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Jüdische Rundschau · 1923-04-06 · Heft 28 (6.4.1923) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVIII (1923)
Issue
Heft 28 (6.4.1923)
Date
1923-04-06
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Auf der Chaussee, die von Haifa Östlich über K'azareth nach Tiberias führt, erreicht man nach nicht anZ cinstündiger Aulofalirt (es besteht ein regelmäßiger piligcnce-Vcrkchr) den westlichen Punkt der neuen N.-F.- Siedlung im Emck Jcsrcel: N a h 1 ה a 1. Von der Chaussee!Avcigt hier ein neu gebauter Fahrweg ab, der gerade von einer Abteilung des IJaschomcr Hazatr vollendet wurde, die zur Durdiführung von verschiedenen öffent- [idicn Arbeiten noch jetzt in Nahalal lagert Auf diesem f’cg erreicht man ln zirka 20 Minuten das Dorf selbst p,s Dorf ist schon von weitem sichtbar mit seinen freundlichen roten Dächern, die sich von den grauen Lclunhäuscm deutlich abheben. Erst wenn man in das Dorf eintrltt, sicht man die Aermlichkeit seiner Bauten in ihrer wahren Gestalt In einem weiten Kreis sind einfache Baracken aus Holz, jedes aus zwei Reihen bcstellend, angeordnet, zwischen je zwei Baracken wird jetzt aus Zement ein Pferdestall gebaut, der immer zwei Siedlern gemeinsam sein wird. Um die Häuser sieht man die Anfänge der Kulturen. Nahalal wurde bekanntjieh nach dem Vorschlag von Elieser Joffe als erster Moschaw Owdim“ auf dem Boden gegründet, den der K,-F. von dem jenseits der Chaussee etwas weiter östlieh gelegenen arabischen Dorf Malul erworben hat (anf1״gs sprach man immer von ״Malul“, bis der jüdische Käme Nahalal fixiert wurde). Das Grundprinzip der Ansicdlung ist daß jeder der Siedler nur so viel Boden zugeteilt bekommt, wie er selbst mit Hilfe seiner Familie bearbeiten kann. Auf diesem Boden soll er eine gemischte Wirtschaft schaffen, in deren Führung er vollkommen unabhängig und selbständig ist und die zur Bestreitung seines Unterhaltes genügen soll. Die Gründer von Nahalal haben dieser Form der Siedlung den Vorzug vor der Kwuza gegeben, weil sie der Ansicht sind, daß in der Landwirtschaft ein gewisses individuell-persönliches Verhältnis zum Boden und zur Wirtschaft unerläßlich ist und daß der persönlichen, freien Initiative des Einzeinen der weiteste Spielraum gelassen werden muß. Durch geeignete gemeinschaftliche Institutionen soll später der engere wirtschaftliche Zusammenhang zwischen den Siedlern gesdiaffen werden, der nach Plänen von Elieser Joffe sogar zur last völligen Autarkie führen soll. Lohnarbeit soll grundsätzlich ausgcschaltet sein; in den Fällen, wo sie erforderlich wäre (z. B. Krankheit), wird sie ersetzt durch das Prinzip der gegenseitigen Hilfe. Heute befindet sich die Siedlung noch in ihrem ersten Stadium: Aufbau der Wirtschaft. An gemeinsamen Instituiionen ist vielleicht nur der ״Machsan“ da, das zentrale Warenmagazin, aus dem die Gegenstände des täglichen Konsums entnommen werden. Da es an Bargeld so gut wie vollkommen fehlt, hat der Machsan eigenes Geld herausgegeben, das im Umlauf innerhalb des Dorfes zirkuliert Bis vor kurzem haben die meisten Siedler noch in Zelten gewohnt, jetzt wurden die Baracken aufgesteht, die sich jeder selbst gezimmert hat, und deren Kosten jeder aus seinen eigenen Ersparnissen, cventl. mit Zuhilfenahme von Anleihen trägt. Eine Baracke kommt auf zirka 60—80 Pfund im Durchschnitt. Jeder Siedler hat 100 Dunam N.