Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVIII (1923)
- Issue
- Heft 53 (3.7.1923)
- Date
- 1923-07-03
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 315 K-. Nf. 53 Ar; ,■ ,׳ r, irts, Beufteiv sehen v fib! «׳■; , wjrd, der die allgemeinen Zionisten zwingt, einseitig ״ ״ ein« Föderation Front zu machen, selbst wenn die;,'Vha״unRcn in Wirklichkeit gar nicht gegensätzlich sind,;f!' Zentralkomitee ist der Ansidit, daß eine gemeinsame ‘ u nur dann zu befürworten ist, wenn sich alle Fraktionen ‘,"1י beteiligen. Im Hauptaussdiuß wurde über diese Frage lifjn Ei n i R un R erzielt, wobei sieh die Vertreter des;‘1,״du der Abstimmung enthalten haben, weil in Fragen, tJc(1 Kongreß betreffen, nur die Kongreßfraktion des ir-adn über dessen Haltung entscheiden könne. Die er- ''*1e Eimg"״K geht dahin, daß der Hauptaussdiuß — ohne '1 Mitglieder des Misrachi — sich auf den Standpunkt 1'f|c];t hat, daß es im Interesse der Belebung des Zionismus F'i jcf Klärung der zionistischen Ansdiauungcn nur zu t-'-rußcii wäre* wenn *künftig immer gemeinsame Wahlen K״f״hrt würden. Daher sdilägt der Hauptaussdiuß ^Cciidcn Beschluß vor: Der Delegicrtentag beauftragt die deutsche Landsmannsdiaft, auf dem Kongreß für eine Reorganisic- ^UI1g des Kongreß Wahlrechts in dem Sinne ein- -!treten, da fl in jedem Lande gemeinsame Wahlkürpcr aller idickclzahlcr gebildet werden.“ Jedoch in diesem Jahre, wo das alte Statut noch gilt, ..[I! dje erwähnte Voraussetzung für einen Wahlkampf nidit , auch ist die Zeit hierfür bereits verstrichen. Die Verr-ter des Hapoel Haza'ir waren daher einverstanden, diesmal r tocli eine gemeinsame Wahl ohne Wahlkampf durdi-!י! pifiihreri. ln diesem Sinne sdilägt der Hauptaussdiuß wir; ״Der Delegicrtentag bestätigt den Beschluß des Landes- Vorstandes, mit dem deutschen Landesverband des Hapoel Haiair einen gemeinsamen Wahlverband zu bilden.“ tm aber den Wahlkampf wenigstens zu ersetzen, hat Hauptaussdiuß sich nodi folgenden Antrag des Hapoel Mossd jjjzai'r zu eigen gemacht: ״Der Delegicrtentag beauftragt den Landesvorstand, i eine'besondere Kommission mit der Aufgabe zu bilden, hden ״aii riivcrzüglich in allen größeren Ortsgruppen Wahlvcrsamm- ' i Jungen cinznbcnifen, die der öffentlichen Diskussion der 1 Kongreßproblcme dienen und allen Richtungen im deutschen Zionismus Qcicgcnhdt zur Vertretung dieses Standpunktes ju gewähren.“ Dr. Hantke bittet den Dekgieitentag, im Sinne dieser drei Vorschläge zu besdiließen. Ueber diese Frage entspimit!sich eine kurze Debatte, nach deren Absdiluß die Vortandpunl,Jj jjhiäge des Hauptausschusses angenommen VV fcr 1y0(; U 1 י, ״ ל; lL,;t n! «J•1; ״ y fc 11;:״ 0' U,-, «>:, ' E׳> in;;, fScuLv!e: snt 0,;. z» f 0: Vnr.־:;unr.r n1;1:1 Mo-riichk;; Cfiiii;;.ן,,״ ,! f'. ir'ke;״ z״r La,.• g^haui 11• Zil .nv, i leicht «irr ■fii;! de״. I .