Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVIII (1923)
- Issue
- Heft 48 (15.6.1923)
- Date
- 1923-06-15
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 291 i Kr, 4S -II;1t . ukcv :::eilt »ach a.1[hs a V'OU .»1 cs mCilis boiir- *c;t ja A1110. »allen, Sclilll- Volksei. 11. ,״Ilten 's ent-; mm, »wirrt, Re c'ut ׳ muß cts ge. Inli.Vit cinziist als vir mit ,11 je Je tit mit wird. Ja ft cs :»ichste he geml die »igsten ■üß'gabe 1 wird, ivuitiirmüssen;ateridi 1, einen .einerlei rwcitc- ׳ Fonds ii, wird et, und des jü- ׳»setzen ktionen eil hiernrprnch I Abs. 2 llcnctaat er Auto- Solange sind die נ außer- »in״cn." »stisclie , oder Einzeli:;en An- 11 sollen, :11 Anr;c■ ceianklich hon fast iciit dazu er Keren n Staatssozialistiung, dal! )konomiige, der sei als 3 :cn i״• im Konbehalte. dihIs j:C- 11 schon cs noch 11 Unter- Iber die i ■■iciicr- Ailistina »sichten eprii״,ten in Staat 0 besser r soweit che Of spielen, Jmstand r Keren 1r nach- Million 1־ unilcrtdien, so ׳ (iruml- Organi* ic ns"׳• Invest- Unter- If1.i1 wir unserer nhdU'it, in:-; des n?n mir Banken unser'!' hr ah־ cs bc- }tischen •in und cn 1!|1c! trsonen minder cn das he »eeiabiid• eh von ,;,׳(:■sehen Interessen beeinflussen lassen und muß ihre Weium Fisiaiizc.i entgegen nehmen, die wechseln, wie dje (»iie’ipohtisvd'cu , Koiijunkiiucn im Zionismus wechseln. Sie 1 )׳:l)erha1i(1t keine Bank, sondern nur eine Bankabtcilim״ einer Ü,j1!.sehen Körperschaft. Letztere und nicht der Bankier tj. über sie zu bestimmen. Nun ist cs an sich schon ";11,111111, wenn eine Bank ■vom Rcichsparlamcnt Weisung jn’iHpcimehiuen midi. Was wäre wohl aus der Deutschen aus der A. 1£. Q., aus der H.ipag geworden, wem! 'iciit Koch, Rathenau und 15.11• in, sondern der 'deutsche Reichs• 1ד!נ filier die Art iiircr Geschäftsführung zu entscheiden ״riiaht hätte? Aber immerhin 11.Ute mail dann noch wenigstens jjniit rechnen können, daß der Reichstag ein einigermaßen g1311iles und kontinuierliches Lichildc sei, der fast ummterbrachen tagt und der vor allem bodenständig ist und die. ijiidcsvcriialiiiisse und Bedürfnisse genau kennt! Doch von alldem ist ja bei uns nicht einmal die Rede. Unser A.-C. bzw, der Kongreß besteht aus Mitgliedern, ,||c über die ganze Welt verstreut sind, die also nicht koiilhiuierlirh aihviten können; die überdies zu neun Zehntel Miduiaclilciite sind; und die vor allein fern von Palästina bleiben, dessen Verhältnisse und Bedürfnisse ihnen unbekannt £;״(i. Dieses Forum, großenteils überdies im Banne innenpolitischer oder propagandistischer Hemmungen stellend, soll ibriibcr entscheiden, wie die Bank zu arbeiten hat, welche £lcl) einen maßgebenden 1011(11111 auf die wirtschaftliche Entwicklung Palästinas erringen will! Ist die sozialistische Ten- (jcnz in der zionistischen Innenpolitik obenauf, so wird dieses foriim das Schwergewicht kolonisatoiisdicr Aktivität von diesem kapitalistischen Inslrumcnt fort und nach einem Wechselbalg, wie dem Keren ifajessod, hinvcrsdücbcn; ist dir Kongreß chauvinistisch orientiert, verbietet er der Bank, rait den Arabern Geschäfte zu machen, und zwingt den arabischen Konkurrenzkampf, sich die Position zu schaffen, welche ihr sonst selbst Zufällen würde. Das alles sind unhaltbare Zustände. Die Geschäftsführung der Bank muß von solchen Einflüssen frei gehalten, von solchen Schwanknngeu unabhängig gemacht werden. Sic darf keine andere Aufgabe vor Augen haben