Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVIII (1923)
- Issue
- Heft 50 (22.6.1923)
- Date
- 1923-06-22
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Kr. 50 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 311 ״.vr ״uf vor• ״ er. 11:10h ״II,:011 . mithör- 1 l>rivor• ■Mit• n1״en. Milden;1 Kat; einen!; 1, Sir c.'iH:;!- V..I011, rr Mil- -tiiia nm 11 uii Uidl;0 .Weil .hi der ikSH'rn miaiijn in den r Zahl «r das hiiiiacii esses;10 trug ach der c 11 c r - 1s eines ie s (10• seilt;15 k. Die ־ilegunie11״tnis t eines Mandat gewisse igesetz- 11:1 auf- ז Wahl Dewei, :«1 dal i. Hie Gruppierung der jüdischen Oelleaülclilccil Von f>r. Robert Weiß, Frankfurt a. M. (S. ״Jüd. Rundschau“ Nr. 48.) Die rcligions- und w i r t s eh a f t s 1 i b « r alc n Verbände, rclißionslihcralcn Verbände haben, L *ס» y, ü y ^.*s< u«yc-.j v. J» *"ג י)יז־ ח וי *IJ| g mJ Ww J!iC(i la «y^'U ä« u WwaJs! S1Ö Kulturunsicheren nicht• immer .110 des idiricllt la;:e1.:1״ :11, da i bisdieu er Mitc Preß (er des . 1 '41־ in d.11־ d, dah an die ipt die .imiieu- Zeit Araber; Pa- 1 i m j und :11. nn״ce des Köni:f nicht ieden־' ischea u»״en ent-!, der ׳ar, in )ische .״!and fcs t Auf־ reitet,;egenn z» Die rclißionslihcralcn Verbände haben, mit einigen Ausidlitnc.i, mm Palästinawerk im positiven Sinne noch keine Stellung: genommen. Sie haben die Palästinaaufgabc des ־c|j,j,5011 ülu-ialismus noeit nicht erkannt. Aber sclir bcjclucnswertc Minoritäten in ihnen beginnen a'.lmählieli eine jufp.imviilige 11,1111111״ ciuzimchmcn, unbeschadet ihrer sinken Interessen an den. Angelegenheiten de: üaluthstaates, in dem jij siedeln. Auch dafür sollten wir Geduld und einiges Verständnis nufbrmgen. Solange derjenige, der an der Kultur (einer Kindlieitsspraclic hängt, nicht in voller Breite von den Auswirkungen einer neujüdischen, hebräischen Kultur (riaßt wird, ist cs ein Unding, oft sehr wertvolle kulturelle Uinduiigcii von heute zu zerstören. Das, was in Palästina und in der Galuth an netijüdischer Kultur geschaffen wird,;51 noch in vielem, nicht in allein, Treibhauserzeugnis, künstliehe, gewollte Produkte hchräischcr Sprachschulen, nicht aber t;(iC5 aus der Mitte des Volkes emporströmenden (diafieiis. Nichtsdestoweniger sind diese ersten Mt'egvcrsridic der kult 11 retic״ Chaluzhn die Voraussetzungen juf'das Erstehen der selbstsicheren, ausstrahienden jüdischen NafionoiikiiUur, die wir alle erwarten und die auch das kulturelle Gepräge der jüdischen Masseusicdlungcn in der Galuth, in nicht allzu ferner Zeit völlig verändern dürhe. Gelingt cs uns also, für das oft sehr ehrlich empfundene Festhalten manches ReligionsUbcra’.eii an der Kultur seiner Kindlieitsspraclic mehr als die hergebrachte Verachtung gegenüber der assimilatorischen Gesinnung aufzubringen, dann dürften auch die Differenzen des Paliistinawerkes auf ein — wie die rcichsdoutschc Keren MajessoJ-Praxis zeigt — leichter überbriiekhares Minimum reduziert werden. Auf unserer Seite wird dadurch keinesfalls ein Gcsiiniungskompromiß verursacht: wir bejahen nach wie vor ausschließlich eine jüdische Natio* nalktiltur, wir wollen Juden ohne jeden Bindestrich sein, aber wir müssen ehrlich bekennen, heute k ö n n c n wir es noch nicht, noch sind wir Assimilierte wider Willen. Der Kampf geilt gegen den ewigen AssiniiUutcn, nicht