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Jüdische Rundschau · 1923-06-15 · Heft 48 (15.6.1923) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVIII (1923)
Issue
Heft 48 (15.6.1923)
Date
1923-06-15
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Der hkum, das 1 zu scheu daß statt titcrc htei• Publikum tn, 1'.,reu 1e Politik ‘ äernoinmen .Berlin ei» erurn über• 11׳ Dr-Ing. 1“. — litt tzmig des 1 die Teil- und 11,Uten nacht; ein tcr Vcran• isc ist. —?,er großen ■r ״Unsere war vor- 111 Speiseijnippc der :rein "’!יי• nimcrniaii11 :m Verein! I Pflichte«, i 150 Mi•־ sehr citri;,’ eranstaUct. rganisalion sehr* ■at s Bloch• te Kultur'' 11 Jugend-!gehörige« . die Di*־;!‘•spräche« n ‘ fori. - eis junget aikotnnicn •schuftigen 1t untätig. tcr Harry *hier Mis•;ei teil b״'* nel-Gölliit־ •j Nokni• SItio״splan für Palästina“. Es fand sich eine Anzahl am' jJapocl-Hazai'r“ Interessierter zusammen. " Fazit der fünf Wo;11 c 11 intensiver Arbeit in Hannover: Verdoppelung der Zahl der organisierten Zionisten, Schaffung eines Kreises interessierter Jugendlicher, Aufbringung von sicher 5-6110 Schekolim, außer den ״Misrachi“• und Hapern!- Ii?z3ir-Schrk0!i!11, gegen zirka 180 irrt Jahre 1921 (wobei freilich auch die Hapocl-Haza'ir- und Misrachi-Sclickalirn nicht pitgcrcclnict wurden). Steigerung der Aussichten der zionislischcn PeJcr.r.ioncn, Aufbringung einiger Überdurchschnitt- [jeh Itolier 7ionistcnstcuern, Organisierung eines arbeitsfähigen Orisgiunpen ß-ras, Reaktivierung des Ortsgruppenvorstandes und vor allen Dingen Steigerung der Arbeitslust und des Expaiisionsivilieiis der Ortsgruppe selbst. Dazu kouvnt eine allgemeine Erhöhung des Interesses an jüdischen und;!ioiiisiisclien Fragen in Hannover und die hoffentlich endgültige Durchbrechung der Isolierung, in der sich die Ortsgruppe befand, und die den Dcsucii unserer Versammlungen schädigte. liiiigcwicsen sei noch auf folgendes: es scheint, daß nwnrlic Zicn'slcn unter dein Drang der täglichen Arbeit die Gründe für ihren Zionismus vergessen und die Erinnerung an die sieghafte Kraft unserer zionistischen Ideologie verloren haben. In dieser Epoche innerer und äußerer Judennot aber bewährt sich der Zionismus wieder als Antwort auf höchst persönliche, schmerzlich empfundene und dringende Probleme. Auch der unwillig Abseitsstehcnde empfindet seine erlösende Macht. — An uns Zionisten ist es, sich neu mit den bewegenden Tatsachen des Judentums und unserer Zeit auscinanderzuselzcn. Die deutschen Juden waren nie so bereit, nie heut uns zu hören; das beweist auch die Aktion in Hannover, Vor allem die nirh'z'onistischc Jugend hat, wie sidi ergab, .Willen und Bedürfnis danach. Es wäre Aufgabe der zionistischcn Jugend, ihr dabei zu helfen. Wir könnten dann junge Menschen gewinnen, deren Zionismus schon deshalb Ernsthaftigkeit und Dauerhaftigkeit verbürgen würde, weil an seinem Beginn eine Entscheidung stände. Die Leiter unserer Jugcndbündc aber sollten sich die Frage vorlcgcn, ob cs genügt, unsere jungen Menschen so selbstverständlich i;t den Zionismus hiiicinwachscn zu lassen, wie etwa die Jugend der Qr.hodoxie i:1 das gesetzestreue Judentum. Auch die jungen Ziouisien sollten geistig dem jüdische 11 Problem in seiner ganzen Schwere gewachsen sein. Dann dürfte sich unsere Jugend nicht meh!