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Jüdische Rundschau · 1923-05-11 · Heft 38 (11.5.1923) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVIII (1923)
Issue
Heft 38 (11.5.1923)
Date
1923-05-11
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nac־ , A h '3 (h׳: :1 v•״. l u׳ I ' - ׳ גו zu einer Demonstration für ihr Parteiprogramm ein Teil der Mittelschicht wird fernbieiben, dem Beispiel der Oberschicht zu folgen, und ein rCr Teil wird auf dem Kongreß zeigen, daß er;or.isiisch gesinnt ist. So wird die Last der Arbeit ■of auf die Schlittern der Zionisten fallen, dem! dam! vielleicht um eine Anzahl von Menschen;t sind, die auch schon vorher halb gewonnen f'r1[;־s erscheint mehr als zweifelhaft, ob die an sieb j.0״ überanstrengten Kräfte der Zionistischen Organij!1 der nächsten Zeit für die Propaganda zum Weltg!!r1eß eingesetzt werden sollen, wenn das Resultat gell nur das hier beschriebene sein kann. Um einer ’1,jcn Demonstration willen wurde ja der Beschluß 1,r‘ Karlsbader Jahreskonferenz zur Einberufung des Weltkongresses nicht gefaßt. Ihm lag docli wohl, wenn ״:c!1 ungeklärt und verworren, der Gedanke zugrunde, J'jg ans dem Weltkongreß eine weit größere und stärkere Organisation bervorgclien solle. Anders wäre ja auch kr" Beschluß nicht zu verstehen, daß die Wahl der bivisli Agency, also der höchsten verantwortlichen •׳gpersehaft des jüdischen Volkes, die das gesamte ״•!äsliiiawerk leiten muß, durch den Weltkongreß er-;;Iren solle. , J Steht es aber um das jüdische Volk so, wie hier gestellt wurde, so■ ist der Weltkongreß nur ein müh- ,.;;״er und überflüssiger Umweg zu dem Resultat, das •vifVlion jetzt vorausschen, nämlich daß schließlich am!fr.de des Weltkongresses die Zionistische Organisation U Arbeit da wieder aufnehmen muß, wo sic sic am 5Vorabend des Weltkongresses nicdcrgelcgt hatte. Ge-■;•j kann es sein, daß der gewaltige agitatorische Auf- T,nd um den Weltkongreß schließlich doch der Organi- ‘..,!;on und dem Palästinawerk gewisse neue Kräfte und ״jitel zuführt. Andererseits aber besteht die Gefahr, 43 der Aufwand das Resultat nicht lohnt, und daß :;נ den zum Weltkongreß versammelten Gruppen, die 1 ,ucr doch nichts leisten werden, Prätentionen auf Re-;־;äsentanz und Beteiligung an der Führung erweckt : erden. Es hieße mit Kanonen nach Spatzen schießen, 1;!Ite man um eines kleinen Kraftzuwachscs willen den .'cltkongreß organisieren, und cs hieße sich eine Kugel :;s Bein binden, wollte man den innerlich so ganz anders ' •arteten Gruppen im Weltkongreß von rechts und links;e formelle Mitbeteiiigung und Mitverantwortung ohne aslhafte Gegenleistung cinräumen. Das sind die Argu-;nie, die gegen den Weltkongreß sprechen, und sic Ilten mit größtem Ernst und größter Sachlichkeit geüft werden.! Es muß noch besonders hervorgehoben werden, daß 'r liier vertretene Standpunkt nicht etwa von Miß- .;jcn oder Abneigung gegen niditzioiiistischc Elemente :kliert ist, die sich für Palästina bereits interessieren;er dafür gewonnen werden können. Ganz gewiß gibt unter den nichtzionistischen Juden aller Länder einzelne rvorragende Persönlichkeiten oder auch Gruppen von ersonen, die es für die Palästinaarbeit zu gewinnen lohnt, kr Zionismus hat in den letzten Jahren manche mora- ,'dien Eroberungen gemacht, bisher fernstehende Kreise :5 verschiedenen Lagern sind bereit, sich am Palästina- :rk zu beteiligen. Für diese Gruppen müssen ge- 3 die richtigen Organisationsformen gefunden werden, 1 ihre Mitarbeit zu ermöglichen, wenn sic nicht in die! aistische Organisalion eintrefen wollen. Es ist dar-!durchaus zu begrüßen, wenn neben der Zionistischen ganisation solche Kreise und Personen sich zur Grünäf von Palästinauntcrnchniiingcn oder Palästinaver- ■tu irgendwelcher Art zusanunenfinden. Das sollte von ־ durchaus gefördert werden, und freundschaftliche :.