gegen den zcitlicli Assimilierten. Auf die Anschauungen der vereinzelten Vertreter des nichtzionislischen, aber palüstinagcrichteten Wirtschaftslibcralismus braucht in diesem Zusammenhänge nicht tingegangen zu werden. Meist bestellt־ eine Personal• Union zwischen Trägern der religio 11 s- und der wi rtschaftslibcralen Gesinnung. Ein hochbedcut sanier Unterschied zwischen der Erwerbstltigkcit in der Ga'.uih und in Palästina möge von zionistischer und nichtzionistisduT, wirtschaftsiiberaler Seite nie vergessen werden: die Leistungen des jüdischen Fabrikanten, des jiidisehen Kaufmannes in Europa und Amerika bringen ihm zwar privaten Nutzen, aber sic verschwinden im Getriebe der einreinen Wirtschaftsgesellschnftcn, die jüdische Produktivität kann niemals zusammenfassend gewertet und vorwertet werden, man kann daher nur selten auf rein jüdische Leistungen hinvveisen. In Palästina wird der jüdische Unternehmer nicht im Wirtschaftsleben fremder Staaten und Nationen arbeiten; was er an Wertvollem, an wirklich Produktivem schafft, bringt nicht nur privaten, sondern auch natioaalen Nutzen. Die neue jüdische Gesellschaft benötigt ein sicht ,er. wirtschaftliches Fundament und wer da selbst mit der unscheinbarsten, aller produktiven Arbeit bauen hilft, der sorgt um eilt Größeres als um die eigene Parnossoh. Der jüdische Unternehmungsgeist, von den Neidern aller Erdteile verketzert und beschmäht, wird in der Heimat ungehindert Großtaten verrichten und so die über die Welt zersplitterten Energien endlich sammeln. Wie schon oben bemerkt wurde, gibt es keine größeren jüdischen Verbände mit ausgesprochen wirtschaftsiiberaler Tendenz. In Amerika ist eine nicht geringe Zahl von Nichtzkmistcn vorhanden, die am palästinensischen Wirtschaftsleben interessiert sind und bereits das eine oder andere Unternehmen finanziert haben. Durch ein wohivorbcrcitetes, konkretes Datenmaterial gut fundiert, wird auch anderswo eine Wirtscliaftspropaganda erfolgreich in jenen• industriellen und bulmännUclicn Kreisen der jüdischen Oclfcntlichkcit arbeiten können, in denen Gewinnstreben nicht zum alleinigen Lebens׳ tdz geworden ist, in denen man seinen privaten Er "erb den nationalwirtschaftlichcn Notwen digkeiten ei n z u g 1 i c d c r n sucht. Die Mitarbeit der palästinagcriehfcten Sozialisten Es ist nicht erforderlich, eine Argumentation für die Mitarbeit jüdischer Sozialisten hier anzureihen. Die Tatsache d« jüdischen Massenelends und der eigenartigen, sozialwirtschaftlichen Lebcnsvcr'uältmssc des jüdischen Proletariat« die Notwendigkeit einer durchgreifenden Berufsumschichtun '*twi Wandcruiigsrcgulicruiig ׳ist auch den extremsten Ver- 1״,tnern einer Zusammenarbeit mit der Zionistischen Organi׳ ktion zu sehr bekannt. So schreiben z. B. die linken (kominu ״Mischen) Poalc-Zionistcn in ihrer Denkschrift vom April 1921 ä(1 das Exekutivkomitee der Kommunistischen Internationale: ״Palästina, geographisch den Auswanderungsländern am nächsten gelegen und am billigsten erreichbar, wirtschaftlich ®eh ganz, jungfräulich und von der modernen kapitalistischen Entwicklung fast unberührt, ist somit das einzige Einwandtrungsland, in dem Berufsumschichtung und die Produkti- ',ieruug der deklassierten jüdischen Massen sich vollziehen, '3׳s Wandcrungsproblcm am radikalsten gelöst werden kann. Durch die wachsende Einwanderung und wirtschaftliche Bc- Wuung des Landes wird Palästina zur Aufnahme größerer "ändernder Massen befähigt und somit zum wichtigsten Iminigratioiiszcntrum der wandernden jüdischen Massen*).