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Jüdische Rundschau · 1923-07-03 · Heft 53 (3.7.1923) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVIII (1923)
Issue
Heft 53 (3.7.1923)
Date
1923-07-03
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Scfte 334 JUEDISCHE RUNDSCHAU Dr. Mosslnsohn (Tcl-Awiw): Betrachtet man den Ziornsmts als Rcgcncrationsbcwcgung, dann ist die Landwirtsdiaft die eigentliche Gritmiiige des Aufbau«. Aber auch die städtische Kolonisation darf nicht vernachlässigt werden. Es war nicht möglidt, das in Tcl-Awiw investierte Geld׳ von dem daran beteiligten Personen auch für Landwirtschaft zu erhalte«. Es ist auch Tichtig, daß wir neue Cliahuium gruppon ansiedcln müsoen, aber es muß zugleich das Oeld gefunden ■werden. um die alten Kolonien, die trotz allen Fehlern nationale Stützpunkte sind, zu halten und auszubauen. Was das viel roilibratidrtc Wort Privatinitiative anbetrifft, so wird ra sich in absehbarer Zeit nicht darum handeln, daß Leute, die kn Oaluth bleiben, Mw Oekt in Palästina anlegen, sondern 11« der wirtschaftliche Chatuz kommt in Frage, der selbst in Palästina mit seinem Kapital etwas schafft Prinzipiell möchte ich mich mit den Begriffen ״produktive״ und ״unproduktive" Ausgaben beschäftige«, die in dem Referat von Margulics eilte Rolle spielen. Der Vorschlag, die unproduktiven Ausgaben auf andere Körperschaften (Regierung, Landibcvölkemng, besondere Fonds) abzuwälzen widerspricht dem Begriff «er nationalen Kolonisation. Es ist ridrtig, daß die Regierung steh an unserm Sdtul-Budget in holten» Maße l>eteihgen müßte, das wäre selbst bei bloßer nationaler Autonotnie, geschweige in einer nationalen Heimstätte eigentlich selbstverständlich. Aber diese Gedanken sind den Engländern noch fremd Ich habe als Mitglied einer Regierungs-Kornmtr-sian die Forderung einer prozentualen Beteiligung der Regierung aufgcsteltt, und die Arbeiter waren einverstanden, aber die 'Kommission wurde seit dieser Zeit nicht wieder einberufen. Wir werden den Kampf vveiterfülircn, aber er wird nidht sofort Erfolg itaben. Was die Bevölkerung anbetrifft, so gelingt ca uns in steigendem Maße, sie zur Erhaltung der Sdtulcn, auch der Sanität sinrtitionen, Iwranzuncbca. Während in den Jahren 1919/20 die palästinensische Landesbevölkerung 9000 Pluml für die Schulen aufbrachte, sind es im lautenden Iahne 25 000 bis 30000 Pfd. Aber die Leistungsfähigkeit der Bevölkerung ist begrenzt: Der alte Jiscäww, die Arbeiterschaft, die Handwerker, können dazu nur wenig׳ beitragen. Eine besondere Schulorganisation würde, wie ich glaube, Geld aufbringen können, aber sie würde nichtnationalcn Einflössen Raum gewähren und uns vielleicht später zu einem neuen Spradtenkampf zwingen. Die Bezeichnung dieser Art van Ausgaben als unproduktiv ist völlig verkehrt. Jeder Kenner der Verhältnisse wird bestätigen, daß das üymnasium Tcl-Awiw erbaut hat und nicht umgekehrt Und wir würden, wenn wir an Orten wie Qaza( Lud, Tulkerem jüdische Schulen errichten würden, dort vielleicht neue jüdische Siedhmgspunkte schaffen. Unsere Sdrulen sind es in erster Linie, die den nid«jüdischen Besucher im Lande von unsere» Leistung überzeugen, Sir Windham Deeds sagte uns be» seiner Äbsdtiedsfeier, daß wir unsere kulturelle Leistung ■teigem müßten, um Sympathien für unser Werk zu erwecken. Es droht jetzt die Gefahr einer Anglisierung des Landes, und zugleich verstärken die Araber ständig ihre kulturellen Anst reugu ngen. De;;halb müssen wir unser Kulturwerk nicht abbaucn, sondern fortführen. Prof. Heinrich