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Jüdische Rundschau · 1923-05-04 · Heft 35-36 (4.5.1923) · page 9

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVIII (1923)
Issue
Heft 35-36 (4.5.1923)
Date
1923-05-04
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Kr• 35/36 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 215 5/;, cu!la! 'c:n:c!c;, >CH db .^ןז “« Eunken rfurhclt P. C.C, iolgcn• s t! n c L t d,“ >rt Sal, gesamt 1 und Wurden > o p e. ׳rundet, «!teilen g. Pfd. ־ J. A. Bussen• Grund• *id ge• , Rolli, x sub• einen ז) ver. pendet wovon ivbank wahr• •Jmung ׳erden, inimal, st die _ Geld ischen 1 g sie lungs• wahr• tigkeit einige Jera• Tätig, f eine 1 an: k, S. told. ׳ der ן im X7l!!.־r tr 1M3 6.1 7.9 8.0 8.7 »/״ 50 1921. 1 die Abcseni röhn״ .cx• Hein• ttail- 11(4-) ,«neu «r« louit u 1.1 18 der ader 11 ml ׳eise In' n Falen 41 M:1 lila ן Cie deutsch tsriicchaslownklschc Kwuza b Kurls Von Richard A. Hermann. Richard Ä. Bermann (Arnold Höllrlcgel) ist als Korrespondent des ״Berliner Tageblatt“ sowie einer Reihe anderer Zeitungen 11m die PcQacImit in Faiaslina gewesen. Ich liabe ihn in Jerusalem getroffen und konnte mit Genugtuung fcststcllcn, welchen grollen Eindruck die jüdische Arbeit im Lande auf ihn und auch auf Dr. Kund (der u. a. die ״Vossische Zeitung‘‘ und die ״Neue Freie Fresse“ vertritt) gemacht hat, Beide Juden, etwas skeptisch, aus gänzlich as.dmilatorischem Milieu und Arbeitskreis, fanden in Palästina nicht nur exotische Reiseerlebnisse, sondern die gewaitige Offenbarung der beginnenden jüdischen Volks״ Auferstehung, das Schauspiel eines ungeahnten liislori• sehen Prozesses der Umbildung. Ich sah auch hier: Die ■ Existenz des jü iischcn Arbeiters, des nationalen Pioniers,!st ein Phänomen von stärkster Ueberzeugungskraft. Als ich mit den beiden Herren sprach, hatten sic nur wenige südliche Siedlungen gesehen; sie fuhren dann nach dem Galil, 11!1<t nun finde ich im ״Prager Tagblatt“ den ersten Bericht Bermanns. 1.1׳ schreibt i über die ״Siedler aus der Tschechoslowakei in Pa- י lästina“. Die Kwuza in Beth Alfa, über die er hauptsächlich beriditet, besteht zu 50 ®.סי audi aus 1 Siedlern aus Deutschland; cs wird für unsere; Leser interessant sein, wie der außenstehende Besucher ',י das Leben in der Kwuza schildert. Wir geben datier 1 hier den betreffenden Teil des Artikels wieder. R. W.; ... Die wirklichen Siedler aus der Tschechoslowakei fand { ich einige Tage später in der Kolonicngruppe Nuris, die in 1 41er weiten Ebene Jezrcel entstellt, nicht weit von Nazareth | und dem See Genezareth, über dem Rande de3 tief cingcijchnitlcncn Jordantales. Hier hat der Jüdische Nationalfonds van einem in Beyruth lebenden arabischen Grandseigneur ziemlich viel Hoden erwerben können und cs schießen dort mit verblüffender Schnelligkeit viele neue Siedlungen aus dem i ßoden. Es ist ein fruchtbarer Boden, aber noch etwas öde, 1 mit Sümpfen durchsetzt, in denen die Malariamücken herumi fliegen. Wer beschreibt, nüchtern genug, glaubhaft genug, üüsei! pathetischen, diesen epischen Kampf junger Idealisten ן egen das Fieber, das sie mit einer Art ־Wollust suchen, das sie niederkämpfen, aus dem Lande jagen, aus der Zukunft Ihrer Kinder? Wer in Palästina auf Sumpfland zieht, der weiß, daß er fiebern und wieder fiebern wird, trotz aller Moskitonetze im Zelt, aber auch, daß