Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1923-07-03 · Heft 53 (3.7.1923) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVIII (1923)
Issue
Heft 53 (3.7.1923)
Date
1923-07-03
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
89% known words query
IRI
…/2651273-2652595-2652502-2652550--16676-2674344
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

1 ־?, *\r. 53 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 331 «7%־x ן j ׳ Ii J |״"״*@ /׳T\« l ׳ " V'*K-’Äs^ 1 ..ך a׳ ׳! h 1 a ■■* *־'' 4- -״si»dr 1 /A ( ג / ע. '\ | ן V־־ J* C . _*»»'' «»״-״k* %ui>*r AlJtVnr. C. ,. t־*M- '■•',allr •Ucr diese;, 1 .״'Ic Trci׳; 1 1‘1־inzipi^ it ־,:u höre ר «1, die die : ■' ',rütibaun'!4wic ״Ei״ :h'ußsitztinr- 'erregtesten Und Partei trappe cirt Der Seliluss der Debatte äb״Jewi.h Agency und Zion. Org.nf.ation 4. Sitzung Diensüg Vormittag, Fortsetzung de« Berichtes aus voriger ןן"־] [tlCf• Wach Dr, D a n z i g e r (s. vorige Nr. Seite 326) erhält das ־[tNahom Ooidmann. Waliuni Goidinann: Die Erweiterung unseres Kreises hi duffH die Agency als auch durch den Weltkongreß nicht m,r U’C!TCI1 einer äußeren Notlage, sondern nus ,.at Notwendigkeit geboten. Bis 1• 7i/vnic1icHlu' ()rtmi'iicn+imn *ויי zur Lialfour-Erklärung ״.'die Zionistische Organisation eine Doppclstcllung. Sie hcrlc einerseits zur Volksbewegung auf der Basis des \ht Programms und besaß andererseits ein radikales iicreintragr,' ‘..'um,!iprogr,1111m,;>« denn wir den Wert der Menschen •nhiifkc ''v-i Nach der Baitour-Erklarung gab cs nur zwei Möglich• 5 , ״; ,!•’5 ׳r' c״tweder im Sinne von Bramlri* unter Beschränkung •Zr;;׳an1satic1, Minimalprogramm die Zionistische Organisation zur Asbcivcgim״ werden zu lassen oder aber durch den h'rn worde, ei Mchrlic״ ä kizteren Weg. Da aber hetrte der Weg zum ■ der Jcsvisi; '''׳!kongreft noch nicht gangbar ist, müssen wir die Agency aß auch der * ,eitern. Rosenbliith hat recht, wenn er in dieser Ern onth;11״ ',n-runir keinen entscheidenden Wendepunkt unserer Oe• daß r ‘ *■‘■•-chtc sieht, aber man darf die Bedeutung auch nicht unteroao er (1;;( , ״cn Wenn cs sich um einen Versuch handelt, die e$se“) eine ’,U Agency definitiv zu schaffen, dann darf man rage für zu, 1׳ Exekutive’ nicht plcin pouvoir geben, wie es die ־Retat aber ' V,:ti"11 des Zentralen Blocks vorscraägt. Oder aber es Ir* ' ”dtit sich im Sinne von!־)einziger nur um einen ersten •i'kongrcl} eine neue Volksbewegung mit Minimalprogramm 's lullen, in der wir den radikalen Flügel bilden würdcin tu, daß die ein Provisorium, dann muß das in der Resolution tCl«t als da ׳erden dar[ er Verband- ״.ui;,;n zum Ausdruck gebracht werden. Es wurde davon ‘vnrodieii, daß der jetzt vorgcschlagcnc Weg der Erweiteder Agency der gegenwärtigen Struktur des jüdischen ־־. . ״ ,vlcs entspricht. Aber wenn das der Fall sein soll, muß CMC aut den; ׳.t Acrency nicht nur die Juden des Westens, sondern auch keineswegs y* demokratischen Juden des Ostens umfassen. 