• über Mißerfolge ihrer Werbearbeit 1u beklagen haben. S, JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 287 DSSißZacaGErcnaB« B.£r12so11sS5**aS© 76 Sonnabend, den 16. 3unl, abends 8 Uhr anläßlich dos Werbemonats: ««Füg* «2q3 at?&ei2eßc30 Palästina” Ansprache: Arthur Höllischer Arien und Rezitationen Jiddische Volkslieder Berta M a 1 k i n (Gr. Vo!k״nper) Ktbel Kaufmann Dr. Strelitzer (Gr. Volksoper) LilyDymont Alcxandor Orhons .70 8 0 / Hornstein Herz Grossbart Das Oraanhatlonskomltce für das arbeitende Palästina Die Gruppierung der jüdischen Oelleitrilcakät*) Von Dr. Robert Weiß, Frankfurt a. M. Versuchen wir die Reaktion der einzelnen Lager der jüdischen Oeffentlichkcit auf das Palästinawerk in Kürze anzudeuten. Es lassen sich im Wesentlichen vier Lager nichtzionistischer, aber palästinagerichtetcr Juden unterscheiden: Orthodoxie, Rciigions- und WirtschafUüberalc, Sozialsten und schließlich die große Masse der ostjüdischen Kleinbürger. Diese ömppicrung ergibt sich mit Notwendigkeit aus den großen Auseinandersetzungen, dic jede aktive Gesellschaft im all• gemeinen durchzukämpfen hat und die auch den wesentlichen Aufbauprobfcmen des Palästinawerkes entsprechen: D i c religiöse ■und die soziale Frage erschüttern am stärksten das gesellschaftliche Gefüge, schaffen gcdank'ichc Antithesen und parteimäßige Verbände, welche die Gesell• Schaft in ein Konglomerat sich ständig absondernder, diffcrenzierender Gruppen auflösen würde, wären nicht im gleich-!eiligen sozialen Prozeß bereits Kräfte der Zusammenfassung, der Integrierung am Werke, welche durch gedankliche Svndiesen, die sich im umschauhaltcnden Einzelnen ausbildcn, den Zustand einer wiedcrhergestellten gesellschaftlichen Ucbercinstimmung vorbereiten. Innerzionistisch ist eine ähnliche soziale Tendenz zu vorzeichnen: Die Endziele der Unterverbände der Zionistischen Organisation liegen in vielem bereits fernab von den Ile- Strebungen wesentlicher Teile der eigenen Organisation, treifen sich aber mit Strömungen in Verbänden außerhalb׳ des organisierten Zionismus, mit ernsthaften Bestrebungen, die palästinagcrichtct und aufbauwillig sind. Ist auch der hartnackigste Kampf zwischen der palästiiiagenchtclcsi Orthodoxie beider Lager, zwischen den palästinagcrichtctcn' Sozialisten beider Lager entstanden, weil die Rivalität zwischen geistig Verwandten am schärfsten ist, so zeugt auch dieser Zwist Keime, die zu einer einheitlich religiösen und einheitlich sozialistischen Strömung in der Palastinahcwegung führen. ■So werden die Fraktionen im Zionismus!Gruppicrungs kerne f ü r d i e kommende weitjsn sc bauliche Gliederung der Palästina-! gerichteten Gesamtbewegung innerhalb und s außerhalb des organisierten Zionismus, für i <kn notwendigen Kampf um den Charakter des jüdischen | Gemeinwesens in Palästina. Die religiösen und sozialpo’ilistben Auseinandersetzungen werden deshalb notwendig das : Aufbauwerk belasten müssen, weil das schließliche einheit- < hebe GcsclIschaftsbcwußUcin anders nicht erstehen kann. i Ktse Auseinandersetzungen führen den Fraktionen im Zio-; r‘!smus Bundesgenossen aus anderen Verbänden zu, Nichtzio- ] Jistcn, die erkannt haben, daß das Palästinawerk unerschöpf- 1 bche Mög'ichkeitcn schafft, in allen Teilen einer im Werden J befindlichen jüdisch-gesellschaftlichen Realität, die jüdisch- | religiöse und jüdischsozialistischc Idee auswirken zu lassen,! I Die Verwirklichung