Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVIII (1923)
- Issue
- Heft 48 (15.6.1923)
- Date
- 1923-06-15
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2651273-2652595-2652502-2652546--16629-2674293- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 290 JUEDTSCHE RUNDSCHAU 1 i scheidet. Zionistische Politik ist eine Politik h la longtic und vertrügt nur Männer an ihrer Spitze, die einer solchen Politik fällig sind. Miinncr, deren Vertrauen in den emlliehen Sic־״ unserer Sache mit oder ohne oder trotz der Engländer, mit oder ohne oder trotz der Araber so tmcrscluitk'rlicli ist, daß sie sich in ihrer langsamen und schrittweisen Arbeit nicht beirren lassen. Heine sind wir dort, wo die Griechen im Jahre 1830 waren. Wenn wir in hundert Jahren־dort sein werden, wo die Griechen heute sind, so werden wir mehr als /.ufrieden sein, Alit solchen Zeit• raumen nmft man rechnen, nicht aber alles auf möglichst rasche, mügliciist blendende 1 1־io!.:e absteltcn. die sich mir agitatorisch nu^imt/en lassen. Wer diese Sicherheit des Blickes und Besonnenheit des Handelns, diese eiserne Beharrlichkeit und diesen Verzicht auf propagandistische Erfolge nicht autzubiiiigen vertu״;:, der darf sich vielleicht eine Zeitung gründen, aber er gehört nicht au die Spitze der auf bauenden und ausfiibrcmlcu Instanzen. Dort müssen Miinncr stehen, v.eiche die Dinge nach ihrer zeitlichen Notwendigkeit ab• zusehulzeu wissen, ihre Kräfte richtig verteilen, und die den Mut liahcii, auf viele Dinge, die noch nicht reit' sind oder die unsere Kräfte übersteigen, zu verzichten. Verzichten: können ist die grolle staatsmänuisclic Kunst, die wir bei unseren wirtschaftlichen Führern brauchen. Demjenigen, dessen Zuversicht in die jüdische Zukunft tief verankert ist, wird ein solches Verzichten nicht allzu schwer werden, «leim er weilt, dal! cs nur zeitlichen uml vorübergehenden Charakter trügt. Wenn wir nur arbeiten, arbeitet die Zeit für uns, und was heute der gewaltigster! Anstrengungen bc• dürfte, wird übermorgen leicht und von selbst^ entstehen. Wenn es uns selbst gelänge, heute überall dort Schulen und Krankenhäuser zu eröffnen, wo wir es gern möchten^ so wurden diese Schulen dennoch nicht die Entstehung eines blühenden Gemeinwesens nach sich zielten. Woiil aber würde umgekehrt, wenn wir alle Kräfte darauf konzentrieren, ökonomisch fundierte Gemeinwesen ins Leben zu rufen, jede einzelne derartige Siedlung in absehbarer Zeit aus sich heraus von selbst diejenigen Schule«, Krankenhäuser, Bibliotheken usw. schaffen, die sie braucht, und nicht nur schaffen, sondern auch materiell erhalten. Dieses einfache Exempel, daß ökonomische Positionen immer kulturelle Positionen nach sich ziehen, während umgekehrt kulturelle Positionen nur in besonderen Ausnahmefällen irgendeine Art ״ökonomische Position“ zu schaffen vermögen, daß Schulen und Bibliotheken und Krankenhäuser und Kindergärten überall dort, wo das wirtschaftliche Leben blüht, von selbst entstehen, während es fast nirgends umgekehrt ist, dieses einfache Excmpcl gilt es zu beherzigen. Und die Lehre, die sicli hieraus ergibt, ist folgende: These II. Belm Aufbau Palästinas müssen diejenigen Arbeiten and Ausgaben die Priorität haben, welche anmittelbar zur Schaffung und Verbreitung des ökonomischen Fundamentes dienea. These III. Diese These braucht noch eine Ergänzung und Klar- Stellung, damit sie nicht falsch aufgefant wird. Es kann natürlich keine Rede davon sein, daß auf diese Weise nur ökonomischen Ausgaben, welche einen Ertrag bringen, zur Priorität vcrholfen werden soll. Ich habe ausdrücklich gesagt: ״Arbeiten und Ausgaben, welche unmittelbar zur Schaffung und Verbreiterung des ökonomischen Fundaments dienen.