man Sümpfe trocknen kann, indem man australischen Eukalyptus pflanzt, den rapid wachsenden graugrünen Baum, der Wasser aufsaugt. Den Judenbaum nennen ihn die Araber Palästinas, denn er war vor den zionistischen Siedlungen nicht im Land, dessen charaktcristischcr Baum er heute ist, neben dem Oelbauni und Feigenbaum. Die jungen Leute haben, mit Mitteln, die ihnen aus der Heimat zuflosscn, ihre Zelte an einer Stelle aufgeschlagen, da der arabische Name Beth Alfa geblieben ist. Er bedeutet etwa 60 viel wie ״Haus der Bildung“ (?—Red. ״J. R.“) wozu nicht übel paßt, daß es sich fast ausschließlich um Menschen mit akademischer Bildung handelt. Das werdende Dorf lehnt sich an einen kahlen und steinigen Berg an; auf der einen Seite sicht man die märchenblaucn Höhenzüge jenseits des Jordans, die das romantische Fürstentum des arabischen Emirs Abdallah begrenzen; auf der anderen Seite ist die weite Ebene, mit den Zehen und Hoizbaracken der Nachbarkolonien. Eine liegt unmittelbar neben dem Boden der Tschechoslowakei, sic wird von Leuten aus Galizien und Kongrcßpolcn erbaut, träumerischen Schwärmern aus der Jugendbewegung, die das Leben der Ostjuden so seltsam verändert Mit ilincn leben die westlichen Akademiker von Beth Alfa in der innigsten Freundschaft. Es sind etwa zwei Dutzend junger Menschen aus Böhmen, Mähren da, aus Prag, Karlsbad, Ostrau, Iglau. Ihrer Gruppe haben sich Auswanderer aus Deutschland angcschlosscn, : auch die Leute aus dem gebildeten Bürgertum, manche aus sehr reichem Haus. Die meisten sind seit etwa zwei Jahren in Palästina und haben in dieser oder jener Kolonie die Landarbeit erlernt, che sie sich zu einer ״Kwuza“ vereinigten und sich vom Nationalfonds Boden ausbaten; ihre neue Kolonie haben sie erst im letzten Spätherbst begründet. Damals war I nichts da, als Erde und Sumpf. Jetzt grünen die Felder, die j jungen Eukalyptusbäume sind schon recht groß, die ersten; ßananenstauden wachsen, Bienen schwärmen um die künstj lieh angelegten Bienenstöcke. Es gibt Hühner, etwas Vieh, 1 man legt Orangengärten an, Weinberge- 1 Idyll? Später vielleicht. Irgendwo in einem zionistischen I Büro zu Jerusalem sitzt ein junger Architekt, Richard Kauf- 1 mann, der Städtebauer des neuen Palästina, und zeichnet 4 Beth Alfa wie es einmal sein wird, mit netten weißen Häusern; mit Zypressen im Park, mit einem Volkshaus, einem Theater -Ja, aber jetzt wohnen sie in pensionierten englischen , Militärzcltcn; so haben sic den Winter verbracht, der auch : Wer ein kalter sein kann, so werden sie den Sommer verbrin- I Ren, dessen Hitze in der Jordansenkung böse ist. Wenn junge; Siedler aus Europa in Palästina einen Ort besetzen, dann; ie׳e!1 sic zuerst die Felder an: dann wird für die Kinder ‘ «in Obdach gezimmert, und bestimmt ist schon eine geschulte ־ Kindergärtnerin da, oder ein Lehrer. Dann baut man hölzerne °<!cr gar betonierte Ställe für das Vieh. Ist das alles ge- . hingen, dann wird vielleicht eine Baracke aufgcstellt, als Spriscsaal und Gemcinscha'tsraum mit der beträchtlichen Bib• hotliek, die nicht fehlen darf. Häuser zum Wohnen kommen '111, viel später. Aber in Beth Alfa .haben sic noch nicht ein- 1 n1‘ü den Spciscrattm fertig und essen in einem großen Zelt, . durch das Fliegen summen. Die Bücherkisten sind nicht aus- RT-ickt, nichts, was zur Bequemlichkeit dient, konnte noch; geschaffen werden. Aber in großen Schuppen stehen mehr u;!