Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVIII (1923)
- Issue
- Heft 48 (15.6.1923)
- Date
- 1923-06-15
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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den. j »;kJ! CwlCT, j er, -rweit;t..| ׳ In־׳ V. ״t1 er A־u nr.V ' hier :na nicht /•l neidet, CM ' «teilt, ChU r Ehr. dit doch 011 Vf,ן mit 0#n mff 1a fj £* (fh (*> atea •«׳* Materialien <y *f י <^/f> Probleme seoteeäe g*g3E!35®3 Nummer 6 anmamenaa cובrx.a»s2s3»3וaaוssב«ma^Eבmיm*Ml»aמa*עÄמEB»Ka1aiÄg&דIוÄ5»mי«c3«as*^יs»rJsrawק*o־^sÄsa• Erscheint in zwangloser Folge | Berlin, 15. VI. 1923 ■ •. *ra ■r-r? r!ag:.’r-y rr^ ־״sat Ein wlrlsdiallidisr Mbauplan — ki:t Dreimal :ז elende u:•'am ent an beim Gott . ., der' ko. ist, der herrlichen entfesselt vorn? — weisbar? endungen :len sind, tc dieses Icidctsteit artzfrektt r Vogel, Kerf, :ת einsam 41;,׳ des .ei! vor! s Dranu neig des erschic- C’idmnn״ guten II e ier, der eng• )lutschen mbinskv, eite Siu• rur.er sucht Schul• Isdiuicii, mimitcr• ä 1 s eh, ׳ Ärmel• istir.chen Spittel■ dnltcteit (uni im 1 Llrfo'g Lehrerrhisdien Zuhörer er Ver•!r Orts• ifigf, i" sehe!' liusiciit, tc rriciit »d Aner aut• em der •d, werr nach Namen ra. S•1־ rbuth"- 0 -10, 6 Ul», fcsickr. ' Volks• Kleinen Büffet, verkauf Ill'J äll Von Heinrich \V a r g u li c s, Vorbemerkung. Dem Wunsche des Lnuclcsvorstanilcs entsprechend ver• 5ifcnt!1chc ich nachstehend einen Auszug aus dem Broschürenin.iniiskript, welches meine 11 Referat in Dr,seien zugiunde liegen ״ird. Zur Einführung .sei bemerkt, daß cs sich hierbei um einen der drei I laiiptteile handelt, in weichem ich unseren gesamten »•irisclialtlichcn Au 'gabciikomplex zu erfassen und planmäßig (larziis eilen versuche, Die drei Teile crsücekcn sich I, auf den wir.s, haftlichcn Aufbau des Landes Palästina, % auf die Finatiziering der Wanderung, 3’ auf die Mob lisierung des nationalen Kapitals im Galuth, Bei der ungeheuren Stofftille ist eine umfassende Behänd• Ititig aller drei Oebieic, wenn sie ernsthaft sein soll, weder in Ferm eines Referates noch in Form einer Runüschntipublikation möglich. D.e beiden letztgenannten Teile werden daher bcdaucrfiehcrweisc ausschciden müssen, zumindest für die vorliegende Publikation. Auch für den ersten Teil kann auf Voils ltndigkeit kein Ansnrtieh gemacht werden und insbeson• lierc bei den lc.zien Thesen mulltc schon der verbindende Text fortgclassen werden. Darunter wird notgedrungen das Verständnis derselben leiden müssen. ׳ H, M. Erster Teils Der wirlscliaflilclic Anlitau Palästinas These I. Wenn ich hier den Versuch unternehmen soll, genaue Umrisse für das zu skizzieren, was wir den finanziellen Aufbau Palästinas nennen, so ist cs einleuchtend, daß ich zunächst damit beginnen muß, das Ziel selbst lebendig zu _ erfassen. All unser Dilettantismus rührt davon her, daß wir bisher nicht in der Lage waren, wirklich deutlich zu umschreiben, was wir wollen und welches die Grenzen der Aufgabe sind, welcher wir uns zu unterziehen haben. Es gibt noch fast Niemanden unter uns, der eine solche Klarheit des Ziels und des Aufgabenkreises sei cs erfaßt hätte oder, sofern er es erläßt hat, auch einer größeren Anzahl von Zionisten klar zu machen verstanden hätte. Es liegt dies hauptsächlich daran, daß wir nicht als nüchterne Geschäftsleute und Tatsachenmatschen an eine Materie licrangehen, deren ökonomische Ersclilicfhingsfäliigkeit ohne weiteres zu kalkulieren ist;■ cs handelt sich weder um die Ausbeutung eines Materials, noch um Organisiciung eines GesJiäftsapparats oder dgl. noch überinupt um eine Sache, die man rationalistisch so lange hin und her wendet, bis mau den Zugang zur höchsten Rente ausfindig gemarht hat, vorn der man aber schon von vornherein weiß, was man will, nämlich eben diese Rente, sondern es handelt sich um ein Wunsciiidcal, das zu umfassend ist, als d,1li cs sich so leicht zusanimenprcssen ließe. Wir tvolUu nicht gutgehende Fabriken in Palästina, wir wollen nicht hol•: P.aiikdivicieiiden, wir wollen nicht, daß jüdische Bauern in Palästina zu wohlsituicrtcn Agrariern werden, wir wollen dies alles zwar auch, aber nur insoweit, als cs Bestandteil ג jenes großen Monumentalbaues sind, den unser Herz ersehnt: des Aufbaus eines jüdischen Palästinas. Dieses Zi.