Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVIII (1923)
- Issue
- Heft 49 (19.6.1923)
- Date
- 1923-06-19
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Seite 303 Kr. 40 ‘Lr ■ :״;ui;• 1-t > ■׳׳eh •׳ iU. v״ds ׳uh.-״ ■' 1״rc 1׳, die!״■di. eli'.l•:! . ‘ v.r r״ p. ölu!•״ ־-! tu- (11? :■'•-ihm ״r,d;;n 1. 011er haben ״! zä> Kapital 1 lypo- I Alipihl au Or- ׳.-di,dt u The 1 :10,000;.crative hatte״, i i.ie 7io- Cd ei lAafan' sher ix• .::cm 0V3 p! ״ttem• Gesell, vic Unsuch jetzt; l.n׳;c die Ai uh.tu müssen, ifti wir ו Ruppiu• avi kleine 1;״ hinzunciie die Ai ,׳ei 11teuch den eien ent• kienkauf.- KÜtinstitut wem! die begriffen :rdem ist ilen: Ge- 'hon he¬ Kapital : in einer lik'ill eine 'crfolgtia״ » Simon i:1׳er Ausrw:ke zur!reinigung :n würde, nt lösen, rktes für ׳, die bei lisatioucn mnen der m müßte, :u'e «lurcli ea, Wenn Jsiätigkcit :n, hevor hmer lw• ei Kreditipieln sie 1 Gesamtraten unlurdnveps ׳ml Ni du• war. Die us lauter >01 i tischen die Pittsich Ix'• Inicrlngcn ׳kten ihres •n größter s passend verfolgen.! Erfolge rog.'umms zier! £e׳׳t t werden n K. K. L auf die n ciiifie־ hi.״,־ zieh National־ und <>er h hervor- 1 sich an aus den mte Auf־ , um die ׳irktichen- (ttilisdie 1d Pop־״ der Ju• ff.'*״ ..'l;en :11 hlieoe. >c!1 e>uen c Me»£c ■ I autle־• Landen׳, würden. luulegcu. v׳,,i1i;:!l1ris.1usgahe11 durchzuführcn und seine zukünftige Cie- ,’-'iltiiii; ist noch zu ungewiß, als daß ein Fonds mit cliarnktc- ,,.';'m-lu'iii Eigoiipiitizip mit ihm verschmolzen werden könnte, höre der Keren iInjessod ein reiner Kokrnisati.insfomls, so ließe '.j, noch uhcr die Zusammenlegung diskutieren. So wie es t'^jo!st, halle ich sic für völlig unmöglich. ‘‘3, Die Verwaltung eines nationalen lit Erbpacht vergebenen fV1׳i1nbcsi!res, der stets wachsen wird, ist eine Aufgabe, vollkommen selbständig und unabhängig von anderen {viiilcn »lurehgofuhrt werden muß. Wir haben bereits vor (!■in Krieg«: die- Erfahrungen gemacht, zu welchen Millstiuiden f'j fuhrt,'wenn ein Fonds gleichzeitig den Boden kauft und pi'oitbiert, wie es der JNF. damals getan hat. Aus dieser Erijltrung Itcraus hat sich der JNF. gänzlich von der Koloc;atiü!1 zurückgezogen. Eine Verquickung mit einem anderen fiiiils, der heute nicht einmal seine dringendsten Aufgaben . fmanzieren kann, würtle dazu führen, daß überhaupt kein Geld mehr für Bmlcnkauf wird investiert werden können, ferner kann d-cr JNF. als Verpflichteter, der noch für lange i-hre Abzahlungen für Kauf« abzustatten hat, unmöglich pprlich verschwinden oder sich grundlegend tun wandeln. ׳Für ii;o Folge wird ein gemeinsamer Fonds, belastet mit allen r.iöghciien Aufgaben, für die RoJcitvcrkäufcr kein akzeptabler Vfiirag'partner mehr sein. Wir haben der! JNF. so weit ribtaoitt, daß er frei diesen genügend Ansehen hat, um auf läng«' Frist kaufen zu können, wir würden das Errungene zerstören und unsere Position empfindlich schwächen, wenn wjr den JNF'. mit dem Keren Hajessod vermengen wollten. Was die Vereinheitlichung der Verwaltung betrifft, so ist dl,■?? ein sehr fragwürdiges Prinzip. Unsere VcrwaUungsa״p.1ratc sind deshalb zu kostspielig, weil das Verwaltete noch zu gering an Umfang ist, aber trotzdem der ganze Apparat, der durch die besondere Art des Verwaltenden bcdingt ist, aufgcstcllt sein muß. Diese Kosten werden sich j״jt°der Erhöhung der Eingänge relativ vermindern. Aber daß man