־unmenarbeit mit diesen Gruppen sollte unser Be- '!xm sein. Was aber ausdrücklich bekämpft werden 4 ist der große Irrtum, als sei nun die Zeit der :״bfischen Organisation vorbei, und als müsse die lang der Palästinaarbeit und die Funktionen der Je- ■A Agency in andere Hände übergehen. Es besteht kr hei uns die Neigung, Einzelerscheinungen zu ver- Tidncrn und aus zufälligen Erlebnissen voreilige ■hisse zu ziehen. Diesem Irrtum sind unsere leitenden Inner immer wieder verfallen. Mit dem Hinweis auf ״ oder zwei bekannte jüdische Persönlichkeiten, die; günstig verhielten, wurde seinerzeit die total ver- ■;c jüdische Kongrefibewegung in Deutschland immer verteidigt. Mit ähnlichen Hinweisen wird das ׳■dp des neutralen Keren Hajessod und neuerdings Umwandlung oder die Erweiterung der Jewish Agency ahndet. Aber es ist eine schlechte Politik, die Gc-;״Iagc nach Einzcivorgängcn zu beurteilen, die man;2-gemeinert, weil man die Ausnahmen gern als Regel T Es kommt darauf an, den Uebcrblick über das ■-•'•nithild nicht zu verlieren, die Stimme der vorhan-;-:1 Kräfte richtig abzuschätzcn, die Richtung dieser :4 zu begreifen. Eine tiefer blickende Erkenntnis 1',zionistischen Bewegung muß uns lehren, warum 4 die Juden Zionisten wurden, warum große Teile! Ernliicltcn und aucii jetzt abseits stehen, welches '־.üruppen und Menschen sind, die nach Palästina .1;4׳־ oder für das Palästinaideal Verständnis halxin. solclicr Kenntnis erwächst uns die Gewißheit, daß; 7’■׳»istisclic Organisation nicht durch eine wesent-; ‘1•Hlcrsgcartcte ersetzt werden kann, daß cs ihre 3» ׳c sein muß, die zu gewinnenden Kräfte sich an- und daß Randerscheinungen besonderer Art, -'Jlwa die Gründung von Paläsiinauntcrnchrmmgcn 'י bisherige Gegner des Zionismus, wohl als Sympder geänderten Umstände zu begrüßen und zu;.;;;י sind, aber in ihrer Bedeutung doch nicht über• 3' werden dürfen, (ZweiterTeil folgt.) JUnDISCHE RUNDSCHAU Se 225 #־■, «r>, י״, r* *1 «rt »/*״»״•,י i*\J V . 4*4 1"׳■ rXJ •/O ■ *4 London, 7. Mai. (J. C. B.) In der letzten Sitzung des Oberhauses befragte Viscount Grcy of Fallodon den Staatssekretär der Kolonien, Herzog von Dcvonshirc, über die R c g i c r 11 n g s p o i i t i k i n Mesopotamien und bat um Aufklärung darüber, ob zuletzt Beschlüsse über diese Politik getroffen worden seien. Der Herzog von Dcvonshirc erwiderte, er hätte dem Oberhaus wichtige M itte ilu n gen über die Politik in M esopot a m i c n zu machen. Das Kabi::ett hat die Frage erörtert und danach einen entsprechenden Beschluß gefaßt. Es habe Sir Percy Cox bcaufirngt, eine diesbezügliche, im Einvernehmen mit clem König Fcisul und dessen Beratern ausgearbcitctc Kundgebung in Bagdad zu eriassen. Der Herzog von Dcvonshirc las den Text dieser Erklärung vor. Sic bezieht sich auf den Bündnisvertrag zwischen der britischen Regierung und dein König Fcisui, der am 10. Oktober 1922 auf 20 Jahre geschlossen worden war (auf Wunsch einer der Parteien kann der Vertrag jederzeit revidiert werden) und der eine unabhängige, auf konstitutioneller Grundlage ruhende Regierung in Mesopotamien Vorsicht. In der Kundgebung wird weiter gesagt, daß die mcsopotamische Regierung seit dem kbsciihT; Kontraktes bcdcut e n d c Sehr i tte auf dem Wege einer festen und unabhängigen Ent- Wicklung gema׳•’;' habe und nunmehr in