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Jüdische Rundschau · 1923-05-04 · Heft 35-36 (4.5.1923) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVIII (1923)
Issue
Heft 35-36 (4.5.1923)
Date
1923-05-04
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 210 IUED1SCHE RUNDSCHAU ״Der!!Israeli! und der neue Kurs“ Die letzte Nummer der misracliistisclicn ״Jüdischen Presse“ bringt einen bemerkenswerten Leitartikel unter dem obigen Titel von Ben-Abraham Jchutki. Der Aufsatz entnimmt dem offiziellen Organ der amerikanischen Zionisten die Formel des Programms, das man aucli als Weizmamis anselicn müsse: ,,Eine möglichst kleine Exekutive mit dem Sitz in London und einem Vertreter in Jerusalem: — dies ist der PLatt in seinen llaupiziigcn. Die Exekutive aus Fachleuten zusammengesetzt, die vom Premierminister als Kabinettsdief, eventuell unter Zustimmung des Kongresses, ernannt werden. Der Premierminister wird yarn Kongreß erwählt und er ist dem Kongreß verantwortlich. Die Analogien aus dem Staatlichen Amciikas und Englands sind klar.‘‘ Dm den Plan zu veranschaulichen, gibt der Verfasser?uniiihst Beispiele, wie sieh die Leitung nach diesem Prinzip gestalten könnte, als dessen Hauptinhalt er ״die Uebcrgabe der Macht und Verantwortung in die Hände Einzelner“ bezeichnet. Nach Hinweis auf die ähnlichen Versuche in London 1920 fahrt er fort: ״Der Plan Weizmanns, wenn diirchgeführt, bedeutet wohl mehr oder weniger das Ende der Zionistischen Organisation als bestimmenden Faktors beiin Aufbau des Landes. Diese!Schwierigkeit der Organisation wird noch vermehrt durch die Frage nach der Inhaberschaft der Jewish Agcncv und ihrer Rechte gegenüber dem Keren Haiessod. Die letzte Jahres- Konferenz hat sieh auf den Standpunkt gestellt, daß die Zionistische Organisation de facto Inhaberin der Jewish Agency ist, die einen Teil ihrer Rechte und Pflichten auf dem kommenden Weltkongreß auch im Zionismus nicht organisierten, .vn Aufbau Palästinas interessierten Kreisen durch die Einbezichimg einer gewissen Anzahl von Einzelpersonen abtreten will. Zu diesem Zwecke wurde die Resolution für den Weltkongreß gefaßt und die Exekutive beauftragt, alle .Schritte zu dessen Vorbereitung zu unternehmen. . . . Drängte die Zeit nicht, so wäre cs"eigentlich unsere Aufgabe, das ganze jüdische Volk zur Anerkennung des Baseler Programms zu bringen, denn wie wir glauben, gibt es keinen ernsthaft an Ercz-Israci interessierten Juden, dem es nicht möglich wäre, sich der Organisation nnzuschhenen. Ais einen Weg zu diesem Ziele dachte man sich den ’ Weltkongreß, Sollte dann die Zionistische Organisation sich antlöscn oder nur die aktivste Gruppe der Mitglieder des Weltkongresses in ihren Reihen vereinigen, etwa im Sinne eines organisierten Chaluzttrms, — daun würde die Zionistische Organisation tatsächlich, wenn auch auf einem Umwege, zu dem Ziele gelangt «in, dem llcrzl und alle bisherigen Führer unserer Bewegung zustrebten. Wcizmanns Pläne aber gehen in einer anderen Richtung und bergen die Gefahr in sich, die Zionistische Organisation aufzulösen und an iiire Stelle eine Gemeinschaft von bestimmten Pcrsönlichkeitctioderltitcressenlenk reisen zu setzen, deren Entwicklung nur denselben Weg gehen kann, wie im besten Fall die JCA oder früher in einem gewissen Umfange der ״Htlfsvercm". Schon jetzt soll ein Teil der Rechte der Jewish Agency an bestimmte Persönlichkeiten abgegeben werden, der Kommende Kongreß vor Tatsachen gestellt werden und entweder gezwungen sein, die von Weizmann