Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVIII (1923)
- Issue
- Heft 51-52 (29.6.1923)
- Date
- 1923-06-29
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 320 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 51/52 Mit unsrer Verhältnis zur M nu< lata rmn cht. Auch in diesem ^usamuu'nlinnge muH mit größtem Nachdruck erklärt werden, ,]־di wir ein freundscliaiilichc.» Zusammenleben mit den Arabern, selbst •unter großen Opfern, anzuMre.hcn habt 11. Die politischen, nioraii scheu und zahlreichen amtercu Gründe, die Renen jede Bena, der Araber und gegen jede, audi me geringste Ueberhcbu.ig ihnen gegenüber sprechen, braudien nicht mehr aufgczählt •zu werden. Gerade aber deswegen, weil die driilsji.'ii Zionisten in ihrer Mehrzahl stets für eine entschieden araberfrcimdiiehc Politik seit langem cintraten, ist cs 01 for.lerüdi, einen wesentlichen Kern des arabisihcn Problem» nicht aus dein Auge zu verlieren und weh nicht der Illusion hinzugeben, als ob mit allen 11111׳ erdenklichen Anstrengungen von unserer Seite, das arabische •Volk in Palästina für uns zu gewinnen, diese Frage schon gelbst sei. Was wir hesicuFalls und auch nur mit den größten Opfern erzielen können, ist, daß unsere Auseinander- Setzung mit den Arabern als ein friedlicher, politischer und kultureller, vielleicht audi wirtschaftlicher Wettbewerb ausgetragen wird. Dieser friedliche Wettstreit ist u!1vermeidlich, und nur in der Form, nicht in der Sache ist er zu mildem. So ist die wichtigste Frage zu stellen: ob •wir zu unserem Kolonisiemngsunteniehmcn die Zeit und 'Kulio haben werden, wie dies nach den Ergebnissen unserer Arbeit in den letzten Jahren scheinbar anzunehmen ist, oder ob wir, deren ahasvcrisdic Gchctzihcit dem Zeitgefühl des tief beruhigten, wunderbar getrösteten Goethe-Wortes:!,Mein Erbteil, wie herrlich weit 1m1d breit: die Zeit ist mein Besitz, mein Acker ist die Zeit" so ganz entgegcngeselzt ist — die Zeit nicht besitzen, sondern unter ihrem barten Zwange stehen. Ich habe früher einmal, an■ knüpfend an das Wort Lloyd Georges nach San Remo, daß die Juden mm ihren Start hätten, ein Wort, da» eine viel well tragende re Bedeutung hat, als ca der englische Premier wohl selbst ahnte, ehe Rivalität in der Entwicklung des jüdischcu und arabischen, Volkes in Palästina mit einem Weltrennen verglichen. Und unter Berücksichtigung der überaus •schnellen nationalen Organisierung und des rapiden Fort- ■Schritts der natiemalcu Entwicklung, den in unserem Zeitalter die kleinen Völker überall aufzuwei&an haben, kam icli zu dem Schlüsse, daß die vollständige Durchdringung auch der palästinensischen Araber mit einem starken Natioiiaibcwuötsein und damit die Uiunögiichkeit einer andcrsnationalcn Ko- Ionisation, wie es die unsere ist, nur eine Frage der Zeit sein kann. Auf eine knappe Formel gebracht, heißt das: die Zeit ist nicht für uns, sondern gegen ung. Es wäre müßig, dio Zdt, die uns nach unserem ruhigen und klaren Ermessen zur Verfügung steht, und die Anstrengungen, die ln diesen oder jenen Jahren gemacht werden müssen, Ziffernmäßig zu fixieren. Sicher ist jedoch eines: daß an diesem Ziel unserer Anstrengungen, der Erlangung der Bevölkerung«■ inehrheit, und an der längsten denkbaren Zeitspanne ge• messen, die