“ Das ist also ein viel weiterer Rahmen, und es ist ganz klar, daß aucii eine ganze Reihe von Dingen hierunter fällt, welche völlig überökonomischen, rein kulturdien Charakter tragen. Die Entwicklung eines wirtschaftlichen Lebens, d. h. die vorerwähnte Entstellung eines ökonomischen Fundanicnts ist ganz zweifellos an gewisse nicht ökonomische, kulturelle Voraussetzungen geknüpft. Es werden sich keine Arbeiterzentren bilden, wo der völlige Mangel an Wegen und Transportmitteln die Deckung des täglichen Bedarfs unmöglich macht; wo die Sorge um die Sicherheit von Leben und Eigentum jedes ruhige Arbeiten zerstört; wo die sanitären Verhältnisse jedes Gemeinschaftsleben unmöglich machen;oder wo schließlich für die jeweilig vorhandenen, und sei.es noch so niedrigen Kiilturbcdürinissc (Schulen usw.) keine Mdglichkcit einer Befriedigung gegeben ist. Die Gruppe, die dennoch dort ausharrt, wird kernen ausreichenden Nachschub erhalten, und sie wird unterhalb jener Aiisdclimingsgrenzc bleiben, von welcher an die Bildung eines Marktes möglich ist. Eine solche Gruppe bleibt unfruchtbar und vermag sich nicht zu einer wirklichen ökonomischen Keimzelle zu entwickeln. Fs müssen also diejenigen Bedingungen und Vor• .Aussetzungen geschaffen werden, welche einer Anzahl von Menschen den Anreiz geben, sich dort anzusiedeln und das Gebiet zu erschließen. Das ist normalerweise Aufgabe des Staates und seiner Unterformen wie Provinzialverwaltnng und Kommune. Es ist sogar die Hauptaufgabe des Staates, denn wenn wir seine militärische Komponente als nicht mehr zeitgemäß abstrahieren, mul wenn wir 1ms vor Augen halten, daß der Staat selbst auch nicht direkt Wirtschaft treibt, so wüßten wir wirklich nicht, was für eine andere Aufgabe er haben könnte als die, für seine Bürger Verhältnisse zu schaffen, unter welche« es ihnen möglich ist, gesichert und ungefährdet zum v irtschaftlichcn und kulturellen Aufstieg des Landes beizutragen. Solange wir uns nun einbildeten, daß wir selbst diesen Staat Palästina zu repräsentieren 1md zu verantworten haben würden, war es begreiflich, daß wir auch diese Aufgaben zu den zionistischen rechneten. Seitdem wir aber klar konzipiert haben, daß wir lediglich innerhalb eines Staatswesens und auf gleichem Fuße mit anderen Staatsbürgern eine Sied- 11mg atifzubaucn haben, müssen wir auch in diesem Punkte ebenso klar erkennen, welches die Grenzen zwischen unseren Aufgaben und den Aufgaben der Landesverwaltung sind. Uml ebenso wie wir zu der These kamen, daß das kulturelle Dachgeschoß nicht von uns vorzeitig seihst gebaut werden kann, sondern aus der ökonomischen Entfaltung von selbst heraus erwachsen muß, und durch sie allein getragen werden kann, ebenso werden wir einsehen, daß jenes kulturelle Kellergeschoß, ohne welches eine solche ökonomische Entfalttmg nicht möglich ist, vom Staat und nicht von uns zu mauern ist. Nur der Staat hat die Pflicht, jene ״Dampfwalze der Privatinitiative“ zu bilden, von welcher einmal Jabotinsky