Loewe (Berlin) spricht im Anschluss an Mossinsohn von der Wichtigkeit der Steigerung unserer kulturcllcn Leistung in Palästina .und weist auf den Beschluß der Araber hin, eine nationale Bibliothek in Jerusalem zu begiündcn. Wir müssen unsere kulturellen Institutionen, mit denen auch das wirtschaftliche Gedeihen des Landes vorblinden ist lind zu denen auch unsere Nationalbibliothek gehört, verstärken. Ing. Heclier (Palästina) wendet sich gegen Arlosoroff» emseilige Beurteilung. Nicht nur die Landwirtschaft, sondern auch die anderen Arbeitszweige haben ihre Bedeutung, und es ist ungerecht, einen Teil gegen den andern auszuspicten. Redner setzt dann ausführlich die Bedeutung der technischen Kolonisation auseinander. Wenn Arjosoroff erklärt hat, das für den Städtebau in den letzten Jahren verwendete Geld hätte beoscr für die Landwirtschaft ausgegeben werden sollen, so vergißt er vollständig, daß es siel» bei diesen Summen um private Oelder handelt, die von den Geldgebern eben niemals für Landwirtschaft gegeben worden wäre. Das ist eben der große Vorteil der städtischen Kolonisation, daß sie sich fast ohne öffentliche Hüte erhält. De städtische Organisation entspricht auch der Psychologie der jüdischen cinwandernden Massen. Die großen Gewinne des Imporihandels sind nur vereinzelt, der jüdisduc Handel hat noch große Möglichkeiten. Denn heute ist z. B. sogar der Lebensnmtclgroßliandel ganz kl den Händen der Araber, ln Palästina se'bst weiß man auch kl Arbeiterkreisen die Bedeutung von Industrie und Gewerbe sdw wohl zu schätzen. Der Misrad׳ ist nicht weniger geschätzt als die Landwirtschaft Redner erklärt sclüiclH.di, daß wir ein weit größeres Programm aufstellen müssen als Arlosoroff 0■ tat Rosenblüth übernimmt den Vorsitz und erteilt das Wort Herrn Adolf Böhm. •umauniM■ 1 h.l»u Adolf Böhm (Wien) verweist auf sein gedruckt vorliegen• den Referat. Der Ausgangspunkt der ganzen Erörterung ist die Erkenntnis, daß wir tri finanzpolitiidicr Hinsicht §n eine Sackgase zu geraten dr<her». lieber die Arbeit für Keren Hajessod scheint die Organisation zu vergessen, daß wir noch andere Instrumente brauchen, um das Problem des׳ Aufbaus zu lösen. Wir müssen vor allem,unsere Banken reformieren, Redner berichtet kurz über die Arbeiten des finanzpolitischen A11:'-'vd1t!״,scs, der ununterbrochen tagt und in welchem die schwierigen Probleme eingehend erörtert werden. Der Ausschuß hat cd ne Beratungen noch nicht beendet, doch wird er vor allem den einen wichtigen Vorschlag machen, der Dclejjicricttüig möge beschließen, die Exekutive aufzufondern, daß m kürzester Zeit eine Konferenz von Sachverstln• di gen einberufen wird, die «inen Plan für das Zusammenarbeiten unserer Kolonisation■- und Finanz-Instrumente ausarbeiten soll Dr. Robert Weiß (Mfcmdii) bespricht zunHdist die in den Referaten aufgeworfenen Probleme und gibt sodann «adv {,teilende Deklaration ab; ״Zu den Fragen, di« das Referat Arlosoroff berührt haben, nimmt die Misrachi-rraktion des Dolegiertentage« folgende Stellung ein: Wir stehen wohl zu den kulturpolitischen Anschauungen eines großen Teiles der jüdischen Arbeiterschaft Palästina» in bedauerlichem Gegensatz, nicht aber zu ihren Bestrebungen sozial• und wirtsdiaftspolitisdier Art Wir betrachten das Gemcineigcntiim an Grund und Boden als soziale Notwendigkeit des neuen Jisdrniws. Wir verurteilen daher aufs Schärfste den Wucher, der mit Grund und Boden in Tel Awiw und anderen Landesteikm getrieben wird Wir sind ferner der Ansicht, daß der gesellschaftliche