Ergebnisse der Arbeit in den letzten Jahren keinesfalls genügen. Weder die Einwanderungnoch die landwirtschaftlichen, industricUcn Fortschritte, das Tempo des Bodenerwerbs usw. kann als hinreichend1 erklärt werden. Man vergegenwärtige sich doch nur die Tatsaclic, daß wir seit der Londoner jahreskonferenz im Jahre 1920, wo von einem 25-Millionen־Fonds gesprochen wurde, der für fünf Jahre ausreichen sollte, beim letzten Zionistenkongreß zu einem M aximalbmiget von 1»/י Millionen Pfund und zu einem Minimaktat von 660 000 Wund kamen, aber selbst nicht einmal diese» Minimum erreicht werden konnte,_ so daß wir nicht mehr als durchschnittlich 400000 Pfund im Jahre aufbrachten. So geriet in den letzten zwei Jahren wiederholt der Jiscliuw in die schwerste finanzielle Krise. Wir müssen uns einmal darüber klar werden, daß solche Zustände^sich nicht beliebig lange wiederholen können u:1d daß, abgesehen von der ungeheuren politischen Schädigung, die sie bedeuten, wir die landwirtschaftlichen, sanitären, kulturellen und anderen Positionen einmal nicht mehr werden halten können. Mit einan Schlage kann dann unsere Stellung im Lande, die auf so viel Mühe und Arbeit Iw ruht, vernichtet sein. Ebenso groß aber, wie diese aktuelle Gefahr, die bei weiterer Unzulanglicbkcit unserer finanziellen Anstrengungen unser Sicdlungs• werk bedre/ht, ist ein Stillstand, bei dein nur das Bestehende erhalten wird, ohne daß neue Positionen von größerer natio• nalcr 'Bedeutung geschaffen werden, Angesichts dieses unerbittlichen Zwanges, rasch vorwärt» zu kommen, die Intensität unserer Fortschritte auf ein Höchstmaß zu steigern, angesichts der vielfältigen Schwierigkeiten dca Volkes, des Landes •und der Zeit und angesichts der finanziellen Ergebnisse in den letzten sechs Jahren zionistischer Arbeit frage ich: woher nimmt einer von uns den Mut, irgendein Mittel unversucht zu lassen, mit dem wir dieser gigantischen• Aufgabe, vor der war steilen, entsprechen können? Wie kann jemand_ glauben, daß der hier geschilderten Größe dieser Aufgabe nicht auch die Größe unsere» Einsatzes, des Einsatzes aller iin jüdischen Volke »och verfügbaren Und von uns noch irgendwie zu aktivierenden Kräfte entsprechen muß? Wie kann man von vornherein eu auschlicßen wollen, auch nur den Versuch zu unternehmen, alle diejenige» Kräfte der jüdischen Valksgesaniihcit, die zu erreichen uns noch nicht gelungen ist, lieraimuichen; nicht nur durch das System, das bisher geübt wurde: indem man mit mehr oder weniger Gelingen um Opfer warb, sondern indem man diese Kräfte durch Teilnahme an der Vcrantworiung auch zur Mitverantwortung erzieht, sie selbst werbend macht und damit den Radius unserer Aktion in einem ganz anderen Umfange als bisher vergrößert. Wie kann jemand von vornherein behaupten, daß die Erhöhung der Arbeitsintensität der Zionistisdicn Organisation allein genügt oder daß es allein genügt, das Feld unserer Tätigkeit durch Gewinnung von Niditzioniston zu erweitern, In einer Boldum Stunde wie der heutigen bestellt, »dieint mir, die siülielie Veqd'iiclitung, das Schicksal des jüdisclicn Palästina nicht au! eine Karte zu setzen, sondern keine der uns zu Gebäte stehenden Möglichkeiten zu vernachlässigen. Ich kann nicht zugeben, daß die Energie der