als die, sich eine möglichst do-!;linierende Stellung im palästinensischen Wirtschaftsleben zu erringen, und ob sie dieser Aufgabe gerecht wird, haben Binktaclilcute zu beurteilen und nicht Politiker. ■ Es ist auch eine irrige Vorstellung, daß ein Wirtschaftliebes Unternehmen mir dann eine konsequente systematische nationale Kolonisationspolitik treiben kann, wenn die nationalpolitischen Instanzen im Aufsichtsrat den Ausschlag geben. Es 'sf absolut falsch, zu glauben, daß I.C. T. und A. P. C. ihren intion.ilkolonisalorischcii Charakter verlieren würden, wenn (1,1s Majorisicrungsrccht der founder shares kassiert werden wurde. Hat nicht Deutschland z. B. 20 Jahre hindurch bewußt und planvoll seine Orientpolitik, wie seine Uebcrsccpolitik überhaupt durch zwei wirtschaftliche Unternehmungen dirigiert, die formal absolut unabhängig von der Regierung waren, durch die Deutsche Bank und die Hapag? Nie wäre diesen beiden möglich gewesen, das zu werden, was sie geworden sind, wenn sic auf das Kommando des Reichstags liatfcn hören müssenI Und auch ohne einen solchen Zwang hatten sie einen so lebendigen Kontakt mit der Regierung, mit dem Auswärtigen Amt und dem Kaiser selbst, daß keine gisduitlichc Entscheidung, bei weicher nationale Interessen um Bedeutung berührt werden konnten, gefällt wurde, ohne daß vorher ein Einvernehmen zwischen Direktion und Repicrung 11cs!gestellt wurde! Es geht also auch so, wenn nur die urantivorllichcn Leiter durch ihre persönliche Zuverlässigseit genügende Garantien bieten. Ein solches Verhältnis wie das erwähnte erscheint mir auch für Palästina wiiusehenswert. Die founder shares müssen dem A.-C. abgenommen wer- Li:;. Ea.״ii ist nicht gesagt, dal] sic kassiert werden wollen. Auch im hochentwickelten privaikapita'istischc« Erwerbsleben verzichtet man nicht gern auf jene ״Kommandobrücke“, welche durch foinidcr- oder Vorzugsaktien mit mehrfachem Stimmrecht gewährleistet wird. 'In Deutschland gibt es heute kaum noch ein Industrie-Unternehmen, das sicli nicht eines solchen Mittels bedienen würde, um seiner Geschäftsführung die Sicherung gegen unerwünschte Eindringlinge zu gewähren, jeder Leiter eines großen Unternehmens ist Kolonisator und Organisator und braucht dazu eine solche Kommando• brücke. Auch wir sollen keineswegs darauf verzichten, nur muH cs unter allen Umständen in einer Form geschehen, welche den rein geschäftlichen Charakter des Unternehmens nicht beeinträchtigt und welche es von politischen Beein- ‘lussimgcii frei erhält. Darum soll an die Stelle des Actions- Comites ein Konsortium zionistischer Kaufleutc treten, welche die founder shares käuflich erwerben, und Sicherheit wird man hierfür einen recht hoben Preis erzielen können. Dadurch werden die Erwerber von vornherein interessiert sein, die Ertragfähigkeit der Bank rasch und großzügig zu entwickeln. Die erste Zusammensetzung des Konsortiums muß der Kongreß genehmigen, und er kann bei einzelnen Mit-;licdern ein Veto cinlegcn. Auf diese Weise wird das Konsortium zunächst nur aus solchen Kauflcnten bestehen, »eiche zionistisch erprobt und zuverlässig sind. Eine Er- «itcrimg des Konsortiums oder ein Bcsitzwcchscl kann im Konsortialvertrag an einen A/u-Majoritätsbeschluß geknüpft »erden, und überdies kann die Zionistische Organisation 11s solche auch Besitzerin eines Konsortialantcilcs bleiben, sich dadurch eine Stimme sichern und an den dann hoffentlich