ä schöne landwirtschaftliche Maschinen, als ich in irgend- *Wer anderen Kolonie gesehen liabe, ein Traktor mit Raupent-uern, den ich erst entsetzt für einen Tank hielt, alles 1110•;1 dtrne Gerät der europäischen Agronomie. Die jungen Menschen aber leben in einer rührenden freibilligen Armut. Die Gemeinsamkeit ihres dürftigen Eigentums : *•eiben sic so weit, daß keiner seine Kleider oder seine *‘'“sehe sein eigen nennt. Männer, die Studenten waren, Güizierc, Frauen, die auf große Balle gingen, arbeiten den tinzen Tag im Sumpf oder im Mistbeet, leeren Kübel aus, graben, einen Entwässerungsgraben. Das ganze Leben ist, 5;1'cinbar, auf. harte Praxis gestellt; das Heu scheint wichtiger die Liebe, aber es ist gar nicht wahr, diese Leute sind ‘•r zum Rande voll von Geistigkeit. .Sie sind hergekommen, J 1׳ ein vernünftiges, neues Leben zu führen. Niemand soll Dr 5ie arbeiten, kein bürgerlicher Besitz soll sich zwischen sie und ihre Seele schieben; die neue Gesellschaft soll ein neuer. Land bauen, das Land des heimatlosen Volkes. Sie sprechen noch deutsch miteinander. Nur mit ihren Kindern und den ostjüdischen Nachbarn hebräisch. Der Nachkriegsmcnscii, dem die Welt rusaniincngcbrochcn ist, versucht vergcblich, sie wieder aufzubaticn. Versucht cs, in Europa bisher vergeblich. In Palästina entstehen wirklich neue und, ich glaube, große Dinge. Freilich, ich muß an die bürgerlichen Eltern dieser jungen Menschen denken, die fassungslos daheim geblieben sind, und das nicht verstellen werden, daß ein angehender Advokat im Sumpf gräbt, daß ein junger Professor fiebernd im Zelt liegt, daß die Enkelkinder in einer Baracke ohne Fußboden wohnen. Sie werden es nicht begreifen, auch wenn ich versichere, daß ich nie glücklicheren Menschen begegnet bin, daß ihre Arbeit vorwärts geht, daß es im nächsten Winter vielleicht keine Malaria mehr geben wird, daß Beth Alfa bald so sein kann, wie ich schon andere ältere Kolonien kenne, die auf der gleichen Gcnieinschnltsbasis schon ganz fest wurzcln, halbe Paradiese, in denen die Arbeit kaum mehr ein Fluch ist, die Formel für eine Art neue Freiheit, wenn nicht gefunden, dann doch mit ruhiger Zuversicht gesucht, da» Leben einfacher und milder als sonstwo, das Oeistige in starker Hut und der Glaube an die Zukunft 80 stark wie an dem Tag, da der erste Spatenstich diese neue Erde traf. Eundsefmu Wie wir an anderer Stelle berichten, sind für die nächste Zeit die Landeskonferenzen der größten zionistischen Ver• bände cinbcrufcn. Die polnische Landeskonferenz soll schon am 10. Atni stattfinden, die amerikanische Konvention am 17. Juni. Diese beiden Tagungen sind für die zionistische Weltorganisation von größter Bedeutung, da es sich um die größten zionistischen Landesverbände handelt. Die Kon• ferenzen werden zweifellos von den Fragen des bevorstehenden Kongresses beherrscht werden. Da der Kongreß in der kurzen Zeit seiner Dauer keine gründliche Durcharbeitung und Lft• sting der Probleme bewirken kann, so ist cs von größter Be• dcutimg ,daß die Fragen vorher von den Landesorganisationen durchgearbeitet werden. Allerdings ist cs eine schwere aber unerläßliche Forderung, daß auf diesen Tagungen versucht wird, die Gesamtsituation zu überblicken und Beschlüsse zu fassen, die für die Gesamtbewegung von praktischem Wert sind, statt Deklarationen, die