und wenn wir dieses tun, werden wir auch die Zahl der Chaluzim in Palästina verdoppeln, verdreifachen und vervierfachen. Und wenn wir 100 000 Chaluzim haben, dann werden wir auch einen Weltkongreß haben, zu dem ein einziger Ruf erschallen wird. Der Rulnach einemWeltkongreß muß nur aus Palästina kommen. Und mir dieser Rtif, gestützt auf Blirt und Nerven, gestützt auf fast übermenschliche Anstrengungen, mir dieser Ruf und nicht Ihr Ruf, nicht mein Ruf, wird ein Echo finden vom einen Ende der Welt zum andern, so daß niemand cs wagen wird, sich ihm cntgegciizurtellcn. Dis Problem ist also, die Einwanderung nach Palästina zu verdoppeln, verdreifachen, vervierfachen, und dies kann heute nur durch Eingehen einer Alliance geschehen, ohne dabei auf einen einzigen Punkt unseres Programms zu verzichten, bil jene Kräfte, die in Wahrheit gewillt sind, mit uns zu arbeiten, zu uns kommen. Des ist wahrlich kein Stadlanuth, Man hat heute audi von einzelnen Personen gesprochen, Ich kann Ihnen audi eine Einzelperson nennen, bei der Sie, wenn Sie heute zu dieser Versammlung gekommen wäre und gesagt hätte: ״Ich trete in die Jewish Agency ein“, alle wie ein Mann aufgestanden wären und die Hatikwah aix gestimmt hätten, weil dieser einzelne die ganze Welt vertritt Es ist die» Baron Rothschild, der sich mit keiner Silbe von unserer zionistischen Politik trennt und ein Zionist par cxccllcuce ist. Aber sein Eintritt in die Jewish Agency würde heißen, daß man die demokratischen Formeln de» Zionismus der Jewish Agency zuliebe‘ aufgibt. Ich bin ein ebenso guter Demokrat wie jeder andere, aber das jährliche Hfncinbringen von 50000 Chaluzim nach Palästina geht allen! anderen vor, Wir werden alle Organisationen einladcn־. Wir werden vorsichtige Verhandlungen führen. Wir werden ein Programm aus arbeiten uiul versuchen, es auf ehrliche Weise durchzusetzen. Wir können Erfolg haben, aber audi Mißerfolg. Aber wir werden die Weit überzeugen, daß wir aBes getan haben, was nur möglich war, um bei der jetzigen Lage des jüdischen Volkes jeden einzelnen hcranzuzichen, und ich glaube, daß es sielt dann folgendermaßen verhalten wird: Zwei, drei oder vier treten bei und arbeiten für Palästina. Das wird die weitere Wirkung haben, daß sie immer weiter und weiter gehen werden. Ich bin vollkommen überzeugt, daß, solange cs kein Palästina mit solider Grundlage, mit wenigsten» 200 000 Juden im Lande geben wird, audi kein jüdischer ,Weltkongreß stattfinden wird. Ich bin davon fest überzeugt, und Sie dürfen nicht Ihre Zeit, nicht die mindeste Energie, nicht einen Menschen und nidit einen Cent für etwas opfern, das nicht direkte Verbindung mit der Arbeit für die Vergrößerung unserer Zahl und Verbesserung unserer Positionen in Palästina hat. Ich fürchte, daß ״Demokratie“ aki ktite Zuflucht fiir die Impotenten geworden ist. Sa 1 r \ \ '1