der jüdischrcligiöscn Idee in Palästina 1. Die Werkaufgabe der Orthodoxie. : Die gehaltvollsten - und wesentlichsten Teile des jüdi j!chen Rcligionsgcsctzcs haben die Umgebung einer jüdischen ן Gesellschaft und den Boden eines jüdischen Landes zur Vor ‘ il!s'.ctnrng. Vermag auch die religiöse Innigkeit des sozial entwurzelten Einzelnen sehr viel, entströmt auch der; Nische״ Gemeinde gottnahe Kraft und Sicherheit, so beengt i Nh die wesensfremde Umwelt der Galutiisiedlungcn die : '«sprengten Teile an der tiefgründigsten Projizierung ihres Ncnsdns in die Welt, an der letzten, schöpferischen Ge-; üähiing des individuellen und nationalen Lebens nach dem j 5«liechen Rhythmus des jüdischen Einzelnen und nach dem ׳:; 'Nischen Rhythmus des jüdischen Gesetzes. Erst wenn wieder fN nationale Gesellschaft auf palästinensischer Erde siedeln i N<1, kann allgemein die Erkenntnis werden, daß uns die 1 «Nr mehr!unterlassen haben als bloße Formen des Geistes 1 , *)~VgL״clie ״Jüd. Rundschau״, Nr. 26/27 Seite 159. Wir i ‘״nuten infolge chronischen Raummangels erst heute die f0"Setzung geben, die jedoch als selbständiger Aufsatz ver- «urdiieh und gerade jetzt in der ,Weltkongreß-Diskussion ä Nueü ist. * A, d. ß. sich Jacob Rosen heim gegen den die Agudnh mit der praktischen Erezmeine. Die finanziellen Verhält• bisher keine bedeutenden Erfolge Ernst hätten in den Schriften und Gebeten, als bloße Formen der Handhing in den Sitten und Gebräuchen. Erst dann wird der letzte, der tiefgcschürftcstc Sinn dieser wundervollen Koinpilation aus den Endweisheiten von Millionen gelebter jüdischer Menschenleben ein organisches Weiterschaffen bcfruchten. Von der uralten Mizwah Jischuw Erez-Jisrael braucht nicht viel gesprochen zu werden. Wer sich nach der Verwirklichung der traditionsgemäßen jüdischen Lebensführung selmt, der wandert nicht nach Erez-Jisrael, weil uns dies an vielen Stellen der mündlichen und schriftlichen Lehre geboten st, sondern weil ein freudiges inneres Drängen uns das Kommende ahnen läßt: Pcßach- und Sukkolhfcstc des Volkes auf dem Moriah zu jcruscholajim, Feste der gläubigen jüdischeu Gottesnation, die auch dem Verstocktesten, Gottfernsten unter den Brüdern den letzten Sinn dieser Heimkehr erschließen werden. Der Gott unserer Väter in der Mitte des Volkes Jisrael, und sein Wort strömt durch den Mund jüdischer Boten in die vier Enden der Welt. Dies vorzubercitcn ist das besondere Palästinawerk, das gleichzeitig mit dem allgemeinen der Gesamtgesellschaft, alle Zionisten und Nichtzionisten zu verrichten haben, die vermeinen, im Sinne der Väter dem richtigen jüdischen Gott• glauben richtig naöhzulcben. 2. Die Wcrkaufgabc des Liberalismus. Die Begründung einer jüdischen Gesellschaft In Palästina steift aber auch dem jüdischreligiösen Liberalismus neue Aufgaben. Während die sogenannte ״Reform“ des jüdisehen Gottglaubcns bisher nichts anderes darstellte als die Anpassung religiöser Inhalte und religiöser Formen an den Geschmack und Zeitgeist der Umwelt, wird gerade in Ercz- Jisrael eine ernsthafte Diskussion über die Möglichkeit einer organischen Weiterentwicklung des jüdischen Gesetzes sehr fruchtbringend sich auswirken können. Denn dort wird jüdischreligiöser Liberalismus nicht Assimilation bedeuten, sondern schöpferische eigengesetzliche Fortsetzung der großen jüdischeu Traditionen. Das jüdische