Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVIII (1923)
- Issue
- Heft 51-52 (29.6.1923)
- Date
- 1923-06-29
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Kr.5152׳ JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 321 'IH;■/*־ ״'.UH'tl ,'1י die ■'■.,/ik'y cl'iilät •■;:.־■'•iK-n ׳ bleibt ob ein- 1 drückt!berste» :1 Ke-, niiuhrcjj :m Erez lieb Das entsdicklende Oewidri ist auf die Realisierung, auf völke!'rechtlich bestätigten Auftrages sich doch klar, daß alle politischen ).ihre im Grunde nur die Folge im- Palästina sind K ii e k. lutioa Wort n« f G;be!;1an i m je 1,en ruj-.pc die nunc; über men Resotfäutnilc Tätigkeit handeln, ,jb'j. «in diesem Tage an Jj, Ausführung des jetzt ״ Icrcn. Man mache AbRerlolgc der letzten Jahre itn uniiilängüihen wirtschaftlichen Arbeit m ... 4.״ daß unsere Situation ganz anders wäre, wenn wir darauf *•:״weisen könnten, daß wir unsere Tätigkeit in Palästina s! dem Muße durchgeführt hätten, das wir früher selbst '‘•■officn, das die Welt erwartete und das auch in einem Verhältnis zu der Größe innerer Aufgabe, steht, Es ist •.1,|j anderes als eine Flucht vor der Wirklichkeit, wenn _ «׳Hi dies besonders jabotinsky getan hat unsere .״״;lilccliteite politischc Situation als die Uaiiptlirstcne der tm inziellcii Krise angegeben wird. Und cs ist ein Zir.ccl,!abotinsky behauptet, «laß die Rückwirkung dieser poütischcn Lage auf die Zionisten die geringen finanziellen F ״fbnisse verschuldet habe, denn diese geringen finanziellen r’r-cbnUsc haben liinwicderuni auch die Verschlechterungder ooütischeit Lage verursacht. Der Punkt, an dem dieser Ring 1u snrcncen ist, kann eben nur die Arlicit der Zionisten sein. Die politische Führung kann, wenn das früher vnilniulfiu' Vertrauen der Organisation auch weiterhin bestellt, lvinsnriirlicn, daß sie ohne I liiwlcrnissc und Schwierigki'i.ut ilire Arbeit fortsetzen kann. Gerade politische Arbeit ist 1 niiiö'dich zu leisten, wenn die Führung nicht volle Ile- ״f״nü״s(rcil1eit besitzt. In den Vordergrund aller erforder- 'irlu’11 ''Reformen der Organisation möchte ich vor allem die Notwendigkeit einer wirklichen Organisati on sic 1 tu n g nicken. Wir haben nun schon Jahre lang mch Gefühl einer starken Leitung der Organisation ore,uik-itaiischen Arbeit, einer Leitung, die ,1:« ״l״l.l,־ ״ mehr das und aller sich durch ihre erworben hätte,•!1111 Mn Tathkeit die gleiche autoritative Stellung envorben h; w'ic^dics bei der politischen Führung der Fall war. i5t ei״ Unding, daß m der Person von Dr. Wetzmann Es alle oig er ne St er m cl, andrä ine Au• 1. Abg. Comite ' Meinung;t eine cn, im Krise cnz solle 1cm Z!<> itimmen ir“ anhabe rnst der olntioncn ,rüsidium :um ZioiKn«mass« 1m rissen, nsict ist. jiidisdie wc-Zion■ Ges i n■ ice ebenlurdi die e,;c 'der .c solche lalt 1:1k! verlangt!olle Be-!1• immer u Nicht- 1:11 noch sen den bedeutet in ihrer in die t Nichticuerlich 'Mi wird Jidcc so i siisch;11 rechnen, > o s t u - ii r uns!n Or- 11 keiner •estloscn mi-'.ati.aii rlmiiung nudnern :Iifs an- ׳aUstina 1: üi.uiie tr Vern Ziele viiC'CS :r jetzt Es gib: ׳ neuen er Ver- 11 »•״.eh ist, die irr und ־«:ר. 10 ־ß aus •־« cli; r oder Vorhinm-tcib- Und e <> r* , die 1 s s c n 4־_ e i n ״’■׳) 11: Pi tejt וו lictiRcit 4ז1,׳• :e h *he S und ז״י. .