-F.-ßodcn in Pacht. Auf dem ״Mig'- rasch“ (der Bauplatz, wo das Haus steht) baut er Geaüse, pflanzt Bäume, auf dem׳ Felde wird zum Teil Gemüse, zum Teil Getreide gebaut. Auf einem kahlen Feld ist eine solche Siedlung im Entstehen. Anfangs hatten die Bewohner sehr unter Fieber zu leiden, im Vorjahre wurde eine Drainage durchgeführt; trotzdem weiß man nodh nicht, wie der kommende Sommer sich gestalten wird. Mit Inventar ist die Siedlung sehr mangelhaft ausgestattet, was natürlich der Entwicklung sehr hinderlich ist. Es gibt bisher fast gar kein Vieh, keine Kühe, kein Zugvieh, so daß viele Siedler nicht einmal den Boden beackern können, auch sonst fehlt es an dem Ailcmötigsten. Die Mensdien leben fast völlig bedürfnisdos, manche begnügen sich mit Brot, Oliven und Kokosfett, das aus Frankreich importiert wird. Jede verfügbare ßoeh so kleine Summe wird in die Wirtschaft hineingesteckt. Was die Arbeitskraft anlangt, so kann wohl gesagt werden, daß die Ansiedler in Nahalal die Elite üer palästinensischen Arbeiterschaft sind, die alte Garde, meist Chawerim des Hapoei Hazai'r, aus dessen Kreisen die Idee des Mosdiaw hervorgegangen ist. Sie werden von einem Teil der Arbeitersdiaft angefeindet, weil man in dem Mosdiaw die Auswirkung einer kleinbäuerlichen Ideologie und ein Abrücken vom Sozialismus sidit. Aber fuch die Achduth Haawoda hat ihren Mosdiaw Owdim i״ En Tabun, etwas weiter östlich jetzt J echeskelia genannt, genau nadi denselben Prinzipien aufgebaut wie Fshalal. (So verschwimmen in der Praxis die Unter- Giiede zwischen den zwei großen Parteien, die beide dasselbe tun, nur durch gewisse historische Bedingungen und durch einen Unterschied in der programmatischen Formulierung getrennt sind.) Was bisher mit den geringen Mitteln in Nahalal geschaffen wurde, ist erstaun- 'dt. Die Siedler sind optimistisch: es wird bei den '.dnveren Bedingungen der Arbeit vielleicht einige Zeit dauern, bevor hier ein blühendes Dorf steht, aber für “in Landwirt existiert der Begriff Zeit nicht Er pflanzt ö® Schößling in die Erde und ist zufrieden, wenn seine Kinder sich an dem Schatten des Baumes erquicken ‘,״aßen, . 1 , j ״ v ׳ v * JU EPISCHE RUNDSCHAU Oer,dich von Nahalal steigt die Straße auf betrachtliehe Höhe, und bald sicht man das ganze Emck vor sich ausgdjreitet liegen, eingebettet zwischen die. Bergketten. Vorn ragt die Kuppel des Tabor, rechts von der Straße lieg; im Tale Dschcndschar, wo eine Kwuza des Hapoei Hazai'r arbeitet; bemerkenswert vor allem darum, weil dies vielleicht der einzige Fall ist, wo Jude und Araber gemeinsam in einem und demselben Dorf wohnen. Von Dschcndschar führt der Weg in der Ebene (nach einem Regen schwer gangbar) direkt nach Tel Adas und Balfouria. Die Chaussee führt über die Höhe nach Nazareth, und von hier zweigt nach Süden die Straße ab, die über Afula-Sch’chem nach Jerusalem geht Die Straße senkt sich zunächst in einer Serpentine zur Ebene, den steilen Abhang hinab; in der Ebene passiert sic Tel Adas, dann Balfouria, die Siedlung des American Zion Commonwealth, wo jetzt in der Nähe der Straße ein neues Dorf gebaut