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Jüdische Rundschau · 1923-04-27 · Heft 34 (27.4.1923) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVIII (1923)
Issue
Heft 34 (27.4.1923)
Date
1923-04-27
Page
– (sequence 5)
Language
German
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fUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 203 i J, :5 •*־ <?7 1׳ * t! גי ü ו! ך 121 '1 £320״cnc Icaitvo t 1 r־>, r ► 4; 11?d;:n1i;1' ] I ' ' 1 im über t, j InivcräUäi י Pro!«:,יזו j I gar nie’ ersten K: irdnung; Oiiirisca jierung t. Zur,am״,, es Protei ikntcn de ׳c״cn ♦o * itiGen 0 Budapo:. Sdiant; . ierlanjü״' l.sbürf;' zuhalte, ist wohn:׳ tben. 1׳ h T n n ft t' Vtaclilbclri ie zusteN mi nicM h ne }ed? i u d a pci] 11 n c n d f * luciapc׳! Haupts‘‘׳■' j a e MapF |cr Da in״';f ernur; landclt, ' ' chrisiR׳ ׳ ־ €(:uic ii'״ den Land!kannt, d . n Dudn;' ■ t zusliir• , daß < -13 in 1 ttl zu •' er lind■■; ä entfall Dudap־i: ׳und In‘>!Ciii'iilt. ז ' eien p. ז kt״1‘׳ ft׳'■ /■'/ r:.:r,r1׳r ״ n r 32' jivs-fii.-: t icrii'״, 01 t' יי Hon ז a!t I ICJf );p Nr. 34 rafl Innenminister Cemis, der glddizdtig Vorsitzender des . ,,«fiiamiicn ״eugerer, KebLoeKes“ k1., u;11 rieh über den! <; ’,J «Ser Angele״ ciriicitcu zu informieren. Die j. deputierten steilieii an I lerrn Bernia ununiwur.ricn die Frage: Licjt es In der Absicht der Regierung, l’cadirnnkuugen Lrcii die jüdische Studentenschaft diwcliruführcn?" h " Der Minister crkWrle, cs sei noch unbestimmt, wmm «*ns ('״!‘!nett an die Frage hmntrciea wird« Von forinvUru ge:,d1rä11kun״e11׳ givreit jüdische Studenten tmd Aspirant un wc!xle nicht gesprochen, es handelt sich nur darum, daß (H־ bemittelten Studenten für die Kosten sufl.0־n;:,um müßien, £t der Regierung im Interesse der uiibfmilLvIler» Studenten erwarben. Hierzu 11.1t der Unt.'rriäitumr.ir.U'r Oaylit ein p,ojfkt fliisRcarlKillrf. vvotuch etwa 500 unbemittelte Studenten, cJnruntc.f auch 25 JikIcij, von den Lehrgeldern befreit, wv5״e,',e:t die bcinlttelten Studenten je 15000 lettische Rubel jährlich xu bezahlen haben werden. Indessen hat Minister Oajilt, wie dis lettischen Zeitungen Kelckn, der Universität duc Mitteilung ztdeommen im.’.n, wonach bei Inskriptionen!»sondere Aütmcrkaamktit auf die Kenntnis der lettischen Sprache gewidmet werden toll. Riga. (J.C. B.) Aus Reval trifft die Nachricht ein, daß sich unter den estlündiBchcn Juden eine Bev,׳e::unR bemerkbar macht, zu dm bevorstehenden Parlaments•• waiilen einen eigenen Kandidaten aufzustcllcn. ln Estland entfällt auf je 3500 bi3 4000 Einwohner je ein De- ״,liierter. Da im Lande über 500 Juden leben, wäre es ihnrn nicht schwer, einen Deputierten durdmibringen. Es bestehen aber Meinungsverschiedenheiten in der Richtung, giß manche jüdische Kreise der Ansicht sind, die Juden m Estland bedürfen keiner eigenen Vertretung, da sie hier v;d freier als in Polen und sogar in Lettland leben, wo ״e״cn von anderer Seite auf die auch in Estland stnitgcfuncienen iitijüdisdvcn Studcirtencxzcssc und andere antijüdiscli« Akte liingewicscn und geltend gemacht wird, es sei nötig, daß auch ira cstliuidiskhen Parlament von Zeit zu Zeit eine jüdische Stimme hörbar wird, Deutschland Der JÖdisclie Frauenbund Der Jüdische Frauenbund befindet sich — wie alle großen Bewegungen, die die Entwicklung der Vorkriegszeit getragen haben, in einer starken Krisis. Die Ursachen dieser