״ Arbeit. ihrheit;1 |K> h viel Saiinn* :t der irtiHie nicht;tWä־« verschiedenen Kompetenzen der Exekutive vereinigt sind. Wenn S;e dies von einem einzigen Menschen in solatem umfange verlangen, dann beklagen Sie sich auch nicht ,über niandic nicht erfreuliche Folgeerscheinungen solcher beispiellosen ln• ansnruclinahmc nud Ucbcriastuug eines Einzelnen. Die liier geforderte O rg an i sat io n sie 1 tun g, der eine Erweiterung des Organisationsdcpartcmcnts und ein Ausbau des gesamten Orgaiiisationsapparatcs obliegen soll, lütte die gesamte Cieklaiitbringung, sowohl was Keren Hajcssod, solange dieser noch in zionistischer Verwaltung steht, Nationa'fonds, Aktienwerbung für die Finanzinstitutc usw. anlanrt, zu übernehmen. Sic lütte den Beamtenapparat in groilziigiger Weise auszubauen und auch liinsiaUlich der Arbeit 'der einzelnen Landesverbände ein etwas modifiziertes System der Delegationen zur Anwendung zu bringen. Das Große'Act io ns-Comite hat sich seiner Auf- S׳abc nickt gewachsen gezeigt und konnte sich ihr nicht ״ewachscn zeigen. Zunächst ist die schwere Verstimmung der amerikanischen Landsmannschaft darüber begreiflich, daß eine Körperschaft, deren Mitglieder nur zum geringeren Teil in der Aufbringung der Gelder teilnehmen, über deren Verwendung entscheidend bestimmen soll. Kommt doch eine Mitarbeit der amerikanischen A.C.-Mitgliedcr schon aus geographischen Gründen für die Dauer nicht in Frage, und was bei der Exekutive möglich ist, daß zwischen dem Hauptteil der zionistischen Steuerträger und der Leitung ein Vertrauensverhältnis besteht, 90 daß diese Steuerträger über die Art der Verwendung der Gelder beruhigt sind, ist bei einer solch reinen Parte bzw.i Rcgionalvertretung wie dein Großen Actions-Gomitd von vornherein ausgeschlossen. Auch die Palästina-Exekutive ist ein völlig;tmorphes Gebilde, das aus eben denselben Gründen wie das ׳Große Actions Gontitö einen Zusammenhang mit der Londoner Exekutive nicht hat und infolgedessen ihre Funktion, an einer einheitlichen zionistischen Willensbildun g teilzunchmen. nidit erfüllen konnte. So entstand jenes Bild innerer Zerfahrenheit, der Gegeneinander- oder Ncbencinaiidcrarbeit ohne wirkliche Verantwortung, der Zufafeciitsclilüsse und Zufallscnischeidungen, das wir in den letzten Jahren erleben mußten. Es ist unmöglich, mit einem dermaßen verwickelten Instaiizenzug, wie er heute in der Zionistischen Organisation gegeben ist, eine rationelle Ver- Wallung durclizutühnen. Man denke nur an die sicli scluicidemlcn oder berührenden Kompetenzen des Keren Hajcssod׳• Direktoriums, des Finanz- und Wirisdiaftsrr.tcs, der Lendotier und der Palästina-Exekutive, um zu ermessen, welche Unsumme von Energie fruchtlos aufgewendet werden 111ußv um in iedem pinzcli'aUe zu einer Entscheidung zu komme״,, die glücklich an allen diesen Klippen vorbeigesteuert ist. Ein wunder Punkt in der Arbeit der letzten zwei Jahre war die mangelnde Homoge 11 i t ä t de r E xe kuti ve. Wer das wenig crirciilidic Schauspiel der Zusammensetzung derExclaitive auf dem letzten Kongreß miterlcbt hat, wird begreifen, daß es notwendig ist, die Bildung der zionistischen Regierung anders vorzubcrcilen. als dies bisher der Fall war. Das Große Actions-Comitc,׳ das mit der Jahrcskonfercnz zusammen- (allen und infolgedessen wie der Kongreß nach der Stärke der Landesverbände und Fraktionen zusammengesetzt werden $01!, wird vor dem Kongreß in der Lage sein, die ungefähren Kräftcveüiältnissc in der Organisation zu übersehen und tinc Regierungsmehrheit zu bilden, auf die sich die Exekutive stützen sollte. Das große Actions-Comitö soll d.11111 auf Grund eines solchen klaren Stärkeverhältnisses den künftigen Prä9dcnlc11 dcsiignicrcn. — Alle diese Reformvorsclilüge vertaögcn die außerordentlich schwierige, komplizierte und ab-; normale Struktur der Zionistischen Organisation nicht umi zugestaltcn. Aber wir müssen mit dieser Struktur als mit j einer Gegebenheit rechnen, lind es bedeutet nichts anderes i als eine Trübung u:1d Verdunkelung des organisatorischen! Problems, wenn sowohl rein theoretische Eiinviimie, die j mit den gegebenen Anomalien der Organisation nicht ver- ' einbar