aus Gründen der Ersparnisse in der Verwaltung — die übrigens gar nicht so sicher sind — den Fehler begehen sA.l, verschiedene Zweckiustitutionen zusammcnz.ulege«, halte 1,11 nicht nur für falsch, sondern idi glaube, daß nur ein 1,;-,ז eingehendes Konkretisieren zu einer rationellen .und auch sparsamen Wirtschaft fuhren kann. Darüber habe ich oben schon näheres gesagt, 4. Eine andere Frage als die der Zusammenlegung der Fonds als solche ist die der Vereinigung der beiden Sammelapparnte, wie sie von mehreren Seiten, insbesondere in Deutsch-!and vorgcschlngcn wird. Ich, selbst kann aut Grund meiner Erfahrungen mich nicht der Meinung anschließen, dali diese Vereinigung zur Folge hätte, daß mehr Mittel aufgebracht werden würden, als bisher, ich glaube nicht, daß wir z. B. 1921/22 für den Keren Hajessod auch nur um die 2tX)0U0 Pfd., die der JNF’, in diesen zwei Jahren in mühevoller Arbeit aufbradite, mehr erzäelt hätten, wenn eine gemeinsame Propagnnda erfolgt wäre, geschweige denn, daß die Summe für Lide Fonds eine höhere gewesen wäre. Der JNF'. hat eine solche Heilte von SammcTzweckcn und Sammdmetlioden in zwanzigjähriger Arbeit aufgebaut, daß ha einer gemeinsamen Propaganda deren spezielle Zugkraft verloren ginge. Insbesondere bei einer Vereinigung der PropagaiKia mit dem Keren Hajessod. Denn für diesen kann immer nur eine allgemeine Propaganda gemacht werden, spezidie Aktionen des JNF'., wie z. B. die Bodeuablöse für jadjur, wie sie die deutsche Sammclstcllc betreibt, durch die eine bestimmte Wirkung erzielt wird, könnte mir dann in die Propaganda ei 11 bezogen werden, wenn man abwechselnd Keren Hajessod mul JNF. propagieren würde. Dies widerspricht aber dem Charakter beider Fonds. Der Keren Hajcssou muß uuermüdlich trachten, den Kreis der Zeichner zu erweitern, der JNF. muß seine Sammclmittcl, Baumspende, Diiehsc, Boden-!׳!!י! *mannschaftliche Kolonie usw., die sich eingebürgert haben, immer weiter ausbaucn und das gewonnene Terrain ksthaltcn. Trotz dieser Bedenken wird aber ein Abkommen über die Propaganda getroffen' werden müssen, da ja noch andere Sammlungen mitkonkurrieren und die Zersplitterung immer größer wird. Eben jetzt schweben Verhandlungen der beiderseitigen Direktorien über die Vereinheitlichung der Propaganda, die wahrscheinlich am Kongreß zum Abschluß gelangen werden. 5. Das Verhältnis zwischen Keren Hajessod und JNF. würde bei einer Zusammenlegung der Gckiaufbringtmgspropa* ganda aus dem heutigen unerquicklichen Zustand herauskommen. Heute ist dieses Verhältnis so, daß beide Fonds sich gewisse Sammclmethodcn reservieren, der JNF. z. B. auf die Sclbstbcsteucrung verzichten muß und der Keren Hajessod nach Deckung des normalen Palästina-Budgets dem JNF. 20 0,0 seiner Eingänge, resp. Aufwendungen überweisen sollte.■• 111 der Praxis wird diese Verpflichtung; des Keren Hajessod m absehbarer Zeit nicht aktuell werden. Bleibt es bei der völligen Getrenntheit der Gcldaufbringung, dann ist es am bestell, diese Verpflichtung aufzuheben und beiden Fonds völlige Freiheit in der Propaganda zu lassen, wobei natürlich wie gegenseitige Verständigung immer am Platze sein wird. Ls wird am besten sein, in jedem Landesvorstand einen binar,zrcfercnten zu bestellen, der für die Vereinheitlichung der l'inanzpropaganda zu sorgen hätte. Zum Schlüsse noch einige Bemerkungen über die Sammet melhtxicn des Keren