־', diese Sehnsucht ist keine einfache Addition solcher Bestandteile, es ist etwas viel größeres, etwas, was nach oben kei: e Grenzen hat und was darum, wenn es formuliert werden. so!i, oft zu ganz iiiaximaiistisclicn Formulierungen führt wie jene, daß Palästina so jüdisch werden solle, wie England englisch sei, — Formulierungen also, die nur dem Herzen entspringen und phantastisch sind, die aber vom Kalkül nicht erlaßt «erden können und mit sachlicher Vernunft nicht identisch sind. Es wäre nicht nur gleichfalls phantastisch, sondern;er,־nie eine Nachahmung jenes Dilettantismus, der bisher fiurcli solche Formulierungen gefördert wurde, wenn iclt hier den Versuch machen wollte, meine Ausführungen in ihren Dienst zu stellen. Wenn wir von einem finanziellen Aufbau sprechen, so dürfen wir bei dein, was wir aufbanen wollen, mein den maximalistischcn, den obersten Wunschbcgfiff zu-;runde legen, somlern nur jenen Teilausschnitt aus dem großen Gemälde, der bereits jetzt und für die nächste Zeit mit der Realität in Einklang gebracht und innerhalb jener ökonomisdteii Gesetze, die nun einmal berücksichtigt werden müssen, verwirklicht werden kann. Das bedeutet nicht, daß man das große Ziel verkleinern «der vergessen so!!; aber cs bedeutet die Erkenntnis, daß Mn nur schrittweise aufbanen k; an. Kleinheit der Idee und Kleinlichkeit der Ausführung würden von vornherein dem . Verk das Grab schaufeln, denn cs ist ein Werk, dessen t dimensionale Ausläufer derjenige, der es heute auch mir im kleinsten Maßsfabe zu gestalten unternimmt, zumindest j intuitiv erkennen muß. Krämer und Handwerker sind zu : reichem Werk nicht berufen; cs gehört der schöpferische < Gest desjenigen dazu, der, auf einem kleinen Anfang aufoauend, ztclhcwußt ein umfassendes organisatorisches Riesen- I Rj»i!dc erstrebt, wie wir sic heute vor allem auf Wirtißtaftliciiem Gebiete in aller Welt kennen. Es hat in der Tat 6»י Anschein, als oh in unserem Zeitalter gerade das Wirt- »!«''!!sieben die wirklich konstruktiven, schöpferischen Bau- Mislcr großen Stils hervorbringen und absorbieren würde. Gßuigstttis selten wir auf keinem anderen Gebiete Gebilde, ״!c so wunderbar vielseitig und incinandcrgrcifcnd riesige Teilgebiete menschlichen Wirkens und menschlicher Bedürf- 5׳!se eng umfassen und die dokumentieren, in weichem »dau!!!!cl1e11 Ausmaß ihre Schöpfer die Begabung und die •״"du besaßen, aufzubnucn und zu organisieren. Kein Staat, »'*n Herrscher hat jemals mit politischen Mitteln ein so ,«1'fassendes Werk der Beherrschung und Organisierung, des ™•ßatis somit oder der ״Kolonisierung“ im weiteren Sinne j'Tci’.den können, wie cs in unserer Zeit einzelne Männer des *,üscliaftslebens vermögen, die liettie mit ihrer Hand Roll- »°ffe irgendwo in der Welt beschlagnahmen, um das Werk wer Verarbeitung in allen Zwischenstadien und Ncbcncrschei- 1,11"Ken zu organisieren und den ganzen Verkehrsapparat so? hin,gieren, daß er der Weiterleitung der Zwischen- und ‘»ligfabrikatc in die vielen tausend Kanäle bis in die Hände °ls kleinsten Konsumenten dient. Gewaltige Mcnschcmiiasscii *»den hier dienstbar gemacht, und ihre vielerlei Bedürfnisse ׳,*»', speziell in der heutigen Zeit, erneut Veranlassung,?11auch