sind, ’ einem entgegcngchalten werden, als auch das fein organisatorische Problem mit den ebenfalls gegebenen! Schwierigkeiten der Personen' und ihrer Eigenart vermischt! '■vird. Ich halte es für eines der schlimmsten Zeichen des ' Niederganges jenes großen und weiten nationalen und Volkscmpliuiicns und für ein Zeichen seiner Wandlung in cngcin Lirkigcist, wenn auch bei Behandlung dieser Frage stets eine Rcsignationsstimmung zum Durchbruch kommt, die sich in dem Gefühl der fast gottgewollten Unabänderlichkeit der 1 ^hwfion ausdrückt. Gefährlich und verhängnisvoll wird jedoch dieser Verzicht , suf die gestaltende, sich stets erneuernde, im Ztisamincnprall nit der Wirklichkeit immer höher wachsende schöpferische Kraft der zionistischen!dco, wenn nicht mehr innerparteiliche; Ocsiclvt&punkte, sondern die entscheidenden Fragen, von denen! Ge Erreichung des Endziels abhüngt, zur Behandlung sichen. ״enn man an die überströmende Fülle neuer Gedanken, : Einfälle und Pläne denkt, die Hcrzls unermüdlich mul un- I au״<׳esetzt schaffende Geist erfüllten und mit denen er '׳oa immer neuen Seiten her das Problem zu lösen versuchtc\ *18mi bleibt einem die Parole der Sc 1 b s t b c s c hrä 11 - Hing und des Zurückzidvens auf die Organisation gerade *יי diesem Moment völlig unverständlich. Auch keine praküsche Erfahrung berechtigt zu dieser Methode der Selbstnk apsclun g. Denn der Grundgedanke des Keren [iäjcssod, die Gewinnung nidilzionistisdicr Kreise für den päkstinaat1Jbau, kann im großen ganzen als geglückt an- Wschcti werden. Und wenn die bisherigen Ergebnisse des *־/ וו tL New York. (J. C.B.) Die 26. Jahrcskonfercnz der Zionistischen Organisation Amerikas wurde am Sonntag, den 17. Juni, nachmittags, iin Belvedere-Hotel zu Baltimore eröffnet. Mit?54 gegen 10 Stimmen beschloß die Konferenz auf Antrag des Vcr1vaUu11g3komitcc.s, dem Xrtl. ZionistcnkongreU die folgende Resolution zu empfehlen,: ״Die zionistische Exekutive soll tnrächllflt werden, gfclchzeltla mit den Vorbereitungen lür die Uulerutnng des jildischtu Welt- Kot messt* au die seiende EUdnnfl d« Jtvdsli Agcecy in schreheu. Als Mitolicdcr sollen Vertreter von Organisationen, die *nt AuJ'üuu Palästinas interessiert sind oder lnlereislcrt werden klinnen, tlnoeladca werden." Die Herren A. Qoldberg und Moritz Rothenberg verteidigten die Resolution, die vom Vorsitzenden Louis Lipsky unterbreitet worden war. Mr. Abraham E. Scho in c r unterbreitete einen Gegenvorschlag, daß der jüdische Weltkongreß baldigst einberufen werde und daß bis dahin die Zionistische Organisation als Jcwish Agency fungieren solle. Dieser von mehreren Mitgliedern des Exckutivkomitccs und Delegierten unterstützte Gegenvorschlag wurde a b g c l c h n t, Dr. \lc!2manns neuer Weg Nach der Abstimmung ergriff Dr, Wcizmann das ׳W01t. Er führte in einer längeren Rede aus, der Beschluß ent• spreche auch seiner Ansicht und er werde in Karlsbad für dessen Annahme durch den Kongreß cintrclcn. Dr. Wcizmann sagte, er habe sich nur schwer zu diesem Entschluß durchgerungen. Aber wir müssen einen neuen Weg gehen. Leider haben die Balfour-Dcklaration, der San Remo-Beschluß und das Palästinamandat nicht vermocht, das jüdische Volk mitzureißen. Noch ein Jahr wie das ver• gangene würde der Zionistischen Organisation das Rückgrat brechen. Unsere Fortschritte in Palästina sind ganz unge• ni'igend. Unbezahlte Lehrer und hungernde Chaluzim versetzen dem Mandat den Todesstoß. Gott weiß, was sich ereignet hätte, wenn unsere finanzielle Krisis während der letzten Passali-Tage noch angedauert hätte. Der jüdische Weltkongreß wird jetzt nicht alle jüdischen Elemente einschlicßcn können. Die Juden Rußlands können nicht hinkommen, die Emigranten i!1 