“ Bic nichtzionistischcn ״Neinsager“ unter den jüdischen Sozialisten gliedern sich in drei Lager: kommunistische Poalc-, Ejon, Bund und sonstige assimilierte Sozialisten bzw. Kommu- 11‘üen. Ziffernmäßig dürfte der Bund am bedeutendsten sein 1 Die Ablehnung jeder mit Zionisten gemeinsamen Arbeit; j® Aufbau Palästinas durch die kommunistischen Poalc- {,Misten kann mir aus der historischen Entwicklung der l!|diseh-sozi:diot;scl1cn Arbeiterbewegung verstanden werden. Spaltung zwischen den rechten und den linken Poalc- *) ״Freie Tribüne" vom 23. Juli 1921. E* Ist una gelungen, ein Arrangement zu treffen, da* es ermöglicht, den Lesern «1er ״Jüdischen Rur.dachau“ einen vollen und aus(ühilichen Bericht Über die Verhandlungen des XIII. Zionktenkongreonca in Karlsbad zukommen zu lassen Die ״)üdischc Rundschau* wird wUlv end der Kon* greßdauer, also durch ungefähr 10 bis 12 Tag* täsüicii ersd2G8tsen (mit Ausnahme von Sonnabend und Sonntag) und wird die |1ro!״ko!larU1hc Wiedergabe der Verlu nrüuiigen In genauer Uebereinslinimung mit der offiziellen IConRreüzcitung veröffentlichen. Zur Deckung der durch dicie Ausgabe vernrsachlcn Spesen müssen sämtliche Abonnenten der .JUdlsehen Rundschau“ einen Betrag von Mfc. 10 OOO— zahlen, tler von eien Einzelabonnenten durch Nachnnlime, bei den übrigen durch die Ortsgruppen eingezogen werden wird. Abonnenten außerhalb Deutschlands haben als Sondergebiihr für die Kongreßausgabe einmalig eine Hälfte des Vierteljnlirsprelse« zu zahlen• Durch diese relativ geringe Mehrbelastung unserer Leser wird es ermöglicht, die so wichtigen und interessanten Vor׳, ätige de* Kongresses mit allen Einzelheiten mitzuteilen. Wir gehen dahe.i von der Ansicht au«, daß bei den heutigen Valutaverhültclssen nur wenige Zionisten aus Deutschland in der Lage sein werden, dem Kongreß persönlich beizuwohnen. Durch die Kongreßaungnbe der Rundschau, die erheblich billiger ist als die offizielle Kongreßzeitung und doch deren vollen Text bringen wird, sind unsere Leser in der Lage, den Verhandlungen wenigstens aus der Ferne genau zu folgen. Die Kongrcßausgabc ist eine Prämie für unsere gegenwärtlgen Abonnenten, An neuelntretendo Abonnenten aus dem Ausland kann die Kongreßausgabe der Jüdischen Rundschau nicht abgegeben werden, dieselben werden vielmehr auf die Kongreßzeitung verwiesen, die das Karlsbader Kongreß-Büro hcrausgibt. Verlag Jüdische Rundschau Berlin W 15, Sächsische Straße 8. Postscheckkontos Berlin 17392 / Bankkonto: Nationalbank für Deut.seinon<t, Depositenkasse Berlin, Kurfürstendamm 52. Zionisten vollzog sich in einer Zeit, als Moskau noch mit diktatorischer Gebärde den Arbeiterparteien aller Länder die ihm genehme Politik vorschrciben wollte und mit einem mißverstandenen Zentralismus auf die besonderen Verhältnisse in den einzelnen Ländern und bei den einzelnen Nationen nicht eingchcn wollte. Moskaus Politik begann bald die dogmatische Forderung nach einer Uniformierung aller sozialistischen Parteien aufzugeben, aber die jüdischen Kom-!ministen vom Moskauer Kommissariat für jüdische Angelegenliehen waren