steigenden Erträgen beteiligt bleiben. Es ist eine Sache der Verhandlung, jene Grenzen zu ziehen, welche für den Zio- :!Ismus genügende Garantien, aber gleichzeitig auch für den geschäftlichen Charakter der Bank freie Entwickiungsinüglichkeit gewährleisten. Ohne eine solche Gewährleistung wird sich uif die Datier kein wirklich frcischüpferischcr, großzügiger und kolonisatorisch begabter Bankdircktor oder Industrieller dazu hergeben, die Giseiiäftcdcs I. C. T. zu übernehmen. Erfahrungsgemäß tritt fast keine der prominenten Persönlichkeiten des Wirtschaftslebens in den Staatsdienst, weil sie gewöhnt sind, sieh ohne dogmatische Bindungen den jeweiligen Schwankiwgcn wirtschaftlicher Verhältnisse rasch anzupassen, den richtigen Zeitpunkt und die richtige Situation zu erfassen : md dann rasch zu handeln, ohne sich aber von politischen | Faktoren abhängig zu machen und womöglich erst ein Votum : abzuwarten, bis zu dessen Eintreffen der Moment längst 'erpaftt ist. Nur darin liegt ihre Stärke, Und darum ge-; bngea wir hiermit zur 1 These VII. I ,,Voraussetzung ffir das Gedeihen einer wirtschaftlichen i Unternehmung bildet die völlige Unabhängigkeit Ihrer Leitung 1 yon parteipolitischen Konstellationen and Einflüssen. Insbesondere I kt cs unmii lieh, daß die Richtlinien ffir die in Palästina arbel- 1 lenden Unternehmungen von Körperschaften aufgestellt werden, t die nicht in Palästina selbst wurzeln and sich nach den Landes-; hcd'ufnisscn richten, sondern die sich ihre Stellungnahme von ־ hnd remden i lieorien und inncrpolitischca Tendenzen vori schreiben lassen,“; These VIII. . ich glaube, schon in dem vorher Oesagten ist genügend 0utüch darauf hingewiesen worden, daß damit weder in rtin finanzieller noch in nationaler Hinsicht die Formen des : '*trcm-anarchistischcn Privatkapitalismus an die Stelle einer : *0״tralcn Kontrolle im Dienste der Gemeinnützigkeit gesetzt ״Cr1!,!n sollen. Es handelt sich nur darum, eine Form der KmuroHe zu finden, welche die wirtschaftliche Entwicklung fördert und nicht unterbindet. Ith werde im späteren Vcrlmii noch hierauf zu sprechen kommen, da der Nationalfonds sowohl in seiner beute bestehenden Struktur wie auch in jener Erweiterung, welche ich Vorschlägen will, das denkbar beste litsirumciit für solche Bestrebungen darzustellcn scheint. Aber das wird ein Experiment, bei welchem die Initiative vom anonymen Volksgnnzcii misgcht, und bei welchem der Träger ein im öffentlich-rechtlichen Sinne nur privater Verein gemeinnützigen Charakters ist. Indessen auch unabhängig von soldien’privaten Experimenten haben wir ja im allgeinein-wirlsciiaftlrdicn und sozialen Leben der Völker schon ausprobiertc Formeu für das was wir hier wollen, und darum wollen wir, um Mißverständnissen vorzubeugen, deren Bercchtigimg und Notwendigkeit auch für Palästina schon an dieser Stelle unterstreichen, und zwar durch These VIII. ״Das bereits praktisch bewährte System der Gemein Wirtschaft durch Beteiligung von Kommunen and Lamtesverwaltungcn an solchen Unternehmungen, deren Bewirtschaftung Im öffentlichen Interesse gelegen ist, wird durch These VII nicht berührt, und soll auch in Palästina nach bester Möglichkeit zur Anwendung kommen." These IX. Doch bleiben wir zunächst bei den Banken. Sic bilden das Nervenzentrum des Wirtschaftslebens. Ihnen wird cs obliegen, nach allen Richtungen gleichzeitig und gleichmäßig nuszuslralilcn und