Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1923-06-29 · Heft 51-52 (29.6.1923) · page 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVIII (1923)
Issue
Heft 51-52 (29.6.1923)
Date
1923-06-29
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2651273-2652595-2652502-2652549--16668-2674335
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 329 Nr. 51/52 * \ wendet, das schon dem Zionismus' erreichbar ist. Der Ver- Buch, die schon vorhandenen Palästinakrafte zu mobilisieren, ist nach den Erfahrung:«! der letzten Jahre keineswegs, wie Herr Feuerring meint, als gesi/heiicrt anzusehen. Selbst in Polen stammen 54 <y״ der Keren Hajessod-Eingängc von Nicht- Zionisten, in Amerika ist der Prozentsatz noch■ größer. l«c Heranziehung solcher Kräfte ist in noch höherem Alane möglich. Dr. Leiewer stimme ich darin bei, daß ich die Aufgaly der Jewish Agency weniger in der Verstärkung des K1 ren Hajessod׳, als vielmehr in der Hilfe bei der Reorganisation unserer 1-inaiizinstiiiite erblicke. Es gibt ernste Argumente gegen eine Erweiterung der Agency, mit denen ich mich atrscinandcrselzen will. AAan *agt, die Zionistische Organisation verliere ihr Budgetrccht und werde damit zu einer an der realen Arbeit nicht .mehr beteiligten, rein geistigen Macht Ich würde das für den Tod der Zionistischen Organisation halten. _ Sie muß das Initiativzcntnrm der Kolonisation Weihen, wie es auch die Nichtzionistcn gar nicht anders erwarten. Man hat weiter gesagt, daß die Budgetdebatte des Kongresses in Zukunft nur noch den Zweck haben wird1, den zionistischen Mitgliedern der Agency Instruktionen zu erteilen, tind׳ daß, wenn nachher eine Abänderung dieser lnsturktionen nötig ist, dnes eine capitis deminutio der Zionistischen Organisation sein würde. Dagegen gibt es Sicherungen organisatorischer Art, vor allem aber hilft hier der Glaube an die bewegende Kraft der Zionistischen Organisation. Andere befürchten, daß Minderheitsgruppen, die sich auf dem Kongreß nicht durchsetzen können, versuchen werden, »ich mit Nichtzionistcn in der Jewish Agency zu verbunden, und damit die Zionistische Organisation spalten würden, Dieses Argument beweist von neuem die Notwendigkeit, an der Stärkung der Zionistischen Organisation zu arbeiten. Die Politik zur Erweiterung der Jewish Agency ist eine Politik der Gegenwart, 1111:1 für die Gegenwart stellt die Notwendigkeit der Zionistischen Organisation außer Frage. Was Sicherung anbei,mgt, so ivar ich schon beim Keren Hajessod gegen eine prozentuale Festlegung des zionistischen Einflusses von vornherein und bin es auch in diesem Falle. Es ist ein Weg, voll von Gefahren, aber auch von Möglich• keifen, den wir gehen können, wenn wir ihn nicht als einzelne gehen, sondern als Zionistische Organisation. Dr. Felix Danzicer (Hamburg, Unabhängige Gruppe): Es ist unpsychologiscn und falsch, in einem Augenblick, in welchem wir an die Erweiterung der Agency gehen, cleichrcitig demonstrativ dem an und für sich selbstverständlichen Oed,inken der Zionistischen Organisation Ausdruck zu geben. Der Gedanke der Erweiterung der Jewish Agencv scheint bereits von allen Seiten anerkannt zu werden. lai stimme Rosenblüth darin zu, daß dieser Gedanke kein Univcrsaimittcl darstellt, Es