der Lage ist, die Verantwortlichkeit für eine sclbständige Verwaltung erfolgreich zu Iiberneh* men. Da 3:׳ beiden vertragschließenden Parteien in gle ich er Weis״ erwünscht ist, daß die Verantwortlichkcit und die Verpflichtungen der britischen Regicrung mit Bezug auf Mesopotamien möglichst bald aufhören, haben sie ein diesbezügliches Protokoll unter• schrieben, weiches noch von der konstituierenden Ver• Sammlung ratifiziert werden soll. In diesem Protokoll wird festgesetzt, daß die Wirkungsfrist des Vertrages vom 10. Oktober 1922 in dem Augenblick als abgclatifcn niiz.usehcn sei, in weichem Mesopotamien Mitglied des Völkerbundes wird, in keinem Falle aber später als vier Jahre nach der Ratifizierung des Friedens• Vertrages mit der Türkei. Der Herzog von Dcvonshirc schloß seine Erklärung damit, daß er keine Debatte über dieses Thema hervorgerufen sehen möchte. Lord Grcy sagte, auch er wolle keine Debatte hervorrufen, er müsse jedoch erwähnen, daß die mesopotaniischen Verpflichtungen eine Quelle größter Sorge für das Land bildeten. Er habe deshalb die Erklärung des Herzogs von Dcvonshirc mit dem Ge• fühl einer tiefen Erleichterung entgegengenommen. Falls die 'Besprechungen in Lausanne ebenfalls 'vön gutem Erfolg gekrönt sein sollen, werde inan behaupten dürfen, daß das Ucbcrcinkommcn betreffend Mesopotamien tatsächlich viel zur Klärung der Perspektiven im Nahen Osten beigetragen und die dortige gespannte Atmosphäre sehr erleichtert habe. Die gleiche Erklärung wie der Herzog von Devonsüiire im Oberhaus gab der Staatssekretär der Finanzen, Stanley Baldvin im Untcrliause ab. Er fügte außerdem noch hinzu, daß das Ucbcreinkonimcn mit Mesopotamien der britischen Regierung die Möglichkeit gibt, die Kandidatur Mesopotamiens auf die Mitglied• sebaft im Völkerbünde zu unterstützen. Englische Prcssesiimmen ״Times" bringt einen umfangreichen Leitartikel über das mcsopotamisch« Uefccrchikoinmen und führt aus: ״ln einem gewissen Sinne bedeutet dieses Ucbcrcinkommcn ein Kompromiß, dis sowohl vom Standpunkt der Würde, wie von der Nützlichkeit als zufriedenstellend bezeichnet werden kann. Es wird im gesamten Osten das Vertrauen zu Unserer Gewissenhaftigkeit aufrcchterhaltcn und gleichzeitig unsere materiellen Verpflichtungen in der mesopotamischcn Frage verringern. Das wichtigste an diesem Ueherciiuommni ist, daß cs ein Brechen mit der Politik weiterer Engagements Englands im Osten bedeutet. In Mesopotamien sind wir Mandatare des Völkerbundes. Wir sind Treuhänder und dürfen deshalb nicht den übernommenen Auftrag ohne Einverständnis der Auftraggeber niederkgen. Es ist nicht schwer, sich auszudenken, was geschehen würde, falls Mesopotamien unverzüglich gcr ii u m t werden müßae, Die Türken würden nicht lange zögern, Mosul zu Ix setzen und das arabische Reich würde zerfallen. Einmal in Atosul, würden die Türken auch Bagdad und Basra für sich in Anspruch nehmen. Was würden ater — von den moralischen Wirkungen schon zu schweifen — die materiellen Wirkungen einer derartigen Wieclercrwenmg der Islamischen Welt durch die Türken sein? Jeder, der den Osten und den Islam kennt, kann die Folgen eines solchen Ereignisses in Syrien, Palästina und sogar Indien voraus• seten.“ Im Gegensatz zu diesen Ausführungen der ״Times“ steht ein redaktioneller Artikel des ״Daily Express“, in welchem gesagt wird: ״Wir sehen gar nicht ein, weshalb die Evakuation Mesopotamiens nicf.1t noch in diesem Jahre stattfinden soll. Jedenfalls werden jetzt keine neuen militärischen Abenteuer unternommen, die für die Bevölkerung neue Steuerlasten mit sich bringen.