81c Chance} Dr. Hdlmann (Hitachduth) warnt davor, die Frage der bleibt die >!'r'h Agcticv als ein gesondertes Probient zu betrachten. .. ׳ ״; liändcit sich uin ein Organisationsproblcm des Zionismus. :fllnK• Uic ‘ .. verschiedene!B V/cltlag. daher An iaufbau dt, ttf der Vertclligen, vo; inzen Groß.. Faktor nach r uns einmal MP am menge■ 5 Beweguir «n, daß eie: lebt bestellt. Agency mu in und eine starke zio• l Palästin: j würden heute bereits die Zionistische Organisation ver- :,winden lassen, wenn wir die allgemeine Weltorganisation; Palästina schaffen könnten. Wir sind aber auch dagegen,;5 man die Kompetenz der Jewish Agency, der größten;mngciischaft des Mandates, beschränkt, um der Gelahr zu;.;dien, die durch die Heranziehung von Notabein entii Venn wir die Jewish Agency als das zentrale Aufbau* •;,in betrachten, muß man auch rein sachlich verstehen, daß Ir der Frage der Verantwortung entscheidende Bedeutung •:.!egen. Redner wendet sich gegen die Art, wie gegen die -.vniemng der Agency Propaganda gemacht wird, Phrasen י; Ugamlagcfnhr oder persönliche Angriffe und betont,;1 die zionistischen Motive der Freunde der Erweiterung :;;!aus unbezweifclbar sind. Aber die Frage der Verantwort- »ut muß sachlich geprüft werden. Selbst die gegenwärtigen;u'iioneii der Zionistischen Organisation gewährleisten keine Vrotwortlichkeit. Wir verlangen daher Abschaffung des iöds uni Beteiligung aller Juden, die das; Basler Programm :;;kennen, an den Wahlen zum Kongreß, Ferner verlangen ־.־ir eine Kontroll-Instanz, die ständig tagt und welcher die äckutive ständig verantwortlich ist, die gleichzeitig der Exc- .:;vc Autorität und den Kontakt mit den Massen gibt. Eine 1t das selbst .־t,lcrc Forderung ist die Homogenität der Exekutive. ' 1 1 Hierauf wird die Beschränkung der Redezeit auf 5 Minuten » Zionismus 'rfll!oscn, ß eine oder j pr_ ^dß (Misrachi): Wir dürfen nicht vergessen, daß Zusammen•}‘״ uns auch in einer geistigen Krise befinden. Wir müssen die litim dieser.le Zioiisidee von ihrem politischen Ballast befreien’, aber I1iin״i > Lieber (Chemnitz) verteidigt den Gedanken des Welteh p>- eirc r’rc5iCS 'm<1 wendet sich gegen die Auffassung, daß die " , ״ ’־‘ .'..,meine Palästina-Organisation das Ende der Zionistischen 61׳ die RoU .,״inisation bedeuten würde. Der Zionismus hat noch andere zielen, alle ■■gaben, die Aufrichtung des Volkes. Die Frage der Jewish ' Oewcmni״׳1' ״ braucht nicht sofort gelöst zu werden, sondern erst . ' pן ,.5׳ -nüilich. tn,, 1 •f Dr, Wagner, der vom Vorsitzenden Dr. Landsberg als;,wollen m׳.., •‘■׳glicti des tschccho-slowakischeii Zentralkomitees begrüßt;dem Dcle• j.J, halt eine Ansprache, in der er die Notwendigkeit der |tca wollen,;•״JiMicrarbeit mit Nichtzionisten begründet und die seely׳״ ״״״/׳ir ,׳גי™ Werte dieser neuen Forderung, die an der ziomstisenen!״rotdingtheit nichts ändert, betont. j Biumenfeld hält sodann das Schlußwort Er betont “11״'1״b daß im heutigen Stadium der Entwicklung keine •”(*ertprozentigen Garantien verlangt werden können, viel-1 müssen wir in dieser Hinsicht Vertrauen zu den verö'-Mrtliclien Personen haben. Man hat mir eingewendet,; sei kein Argument, daß Wclzmann für die Sache ist. י!