und einem kleinen Kreis bestimmten Mitglieder der Jewish Agency anzuerkennen, oder neue Konflikte . zu schaffen, die gewiß nicht dem Aufbau nützen werden. Wie leicht und vorsichtig auch immer solche Verhandlungen geführt werden, sie fuhren zu Bindungen, die der Organisation keinen Vorteil bringen werden. Die Jewish Agency ist sicher nicht als kleine Körperschaft gedacht. Sic wird auch mit dem Keren Hajcssod in eine Verbindung gebracht werden und neben der Bestimmung über das Palästinabudget die einzige offizielle Vertretung des jüdischen Volkes gegenüber der Mandatarmadit sein . . . Wenn es nach den neuen Plänen gehen sollte, so würden schon jetzt einige Mitglieder einer neuen Jewish Agency nominiert, denen sich noch einige «!gesellten, die von der Zionistischen Organisation gewählt werden. Nach der augenblicklichen Konstellation ist jedoch zu befürchten, daß diese Mitglieder, selbst wenn sie eine ,Minderzahl sein sollten, de facto die Zusammensetzung der Jewish Agency bestimmen würden. Der Kongreß wird gezwungen sein, sich sozusagen jedesmal das Placct dieser Mitglieder zu seinen Wahlen zu holen, und die ganze Organisaiion steht in Gefahr, eine Stalistenrollc zu sjoiclcn, die unwürdig ist ihrer langjährigen Tradition und der histari- »dien Anrechte, die sie sich für den Aufbau Erez-lsracls erworben hat. Es ist bisher nicht bekannt, für welche Zeitdatier die Mitglieder der Jewish Agency ernannt werden sollen und ob nicht auch Pilme existieren, die von Körperschaften ernannten oder als Einzclmitglicdcr cintretcnden Persönlichkcitcu für einen längeren Zeitraum oder gar für Lebensdauer zu erwählen, während der Kongreß Mitglieder nur für einen gewissen Zeitraum stellen würde. Altes das ist noch unklar, aber es mahnt uns zur Vorsicht. Wird uns eine solche Jewish Agency die Gewähr dafür bieten, daß unsere politischcn und wirtschaftlichen Absichten wenigstens auf dem .Wege zu unseren Idealen verfolgt werden? Es muß alles geschehen, um solche Befürchtungen verschwinden zu lassen. Die Ge fall reu eines ״englischen“ Hilfsvereins Sied nicht .itißcrachfriilnsscn und sie würden größer sein als die des ehemals deutschen. Auch eine geänderte Auflage eines neuen ICA-Direk'orimns können wir erleben. Man braucht nicht unbedingter Anhänger demokratischer Prinzipien zu sein, um gerade bei unserer Palästinaarbeit, dem Lebensnerv unseres Volkstums und der einzigen Vorbereitung seiner Zukunft, unbedingt für demokratische Methoden ciiitrcfen. Das jüdische!Volk ist individuell genug geartet, um die Schäden einer schablonenhaften Demokratie nicht zu akzeptieren, und wenn es bereit ist, seine Schicksale Einzelpersonen anzuvertrauen, so können dies nur Menschen sein, die auf Grund außergewöhn liciicr Qualitäten die Zustimmung aller finden, und cs ist nicht abzuschen, warum nicht alle die«? Persönlichkeiten durch «inen Zionistenkongreß oder einen jüdischen Weltkongreß auf demokratischer Weise zu Leitern unserer Palästinaarbcit •gewählt werden sollten.“ Nach Betonung der Forderung einer Vertretung des Jlschuw in der Jewish Agency fährt der Artikel fort: ״Nun hätten wir uns noch mit der Forderung nach Fachleuten zu beschäftigen. Dagegen kann niemand etwas eimvendc.it, cs fragt sich nur, ob Fachmänner immer an der Spitze der Ressorts sichen müssen und ob es nicht ln manchen Fällen mehr auf eine gewisse Organisation»־ gäbe und auf Verwaltungstalent ankommt. Außerdem waren schon bisher immer Facfilcute an entscheidenden Stellen be- , *chattigt. Unsere Banken werden sowohl in London als auch in Errz.