iiti Zusammenhang mit dem Keren Hajessod sprach, nur er kann der Privatinitiative und damit der ökonomischen Entfallimg überhaupt den Weg bahnen und die Voraussetzungen schaffen. Diese Aufgabe des Staates und seine volle Verantwortung auf diesem Gebiete können und dürfen wir in diesem Augenblicke überdies umsomehr betonen, als unsere Rechte nach den neueren englischen Regierungserklärungen wesentlich begrenzt sind; es ist klar, daß im giciehen Verhältnis auch unsere staatsbürgerlichen Verpflichtungen kleinere geworden sind. So notwendig eine solche Betonung auch ist, um prlnzlpielle Klarheit zu schaffen, darf andererseits nicht verkannt werden, daß es aus zweierlei Gründen uns zurzeit nicht möglich ist, die vollen Konsequenzen hieraus zu ziehen. Erstens haben wir es mit einem gemischt-nationalen Staate zu tun, in welchem es sich darum handeln wird, zwei Völkern nationale Autonomie zu gewährleisten. Nationale Autonomie bedeutet aber, daß ein erheblicher Teil vor allem der kulturellen Aufgaben nicht vom Staat, sondern von dem Rechtskörper übernommen werden, welcher der Träger der Autonomie ist. Hierzu gehört vor allem das Schulwesen. Die Sorge hierfür W'erdcn wir auch dann nicht dem Staat allein überlassen können, wenn er genügend Geld und Kraft besitzen wird, cs von sich aus zu organisieren. Zwei teils kommt hinzu, daß der Staat gerade aus Mangel an Geld und Kraft in der nächsten Zeit vielleicht überhaupt nicht in der Lage sein wird, für gemeinnützige und Innenkolonisatorische ' Au,gaben soviel auszußcben. wie wir cs für notwendig halten. Zwar kann man sich nach dieser Rieht» 11g leicht irren. Die Rechcnscliaflsbericlitc des Gouvernein־« lassen einen so erheblichen Aufschwung des Landes gerade in dieser Beziehung erkennen, dal! man hier ruhig etwas optimistisch sein kann, sicherlich wird Samuels Tatkraft noch eine ungleich größere Bewegungsfreiheit finde!? mul durch Steuern uml Anleihen wird er zweifellos das Tempo der Erschließung beträchtlich erhöhen. Man ist bei 1ms geneigt, diesen Faktor sehr zu unterschätzen; nmgckehrt aber ist man ebenso geneigt, das zu überschätzen, was wir hei unserer doch rcciit geringen Eiiiwandcruugsquotc unbedingt benötigen. Die Idee einer Masscncinwandcruiig dürfen wir doch ruhig begraben — für das aber, was übrig bleibt, dürfen wir hoffen, dal! die Regierung Samuels die erforderlichen!Wittel und Wege sich wird beschaffen können. Immerhin aber müssen wir aus Gründen der Vorsicht, wie der nationalen Tendenz unserer Bewegung in unsere Rechinnig einen Rosten für diejenigen Ausgaben nicht ökonomischen Charakters eiiisct/cn, welche zur Schaffung und Verbreiterung eines gesunden ökonomischen Fundamentes crforderlicii sind. Nur mul! klar zum Ausdruck kommen, in welcher Rang- Ordnung und mit welchen Grenzen wir diese Aufgaben als die unseren betrachten. Dies geschieht in folgender These 111.. ״Niclitökoiiomiscli• Aufgaben, welche der Schaffung und Verbreiterung des ökonomischen Fundaments vorbereitend und der Privatinitiative als ״Dampfwalze" dienen, sind grundsätzlich Aufgaben der Landes - und Koinmunulverwaltangen, Der Zionismus hat «ich hieran nur insoweit und Insolange za beteiligen, als 1. die Leistungsfähigkeit der Landetand Kommunalver• Wallungen noch hinter denjenigen Bedürfnissen zurückbleibt, welche durch das Ausmaß der tatsächlichen and