ך!! y C Fr.v;c worden j!,; aifondi rgrimd 111 Nun ge Nunui Itke fäla rcits pnbL »1'r, welche werden. Sodann gelangt zur Abstimmung der Vorschlag der glau-Wc i ft F ra k t io n , welcher lautet: ״Der Delegicrtentag der Z.V.f.D. beauftragt den Landesverstand, das Projekt der handwerklichen ,Karlsruher Siedlung‘ 711 prüfen und bei Eignungsbefund dem Kongreß seine Aufnahme in das Budget des Keren Hajessod für das nächste Jahr zu empfehlen.“ > Dazu gibt es ein Amendement des Hapoel llazalr, dem!ich die Antragsteller angcsdilosscn haben: ״Das Projekt ist zunächst auch den palästinensischen hen Ar he, l-politisck ע Schwei is :!־torisch :inet lieg. Beweg!!״, tnze Kral n. 1 in e n. >001 H 07.51' vorsch angeregte ndig, die; Arbeitcrinstanzen zur Eigmmgspriifung vorzulcgen.“ . dcbattic; jn!jcr folgenden Abstimmung wird der Antrag mit dtm Amendement angenommen. Hierauf verliest Dr. Hantke eine von der ״Unabhängigen Fraktion“ eingebrachte Resolution, ■welche lautet: ״Der XIX. Delegiertentag der Z.V.f.D. glaubt in den Beschlüssen der Wiener Zentraliatssitzung der A g u d a s Jisrael 1921 und der Breslauer Tagung vom Dezember 1922 den Willen zur verantwortlichen Teilnahme am Aufbau Palästinas zu erkennen, wenn auch die vorliegenden Be- Schlüsse der Agudas Jisrael für die Zionistische Organisation noch keine Grundlage zur Verständigung bilden können. Der Delegicrtentag drückt seine feste Zuversicht aus, daß über alle trennenden Momente hinweg von allen jüdischen Organisationen Mittel und Wege zur Erfüllung der zahlrcidicn praktischen Aufgaben in Erez Jisrael gefunden werden.“ Hierzu erklärt Dr. Hantke: Der Hauptausschuß ist sich dessen bewußt, daß die Stellungnahme der Agudas Jisrael Em Aulbau Palästinas eine sehr wichtige Angc‘ jptaussdn tcltcrn w. r Beat rird ang; der Kon מ zulässig itorium i! ßcn, eine• id hat dr ikierationc. den letzte s bcantr.1; >f zu eir:׳.( eu betiurt Antrag ar: itzung vor WaJitkanif dit haben' chvas betrachtet, was einen neuen Wert in unser Leben liincinbringen kann. Eine Direktive, ein Manifest zur Tat! Das war uns niemals die hebräische Dichtung, und dies fct der größte Vorwurf, den ein gefeierter Dichter dem Publikuni verhalten kann. Bei Bialik ist dies zu einer bitteren Ankhge geworden, und er hat mit seinem Schaffen aufgehört, denn in ihm ist der Prophet stärker als der künstlerische Trieb, der Wille zur Tat ist höher als das Wort, das zur Tat ruft, Schnciur ist durch und durch Künstler, der unablässig 1is zu de! | «halft; der verkörperte Mensdientrieb, die Materie zu vergeistigen, die Erscheinungen des Lebens zu vermenschlichen. ist Schnciur immer der erste, der einen neuen Weg einschlägt, um eine neue Ausdrucksmöglichkeit für seine Kunst zu erreichen. So laugt er bei seinem Roman an. Schneiurs Charakter- Schilderungen (meistens aus dem früheren Rußfand) bieten neue Werte und zeigen, wie ein wahrer Dichter mit *V’,em Zauberspruch in eine wohl ain meisten gebrauchte ^«alttmgsform frischen Inhalt zu gießen vermag. Schneiurs *-*ülilungcn bieten dem wiihlerisdien Kunstgesdimack immer 1'cue Reize. Eine glänzende Phantasie! Manchmal scheint & UI1S als ob Dickens sein Meister gewesen wäre, doch hat ® nicht die gallige Federspitze, die bei dem großen eng- *Kclicti Erzähler