Berlin sind nicht deren Repräsentanten, Eine halbe Million Juden, die in Amerika arbeiten, sind noch unvorbereitet. Unser jetziger Erfolg ist den 30 000 Chaluzim ia Palästina zuzu• schreiben. Ein Zuzug von 50000 Chaluzim jährlich würde jeden für Palästina bekehren. Der Ruf nach dem Weltkongreß muß einem Palästina kommen, dessen Kraft sich in Zahlen ansdrückt. Dr,. Wcizmann erklärte weiter, Baron Edmond de Rothschild sei der ״Zionist par excellencc", wenn er auch nicht an der zionistischen Phraseologie feil hat. ״Demokratie“, sagte er, ״ist oft die Zu• flucht der Machtlosen. Ich stehe niemandem in meinem Glauben an das demokratische Prinzip nach, aber unser Rücken muß gedeckt sein gegen diejenigen, die uns niederzustoßen versuchen. Was die Politik betrifft, so muß leider gesagt werden, daß unsere Freunde in Palästina oder in Europa uns immer wieder in den Kücken fallen, wenn wir ernste Unterredungen mit arabischen Führem pflegen, um das arabische Problem aus der Welt zu schaffen. Palästina ist eine Insel im arabischen Meer, cs muß Frieden haben mit seinen Nachbarn.“ Wir woilen unsere Einladung zur Mitarbeit an alle ehrbaren Männer richten. Die Autorität der Zionisten innerhalb der Jcwish Agency ist durch 50 °/0 der Stimmen gewahrt, aber die Zionistische Organisation muß einen Teil ihrer Hürde auf andere übertragen. Zu diesem Zweck wird sie sich an alle diejenigen wenden, mithclfcn können. die Er. Scltroarja Lcvvlns Slcllunpalime Nach Wcizmann sprach Dr. Schmnrja Lcwin über die Integrität der Zionistischen Organisation und führte aus, die Abänderung der Prinzipien werde keine neuen Elemente zufüllten. Prinzipien sind das einzige, was wir haben. Für einen Vertreter des jüdischen Volkes sind keine Kompromisse möglich,“ Eine Resolution Ißr Herbert Samnel Die Jahreskonferenz nahm eine Resolution an, in der den britischen Obcrkoinmlssar für Palästina Sir Herbert Samuel die Anerkennung für seine Politik aus• gesprochen wird, indem er alle Unternehmungen für den geistigen und wirtschaftlichen Aufbau des jüdischen National• heims gefördert habe. Professor Otto Warburg libcr die Jerusalemer Universität In der Sitzung vom Montag nachmittag berichtete Professor Otto War bürg, daß auf seine Anregung hin in den Vereinigten Staaten verschiedene Komitees entstanden sind, die bei der Errichtung der biochcmikalischen und mikrobiologischen Abteilung der hebräischen Universität in Jerusalem mitwirken werden. Professor Warburg klagte darüber, daß Amerika für den jüdischen Nationalfonds viel zu wenig leiste, er erklärte, der Keren Hajessod müsse bei der Errichtung der hebräischen Universität mithelfen* , * .Wir geben vorstehend den Bericht des J.C. B. über die amerikanische Convention wieder, und behalten uns etwaige Ergänzungen vor, bis die genauen Berichte vorliegen werden. Kcrta Hajessod abch ccm ungeheuren Erfordernis, dessen *t ■'*jvaj ,fu auvn «vii» — v• «Mang!tfi d^rzustcllcn versuchte, nicht entsprachen, so sind sie doch relativ gegenüber Sammlungen anderer Völker und auch gegenüber den Resultaten der zionistischen Sanimcl• arbeit vor dem Kriege zumindest außerordentlich ermutigend. Ein Ergebnis von ungefähr 20 Millionen Goldmark in etwa 21/2 Jahren ist auch an sich recht bcträclitlidi. Und man darf ferner nidit verkennen, daß in der Konslitittion des K. H. bereits die ersten Anfänge gegeben sind, Niditzioniscn an der tVcrantwortung und Entscheidung über die Verwendung der Gelder teilndiinen zu lassen. Trotzdem ist es etwas grundlegend Neues, wenn durch Einsclzuiig einer aus Zionisten und N i cli tz ion i st c 11 bestellenden Jeivish Agency nach Art. 4 des Mandates die Zionistische Organisation ihre völkerrechtliche Funktion einer anderen