Landwirtschaft, Industrie und Handel und Verkehr, und was drum und dran hängt, zu befruchten, zu fordern, systematisch aufznbaucn und möglichst alle Fäden bei sieh zu behalten. Es ist nicht entscheidend, ob dies nur eine Bank sein soll. Es wird sich In jedem Falle utn ein System von Banken verschiedener Spczialart handeln, um Darlchnskassen, Wechselstuben, Eskomptebanken, weiche den personellen Kontokorrent- oder Wcehselkrcdit pflegen, Clearingbanken, welche den Kredit nicht für Einzelpersonen, sondern für wirtschaftliche Unternehmungen betreiben, Gründungen finanzieren, Konsortialgescliäfte auinchmen, Anleihen und Obligationen übernehmen, Lonrbardbanken schließlich usw. Alle diese Arten von Banken wird cs geben, und es bleibt der Eigenart der Landesverhältnisse überlassen, ob sic ab eine Anzahl vereinzelter kleinerer Betriebe unabhängig von einander entstehen, um sich auf cinanderzu zu entwickeln und sich dann zu einer Krafteinheit zu verschmelzen, oder ob umgekehrt von einem einheitlichen Zentrum aus solche Variationcn als Ressorts und Tochtergesellschaften ins Leben gerufen werden, die von vornherein ein einheitliches Oanzes bilden. Zweifellos werden der J. C. T. und die A. P. C,, wofern sie die vorerwähnte Bewegungsfreiheit erhalten, und wofern vor allem ein tatkräftiger und großzügiger Bankdirektor an ihrer Spitze sein wird, in der Lage sein, den letzteren Weg cinzusdilngen und sich selbst ein Netz von Bankorganen zu schaffen, welches sie beherrschen und• dirigieren. Wir sind uns alle darüber klar, daß wir den Wettlaut mit den Arabern verlieren werden, wenn wir ihn nur auf der untersten wirtschaftlichen Stufe, auf dem Gebiete der Landwirtschaft — und auch liier nur mit den alten Formen des Handarbeiters, nicht mit denen der modernen industriellen Landwirtschaft — auf nehmen wollten. Zweifellos wird die vollständige Landes,iirtoiiomi« eher ins Leben treten, als cs 1ms gelungen sein wird, in der Landwirtschaft die Hegemonie zu erringen. Aus diesem politischen Grunde werden wir klug daran tun, uns vor allem jener wirtschaftlichen Posi■ thnen zu bemächtigen, von welchen aus man mit einem relativ geringen Bedarf an Mcnschcnmatcrial ein Höchst■ maß von Einfluß auf das gesamte wirtschaftliclrc Leben sicherstellen kann. Natürlich ist das kein Idealzustand, und die Entwicklung in allen gciiiisdilnatioiialen Staaten hat es gezeigt, daß auf die Dauer diejenige Nationalität, welche ledig• lieh die wirtschaftlichen Oberschichten beherrscht, von jener anderen, welche die Landarbeilcr hinter sieh hat, aus dem Sattel gehoben wird, und deshalb werden wir auch nichts versäumen dürfen, um diese so notwendige Verankerung in der Bodenproduktion naclmilmlcn, damit cs uns nicht so geht, wie cs den Deutschen in Böhmen, den Deutschen und Juden in Wcstgalizicn, den Polen in Ostgalizicn gegangen ist. Aber ohne dies aus den Augen zu lassen, müssen wir uns jene wirtschaftliche MachtfüllcA welche sicli ln einem lebendi• gen Bankensystem vereinen läßt, so rasch! wie möglich sichern. An dieser Stelle muß ich einige Bemerkungen einschafteti, welche etwas mehr politischer Natur sind, aber hier nicht übergangen werden können, Sri von der letzte Hinweis auf die Möglichkeit einer späteren Expropriierung durch die arabische Landbevölkerung deutet darauf hin, daß wir hier die kardinale Seite des Araberproblcms berühren, und' cs wird notwendig sei, daß man sich über die fast