Hajessod. Die bisherige Erfahrung ergibt eindeutig, daß es die wichtigste Aufgabe des Keren Hajessod •ist, den Kreis der Zeichner ständig auszudehnen, daß also diese extensive Arbeit noch wichtiger ist, als die Hauptarbeit darauf zu konzentrieren, Im den zionistischen Zeichnern fortwährend auf Erhöhung ecr Leistungen zu drängen. Das Maasserprinzip ist als solches bcizubchnlfcn, als klcalfordcrung und Leistungsmaßstab, aber cs ist unmöglich, Le Eintreibung inquisitorisch zuzuspitzen, denn die Durch- Setzung jenes Prinzips setzt eine sehr lange Erziehung voraus. Ah Konsequenz dieser Erkenntnis wäre die Aufhebung der Maasscrvcrordnungcn bei Aufrechterhaltung des Maa&scrpriu- ׳־ps zu fordern. Fs ist heiitp in unserer Organisation überall anerkannt, 4aß größere Erfolge in der Keren Hajessod-Aktion •nur möglich j״nd, wenn wir einen genügenden Stab von Beamten dafür Lätzen werden und diese in ihrer Stellung, von allen Zu- 1Lligkeiten unabhängig, durch Bcsoldungsordnung, Avancement- 1׳öghehkeit, Pcnsionsansprüche und schließlich Garantie der Verwendung in Palästina mit längerer Dienstzeit gefestigt werden. Diesbezüglich sind die von Julius Berger aufgcstclhen Grundsätze die richtigsten.! IV. ן Das Präsidium der Z. V. f. D. hat als Gegenstand der Lskussionen, die durch dieses Referat eingeleitet werden | de Frage bezeichnet: ״Gibt es überhaupt grundsätzlich ׳indcre und bessere Methoden der Finanzierung als die! 0;shcrigen oder kann eine Reform immer nur die Verbesserung! den Ausbau der heutigen Sammclmethodcn zum Gegenstand I naben?״; . Das Referat hat sich an dieses Thema gehalten lfm!) i '׳'«':«,stellt, dali unser Finanzprogramm sich durchaus nicht j üscbiipicn kann in einen! bloßen Ausbau der heute vor-; jwiiiU'ncn finanzinstnimcnte und ihrer Methoden. Es hat , Amen konkreten Finanzplan aufgcstcllt, jedoch in Erinnerung 1 Loscht, «laß ein solcher nötig und schon vorhanden war. ' pe Aufstellung von Thesen, die als Grundlage für die Be- L׳:Ölung der Finanzfrage gefordert wurde, kann daher, dem , “Mraktcr des Referats entsprechend,;mir von allgemeinen Ut!>Kl1tspunkten aus geschehen. JUEDISCHE RUNDSCHAU Thesen. I, Per Aufbau Palästinas erfordert neben den Intensiven Snmmhingen für die Goncinschnflsfonds Keren Knjemeth Lejisrael und Kcren ILijessoddcnAiishaii derhcstclienden und dieSclinffung neuer Kreditinstitute. Der Exekutive wird nnlicgelegt unter :!ciiötzufig der bisher au,*gearbeiteten Vorre'iHge lind Heran• ziel!urg von Fachmännern einen Gesamtplan für die Finanzierung auszuarbeiten. Dieser Plan mfißte folgenden Forderungen genügen: 1. Sicherung der nationalen Kontrolle über alle Institute. 2. Ihre Zusammenfassung ln c'ne Holding Cy zwecks Er- Mcbtcrung dieser Kor'roIIc und der Aufbringung der Mittel sowie der Gewähr für »ystrmntise'• Zusammenarbeiten aller einzelne׳! Gesellschaften. 3. Einfügung der bCHtehenden Instltute In das Gesamüciiema, das zu einem lückenlosen erweitert werden muß. II, Der Keren Hajessod soll sukzessive von den Aufweudu״gen für produktiveZwcckoertlattct werden. Soweitcsalch tun Beteiligungen an Untreoe’-mirgcn handelte,müßte dies durch die l'mnnzin'TItute gescfo'ren, in bezog auf die kolonisatorischen Inveslitioncn durch eine geeignet Ko'lonlsatlonrgcscllschaft, die zunächst durch Übergabe der schon Ins llcsittc des Keren Knjemeth Lejisrael und Keren Itajrsod vorhandenen