zionistischen Bewegung sc.ikou so begrenzt sei, daß die Konzentrierung aller ihrer Kräfte nur auf eilt Gebiet ihrer Arbeit nötig erscheint, wie einer der liäufigsicn Einwiindc gegen den Weltkongreß sowie übcibatmt gegen jede neue größere zionistische Aktion lautet. Niemand von uns kann die Kräfte, die eine Idee auslöst, von vornherein absclüitzcn und jemals das Prinzip anerkennen, d iß wir uns nach den von uns als vorhanden angenommenen Kräften rinnen :ollen, anstatt d a ß s i ch immer w ieder die Realität nach der Idee richtet. Was wir taglid» im wirtschaftlichen Leben beobachten können, daß mit der Steigerung der Wirtschaftlichkeit, des Nutzeffektes, der ArlitilsleUiimg in einem Betriebe auch seine Erweiterung und Vergrößerung Hand in Hand gölten kann, das muß doch zumindest hei einer Bewegung wie der unseren ebenfalls möjp lieb sein, die von einer solchen Kraft, wie es der nationale Gedanke des Judentum» und der Paiästinagedanke ist, und von einem durch keine noch so große Schwierigkeit zu ersihiiUcriKlcn Glauben an die endliche Verwirklichung unseres Zieles gc..pcIst wird. Es wäre bereits ein Großes, wenn cs der Eihölitnig ehr ziomslischen Arbeitsintensität gelänge, <119 l(/!-Millionen Budget des letzte» Kongresses zu sichern. Nach der Auffassung fast aller in der praktischen Arbeit siebenden Zionisten erscheint dies als durchaus möglich. Aber bedenken wir, daß von Jahr zu Jahr die finanziellen An- «prüebe für unsere Weiterarbeit in Palästina wachsen werden *jitd mit dem Fortsdhreiten der Arbeit in Palästina sich auch JA■*1״ . •יי׳,&?״**׳■■, f&% •י.*»' 1?ןי| מי Pf ח י־ףי.ןן:, 441׳ 'Ms.»«* ii* »'׳׳V.L '׳ 071 יח־ רד, (TG ,» a*. Sm -W4fa» * 01"*• r%■ Sieg der ״cmcri!s;Tai8e!1ea'' llic1'* In der Schlußsitzung der Landeskonferenz der polnischen Zionisten am 20. Juni wurde der Bericht der Resolutionskommissitm erstattet. Die Kommission hat mit Stimincnmeitrheit beschlossen, folgenden Antrag cinzubringcn: ׳ ״Von der Ansicht ausgehend, daß der Autbaa von Er« ־ Israel die Aufgabe und das Werk des jjatuxn jüdischen Volkes sein maß und In Uclicrrhiitiimr.img mH dem Text des Mandate», beschließt die sechste zionktlschc tmuUsUonlcrcnz, daß die Exekutive der Zionistischen Welt- Organisation vom XIII. Zionistenkongreß cnztkhilgt werden soll, die Jcwisli Agency aut solche Welse iu konstituieren, daß der Eintritt von Vertreters der grlißeren territorialen JudcnhcHcn und der wichtigsten Jthlbchcn VVcltot’gnnLsallonea fa die Jevvlsh Agency «nntSgUcbt werden soll. Nach der Konstituierung der Jcwish Agency muß der Jüdische Weltkongreß ei::l;cra!ca werden, vor welchem die Jeivlsh Agcaey veroiituorllkh sein wird.“ Außer diesem offiziellen Antrag bestände» zwef Minderhcilsantrügc. Der Minderheitsantrag des Abgeordneten Grünbäum und seiner Gruppe ״Al Hamiscltmar“ lautete: ״Die 6. Konferenz der Zionistischen Organisation in Polen erklärt: Das Prinzip, auf welchem der Zionismus als die jüdische Wicdergcburtsbcwcguug beruht, ist nicht nur der Aufbau von Ercz-Israet, sondern mich die Aufrichtung des jüdischen Volkes. Deswegen muß die Zionistische Or» ganisation danach streben, das jüdische Volk als organisierte Gesamtheit zu koordinieren, vor der alte ausführende« Organe verantwortlich sein sollen. Diesem