sein Ittweise za steigernden jüdischen Einwanderung gegeben sind, und 2. als cs sich um Aufgaben handelt, die In einem gemischt• nationalen Staatswesen aus nationalen Gründen nicht vom Staat, sondern von den Rechtsträgern der nationalen Autonomie za übernehmen sind. These IV. Auf diese Weise kommen wir schon zu einer wesentlichen Verengerung unseres Aufgabenkrciscs. Auf diesem Wege müssen wir't'ortfahrcn. Da die Zionistische Organisation nicht mehr als ein Staatsersatz betrachtet werden kann, und da sie nicht jenes finanzielle Fundament der regulären Einnahmen hat, wie es der Staat in seinen Steuern besitzt, da sic statt dessen völlig auf sporadische Gckisammelaktioiicii angewiesen bleibt, die bei den heutigen sch wankenden und desolaten Verliültnissen auch nur schwankende und desolate Ergebnisse haben können, kommt es nicht nur darauf an, das Budget riiizusdiränkcn, sondern darauf, cs systematisch abzubaucn, indem wir schrittweise die kostspieligen Funktionen der Organisation auf finanziell fundierte Instanzen abwälzen. Bei den Aufgaben, von welchen die These III spricht, treten wir für den palästinensischen Staat gewissermaßen in Vorlage. Tun wir es weiterhin in der bisherigen Form, also 90, daß wir diese Aufgaben prinzipiell und dauernd als die unseren betrachten, so übernehmen wir die volle und fast alleinige Verantwortung und geben den Staats- und Kbmiminalbeliörden geradezu eine Möglichkeit, sich ihrerseits dieser Verantwortung zu entziehen. Wie wenig wir aber einer solchen Verantwortung gewachsen sind, hat der bescheidene Erfolg der Keren Hajcssodaktioii gezeigt. Darum müssen wir mit dem bisherigen Prinz,ip brechen und statt dessen, wie es ja auch nur logisch, und selbstverständlich ist, den Staat zum Träger dieses Teiles des Aufgaben komplexes machen. Solange der Staat nicht ausreichend eigene Mittel dafür aufbringen kann, müssen wir nach wie vor in Vorlage treten, aber lediglich in der Hinsicht, daß wir das Geld beschaffen, während dessen Verwendung mit aller Verantwortung auf die öffentlichen Behörden übergeht. Ich denke mir dies in der Form, daß unsere Banken der Regierung eine Landesankihe bewilligen, wobei, wie cs im Staatsfinanzwesen üblich ist, die Verwendung dieser Anleihe im Sinne des Geldgebers gewährleistet wird. Als Frankreich seine Anleihen an Rußland gewährte, schrieb cs der russischen Regierung ganz genau vor, welche strategischen Eisenbahnen in Polen aus dieser Anleihe finanziert werden müßten. Nun, Wenn wir der palästinensischen Landesregierung jüdische Anleihen gewähren werden, so werden auch wir ihr verschreiben können, welche Verkehrswege, welche Bodciiverbcssemngsarbciten, welche Arbeiten auf dem Gebiet des Sanitätswesens, der Immigrationsregulienmg und des Erzielningswcsciis hieraus bestritten werden müssen, ferner auch, welcher Prozentsatz jüdischer Arbeitskräfte hcrauzuziehen ist, und in gleicher Weise können wir Kommunalverwaltungcn veranlassen, Wasser-, Lidit- und Vcrkelirsanlngen dort zu schaffen, wo es unsere Interessen am dringendsten benötigen. Zu •den vielen Vorteilen einer solchen Methode gehört auch u. a. der, daß ihr jegliche Spitze gegen die Araber fehlt. Es bleibt ja den Arabern frcigestcllt, ähnliche Anleihen zu finanzieren, und cs wird• dann zu einem friedlichen Wettstreit kommen, der dem Latide nur nutzen kann. Die Regierung ist