Inventarlcn gegen Änsfolgnng der entspreche::den Flaues an diese Fonds begründet werden könnte. Dadurch würde eine scharfe Trennung zwischen den von den Siedlern zu verzinsenden und zu amortisie renden Investitionen von den Auf Wendungen, weiche die Gemeinschaft zur Förderung der Kolon! ation auf sich nimmt, erzielt worden, was zu einer rationellen Wirtschaft der Ansiedler, zur Hebung Ihres Vcrnntvvortimßsgcfülils und schließlich zur Herausbildung^ der Formen einer rentablen jüdischen Landwirtschaft führen würde. UI. Eine Vereinigung von Keren Kajemeth Lejisrael und Keren Hajessod Ist abzuleimen. Dagegen ist eine Vereinheitlichung der beidrruMIgcn Propaganda durdi.grgenselligc Verständigung zu erstrclyi. Dir Verpflichtung des Keren Hajessod von seinen Eingängen 20f'/o ״n den Keren Knjemeth 1/ jisrael nbznlühren. Ist aufzuheben. Da» Marsserprüuip soll als Prinzip fcslgchalten werden. Es ist aber nicht in schroffer Form anzuwenden and seine allmähliche Durchsetzung als Ziel einer dauernden Erzlchungsnrbeit der Zionisten nnzusehen. Die Hauptaufgabe der Keren Kajessod-Arbclt Ist In der steten Erweiterung des KrcDci der Zeichner zu erblicken. IV, Jede Unterhandlung mit nlcMzionlstischen Organisationen usw• zur Herbeiführung einer Kooperation mit der zionistischen Orginisatiou in irgendeiner Form,muß vom finanzpolitischen Stand-!imikt aus die Verpflichtung jener Kreise auf ein bestimmtes Finnnzprogrcmm zum Ziele haben. Ccrich{ des PainsUna-Jlmtcs Berlin fürdicZcitvoml. September 1922 bis!,Juni 1023. Nach den noch in Kraft befindlichen Einreisebestimmungen der Regierung werden hauptsächlich drei Kategorien unter* schieden: I. Touristen, d, h. Leute, die mir zu vorübergehendem Aufenthalt nach Palästina reisen. Das englische Konsulat in Berlin verlangt gewöhnlich, daß der betreffende Tourist die Möglichkeit zur Rückreise hat. Er muß also im Besitze eines deutschen Riickrciscvisums sein. Die palästinensische Landungsbchörde verlangt außerdem den Nachweis ausreichender Mittel für die Zeit des Aufenthaltes und für die Rückfahrt. II. Personen, die ein Vermögen von mindes tens 500 i: besitzen. Das British Passport Control Ofiice in Berlin■ verlangt den Nachweis dieser Summe durch Vorlage einer Bescheinigung einer palästinensischen Bank, auf der die Summe hinterlegt ist. III. Personen, die eine besondere Einreiseerlaub!! i s von seiten der palästinensischen Regierung haben, die ihnen durch Angehörige oder Freunde in Palästina selbst beschafft worden ist, oder denen auf Grund eines eigenen Antrages, der vom British Passport Control Office Berlin an die palästinensische Regierung Weitcrgegebeu worden ist, die Bewilligung zur Einreise nach Palästina erhalten haben. Der letztgenannte Weg durch das British Passport Control Office Berlin hat allerdings, unseres Wissens, nie einen Erfolg gezeitigt. Schon anläßlich der Casscler T agung konnte das Palästina- Amt berichten, daß cs den Bemühungen der Zionistischen Exekutive gelungen war, bei der palästinensischen Regierung eine Wiedereinführung des allen Zertifikatsystems, wenn auch in abgeandertcr Form, zu erreichen. Die palästinensische Re• gicrung erklärte sich bereit, in bestimmten Zeitabständen, je nach der Lage des Arbcilsmnrktcs, der Zionistischen Exc• kutive die Möglichkeit zu geben, eine, in gemeinsamer Ucbcrcinkuuft festgesetzte Anzahl von Arbeitern, besonders