päpstlicher als der Papst und bestanden darauf, daß beim bevorstehenden Anschluß der linken Poalc-Zion an die dritte Internationale der restlose und unbedingte Verzicht auf jede aktive, kolonisatorische Tätigkeit in Palästina von den Poalc-Zionistcn gefordert werde. Diese erhofften die Aufnahme in dio dritte Internationale dennoch durchsetzen zu können, wenn sie jede Verbindung mit den bürgerlichen Zionisten lösen würden. Es war umsonst. Das Exekutivkomitee der kommunistischen Internationale betonte zwar in seiner Antwort an die Poale-Zion vom August 1921”), daß die abnormale Lage der jüdischen Massen besondere Aktionen erfordere, aber von Palästina wollte Moskau nichts wissen: ,,19er Gedanke, daß die Konzentration der prolctarisehen, hnlbprolctarischcn jüdischen Massen in Palästina die Basis für die soziale und nationale Emanzipation des arbeitenden jüdischen Volkes bildet, ist utopisch und reformistisch, in seiner praktischen Auswirkung direkt gegcnrcvolutionär, da er auf eine Kolonisationsarbcit in Palästina hinausläuft, welche letzten Endes nur die Positionen des englischen Im•• periaiismus in Palästina stärkt.“ Moskau besteht bis zum heutigen Tag auf eine vollständige Aufgabe jeglicher Palästina- Politik, und so sind die kommunistischen Poalc-Zionistcn weder Mitglieder der Internationale noch Mitarbeiter am Palästinawerk, sic sind hüben wie drüben ohne jeden Einfluß und zur Untätigkeit verurteilt. Um die Zeit des Karlsbader Zionistenkongresses (September 1921) herum haben sie bei ihrer Ablehnung jeglicher Mitarbeit mit der Zionistischen Organisation Bundesgenossen gefunden, und zwar bei einzelnen Landesparteien der rechten Poalc-Zion. Man argumentierte dort ebenso wie bei den Linken: Ein klasscnbcwußtcr Proletarier dürfe nicht einem bürgerliehen Verein wie der Zionistischen Organisation angeboren. Deshalb keine Mitarbeit und keine Beteiligung am Kongreß. Es mag dahingestellt sein, ob damals die Zionistische Organisation sowohl bürgerlich als auch ein Verein war. Daß sie cs heute jedenfalls nicht ist, sagt ausdrücklich dar, Mandat und die Verfassung Palästinas, welche der Zionistischen Organisation Rechte cinrümnen, die allerorten sonst mir dem Staat enter zumindest den Körperschaften des öffent-!■:dien Rechts zukommen. Dieser formale, rcditslhcorctischc Charakter der Zionistischen Organisation erhält aber seine volle inhaltliche Schwere durch die praktische Tätigkeit der Organisation, welche die gesellschaftlichen Institutionen des kommenden Palästina vorbereitet, Arbeiten, die uifbcr.trcitbar in erster Linie den proletarischen Schichten des jüdischen Volkes zugute kommen und ihnen bei ihrer Heinibereitung eine bisher noch niemals abgcwicscnc Hilfe leisten. Es gibt da nur ein Entweder-Oder: Ist die Zionistischc Organisation ein zu boykottierendes bürgerliches Klasscninslrumcnt, dann dürfen auch ihre Institutionen nicht in Anspruch genommen werden. Werden aber Palästinaämter, Einwanderern ״sbehorden, Nationalfonds-Läiulercien, Kolon;• sationskredite von jüdischen Sozialisten benutzt, dann erwächst ihnen auch die Verpflichtung zur Mitarbeit in der Verwaltimg, — ganz abgesehen davon, daß jede sozialistische Kritik des Außenstehenden niemals so wirksam sein kann als die tägliche Kontrolle vertrauenswürdiger Genossen in der Verwaltung. Ein