«loch halte gerade das für das stärkste Argument, mitulidi ein Mann, der genau eiagewcilit ist und die;:s.ifung hat, zu dieser Einsicht kommt. Die Zionistisdic •Misaiion muß so umgestaltet werden, daß sie neue Kräfte;; 11,tue Menschen empört ragt Der Kongreß ist heute nicht mehr der Ausdruck der wirklich realen Kräfte;J Zionismus. Das aufbauende lebendige Element ist auf;-a viel zu schwach vertreten, z. B. die Chaluzim. Die Z. V. ״,־■ knritt auf diesem Kongreß eine ungeheure Bedeutung denn cs wird1 davon abhängen, daß wir eine würdige ״־־m,/ jeigen, uns ab politisch klare und reife Mensclien ..*anreit, statt daß jeder hingeht und einfach seine Wünsdie;;r-ntlit ohne jeden Zusammenhang mit der realen Siikarum glaube ich, daß heute nicht mehr beschlossen -ia kann, als wie icli cs vorgeschlagen habe, die Er- . 1111־ning der Leitung zur Heranziehung jener Kreise, die y^kliwig für die Leitung, das zu tun, wovon sic sich;"־ Vtrbcsserung ihrer Arbeit verspricht 1 Eiwauf wird die Sitzung geschlossen. lern wissen, ׳ ׳ Wir wiii!־ |nd jemand f mitwirkc!■■ jjliancl hingen lioriistischc:: |rl׳»en, nieiß jch.ii dc1״c* I Entschci* , die unsere ft des jüdi- R. W. ti 26. J«n•׳ h; er 1גו^“ »sprechunfi bildete, 31* rbeiten. ׳;,m Juni Minister >1■ 1 Die Vf;heu Naiic■־ Herianis c*“;en an ^cl j eben. 5 Sitzung Dienstag nachmittag, 4,30 Uhr: A1!f der Tagesordnung steht nunmehr das Problem der 1?|e־ung des Palästina-Aufbaus. We Finanzierung des Paläsiina-Aulbaucs?ז• Siegfried Moses erklärte in Ergänzung seines bereits 1lf, ״Rundschau“ Nr. 50 veröffentlichten Referates, er '“, J.'S11 darauf beschränken, in ein paar Worten den ihm ■,'‘"iiGst&n Teil des Referates — der von der halbgeschäftttiid gcscliäftliclicn Gcldaufbringung handelt, — dab?k VCra,1®cl1aulichcn, daß er den Gcsamtvcrlauf der :-•״i&fmgungsarbcit, wie er ihn sich denke, konkret darzu- Kirche: ^ersetzen wir uns im Geiste Jn das nächste Jahr. Die nach meinem Vorschläge für die Zulassung von ־“ «• dem dem zkmisäsdhai Einfluß unterstehenden Kapitalmarkt zuständig sein soS, fiat soeben eine Sitzung ' gelabt. I;*5 wäre müßig, jetzt über die personelle Zirsainmen• Sitzung einer solchen Stelle im cinzctucu sprechen zu wollen; klar ist jedenfalls, daß tn dieser Stelle die zionistische Exekutive und die Finnnzinstitutc crheldichen Einfluß hoben müssen und daß die palästinensisdic Wirtschaft — gemcinwirtscbaftliche und privatwirtschnfüichc Uiiterneiimnngcii, Arbeit- ״elxir und Arbeitnehmer — entspredicnd der Bedeutung, dieser Wütsdiatt für das Land; lind■ nach Maßgabe ihrer Garantie■ leismngcn für die Krcditaktione.11 vertreten sein müssen. Die Stelle hat getagt, Ihr ist zunächst der. Beridit vorgelegt worden, daß >i.e Emi .-.von von — sagen wir — 50lk)0 11 ()bligatioiicn der Arbeiterbank beendet ist. Ferner sind ihr eine Anzahl neuer Anträge auf Kreditzulassung vorgelegt worden. Sie hat nach reiflidicr Prüfung die dringlichsten ausgcwählt, die gebotenen Sicheriiidien geprüft, und■’sic hat zugelassen — sagen wir — 250 000 Aktien der Industriebank, 150 000 Obligationen der Handelsbank und je 400 ÜOO Pfandbriefe der Hypotlickenkink und der Agrar-Kreditliank, Diesen Effekten, die sämtlich auf ein Pfund Laufen, steht nunmehr der Weg zu dem zionistischen Kapitalmarkt offen. Ich bin mir darüber klar, daß der Gedanke, eine solche Zulassung für nötig und nützlich zu erachten, für manchen vo.1 uns zunächst befremdlich sein wird!. Aller diese Vor• Stellung wind in dem Augenblick einleuchtend, in dem wir anfangcii, konsequent und