hoffnungslos komplizierte Situation so eindringlich klar wirtk wie cs die nachstehende Formulierung zum Ausdruck bringt. Es ist eine politische Selbstverständlichkeit, daß wir in Palästina heute nicht das geringste mehr unternehmen dürfen, was irgendwie einen ngressiven Charakter gegenüber den Arabern besitzt. Wir dürfen den Wohltaten, weiche wir dem Lande Zufuhren, nicht einmal einen exklusiven Rahmen gehen, 90 daß sie nur den Juden zugute kämen, die Araber aber nicht daran teilnchmcn lassen. Wir müssen sogar noch weiter gehen, und alle diese Wohltaten so atifzichcii, daß sie auch den Arabern als Wohltaten zum Bewußtsein kommen. Das sind politische Notwendigkeiten, ohne deren sorgfältigste Be■ obachtung wir die politischen Krisen nicht nur wiederholen,׳ sondern in Permanenz erklären würden. Hierbei gibt es kein Gebiet, das davon ausgenommen werden könnte. Ob cs sich um das Schul- und Lehrwesen, ob cs sich um die Kreditgewährung seitens der Banken, ob cs sich um die Schaffung von Arbeiterorganisationen oder Genossenschaften handelt, wir müssen das alles in voller Solidarität mit den Arabern vornehmen, ob wir wollen oder nicht, denn wenn wir cs nicht wollten,, bliebe uns kein anderes Mittel um ins Land zu kommen als die Maschinengewehre, und solche bcsitzen wir weder, noch sinJ sie uns sympathisch. Es gibt nun viele unter uns, welche eine solche Solidariiätseiiisicllung nicht nur als taktisch-poliiische Notwendig keit, sondern als eine Sache der Ethik und! des Herzens he• trachten, um so mehr als sie dem Geista der Bibel entspricht. Audi ich gehöre zu diesen. _ Aber wir müssen uns absolut darüber klar werden, daß wir und nur wir allein auf diese Weise die heute in ihren Massen noch nicht erwadite arabische Nation auf jene KuHurhöhe bringen, welche den Nationalitiitenkampf in vollster Erbitterung wird ausbrechen lassen. Dieser Prozeß, wie sogenannte gcschichtslosc Nationen, vor allem die Nationen mit den großen Reservoirs an agrarischen Analphabeten, dadurch zum Leben erwachen, daß die l<apitnlistisdie Wirtschaftsform alle kulturellen Fortschritte in diese Reservoirs leitet, die stumpfe Klasse durch Schulen, Bibliotheken, Presse, Propaganda, Arbeiterorganisation usw. zum Bewußtsein ihrer Nationalität erzieht, dieser Prozeß als die Ursache aller erbitterten nationalen Kämpfe und Expropri• icrungscrschcinungcn ist bereits wissenschaftlich erfaßt und fest■ gehalten worden, so insbesondere in dem fundamentalen Werk von Otto Bauer über den ״Sozialismus undl das Nationalitätenpnoblern“. Nur so sind die Ts che dien in Böhmen, die Polen in Oalizien, die Rtrthencn in Ostgalizicn erwacht. Die kuitureif ursprünglich überlegenen Kolonisatoren des sogenannten Herrenvolkcs gruben sich gerade durch diese Kolonisation ihr eigenes ßrab» iu&jB, $ic; Uu$ R#}jaaj,«ja fjegne{ kulturell weckten und ihnen alle Waffen gnb11׳׳, d.e sie zu iiircr eigenen Eiim.׳zI;\1 i.1:1 br.uicV »1. Wir m.iss.11 hi .