Bau der geistigen und des wirtscliaftlichcn Ercs-Isracl mir dann gelingen kann, wenn er auf der eigenen Arbeit jüdischer Menschen gegründet ist. Die Misradii-Fraktion verurteilt daher die Tatsache, daß jüdische Kolonisten entgegen Ihren wiederholten Versprechungen und entgegen dem ausgesprochenen Wortlaut des Thora-Gesetzes w’clici odhicho imodh, nach wie vor nichtjüdischc Arbeiter jüdischen vorzichen und »0 ihre egoistischen privatwirtsdiaitlidien Interessen den Lebensnot- Wendigkeiten des KlaRIsracJ voran&tdlca. Wir erwarten ferner, daß die jüdischen Arbeitermstitutionen Palästina» allen Arbeitem offenstehen, daß keinesfalls die Zugehörigkeit zu bestimmten Parteien Voraussetzung ist zur Mitarbeit in der palästinensischen Arbeiterbewegung und zum Mitgenuß der allgemeinen Arbeiter-Institutionen. Die Misradii-Fraktion erwartet, daß die palästinensisdie Arbeiterschaft dem Chaluzium gcsctzcstrcucr jüdischer Arbeiter keinen Widerstand entgegenstellen wird.“ Dr. Benno Cohn begründet namens des Blau-Weiß den Antrag, der Dclcgicrtentag möge dem Kongreß die sogenannte ״Karlsruher Siedlung" zur Aufnahme ins Palästina-Budget empfehlen. Das Projekt ist ein Teil des Blau-Weiß Projekte», cs J»an<Iclt sich um 15 Leute, die eine gute Ausbildung in Handwerk und Technik erhalten haben und zunächst eine fliegende Reparaturwerkstätte in Palästina eimrichten wollen. Um die Anarchie in der Ocldsammlung zu vermeiden, will der Blau-Weiß die spezielle Sammlung für diesen Zweck der Keren I Iajcssod-Satnmlung ciitgcgliedcrt wissen. Zu dem vorliegenden Amendement das Hapoel Hazair, das Projekt auch den sachverständigen Instanzen der palästinensischen Arbeiterschaft zur Prüfung vorzulcgen, iußert sich der Redner zustimmend und betont, daß der Blau-Weiß es als selbstverstämllich betrachtet, im Einvernehmen mit den Arbeiterinstanzen vorzugehen, wie sich der Blau-Weiß auch völlig in das arbeitende Palästina einzuglledcrn gedenkt Dr. Gerson (Berlin): Es ist dankenswert, wenn man uns einen großzügigen Gesamtplan verlegt, wie Margulics und Arlosoroff. Aber wir haben heute, wenn wir unsere Kritik an den Finanzinslitutcn in Reformen umsetzen wollen, nicht einen theoretischen Plan in die Luft zu bauen, sondern wir können nur Schritt für Schritt vorwärtsgehen und anknüpfen au das Bestehende. Es wird notwendig sein, in bescheidener langsamer Arbeit positive Vorschläge zu machen, nach denen allmählich der Umbau erfolgen kann. Der Finanzausschuß wird seine Arbeit dem Kongreß vorlegen. Wenn wir auch eine politische Bewegung sind und bleiben, so ist es doch notwendig, darauf zu drängen, daß in wirtschaftlichen Fragen wenigstens eine Resultante zwischen politischem und wirtschaftlichem Denken gezogen wird. Darum verlangen wir die Sachvcrstündigenkontrol e. Redner bringt namens des finanzpolitischen Ausschusses die Resolution ein, die bereits in der vorigen Nummer veröffentlicht war. Ascher (Hapoel Hazair) bcgiündct dien Amendement zum Antrag des Blau-Weiß. Der Vorsitzende Rosenblüth teilt mit, daß der Delegiertentag in kurzer Zeit geschlossen werden •oll und bittet die Refefrenten, ihre Schlußworte abzukürzen. Zunächst erhält (las Schlußwort 0ßa.u ■-'■—,-"--■—--י H.),״■r-'M—• Hl '■1;• 1■Hl».. _ Heinrich Margulics. Redner polemisiert mit Arber״!■ Es ist ein grundlegender Irrtum, daß die Landwirtschaft׳ überwältigend Lm Vorder!,׳rund steht. Bei seiner Beurteil von Indu.