solche Gebiets dem Unternehmen angegliedcrt ,»de!!, welche mit dessen eigentlicher Aufgabe nichts zu? haben: Kolonien von Arbeiterhäusern werden von dem ‘•tcrnchnicr ins Leben gerufen, an oft wüster Stelle werden ö^c Siedlungen gebaut mit eigenen Schulen, eigenen Kirchen, Tenen Bibliotheken und Erholungshäuscrn; Krankenanstal- "! Kindergärten, Entbindungsanstalten, Wöchncrinnenheime vieles mehr wird gebaut, Konsumgenossenschaften werden m Leben gerufen, und bald greift das Uaterochmen auch auf die Gebiete der Lcbeiwiniittelcrzeugung über, .denn wo es darum gellt, Armeen von Arbeitern bei der Arbeit zu halten, erkennt der Unternehmer bald seinen Vorteil, wenn er bei so gesichertem Massenabsalz die NahrungsmiUcIveisoi gung gleichfalls in sein ökonomisches System mit cinbczicht. So entstellt ein ganzer Staat im Staate, und von dem politischen, dem eigentlichen Staate uulcrsciieklet er sich oft durch das ungleich glattere Funktionieren, die vorzügliche Organisation und das einheitliche, ziclbcwußte Handeln. Es ist der werdende ökonomische Staat, der nicht wie der politische von oben abwärts, sondern von unten aufwärts gebaut worden ist. Der politische Staat beginnt zumeist mit einem anorganischen Akt, mit einer fnilihirischen Fest- Setzung von Grenzen, und daran schließt sich erst notgedrangen die Durcliorgnnisierung an. Der ökonomische Staat dagegen beginnt mit einem kleinen Arbeitskreis, den er in langsamer organischer Arbeit und in elastischer Anpassung an die jeweiligen realen Verhältnisse ausgcstaltct. Darum ist er ungleich fester gefügt. Er umfaßt nicht den ganzen geographische« oder politischen Staat, sondern besenrUnkt sielt auf jenen Teilausschnitt, den zu organisieren, zu entwickeln und zu beherrschen seine organischen Kräfte auch wirklich ausreiclicn. Dies ist der Gesichtspunkt, welcher mir für unsere Palasiiitaarhcit der richtige und wesentliche erscheint. Wer c!11 Land wirtschaftlich entwickeln will, muß die politischen Verhältnisse dieses Landes natürlich berücksichtigen. Daß diese Verhältnisse in Palästina bisher so schwankende waren, hat dazu bcigctragcit, daß auch unsere Auffassungen darüber, wie wir unsere Aufgabe anzupacken hätten, Widerspruchsvoll und ungeklärt blieben. Es sah eine Zeitlang nach dem Kriege so aus, — wenigstens in den Augen einer Anzahl führender Zionisten, — als ob durch einen politischen, militäuschen, einmaligen und jedenfalls anorganischen Akt unser Wunsciiidcal in allem phantastischen Ausmaße ״oktroyiert“ werden sollte. Unter dem Eindruck der Balfour-Deklaration war der Illusionismus im Zionismus von neuem erwacht, und als das Wort von unserem ״Start“ geprägt wurde, dachten manche, daß wir 111m die gesamte Arbeit für das^ Land übertragen erhalten und, wenngleich unter britischem Schutz, die alleinige Verantwortung für den gesamten Komplex Palästina übertragen bekommen würden. In diesem Sinne das Land nufzubauen, hätte die Notwendigkeit bedeutet, jene vorerwähnte Organisierung des politischen Staates von oben nach unten vorzimchmcn, die eigentlich uiema's ohne militausche und darum unorganische Machtmittel möglich — und die niemals von dauerndem Bestand war. Der sogenannte ״praktische“ Zionismus, der sich von jeglicher Spekulation auf politische, anorganische Akte, Charter usw., freigemacht hatte, und der sich ihr gegenüber zur langsam aufbauenden, evölutionistischeii und ökonomisch orientierten Methode bckannte, wurde im neuen Rausch politischer Hoffnungen zurückgerissen, und der Zionismus selbst dadurch von seiner verheißtmgsvoll begonnenen praktischen und die eigene Kraft nicht überschätzenden Aibcilsweise fortgedrängt. Er wurde überheblich, vcrb'ct: let L's zu einer Art Größenwahn, uml gebärdete sich ui־Tt 11:tr