wird, die alte Farm, die etwa eine halbe Stunde weit auf der Höhe liegt, ist jetzt von einzelnen Familien bewohnt, die sich dort nieder* gelassen haben, nachdem die Amerikaner die Farm verlassen haben, weil sie zuviel Geld kostet. Eine halbe Stunde von Balfouria liegt Merchawja, nahe der Bahnstation Afule. In der Farm Merchawja arbeitet jetzt eine Kwuza der Achduth Haawoda, deren Grundstock einige demobilisierte Legionäre aus Amerika bilden. Auch eine Chaiuza aus Deutschland arbeitet dort. Die Kwuza hat es insofern gut, als sie die schönen Gebäude der N.-F.-Farm (wo früher die Oppcnheimcrschc Siedlungsgcnossenscliaft untergebracht war), fertig vorgefunden hat — Durch ein Wadi von der Kwuza getrennt, liegt die Kolonie Merchawja. Dort hat der N.-F. Boden erworben und den einzelnen Familien je 100 Dunam verpachtet, die sich dort langsam und zähe eine Existenz aufbauen. Es sind meist Leute aus Polen, mehrere aus Bialystok, auch vermögende, die mit ihrem eigenen Geld, ohne Beihilfe des N.-F., die Wirtschaft aufbaucn. Ein alter Mann, früher Kaufmann in Bialystok, kam mit seinen beiden Söhnen und seiner Tochter hierher, wohnte ein halbes Jahr in einem Schuppen, bis die Holzbarackc fertig wurde, die jetzt vor der Vollendung stellt. Seine Söhne ackern das Feld, er selbst hat schon viel in der Wirtschaft gelernt und arbeitet fleißig mit. Er hat schon 500 Pfund in die Wirtschaft hincingesteckt, ein Vermögen also, mit dem in Bialystok wohl schon gut gelebt werden kann. Er ist aber sehr glücklich, als freier Mann in Erez-Israel zu sein, ein neues, gesünderes Leben aufzubauen. Dieser Fall ist nicht vereinzelt, man findet ahnliehe Typen allerorts. Von Afule führt die Bahn nach Siidosten, links liegt Solem, das historische Sunem, rechts auf der Höhe liegt Jcsrcel, jetzt ein arabisches Dorf. Hier beginnt das Tal des Dschalud (Goliathbach), dessen Quelle Ain'•Dschalud identisch ist mit der Gidconquellc Cliarod. An der Quelle ist heute ein großes Zeltlager aufgebaut, das ist En Charod, das Lager des Gdud Awoda. Auf der anderen Seite der Bahn liegt an derselben Station das schon erwähnte Jcchcskeiia, En Tabun. Von En Charod zieht sich nordöstlich das Gebirge Gilfaoa, der Schauplatz der Kämpfe zwischen Saul und den Philistern. Am Fuß des Gebirges liegt zirka eineinhalb Stunden von En Cliarod ein zweites« Zeltlager auf einem Hügel, genannt Tel-Joscf, und drciviertel Stunden von hier Betli Alfa, der östlichste Punkt der Emek-Siedlung. Bei Bcth Alfa beginnt sich das Gebirge bereits nach Süden zu wenden, das Tal mündet hier in die Jordansenke bei Beth Schan. * In diesen drei Zeltlagern lebt das neueste, das werdende Palästina. Hier spürt man den Puls des neuen Werdens, die Geburt neuen Lebens. Hier hat sich die Essenz dessen zusammengefunden, was man als ״dritte Aljah“ zu,bezeichnen pflegt, die Einwanderung nach dem Kriege, die noch nicht ihren eigenen Ausdruck gefundep hat. Darüber ein nächstes Mal, Wettbewerb für die Erbauung eines hebräischen Gymnasiums in Jerusalem Wie erinnerlich, wurde im Herbst des vergangenen Jahres ein internationaler und interterritorialer Wettbewerb für die Erbauung eines hebräischen Gymnasiums in Jerusalem ausgeschrieben. Der ״Verband jüdischer Ingenieure und Techniker für den Aufbau Palästinas, in Wien“ wurde eingcladcn, sich durch seine Mitglieder an diesem Wettbewerb zu beteiligen, und übernahm cs auch, die jüdischen Architekten Deutschlands und Polens, mit deren Verbänden er ln ständiger Fühlung ist, zu diesem Preisausschreiben cinzuladen. Nun liegt das Protokoll des Preisgerichtes vor, welches unter Vorsitz des Dipl.