-Israc! von Fach'eutcn geleitet. Der landwirtschaftliche Aufbau wird nur von FadtIetilen geleitet und durchgeführt. Für die Fragen des ökonomischen Aufbaus im allgemeinen ist ein Fachmann verantwortlich, den anscheinend sogar Dr. Weizmann anerkennt. Das Schulwesen liegt in dm Händen von Fachclu cn. Die Arbeiterfragen werden mit Anteilnahme der Histadruth von einem Vertreter der Arbeiter verwaltet Ob die polnische Arbeit von Fachleute״ geleitet werden muß. scheint noch nicht geklärt. Auf thestm Gebiete waren bei uns früher alle Autodidakten, Weizmann und Sokofow mit «ingcschlossen.' Das Ressort Einwanderung ist, da die politische Seite von der politischen Abteilung bcliandclt wird, jr:7 ך -יי זן f~1 ׳־: ' ״'*“'׳'.,If (־».;.• ' ן׳־־־* ץ"""/׳יrj . 4f.,׳•*■*'’ «(!>■׳• - - ״׳»׳5־iw.* ׳*״■״!־<J* v Int! JcI;ro l$2l Iialjea bsloalio ©iua t^illloa Jaden den Scb.vDol ~or;r>Mt| Der Schekel bedeutet! StHrhaina׳ dor Zionistische!» Or^onlaaHot» «ml ihrer Führer lm Kampf um dia Wiedergeburt Bad ErlSsaag ' de■’ jüdische□ Volkes. Der Schekel bedeutet! flOcIclwilt and WMlcr.nitürkung dor jilcilocliea Plonloro in PalSstina. Der Schekel dokumentiert! Don Willen des Jnionvolltc* vor den Milchte» der Welt! Dem Jüdische» Volke ein Jildlsdics Keim 1» Ercz Israel aufznbaacn• Die Zionistischen Ortsgruppen 1 und Scheitel« kommis&aro werde» Kufjjofordcrt dio Schekel« sam inlang mit allen Mittel» zu fürdcrnl Der nüchate Scliehelaanweta ' erscheint am 13, Mai! der letzt© am 31. Mal. ן c. an die Zionistischen Ortsgruppen und Schckelvertrauenslcute• in Ercz-Isracl nicht mehr als ein Vcrwaltungsposfcn. Fachleute gibt es wohl kaum auf diesem Gebiet, dagegen allerlei Autodidakten, wie den Vertreter des Joint in Europa (Dr. Knhn, früher beim Hilfsverein). Es spricht aber nichts dagegen, auch für dieses Ressort einen Fachmann zu finden.*)' Die •ganze Frage der Fachleute bängt aber eng mit der« ganzen Aufbau unserer Verwaltung»• mnsdiincrie zusammen. Wir haben keinen festen Beamtenstab und tun auch nichts, einen solchen hcranzuziehen. Es ist ja auch letzten Endes nicht richtig, daß ähnliche Vorwaliiuigskürper nur aus Fachleuten bestehen oder daß nur solche an der Spitze stehen. Wir sehen auch hier in Palästina! der Innenminister ist Militär, das Arbeitsamt hat einen Historiker, die Immigration ebenfalls einen Militär, und wie werden z. B. in England die Ministcrpasicn besetzt? Welche Posten hat z. B. Herbert Samuel iiocncinander bekleidet und welche Mond? Poslminisler, Waffenversorgung, öffentliche Arbeiten, SanHätsdcpartcment. Aber der Kampf wird beim' nächsten Kongreß in Wirklichkcit nicht um das Problem׳ Fachleute und׳ Gcklkräffc gehen, sondern d a r u m, d a ß Weizmann sich nicht mehr wohl fühlt unter der Bevormundung des Kon gresses und bciderUntcrstiitzung von Leuten die ihm nicht ebenbürtig erscheinen*), um mit ihm in einer Höhe zu stehen. Er wird allein die Zukunft von Palästina in die Hand nehmen und dabei möglidvst wenig von! Kongreß und seiner veralteten Demokratie und den Wünschen der Fraktionen und Verbände gestört werden. Er will weiter im Kreise ergebener Freunde, mit denen er Je nach Gunst in der Exekutive und im Keren Hajcssod die Posten besetzt, mit ein paar Großjuden, denen er sich ebenbürtig fühlt, für uns sorgen. Vielleicht hat er recht Wir zweifeln aber, ob der Kongreß schon reif dafür ist. Wir werden verlangen müssen, daß alle Männer, die un• scre Geschicke leiten wollen, sieh dauernd Erez-lsrad verbinden, daß alle Strömungen in