handelt sich überhaupt nicht darum, durch einen einmaligen Akt die definitive Form der Jewish Agency zu schaffen, sondern durch Heranziehung von Nichtzionistcn eine langsame Entwicklung zu diesem Ziel einzulciten. Deshalb sind wir für die Resolution der Amerikaner, die der Exekutive Vollmachten gibt und dem nächsten Kongreß die endgültige Entscheidung überläßt. Der Redner bringt die in der ״Jüdischen Rundschau“ bereits abgedruckte Re solution der Hamburger Ortsgruppe ein. Die bloße Notabeinpolitik genügt jedoch nicht, wir müssen an die Volks nassen heränkommen. Aus dem Kreise des liberalen Judentums gewinnen wir einzelne Menschen. _ Vor den orthodoxen Massen aber haben wir eine merkwürdige Scheu und geben uns mit Aeußerungen ihrer angeblichen Führer zufrieden. Der Agudist von heute kann der Misrachist von morgen sein. Der Beschluß de's Wiener Zentralrats der Agudas Israel bedeutet einen ersten Schritt, auf den wir reagieren müssen. * Die Foriieicung der Debifie 10wle de KoloniiaHoniand Ffnnnzdibeiie wird In der nächsten Nummer verSffenilldif, Die Schlußsitzung Nach Abschluß der Palästinadebatte, am Mittwoch, 2 Uhr Nachmittag, erteilt der Vorsitzende, Herr Rosen* b lii th, das Wort dem BerlchterstatterdcsHauptausschusses . i Dr. Hantke. Dieser bringt zunächst den Antrag ein, daß die beiden zum Delegiertentag eingesetzten Ausschüsse, und zwar der finanzpolitische und kolonisationspoliiische Ausschuß, ihre Arbeiten über den Delegiertentag hinaus fortführen »ollen und beauftragt werden, Vorschläge für den Kongreß auszuarbeiten. Hierauf wird die Abstimmung über die Anträge zum Thema ״JüdiscJierWcltkongreß, Jewish Agency und Zionistische Organisation“ eingeleitet. Der Referent bringt folgenden Antrag namen6 des Hauptausschusses ein: Die Zionistische Organisation Walt an dem Oedanken des Palästina-Weltkongresses fest und beauftragt die Exekutive, die vorbereitenden Arbeiten zu fordern. Dieser Antrag wird mit großer Mehrheit angenommen. Hierauf gelangt zur Verhandlung die Resolution über die Zusammenstellung der J e w i s h Ag en cy. Zu diesem Gegenstand lagen dem Hauptausschuß drei Resolutionen vor. Ein Antrag Rosenblüth, den sich die große Majorität des ״zentralen Blocks“ zu eigen gemacht hat, ferner ein Antrag des Hapocl-Hazair und ein Minoritäisantrag des zentralcn Blocks, der von Herrn Feuerring eingebracht ■war. Der Hauptausschuß hat sich mit Mehrheitsbeschluß dem Antrag Rosenblüth angesclilossen, legt jedoch auch die anderen Anträge vor. Der Antrag Rosenblüth, der später zum Beschluß erhoben wurde, ist an anderer Stelle des Blattes bereits veröffentlicht. Der Antrag des Hapocl-Hazair lautete: Der Delcgiertenta״ betrachtet die Jewish Agency als das zentrale leitende Organ des Palästinaaufbauwerkes, das alle Kompeienren und praktischen Funktionen zur Erfüllung dieser Aufgabe in sic» konzentriert. Die Jewish Agency kann als eine solche Vertretung nur anerkannt weiden, wenn die Verantwortung für ihre Tätigkeit vor einer nationalen Verlrcüiiigsköipersdiaft festgestellt ist Der Antrag Feuer ri ng lautet: Zwecks Erlangung der Mitarbeit weiter jüdischer Krabe zur Errichtung der nationalen Heimstätte in Palästina «dl der Kongreß die Exekutive ermächtigen, die Jewish Agency