Krisis und ihre Wirkungen können nicht durch einen zufälligen Besuch eines Vortragsabends des Bundes erkannt und niciit durch das individuelle Bekenntnis eines einzelnen Mitgliedes gelöst werden. Die Bedeutung des Jüdischen Frauenbundes für die Entwicklung des jüdischen Lebens ist nicht hoch genug einzuschätzen, weil seine Mitglieder das Bekenntnis zur jüdischcn Eigenart gefördert und 60 aus der Erkenntnis des Wertes der jüdischen Kultur heraus positive Arbeit geleistet haben. Die Verbindung jüdischer Frauen zu einer Oesamthcit aus der Unfruchtbarkeit ihres von der Umgebung bedingten Einzcldascins heraus zu geistigem Schaffen und werktätiger Arbeit Ist in seiner Entwicklung ' eingeschlosscn und hat neben ׳den negativen Bewegungen der Abwehr und der Anpassung fm deutschen Judentum der letzten Jahrzehnte ab einzige Bewegung zur Förderung und Entwicklung jüdischer Eigenart gedient. Die Krisis, in der sielt der Jüdische Frauenbund zurzeit befindet, hat ihre Ursachen in seinem Verhältnis zu den großen Bewegungen, die unerhört schöpferische Kräfte in dem Judentum der Neuzeit entwickelt haben. Die Volksbewegung, die Jugendbewegung und die Arbeits- Bewegung. Diese Bewegungen mit der Zielsetzung der Verwirklichung lebendiger jüdischer Ideen haben neue Kräfte im jüdischen Volke erschlossen und sie gefördert. Sie haben Aufgaben erzieherischer, sozialer und kultureller Art erfüllt, für dio sie, ungehemmt durch Bindungen nationaler, sozialer oder geschlechtlicher Art, eigene Formen entwickelt haben. Der Jüdische Frauenbund hat zu diesen- Bewegungen kein organisch wirksames Verhältnis gefunden, das auf gegenscitige Belebung, Förderung und Entwicklung eingestellt war, sondern er hat diese Bewegungen nicht beachtet, häufig kraftvoll und einstimmig abgelehnt; so finden sich auch in seinem 13g!iedrige1r Vorstand keine Vertreterinnen der Volksbewegung, der Jugendbewegung und der Berufsorganisationen, und Aufgaben, die Möglichkeiten zu einer Arbeitsgemeinschaft gegeben hätten, blieben unerfüllt. Eine solche Einstellung, die sich auf das einmal erkannte Ziel und dar gesteckten Aufgabenkreis festlegt, hat den Vorteil der Konzentration der Einheitllchkcit und auf dieser sicheren Grundlage zweifellos weite Wirkungsmöglichkeiten in der Gegenwart. Die Zukunft einer Organisation ist aber nur dann in ihrer vollen Lebensfähigkeit gesichert, wenn sic neue Bewegungen auf ihrem ureigensten Gebiet in sich einbegreift und in eng verbundener Arbeitskraft das Gemeinsame fördert. In diesem Augenblick der Umgestaltung der Welt zu neuen Lebensformen liegt auch in der Entwicklungsfälligkeit des Jüdischen Frauenbundes die Möglichkeit, sich die Synthese zu seiner Umwelt zu schaffen; liegt die Möglichkeit, das jüdische Volksleben, das sich neben ihm in naturgewaltiger Formung vollzieht, in seinen Werten und Wirkungen zu erkennen und dch zu verbinden, In der Erkenntnis dieser Möglichkeiten und der Kraft ihrer Erfüllung liegt die Lösung des Problems des Jüdischen Frauenbundes. 