ehrlich zwischen den verschiedenen GddauibringungsmögHclikeilcu zu unterscheiden, indem Augenblick, in dem wir durch Aussonderung der ungeschäftlichen Geklaiitbringuugsmaglidskciten die geschäftlichen heraus- 11:0011.;Dann haben wir das Redit, ihre Gcschäftlidikoit der Welt bekannt zu geben. Und die Zulassung würde wertlos sein unter den heutigen UtnstaiKlcn, da sie eine leere Dewonstration wäre. Wertvoll wird sie, sobald eine schlagkräftige Organisation, sobald ein Apparat da ist, der (lern zugclasscncn Papier die systematische Werbearbeii sichert und der letzten Endest so funktionieren muß, daß die Zulassung eines Kredites nicht mehr allzusehr von seiner Bewilligung entfernt ist. Denn was bedeutet die Zulassung nadf meinem Gedankengang? Sic bedeutet, daß die Beschlüsse der palästinensischcn Zulassuiigsstellc schleunigst Sn zwei Strom- Systeme geleitet werden. Die Beschlüsse gehen einmal an die Zentralstelle für Finanzpropagamki, sodann an die zwei oder drei Zentralstellen für die Herstellung Wirtschaftlichtr Verbindungen zwischen Palästina und der L.aspora, die ich kurz ״Palästina-Wirtschaftssteifcn“ nennen möchte. Und nunmehr setzt sofort die Arbeit dieser Stellen ein. Pröspekte werden iiergcsteilt, die das Kredit iiachsuchendc Unternehmen angcben, seinen Zweck, seine Arbeitsweise und die ihm zur Verfügung stellenden Kapitalien auscinandersetzcii, die fernerhin über die für den Kredit vorhandenen Garantien Auskunft geben. Mit diesen Materialien werden durch die Zentralstelle für Finanzpropaganda die Emissäre des Keren Hajessod und des Nauonalfonds ausgestattet. Sie erhalten sämtliches Material, auch dasjenige, das sich aut die rem ßcsriiählichcn Knpitalsaiil.igcn bcz e it. Ihr ״Musterkoffer'‘ — vve.111 ich das etwas vulgär so 1.ennen darf — enthält also einmal das Propagandamatcri.11 ft!r den Keren Hajess-od und Nationalfonds, daneben die Pro.vt .׳k c und Zcichnungsscheine für halbgcschäftlidic v 1, 1 .:iitg;';s-.־häftliche KapitaUanlagcn. Allerdings besteht fl':r' si: ein״■ Rangordnung der Gcldaufbringungsforinen: i'־.־e Auf i.״ ia erster Reihe selbstverständlich die Arbeit tar den Keren Hajessod, bzw. Nationalfomls, dahinter erst steht die Werbung für die Aktien der Fiir.trzinstitute•, an dritter Stelle kommen für sic die gesdn.ttliclicn Wertpapiere. Eine besondere Weisung, die ihnen erteilt wird, geht tlahiin, nach Möglichkeit auch für die Obligationen der Arbeiterbank zu interrs icrcn, deren Emissbn bereits abgeschlossen ist; das Kursümit, das sic in diesen Fällen den Interessenten Vorschlägen sollen, ist ihnen ebenfalls angegeben worden. Das andere Strom System ist das der Palästina- Wirtschaftsstcllcn. Diese Stellen haben mit Hilfe der ihnen zur Seite stehenden Paliistina-Wirtsdiaftsorganisatian ■in jedem zu ihrem Bezirk gehörigen Lande eine Absatzorganisation fiir palästinensische Effekten geschaffen. Die Organ!