Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVIII (1923)
- Issue
- Heft 35-36 (4.5.1923)
- Date
- 1923-05-04
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Eine der Fragen, die heute die Bevölkerung Pa- Eästinas am stärksten beschäftigen, ist die Frage der Zukunft der sanitären Fürsorge iin Lande. p;e Hadassah, die bisher den größten Teil des Sanitiitsdienstes besorgt hat, befindet sich in großen matcjicilcu Schwierigkeiten, und infolge der Kürzung des jionistischcn Budgets mußte auch das Sanilätsbudgct gtark eingeschränkt werden. Die vor einiger Zeit von einem Teil der Presse verbreitete (auch von der ״Jiidisdien Rundschau“ übernommene) Nachricht, die Rc• gicrung habe den Dienst der Hadassah in eigene Regie übernommen, beruht auf einem Mißverständnis־.; Die Regierung hat iediglich die Abteilung übernommen, : die der Sanierung des Landes dient, also der Malaria- - Bekämpfung durch Erforschung der sanitären Bcdin*! gungen, besonders über das Vorkommen der Anofclcsj mückc usw.; dieser Teil des Apparates der Hadassah י wurde bisher vtrn der Subvention des Joint bestritten,;j und da der Joint beschlossen hat, seine Zuwendung von diesem Jahre an nicht mehr der Hadassah, sondern; der Regierung pakommen zu lassen, hat die Regierung 1 diesen Teil der Hadassah-Funktion mit dem dazu ge- | hörigen Personal (drei Acrzte und mehrere Sanitäts* | beamte) übernommen. Keineswegs aber hat die Rej gicrung die direkte medizinische Tätigkeit, die Hospitäler : und ambulatorische Behandlung übernommen. Diese 1 Aufgaben obliegen bis heute der Hadassah, bzw. der Zionistischen Organisation. Die Hadassah hat ihr Werk seinerzeit mit einer Großzügigkeit eingelcitet, die sich bei abnehmendem Gcldzustrom nicht aufrechlerlialten läßt. Sowie in der ersten Periode der ״Zionist Commission“, als die Amerikaner tonangebend waren, in der allgemeinen zionistischen Verwaltung ein Stil eingeführt worden war, der auf vollständiger Verkennung der palästinensischen Verhältnisse, der Aermlichkcit unseres Volkes und des Landes, beruhte, so hat auch die Hadassah im Anfang den Standard ihrer Arbeit zu hoch bemessen. Die üble Folge davon ist — ganz abgesehen von der schädlichen Nebenwirkung auf den allgemeinen Maßstab des Lebensstandards der Beamten — eine zweifache: Erstens geriet, als die amerikanische Geldquelle zu versiegen begann, auch die Hadassah in Geldschwierigkeiten und Schuldenwirtschaft, zweitens wurde die palästinensische Bevölkerung daran gewöhnt, medizinische Hilfe als Verpflichtung der Ocffentlichkeit Iiinzunehmen, für die man nichts zahlt. Wenn auch ein Teil der Bevölkerung nicht in der Lage ist, alle Kosten der medizinischen Fürsorge selbst zu decken, — z. B. die Immigranten —, so hätte doch zweifellos ein gewisser Prozentsatz der Kosten von Anfang an auf die Bevölkerung der Städte und Kolonien tibenvälzt werden können. Heute ist diese Transaktion bereits viel schwieriger, trotzdem wird nunmehr In dieser Richtung gearbeitet. In der letzten Zeit ist man die Verwaltung der Hadassah zu einschneidenden Maßnahmen übergegangen. Sie hat nicht nur einer großen Reihe von Aerzten gekündigt, sondern auch ihre Institutionen immer mehr eingeschränkt und zuletzt am 1. April ihr vielleicht widitigstes Spital, das große Spital in Tel-Awiw, geschlossen. Die Tragweite eines solchen Schrittes kann gar nicht genügend hoch angeschlagen werden. Jaffa, bzw. Tel-Awiw, ist nicht nur das Zentrum! der judäischen