scharfe Dissonanzen erzeugt. Manchmal etwas L^uzac, doch ohne dessen Ausemanderfüeßen in den weitem Gern der Gesellschaft, ..Oscar Wilde? Vielleicht, aber es sind zwei ganz ver- Giicdene Welten von Neigungen, vollkommen divergierende Ortplexc von Idiosynkrasien. Nur das Lächeln im Vorbei- E"'n, das entschuldigend und entblößend zugleich ist, das 1״ra wohl der Berührungspunkt sein. Di und hier ist die Hand eines phantasicvolkn Dichters zu merken, die 3^ז trotz dem auf den ersten Blick allzu weich erschei- »enden Problem angreifen, doch bis zu den letzten Konscgucnzen vordringt, um den Kernpunkt zu erfassen, um die TOnde eines Seetem'orschers bis auf den letzten Grund des *menschlichen hcreinzulassen. •h da feif n riclitij* t sich ebe Lob ode Lebens a:: :rfeier da! k auf «1 Pcrcz Snit!11 ci Kali״' ertliche * n Sehne.: jiger "'ג eu in ucni lr״!״ den beide der FW* Lieder. Oberliert 111 ihun; 1 Tschcrt:;icße» '0־: nk'Ciis n׳* itimmiiiifA •j sic!cii F* Ulp;-.־n10ir1c•־ u-br-iisoiv rdcti. H'; eilt min“* sind.;ine Sii״ y CS Cb niclit * Die rjOEea 2:o::ielonclei!orsätze fär das 3. Qsjrjrid 1923 I. Stufe: (Jugendliche nnä Personen mitvtotuijibrilok ganz kleinem Einkommen) .... 1OC00— 20000 M. II. Stufe: (Personen mit gering. Einkommen) 35000— 75000 M. III. Stufe: (Personen m. mittleren Einkommen) 80000—150000 M. olaCottaa• •ber den fiefoawoit na S &oldaoxk IV. Stufe: (Personen mit höherem Einkommen) 160 000—300000 M. N «IndotUo• »bot dom tttnwnl vom 4 6014 ■ootk V. Stufe:..... von 500 000 M. an ■lijettni •kor 40a Cogoawort roa II #0Ma«k 1 Qoldmark *1 •י ah. Zionisten zahlt Zionisten atencrl Unterstützt die Arbeit Eurer Organtutloat Postscheckkonto: Zion. Vereinigung f.DealscbUnd,Berlin809t ן Bankkonto: Dbconto- und Nationalbank, Dep.-Kasse, Knrfirstendamm 52, legenheit ist, die eine sehr ernste Behandlung erfordert. Der Hauptaussdiuß glaubt daher, daß cs die zweckmäßigste Art, «ine solche Angelegenheit zu behandeln, ist, wenn man sic zuerst dem Landesvorstand zur Beratung übergibt. Dieser Antrag wird angenommen. Ein Antrag des Herrn Leopold Löwenthal auf Erhöhung des J. C, T. auf 5 Millionen Pfund wird dem finanzpolitischen Ausschuß übergeben. Dr. Hantke schlägt weiter vor, in den Landes Vorstand der Z.V.f.D. Herrn Dr. Alfred Landsberg aus Wiesbaden neu zu wählen. Die Wahl erfolgt.einstimmig per Akklamation. Dr. Hantke schlägt sodann namens des Hauptausschusses 1'ür den ko lo ni sa t i on s poli t i s ehe n Ausschuß, der nach dem Delegicrtentag zusammentreten soll, folgende Liste vor: Ch. Ariosoroff, Gerda Ariosoroff, Aron Barth, Dyk, Hecker, Margulies, Majcrczik, Siegfried Moses, Rothenborg, Trietsch, Weltsch. Die vorgcsdilagene Liste wird gewählt. Ferner macht Dr. Hantke folgende Mitteilung: IndcrgcmeinsamenKonfcrcnzderVcrtreter des Keren Haj essod und des Keren Kajcmcth ist folgendes beschlossen worden: In jeder Ortsgruppe wird entweder der Vorstand oder eine besondere Kommission, bestehend aus Vertretern der Oeldaufbringungsinstitute, damit beauftragt, für ein planmäßiges und