- sation ist nicht etwa nach einem vom grünen Tisch au» erdachten System für alle Länder gleich gestaltet, sondern sie paßt sich überall den besonderen Verhältnissen jedes Landes an. Trägerin der Arbeit ist in dem einen Lande der zionistische Landesverband, der sich die daraus erwachsenden Einnahmen sichern möchte und nur für den unmittelbaren Verkehr mit den Käufern sich z, B. der Provinzbnnkicrs bedient. In dem anderen Lande arbeitet die Paiäslina-Wirtsdiaftssteile vielleicht unmittelbar mit einer großen Bank, deren Filialen über das ganze Land vcrs'.reut sind und den Verkauf hetreiben. Und in Amerika z. B. wird vielleicht nach dein neuesten Vorschläge von Dr, Ruppin der Verkauf durch eine Schar besonderer Agenten bewirkt. Der ״Musterk-offer“, der von den Palästiiia-WirtschaftsstcIIen ausgegeben wird, enthält die gleichen halb- und rdngcsdüiftlichcn Prospekte, wie der ״Musierkoiier“ der Keren Hajcssvxl-Einissäre. Während aber dieser daneben Wcrbcniatcrial für den Keren Hajessod bzw. Nationaltomis enthält, umfaßt jener noch Material, das über industrielle und kaufmännische Möglichkeiten in Palästina Auskunft gibt usvv. Wenige Wochen nach dem Beschluß der palästinensischen Zulasningsstellc beschäftigt man sich in vier Provinzstadt bereits in zweifacher Weise, an zwei verschiedenen Stellen, z. B. mit dem palästinensischen Pfandbriefen: am Schlüsse etwa eines Werbezirkcls, den der Keren Hajessod veranstallet, spricht der Redner davon, und 2. in der Bankfiliale wird auf die Möglichkeit aufmerksam gemacht, Geld z. B. in palästincnsisdicn Pfandbriefen sicher anzulcgcn, ich bin weit davon entfernt, den Wert der in sich geschlossenen Absatz- Organisation, die ich in meinem Referat dargcstcllt und heute angedeutet habe, zu überschätzen. Es liegt auf der Hand, welche politischen und wirtschaftlichen Faktoren den Erfolg auch der geschäftlichen Gcklaufbringungsarbeit entscheidend bccin- Bussen. Aber das eine kann man allerdings wie ich glaube, sagen: Nur wenn wir eine arbeitsfähige Absntzorgnnisnlbn haben, können wir mit Aussicht auf Erfolg die Palästina- Finanzierung betreiben; und wenn wir sic haben, dann dürfen wir auch auf den Erfolg hoffen. Heinrich Margulics! Der größere Teil dessen, was ich hier vorzuiragen hätte, liegt bereits gedruckt vor. Immerhin würde es bei der Fülle des Stoffes eine zu große Zumutung bedeuten, auch den Rest in der gleichen Weise hier zu bchandeln. Es kann sich daher nur darum handeln, die ganz grundsätzlichen Gesichtspunkte, die dem Aufbauplan zugrunde liegen, plastisch hervorzuheben. Notwendig ist jedenfalls der Hinweis darauf, daß uns ein solcher grundsätzlicher Aufbauplan fehlt und daß wir ihn gerade jetzt wieder besonders bcnötigen. Nichts ist gefährlicher als das bisherige Greifen nach Augenblickscinfäilen und Augenblickserfolgen. Palästina erfordert eine langsichtige Politik und einen Aufbauplan, der dem angepaßt ist. Wenn ich nunmehr die vorläufigen Ergebnissc eines solchen Planes vorlcge, darf ich fcststellcn, daß im abgelaufcncn Jahr wesentliche Verschiebungen eingetreten sind, welche unsere frühere Geucnsäf/Jichkeit mildern. Wenn mein Referat emgeiagert ist zwischen Referate von Böhm und Arlosoroff, in welchen beiden schon als Selbstverstäruilidikcit zugrunde gelegt ist, daß der Keren Hajessod nur ein Spendenfemds und als solcher durch ein großzügiges Finanzurul Wirtschaftssystem auf ökonomischer Basis ergäiizt wenden muß, so zeigt dies, wie selbstverständlich bereit« n.c Gedankengänge gcwordcai sind, um deren willen man mich und meine engeren Freunde noch vor