1 S. .Wronsky. A*js der Berliner jüdisclica Gemeinde In der Repräsentantenversammlung am 19, April kam die Angelegenheit des Wohlfahrt;• und Jugendamtes der jüdischen Gemeinde zu einem befriedigenden Abschluß. Bei der Neubesetzung abgelaufcucr Mandate für den Schul- und Talmud-Thorah-Vorstand sowie für die Rabbinerwahlkommission drangen unsere Freunde auf Erhöhung der Zahl der zu Wählenden, um Parität zu erreichen. — Der. breitesten Raum nahm die Besprechung der ״FriccÜiofsfrage“ ein. Moritz A. Loeb (konservativ) hatte den Antrag ,״erteilt, auf dem Friedhofe m Weißensee sei ein Feld abaigrcnzen, auf dem die Bestattung von Urnen, Aschenresten, Leichen von Kidnjuclen nicht vorgenommen werdciq dürfe. Dieser Antrag v,׳ar 111 der Kommircion abgclehnt worden. Herr Loeb z igle, daß ein großer Teil der Gemeinde (bei den Liberalen leiser Zuruf: Ostjuden 1) Wert darauf lege, in traditionell-jüdischer Weise beerdigt zu werden. In allen Groß,gemeinden Dauisc.i* Innds habe man Verständnis für dieses Verlangen gehabt. In Köln sei an der Frage der Feuerbestattung die Einheit der Gemeinde gescheitert. Diese Einheit der Gemeinde eoHc man in Berlin, wo der größte Teil der Rechtsstehenden in der großen Gemeinde verblieben sei, nicht gefährden. Von überalcr Seite erwiderte Dr. Lipschütz, der Lazarus als Kronzeugen anführte, in desswi nachgelassener Schrift ״Erceuerutrg des Judentums" dis Praxis der Gemeinde ihre Red;!* ferflrirnr» finde. Prof. Heinrich Löwe erklärte, nichts sei ei.rzuweudeij gegen kommunale Frluiiiöfe für alle Bekennt•';1(1 ־■c; eher ba Beerdigung von Nkliljmlcn auf einen! jüdischen Friedhöfe uelinie dieser den Charakter eines Kosnmunalfried• Iiofca rn. Auf clirl'.liich-koufcvr.frmcUcn Friedhöfen beerdige iii.-u auch keine Juden. Toleranz gegen Toleranz nittsae gefordert werden. Der Antrag Loch würde mit tl gegen 10 Stimmen angenommen, nachdem Herr Marcus ׳in eindrudisvollrn Worten not« einmal das Gerechte der Sache vertreten hatte. t-iait. מ 5erj ft־vsrscss t i^r ׳3 t*:: s ׳־׳ 1*** *’ ~38 55 cד. דד *: 5 r ו דד r ErüA2AKl / Ecrllncr Orf-anlsölloa״uPC;lX Dlemfoö, <!en 1. Mal 1923, abends 0 Uhr, fm Seel der Drcuercl Pfefferberg. Sdißnhauser Alice (Senefeldcr Platt) t * Thtmti Der XML Kongreß und die Osißsden Redner: Chojirn Grünberg, Israel Skwlrski, Dr. Max Straub. Eaaוgr1fim:נil«»3ngeבaווgs^a^3^^ezsBaוlB3וmB3^B^^o.יBta3>ון^■■■^lI Tarbut-Welffeonferm In Berlin Wir erhalten folgende Mitteilung: Die Oründungskonfcrcnz der allwcltliclien ״Tarlnit"- Organisation wird am 2. Mai in Berlin staüfimlen. An der Konferenz, •werden Delegierte aus allen üindem, wo ״Tarbut“-Vereine bestehen, sowie mehrere führende Persönlidikeüen der hebräischen Kulturbewegung tcilnehmcn. Der Hauptzweck der Konferenz ist die Schaffung der ״TarbuF'-Weliorganisnlion; außerdem sollen auch alle anderen Grundfragen der hebräischen Kulturarbeit und Erziehung erörtert werden, — wie der rechtliche Zustand der hebräischen Schulen, das Finanzproblem, die Lehrbücherfrage usw׳. Die Konferenz wird in hebräischen Kreisen mit großem Interesse erwartet. Die Zionistische Exekutive wird auf der Konferenz durch Herrn Ch. 0rün• berg vertreten werden. Zxomstlsdn. Bewegung ErhShung des Sdiekclprclscs In Polen Erklärung der Exekutive der Zionistischen! Organisation. Die Exekutive bedauert, fentstellen zu müssen, daß die Lnndcs״n1ppcn der ziani:,1isehen Sonderverbände ״Misracln“ und ״Hitadt<MIi" In Polen den von der Exekutiv« im Einvernehmen mit dein A. C.-Präsidium gefaßten Beschluß, den Schekclprcis in I*olcn auf 2000 M. zu erhöhen, nicht ausgeführt haben. Laut den Berichten, die bei uns elniangen, setzen diese Verbände den Schekclverkauf zum alten Preise fort. Um keine Mißverständnisse auf kommen zu lassen, sieht sich die Exekutive genötigt, nachstehende» *u erklären: . 