reibungsloses Zusammenarbeiten bei der Gcldaufbringiuig Sorge zu tragen. In Berlin wird eine Kommission aus Vertretern der Geldaufbringungsinstitutc gebildet, deren Aufgabe Ist: 1. Ausarbeitung eines Planes für die gesamte Finanz- Propaganda; 2. Vermittlung der Erfahrungen der einzelnen Ortsgruppen in bezug auf Zusammenarbeit; 3. Schlichtung von Meinungsverschiedenheiten, die in der Gcldaufbringungsarbcit entstehen. Damit ist der Bericht des Ha u p t au sichu ssc s beendet. Der Vorsitzende, Herr Rosenblüth, bringt noch den vor* Legenden Antrag auf Statutenänderung zur Abstimmutig, der besagt, daß der Delegicrtentag der Z.V.f.D. mindestens einmal in zwei Jahren stattfinden muß (statt wie bisher jährlich). Obwohl cs wünschenswert ist, daß der Delegicrtentag jedes Jahr stattfindet, soll durch diese Aendcrung dem Landesvorstand eine grödere Freiheit gegeben werden. Fiir den Antrag ist Dreiviertelmehrheit erforderlich. Der Antrag wird angenommen, damit ist die vorgeschlagenc Statutenänderung durcltgcführt. Die Kommission fiir Finanzpolitik und Kolonisation des Delcgicrtentages bestand aus den Herren: Adolf Böhm (Wien), Margiilics (Berlin), Siegfried Moses (Berlin), Gcrson (Berlin), Alfred Schwarz (Berlin), Lehrfrcund (Leipzig), Benzion Fett (Berlin), Majcrczik (Berlin), Dr. Schachtel (Breslau), Dr. L e w y (Dresden), Hcppncr (Leipzig), Fischbein (Hamburg), Berger (Berlin), Max Levy (Hamburg). Palästina * Fragen im tlnlerlinns London. (J.C, B.) In der Sitzung des Unterhauses vom Montag nachmittag richtete Mr. Becker an den Unter- Staatssekretär für die Kolonien die Anfrage, ob er von den geringen Fortschritten des Ru t h e n h e r g-U nternehmens in Palästina Kenntnis habe und ob die Regierung für den Fall einer wetteren Verzögerung die Aufhebung der Kon- Zession empfehlen weide. Der Untcr-staatssekretar der Kolonien Ormsby Gore verneinte den ersten Teil der Frage, bezfiglich des zweiten Teiles verwies er auf die am 18. Juni auf eine ähnhehe Anfrage erteilte Antwort Sir Rotiert Hamilton fragt an, aus welchen Elementen der arabische Kongreß in Jaffa bestand, von wem er einberufen wurde und wer den Vorsitz führte. Ormsby Gore erwiderte, er habe darüber keine offiziellen Informationen erhalten, es wird aber bekannt sein, daß der arabische Kongreß keine offizielle Körperschaft sei. Den Vorsitz im Kongreß führte Muss Kazim Pascha. Colonel Wödgwod fragte den Premierminister an, ob und wie weit der mit dem König von Hcdschas Colonel Wedgwood fragte den Premierminister an, ob dieser Vertrag irgendwelche Abänderungen der durdi das Palästina-Mandat seitens Großbritanniens übernommenen Verflichtungcn Vorsicht und ob die Anerkennung der besonderen tellung Großbritanniens in Mesopotamien, Transjordanien und Palästina seitens de» Königs Hussein die Anerkennung der von der Regierung mit Bezug auf das jüdisch« Nationalheim übernommenen Verpflichtungen einschließt. Auf diese Anfrage erteilte der Untcrstaatssckretar Me. NeiH eine schriftliche Antwort, des Inhalts, daß die Verhandlungen noch nidit