׳ flick* haltlos dieser Perspektive ins Auge sehen und erk״n!1en, daß wir mit jedem kulturellen und wirtschaftlichen l'orischritt, den wir ins Land bringen, mit jeder Zeitung, jeder Schule, jeder Gewerkschaft das Auisleige» der erwachenden arabischen , Nation fordern und diesem Am stieg ein Tempo yer'.c.hen, wie er ihn ohne uns nie und nimmer hatte erreiäK״׳ können. Und nur durch uns wird der arabische Nationalismus in 20 Jahren eine Agressivität entfalten können, wie sie ohne uns erst ein Mcnschcnalter später möglich gewesen wäre. Diese Gefahr ist um s׳o größer und furchtbarer, als sie die Gefahr eines circtilus vitiosus darstellt, aus welchem wir einen Ausweg nicht keimen. Wem! wir ihr überhaupt begegnen können, wird cs nur dadurch möglich sein, daß wir unser eigenes Tempo wirlsdi.iitliclier Maciiigcwinnung bis zum äußersten forcieren, und aus diesem Grunde kehre ich im Augenblick zu meiner Forderung zurück, daß die Bank instand gesetzt werde, die ihr zubcstimmte Position auch voll und ganz auszufülieii. Bei der Frage, wie dies zu geschehen hat, stoßen wir vor allem auf das Problem der M i 11 clbcs eh a f f un g. Eine Bank, die solche Aufgaben hat, braucht sehr große Kapitalien. Hat sie diese nicht zur Verfügung, bleibt sie wohl oder übel darauf angewiesen, die niedrigere Rolle des Geldmaklers und •Wechslers, auch des Geldicihcrs im kleineren Maßstabe zu spielen. Auf die Art und Weise, wie sich dieses Wirtschaftsleben, für welches sic dann den Geld verkehr reguliert, aufbaut, bliebe sie ohne Einfluß, und cs wäre dann möglich, daß sie in Palästina die gleiche Rolle behalten würde, wie sie der Jude iin Galuth während des Mittelalters besaß: die Rolle des Geld- und Pfandleihers innerhalb einer nicht nur fremden, sondern feindlichen Wirtschaft. Unsere Banken brauchen große Gelder, um sie in jene Kanäle der Volkswirtschaft zu dirigieren, wo es im Sinne eines koloni- «atorisclicn Aufbaus notwendig ist. In Deutschland z. B., wo diese Art Bankentyp besonders ausgeprägt ist, ausgeprägter als in England, wo die Banken vorwiegend nur das Depositen-und Cleariuggcscliäft betreiben*), ziehen die Banken die dazu erfordcrlichen Kapitalien aus den Ueberscliüsscn und Ersparnissen der reichen Volkswirtschaft an sich heran. Dort stehen Limen ausreichend Depositen• und Spareinlagen zur Verfügung. Davon wird in Palästina zunächst keine Rede sein. Das Land ist arm und nur ein winziger Teil der Einwanderer ist m der Lage, Ersparnisse zu machen. Daraus hat man die Folgerung gezogen, daß die Bank sich ihr Kapital allein durch Aktienausgabe und deren Placierung im Galuth beschaffen müsse. Ich halle diese Forderung nur für bedingt richtig. Eine Erhöhung des Aktienkapitals ist gewiß erforderlich, aber man braucht sich nicht darauf zu beschränken. Gewiß, die palästinensische Wirtschaft ist nicht so reich, daß die Banken aus ihr genügend Mittel alsschöpfcn könnten. Aber wir haben doch noch die ganze jüdische Wirtschaft in der Diaspora in der Reserve, eine Wirtschalt, die stark lind reich genug Ist, ein Vielfaches von dem zu leisten, was hier benötigt wird. Ich denke dabei zunächst gar nicht an die Möglichkeit, einen großen Teil des jüdischen Clearing- Verkehrs, insbesondere bei den Emigrationsgeklcrn, Hilfs• aktionen usw. über Filialiiistitute unserer Banken zu leihen. Aber ich frage, ob es nicht möglich sein wird, jüdische Gelder großen Umfangs der Bank als Depositen zuztiftihren? Man hat eine große Aktion mit Keren Hajessod-Zertifikaten gemacht. Man hat dabei von der Möglichkeit einer Verziiisung gesprochen. Diese Sache war phantastisch. Aber, wenn man nun an die jüdischen Massen herantreten und sagen würde: hier ist unsere Bank, eine Batik mit immerhin nicht zu unterschätzender Bedeutung. Sie wird geschäftlich verwaltet, sic zahlt Dividenden. Gib ihr einen Teil deines Geldes als Depot. Genau so, wie du cs bei jeder anderen Bank