1. Der Preis des Schekels in Polen beträgt 2000 M.; der Verkauf von Schckolim unter diesem Preise ist unstatthaft 2. Schckolim, die nach dem' 10, März zu einem niedrigeren Preise ah 2000 M. verkauft wurden um! weder verkauft werden, sind ungültig und werden weder bei den Kongreßwählen nodh bei der Berechnung der Zahl der Kongreßdelegierten berücksichtigt werden, London, IT, April 1923. I Did Exekutive der Zionlitineben Organication. Die Ts״os1g des GrapiJCitvcrbandc* Reciiterhdnland -Westfalen Zieht man die Vcrkchrsachwlcrlgkciten in Betracht, die im rheinisch-westfälischen Industriebczirk herrschen, 60 mußte der zahlreiche Besuch des rechtsrheinisch-westfälischen außerordentlichen Gruppcnvcrbamistagcs, der am IS. April in Duisburg stattiand, überraschen. Die Träger der zionistischcn Arbeit waren vollzählig erschienen, auch die Jugend und die jüdische Arbeiterschaft war vertreten. Die Tagung, die die alleinige Aufgabe hatte, die durch die äußeren Umstände Immerhin in der Arbeit behinderten Zionisten des Bezirks über die großen Fragen, die jetzt die zionistische Welt beschäftigen, zu unterrichten (Ist es doch manchen örtagruppen ’unmöglich gemacht, die ״Jüdische Rundschau" zu beziehen!) und ihnen damit den Anstoß zur energischen Fortführung der Arbeit zu geben, war ausgezeichnet durch drei Referate, di« durchaus dazu angetan waren, diesen Zweck zu erfüllen. Rechtsanwalt Felix Roscnbiüth, Berlin, zeigte die gegenwärtige äußere und innere Lage unserer Bcwegamg in ausführlicher sachlicher Da!■Stellung, die die Schwierigkeiten ohne Zurückhaltung hcrausarbeitcle. Er Icgie eingehend die zahlreichen Begründungen dar, die von den versritiedenen Standpunkten aus für die zurzeit wahrnehmbare Depression gegeben werden. Df. ChajTtn Arlotoroff, Berlin, berichtete Über Arbeit und Fortschritte in Ercz-Isracl im letzten Jahre. Vorzüglich informiert, griff er aus der Fülle des Materials nur einiges heraus:, um die äußeren Widerstände klarzuraaclien, die sieh der Entwicklung des Jischuw in den Weg stellen und ging dann über zu einer lebendigen auf reiche Tatsachen gestützten Darstellung der Sicdhihgsarten, der städtischen Siedlung, der allen Kolonien und der Arbeitersiedlungen. Aenne Poirieranz, Elberfeld, machte in ihren! Referat die Forderungen an Arbeit und Leistungen geltend, dio an dis Zionisten zu ctcllon seien. Dio weifblickcnden Ausführungen gingen über den Gebiet des Organisailons• technischen hinaus und suchten den ganzen Mcnsclicn in den Dienst unserer Sa die zu ziehen. Die Diskussion wandte sich mit Au״nehme kurzer «achvcretänc'-ger Wortes von Dr. Hein• rieh Neu in.״um über die r'acliaiabiklimg der Chaluzim von den in den Referaten behandelten Gegenständen ab und allerlei lokalen Orgfiiiiratiou״,fragen zu, die nicht zum Auf. gabcube reich dicccr Tagung;;:.hörten. Dabei kam auch wieder das Verhältnis der Zionisten zu den jüdischen Arbeiterfürsorge* stellen zur Sprache, Der Tag klang aus in tinc Ehrung de? scheidenden Sekretärin des Gnippenvcrbnndcn, Acnnc Pomc ra 11 z , die seit 1918 die Geschalte unermüdlich geführt hat und in ihrer Persönlichkeit der Jugend «in Vorbild zionistischer Zuverlässigkeit geworden I1C t. InnenorFmilsa Hon und Gcmcindcarbcit 1111 dculödicn Zionismus Von Dr. Jacques Adler, Leipzig, ' , Die Werbung für den Keren Ifajessod