Facharbeiter, ins Land zu bringen. Die palästinensische Exekutive verteilt die bewilligte Zahl auf die einzelnen Palästina-Acmtcr in der Diaspora und überläßt diesen, bzw. den Palästina- Aintskoinmissioncn, die Auswahl, im Vertrauen darauf, daß diese aufs strengste undgewissenhafteste durchgcführt wird. In der Bencldszeit sind solche Anforderungen dreimal an die Palästina-Acmtcr ergangen, und zwar in folgender Anzahl: 1. Für E?5 Baühandwerker, davon entfielen 35 auf Deutsch-!and. Es wurden aus Deutschland ausgewählt: 5 Zementarbeiter, 10 Maurer, 10 Tischler, 5 Schlosser, 5 Blei- und Rohrleger. Es war durchaus nicht leicht, die erforderliche Zahl von geeigneten Bauliandwcrkcrn der verschiedenen Kategorien in Deutschland aufzubringen. Der Ucbergang der jüdischen Jugend zu handwerklichen Berufen hat in Deutschland ja viel später eingesetzt als die Umschichtung zur Landwirtschaft, 90 daß vorläufig in Deutschland von dieser Seite nur ganz wenige, auch nur einigermaßen ausgcbildetc Facharbeiter gestellt werden kommen. Wir sind liier in erster Reihe auf die cingewnndcrtcji ostjüdischen Arbeiter angewiesen. Die fachliche Ausbildung dieser Arbeiterschaft ist jedoch ein« durchaus unzureichende, und die bisherigen Bemühungen, einem Teil von ihnen wenigstens eine bessere Ausbildung zu verschaffen, sind noch zu jungen Datums, als daß bereits allgemeine Erfolge vorhanden sein könnten. Die Gewöhnung an schwere Arbeit (Bergbau-, Landwirtschaft usw.), sowie der sicherlich durchaus vorhandene Wille, jede Arbeit zu übernehmen, die sich bietet, ersetzt noch keinesfalls eine geschulte Fachbildung, die auf langjähriger praktischer Uebung und Erfahrung beruht; aber es muß die Aufgabe der Ortsgruppen!und aller derjenigen Faktoren seiq, die die Leute für die Alijah in Vorschlag bringen, eine eingehende Prüfung der beruflichen Qualitäten vorzuncltmcn, und es sich vor allen Dinget! angelegen sein lassen, der Arbeiterschaft, die in ihrem Bereiche lebt, eine gründliche Fachausbildung zuteil werden zu lassen. Bei der Berufswahl «Hirten selbstverständlich nicht etwa lediglich die augenblicklichen Bedürfnisse für Palästina ausschlaggebend sein, sondern die Neigung und Fähigkeit der Bewerber. 111 diesem Zusammenhänge möchten wir noch auf die Ausbildung einer Bauhandwcrkcrkwuznl! (Maurer) hinweisen, die von Herrn Dr. Ncumaium in Dortmund, in Gemeinschaft mit der Gesellschaft Haawodal» bewerkstelligt wurde. Es ist hier zum ersten Male in Deutschland die handwerkliche Ausbildung in form einer Kww.ah versucht worden, und es war möglich, auf diese Welse, bei einer relativ kurzen Ausbildung, eine relativ gut ausgcbildetc Maurergruppe herübcmisehickcn. , ... Die weiteren Anforderungen trugen keinen spezialisierten Cliarakter, sondern lauteten allgemein auf ״ungelernte Arbeiter־‘. Dies bedeutete ein Entgegenkommen der palästineusisclxn Regierung, die der zionistischen Organisation und deren Organen, den Paläsiiiia-Acmterii, die Möglichkeit geben wollte, auch solchen Personen zur Ucbcrsiedlung nach Palästina zu verhelfen, tlic nicht ohne weiteres in den strengön Rahmen einer spezialisicrien Arbeiterkategorie liincinpalHcn. Außerdem wäre cs ja unmöglich gewesen, sämtliche Kategorien aufzuzählen, die evtl, die Aussicht haben, in Palästina vorwärts ziLkoimucn. Jedoch machte es die, palästinensische Exekutive den Palästina-Acmtern ausdrücklich zur Pflicht, daß zwar Arbeiter der verschiedensten Kategorien geschickt werden sollten, jedoch nur solche, die einen Spezi albe ruf gründlich erlernt haben. Es war dem Palästina-Amt Berlin auf diese Weise vor allem möglich gewesen, Oialiizim, die seit 2, 5 und mehr Jahren als Landwirte praktisch tätig gewesen waren uiul als vollkommen ׳ausgchihlct gellen konnten, endlich zur Ucbmicdlung nach Palästina zu verhelfen. Bei den letzten beiden Anforderungen entfielen das erstemal 45, das zweitem«! 