tust. Die Bank wird cs dir verzinsen mit 4 °/0, 5 °/0, je nachdem. Laß ihr das Geld fest auf drei Jahre oder fünf Jahre, damit die flank mit einer längeren Unilaufsfrist rechnen und bessere Geschäfte cntricrcn kann. Willst du eine größere Sicherheit, 80 wird dir die Bank ein Zertifikat geben, welches du überdies weiter verkaufen kannst. Dieses Zertifikat wird die Bank dir mit 97 <V0 berechnen und wird cs nach fünf Jahren mit 102 ״/o ehrlosen. Was wäre geschehen? Wir hätten Jeren Tvpus der Bankcnobligation**), der schon bei anderen Pa ken gang und gäbe ist, um der Bank größere, fcstvcr/insliehe Mittel auf mehrere Jahre fest zuztiführen. Die Bankcnobligation, der schon bei anderen Banken, z. B. in der Schweiz, gang und gäbe ist, um der Bank größere, fcstvcrzinslichc Mittel auf mehrere Jahre fest ziizuführcn. Die selbstverständlichste Sache von der Welt. Stellt man überdies noch den Apparat der nationalen Propaganda in ihren Dienst, so wird der Erfolg ein völlig ausreichender sein. Und ähnlich wie hei dem von mir früher vorgcscli'agcncn Projekt der Staatsanleihe werden wir endlich dazu gelangen, eine ökonomisch fundierte, gesunde kaufmännische Siehe dadurch größer zu machen, daß wir auch die nationale Pro• naganda für sic cinsctzcn. Rishcr hatten wir das umgekehrte Prinzip, insbesondere beim Keren Hajessed, Li her versuchten wir gewöhnlich, eine nationale Sache dadurch mundgerecht zu machen, dall wir sic auch als ökonomisch oder gar gewinnbriiigcnd propagierten. Mit dieser Methode, die nur Schiffbruch erleiden kann, muß ebenfalls gründlich aufgeräumt werden. Ich fasse das hier Gesagte nunmehr zusammen zur These IX. ״Die Banken haben »ich nicht auf da* Geldleih-, Wechseland Verrechnungsgeschäft za beschränken (Typus der englischen Depositenbank), sondern vor allem eine kolonuatoriscli-inüujtriaUsicrende Tätigkeit zu entwickeln (Typus der deutschen Indas ric■ bank). Die hierzu erforderlichen Mittel sollen vor allem auch dureil Heranrichung von Depositen aut der Diaspora, insbesondere in der Form der nichrjänrigcu fest verzinslichen Bank- Obligationen bcschaift werden.‘ These X. Die Banken sind diejenigen Saugrohre, mit welchen eine Volkswirtschaft zurzeit freiliegende Gtidc.׳ auch in kleinsten Beträgen an sich zieht, sie zu gewaltigen Summen akkumuliert, um sie mit ihrer hierdurch vcrvieliachteii Kraft in solche Kanäle zu!eilen, wo ihre befruchtende Kraft am dringemislen gebraucht wird, Dies ist das Grundproblcnt der modernen kapitalistischen Wirtschaft. Es liegt auf der Hand, daß je nachdem, wie sich diese Wciterdirigierung vollzieht, wirtschädlicher Nutzen oder Schaden entstellen kann. Es scheint mir nun, allerdings ist das meine rein persönliche Ansicht, daß die Ursache sehr vieler Auswüchse der heutigen Wirtschaftsform auf folgendes zuruck/ufülireu ist: diese Ocldcr sind überwiegend in die Industrie und den Handel geleitet worden, haben beide auf eine unerhört *) Vgl. insbesondere Adolf Weber: ״Depositenbanken und Spekulationsbanken״. . **) Die Bankcnobligationen haben in der Geschichte nicht Immer eine rühmliche Rolle gespielt. Sie käme« in Verruf durch xden Mißbrauch, welchen 1850/00 der Credit mobilier damit getrieben hatte. Gegen eine sorgsame I laii llubun״ ist jedoch ' nichts ׳ cinzuwendcn und in neuerer Zeit haben ’die englischen Trust- und Finan/gcscllschaltcn dieses Prinzip im .vcisUüktca yafang wieder e.ivl^iaeh aui^ciiommcu.