Kolonien und das größte städtische As- ' beitszentrum Palästinas, sondern es ist auch das Zentrum ן־ dir neuen Immigration. Die neuen Immigranten wohnen in Tel-Awiw in einem großen Zeltlager, und in Krank,־ ן kilsfällcn ist ohne ein Spital eine Hilfe für die Kranken; ranz unmöglich. Vor der Schließung des Spitals wurden j Verhandlungen mit der Stadtgemeinde Tel-Awiw ein׳־ geleitet, um sie zur UcbeinaJhme des Spitals zu bc- : wegen. Es wurde geltend gemacht, daß eine Stadt von; bald 20 000 Einwohnern selbst ein Spital müsse er- | halten können. Die Stadtgemcinde hat zunächst keine j Bereitschaft gezeigt, als jedoch die Schließung des Spitals Ernst wurde, ist es gelungen, ein Uebereinkommen zu 1 erzielen, wonach das Spital in reduziertem Umfang wieder i eröffnet werden soll durch Zusammenwirken der Stadt-; gemeinde, der Zionistischen Organisation, der Ica, der : Arbeiterorganisation usw- Auf diese Weise wird viel- 1 leicht doch dieses wichtige Institut erhalten bleiben. Die | sanitäre Arbeit ist so wichtig für den ganzen Jischuw ünj für die Möglichkeit einer Immigration und Aus־ . 1*Einung der Arbeit, daß alles daran gesetzt: ■werden muß, Ee inj Rahmen des Notwendigsten aufrechtzu erhalten. : Es wäre besondere zu begrüßen, wenn von seiten der Acrzte und Beamten der Hadassah deutlich das Vcr- 6Eindnis dafür bekundet würde, daß auch' sie Chaluz- I 11־Beit leisten und entsprechende Opfer zu bringen bereit 1 «ind, um Sparmaßnahmen größeren Umfangs zu ermög- \ liehen, ohne den Betrieb zu gefährden. Falsche Spar-! fceßnähmcn sind es aber, wenn man z. B. die Aus- Pbe von Chinin in den ׳von der Malaria schwer i Bedrohten galiläischen Arbeitersiedlungen cmstellt. Eine; »'*ehe Sparsamkeit wird sich auch wirtschaftlich' rächen i י־ durch den Verlust von ,Arbeitstagen derjenigen Kranken, die durch Prophylaxe hätten von da Krankheit; Bewahrt werden können.; Miß Szold, die Leiterin da Hadassah, ist am; AI. März von Jerusalem abgefahren; sie mußte in einer wingenden Famiheaaagelegenlieü nach Amerika reim Die Beamten der Hadassah, clic leitenden Ä'erztc und die gesamte Schwesternschaft, Zöglinge der Pflegerinnenschule, haben ihr das Geleite gegeben und an der Bahn herzlich Abschied genommen. Der Grund der Reise ist ein privater, aber mit Rücksicht auf die Lage der Hadassah zweifelt man, ob Miß Szold überhaupt zurückkeinen wird. Ihr Abgang würde jcdcsfalls einen schweren Verlust für die Arbeit inj Laude bedeuten. Während ihrer Abwesenheit hat Dr. Magnes die Leitung da Hadassah übernommen,! ׳ M I Tel-Awiw hat seit einiger Zeit auch eine Synagogennffäre. Es tobt de** Kampf um die irn Neubau begriffene Synagoge. Die Stadtgemcinde, die aus Geldmangel das lebenswichtige Spital nicht übernehmen zu können erklärte, hat für den Bau dieser Synagoge 40000 Pfund bewilligt. Die Geschichte dieser Synagoge ist ein Kapitci für sich. Der Ingenieur- und Architcktcnvcrcin von Tel-Awiw hat gegen die Ausführung des Projektes Einspruch erhoben und den heftigsten Kampf gegen die Stadtgemcinde in Aussicht gestellt, wenn mit dem Bau fortgefahren wird. Es wird geltend gemacht, daß da Entwurf nicht nur in künstlerischer Beziehung minderwertig sei, sondern auch alle Bedingungen da Zweckmäßigkeit vollständig außer acht läßt. Der Bau ist heute bereits ziemlich weit fortgeschritten, aba infolge dicsa Konflikte und wahrscheinlich auch aus Geldmangel wird immer wieder mit dem Bau inncgehalten. Jedenfalls ist es