gegen jeden Vorwurf, daß sie zuviel 'jüdische Arbeiter bcschuftige, geschützt, denn sic kann erklären, cs gehöre dies zu den Bedingungen, unter welchen sie die Anleihe plazieren konnte. Die zionistische Verwaltung wird der Verantwortung für die sachgemäße Verwendung der Gelder entlauben, und die politische Atmosphäre im Zionismus wird gründlich gercinigt, weil das ־unerquicklichste Anklagcmomcnt fortfällt. Die Zionisten selbst erhalten im verstärkten Maße die Möglichkeit, ihre kolonisatorische Tätigkeit als Beamte der Regierung auszuüben, und das ist dringend wünsdicnswert. Vor allen! aber erscheint mir durch diese Methode die schwierigste Frage leichter lösbar: nämlich die Frage der Geld,־uifb ringung. Das Anlahesiück der palästinensischen Regierung, festverzinslich 11nd durch die Stcucrkraft des Landes finanziell, durch «len Namen der Regierung moralisch fundiert, wird jenes phantastische ״Zertifikat“ ersetzen, mit dessen Hilfe der Keren Hajessod glaubte, Millionen aufbringen zu können. Der Versuch des Keren Hajessod ist gescheitert, weil er scheitern mußte; aber der Versuch einer solchen Anleihe nruß und wird gelingen, und er wild überdies nicht den Rcgicapparat verschlingen, wie es der Keren Hajessod1 getan hat. So kommen wir zur These IV. .,Ausgaben, für welche der Zionismen Im Sinne der These III, Nr. 1 dem Staat gegenüber in Vorlage tritt, müssen in eine Form gebracht werden, welche dies klar zum Ansdrack bringt, und welche die allmähliche Ueberführung solcher Ausgaben auf die Staatskasse gewährleistet. Die beste Form hierfür bilden Staats- und Komnuinnknlclhcn, welche von den jüdischen Banken placiert werden und deren Ertrag Im Sinne der Geldgeber verwendet werden muß." These V. Ci dingt es, auf solche Weise allmählich zu einer Heran״ ziclumg des Staatsapparats zu gelangen, so wird die Zionistischc Organisation dadurch wesentlich entlastet. Sie muß Nr. 48 cs aber in noch stärkerem Maße werden, weil ihr finanzielle» I i uiulament ein schwaches und schwankendes ist, und gerade 1 jene Au [gaben, die uns am meisten am Herzen liegen, werden 8 wir von ihr fort und auf ein finanziell gesichertes Fundament hin verlegen müssen, damit wir endlich einmal die auirvibcmle tägliche Sorge tun den rechtzeitigen Eingang der notwendig, steil Subsistenzmittel verlieren können uml nickt täglich um einem Zusammenbruch unserer Institute rechnen müssen. Hier• bei denke ich an alle diejenigen rein kulturellen, nicht öko. nomischen Aufgaben, sei cs, daß ihnen nach Ihcse II nicht die Priorität im Budget zuznerkennen ist, sei es, daß sie nach These III. Abs. 2. aus Gründen des nationalen Kulturkampfs I nicht vom Staat übernommen werden sollen, sondern von 1 den Rechtsträgern der nationalen Autonomie. Aber wenn es zu einer solchen Autonomie in Palästina kommt, und nicht! anderes besagt ja der völkerrechtliche Inhalt der Baifour- Deklaration, wie sic heute interpretiert wird, dann liegt ja aucii der Schlüssel für die Lösung dieses Problems nahe. Auto, nomic heißt nichts anderes und kann nichts anderes heißen, als daß der Staat die Organisierung insbesondere des Schul- und Lrziihungswesens in aller Form den betreffenden Volks, körpcrsdiaficn nicht nur überläßt, sondern überträgt, d. h_ nicht nur mit allen Pflichten, sondern mich mit alten Rechten und vor allem mit dem Recht über die Verfügung