der Leitung zum Ausdruck kommen. Ein tüchtiger rinanzmiiilstcr in London hat für uns keinen Wert, der Keren Hajcssod soll seinen Apparat in Ercz-Isracl verwenden. _ Wir denken uns eine einheitliche Exekutive, deren Sitz Jerusalem ist. ln London bleibt ein politischer Vertreter mit einem kleinen Büro. Wenn cs notwendig ist, wird einer der leitenden Politiker von Zeit zu Zeit nach London oder dem Kontingent reisen müssen. Wenn cs sein muß, könnte ein Mitglied der Exekutive oder der Jewish Agency seinen Sitz in London nehmen. Alks andere muß hier im Lande konzentriert werden. Nach wie vor sind wir auch der Meinung, daß in der Exekuüvc־ Vertreter der verschiedenen Gruppen innerhalb des Zionismus sein müssen. Sollte der Kongreß wider Erwarten Wcizmanns Plan genehmigen, so wird das wahrschein lieh eine Auflösung■ der Zionistischen Organisation bedeuten*). Es sei aber zugegeben, daß Ercz-Isracl von Weizmann mit Anhängern nichtzkmistischcr Gesinnung aufgebaut werden kann, Daun hat vorerst die Geschichte ihr Urteil gegen die Zionistische Organisation aus• gesprochen. Wir aber glauben vorläufig, daß wir uns eher mit de ml Gedanken vertraut machen müssen, Weizmann als Führer zu verlieren*) und dafür jemand an seine Steile zu setzen, der gewillt ist, im Verein mit der Zionistischen Organisation und mit dem jüdischen Volke auf dem Weltkongreß die Aufgaben zu lösen, die unserer in Erez-Israel harren,“ ״Polen und Juden“ In der ״Vossischcn Zci tung“ berichtet der Warschauer Korrespondent des Blattes, Max Theodor Bchrmann, in einem Leitartikel über das Verhältnis von Polen und Juden. Eingangs versucht er darzulcgen, daß der polnischc Antisemitismus einen grundsätzlich anderen Charakter hat als der russische oder deutsche Antisemitismus. Während in Rußland der Antisemitismus im wesentlichen Instrument der staatlichen Reaktion war, und während in Deutschland soziale, wirtschaftliche und parteipolitische Gegensätze ausschlaggebcfid sind, beruht der polnische Antisemitismus auf der maßlosen chauvinistischen Uebcrhcbung des Polen gegenüber jedem Nichtpolcn. Dieser Ursprung gibt dem polnischen Antisemitismus seinen brutalen Zynismus, der alle sadistischen Instinkte in Peinigung von Juden auslebt. Bcltrmann weist darauf hin, daß die polnische Judenfrage darum so kompliziert ist, weil die Juden das zweitstärkste nationale Element in Polen darstcllcn und wirtschaftlich als Träger der großen Industrien von Lodz, Tomaschow und Bialystok, aber auch des Handels mit Rußland und zum großen Teile des Hand- Werks wirtschaftlich von ausschlaggebender Bedeutung sind. Infolgedessen hat auch die Regierung selbst bis jetzt versucht, sich gegen den Antisemitismus zu wehren und hat dem judenhctzcrischcn Ansturm der Nationaklcmokratan standgehalten. Sie hat z. B,, trotzdem 27 Fakultäten der polnischen Hochschulen sich für den numerus clausus und nur Q Pakultäten dagegen ausgesprochen haben, bisher den numerus clausus nicht eingeführt. Die Nationaldemokratischc Partei bereitet jetzt einen Antrag vor, die Juden aus der Armee auszuschließcn. Die gegenwärtige Regierung wird in der nächsten Zeit durch eine naUonaklcmokralisch-klcinbüuerlichc Koalition abgelöst werden. Eine solche Regierung wird sich wahrscheinlich vom Antisemitismus um so weniger freihaltcn, als die polnische Juden hetze gegenwärtig nicht mehr mit geistig-demagogischen Wulfen allein kämpft, sondern zu blutigen Exzessen wie denen vom 5. April in Warschau und dem Bombenwurf gegen den , 1 *) Von uns gesperrt, (Red. ״J. R,־' ‘ י _ (״’ Nr. 35/38 | Krakauer Professor Nathanaon, der sich gegen den num־n1! ׳ clausus an :gc: prochcn hatte, Übergängen ist Den Schluß. I abratz de» Aufsatzes von Behrmann geben wir im nachfolgtj. f den wörtlich wieder: ״Es sieht nicht gut au# um die n ichste Zu. ktinft der Juden In Polen. Emsiglich wird an <j» Schaffung einer ,polnischen Front' gearbeitet - als ob im Innern der neucntr.tandencn Republik ringsherum grimme Feinde ständen, im Norden ״droht“ angeblich der litauisch( im Osten der russische, im Süden der ruthenhehe, jm' Westen der deutsche und allüberall der gefährlichste, <j(r jüdische ,Feind'• — so erschallt es alltäglich vom Moq׳t, bis zum Abend auf der ganzen Linie von dem äußerste Flügel der Nationalisten bis zu den Demokraten hinein ,Polen fiat nie erbittertere und gefährd lichere Feinde gehabt, als die Juden‘, gestern in der ״Rzcczopospolita" zu lesen, die as Amu. organ des rechten Flügels der entstehenden ״polnische, Front“ zu betrachten ist. Es gilt einen ״Kamp! df( Christentum« mit dem Judaismus', zetert Hw! Gatvronski, der, wie jener grimme Schotte, sich erst dann wohltühlt, wenn er gleich zum Frühstück einige Boise(!!, wiken und Juden — die für ihn übrigens identisch sind .» verspeist hat. Und gar der fromme Lutoslawski richtet die Augen gen Himmel und speit gotteslästerlich am• ,Hören wir endlich einmal auf, den Juden unser Brot, ua". scre Kohle, unsere Hauser, unsere Wohnungen zu verkaufe«, so werden wir ihnen nicht nur kein Unrecht zuSügtn' sondern noch eine Wohltat erweisen, denn wir werden 1* dadurch zum Exodus zwingen — und man soll seine Feinde lieben‘. Bei dieser Blasphemie des kleinen polnischen Torquemada riecht man beinahe verbrannte menschliche Gebeine — — Und die luden selbst? Zerklüftet In ,Orthodoxe׳, die, wie ihre Vorfahren, die alten polnischen?Hofjudcn‘, die Hand der Herren knechtisch küssen, in ,Assimilatow', die noch immer sentimental an ciao Verbrüderung des Juden mit dem Polen denken, in ,Zionisten‘, die von Jerusalem träumen, Polen nur als eine allerdings wenig angenehme Etappe bet rächten, und in ,Bundistcn‘, die nach dem Mekka zu Moskau schielen, bilden sic eine offene aufgerollte Front? Ich wiederhole: es sieht nicht gut aus um die nächste Zukunft der Juden in Polen.“ Die außerordentlich bemerkenswerten Ausführungen Sehr• manns geben ein Bild von dem Ernst der Lage und den trüben Zukunftsaussichten des polnischen Judentums. Es ist charakteristisch, daß selbst dieser außenstehende Journalist die Zerfahrenheit und Zerklüftung des polnischen Judentums als «ine tragische und verhängnisvolle Tatsache hinstcllt, Trotzdem wollen wir nicht unterlassen, darauf hinzuweisen, daß die Charakteristik der jüdischen Gruppen nicht vollständig ist. Behrmann hat es unterlassen, das eigentliche politische Programm des jüdischen Sejmklubs darzusieilcn und zu er• wähnen, daß z. B. bei den letzte» Wahlen die überwältigende Mehrheit des polnischen Judentums geschlossen für das Programrn des Minoritätcnblocks cingctrctcn ist. Die Zionisten sind die führende Oruppe innerhalb dieser nationalen Politik, und ihre politische Tätigkeit in Polen, die durchaus Real• polltik ist, hat nichts zu tun mit ״Träumen von Jerusalem“, Allerdings ist die innerjüdische Einheit nach den Wahlen wieder ins Wanken geraten, und, wie wir berichtet haben, gibt es sogar innerhalb der zionistischen Abgeordneten wesent• liehe politische Meinungsverschiedenheiten. Es ist zu hoffen, daß auch die Juden in Polen endlich sehen werden, was der