unter der deutschen Judenlirit lat den deutschen Zionisten mehr als eine reine Geld- ׳ Sammeltätigkeit. l'!1 kann niciit ausbleiben, daß die Gedankengäiigc der. jüdischen PalFduia-Auibainvcikes in ihrer Ausbreitung auch den Ideen der allgemeinen kulturellen und nationalen Wiedergeburt des jüdischen Volk« einen neuen Wirkungskreis «..ciiiicßen. Du! zionislbriie Bewegung hat heutzutage, da den bisher so sril>r.tgc\w;.51:n ״deutschen Staatsbürger jüdischen Glaubens" neue Sargen und Zweifel drücken, bessere Möglichkeiten, aus früher fernstehenden oder gar gegnerischen Kreisen wertvolle Menschen für sich zu gewinnen, als je zuvor, Soll aus solcher Möglichkeit nun auch Wirklichkeit werden, dann werden zwei Voraussetzungen zu erfüllen sein, einmal der systematische innere organisatorische Ausbau der zionistischen Bewegung in Deutschland, zum anderen die tätige Teilnahme der Zionisten an den positiven Aufgaben der deutschen Judeuhelt, insbesondere an der Gemeinde,irbeit, und an einer wirklich charaktervollen Verteidigung der staatsbürgerlichen Rechte und der sozialen Stellung. Dem einen Ziel konsequent zuzustreben, 13t kaum minder schwer als dem anderen. , , Zunächst die Konsolidierung der Organisation! Muß man im Zionismus heute schon vom Epigonentum reden? Die Kraft der zionistischen Idee und Tat bestellt darin, daß sie aus Eigenbrötlern, Stmiimuigsmensciicn eine politisch denkemie, politisch empfindende, politisch ge schulte Gruppe schafft. Mag; diese Gruppe zahlenmäßig noch so klein sein, sie ist doch ein aktiver politischer Faktor und wirkt differenzierend, klare Entscheidung fordernd auf bisher indifferente Massen. Um solchen Einfluß aus/uiibcn, wird aber die zionistische Bewegung ständig selbst des Erlebnisses der Politik bedürfen. Und hier kommen ,wir auf das Entscheidende. Die politische Aktion der Leitung darf den jüdischen Massen nicht als ferne Diplomatie, sondern muß ihnen als der Ausdruck ihrer eigenen Scelenrcguiigcn erscheinen. Dies bedeutet nicht etwa, daß nun die Politik kurz und grob nach populären Schlagwortcn zurechtgezimmert werden soll, sondern vielmehr, daß die als ״Kunst des Möglichen" betriebene politische Aktion der Führung von der zionistischen und weiter der gesamtjüdischen Allgemcinhcit als notwendig und förderlich klar erkannt und ziclbcwußt unterstützt wird. Nicht Kannegießere! an Stammtischen, woh! aber ein ausgeprägtes politisches Verständnis und Ocfühl der Verantwortlichkeit brauchen wir, wenn heute die Bewegung die Stoßkraft haben soll, um die allgemeine Aktion für das Palästina-Aufbauwerk ständig stark im Flusse zu erhalten. Das Erlebnis der Politik wird bei den Massen nicht durch Bluffs hcrvorgcbracht oder dadurch, daß man den starken Mann spielt, ohne vielleicht nur die einfachsten Requisiten dafür zu besitzen, sondern in der Tat allein durcii eine planmäßige Erziehung. Diese politische Erziehung gab in der Zeit vor zwanzig Jahren dem jüdischen Volke die Persönlichkeit Theodor HcrzJs, und wir, die Nachfahren, die nur mehr aus seinen Tagebüchern Eindrücke vom Wirken dieses wahrhaften Staatsmannes empfangen können, müssen jene glücklich schätzen, denen damals derart unmittelbar das Erlebnis der Politik, der Anblick des bewußten Gcstaltcns der Geschichte, zuteil ward, Es mangelt uns heute nicht an klugen Politikern, zielsicheren Diplomaten, wirksamen Rednern, weitblickenden