abgeschlossen seien umd daß er nicht in der Lage sei, zu erklären, weldics die endgültige Form des Vertrages, falls er abgeschlossen wird, sein werde. AI len falls wird der Vertrag keine Abänderung der durch ■das Palästina-Mandat übernom• menen Verpflichtungen herbeifüh ren. Jabotinsky übernimmt den ״Raswjet“ Wie in Nr. % des ״Raswjet“ an der Spitze des Blatte* miticiltj, sind im Redaktionskollegium dieser in Berlin erscheinenden russischen zionistischen Zeitung grundlegende Acndcrungen eingetreten. ln das Redaktionskollegium ist Wladimir Jabotinsky cingetrcten, ferner die Herren Dr. J. Brutzkus, I. Klinow, Dr. I. Triwus und Dr. M. Schwarzmann. Aus dem Redaktionskollegium der Zeitschrift ausgetreten ist Dr. M. H i n d c s. Das Programm der neuen Redaktion setzt sich — nach J. CB. — aus den folgenden Hauptpunkten zusammen: Auf dem Gebiete der äußeren Politik: Gegnerschaft gegenüber dem heutigen Kurs der englischen Palästinapolitik und die Anerkennung der Notwendigkeit der Bildung jüdischer Legionen (!!) in Palästina. Auf dem Gebiete der inneren Politik: Kampf gegen die Gewährung eines Einflusses auf das Werk des Paiästina-Aufbaus an die sogenannten ״Notabeln“. Das neue Programm bedeutet einen Ucbergang der Zeitschrift zur scharfen Opposition gegen die heutige zi> nistischc Exekutive und insbesondere gegen das sogenannte Rcorganisationsprogramm Dr. Wcizmanns. Die Beschlüsse der Danziger Ort - Konlerenz Danzig. (J.C. B.j Der letzte Konferenztag der Ge- Seilschaft ״Ort“, der 29. Juni, war ausschließlich der Diskussion über die Gründung eines ״E i n *Mi llio ne n - T> o 11 a r F 0 n ds“ als Grundlage der Vcrsclbst.rtänJigung ur.d der Produktivicrung des jüdischen 1 landwerks und der judtsehen landwirtschaftlichen Betätigung gewidmet. Das Hauptreferat hielt der Delegierte Lwowitsehö. Die Debatte nahm sechs solle Stunden in Anspruch, die Diskussion gestaltete sich stellenweise sehr lebhaft und erregt. Es beteiligten sich an derselben Wladimir Temkin, Dr. Chaim Schvtlowski, fast sämtliche Vertreter der Landcsgmppen, ferner die Herren ßramson tmd Singalowski. Es wurde einstimmig beschlossen , unverzüglich an die Gründung eines Fonds von mindestens 1 Million Dollar zu schreiten, um die vornehmsten Ziele der Gesellschaft Ort ohne Behinderung erreichen zu können. Es wurde ein besonderes 15güedrigcs Komitee eingesetzt, welches die alleinige Aufgabe haben soll, die Propaganda für den Fonds zu führen. Es ist noch eine dritte Richtung in Schneiurs Schaffen zu bemerken: das ist die philosophische Dichtung; und auch hier ist Schnciur von allen unseren Dichtern dein Problem unserer Kultur, am nächsten. Aber bevor wir dazu übergehen, werfen wir einen kurzen Blick auf die heutige Lage■ in unserer Literatur, Die Leere, die hier im letzten Jahrzehnt entstanden ist, wächst unaufhörlich von Tag zu Tag und artet immer mehr in einen schwindelerregenden, unüberbrückbaren •Abgrund aus. Kein Nachwuchs ist vorhanden, der die Lücke ausfüllcn könnte, und das ganze jüdische Publikum blickt fragend zu den großen Sternen von gestern empor, ohne eine Antwort zu vernehmen. Stille ׳ציח־7?