Jahresfrist am liebsten massakriert hätte. Ich habe diese Entwicklung kommen sehen; ich war ihr voraus, aber ich habe an!1er nächsten Ecke zwei Jahre auf die anderen gewartet. Nun stehen wir wieder nebeneinander und wollen versuchen, ob wir jetzt besser Schritt miteinander zu halten vermögen. Viel• leicht sind Sic inzwischen etwas flinker geworden, vielleicht bin ich etwas müder geworden — und so wird sich vielleicht ein Mittchempo finden, Redner setzte sich dann ausführlich mit dem soeben erschienen«! Fitianzicrtitigsplaii von Arlosoroff auseinander: Arlosoroff zeichnet in seinem Buch auf der einen Seite den großen gemeinnützigen Fonds, auf der anderen Seite ein ״Syndikat“, oder besser gesagt, einen Trust, der genau im Sinne europäisch-amerikanischer Trust111<ctl1<.׳dtn nach den reifsten Methoden des Großkapitalismus artreiten soll, das Ganze überbrückt durch eine Kommandobrücke, die Jewish Agency. Die theoretische Grundlage hierfür bildet die Lehre vom Staatskapitalismus, wie sie hauptsächlich üoktschcid ver• tritt. Ich stelle fest, daß Arlosoroff und ich im Schema beinahe völlig paratid gehen. Insbesondere weist meine vorjährige Brosemire über die Finanzwirtsdinft genau die elciche Anlage auf. Worin wir jedoch auscinandcrgchcn, ist folgender ),unkt: Eine Kommandobrücke ist für eine planvolle Aufbauarbeit unerläßlich — aber wer soll auf ihr stehen? Bismarck sagte von Lassalie: Er ist ein überzeugter Monarchist — nur möchte er statt der Dynastie Hohenzoliero, die Dynastie Lassalie an der Spitze. Soll auf der Kommandobrücke der Typus des Generaldirektors stehen, wie ich cs will, oder der Typus des Volkskommissars, wie Arlosoroff es will? Ich betone, da 11 ich bei beiden Typen nur ihre besten und sachlichsten Vertreter im Auge habe; aber grundsätz• lieh sträube ich midi gegen ein Kommando, daß nidit von fachlichen, sondern pnrtei- und inncrpolitLschcn Rücksichten abhüngt. Verständiger! wir uns über diesen einen Punkt, so werden wir uns über alles andere leicht verständigen, denn wie gesagt, halte ich den Aufbauplan von Arlosoroff dem Schema und der Methode nach für sehr wertvoll und gehe damit parallel, Es kann sich bei uns nie darum handeln, Privatinitiative zur Gemeinnützigkeit oder Kapitalismus zum Sozialismus in einen Gegensatz zu bringen, sondern beide zu vereinen. Planvoller Großkapitaüsmus bedeutet Pianwirtschaff, und geht mit ihrer Methode bereits in den Sozialismus über. Wir sollen die Grenzen überbrücken, statt sic zu verschärfen. Die Hauptsache aber ist, daß man überhaupt endlich einmal zu einem Wirtschaftsplan oder zu einer Planwirtschaft kommt, und das war bisher nicht der Fall. Der Redner griff dann einige Hauptpunkte des gedruckt vorliegenden Referates heraus und begründete sie. Ergänzend führte er aus: Es wäre nötig, auch über die beiden anderen Anfgabcnkomplcxc zu sprechen: die Finanzierung der WanderuiiR, und die Mobilisierung des nationalen Kapitals im Gahith. Was crstcre anlangt, so sollte man versuchen, die gesamte Fiirsorgclätigkeit des nichtzionistischen Judentums auf das Wandcruiigsprobkm als solches zu konzentrieren, was sicherlich möglich wäre, denn judcnclrnd ist fast ausschließlich Wandcrungsclend geworden. Hierzu hätte natürlich