politisch als den Herrn, sondern, stellte auch winsr h Budgets auf, die erstens weit über die realen Möglichkeiten' hinaus״!ngc;1, und die zweitens viele Dinge enthielten, die mir drum 7.1t seinen Aufgaben gehört hätten, wenn er wirklich sc.bst;״!m politischen Staat geworden wäre und ein Staatsbudget »!tc aufsteltcu sollen. Eine Klärung der Gemüter war um so schwerer, als viele derjenigen Zionisten, die in den Jahren vor dem Kriege gerade dem ״praktischen“ Zionismus gegenüber dem illusionistischen' ״politischen“ Zion'smtts als Vorkämpfer gedient hatten, sich jetzt von den neuen politischen Möglichkeiten zu dem gleichen Illusionismus verleiten ließen, den sie immer bekämpft hatten. Um so mehr begrüße ich es wenigstens, daß die im Vorjahre erfolgte Interpretation der Balfour-Deklaration und die seitherige politische Entwicklung, so bedauerlich sic an sich ist, mit diesem Illusionismus, der für uns nichts anderes als Gefahren barg, gründlich aufgeräumt und klare Verhältnisse geschaffen hat. Wer, wie ich, seit je auf der festen Grundlage des politischen, wie wirtschaftlichen Evolutionismtis stalid, konnte in dieser Interpretation keine Enttäuschung erleben, denn er war sich von jeher darüber klar, daß alle weitergehenden Hoffnungen auf absehbare Zeit in das Reich der Phantasterei lind der Unmöglichkeit gehörten; wer aber solche wcitcrgehcmlc Hoffnungen jetzt schon der Verwirkliclumg nahe glaubte, und sich dadurch zu jener prätentiösen und schon darum dilettantischen Auffassung der /Aufhauniöglichkcitcn hinreißen ließ, die heute die Merkmale des Debakels nicht mehr verheimlichen kann, der wird wohl jetzt endlich cinsclicn, daß er unrecht tat, und daß cs noltut, Umkehr ztt halten. Wir haben jetzt wesentlich engere, aber klare Grenzen; Grenzen, die unserer Leistungsfähigkeit entsprechen und denen gerecht zu werden uns nicht unmöglich sein wird. Wir haben nicht mehr den politischen Staat Palästina zu schaffen, sondern wir haben innerhalb dieser politischen Staatcnhildung einen Teilausschnitt zur freien Gestaltung erhalten. Der Gedanke, ganz Palästina durch einen einmaligen Akt, durch eine Deklaration zu erhalten, zog die Notwendigkeit nach sich, die finanziellen Mittel hierzu gleichfalls durch einen einmaligen und nicht minder anorganischen Akt aufzubringen, und so wie man politisch alles auf die eine Karte des Mandats setzte, setzte man finanziell alles auf die Karte des einmaligen großen Maasscropfcrs, durch welches man 25 Millionen £ aufzubriiigen gedachte. Eins war nicht minder phantastisch als das andere, und alle seither cmgetrctcncn Krisen erklären sich hierdurch. Hoffen wir, daß mit der erwähnten Interpretation der Balfourpolitik dieser Phantasterei ein für allemal die Grenzen gesteckt sind, damit sich die Stimme der Vernunft und des gesunden Menschenverstandes endlich wieder Gehör verschaffen kann. An diesen Teilausschnitt aus dem werdenden Palästina gehen wir also nunmehr mit der Frage heran, wie wir ihn am besten organisatorisch, vor allem finanzorganisatorisch bewältigen können. Und da wiederhole ich: Es ist dies eine Aufgabe, die man nur mit dem weiten, aber klaren Blick, nur mit der großzügigen, aber die Realität nicht verlassenden Gestaltungskraft bewältigen kann, die dem Wirtschaftspionicr der heutigen Zeit, dein eigentlichen Schöpfer der ökonomisch und nicht politisch orientierten Stnatsgcbildc eigen sind. An die Spitze des Keren Iiajessod gehörte vielleicht der visionär und dichterisch erlebende Gestalter, beides im besten Sinne verstanden, — an die Spitze des tatsächlichen Palästinaaufbaus jedoch gehört zweifellos der ökonomisch orientierte, praktisch geschulte Generaldirektor. Ihm stellt sich das Werk unter einem Aspekt dar, der ihm vertraut ist: •es handelt sich darum, den Grundstoff, nämlich den Qotusjuden in Lodz und in New York, zu erfassen, ihn att die Verarbeitungsstelle, nämlich Palästina, zu transportieren, und Ihn dort einem Verarbeitungs- und Vcrcdclungsprazcü zu unterwerfen Die Zwischen- und Nebenfabrikate gilt cs in die richtigen Kanäle zu leiten, als Endprodukt indessen ergibt sich die Summe jüdischer Kulturwcrte, welche auf diesem Wege erschaffen, alsdann in die ganze Welt wieder exportiert werden sollen. Das ist der abgegrenzte Arbeitsprozeß für uns. Von der untersten bis zur obersten Stufe soll alles planvoll ineinander eingefügt werden, und so wie bei dem früher erwähnten inilustrielleu Exempcl gilt es liier, mir noch in ungleich stärkerem Maße, )!eben der wirtschaftlich zweckmäßigen Vor- Wendung des Mensrhenmaterials auch alles das zu organisierett, was diesen Menschen kraft ihrer Bedürfnisse gewährt werden muß, damit sie gern hei der Arbeit bleiben und damit sic sich zu wertvollen Arbeitern im Dienste der Her- Stellung jenes erwähnten L'mlfabrikats, nämlich der jüdischen Kulturgüter, entwickeln. Dazu gehören die Wolinliaussicdhingen mit den eigenen Schulen, -Synagogen, Krankenhäusern, Kindergärten, dazu gehört die Sorge um die i cheusmittelbeschälfung, dazu geführt die Organisierung von Verkehr, Erzielumg, Literatur, kurzum dazu gehurt alles das, was notwendig ist, um eine zunächst kleine, aber systematisch wachsende Mettsdiengruppc, ihr Leben und Schaffen, ihr friedliches und fruchttragendes Zusammenarbeiten so zu or• ganisicren,,!laß das von uns erstrebte Ziel in möglichst großem Umfange mit möglichst geringem Kraftaufwand und möglichst geringem. Vcrhistkocffizicntcn gewährleistet wird. Der ideale Charakter dies« Zieles schützt uns vor der Verdnchtigting, daß wir an den Zionismus wie an eine ökotiomische Angelegenheit, wie an ein großes geschäftliches Unternehmen hcraiitrcten. Wohl aber sprechen wir es ruhig aus, daß wir, tun dieses Ziel zu erreichen, uns möglichst der ökonomischen Methode anvertrauen wollen, da wir weder der rein geistigen oder religiösen, noch der politischen Meti.udc unter den heutigen Verhältnissen dasjenige Ausmaß an Gestaltungskraft Zutrauen, welches das Aufbauwerk c!f uüert. Was die politische Methode anlangt, so halten wir sie für gefährlich. Die geistig-religiöse Methode halten wir für r’cht ausreichend, aber wir erblicken in ihr eine wertvolle linier- Stützung und Förderung. Das Schwergewicht jedoch erblicken wir in jener Methode, welche vor allem danach strebt, ein ökonomisch-materielles Fundament zu schaffen, wtlcr.es stark und tragfähig ist, so daß man später auch Stockwerke aufbanen kann, die völlig «(!ökonomisch sind u1׳d dennoch von dem Fundament getragen werden können. Was uns also von anderen Zionisten unterscheidet, ist nicht und kann nie sein eine Geringschätzung irgendwelcher solcher nicht ökonomischer, rein kultureller Stockwerke. Uns im erscheidet lediglich die Art der Anordnung, der Reihenfolge und des Aufbaus. Audi unser Ziel ist das Ucberökonomisclie. Aber wir wollen es nicht in die Luft hinein bauen, son e!ו wollen erst das Fundament zimmern. Kulturelle Werte, die nicht organisch aus einer solchen ökonomischen Fundierung hervorgehen, müssen notgedrungen stets parasitär bleiben, sic sind stets auf mitleidige Spenden angewiesen; die so entstehende Kultur bildet nicht das vollendete Produkt eit! •s gesunden frcischöpfcrischcn Volksprozesses, sondern höchstens eine Art verfeinerlcr Schnorrerkultur, Chalukahkultur, deren sandiger Boden durch die geringste Erschütterung fortgeschwemmt werden kann. Will man diese Einsicht ztt ci״’er These zusammenfassen, so würde sie etwa lauten; ,These 1, ״Kuliorelle Werfe gewährleisten nur dann einen Bestand and eine schöpferische Weiterentwicklung, wenn sie ökonomirch fundiert nnd überhaupt die organisch gewordenen Endprodukte eines ökonomisch gesicherten Volksprozesses darsteUen.