des entsprechenden Anteils an den Stcuercingängcn. Sei es nun, daß der Staat ans seinen Geldern anteilig Quoten abzweigt, sei cs, d.1fl er den Rechtsträgern der Autonomie das Recht der Steuererhebung einräumt, auf irgendeine Weise mutt man zu einer finanziellen Fundierung des KulUirbudgek ז״• langen, lfies und nichts .vidercs ist der wesentliche Inhalt jeder Voiksaiitonomic, und gerade weil von de,11 uns einzu• räumenden Recht nicht viel mehr übrig gcbli :beit ist *i; der Rechtsanspruch auf nationale Autonomie, müßten wir mit dem allergrößten Nachdruck zum Ausdruck bringen, daß jede Form der Autonomie eine Farce wäre, wenn sie nicht mit einem anteiligen Recht auf Steucrcingängc verknüpft wird, Hierüber existiert eine so umfangreiche Literatur, daß es nicht notwendig erscheint, ins Detail zu gehen. Die nächste Periode des zionistischen Denkens wird der Aufgabe gewidmet sein, für den Nationalitätenstaat Palästina und die dort zu schaffende nationale Autonomie die zweckmäßigsten staatsrechtlichen Formen zu finden. Sobald diese Aufgabe in wirklich ernsthafter Weise in Angriff genommen wird, wird man auch für die finanzielle Fundierung des Kultur, budgets die richtige Form finden, und bis dahin müssen wir uns gedanklich mit der prinzipiellen Erkenntnis, materiell mit einem Provisorium begnügen, welches darin besteht, einen speziellen Fonds zu schaffen, eine Art Schulvercin, der keinerlei andere Zwecke verfolgt, als die der Erhaltung und Erweiterung des SchuSwcrkcs. Dadurch, daß es ein besonderer Fonds oder ein besonderer Verein mit festen Beiträgen sein 9011, wird die Stoßkraft der Aktion verstärkt und konzentriert, und alle vorwiegend am Kulturwcrk interessierten Kreise des jüdiseben Volkes werden ihre ganze Kraft hierfür cinsctzcn können, und ohne daß sie umgekehrt ihrerseits andere Aktionen beeinträchtigen lind lähmen können. Die The9c, die sich hieraus ergibt, lautet; These V. ״Kulturelle Aufgaben, welche nach These II keinen Anapruch auf Priorität erheben können oder welche nach These Ul Abs. 2 dem Kampf um die kulturelle Autonomie im Nationalitätenstaat dienen, sind prinzipiell Aufgaben der Rechtsträger dieser Autonomle und als solche durch Stcuerrecht« zu fundieren. Solange dies noch nicht in ausreichender Welse durchführbar Ist. sind die Mittel hierfür durch einen speziellen Fonds oder Verein außerhalb des Budgets der Zionistischen Organisation aufzubrlngeo." These VI. So sind wir nun sukzessive dazu gelangt, die Zionistische Organisation von den nicht ökonomischen Aufgaben, oder besser gesagt, von jenen Ausgaben, welche nicht einer Einzel• . Person zu Hießen, sondern in Form von gemeinnützigen Anlagen der Gesamtheit zur Verfügung gestellt werden sollen, zu entlasten, Wenden wir 1ms jetzt den ökonomischen Auge- Icgcnhcitcn zu, 60 finden wir von vornherein gedanklich geringere Schwierigkeiten. Es hat wohl heute schon fast jeder cingcschen, daß die Zionistische Organisation mellt dazu da ist, öcschäftsuntcrnchmungcn zu betreiben. Als der Keren Hajessod geschaffen wurde, dachte man, in ihm einen Staatsfonds zu schaffen, und weil damals die Hochflut der sozialistisehen Gedankengänge war, kam man zu der Vorstellung, daß dieser Fonds gleichmäßig nichtökonomischcn und ökonomisehen Aufgaben dienen solle, damit einmal derjenige, der ä fonds perdu spendet, nicht schlechter gestellt