Hyperradikalismus beengt nur cn eigenen Machtbereich. Ucberall sind selbst die Kommun' 1׳ in die Parlamente zuriickgckchrt und leisten dort mitu״ >.r mehr als bloße negative Kritik. Das jüdische Volk hat derzeit in der Welt und in Palästina keine andere gesellschaftliehe und völkerrechtliche Vertretung als die Zionistische Organisation und die Assefath hanichwaritn. Eine Agitation aM | gegen die Beteiligung an diesen Organisationen entzieht den proletarischen Schichten der Nation das Mubcat.mmuugsrccht bei der Begründung der arbeitenden jüdischen Gesellschaft Palästinas. Die Bumlistcn aber und die assimilierten Sozialisten bzw. Kommunisten wird nur die palästinensische Wirklichkcit überzeugen können. Soweit sie überhaupt überzeugbar sind und es sein woilen. Denn liier herrscht heute eine unüberbrückbare Gegnerschaft zu allen palästinagcrlchteten Bestrebungen. Der Bund kennt nur eine Lösung der Judenfrngc: die Eriiclitung der so/iali'.li'.ihcn Ge.eU-.-clialt in den!,;ändern der jüdischen Masicnsiediung. Sein Programtn bejaht zwar die, jüdische, nationale Eigenart, aber er behauptet, daß sie sich ausschließlich in Europa-Amerika nutzbringciut auswirken könnte; alles andere wäre Utopie. Die politischen Erfolge des Zionismus konnten daher diese Anschauungen des in Polen noch immer einflußreichen Bundes nicht verändern. Erst eine arbeitende jüdische Ge- Seilschaft in Palästina wird die Idee der Heimkehr in die orientalische Heimat von allen Bezweifelungen erlösen. *1 «Freie Tribüne“ vom 1. Oktober 1921. Der oslj&dische Kleinbürger und die Lesungen der Verbände Die große Masse, das durch Jahrtausende unerschöpflich gebliebene Kraftreservoir der Nation, kennt keinen Verband als den gegebenen, überlieferten de. Am hakadosch, des Am Jisracl. ihr Zionismus ist ein naiver und wird cs lange bleiben, voll von Träumen, Phantastereien, Unwirklichkeiten. Auch der Zionismus der llcrzlzeit war übervoll von dieser jüdischen Naivität politischen Dingen gegenüber, von dieser Art, die ״größten Dinge“ sich geradlinig und unkompliziert vorzustellcn. Vielleicht ist dies mit ein Grund gewesen für Herzis Popularität in den kleinbürgerlichen Massen des Osten*. Der ostjüdischc Kleinbürger ist Gelegenhcitszionist. Bei den Wahlen und bei sonstigen politischen Kundgebungen, die aufriittclnd in die Masse dringen, wird man ihn auf Seite der Zionisten finden. Aber von einer planmäßigen, kon* zentrierten Parteiarbeit will er nichts wissen. Innerhalb de» Zionismus legt er sich auf keine Richtung fest. Es verknüpft ihn keine festere Bindung mit dem Misrachi, wenn er auch manchmal bei den Wahlen für ihn stimmt; er ist kein ausgesprochener Gegner der Poalc-Zion, wenn er auch von großbürgerlichen Ideologien cingcfangcn, manchmal ihre Anschauungen ablchiit. Denn es besteht keine Klassengrenze zwischen der jüdischen Arbeiterschaft und dem jüdisehen proletarischen Kleinbürger. Sie sind soziologisch gesehen eine Einheit, und dies fühlt auch die jüdische Masse. Sie hat ein zu starkes Empfinden für die Rechtlichkeit der sozialen Forderungen der Poalc-Zion, um sich von einer ausgesprochen bürgerlich-politischen Fraktion dauernd ins Schlepptau nehmen zu lassen. Sie hat aber auch ein zu starkes, bei vielen zu lebendiges religiöses Denken, um einer ausgesprochen rclißioiisfcindlichen