“ äfc 1 Die Erklärung, die der britische Kolonialminister im Oberhaus über die englische Politik in Mesopotamien abgegeben hat, ist zur Beurteilung der englischen Absichten im Nahen Orient von großer Wichtigkeit. In dem Vertrag mit König Faisul gibt England der niesopotamischcn Regierung fast vollständige Selbständigkeit und Unabhängigkeit und behält sich nur vertraglich gewisse Rechte vor. Dieses Uebereinkommen schaft eine Präjudiz in bezug auf die Auffassung der Völkerbund-Mandate überhaupt. England glaubt seine Mandatsverpilichtung dadurch zu erfüllen, daß cs über die im übrigen selbständige mcsopotamische Regierung während einer Uebergangszcit eine gewisse Aufsicht ausübt, wobei es natürlieh auch englische politische und wirtschaftliche Interessen wahrnchmcn wird. Es kann nicht bezweifelt werden, daß dadurch — nach den Konzessionen an Aegypten — eit) neuer wichtiger Schritt zur Unabhängigkeit der arabischen Völker getan ist. Die palästinensischen Araber werden durch ’ diesen Schritt ermutigt werden, auch ihrerseits eine ähnliche Lösung zu fordern, und wir dürfen uns keiner Täuschung darüber hingeben, daß in England die Geneigtheit für solche Lösungen jetzt sehr stark vorhanden ist. Weite Kreise eng- % lischcr Politiker, als deren Sprecher diesmal nicht ein Mitglied der Dichard-Gruppe, sondern der Führer der Liberalen, Lord Grcy, auftrat, widerstreben der gegenwärtigen englischen Politik im Nahen Orient und fordern die möglichst baldige Liquidierung dieser ״Abenteuer“. Die englische Regierung sieht zwar die Unmöglichkeit ein, diesen Tendenzen nachzugeben, aber sie hat selbst das Bestreben, wenigstens die Widerstände der arabischen Völkerschaften 1md des Islam überhaupt dadurch zu verringern, daß sie den betreffenden Ländern sehr weitgehende Autonomie gibt. In Palästina liegt die Sache darum anders, weil im Mandatsvertrag als Zweck des Mandates die Errichtung der nationalen Heimstätte für das jüdische Volk ausdrücklich angegeben ist und weil dieser Mandatszweck noch weit entfernt von seiner Erreichung ist, so daß eine Unabhängigkeitserklärung Palästinas in direktem Widerspruch zu allen vorangegangenen Beschlüssen stände. Aber wir dürfen uns nicht verhehlen, daß dieses Hindernis der englischen Politik nicht angenehm ist und daß im Rahmen der heutigen englischen Politik, wie sie sich neuerlich in dem mesopotamischen Vertrage kundgibt, auch Palästina in zunehmendem Grade konslitutionalisicrt werden wird. So wertvoll für die Juden die Unterstützung Englands ist, wird doch in immer höherem Maße offenbar, daß die Hauptaufgabe der jüdischen Politik darin liegen muß, mitden Einwohnern Palästinas selbst zu einer Verständigung über die Wege der jüdischen Aufbauarbeit zu gelangen. Innerhalb der neuen Staatcngcbildc, die heute mit Englands Hilfe Im Nahen Orient geschaffen werden, muß sich die nationale Heimstätte des jüdischen Volkes von Anfang an eine gute und friedliche Position sichern. ,! '! .; Ber WclI!i9ngreÖ füdlsclicr Franca Der von dem amerikanischen Council of Jewish W o m c n cinberufcne Weltkongreß der jüdischen Frauen wurde am 6. Mai in Wien eröffnet. 