תון Schon wirft Bialik selbst einen Stein gegen sein eigenes Werk, Tschernichowski schafft wenig oder gibt jugendliehe ״Erzählungen“ heraus, die nicht an das Knie seiner wahren Größe reichen, und Jakob Kahan versucht sein Glück unter einem anderen Namen, seine Lanze zersplittert jedoch beim ersten Anprall. בי rt>$ הן $לד\ם ל{;י הא־ם} V־n!)V Das ist das heutige Problem! Und die Antwort ist auf den ersten wie auf den letzten Bück verzweifelnd. Das Ergebnis ist eine klägliche Don-Quidioterie, und Israel ist verwaist. Aber auch dieses Unglück ist eine Erbschaft unserer Go’.us- Vergangenheit. Die Hypertrophie des an sich unproduktiven Gedankens auf Kostender Tatkraft. Uns begeistert ein schöner Gedanke, aber nicht zur Tat, sondern zur weiteren Grübelei, Etas ist das Geheimnis, warum Adrad Haams Essays so berühmt wurden, aber nicht die Entstehung einer gesunden hebräischen Gcdankcnkiiltur veranlaßt haben. Die Tatsache, daß Schnciur in der letzten Zeit fast ausschließlich sich der philo* sophischcn Dichtung widmet, •ist eine instinktive Vorausfüh• Jung dessen was uns am dringendsten nottut: einen G«• danken, ein Tat*Wort zu vetkünden, auf dem das künftig( jüdische Kollektiv aufgebaut werden könnte. Dieses dunkle Gefühl ist der erste Schritt, um die jüdisdie Seele aus der Gcdankenfauibcit herauszureißen. Noch schlägt nicht die Trommel einer neuen Epoche, der Posaunenstoß des neuen Morgens schallt noch ganz fern, aber cs dämmert schon; und hier ist ein Dichter, der die kristallklare Schönheit seiner Gedanken in feuersprühende Diamanten gießt, die das kommende Sonnenlicht in alle Regenbogenfarben brechen werden. « Schnciur wird honte gefeiert; aber der Jubel gilt seinem Gestern. Sein Heute ist ein Fragezeichen, das wie ein ge* spanntcr Bogen nach der Zukunft hingewendet ist.. Wann kommt der Tag seiner heutigen Diditung? Und dies ist auch die Frage unserer ganzen Imlturcllen Existenz, die auf ihren eigenen Kopf gestiegen ist. Es gebt nicht weiter! To be or not to be . , . * Zwei Männer gibt es, die an dem Unglück der jüdischen Kultur besonders schwer leiden: Bialik hat seine Leier auf den Weidenzweig aufgehangen, Schnciur geht mit offenen Armen der Zukunft entgegen, immer schaffend. So wollen wir dem frohen Wanderer ein fröhliches, stär• Jeendes Glückauf! zurufen. Zwi Schweid. Dr. M. Rosenmann, fsak No! Mannheimer, sein Leben und Wirken. R. Löwit Verlag 1922. Dieses Buch ist ein interessanter Beitrag zur Geschichte von Isnk Noa Mannheimer und darüber hinaus zur Geschichte der Wiener Jüdischen Gemeinde und de* Emanzi* pationskampfcs der österreichischen Juden. Der Mut und dos Selbstbcwu&tsem, mit dem Mannheimer auf getreten ist, ist auffällig genug, besonders wenn man ihn mit der Scheu und Acngstlichkeit vergleicht, mit der jetzt manche Rabbiner auflrcten, wenn es die Rechtsstellung und das Leben de? jüdischen Gemeinschaft gilt. Das Buch ist auch für die Oeschichte der Revolution von 1848 in Wien nidit uninteressant