Fraktion Gefolgschaft leisten zu können. Im jüdischen Kleinbürger keimt naiv und ungefaßt ein Zionismus der Synthese, der allen Fraktionen der Organisation gleich nah und doch gleich fern ist, ein Zionismus der Synthese, der die nächste Gene•’ ration, die Söhne dieser ostjüdischen Kleinbürger zur Arbeit nach Palästina rufen wird. Sie werden in Angriff nehmen das Werk einer Zusammenfassung der gesellschaftlichen Strömungen, das Werk einer Integrierung der pa• läs tia a g e r i c h t c t e n Nationsteile zu einem jüdischen, religiösen und arbeitsgesellschaf tlichen Ganzen, Den ostjüdischen Kleinbürger bedrängen noch immer wirtschaftliche Sorgen; die Folgen der Kriegs- und Uebergangszeit wirken sich noch immer aus. Aber in wenigen Jahren dürfte die ökonomische Lage der jüdischen Masse sich wieder einigermaßen gebessert haben, so daß eine breitere Auswanderung nach Palästina aus eigenen Mitteln für viele wieder ermöglicht sein wird. Der Zionistischen Organisation erwächst daraus die Pflicht, die Erziehung der ostjüdischen Masse vom naiven zum geformten, organisierten Zionismus vorzubcrcitcn, und zwar iit einem viel größeren Umfang und mit einer größeren Sorgfalt als cs heute ge- Schicht. AcMulli am Jisrael Von seinen ersten Tagen an hat der Zionismus immer und immer wieder betont, daß er die ״Judensache״ vertritt, daß er Anwalt sein will für alle Juden, die eine Erneuerung des Volkes in Ercz-Jisracl erhoffen. Er proklamierte die Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte für das jüdische Gcsamtvolk und nicht für die zionistische Partei. Wenn auch im politischen Kampf Zionisten mit harten Worten den Gegnern antworteten und oft antworten mußten, so haben sie dennoch niemals vergessen, daß das Erreichen ihres Arbeitszieics zuinnigst abhäiigt von der Einheit des Volkes. Nicht die territoriale Einheit ist hier gemeint: die in Erez-Jisraei ncukonstiiuicrtc jüdische Gesellschaft ist nur eine Voraussetzung für das Erstehen eines neugearteten E i!! h c i t s b e w u ff t s c i n s des Gcsamtvolkes, Mit ihm erst beginnt die nationale Renaissance. Denn nur aus diesem wicdcrerlaigtcn intensiven ״Wir-Bewußtscin“ heraus werden kommende ׳ Judcngcncratiancn neue Inhalte und Formen jüdischgesclischaftlichcn Lebens der uralten Kul* turgcschiehtc unseres Volkes anrcihcn können. Alles Aufbaubeniiihcn der heute lebenden Generation ist ein Drängen, vviederiortzusetzen den untcibrochcncn, geheimnisvollen heiligen Weg des Volkes. In dieser Abhandlung ist der Nachweis \ci51klu daß sieb der Personenkreis der jüdischen Ocficuüichkeit sowohl in seinem Umfange als auch in seiner Gliederung veränderten. Die geschichtlichen Ereignisse der letzten Jahre haben so manchen teilnahmslosen Juden zum Nachdenken über die Zukunft seines Volkes veranlaßt. Die Not des Volkes und die Not des Landes verlangt aber ein Größeres: das Gesam tvo 1 k muß die Heimkehr wollen, denn die Kräfte einer Minderheit und sei es des opferbereitesten Nationsteils, sind zu schwach, um ein Aufbauwerk zu ve^jichten, das nicht einer, sondern vielen Generationen des j ü. di sehen Volkes als Aufgabe und Verheißung gegeben ist. Vcrständigungt-inögliMcItcn mit den nichtzionistischen, aber paläctinagcrichtctcn Verbänden haben sich vorbereitet, mit Erfolg kann jetzt an die Schaffuiig eine*