durch Hinzuziehung von Vertretern solcher Organisationen zu erweitern, die am Aufbau Palästinas interessiert sind, Form und Ausmaß der Erweiterung bestimmt der Kongreß. Der Hauptausschuß ist der Ansicht, daß die drei Res»• Iutioncn sich ihrem Sinne nach gegenseitig ausschließen. Er beantragt daher, zunächst Abstimmimg über den Antrag Rosenblüth und ist der Ansicht, daß durch dessen Annahme die beiden anderen Anträge erledigt sind, JU EPISCH E RUNDSCHAU _ Dr. Landauer (Hapocl-Hazair) wendet sich gegen die vorgesclilagciic Art der Behandlung, Er beantragt zur Oeschättsordiumg zunächst Abstimmung über den Antrag des 1 lapoiil-Hazair, da dessen Annahme für die Mitglieder seiner Fraktion die Voraussetzung für die• Zustimmung zum Antrag Rosenblüth bildet. Ucbcr diese Frage entspmnt sich eine längere Gcscliäflsordmmgsdcbnttc, in deren Verlauf Dr. Hantke nochmals den Vorschlag des H.iuptausschusscs begründet. Die Abstimmung über den Gcschäftsordntiiigsantrag Landauer wird sodann in der Weise vorgcnomnicn, daß der Antrag des Hauptausscliusscs, wonach der Antrag Ro:,enbliith die Priorität hat, und durch dessen Annahme die weiteren Anträge erledigt sind, zur Abstimmung gestellt wird, Der Antrag des HauptausscIltisses wird mit 57 gegen 51 Stirnmen angenommen. Erklärungen Vor der Abstimmung über den Antrag Rosenblüth folgen eine Anzahl Erkläru1׳ ״. Lazarus Barth; 'amens des Misrachi habe ich folgende Erklärung abzugeben: Die Fragen des Weltkongresses urd der Jewish Agency als beherrschende Probleme des kommenden Zionistcnkoiigrcsses sind von allen unseren Landsmannschäften eifrig studiert worden. Hierbei wurde erneut festgesteht, daß das beste Mittel, alle palästino-zentrischcn Elcmente zur Mitarbeit hcranztiziclicn, der Weltkongreß ist, dem die Konstituierung der Agency Vorbehalten bleiben soll. Wenn ans bestimmten Oründen schon vorher einzelne Per- *׳•uicn oder Vertreter von Organisationen zur׳ Agency zugezogen werden, so kann dies im höchsten Fall als vorläufige Regelung betrachtet werden, die dem Hoheitsrecht des Weltkongresses nicht vorgreift. Bei der Struktur der vorliegenden Anträge und in unserer Eigenschaft als Mitglieder einer interterritorialen Föderation enthalten wir uns bei den Anträgen über die Agency der Stimme. Dr. Hantke verliest ferner folgende Erklärungen. 1. Erklärung der Unabhängigen Gruppe: ״Die Unabhängige Gruppe tritt rückhaltlos für eine Erweiterung der Jewish Agency ein. Sie ist nicht in der Lage, dem Antrag des zentralen Blocks zuzustimmen, weil dieser nicht zusammengchörige Dinge zu vereinigen sucht, die Frage der Jewish Agenq־ mit dem Ausbau der Zionistischen Örganisation vermengt und 80 die Bedeutung der Jewish Agency- Frage herabsetzt,“ 2. Erklärung des Herrn Fett namens der Ostjüdischen Gruppe: ״Wir erklären, daß unsere Zustimmung zu Abs. 2 in Frage käme, wenn Form und Inhalt der Erweiterung der Jewish Agency, sowie deren im Sinne demokratischer Prinzipien fcstzustelienden Verantwortlichkeit unter Wahrung des entsprechenden zionistischen Einflusses geregelt werden. Da die Resolution eines derartigen Hinweises ermangelt, werden wir uns der Abstimmung enthalten.