-'ärie und Handel geht Arlosoroff von falschen y"'׳ aussetzungen au», ln allen Kofonisationsländem gibt es t* das Kapital im Anfang vor allein vier ltetätigumrsitiörrii!i" keittn: Boden Spekulation, Eisenbahne« Häuserbau wif 1 portgcschäft. Die ersten zwei scheiden bei uns aus, die arK| ' zwei sind geblieben und das ist ein durchaus normaler IVo?-1־: Palästina hat auch große industrielle Möglichkeiten. Das ,»‘י Einwanderer in kleinbürgerliche Berufe abströmen, liegt m7׳ an dem Lande, sondern ist begründet in der jüdischen M״i tailtüt Schließlich polemisiert Redner mit Dr. MossinyA der von einem Mißverständnis ausgegangen ist; dom denken nicht daran, unser Kulturprogramm abzubauen, wir unser neues System nicht durch ge führt haben. Eshamv sich lediglich um eine technische Trennung der verschiede״•״: Oruppen von Ausgaben. Sddictilich begrüßt Referent diei ״ träge Dr. Qersons. Arlosoroff ־(Schlußwort) weist den Vorwuff zuriiek te habe Intcresscnpolitik getrieben. Es ist leider keine Zeit’di Darlegungen der Gegner zu widerlegen. In den Anrc״»n״r dos Herrn Trictsdi ist sehr viel richtiges, da» man r!!& unterschätzen darf, aber Herr Trictsch gibt keine Moglichkesich mit ihm ernsthaft auscinandcrzusetzcn. weil er einfach di- Tatsachen ignorieren will. Redner wiederholt die Behaupt״״• «alt angesichts der heutigen Bedingungen im Lande gar krii, Möglidikcit zu einer anderen Siedlinigspolitik als zur Uni Wirtschaft besteht Redner beschäftigt sich sodann eingehend n• der Frage des Zollschutzes und warnt davor, zu grofc Hoffnungen auf solche Maßregeln zu setzen, die leicht a einer Verbiegung der natürlichen Produktionsrichtung fühn* können und außerdem ihre Grenze in der Kaufkraft des LarrV finden. Redner begrüßt cs, daß die finanzpolitische Fra ״e t• ihrem weitesten Umfang zur Diskussion gestellt worden ist Zum Schluß betont er die Bedeutung des Nationalfond! der in den Erörterungen scheinbar in den Hintergrund treten ist, Damit ilt die Kolonisation»• und Finanzdebatte geschlosst; und es folgt die Schlußsitzung mit dem Bericht des Haupt «usschus&c», deren Hauptteil wir schon in der vorigen Numn-'t veröffentlicht haben. Wir verweisen also auf die vorige Numtre Und tragen im Anschluß daran den Rest im folgenden na<£ Weitere Beschlüsse Der Referent des Hauptausschusses Dr. Hantke fahr in seinem Bericht fort. Nach Annahme der bereits pubii zierten Beschlüsse folgt ein Arttrag de» Hapoel Hazair, welche lautet; Der Delcgiertcntag steht auf dem Standpunli daß die entscheidenden Fragen der zionistischen Arbei der Gegenwart nicht durch organisatorisch-politisch! Maßnahmen zu lösen sind, daß vielmehr das Schw! d< Kr. f pefübrt ״gen Anseba‘ pjs jj/alil ף dara״ ' eine Ulisrach die dc Israeli die Mi gestellt ״״d begrüß« durchg« folgend י uiann r u n zutre Schel Jec trifft d zu, tretet noch piführe vorst Ha za Ur der H Hazair eine unve Inn g! Kon! Zion zu Di drei V »ich »chl srerd So Blau « gewicht der Arbeit nach wie vor auf kolonisatorisch!■ wirtschaftlichem und kapitalpolitischcm Gebiet liegt Der Dclcgicrtentag ruft die zionistische Bewegun; auf, über alle Gegensätze hinweg ihre ganze Knf auf diese konstruktive Arbeit zu konzentrieren. Der Antrag wird einstimmig angenommen. Dr. Hantke verliest ferner einen Antrag des Hapoel H!z1i1 der gewisse organisatorische Reformen vorsdilä;! Der Hauptausschuß war sich der Wichtigkeit der angeregtes Reformen bewußt, hält c» aber dod» für notwendig,. dies! schwierige Frage, die beim Dclcgicrtentag nicht debattier wurde, noch eingehender zu erörtern. Der Hauptaussdte schlägt daher im Einvernehmen mit den Antragstellern w diesen Antrag dem Landes Vorstand zur Bear beitung zu