Körpcrsdiaft überträgt. Sobald eine Agency, die nicht mit der Zionistischen Organisation identisch ist, existiert, ist für die englische Regierung, für den Völkerbuml und für die englische Verwaltung in Palästina die Zionisfisclie Organisation eine rein private wie irgendein anderer Verein geworden. An dieser Tatsache darf nichts bemäntelt und die Tragweite der Entscheidung, vor der wir stehen, nicht im geringsten verschleiert werden. Es heißt jetzt die ,gesamte Fülle der Verantwortung, Macht und Berediiigung, wie sic beute von der Zionistischen Organisation getragen wird und wie sie von Jahr zu Jahr noch wachsen muß, an eine neue Instanz zu übertragen. Eine Konstruktion, wie sie für die Agency vorgeschlagcn wurde, wonach diese nur gewissermaßen ein politisches Komitee zur Beranmg und Unterstützung der Zionistischen Organisation bilden soll, ist unhaltbar, und es wäre eine schwere Täuschling, damit zu rechnen, daß sich die Mitglieder der Agency mit einer solchen [•'a ssade 11 - Rolle begnügen würden. Selbst wenn dies aber der Faß wäre, so würde die Praxis, wie sie von der englischen Regierung, dem Völkerbund und dem High Comniissioner geübt wird, dieser Agency ihre viel umfassendere, ihre überragende und wirklich ausschlaggebende Rolle sofort zum Bewußtsein bringen, Dieser gewichtigste Umstand, daß nicht mehr die Zionistische Organisation, sondern die Jcwish Agency die Ad!"esse des jüdisehen Volkes sein wird und nur ihre Organe zu seiner Vertretung berufen erscheinen werden, erfordert natirlic',1 daß ilire Besetzung unter stärkster Sicherstellung der Eig-!!;mg ihrer Mitglieder und unter sorgfältigster Ausschließung alter die Aufgabe der Agency gclähnieivk-n Faktoren erfolgt. Mau muß sich aber, wie ich bereits hervorgehoben habe, darüber klar sein, daß alle die möglichen Konsequenzen und Folgeerscheinungen, die dieser Schritt mit sich bringen kann, nicht im vorhinein zu berechnen sind. Ein gedankenloses Gcschehcnlassen ist jedoch ebenso fatsch wie die Erdrückung und Abschnürung der lebendigen Funktion und Aufgabe der Jcwish Agency durcli «Inen um ec gebauten undurchdringlichen und unübersteigbaren ״Zaun“ von Sicherungen. Ueberdics müssen wir uns auch darüber klar sein, daß doch nicht wir allein cs sind, die Bedingungen zu stellen haben, und daß wir die Gegebenheiten und die Eigenart der in Betracht kom• menden Personen und O.rgauisatkmcn berücksichtigen müssen. Es ist Zeitvergeudung,' Konstruktionen Im luftleeren Raum zu errichten. — Die Möglichkeit, durch Häufung aller erdenk׳ liehen Erschwerungen und Garantien den Plan des Eintritts von Nichtzionistcii absichtlich zu sabotieren, will ich vo.i vornherein aussdiließen. Was die Personen anlangt, die von nichtzionistischcr Seite in die Agency entsandt werden sollen, so muß der Leitgedanke für die Auswahl das klare Festhalten an dem Zweck sein, dem die Agency dienen sollt Was wir von dieser gemischten Agency erhofien, ist zunächst eine wesent■ liehe btärkung unserer politischen Position Wenn beispielsweise unsere noHtische Führung die Notwendigiccit der Erweiterung der Agency mit dem Hinweis darauf begründet, daß unsere politische Stellung durch die all mählich durchdringende Erkenntnis gelitten hat, daß wir nicht das gesamte ■jüdische Volk sind, und daß wir der englischen Regierung zeiget! müssen, der PflÜistinagedaiikc vereinige tatsächlich das gesamte Judentum der Welt, so scheint mir gegen diese Argumentation ein Gegenbeweis unmöglich. Denn niemand von uns hat eine höhere Kenntnis der poiitisdieiv Konstellationen als die Exekutive, daß er wagen könnte, eine solche Notwendigkeit zu leugnen. Und ich kann mw wiederholen: ich bewundere den Mut derer, die gegenüber den Erklärungen unserer