außenstehende Journalist sieht: Die ungeheure Oefahr, vor der sie stehen, und daß sie sich wieder zu einer Einheitsfront des Abwehrkampfes und des Kampfes um ihre bürgerlichen und politischen Rechte zusammenschließen werden. * 1 & ln der neuesten Nummer des belgischen Zionlsten-Örgan» ״Hatikwah״ veröffentlicht Nehemia de Lieme «inet! ausführlichen Artikel über die zionistische Reorganisation, in diesem Artikel teilt er mit, daß in diesen Tagen der Entwurf ein esoppositio n eilen Pro gram ms erscheinen wird, das für die brennendsten Fragen eine Lösung Vorschlägen wird. Der Grundgedanke de* Reformvorschlages ist eine De- Zentralisierung in der zionistischen Finanzwirtschaft. Wir werden die Gedanken de Liernes noch in ausführlicher ,Wiedergäbe nachtragen. ,!' L, ‘ X ״Hapdel Haza'1 r“, dessen Redaktion der nunmehr nach Jaffa zuriickgckclirlc frühere Redakteur J. Lofban wieder übernommen 11:1t, bespricht im Leitartikel einen Beschluß der Lehrer, die Schulen nach Pcssad» nicht zu eröffnen, wenn ihnen ihr Gehalt nicht aiisgczahlt wird. Von seiten der Lehrer war betont worden, daß dieser Beschluß nicht den Charakter eines Streiks trägt, sondern einfach zum Ausdruck bringt, daß die Lehrer ohne Gehalt nidht leben können und datier, falls keine Bezahlung erfolgt, nicht zu ihrer Arbeit zurückkehren. Das Blatt' nennt dieses Verhalten der Lehrer eine Sa Iw tage und weist darauf lün, daß bei aller Würdigung der schwieligen materiellen Lage der Lehrer, doch auch van den Lehrern verlangt werden muß, daß sic ihr Schicksal int Zusammenhang mit dem des ganzen Aufbauwerkes begreifen. Dio katastrophale Stagnation in der Hcrhciscluffiing der Mittd bedroht das ganze Palästinawerk mit einer größeren Gefahr, als 03 ein Li lue!streik wäre. Die Lehrer »ollen sich nidit wie kleine Kinder benehmen, die, wenn kein Brot int Hau* ist, die Mutter anklagcn, daß sie sic hungern läßt. Aber auf der andern Seite muß darauf hinge wiesen werden, daß O den meisten Lehrern viel besser geht als den andern für den Aufhau des Landes. arbeitenden Kategorien, etwa den Ar• beilcrn, die noch nie auf den Gedanken verfallen sind zu streiken, weil das Budget noch nicht bezahlt wurde. Die meisten Lehrer haben die Möglichkeit, sich auch einen Nebenverdienst zu schaffen, viele sind vermögend, und wir beobachten jetzt die merkwürdige Erscheinung, daß fast jeder Lehrer sich •ein Haus baut. Man müsse von den Lehrern Verständnis der Situation und etwas mehr Chaluzgcsdvnung verlangen. & Auf,aßlieh der Ernennung des Generals Weycf*n<* an Stelle des Generals Gouraud zum Oberkomm 1s»*f von Syrien wird in der französischen Presse darauf hingewiesen, daß dieser Wechsel offenbar eine Acndcrung des Kurses bedeutet, da der neue Oberkommissar ein Vertreter derjenigen militärischen Richtung ist, die stets für eine Poh ti k ■de r starken Hand cintritt. Die syrische Frage, die bisher ungelöst ist, da Frankreich noch immer nicht richtig weiß, wie es das ״Mandat“ aulzulassen hat, *0» jetzt wohl eine radikale Lösung erfahren. In einem Ted der Ocffentlichkeit machen sich starke Besorgnisse geltend, oh eine solche Politik der starken Hand in Syrien an: Platz.wäre, und ob sic nicht im Gegenteil die Schwierigketten!erhöhen werde. Jedenfalls verdienen die Vorgänge in Syrien eine aufmerksame Betrachtung der zionistischen ״Politiker, da sic auch auf Palästina leicht zurückwirken können. ש kl su al si< (k ni bi a! kt F m z\ ei •u bt Ic U dt 1״ tr dt W K k. d« U tt n i t

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