atidi eine wirtschaftliche Finanzierung zu treten. Redner verweist auf die Hapag, welche im Frieden aus rein wirtschaftlichen Interessen Aiiswamlcnmgsfiirsorge und -finanzicrung im größten Mallstabe getrieben habe. Daraus ersehe man, daß so etwas öküiiomosich fundierbar sei. Diesen Gedanken gang führte der Redner alsdann iin Zusammenhang mit seiner Auffassung von den Möglichkeiten der Mobilisierung des nationalen Kapitals eingehender aus und begründete, warum er glaube, daß entgegen der sonst herrschenden Ansicht cs gerade in den schlecht vahitarischen Ländern viel leichter und mit viel größerem Effekt möglich sei, den Hebel zu Wirtschaftliehen Aufbauarbeiten einzusetzen als in ländern der hohen Valuta. Kapital sei an sich dort zur Genüge vorhanden und vor allem sei cs ״mobil“, im Gegensatz, zu ״stabilen“ Ländern, wo es ein unüberwindliches Beharrungsvermögen besitze. Da in diesen Ländern überdies nicht nur Waren, sondern ganze Unternehmungen und Organisationen billiger wären als wo anders, wäre cs möglich, nationales Kapital dort* hin zu dirigieren, um dann von dort aus auf dem Wege über Filinlsystem und Tochtergesellschaften in Palästina Stützpunkte zu schaffen, die einen Rückhalt haben. Es hafte dies auch den politischen Vorteil, daß die Gelder in dem betreffenden Land zunächst einmal selbst investiert würden, und wenn solche Unternehmungen sich dann Auslandsinter• essen schaffen würden, so käme das der betreffenden Landes- Wirtschaft auch zugute, was das Aufkommen einer animosen Stimmung verhindern würde. Redner schloß mit einem nochmaligen Hinweis auf die Notwendigkeit, zu einen umfassenden grundsätzlichen Plan zu gelangen. Hierauf erstattet Dr. Arlosoroff das Referat über die Kolonisations-Probleme. Dat Referat Arlosoroff wird nachtfciragea. 6. Sitzung Mittwoch, den 27. Juni 1923, vormittags 10 Uhr- Debatte über Finanzen und Kolonisation Leopold Löwcntbal (Berlin), hält die Stärkung der Finanz- Institute der Zionistischen Organisation, des J. C. T. und der A. C. P. tür besonders wichtig. Er beantragt, daß der Kongreß das Aktienkapital des J. C, T. aut 5 Millionen Pfund erhöhe und dem J.C. T. eine Agrarbank angliedcre. Davis Trictsch (Berlin) bemängelt, daß die Debatten stets nach der Form und nie nach dem Zweck des Zionismus fragen. Unser Zweck ist die Schaffung einer jüdischen Majorität im Lande und diesem Zweck!missen die Formen des Aufbaus angepaßt sein. Deshalb dürfen nicht die von Arlosoroff vorgeschlagciien einseitig intcresscnpolitisch gefärbten Wege der Kolonisation gegangen werden und es darf keine. Bevorzugung der Landwirtschaft vor den städtischen Berufen stattfindcn. Im Gegenteil, wir müssen jenen Weg wählen, der uns ain sclmcilstvii zum Ziel führt, denn die Majorität ist wichtiger als Landwirtschaft. Wir müssen die Form der billigsten Atvsicdluitg finden, die auch der Psychologie unserer Leute entgegenkommt. Redner entwickelt sodann seine bekannte Idee einer gartenstädtisdien Siedlung bei der auf einem Boden, der zu landwirtsdiaft- ' lichcm Preis erworben wird, eine städtische Tätigkeit entfaltet wird, am besten kleine Heim-Industrie verbunden mit Gemüsebau und, Kleintierzucht usw.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.