Grundsätze folgend, hat die Zionistische Organisaiton auf der letzten Jai1rc&- Konferenz in Karlsbad und in den Sitzungen des A. C. bcschlossen, einen Jüdischen Weltkongreß für den Aufbau von Erez-Isracl cinberufcn, um ihm als der Vertretung des jüdischen Volkes, das sein nationales Hehn in Palästina schaffen will, das Recht zu übergeben, die höchste Instanz für die Errichtung des nationalen Heims die Jcwish-Agcnzy einzusetzen, die ilun verantwortlich sdn soll. Ausgehend von diesen Prinzipien beschließt die Konferenz: Die Zionistische Organisation darf in ihrem Streben, ihre Basis zu verbreitern und alle Kräfte Im jüdischen Volk zu mobilisieren und auszuniitzeii, bei der Zusammenstellung der Jcwish Agency auf keinem Fall auf das Prinzip der Verantwortlichkeit vor einer gemeinsamen Vertretung, die das jüdische Volk, das die nationale Heünslätte baut und und bauen will, repräsentiert, verzichten. Die gemeinsame Vertretung des jüdischen Volkes kann nur auf die Weise gebildet werden, daß sie das Recht hat, nicht nur die zionistischen Massen zu vertreten, sondern audi alle andern jüdischen Volksmasscn, welche bereit sind, sich am Aufbau der nationalen Heimstätte in Palästina zu beteiligen. ÜLClstf' Auf dem Wege rum ]üdisdien Weltkongreß, der die ein!;^, richligc Vertretung des Volkes ist, kann diese Vertretung riisaminciigcstcllt werden aus gewateten und verantwortlich«[ Vertretern besonderer jüdischer Gruppen. So lange die gemeinsame Vertretung, vor der die jcwish Agency verantwortlich sein soll, noch nicht gebildet ist, erfüllt die Zionistische Organisation wie bis jetzt die Aufgaben der Jcwish , Agency und die Zionistische Exekutive bleibt das höchste ausführende Organ der Jcwish Agency.“ Das zweite Mmorilätsvotura wird von Dr. Gottlieb tiagebracht und lautet: ״Die 6. Landeskonferenz der politischen Zionisten drückt ihre Zustimmung aus zu den Schritten der obersten zionistischen Leitung, die notwendig gewordenen ffe, formen in der Zionistischen Organisation durch zuführen und andere jüdische Organisationen zum Aufbau von Er« Israel hcranzurichcn.“ Unmittelbar vor der Abstimmung zieht Dr. O 01 f 1 i e b seine Resolution zugunsten der Mchrhcitsrcsolution zurück, Grüiibnnm beantragt, daß zur Begründung seiner Resolution einem Redner pro und dann einem Redner contra das Wort gegeben wird. Dieser Antrag ist jedoch mit 59 gegen 51 Stimmen abgclchnt. Hierauf wird auf Antrag der Grupp« ״Al Hamisclmiar״ die namentliche Abstimmung über die Resolutionen vorgenommen, die sich unter atemloser Spannung vollzieht, Das Resultat der Abstimmung Über die Mchrhcitsrcsolution ergibt 66 Stimmen für und 51 Stimmen dagegen. Damit Ist die Resolution der Kommission angenommen. Nach der Abstimmung erklären die Herren Dr. Klumel O r ü n b a u m und Podlischewski, daß sie ihre Mandat' im Präsidium des Zentralkomitees nicdcrlcgcn. Auch eine Anzahl Beamte und Instruktoren erklären ihre Demission. Abg. Grünbaum erklärt ferner, daß er aus dem Actions-Coimte der Weltorganisation austriit, da er nicht mehr die Meinung der polnischen Zionisten repräsentieren kann. Es folgt eine Anzahl Reden, die an die Demissionierten appellieren, b Interesse der Bewegung weiterzuarbeiten und keine Krise herautzubescliwörcn. Ein Antrag Freud, die