Recht gibt uns selbst hierfür eine, reiche Fülle von Ansatzpunkten, Ist einmal ein autoritatives Bcth-Din, eine oberste rabbinische Versammlung eingesetzt, dann wird und muß so manches gelöst werden, was als anachronistischer Ballast durch die Jahrhunderte mitgcsclileppt worden ist An der Thora Moscheh wird kein dem Gesetze treuer, religiöser Führer rütteln: aber das rabbinische Recht mit dem neuen jüdischen Lebensrhvthmus in Einklang zu bringen, wird ein Problem von Schwere, aber auch von unermeßlicher Bedeutung sein. Mit verantwortungsbewußter Bedächtigkeit werden autoritative Führer um die neuen Inhalte und neuen Formen des jüdischreligiösen Lebens ringen müssen, fern von dogmatischer Härte und fern von einem leichtfertigen Bruch mit der Tradition. Vielleicht wird mit zulänglicheren Mitteln im jüdischen Lande organisch das erstehen, was die Besten der liberalen Neuerer sich von der Reform erhofft hatten. Dies vorzubercitcn ist das besondere Palästinawerk, das alle Zionisten und Nichtzionisten zu verrichten haben, die nach neuen religiösen Formen suchen und sie in der freien und dennoch bedachtsamen Weiterentwicklung des historisch Gegebenen zu finden hoffen. g) Die konkrete Stellungnahme der rellgl&slnteresslerten Verbände 1. Die Agudas Jlsrocl. Die konkrete Stellungnahme der religiös intercsr-ierlcn nichtzionistischen Verbände zum Palästinawerk ist in großen Zügen die folgende: Nach langen inneren Auscinandcrsetzun• gen, erreichten cs die palästinagcrichteten Führer der nichtzionistischen Orthodoxie, der Agudas Jisroel, daß auf der Wiener Zcntralratssitzung (1921) ein Beschluß zustande kam, in dem gefordert wird: ״Die Umbildung der im Mandatscntwurtc vorgesehenen Jewish Agency . . . derart, daß der durch die Agudas Jisroel repräsentierten Orthodoxie die Möglichkeit gegeben wird, ihrer geschichtlichen Auf gäbe gemäß, an dem Aufbau der jüdisch-nationa len Heimstätte in Erez-Jisrael im Geiste der religiösen Ueberlieferung und des jüdi sehen Rcligionsgcsctzcs mitzuwirken.“ Diese Entschließung, die also eine aktive Anteilnahme der Agudas Jisroel am konstruktiven Palästinawerk fordert, bedeutet eine grundsätzliche Aufgabe des Trcnnungsprinzipes. Die Agudas Jisroel Ist demnach bereit, bei der Palästinaarbeit auch mit Juden, die dem Thoragesetz ferustehen, in einer gemeinsamen jüdischen Vertretung, in einer Jewish. Agency vereinigt zu sein. Auch die Mehrheit der Breslauer Tagung der Agudas Jisroel '(Dezember 1922) betonte die Notwendigkeit einer aktivsten politischen und wirtschaftlichen Palästina arbeit, allerdings im Gegensatz zur Haltung einiger Führer wie Dr. Pinchas Kohn und Nathan Birnbaum. Sehr beträchtliche Strömungen im Osten und in den Jugendgruppen der Agudas Jisroel sind mit den bisherigen positiven Palästina Aufbauleistimgen ihrer Leitung un zu frieden. So hat auf der Breslauer Tagung, einem offiziellen Bericht der Ag Jisroel zufolge*), der bekannte Rabbiner Dr. Moses Auer bach, Berlin, ״nochmals die Prinzipicnfragc angeschnitten, ob die Leitung der Agudas Jisroel aufrichtig und ehrlich den Einsatz aller Kräfte für eine aufbauende Arbeit in Erez-Jisroel wünsche, oder ob man darin mir ejn Zugeständnis au Zeitströmungen sehe“. Namens der *) Blätter, herausgegeben vom Gruppen verband usw, der Agudas Jisroel ia Deutschland^ Nr, 2, St 3• Leitung verwahrte Verdacht, daß cs