75 Delegierte aus 18 Ländern sind in Wien eingetroffen. Anläßlich des Kongrosses haben die Wiener Hakenkreuzler, die besonders ehrenvolle Heldentat vollbracht, an allen Straßenecken Wiens blutrünstige Pogromplakate zu alichiereii. Der Kongreß wird in Wien von der jüdischen und nichtjüdischen Ocffcntlichkcit als ein Ereignis von großer sozialer Bedeutung empfuiiden. Zur Eröffnung fand ein feierlicher Empfang im Rittersaale •der Hofburg statt, der jedoch die große Zahl der Erschinn nicht fassen konnte. Unter den Gästen befand sich der Präsident der österreichischen Republik Dr. Hain i sch, und seine Mutter, die bekannte Frauenrcchilcrin Frau Marianne Hain i sch. Nach der Eröffnung durch die Altrsnräsidntin Frau Dirktor U11 mann bgrüßt Frau Anitta Müller-Cohen den Kongreß mit einer herzlichen Ansprache, in der si a*s die wichtigste Aufgabe der jüdischen Frauen den Zusammenschluß zum Kampf gegen den Judenhaß, zur Erziehung eines neuen Geschlechtes starker und bewußter Juden bczeichnctc. Die Rednerin begrüßte insbesondere die Delegierte Palästinas, des Landes der jüdischen Zukunft. Sodann sprach Frau Marianne 11 a i n i s c h, die darauf anspiclle, daß sic den ausländischen Frauen, darunter den amerikanischen Jüdinnen, für ihre Mitwirkung beim sozialen Werk der Linderung der österreichischen Not zu Dank verpflichtet ist. Nach Begrüßungsworten des Prä*!־identen der Kultusgemcinüe, Dr. Pick, sprachen die Vertreterinnen des Council of Jewish Women, Mrss. Harris und Ko hut, die ihre Freude über das Zustandekommen des Kongresses aussprachcn und der österreichischen Republik sowie dem österreichischen Judentum für den herliehen Empfang dankten. Sodann hielt Oberrabbiner Dr. C 11 a j c s eine Ansprache. Er hoffe, sagte er, daß es bald nicht mehr nötig sei, eigene Frauenkongresse zu veranstalten, sondern daß ein allgemeiner Jüdischer Kongreß alle vereinigen würde. Das jüdische Volk steht vor der Auf■ gäbe, das alte Land wiederzugewinnen, es steht heute einer organisierten Feindschaft gegenüber, die vor allem von jenen Kräften herrührt, die schon durch die Entfesselung des Krieges namenloses Elend in die Welt gebracht haben. Dr. Chajcs bezeichnet die antisemitischen PlakatealsunerbörteSchande.dic den Namen der österreichischen Republik verunglimpft, und fordert, daß die leitenden Männer des Landes endlich energische Schritte gegen diesen Unfug ergreifen. Nach dem Vortrag Dr. Chajes’ hielt der Bundespräsident Dr, Hainisch Cercle und sprach mit den einzelnen Delegierten.! .!! Am näciisten Tag wurden im überfüllten Saal des Kaufmännischcn Gremium!־, die Arbeitssitzungen begonnen. Den Vorsitz führt Frau Ko hut (Amerika), die betonte, daß der Kongreß über alle Partciuntcrschicde die Frauen aller Welt zusammenfaßt und nur der gemeinsamen sozialen Aufgäbe dienen soll. Als erster Punkt der Tagesordnung gelangt zur Verhandlung die religiöse Erziehung der Jugend, worüber Frau Eich holz (England) und Frau Esc helbaeher '(Deutschland) referierten. Die Rednerimicn sprechen über die erschreckende Assimilation und Entfremdung der Jugnd vom Judentum und empfehlen als Gegenmittel die Belebung religiöser Gebräuche und religiösen Wissens, ln der Diskussion betonten Frau Margulies (Berlin) und Frau Birkenhain (Warschau) die Notwendigkeit der nationa len Erziehung, welche heute der einzige Weg für eine Wiedergewinnung der Jugend und für eine Belebung des jüdischen Gefühls und Geistes ist. Frau Scjmabgcordncte Rosa M el z e r-Po me r an z (Lemberg) spricht über die Notwendigkeit der jüdischen Schule, die vom Staate erhalten werden muß. Sodann referiert Fräulein Berfa Pappenheim '(Deutsch• land) über die Frage des Mädchenhandels. Sie wendet sich dagegen, daß der Mädchenhandel von Antisemiten als ״jüdisches Gewerbe" bezeichnet wird und schildert die Leiden jüdischer Opfer gewissenloser Mädchcnhäiuilcr. In der Debatte werden Vorschläge zum Schutz der Mädchen, besonders in den Auswaudcrimgshäfen, gemacht.

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