Konferenz solle Grünbaum und Dr. Klumel verpflichten, bis nach dem Zio• nistenkongrcli die Leitung vveiterzuführen, wird mit 56 Stimmen gegen die 29 Stimmen der Gruppe ״Al Hamischmar" angenommen. Grünbaum gibt eine Erklärung ab, er habe demissioniert, uin den polnischen Zionisten den Ernst der Situation und die Tragweite der angenommenen Resolutionen zum Bewußtsein zu bringen. Ferner müsse er vom Präsidium zurücktretcn, um für den kommenden Wahlkampf zum Zio• nisfenkongreB freie Hand zu haben״ automatisch die Schwierigkeiten vergrößern. Denn nicht nur 1 die arabische Gegenwirkung muß mit der Zeit größer werden (und wir tragen notwendig und ohne cs zu wollen, durch unsere Arbeit, die ia nicht nur uns, sondern auch dem Lande und seiner Gcsamiocvölkerung zugute kommt, dazu bei), sort- (lern «9 werden audi alle die bekannten nntionalökoivomlsdicn Erscheinungen, wie da» Steigen der Bodcirp reise,, die schärfere < wirtsdi.iftlidic Konkurrenz, die geringere Kapazität des Lan-' des usw., zu dear schon heute vorhandenen Schwierigkeiten liinzutrcten. Man sagt: Das Suchen nach neuen Wegen und Mitteln zur Finanzierung des Aufbauwerkes in Palästina entspringe einer Verzwcifiungsstinimung, einem zu geringen Scibstvcrtrauen und dem mangelnden Glauben an die Kraft der Zio• nistisdien Organisation. .Wenn wir, wie diese Auffassung dies ansäicincnd annimmt, in der Gewinnung von Nichtzionisten da» Allheilmittel sähen, den allein rettenden Ausweg aus einer schwierigen Situation, dann wäre dieser Vorwurf vielleicht berechtigt. Die liier von mir vertretene synthetische Auffassung der zionistischen Arbeitsmethoden in der Diaspora kann jedodi einen solchen Einwand als völlig haltlos zuriiekweisen. Ja, es kann vielmehr den Vertretern jener Anschauung, die nach wie vor auf die uns jetzt mit solcher Eindringlichkeit und Wucht gestellte Schicksalsfrage von Fortbestand und Fortschritt unserer Palästinakolonisation nur die eine Antwort haben: ״Vcrstäricunj{ der zionistischen Pron,v gauda, Belebung des zionis'.isdicn Selbstvertrauens, Aufstaclie- Sung unseres Arbeitseifers!״ erwidert werden: diese Lösung, die allerdings keine neuen Wege sucht, die allerdings kein Risiko laufen will, indem sie lediglich Selbstbcsdlvränkung und Wcitervcrfolgimg der bewährten Arbeitsmethoden, nur mit erhöhter Intensität, predigt, ist sein• einfach «m,l billig. Sic ist jedoch nicht nur blind für den größeren. Aspekt unserer zionistischen Aufgabe, sie ist auch blind der Tatsache gegenüber, daß eine psychologische Krise nicht überwunden wird, indem man sie einfach als solche deklariert und ohne neue Ideen und neue Gedanken einfach dekretiert, daß sic überwunden werden müsse. Sie verkennt durchaus das Wesen jeder Volksbewegung, die größere Gesichtspunkte, weitere Ziele, die um mit Theodor Herzt zu sprechen —- eine Fahne sehen will, tmi die sie sich scharen kann. Und warum — frage ich weiter — soll in diesem Auge »Micke gerade das jüdische Volk nicht dasselbe tun dürfen, was jede Nation in gefahrvolle» Momenten tut, nämlich die Einheit des Volkes, die Verpllichliing jedes feiner Glieder, die Union na erd, die Einheitsfront oder wie Sie cs nennen wollen, zu verkünden. Um so mehr, al» diese Idee der Einheit des jüdischen Volkes und der