-Ing. Arch. R. Kauffmann am 13. und 15. Februar a, c. in Jerusalem zusammentrat. Wir entnehmen demselben folgende Daten: Die Durchführung der Sichtung der eingelaufcncn Arbeiten, wie auch der Spruch des Richter- Kollegiums wurde nach Internationalen Regeln durchgeführt. Mehr als drei Viertel aller Arbeiten waren durch die Vermittlung des Vereines jüdischer Ingenieure und Techniker für den Aufbau Palästinas, Wien, zustandegekommen. In die engere Wahl kamen fünf Arbeiten. Prämiert wurden: An erster Stelle: Reglcrungs* und Baurat Alex. Baerwald, Berlin; an zweiter Stelle: Dipl.-Ing. Arch. F. Kornberg, Jerusalem; an dritter Stelle: Dipl,•Ing. Arch. Hanns Sobeisohn, Wien; an vierter Stelle: Dipl.-Ing, Arch, Joseph Arwin, Lemberg. Wir wünschen nur, daß sich bei ähnlichen Gelegenheiten mehr jüdische Architekten finden, die sich theoretisch und praktisch mit dem Aufbau unseres Landes beschäftigen, wobei wir freilich nicht übersehen wollen, daß die wirtschaftliche Not des geistigen Arbeiters von heute, besonders in Mittelcuropa, diesen zwingt, den Tagesverdienst der Ideellen Aufgäbe vorzuzichen, . ■; , , Seite 185 Das briliscltc Budget und Pa’äslina Der dein Unterhaus soeben vorgclegte Budgctvor« mischlag für 1921/24 zu den Posten Auswärtiges und Kolonial amt umfaßt einen Betrag von 12 751 078 £, d. 11. eine Reduktion von 3 178 316 £ gegenüber dem laufenden Jahr. Für den größeren Teil der Reduktion ist eine weitere Verringerung der Ausgaben für de« Mittleren Osten die Ursache; der Budgetvoranschlag für den Mittleren Osten für das Jahr 1923/21 betrügt nämlich 3668500 £, d. h. 2 507 600£ weniger als im Vorjahre. Für die Verteidigung von Mesopotamien und Palästina sind 7 530 000 £ ausgeworfen, d. 11. 1916000 £ weniger als im vorigen Budgetjahr; hiervon entfällt auf Palästina ein Betrag von nur 1 150 000 £. Die Bewilligung für die palästinensische Gendarmerie wurde um 50 000 £ gekürzt und beträgt jetzt 250 000 £. Es ist dies die Folge der Reduzierung der britischen Garnison und eine vorläufige Maßnahme in der gegenwärtigen anormalen Situation, bis die Verantwortung für Verteidigung und innere Sicherheit vollständig der palästinensischen Verwaltung überlassen werden kann. Andererseits ist der Beitrag zu den Vcrvaltungskostcn von Transjordanien um 50 000 £ auf 150000 £ erhöht worden, da die lokalen Einnahmen für Aufrcchterhaltung der Sicherheit usw, noch nicht genügen. Aus Nahalal Ein Brief von Frau Maisel-Sehochal ״Zuerst einen kleinen Bericht über den Stand der Arbeit ln Nahalal. Die Maulesel und Karrenwagen sind seit zwei Monaten angeschafft, ein Arbeiter ist angcstellt, der in den schönen Tagen pflügt und in den Regentagen Holz aus Haifa nach Nahalal transportiert. Aus diesem Holz ist inzwischen eine Baracke aufgebaut worden. Die Baracke besteht aus einen! Zimmer 5X3,50 m — Wohnung des Arbeiters und zwei kleinen Aufbewahrungsräumen, jedes 