25 auf Deutschland, und zwar waren es: 28 Landwirte, 2 Sattler, 4 Gärtner, 1 Uhrmacher, 1 Ingenicur, 2 Maschinisten, 2 Schlosser, 1 Gerber, 1 Schuhmacher, 1 Ziegclarbciter, 1 Bautischler, 1 Glaser. 1 Glaser, 7 Gärtner, 1 Lederarbeiter, 9 Landwirte, 4 Maurer, l Fischer, 1 Sehiutemacher, 1 Schmied. Sämtlich«■ Anforderungen galten nur für männliche Persouen, allerdings auch für Familien. Jungen Mädchen war also keine Möglichkeit ״(:geben, nach Palästina übcrzusiedeln. Des war umso bedauerlicher, als wir in Deutschland eine, wenn auch nicht große Anzahl von landwirtschaftlich und hausiiällcrisch erfahrenen jungen Mädchen hatten, die durchaus ein notwendiges und geeignetes Element für den Aufbau Pa• iaslinas darstellen. Es gelang dem Palästina-Amt Berlin, durch Vermittlung einiger Damen, die aus Deutschland stammen, besonder:! Frau Dr. Thon, von der palästinensischen Regierung «lic Erlaubnis zu erhalten, 18 junge Mädchen nach Palästina zu entsenden; jedoch machte die palästinensische Regierung eine Erneuerung dieser ersten Bewilligung davon abhängig, daß die jungen Mädchen in der Führung eines Haushaltes gut erfahren, und auch wirklich bereit sind, als Hausgehilfinnen tätig zu sein, und die sich zur Annahme einer Anstellung im I,rivathausl1ak auf ein jalir verpflichten. Frau Dr. Th<m und Miss Ethel l.owy haben sich beide bereit erklärt, für <|1e Unterbringung der jungen Mädchen, sobald sic nach Palästina kommen, bei geeigneten Familien Sorge zu tragen. De Nachfrage nach geeigneten, sauberen und gut erfahrenen Hausgehilfinnen ist sehr groß, so daß jedes junge Mädchen sofort Beschäftigung und Unterkunft findet. Das Gehalt für junge Mädchen beträgt bei freier Station und Verpflegung gewöhnlich 2.— ■C bis 5.— £ monatlich. Der anfängliche Plan der palästinensischen Exekutive, alle 2—3 Alonate eine derartige Anforderung von Arbeits• pionieren von der palästinensischen Regierung zu erreichen, ließ sich jedoch nicht durchführen. Eine in diesem Jahre stark einsetzendc Arbeitslosigkeit, trotz der Bautätigkeit in! Frühjahr, hatte zur Folge, daß während des Kalenderjahrs keine neuen Anforderungen aus Palästina cingcgangen sind. Im Gegenteil ist eine Versciiärl'ung bezüglich der Kontrolle der Auswanderung cingelreten. Die palästinensische Regierung begnügt sich nicht nut der von Seiten der Palästiua-Äcmter sowohl, sowie von Seiten des englischen Konsulats erfolgten Prüfung, ob der betreffende Paläsnnafahrer den Bestimmungen über die Einreise entspricht, sondern sie hat besondere Kontrollinstanzcn eingesetzt, und zwar zunächst einen besonderen Kommissar nach Triest entsandt, der vor der Einschiffung eine nochmalige Prüfung «kr Visa daraufhin vornimmt, ob diese auch wirklich den von der palästinensischen Regierung erlassenen Bestimmungen entspricht. Es soll dies Verfahren, so argumentiert die palästinensische Regierung, eine bislang geübte