gcsamHiidischen Verpflichtung eine urjüdische, in unserem Schrifttum und der Vergangenheit zu den höchsten Konsequenzen geführt ist, um so mehr, als diese Idee der Einheit de» Volkes eine der Grundideen es Zionismus ist und aus dieser allein unser unverjährbarer und unbestreitbarer Anspruch Vertreter des gesamten Volkes zu sein, abzulciten ist. Und ich gehe noch weiter und frage zurück: Wo ist in Wahrheit Verzweiflung und Pessimismus: bei denen, die an die Kraft des Volkes, auch in seinen mchtziomatischcn Teilen, glauben, bei denen, die an die Kraft der zionistischen Idee und de9 Paläslinaidcals glauben, durch welche auch von uns noch nicht geweckte Energien aktiviert und immer weitere und neue Kreise zu unserer Unterstützung aufgerufen werden können, oder bei denen, die da» Versagen der uichtzioiiistischen Judenschaft als eine unabänderliche, schicks,alsgcgebeue Tatsache schon nach ein paar Jahren der Arbeit hi »nehmen und die Sicherung der zionistischen Erfordernisse iu dein Aufbau einer chinesischen Mauer rings um um» erblicken, Nun wendet man ein, die hier vertretene Anschauung sei die gleiche, die seinerzeit von Braudcis vertreten und von uns bekämpft worden ist. Dieser Einwand stimmt jedoch nicht. Brandeis hat auf der zionistischen Jahreskonferenz 1920 die Ociinimg der Tore der Zionistischen Organisation für die Niditzkmisten verlangt. Ich halte nach wie vor diese Forderung für falsch und audi für undurchführbar. Die Zio• nistisdre Organisation ist ein historisches Gebilde, das durch »eine über;fejäterige Vergangenheit iu der jüdischen, Ocffei:! licbkcit als besondere Anscbauungsgeineinschaft scharf umrissen, wenn Sic wollen, durch diese Vergangenheit stark belastet ist. Die Zionistische Organisation ist mehr als eine bloße jüdische Palästinaorganisation, mehr sogar als ein Chowewe-Zion- Verband im vorhcrzlschcn Sinuc. Sic ist eine Gesinnun gsgem ci 11 sehn f t, die durch die nationale Idee eben• •rt wie durch den Paiäsönagcdankcii und ebenso auch durch.die gemeinsame Anidnuung. ober die notwendigen Wege''der Losung der Judenfrage geeint ist. Der Eintritt in eine solche Organisation mit dieser ihrer charakteristischen Gestalt und dieser ihrer ausgeprägten Ansdiauungsphysiognornic verlangt mcltr als bloße Palästinaliebe, mehr auch als das bloße Bekenntnis zum nationalen Judentum. Darum die praktisch immer wieder fcsizustcUcnde, fast ängstliche Abgrenzung von Nichtzionisten, die für Palästinazwecke geben, daß sie darum noch keine Zionisten a seien. Diesen palästinopbilcn Kreisen den Eintritt in die Zionistische Organisation zu gewähren, bedeutet die Zerschlagung dieser Organisation in ihrer historischen •und in ihrer heutigen Struktur. Denn in die Zionistische Organisation, wie sie heute bestellt,, ist Nichtzionisten ein Eintritt unmöglich. Und wenn nun hier neuerlich die Existenzfrage der Zionistischen Organisation gestellt wird und tatsächlich bestimmte Anhänger der Wcttkonercßidce so weit gehen, nicht nur mit der Auflösung der Zionistische Organisation nach Verwirklichung de; Kongresses zu rechnen, sondern säe als dessen logische Folge geradezu zu postulicren, muß ich mit allem Nachdruck erklären: für um kommt eine Auflösung der Zionistischen Org a n i 8 a t i o n unter keinen Umständen