vielleicht lokale parteipolitische Bedeutung haben, aber angesichts der Konstellation in der Gesamtbewegung undurchführbar werden. Auch die Zio• nistischc Vereinigung für Deutschland bereitet einen Dclegiertentag vor, der den Kongreßfragen gewidmet ist. Dieser Dclcgicrtcntag wird nach den beiden erwähnten Konferenzen stattfinden, daher schon über ein gewisse» Material verfügen. Es ist von äußerster Wichtigkeit, daß auch in Mittel-Europa eine Stellungnahme zu den Problemen stattfindet, da die mitteleuropäischen Zionisten zwar an Zahl und an materiellem Einfluß gegenwärtig gering sind, doch Infolge ihrer Schulung und zionistischen Entwicklung für die Gesamtbewegung ein wichtiges Element wieder werden können.!*., Wir haben vor einiger Zeit berichtet, daß Sir Herbert Samuel bei einem Bankett in Berschcba den arabischen Scheichs versprochen hat, den Gefangenen Abu Kischk, der wegen des Ucbcrfalls auf Pctach Tikwah zu 13 Jahren Gefängnis verurteilt war, frei zu lassen, wenn gewisse Bürgschaften für die Aufrcchtcrhaltuiig des Friedens gegeben werden. Diese Tatsache hat damals in jüdischen Kreisen lebhaftes Bef rem• den hervorgerufen und sogar ״Doar ITajorn“, der stets die entgegenkommende Haltung des Oberkommissärs gegen die Araber zu rechtfertigen bemüht war, hat in einem Leitartikel gegen diese Schwäche des Oberkommissärs Stellung genommen. Nun liegen neuere Meldungen über das letzte Stadium dieser Angelegenheit vor. Die Scheichs aus der Umgebung von Pctach Tikwah haben sich mehrfach an den Oberkommissär gewandt, und er versprach die Freilassung von Abu Kischk, wenn sie sich mit ihrem Vermögen dafür ver• bürgen, daß keinerlei Feindseligkeit gegen Pctach Tikwah mehr eröffnet wird. Die Scheichs haben sich jedoch geweigert, eine solche Garantie zu geben. Demzufolge bleibt Abu Kischk in Haft. — Vielleicht wäre jetzt die Gelegenheit gegeben, daß die Vertretung des palästinensischen Juden• tums seihst in dieser Sache die Initiative ergreift und ver• sucht, einen Ausgleich herbeizuführen. Auch innerhalb des Jiscluiw hat cs nicht an Stimmen gefehlt, die unter gewissen Voraussetzungen lür die Begnadigung Abu Kischk» waren. Wir glauben, daß es jedenfalls dem Verhältnis beider Landesvölkcr zuträglich wärq, wenn sie in direkten Verhaiuiiungen versuchen würden, Schwierigkeiten aus dem Wege zu räumen und Grundlagen friedlichen Zusammenlebens für die Zukunft schaffen. Me Wir haben bereits vor einiger Zeit mitgcteilt, daß Ächad Ha,am gegen den Grafen Rcvcutiow wegen der von diesem verbreiteten Verleumdung, Acliad Ilaam sei der Verfasser der berüchtigten Protokolle der ״Weisen von Zion“, die Bclcidi• gungsklnge angestrengt habe. Zwischen dem Privatkläger, der von Rechtsanwalt Gronemann vertreten wurde, und dem Grafen Reventlow ist jetzt folgender Vergleich zustande ge• kommen; ״Graf Reventlow bedauert, daß er aus dem Artikel der ,La vieillc France‘ die Behauptung, U. Ginzberg sei der Verfasser der ,Weisen von Zion‘, übernommen hat und erklärt, daß er heute diese lediglich auf die Darstellung der ,La vieillc France'' gegründete Behauptung nicht aufrecht erhalten kann. Er übernimmt die Kosten des Rechts• . streits.