Härte vermeiden, indem nämlich die Landungsbchörde i|1 Palästina das Recht hatte, Leute von der Landung zurückzuweisen, welche nicht ordnungsmäßig erteilte Visa von Seiten der englischen Konsulate vorweisen kommten. Sol che 11 Palästinafalirern, deren Visa nach Meinung des Kon trollkommissars nicht in Ordnung sind, soll 1*me unnütze Weiterreise nach Palästina erspart bleiben, und solche Reisende bereits in Europa angehalten werden. Vom 1. September 1922 (bis zu diesem Termin reichte «ler Bericht des Palästina-Amics, der der Cassler Tagung vorlag) bis zum 1. Juni 1923, also im Verlauf von 9 Monate!־, sind ans Deutschland insgesamt 119־ Personen nacli Palästina übcrgesicdclt. Ferner sind 14 Rückwanderer verzeichnet worden. Dirrch wa nd c r e r: Berlin ist nach wie vor Haupt• etappenstation für alle Palästinaf,ihrer, die von den Palästina- Acmlern Danzig, Kowno, Riga, Reval, Libau abgefertig! werden. Mit diesen Palästiiia-Aemtem standen wir dauernd in cngslcr Fühlungnahme. Die Gesamtzahl der Durchwandere!־ betrug 357, übertrifft also die Auswanderung aus Deutschland erheblich, was aus «ler großen Zahl von Leuten erklärlich wird, die infolge der litauischen Valuta als zur Kategorie ״Kapitalisten“ gehör.g, nach Palästina übcrsicdeln. Mit Hilfe des jüdischen Bahnhofsdienstes werden diese Durchwanderer nach wie vor in Empfang genommen, 1111,1 für ihre Unterkunft während ihres Aufenthaltes wird von Seiten des Palästina-Amtes Sorge getragen, soweit sic 11־ dieser Hinsicht das Palästina-Amt in Anspruch nehmen. Das Palästinn-Amt ist bemüht, den Durchwanderen! beim Einkauf von Handwerkszeug, Gerätschaft und Beschaffung von Klei• dungsslückcn usf«v. behilflich zu sein. Von Berlin aus erfolgt «iie Abfertigung für die ganz«־ Reise bis Palästina, da hier sowolü Bahn wie SchiffskarUu bis zum Endziel besorgt werden. Ehe soziale Hilfe des Palästina-Amtes, die Durchwanderen! uml Auswanderern in gleichem ־Maße zuteil wird, erstreck( sich nicht nur auf die Weiterbeförderung während der Reise und die Beschaffung von Unterkunft, sondern das Palästina- Amt war auch bemüht, Ausiiistungsgegcnätandc, und vor allem auch Bekleidungsstücke, den angcfordcrlcn Arbeiten! zu bcsorgen. Bei der Abreise, die allwöchentlich in Transporten erfolgt, war die jüdisch-nationale F'raucnvereinigung, unter Leitung der Damen Frau L. Glaser und Frau L. Wagner- Tauber, hilfreich tätig, indem sie die Reisenden mit Lebensmittein xind Erfrischungen versah, und sich vor allem auch während ihres Aufenthaltes um Frauen und Kinder eingehend kümmerte. Ebenso ist das Palästina-Amt der jüdisch-nationalen Frauenvereinigung zu Dank verpflichtet, für die Hilfe bei der Beschaffung von Kleidungsstücken für die Auswanderer, sowohl wie für die Durchwanderer. Reiseweg: Für die Palästinafahrcr ans Deutschland, (und für die Diirchwandcrcr filier Berlin führte nach wie vor der Reiseweg über München—Salzburg—Triest. Unsere Freunde in Salzburg und München ließen es sich besonders angelegen rein, den Durchwanderern in jeder Hinsicht zu helfen. FratP Dora Schwartz und Herrn R. Ornstein ja Salzburg sind alle Palästinafahrcr, die Salzburg berührter, m großem Dank verpflichtet. Besonderer Dank gebührt jeifoeh dem Palästina-Amt München, das unter Leitung von Herrn Paul Grünbaum steht. Infolge einer Aenderung der Ansdilußverbindung müssen seit einigen Monaten die Palästina-