übergeben. Dieser Antrag wird ange nommcii. Sodann kommt der Berichterstatter zur Frage der Kon greßwahlen. Nach dem Kongreßstatut ist es zulässij daß die Sonderwahlen in einem bestimmten Territorium in Einvernehmen mit den Landesverbänden beschließen, ein« einheitlichen Wahlkreis zu bilden. In Deutschland hat dt Misrachl erklärt, daß er innerhalb »einer Föderation(!! wählen wird, während Hapoel Hazair so wie bei den letztd Wahlen auch diesmal einen gemeinsamen Wahlkreis beantrag mit der Begründung, daß der Kongreßwahlkampf zu eine. Auseinandersetzung der zionistischen Anschauungen benutz werden müsse. Der Landesvorstand hat diesen Antrag an• genommen, da» Zentralkomitee jedoch in seiner Sitzung von 24. Juni »ich dagegen amgesprochen, daß ein Wahlkampf vors zu Aufi näcl D lieh c Arb Ir Sem H Frakti Bes Jis 19Z ' Pali »chl sab kön aus, jüdi der fun! F dessc zum Salman Scliceiur Zur 20. Jahresfeier eine» Schaffens. E» kt eine dem Judentum durchaus fremde Erscheinung, die rieh bei uns in der letzten Zeit eingebürgert hat, sog. Dichter- und Schriftsteller-Jubiläen zu feiern, da cs mit den im jüdischen Gemütc tief wurzelnden religiösen Sitten und Gebräuchen unvereinbar ist, einen lebenden Menschen zu verehren. Darin liegt nicht bloß Ritus, sondern eine Weltanschauung, die auf einer tiefen Erkenntnis basiert ist: Die Welt des Geistes, der Kultur ist eine Republik, die auf strengen, spartanischen Gesetzen aufgebaut ist. Die Ver- Pachtung wächst hier im Quadrat proportkmefl den Fälligkeiten und den Kräften, die man besitzt. Solange man lebt, hat man noch eine Schuld bd der Ewigkeit zu tilgen, denn was der Mensch vom Göttlichen erhielt, dessen muß er rieh zugunsten der Unsterbüriikdt entledigen, indem er es im Laufe seines Lebens vervielfacht. Wie schwer ist es bei einem großen Menschen, das Talent, das Genie, das der ganzen Menschheit angehört, von dem Persöniidi-Menscüliehen abzusondern! * Aber auch in anderer, mannigfacher Hinsidri wäre es da Verstoß gegen die ewig pulsierende Tatsache des schöpferischen Lebens und der organisdicn, stets fortsdireitenden Entwicklung einer solchen dichterischen Persönlichkeit, wie H« Salman Sebneiur verkörpert, sich über seine bisberige, d. h. über einen Bruchteil seiner Gesamtleistung, die von niemand, geschweige denn vom Dichter selbst als ab-, geschlossen angesehen werden kann, ein fertiges Urteil bilden zu wollen. Ganz abgesehen von der rein privaten Unannchm- Eddedti die man den* Dichter, als einem Menschen, dadurch veruraadit! Denn gerade durch eine derartige Stelungnahme seinem werke gegenüber, die zwar ״sine ira“, aber dafür übertrieben und alzu oberflächlich ,pm Studio" ist, wird dem J^8te. «yfo.Miche. Unrecht zugefügt Und ganz MUßaaea giM das bet Saimaa Sebneiur, der in adner jetzigen Lebensepoche gerade mutig auf neue Wege der dichterischen Gestaltung iosstcucrt! « Es ist z. B. allgemein bekannt, wenn die österreichische Regierung einen besonders regsamen Abgeordneten der oppositionctlcn Partei unschädlich machen wollte, so wurde dieser zum Mitglied de» Herrenhauses ernannt. Genau »o wird ein Dichter, was seine unmittelbare Einwirkung auf die Gegenwart betrifft, ״kaltgcsteUt", wenn man ihn, mitten tn seinem schöpferischen Wirken, auf den heiligen Parnaß der dichterischen Größen versetzt. Weil er dod» ״Klassiker" geworden ist, dessen Lederbände müßig Lm polierten Ghssclirank stehen! Wir können uns von einer gebührenden Distanz aus die ״klassische Sdiönhcit“ seiner Werke betrachten, ohne daß wir uns an ihrer ״spezifischen