“ Herr Rosenblüth gibt Herauf folgende Erklärung ab: Es ist bisher immer Brauch in unserer Bewegung mvesen, daß wichtige und entscheidende Fragen vor ihrer .mtschcidüng von den verantwortlichen Instanzen geprüft worden sind. Diejenige Gruppe, die auf dem Boden des von mir cingebrachteii Antrages stellt, hat das Vertrauen zur Exekutive, daß sie die Entscheidungen auch Sn dieser Frage im Einvernehmen mit den zionistischen Instanzen fällen wird. Wir halten daher für überflüssig, daß diese Selbstverständlichkeit in die Resolution aufgenommen wird, Die Abstimmung Die Abstimmung über den Antrag Rosenblüth wfrd in der Weise vorgenommen, daß zuerst der erste Absatz separat, dann der zweite Absatz und schließlich der Oesamtantrag abgestimmt wird. Der erste Absatz wird einstimmig ange* n o m m e n. Der zweite Absatz wird mit 61 gegen 35 Stimmen bei 24 Stimmenthaltungen ange* nommen. Der Gasamtantrag wird sodann mit 6t gegen 28 Stimmen bei 27 Enthaltungen angenommen. Die weiteren Beschlüsse werden in der nächsten Nummer veröffentlicht werden. * Nach Beendigung der Abstimmungen erhält das Wort Herr Rechtsanwalt Gronemann. Gronemann: Ich habe hier über eine Angelegenheit zu sprechen, für die vielleicht ein Redner geeigneter wäre, der mehr Talent zur Feierlichkeit hat. Es handelt sich aber um eine Persönlichkeit, welche ebensowenig Talent zur Feierlichkcit und außerdem auch keine Neigung dazu hat, unseren Vorsitzenden Felix Rosenblüth, Voraussichtlich ist dies der letzte Dckgiertentag der Z. V. f. D״ den er leitet. Es ist Ihnen vielleicht in unseren Verhandlungen über die schwierigen Probleme des Jewish Agency, Weltkongreß usw., noch nicht aufgefallcn, weiches die schwerste Gefahr, die größte Schwierig-■ keit für den Zionismus ist. Da« ist die Existenz des Landes Palästina. (Lebhafte Heiterkeit.) Wenn cs dieses Land mit seinen Wirklichkeiten nicht gäbe, wie wunderbar folgerichtig könnten wir unsere Doktrinen zu Ende führen. (Erneute Heiterkeit.) Es verhält sich damit ähnlich■ wie mit dem Kriege, der nach der Anschauung hervorragender Militärs eine Gefahr für die militärische Disziplin darstellt. Diese Gefahr des Landes Palästina haben wir jetzt zu fühlen: Palästina raubt unserer Golusarbeit für den Zionismus die besten Männer. Rosenblüth wird im Laufe der nächsten Periode voraussichtlich auf längere Zeit uns verlassen, um nach Palästina zu gehen und hat uns um einen Urlaub ersucht. Es spricht für ihn, daß — so ungern wir ihn gehen sehen — so gern wir ihn in Palästina begrüßen, Er gehört zu denen, die, obwohl sie seit Jahren in der zionistischen Tagesarbeit stehen, 111 jeder Beziehung als erwünschtes Einwanderung«- element angesehen werden können. (Stürmische Heiterkeit) Es ist eine Tatsache, der wir uns nidit verschließen können, daß wir alle Gefahr laufen, unseren zionistischen Charakter durch unsere zionistische Politik verderben zu lassen. Der einfache, klare, begeisterte Zionismus, da« unbedingte Ocfühf, in dem wir für die Idee cingdretcn sind, muß in der Tagesarbeit, in jener Welt, in der ea immer heißt: ״Man muß damit rechnen, daß . , . notwendig leiden, ich glaube aber, cs gibt wenige, die sich ihre innere Sicherheit, vollkommene Unabhängigkeit und Ursprünglichkeit so bewahrt haben, wie Fcli:: Rosenblüth. Er hat ln sehr schwieriger Zeit die Geschulte der Leitung'unserer Bewegung in Deutschland übernommen. Ich brauche Sie an die Schwierigkeiten Situation nicht im einzelnen zu erinnern, Wenn er heute Deutschland verlaßt, so bat er in ganz Deutsch- Land vielleicht Gegner, aller keinen einzigen Feind, und er ist niemandes Feind. Er hat keinen f eind — und das spricht ausnahmsweise nicht gegen ihn. Er hat In dein, was er für seine Ucbcrzeugiing hielt, keine prinzipielle Kon- Zession gemacht, {!