“ Damit ist einer antisemitischen Verleumdung, die neuer• ding!s an verschiedenen Stellen in Deutschland aufgetaucht ist, die Spitze abgebrochen. Man sicht, mit welchen Mitteln die antisemitischen Hetzer arbeiten und wie sic sofort zurück• riehen müssen, wenn man sic vor die Oeffcntlichkcit zitiert. In der vergangenen Woche wurde vor dem Leipziger Staatsgcrichtsliof die Beschwerde der Dcutsch-völki* sehen Freiheitspartei gegen ihre Auflösung in Preußen tirnl rinderen deutschen Bundesstaaten verhandelt. Die Partei macht geltend, daß sie als politisch-parlamentarische Partei nicht verboten werden kann. Dagegen brachten die Vertreter der Regierungen in der nichtöffentlichen Verhandlung so umfatigreichcs Belastungsmaterial vor, daß det Staatsgerichtshof das Verbot der Partei bestätigte, allerdings mit dem Vor• behalt, daß nach Feststellung de״; Materials in den anderen gegen völkische Führer anhängigen Prozessen die Verband• lung weitergeführt werden soll. Der Abgeordnete Wulle, einer der Führer der Deutsch-Völkischen Freiheitspartei, schreibt in der ״Mecklenburgischen Warte“, man müsse zum Verständnis der Tätigkeit de.; Staaü.gcrichtshofcs ein Zitat aus den ״P rotokoilcndcrWcisen von Zion“ heran• ziehen, worin es heiße: ״In den wichtigsten staatsrechtlichen Fraßen und sonstigen Streitfällen entscheiden die Gerichte so, wie wir cs ihnen vorschreiben.“ Anläßlich der gegen Stinnes erhobenen Bcschuldi- Rungen, seine Firma habe aus privaten Geschäftsgründen durch Devisenkäufe den letzten Marksturz herbeigeführt, verciffcntlicht ein Vertreter des Stinncs-Konzcrns im ״New York Hcrald“ ein Interview, worin er erklärt, die Beschuldigungen gegen Stinnes gehen von der jüdischen Interessen dienenden Presse aus, wie ״Frankfurter Zeitung“, ״Ber* liner Tageblatt“, ״Vorwärts“, weil diese jüdischen Kreise die Aufmerksamkeit von ihren finanziellen Transaktionen ab* lenken wollen. Mit Recht weist der ״Vorwärts“ darauf hin, daß diese unverschämte Aeußerung ein neuer Beweis für die Verbindung von Stinnes mit den Antisemiten ist ,und daß auch Stinnes nicht vor dem bewährten Mittel zurückschrcckt, statt über’ die Oeffcntlichkcit interessierende Tatsachen Aufschluß zu geben, völlig unbegründete demagogische Judenhetze zu treiben. Da die ״D. A. Z,“ das Interview in Abrede stellt, ist abzuwarten, wie sich die Sache aufklären wird, , Die Osljudcmvanierang in Deutschland 1922 Das Arbeiterfürsorgeamt der jüdischen Organisationen Deutschlands, das als 1 lauptträger der zur Regelung der 011* judenfrngen notwendigen Arbeit den besten Ucbcrblick über die genannten Verhältnisse besitzt, veröffentlicht seinen Bo• rieht über die Ein- und Auswanderung von Ostjuden im Jahre 1922. Danach haben sich bei allen Fürsorgcsfellcn des Ar« beiterfürsorgeamtes im ganzen als Neuzugewanderte 2665 Persollen gemeldet. Von diesen sind aus dem Osten zugewandert 1839 Personen, aus dem Westen zurückgewandert bzw. ab• geschoben worden: 826. Dieser verhältnismäßig geringen Zahl der Einwandernden stellt gegenüber, daß allein durch die Fürsorgestellcn des Arbäterfüreorgeamtes im genannten Jahre. 