Jisracl-Arbci? nicht .nissc der Agudali ermöglicht. Gewiß erschwerte der völlig unzulängliche Stand ihrer Finanzen, der Agudas Jisroel jede wesentliche Palästinaarbeit wirtschaftlichen Charakters, aber cs ist dies nicht zuletzt nur eine F o!gc der passiven, wenn nicht negativen Haitimg, welche einflußreiche Gruppen der Orthodoxie jahrelang eingenommen habe״. Sie leisteten nicht nur der politischen Arbeit der Zionistischen Organisation bis vor kurzem jeden Widerstand, sondern bekämpften jegliche Idee einer politischen und wirtschaftlichen Palästina-Aktion, sie hielten die Wiedererrichtung von Ercz-jisrocI für nicht zeitgemäß und für einen Eingriff in die göttliche Vorsehung. Es ist schwer für die Leitung• der Agudas Jisroel, der jahrelang in entgegengesetztester Richtung bceiniiuß e!1 Anhängerschaft jetzt klar zu machen, daß eine der dringlichsten Vcrpflichtungen des gesetzestreuen Jehudi nunmehr darin besteht, Opfer, wirkliche, in die persönliche Lebensführung einschncidende Opfer, auch für den wirtschaftlichen Auf• bau Ercz-Jisraels zu bringen. Wenn auch ein Agudah• f ü 11 r e r in Breslau verlangte, ״man solle baldmöglichst einen Plan ausarbeiten, der es jedem Agudisten zumin* dest ermögliche, selber ein.Stück Land in Erez-Jisrael zu erwerben“, so kann es noch lange dauern, bis die Agudas Jisroel über nennenswerte Kapitalien zum Bodenkauf verfügt. Eine wirkliche Palästinaaktivität der Agudas Jisroel kann nur dann entstehen, wenn sie jedem Versuche, das politische und wirtschaftliche Palästinawerk innerhalb und außerhalb der eigenen Organisation zu hemmen, wenn sie jedem Bemühen, der wachsenden Palästinaströmung ׳ in den eignen Reihen Widerstand zu leisten, mit aller eindeutiger Entschiedenheit entgegentritt. Eine Gesamt- |.agudah, welche erfüllt ist von einem glühenden Aufbauwillen und demgemäß beachtenswerte wirtschaftliche Leistungen in Ercz-Jisrad zu vollbringen in der Lage ist, wird auch die Zionistische Organisation gerne als Arbcitskameradin begrüßen. Die bisherigen praktischen Versuche der Agudas Jisroel in dieser Richtung sind angesichts der Größe der palästinensischen Aufgaben unzulänglich, insbesondere der Keren hajischuw, der bisher nur etwas Boden in Palästina kaufte und sich zu einer orthodoxen Sicdlungsgcscllschaft entwickeln will. Durch die unglückseligen politischen Zwiste wurden Kräfte in der Agudas Jisroel, die unzweideutig zutn positiven, gemeinsamen Aufbauwerk mit der Zionistischen Organisation bereit sind, zu negativen, hemmenden Sonderaktionen gedrängt. Bei einzelnen Führern und insbesondere in den Jugendgruppen der Agudas Jisroel ist die Einsicht gereift, daß sie unfähig sind, selbständig ein politisch-wirtschaftlich irgendwie bedeutungsvolleres Palästinawerk zu verrichten. Denn cs kann in Palästina die verschiedenartigsten Schulen geben, aber nur ein Jordan-Stauwerk. Man wird den Erzeugnissen der palästinensischen Industrie cs nicht anschcn können, ob sie von gesetzestreuen oder ״abtrünnigen“ jüdischen Fländen gearbeitet sind. In wirtschaftlichen und außenpolitisehen Angelegenheiten zweier bloß kulturpolitisch differenzierter Organisationen darf cs vernünftigerweise keine Parallclinstitutioneii geben. Das ist auch die Ansicht mancher Agudas-Jisroel-Führer. So schreibt z. B. das Mitglied der Agudaii-Leitung Dr. Ehrmann, Frankfurt a. M., in einem offiziellen Bericht über die Palästinaarbeit der Agudas Jisroel: ,Hier wäre nur dann ein Weg des Zusammcnarbcitens zu finden, wenn die Zionistische Organisation grundsätzlich sich auf wirtschaftliche Angelegenheiten beschränken würde, in denen sehr wohl ein Miteinandergehen möglieh ist.