nicht Religionsfcindschaft, wenn man gegen einen solchen Bau Bedenken äußert Die wirklich religiösen Juden haben ihre Synagogen und Bcthäuscr, die ihren Bedürfnissen völlig genügen. Und ob es nötig ist, in Tel-Awiw ein Bethaus nach dem Muster westeuropäischer Großstädte zu errichten, besonders in einem Zeitpunkt, wo man für die dringendsten Gemeinscliaftsbcdürfnissc nicht das nötige Geld hat und besonders wenn nicht einmal der wünschenswerte architektonisch-künstlerische Effekt erzielt wirej, kann füglich bezweifelt werden. Das architektonische Problem ist übahaupt eine da schwierigsten Fragen des Aufbaus. Erst wenn man in Palästina ist und die neuen jüdischen Viertel sieht, begreift man, daß es sich hia nicht um eine nebensächliche Frage handelt sondern um eine elcmentare Forderung, die von entscheidenda Bedeutung ist Was in dieser Beziehung in Tel-Awiw und in anderen Städten gesündigt wurde, ist nicht mehr gutzumachen. Es ist höchst bedauerlich, daß nicht von Anfang an eine autoritative Instanz bestanden hat, die ein Kontroll- und Einspruchsrecht bei Ausführung von Bauten besaß. Die öffentliche Meinung Palästinas ist leider in solchen Fragen noch außerordentlich schwach und unausgebildct Die meisten Häuser in Tel-Awiw sind schlechtcsta europäischcr Kitsch. Es fehlt jede Kultur des Geschmacks, und deutlich ist das Bestreben zu erkennen, nach Palästina irgendwelche pompösen Formen zu *übertragen, die dem kleinstädtischen Empfinden der Erbaua in der alten Heimat besonders imponiert haben. Dazu kommt noch, daß infolge der liohen Kosten der Baumaterialien besonders in den früheren Jahren (in da letzten Zeit sind die Kosten stark gesunken) die Bauten mit entsprechender Sparsamkeit angeführt werden mußten, so daß man oft auch noch für die erborgten Stilformen die merkwürdigsten Surrogate eingeführt hat. Das Problem, einen der Landschaft, den Licht- und Farbenvahält* nis&cn und den besonderen klimatischen Erfordernissen nugepaßten Baustil zu finden, wurde überhaupt nicht begriffen, obwohl man an den arabischen Häusern ein gutes Vorbild gehabt hätte. So sehr das kolossale Wachstum der Städte und die Lebhaftigkeit der Bautätigkeit einen Eindruck auf den ins Land kommenden Bcsucha nicht verfehlt, so wirkt die Zerfahrenheit und Unkultur des Baustils in negativem Sinne. Sie erinnert an den Charakter andera *levantinischcr Städte, die lediglich den Einbruch europäischer Expansionslust zum Zwecke wirtschaftlicher Ausbeutung darstellen, ohne jede kulturellen Aspirationen. Unsere Besiedlung Palästinas jedoch ist ja ihrem innersten Wesen nach etwas grundsätzlich anderes, und diese Andersartigkeit, dieses Bewußtsein kultureller Verpflichtung, sollte auch äußerlich stark zum Ausdruck kommen. Erst in der letzten Zeit haben sich die Architekten und Ingenieure Palästinas ernsthaft mit dieser Frage zu beschäftigen begonnen. Ich hörte gerade aus diesen Kreisen immer wieder die Klage über gewisse Kollegen, die nur Geschäftsriicksichtcn walten lassen und in künstlerischer Beziehung oft gegen ihre Ueberzcugung dem Geschmack da Auftraggeber gefügig sind. Auch' die Anlage da neuen Städte läßt In vicla Hinsicht zu wünschen übrig. Die Schwierigkeiten liegen liier vor allein darin, die Wünsche der einzelnen Hausbc'äitzcr den Notwendigkeiten da Gesamtheit unterziiordneh. Auch spielen private Vermögensinteressen oft eine Rolle, da die Grundstückbcsitza sich weigern, auch nur der. geringsten Teil ihres