und zu keiner Zeit in Frage, 90 lange wenigstens nicht, als mit der restlosen ycrvvirklidiung des Zionismus die Zionistische Organisation nicht ihre weitere Existenzberechtigung verloren hat. Dieser hier vertretene Standpunkt der unbedingten Aufrecliterhnüun״ der Zionistischen Organisation entspringt nicht irgendeinem engherzigen Partciinteresse. Wir Zionisten können nichts an• dcrcs vertreten, als den Gedanken eines jüdischen Palästina nte Ziel des gesamten jüdischen Volkes, Die Zionistische Organisation ist nichts anderes als ein Mittel zur Vcr• wirklichirng diese» Zicks und nichts gegenüber dem Ziele selbst. Aber gerade um dessen t wi 11 cn , um dieses Ziele» willen kann diese Sclbstaufgabe, von der hier jetzt wieder gesprochen wird, niemals in Frage kommen. Es gibt nur eine entscheidende Sicherung gegen die mit der neuen Jcwi'Ji Agency vcrtmiu'eiifii Ovfahren: daß. wenn der Vcr• stidt fcliiscliliigt, eine intakte Zionistische Organisation nach wie vor besieht, die jeden Augenblick in der Lage ist, die Arbeit mit demselben Ernst, derselben Verantwortung ur.d der gleichen cntsciilos-ciien Hingabe, die sic bis heute aus• gezeichnet luat, wieder aufzunclunen. Und hier muß aus• gesprochen werden, daß da» Große, Neue, das wirklich Re* voiulionicrcnde im Judentum nicht die uralte Zions- oder die nationale Idee war, sondern beider spezifische Verbin• düng und eigenartige Formung in Theodor Ilerzli underb• lieber Schöpfung, in unserer Zionistischen Organisation. Und diesen lebendigen Körper, d i c 91' c i 11 z i g e Org a n i 9 a t i o n des Judentums der Diaspora, die wie alles l.cbcndige nur einmalig ist, lassen wir uns nicht zerstören, auch nicht um eines Weltkongresses willen. Gerade weil ich den Gf danken des Weltkongreßes so entschieden vertrete, muß icj' diese grundsätzliche Auffassung mit so großer Eindringlichkeit betonen. , Zur Reform der Organisation folgende Vorschläge: Als einen Grumlsdiadcn unserer Bewegung betrachte ich die Hypertrophie des politischen Interesses und die Atrophie der propagandistbclicn, finanzierenden, au! die Gewinnung von Men ..!!<• t und Geldern gerichteten Arbeit. In diesem Referat, da» em politisches ist, muß die Wahrheit ausgesprochen werden: Es wird bei uns viel zu viel סין• litisiei i und zu wenig gearbeitet. Und es wird auch viel zu viel über Politik anstatt über die Organisation der Samttt* lungcn und da• Finaiuierungsarbcit gesprochen. Seit der Ratifizierung des. Mandats ist im wcsentliclien die aufkläretuie politische Arbeit beendet. Weiterhin kann cs sich um nicht mehr ah um eine kontroUicrcude und die errungenen Erfolgt Ni! wahr;■lier i die ) zu k i Miße1'1׳ ecrcr s '׳.i.'id ׳ ' i.1 d erlual 1״ Verb :יי nicht;! nun ר versc finan ■' wenr litiscl11 Er ge; Erg« » potiti ' zu 5] vorhi 1 bcan •■ ihre ״ unmi 11 weg! liehe 1 N'otv rüclo öeM orga ׳ Tätif wie ist < ver« Sie vcr! 8 nicht ansp / eine ׳' bau die! *olai ׳ tion!1 P״־K!' gro£ 1 Arb< Syst 1׳ gab( gew 1 der eine an Vcr Mit( grai was teil Ver die ein« Gro :;amt Gro Ex* ein« bi! m ei fall! lcti der Zio wal den Dir dar U» ,um die wa da! kut dal an< Gn faß dei sot Kri *in tlü Gr I'r. tni tio zeg «in all Pn ml ein rei Sd wi Ni eil P* *ii io Sil au ml K« Ch di( W El au vc di kl in tis ci H Pi ß ו u