sei als derjenige, der sein Geld in crtragbringemlcn Anlagen investiert, und damit zweitens der Staatsfonds auch die Kontrolle über die wirtschaftlichen Unternehmungen behalte. Nun, selbst wenn der Keren Hajessod zum Staatsfonds geworden wäre, hätte man wahrscheinlich heute auch schon die Konsequenzen a״s der Tatsache gezogen, daß cs noch keinem Staate gut bekommen ist, wenn er selbst zum Unternehmer wurde. Aber immerhin hätte sich dann über die Theorie des Staatssozinlismus noch reden lassen, und sicherlieh wird diese Frage im weiteren Verlauf auch in Palästina noch spruchreif werden, obwohl England seine Ansichten hierüber in einem unlängst von Lloyd George geprägten Satze wie folgt fcstgciegt hat: ״Je weniger sich ein Staat um die Wirtschaft seiner Bevölkerung kümmert, um so besser ist es (iir den Staat und für die Wirtschaft.“ Aber soweit halten wir noch lange nicht, und für die Zionistische Organisation ist der Traum, Staat und Staatsfonds zu spielen, zunächst vorüber. Rechnet man ferner noch den Umstand hinzu, daß die Zionistische Organisation, bzw. der Keren Hajessod, wie ich in meiner Broschüre ausführlicher nachgewiesen habe, nicht in der Lage ist, auch mir eine Million für jene Investments bereit zu halten, welche das Hundert- und Tausendfache eines solchen Betrages beanspruchen, so wird es nicht mehr schwer falten, die Richtigkeit jener Grundforderung anzuerkennen, welche zum Bruch der Organisation mit den Amerikanern, mit Simon, de Licine usw. geführt hat — jener Forderung nämlich, wonach die Investments gesondert, und zwar durch ökonomische Unternehmungen, aufzubringen sind. Diese Forderung greifen wir auf und stellen sic au die Spitze desjenigen Teils unserer Ausführungen, der sich den ökonomischen Angelegenheiten, bzw. der ökonomischen Erschließung und Kolonisierung des Landes widmet, und zwar als These VI. ״Träger des wirtschaftlichen Aufbau« Palästinas können nur wirtschaftliche Unternehmungen sein. Insbesondere den Banken wird hierbei eine führende Rolle Zufällen müssen.“ These VII. Damit berühren wir ein sehr trauriges Kapitel unserer Bewegung. Nie wird die Geschiehtc, wenn sic ihr ab• schließendes Urteil über den Zionismus fällen wird, cs bcgreifen, wieso es möglich war, dal! gerade die zionistischen Banken, statt sofort der Situation gcsvachscn zu sein und die Führung zu übernehmen, so vollständig versagten und in Untätigkeit verharrten. Sicherlich mögen die Personen einen großen Teil der Schuld dafür tragen. Aber nicht minJer sicher hat auch die ganze Konstruktion der Banken das ihre dazu beigetragen. Es fehlt ihr die wirtschaftliche Bewcgtmgsfreilicit. Sic ist in ihrer Entschlußkraft gelähmt, bie kann «ich nicht von fachlichen, »andern muß «ich von h polit suit{ in ne ist ö polit hat schll entg Hanl!!ich tag pcln dami stabi broc Laut allde die kont Ni eh blcit sind. polit darü sich wick den! Fori dies« Wcc der mit arab welc unhi von kun! Au ff mim errin Ban! liehe natit polit ist a natit das wür« bewt polit ding wart dic3< gc\w hält( halt« mit gesC von daß giert verä keit wie sehe den. Auel verz du re rech kaut solcl die! Jede Org! brüc muß weit niclt flusl Coit die man durf die ן wie! der* glie» KmJ weit weil Kon wer als 1 dad' steh Ver niso gesi keit auf koh her! gen Wi« sieb kun riet und l'.lk abz ver lan, 1 0 ▼ 1■ t! d b 11 1 de! rci exi zei wt Kt