11247 Personen abbefördert wurden. Von diesen gelangtet»’ nach dem Osten 1615 und nach den westlichen Ländern 9602, Die Abwanderung war also erheblich' größer als die Zuwanderung. Dabei ist noch zu berücksichtigen, daß von den Neuzugewanderten ein großer Prozentsatz direkt weiter nach dem Westen befördert wurde. Dies war insbesondere dadurch möglich, daß cs sich auch bei der Zuwanderung im Jahre 1922 im allgemeinen um ein« Arbeiterwanderung handelte. Wie wir erfahren, hat sich die Abwanderung fra ersten Vierteljahr des Jahres 1923 noch verstärkt, wenngleich die Ruhrbesetzung durch die Verkehrssperre natürlich hem• mend cingcwirkt hat. .: Diese statistischen Tatsachen beleuchten am besten die antisemitische Demagogie, die die Ostjudenfrage zum Mittelpunkt ihres politischen Programms macht, um die vielen anderen Gründe, die eine wirkliche Erklärung für Deutsch• lands schwierige Lage geben könnten, zu verschleiern. Nach Veröffentlichung dieser Statistik wird cs schwer fallen, weitet die Ostjuden als Sündenbock zu behandeln, , Der ewige Piellcrkorn Wie wir in der ״Danziger Zeitung" Vom 25.April lesen, hat dort am 24, April die Deutsche Partei für Fortschritt und Wirtschaft eine Versainmlim;׳ veranstaltet, in derSenator Jewelowski über das Wirtschaftsleben Danzigs und die dem Freistaat drohenden Gefahren sprach. Der Redner gedadite — nach dem Bericht des genannten Blattes — der deutschen Brüder im Westen und ihres schweren Kampfes für die Erhaltung des Rulu-gebictcs usw. usw. Int weiteren Verlauf seiner Rede ging er dann auf die Ost« judenfr.ige ein. ״Er stellte dabei die Forderung auf, daß der Zustrom d i c scr E le me n t e nach Danzig unterbunden werden müsse. Leider seien die Be• niiiliungcn der Danziger Regierung, Ir'cr eine Aenderung zu treffen, erfolglos geblieben. Der Völkerbund lubc zuungunsten Danzigs entschieden.“! i Soweit der Bericht. Man fragt sich: Wer ist der teuto• nisclie Redner mit dem verdächtig polnischen Namen? Die Aufklärung gibt eine Zuschrift, die wir aus Danzig erteilten:׳ Senator Jcwelowski in ein Jude, geboren im Minsk er Gouvernement ... Da es ihm gelungen ist, Senator zu werden, möchte er offenbar die Grenzen gegen weiteren Osijudcnztistrom sperren, damit kein Antisemitismus eiligeschleppt wird . . , Wie wir weiter erfahren, hat gerade er durch gewisse private Handlungen dem Antisemitismus unter den ״deutscher. Brüdern“ reue Nahrung gegeben. Es ist der alle, durch die (ahrlmndcrte sich verwirklichende• Fluch: Mausclicl ist der Schatten des Juden.! AnsiSnskr 3n italienischen flociischulcn Das italienische Hilfskomitee für jüdische Emigranten in Triest versendet ein Zirkularschrcibcii, worin es heißt: Im Gegensatz zu anderen Regierungen, die mit mittelaltcrlich anmutenden Verfügungen unsere Studenten auf Grund des ״numerus clausus“ von den Hochschulen vertreiben, hat die italienische Regierung mit dem liberalen königlichen Er« laß Nr. 563 vom 11'. März, Art. 3, folgendes verfügt: ״Ausländische Studenten, die sich in die öffent• liehen Schulen, welchen Ranges und Grades immer und in die höheren Lehranstalten einschrciben (iuscribieren), «ind von der Bezahlung jeder gewöhnlichen und außerordentlichen Taxe befrei».“ 1!! Der leitende Ausschuß des f lilir.komitees erklärt sich bo .reit, jede gewünschte Information und moralischen Beistand den jüdischen Studenten, die in Italien ihr Studium fortsetzen wollen, zu erteilen und bedauert nur, daß es die materielle Lage des Komitees nicht gestattet, ihnen auch eine finanzielle Unterstützung zu gewähren, Bakcnkreuzvcrljol In den fsdicdiösiowakisciim Sciiulcn Prag. (J.C. B.) Das Tragen des Hakenkreuzes in den Schulen wurde vom tschechoslowakischen .Unterrichtemlnisterium durch einen Erlaß verboten.! j ■׳

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