■her cs gibt keinen, der verkennen kann, daß er immer nur im Dienste der Sache, immer «eine pcr. persönlichen Interessen rücksichtslos unterordnend, gehandelt hat. Ich will Rosenblüth hier nidit in die peinliche Situation versetzen, eine Lobrede anhören zu müssen, aber es muß ausgesprochen werden, daß cs zum größten Teil sein Verdienst ist, daß wir wieder zu einer Situation gelangt sind, wo ein Delegierten!,1g, wie der heutige, stattfinden konnte, der ganz mit der sachlichen und ernsthaften Erörterung unsere,- Probleme ausgcfütlt war. Er kann das Bewußtsein mitnehmen, daß er die deutsche Organisation in einem guten Zustande hinterläßt, wo alle sich zu sachlicher Arbeit geeinigt haben, wo wir uns gewöhnt haben, auch entgegengesetzte Meinungen ruhig anzuliörcii und zu würdigen. So wenig auch die Gegensätze in unseren Kreisen verschwunden sind, wir haben doch das Gefühl der Einheit wiedergewonnen. Wir wünschen und wir haben auch allen Grund zu der Hoffnung, 'iß das Erbe, das Rosenblüth hinterläßt, in seinem Sinne ,waltet werden wird. Wir verlieren ihn nicht, er gellt uns nach Palästina voran, wie er uns hier vorangegangen ist. So nifcn wir ihm ein Wiedersehen zu בשנה הבאה בירושלים (Sti'irmischer, lange anhaltender Beifall und Händeklatschen) Rr- *iblüth: Sic werden bemerkt haben, daß ich die Verbat gen sehr liberal geführt habe, und so habe Ich auch uem Vorredner das Wort nidit ahgesduiiltcn, obwohl seine Redezeit bereits nach den ersten Sätzen abgelaufcn war. (Heiterkeit.) Ich danke meinem Vorredner für seine freundliehen Worte. Er hat mir aber erschwert, das zum Ausdruck zu bringen, was ich hier zuin Schluß noch sagen wollte, Ich wollte auch über die Sachlichkeit unserer Verhandlungen sprechen und meine im Emst, daß auch bei solchen Gelegenheilen jt les Wort auf die Wagschalc gelegt werden sollte. Vielleicht läßt sich sachlich nicht alles verantworten, was mein Vorredner gesagt hat, aber ich glaube, daß dadurch nur unwesentlich der Charakter dieses Delcgiertentages verändert worden ist. Wir haben uns hier ernst und verantwortungsvoll um schwierige Probleme bemüht, die heute die ganze zio• nistische Welt beschäftigen. Aber wir ■ dürfen uns nicht darüber täuschen, daß wir noch nicht genügend ent-' wickelt sind, um in parlamentarischer Form zulänglich zu solchen Problemen, wie etwa die komplizierten Finanzicrungsfragcn Stellung nehmen zu können. Wir sind eine junge politische Bewegung, und erst allmäh• lieh wachsen die Talente empor, die wirklich dieser Aufgabe gewachsen sein werden. Es ist vielleicht eine nicht ungerechte Kritik, wenn gesagt wurde, daß unsere Debatten nicht immer auf der Höhe gestanden haben. Aber doch haben wir Referate gehört, die auch dem Kongreß Ehre machen würden. Dieser Delegicrtentag war ausschließlich unserer