Bodens den Notwendigkalten der Straßenfülmnig zu opfern. Ein Beispiel bietet dar Platz vor dem Jaffator in Tel-Awiw, wo die Herzlolraße sicli mit da von Jaffa nach Petadi-Tikwah durch' Tel-Awiw durdiführendm Chaussee kreuzt An diesa Stelle des größten Verkehrs, die etwa dem Pofedama Platz in Berlin entspricht, hätte unbedingt ein größera Platz entstehen müssen, um die Verkehrsregelung zu ermöglichen. Statt dessen hat man den Makas Mis’chari, dsq jüflpdclsvlcrtel! unfoittclbai au j4ie Straß« Seite 205) herangerückt, to daß die englische Behörde diese Stelle jetzt schon, vor dem Ausbau des jenseits der Straße gelegenen Stadtteils, als ״dangcrous oorner“, als gc« führlichc Ecke, bezeichnen mußte. Es zeigt sich hieg der Mangel eines Planes und einer weiten Voraussicht, aber auch der Mangel einer mit entsprechender Gewalt ausgestatteten Baubehörde. Erst in der letzten• Zeit sind liier Fortschritte zu verzeichnen. Die neuen Stadtviertel in Jerusalem werden nach den Plänen des Stadtbau* meistere der Zionistischen Exekutive, Architekt Richard Kaufmann, ausgeführt, welche nicht nur den vcr« kchrstcchnischcn Notwendigkeiten, sondern auch künstkrischen und Geschmacksfordcrungcn volle Rechnung! zu tragen versuchen. Allerdings klagte auch Architekt Kaufmann mir gegenüber über die mangelnde Disziplin der einzelnen Hausbaitzer, die immer wieder sich Abwcichungcn von dein Gesamtplan zuschulden komme« lassen und sich in ihrer absolut uneingeschränkten Ver« fügungsbcrechtigung über ihr Grundstück nicht störe« lassen wollen. Immerhin ist die Erkenntnis von den Verpflichtungen des Einzelnen der Allgemeinheit gegenüber auch im Bauwesen im Steigen begriffen. Es wird aber noch vieler Erfahrungen und einer systematischen Erziehung bedürfen, um das Gefühl für die Wichtigkeit dieser Dinge in da Bürgerschaft der jüdisch-nationalen Heimstätte auszubiiden. Auch dies wird ein wichtiger Schritt zur Erlangung des jüdischen Staatsbürgerbewußt;:• scins sein.!!! ׳ _______ » 1 t ' ״t ZlorJstcn iiaä Japaner Das Preßbüro der Zionistischen Organisation erhielt einen Bericht aus Schanghai über eine Feier, die anläßlich der Eintragung des japanischen Ministers des Aeußcrn, Grafen U c h i d a, in das Goldene Buch des Jüdischen Nationalfonds abgehalten wurde. Da Graf Uchida, von Schanghai beruflich abwesend, an der Feier persönlich nicht tcilnchmcn konnte, ließ er sich durch den Generalkonsul T. Funatsu vertreten, der auch das Diplom namens des Ministers übernahm. Rabbiner Hirsch drückte den Dank der Zionisten an das japanische Reich für dessen Förderung der jüdischen Sache aus und gab der Hoffnung Ausdruck, daß die japanische Regierung dieses freundliche Verhältnis zu den Juden auch weiter aufrcchtcrhaltcn werde. Nach einer Erläuterung der auf dem Diplom sichtbaren Symbole des Goldenen Buches wie* der Redner darauf hin, daß es der japanische Bot« schafter gewesen sei, der die Resolution unterbreitete! die in der Ratifizierung des Palästina-Mandats ausklang. Generalkonsul Funatsu gab der Versicherung Ausdruck, daß er sich der Ehre bewußt sei, die ihm durch diese Feier zuteil werde. Japan habe sich stets der jüdischen Nation gegenüber von freundschaftlichen Gefühlen leiten lassen und nicht gezögert, ihre nationalen Aspirationen zu unterstützen. Dem japanischen Volk sei die Verfolgung anderer Nationen stets fremd gewesen, und das jüdische Volk habe zu allen Zeiten die Erfahrung machen können, daß die japanische