“ These II. Diese These mag vielleicht zum Widerspruch re'zen. Aber sie ist nichts anderes als das zionistiscltc Glaubensbekenutnis. Gab cs einen anderen Grund für uns, in Abkehr vom Galuth uns für Palästina zu entscheiden als die Erkenntnis, daß all die reichen Kulturwcrte, die wir im Galuth erzeugten, weder von Bestand waren, noch eine schöpferische Weiterentwicklung aufwiesen, und zwar deshalb, weil uns hier die normale ökonomische Fundierung fohlte? Wir haben uns zwar gerade aus dieser Galuthperspektive heraus daran gewohnt, mehr auf das rein Kulturelle als auf dessen ökono- ״risches Fundament Wert zu legen, wir sind im Galuth zu einer Geistigkeit gelangt, welche die Materie gcringschätzt, — aber gerade der zionistische Gedanke hat sich hiervon abgekelirt oder doch abkchrcu wollen, lind er hat für das neue Palästina nicht nur das ökonomische Fundament schlechthin gefordert, sondern er hat sogar die niedrigste Stufe desselben, die Urstttfe aller ökonomischen Produktion, die Landarbeit zur Ideal- und Pmgrnmniforricning erhoben. Nur daun, wenn es gelang, schrittweise auf jüdischer Landwirtschaft aufzuhatten, Industrie, Handel und Verkehr erst im späteren, yc 1 lauf sich anzitglicdern, nur dann glaubten wir von Palästina etwas wirklich Gesundes nnd Dauerndes erhoffen zu können. Leider ist dieser Gedanke, der zionistische Cmnuk'cdanke an sich, nicht mit genügender Klarheit in allen Konsequenzen durchdacht worden. Zwar blieb das Programm der landwirtschriftlichen Kolonisation das Steckenpferd, aber der Gedanke des ökonomischen Evolutionismus, der ihm 7.uprunde Ia״, geriet in Vergessenheit, und die Vorstellung des allmählichen Nacheinanders wurde von der Vorstellung des piötzliehen und überstürzenden Nebeneinanders abgelöst. Ungeduldig antizipierte man kulturelle Positionen, für welche die Zeit noch nicht da war, uml liebäugelte von Tag zu Ta״ mehr mit der Idee, schon jetzt aus Palästina jenes Endfabrikat exportieren zu können, welches erst als Endglied eines langjährigen Entwicklungsprozesses denkbar ist, nämlich die neue jüdische Kultur. Ihren extremsten Ausdruck fand diese Auffassung in der I iyperthropie des Schulwesens, extrem deshalb, wed man sich nicht einmal mit der bevorzugten '1liege des Schulwesens an sich begnügte, sondern auch hier mit dem obcistcn Glied, mit der Universität und mit Hochschulen, beginnen wollte, während das Volksschulwcscn noch völlig im argen liegt. Deutlicher als alles andere spricht das letzte Budget, bei welchem der ordentliche Palästina-Etat, der ja au erster Stelle zu berücksichtigen war, so aufgeteilt wurde, daß au der Spitze dieses Etats ״Erziehung und Sanitätswesen" mit 228 000 £ oder 3-1,7 <>,i> «fand, während für landwirtschaftliche Kolonisation auch mir 2000 25־ C oder 34,3 ״/״ vorgesehen waren. Das ist ein Mißverhältnis, und das alles zusamntengenommen ist eine Kolonisation von oben nach unten, mit welcher wir gründlich aufrätiincn müssen, um sie in ihr Gegenteil umzukehren. Hierzu ist nur erforderlich, daß wir die hysterische Angst und Ungeduld abstreifen, die uns bisher wahllos nach allem hat greifen lassen, weil alles gleich wichtig erschien, und weil man von der Vernachlässigung auch nur einer Position den Verlust des ganzen Landes iürchtcfc. Wer ein Volk aus der Diaspora in die Heimat zurückführcn will, wer diese Heimat sich erst erschließen will, der muß gute und gesunde Nerven' haben. Auch Palästina wird demjenigen Zufällen der die besseren Nerven hat. Der Zionismus ist keine Angclcgcnhcit, die sich ira Verlauf von einigen Jahren ent-