politischen Führer und der Bestätigung dieser Erklärungen durch die praktische Erfahrung trotzdem glauben, mit üinerzionistisch vielleicht sehr wirkungsvollen, sonst aber kaum noch Eindruck machenden Kraftansdrückcn und Tcmpcranicntsausbrüehen unsere außenpolitische Stellung verbessern zu können. Es ist sehr leicht, an nichtverantwoitüdicr Stelle eine energischere Haltung gegenüber der englischen Regierung zu verlangen, ohne daß wir selbst in unserer Finanzicrungsarbcit die Entschiedenheit bewiesen hätten, die wir von unserem politischen Partner verlangen, und ohne daß wir selbst in bezug auf die praktische Arbeit in Palästina die Versprechungen, die wir gaben, wirklich eingelöst hätten. Und damit komme ich zu dem zweiten Grunde, der die Erweiterung der Jcwish Agency erforderlich macht, dem bereits dargclegtcn finanziellen. Es Ist kein triftiger Ein wand, wenn an diesem Punkte darauf verwiesen wird, daß die von uns bisher gewonnenen Notabein nicht nur hinsichtlich ihrer c i g e n e n f inanziellen Leistungen, sondern auch in der finanziellen Propaganda versagt haben. Zunächst Ist die Frage, ob die Ergebnisse unserer Arbeit, auch die auf dem Gebiete der Privatinitiative, die gleichen gewesen wären, wenn wir nicht einmal diese Notabcln gewonnen hätten, nachträglich nicht zu beantworten. Es ist aucli nicht ge- Jungen, eine größere Anzahl von Notabcln für die Geld- Aufbringung zu aktivieren, was wichtiger ist, als die eigenen Leistungen dieser Männer. Ein dritter mehr formelier Grumt, der die Konstituierung einer nicht rein zio• nistischen Agency notwendig macht, ist unsere Verpflichtung iin Art. 4 des Mandates, die lautet: ״Die Zionistische Orgntiisation soll im Einvernehmen mit Seiner Britischen Majestät Regierung Schlitte unternehmen, um die Mitarbeitailer Juden zu sichern, die gewillt sind, bei der Errichtung der jüdischen nationalen Heimstätte zu helfen.“ Es scheint mir, daß wir Ursache haben, eine völkerrechtlich kodifizierte Verpfiiciitung auch einzuhalten. Und hüten wir uns, diese Verpflichtung vielleicht irgendwie einschränkend zu interpretieren und nach unserem Belieben zu deuten. Eine solche Methode würde sich in erster Reihe gegen uns selbst kehren und wir 901Uen am allerwenigsten an klaren Worten deuteln und drehen. Man mag die weitreichende Geltung des sogenannten Notabclnprinzip» im jüdischen Volke bedauern oacr nicht, sic ist jedenfalls eine Tatsadie, mit der wir rechnen müssen und insbesondere in einem Augenblick wie dem gegenwärtigen. Ein Volk, das Jahrhunderte hindurch notgedrungen das Notabclnsysfem, die Politik der Stadlanim, herrschen lassen mußte, da ihm die Möglichkeit einer anderen, dcmokratischcrcu Repräsentation entzogen war, kann nicht durch 25 Jahre einer nationalen und demokratischen Bewegung völlig umgewandelt werden. Es ist bereits ein sehr großer Erfolg unserer zionistischen Erziehungsarbeit, wenn die führende Rolle der Zionistischen Organisation auch von den meisten Nichtzionistcii vorbehaltlos anerkannt wird. Und noch ein Wort zur Frage der Demokratie. Sind ihre •eifrigen Verfechtcr dessen so siciier, daß die von ihnen so bekämpften Notabein von den breiten Volksmasseti nicht gewählt würden, wenn sie sich einer solchen Waid unterziehen wollten? Sind nicht vielmehr die meisten der für die Agency in Aussicht genommenen Personen nicht auch tatsächlich Führer und Vertreter der Judcnhdten ihrer Länder, und würden sie nicht sicherlich audi von demokratischen Landeskonferenzen für die Agency präsentiert werden? Und wie kann man aus der im Praktischen demnach völlig bed :utungslosc:! Frage, ob nun eine solche Wallt durch das Volle stattfindet oder nicht, eine prinzipielle machen, von der man Eintritt oder Nicht•