“ Die Trennung der wirtschaftlichen von der kulturellen Sphäre des Aufbaues ist ein Problem, das theorctisch zwar leicht gelöst werden kann, bei der praktischen Durchführung aber von Schwierigkeiten heikelster Art, von den mannigfaltigsten Imponderabilien beschwert wird. Immerhin: cs ist kein unbedingtes Lebenserfordernis des Palästinawerkes, den wirtschaftlichen und den kulturellen Aufbau von einer Siehe zu leiten und aus einem Fonds zu finanzieren. Wohl ist eine jüdische Schule genau so wichtig wie der Bodcnkauf. Aber wir müssen beim Palästinawerk alle Rcibungsfaktoren auf ein Minimum beschränken, — cs werden ohnehin genug übrigblcibcn —, und daher ist cs notwendig, daß wir die fiifanzicllcn Kräfte der Gesnmthcit jenem Teil des Aufhaus Zufuhren, der wenigstens kulturpolitisch gesehen, einigermaßen neutral bleibt: der Wirtschaft. Die Interessenten eines religiös gerichiclen Schulwerks mögen sich außerhalb der zionistischen Institutionen ebenso organisieren wie die der .•)religiösen und antireligiösen Schule. Das gemeinsame Palästinawerk der jüdischen Gesellschaft in Palästina darf nicht darunter leiden, daß das Schuhvcrk im Kampfe zwischen den gläubigen und den anderen Nationsteilen zu einem Politikum wird. Die For-, derung der zionistischen und nichtzionistischen Orthodoxie nach einer offiziellen Respektierung des jüdischen Rciigionsgesetzes in jenen politischen und wirtschaftlichen Institutionen, die von der jüdischen Gesamtheit erhalten werden, hat der XII. K a r 1 s b a d e r Zionistenkongreß nochmals in einer Resolution betont. Das junge jüdische Gemeinwesen ist zu schwach, um einen Kulturkampf ertragen zu können, der die politischen und wirtschaftlichen Voraussetzungen seines Bestehens ernsthaft gefährdet. Andererseits muß aber die Orthodoxie gerade im Interesse der religiösen Heimkehr des Volkes al'es vermeiden, was einer unnötigen Provokation, einer leeren Demonstration ähnlich sicht. Vor allem darf sie nicht sich als ausgesprochen antisozialistisch gebärden. Die momentane Personalunion zwischen dem Sozialismus und dem Freidcukcrtum währt nicht in die Ewigkeit, und eine kluge maßvolle Politik der gesetzestreuen Juden kann der Wiederaufnahme der jüdischen Lehre mehr nützen, als ein plumpes Machtstreben. Die jüdische Arbeiterschaft Palästinas wird nicht immer sich mit den vulgär verdünnten Bruchstücken der materialistischen Philo- Sophie zufriedengeben, die Eigenart Erez-Jisracls, welche zum religiösen Nachdenken so ungemein anregt, wird sich auch auf die dem Rcligionsgcsetz noch fernen Siedlungen auswirken, und in den Arbeitcrkwuzoth kann eine Heimkehr zur Thora noch immer entstehen, wenn religiöse Führer,» die volles Verständnis für die wirtschaftliche Emanzipation des jüdischen Proletariats haben, wenn Menschen, zu denen der jüdische Arbeiter Zutrauen hat, von der jüdisehen Lehre erzählen, nicht im Althergebrachten, dogmatischen Ton, sondern in einer eindringlichen Zurückführung auf die elementarsten, ursprünglichsten gucllcn unseres Gottwissens,

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