Nation ihm gut gesinnt sei. Graf Uchida werde sicherlich gleich ihm selbst von dieser Ehrung freudig Kenntnis nehmen. Nach dem Generalkonsul sprach der bekannte indische Journalist und Dozent für indische Philosophie, Prof. A. Shastri, und führte aus, daß er, obgleich Nichtjude, an der geistigen Entwicklung des jüdischen Volkes tiefes Interesse nehme. Ueberzcugt von der Wichtigkeit der Mission dieses uralten Volkes habe er den innigen Wunsch, mit den Juden an der Erreichung ihrer Ziele mitzuarbeiten. Die Juden haben zu allen Zeiten, trotz der mißlichen Ver« hältnisse, unter denen sie zu leiden hatten, wundervoller« weise zum Fortschritt der Wissenschaft und der Zivilisation beigetragen. Die Juden dürfen sich nunmehr nicht eher zufrieden geben, als bis die jüdische Heimstätte in Palästina errichtet sei, von welcher aus sic die Möglichkeit haben werden, geistig auf Europa einzuwirken. Dia 320 Millionen Seelen in Indien, rief Prof. Shastri den versammelten Zionisten zu, wünschen Ihnen den besten Erfolg Ihrer Bemühungen. Wir wünschen, daß bald der Tag kommen möge, an dem zum Zeichen des gegenseitigen Ein« Vernehmens zwischen Juden und den übrigen Asiaten Versammlungen abgchalten werden mögen, in Peking, Teheran, Delhi, Cabül usw., auf daß die wirkliche Verständigung untereinander praktische Formen annchmen möge. Auf diese Feier bezieht sich offenbar eine Meldung der ״Voss. Ztg.״, die sich aus Tokio von einem Korrespondenten schreiben läßt: ״Die ,Zionistische Vereinigung von Schanghai' hat den* japanischen Außenminister das ,Diplom des Goldenen Buches des Jüdischen Nationalfonds' überreichen lassen. Es ist nicht bekannt geworden, warum gerade der Name des Grafen Uchida in dieses ,Goldene Buch‘ eingetragen wurde. Es Wäre um 90 interessanter gewesen, darüber etwas Bestimmtes zu erfahren, als man in Japan selbst von irgendwelchen Verdiensten weder dieses .Ministers, noch überhaupt der japanischen Regierung tan die zionistische oder allgemein die jüdische Sache ciwas hat ahnen können. Das Höchste und Beste, was die in Japan ansässigen Juden, welcher Nation auch immer, von Regierung und Volk erhofften, war, daß man sich hierzulande noch recht lange so wenig um das Problem des Judentums kümmern möge, wie bis vor kurzer Zeh. Und was sie jetzt erhoffen und wünschen ist, daß die erfreulicherweise noch recht, schwachen, von Sibirien und Deutschland herübergetragenen Ausläufer des Antiscitiiiismus nicht für irgendwelche politische Zwecke agitatorisch ausgenutzt werden. Bei der Kuhle, mit der das japanische Volk sonst die Rassen Zänkereien Europas und Amerikas betrachtet, werden sie nämliclg wenn mellt von außen verstärkt, bald• wieder ganz verschwinden. Ehe Schanghaicr Zionisten freilidi scheinen, soweit sich aus der Art, wie ihr Organ ,Israels Mcsscngcr‘ alle diejenigen be* kämpft, die nicht rcstbs für den Nationalzkmismus eintreten, schließen Läßt, eine solche Beruhigung nicht fite erstrebenswert zu halten. Was sie dann aber für sich ,von Japan ■erwarten, ist absolut rätselhaft.“ Es ist höchst befremdlich, daß die ״Voss. Zig.“ sich zum Sprachrohr der Austragung inr.erjüdischcr Konflikte hergibt, noch dazu japanischer Juden. Oder ist etwa diese tendenziöse Zuschrift nicht in Tokio, sondern in Berlin entstanden? Es ist jedenfalls charakteristisch für die assimilatorische Denkungsart, daß sie das Judcnproblem niemals anders als vom Gesichtspunkt lokaler Jntercsaea betrachten kann, /