Wärme" erhitzen, d, h. ohne daß uns die von ihm gestellten zeitlichen Probleme viel Kopfzerbrechen verursachen. Und man begeht den lächerlichen Fehler, eine Lobhymne, so etwas wie das Gegenstück eines Nekrologs zu singen, das sich aber von einem Nachruf weder stilistisch noch in der allgemeinen Tönung viel unterscheidet. Diese Ersehe»- nung ist heutzutage bei den kleineren Völkern üblich geworden, die, je unbedeutender sie im allgemeinen Völkerkonzert sind, desto mehr selbst von sich sprechen. Denn es ist eine krankhafte Neigung eines an sich armen Volkes, überschwänglich und ohne tieferes Erlebnis seiner Werke auf die Größe eines Dichters zu podicn. * Gerade in der hebräischen Literatur ist der Weg eines Dichters — ein Leidensweg. Der Dichter will nicht nur, daß seine Lieder unter das Dach des Aermsten im Volke dringen, sondern auch, daß sein Werk zu einer lebenden Tatsache In der Gegenwart seines Volkes werden toll, sowie zu einem schöpferischen Ferment für Sri ne Zukunft. Und kann man dies vom hebräischen Publikum sagen? Es pornnt die Oröße seiner Dichter aus, kommt aber selbst nicht über eine tlllettantische Kenntnis der hebräischen Sprache hinaus, und der Dichter ist dann gezwungen, auch jüdisch zu schreiben (wie cs Schneiur, aber auch Bialik und Frischmann gemacht habe«), um vom Volke verstanden zu werden. Aber auch da fehlt es an einer gesunden literarischen Kritik, die dem richtige( Verständnis im Leserkreise helfen könnte. Man hat »ich *hei an eine Art Kritik bei uns gewöhnt, die entweder Lob oder Tadel ist und nicht eine Reflexion des ganzen Leben! *1 eine neue Tatsache, die in ihm erscheint. «1 So soll uns auch diese Gelegenheit der Dichterfeier darf dienen, einen ernsten, wenn auch kurzen Blick auf dt hebräische Literatur zu werfen und deren Verhältnis zu das Werke Schneiurs festzustellen.! Wir hatten bisher unter ui»* große Kräfte, von Perez Smö lenskin bis Bialik und von Bialik bis Schneiur und Kahan. In einer hebräischen Bibliothek ist vieles Vortreffliche ta finden. Und unter den Ersten wird immer Salman Schnciuf j sein. Denn während Bialik ein nationaler Sänger J Tschcrnichowski den Reichtum der antiken Formen in d!t hebräische Dichtung hercinbrachte und ihn mit neuem lnh;a ן anfüllte, hat es Schneiur dod» verstanden, neben den beiden seine originelle Stellung zu behaupten. Sowohl in der Font wie auch im Inhalt und in der Stimmung seiner Lieder. J Bei Schneiur gewinnt niemals der Inhalt die Obeihtnd über die Form, wie cs manchmal bei Bialik der Fall ist, um auch nicht etwa die Form über den Inhalt, wie es Tsdienn* chowski oft passiert. Ein friedliches Ineinanderfließen wi Rhythmus und Erlebnis, eine Harmonie des Gedanken» des Ausdrucks, dies ergibt eine poetisch tiefe und stinrnittags*; volle Gedichtgattung, die für Schnei»«־ charakteristisch ßk,; Für der» Schneiur der Jugendperiode, wo im allgemeinen, das hebräische Schaffen im Glühen war, und wo die hcbrälichM Dichter von einer begeisterten Menge gelesen Wurden. Dri beste Maßstab dafür ist, daß Schneiurs Lieder nicht mlndri wie die Bialiks in den Volksschatz übergegangen sind. J Abc ש die Begeisterung verbrennt bei uns wie eine Stroh•! lohe, die nicht einmal Asche zurückläßt. So blieb es *bch beim Liede, das man mit Vergnügen liest, aber nicht *»• etwa* hincir t kt di kum klage denn Trieb Tat 5 schal geisti So i< schlä Bl c schih ganz seine Gtj. Erzä neue es ־u er ן Esch׳ Balz» Ufer *chk Kom gcl»« wird *art! abez nem quer Son< Älter

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