Kongreßpolitik gewidmet. Aber wir wissen, daß unser Ziel nur erreicht wird, wenn neue Energien von hier ausgehen. Das beste, was wir zu leisten haben, ist nicht unsere Kongreßpolitik, sondern unsere zionistische Arbeit in Deutschland, wo wir diese Kr-fte wecken und die Menschen erziehen. Wenn ich diese Arbeit jetzt verlasse, so wünsche ich, daß sie weitergeführt wird mit größerem Erfolge, mit größerer Kraft und Uebcrsicht als mir zur Verfügung stand. Ich glaube, daß die Voraus- Setzungen hierfür gegeben sind, jedesfalls dann, wenn Sie demjenigen, der an der Spitze steht, als treue Helfer zur Seite stehen wie mir, wofür ich Ihnen herzlich danke, auch dem Vertretern der Fraktionen und Föderationen. Ich habe die Empfindung, daß wir in der letzten Zeit In Deutschland, nach einer kritischen Uebergangsperiodc, gewisse neue Methoden der Arbeit ausgebildet haben und daß wir, wenn wir diesen Weg weitergehen, mit großen ernsten Erfolgen in Deutschland rechnen können. Ich glaube zum Beispiel, daß wir erst jetzt im Begriffe stehen, die große Aufgabe zu lösen, die schon lange vor uns stand, die zionistische Erfassung der großen ostjiidischen Kreise in Deutschland, Ich glaube auch, daß wir erst jetzt das richtige seelische Verhältnis hergcstellt haben zu den Männern der beamteten zionistischen Arbeit, das die unerläßliche Voraussctzimg für den Fortschritt unserer Bewegung ist. So glaube ich, daß auch dieser Delegicrtentag für den deutschen Zionismus nur ein Antrieb und eine Ermutigung sein kann und daß wir unbeirrt unseren Weg fortsetzen werden. Wir gehen dem Kongreß entgegen. Unsere Tagung hat schon zum Ausdruck gebracht, daß wir auf diesem Kongreß versuchen müssen, unsere Ansichten in Einklang zu bringen mit den Anschauungen weiterer zionistischer Kreise und es war ein Symbol für diese Tendenz, daß wir hier Vertreter von anderen Landesverbänden begrüßen konnten, die sich an unseren Beratungen beteiligt haben. Ich begrüße insbesondere, daß ein Mann von großer Erfahrung im Welt- Zionismus sich uns zur Verfügung gestellt hat, Herr Adolf Böhm. (Lebhafter Beifall.) Wir sind mit diesem Delegierten* tag aus dem engen Kreis der letzten Jahre hcrausgetreten und haben uns bemüht, an der Lösung des zionistischen Gesamt- Problems unseren Anteil zu nehmen. Unsere tiefste Ueberzeugung ist aber, daß es nicht darauf ankommt, Mittel und Wege zu finden, um die technischen und mechanischen Voraussetzungen unserer Arbeit zu erleichtern und es letzten Endes nur auf den Ocist ankommt, der unsere Arbeit erfüllt. Ich schließe mit dem Ruf: An die zionistische Arbeit! (Stürmischer Beifall.) Der Delegicrtentag wird Mittwoch, den 27. d. M , 4 Uhr nachmittag«, geschlossen* , Die Keren Hajessod-Eingliige im Mai 1523 ... ,.^'r veröffentlichten in voriger Nummer eine vorläufige Zusammenstellung der Rekordeinnahmen des Keren Hajessod im Monat Mai. Nach der nun vorliegenden endgültigen Zusammenstellung erhöht sich die Summe uin weitere « 483, 80 daß die Oesamteinnalrnc •׳ViUiW nilf ׳דל" ״ E'hä״“"Z w In nster Reihe Deutichiand beteiligt, das nach endgültiger Abrechnung £ 946 aufgebracht hat, v.:>,u1 .Cs in der provisorischen Aufstellung 11:1.■ mit 10 גג י J fי י <׳

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.