WirtsciiaRslcutcn, energischen Organisatoren, aber ein Mensch, der ali diese Eigenschaften in sich vereinigt, kehrt freilich nur in Jahrhunderten wieder. Die politische Erziehung muß daher heule an Stelle der per* sÖnlichcn, mehr der sachlichen Einwirkung sich bedienen. Sie wird nicht nur durch finanzielle Werbung sich an den Willen wenden, sondern auch das Wissen um die Dinge fördern, das eigentlich erst die Beständigkeit des Entschlusses zu materiellen Opfern verbürgt. Es ist darum zu begrüßen, daß das Berliner Büro der Zionistischen Organisation eine Schriftenreihe ״Zionistische Broschürcn-Bibliothek“ eröffnet hat, deren erstes Heft ״Palästinensische Wirtschaftspolitik" das rühmlichst bekannte Referat enthält, das S. Schocken jun, auf der Karlsbader Jahrcskonfcrcnz erstattete; die nächsten Hefte sollen eine Dokumentensammlung zur zionistischen Politik und eine Zusammenstellung bedeutender Kongreßreden bringen. , ' : Den Wert dieser sachlichen Belehrung über die Grundzüge und Gründtatsachen der modernen jüdischen VolkspoHtik wird man bald aus praktischer Erfahrung kennen lernen. Erfaßt man erst allgemein in zionistischen Kreisen den Ernst der jetzigen Lage, die schwerwiegende Tatsache, daß in der kurzen Frist der nächsten paar Jahre der Wille des jüdischen Volkes zum Aufbau der Heimstätte in stärkster Anspannung wirksam geworden sein muß, wenn nicht die Im Paliistina-Mandat gebotene effektive Möglichkeit auf unabsehbare Zeiten wieder schwinden soll, dann wird man die Reihen fester schließen, damit wir neben der Werbung von Geldern für den Keren Hajcssod auch die von Menschen für die Idee vervielfachen. Da bleibt noch viel zu tun. Die wenig zeitgemäßen Vorgänge in der zionistischen Jugendbewegung in Deutschland, das unerfreuliche Hin und Her in der Fusionsangeicgcnheit des Biau-Wciß mit dem K. J.V״ man ersieht daraus mit Bedauern, daß die großen politischen Erfolge der letzten Jahre, die wir den Führern verdanken, so sehr sie aucii als Stirnmungsmomente die Geldwcrbung begünstigen, dennoch bisher nur wenig politisch-erziehliche Wirkung ausgeübt haben. Eine politische Organisation bedarf zu ihrer Existenz und weiteren Entwicklung zwar auch des Apparats, der Instanzen, Statuten und Finanzmaßnahmen, aber doch ln erster Linie des politisehen Geistes in allen ihren Gliedern. Sorglosigkeit, die die großen Entscheidungen leichten Herzens und ohne Versuch eigenen Verstehens der Führung überläßt und mit Kleinig. keiten spielt, frommt in dieser Zeit, wo in Palästina vieles auf dem Spiele steht, wo die Entschlossenheit und der Ernst der Zionister. alle die noch zögernden Massen mit vorwärts reißen müßte, am wenigsten. Die Wcrbckra't, die eine von politischem Wissen und Willen erfühle z.ienislische Organisation auf die Judcnheit Deutschlands auszuiiben vermag, wird um so stärker, je mehr wir u3״ bemühen, in das gesamte innere jüdische Leben den Geist unserer Idee der jüdischen Erneuerung hincinzutragen. Der Ausgangspunkt des nationalen Geschehens ist die traditlonclle Gcmcinscliaftsform, die Kchillali, die jüdische Gemeinde. Wenn uns deutsche Zionisten die Arbeit in den Cieineinden interessiert, dann nicht als Resultat irgendwelchen Notabilitätsbedürfnisses, sondern klipp und klar nur als natio• «$13 Aufgabe. Und da ist noch sehr Vieles und sehr Wich-

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