4,50x2,50 m. Seit einer Woche arbeiten zwei deutsche Schreiner an der zweiten Baracke. Diese Baracke 6011 ein Zimmer 5x10 m (Schlafraum für 10 Mädchen), einen kleinen Wasch- und Baderaum, einen Klciderraum und eine halbgeschlossene Veranda zählen. Heute habe ich einen Brutapparat gekauft, damit wir sofort mit Geflügelzucht anfangen können. Dieser Tage habe ich von einem Herrn 200 äg. Pfund zum Ankauf von Kühen erhalten. Das Geld ist momentan auf der Bank und ich sehe mich um, um gclcgcntlieh passende Kühe zu kaufen. Das verpflichtet mich auch, dafür zu sorgen, daß ein Stall noch dieses Jahr gebaut wird. Ich bemühe mich bei der Zionistischen Organisation, daß cs auf Rechnung unseres Budgets geschieht. Sobald ich es erziele, teile ich es Ihnen mit. Frl. O. hat sich in * Holland bemüht und man hat ihr dort das Geld für zwei bis drei holländische Küiie versprochen. Wir dürfen aber diese erst Ende Sommer (wegen der Akklimatisierung) herbringen. Wir werden somit, vielleicht, noch dieses Jahr mit der Milchwirtschaft anfangen. Ich habe nach Nahalal 15 Bienenstöcke, die wir in Tel-Awiw hatten, geschickt, wir fangen noch diesen Frühling mit Bienenzucht an. Gewiß ist das alles sehr klein und wird sich nur allmählich entwickeln. Die Schnelligkeit, mit der sich jeder Zweig entwickeln wird, hängt von den Mitteln und von der Hilfe ab, die uns geleistet werden wird. Es ist mir schwer, zu sagen, was wir früher brauchen, denn wir fangen ja so mit allen Zweigen an. Ich möchte Sie aber informieren, welche Sachen wir für die erste Zeit genug haben, Wir haben aus der Tschechoslowakei viel Küchengeschirr erhalten. Wenn außerdem noch die Kücheneinrichtung aus Hamburg kommt, haben wir doch an Küchencinricliiung genug. Nachdem ich die Kücheneinrichtung aus Hamburg erhalten habe, werde ich Ihnen mitteilcn, ob auf diesem Gebiet noch etwas fehlt und genau was. Vorläufig also keine Küchengerate kaufen. Die Zionistische Organisation hat mir inzwischen Betten und Decken versprochen. Ich werde mich bemühen, sie nächste Woche herzubekommen und der Sicherheit wegen nach Nahalal transportieren. Durch Herrn D. habe ich Arbeitsgeräte für Oartcnbau erhalten (ich habe ihm vor einem Jahre 25 £ zu diesem Zwecke gesandt). Vorläufig also auch Gartengeräte genug. Ich werde nach einiger Zeit eine genaue Liste der für Gartenbau fehlenden Gerätschaften Ihnen zukommen lassen. Wir haben noch nichts für Milchwirtschaft. Frl. G. sollte Ihnen eine Liste geschickt haben. Ich habe keine Kopie gesehen, aber ich glaube, die Liste Ist gut und gibt genau an, was wir brauchen, denn Frl. G, hat die Milchwirtschaft in Holland gelernt und kennt Palästina gut. Sie war die Mitgründerin des Kochkursus in Tel-Awiw, des Hotels, und wir werden auch zusammen an der Gründung der Mädchcnfarm arbeiten. Auch für Geflügelzucht haben wir noch nichts (außer dem Brutapparat). Ich habe auch nach Wien an Frl. N. S,, die diesen Winter in Palästina war und sich bereit erklärte, für uns zu arbeiten, geschrieben und um Oeflügelzuchtgeräfe, besonders Drahtnetz, gebeten. Denn ich glaube, wir werden eine große Geflügelzucht anlegen, weil in der Arbeitersiedlung Nahalal der beste Gefiiigclzüchtcr Palästinas sich niedergelassen hat und uns unter Bezahlung bei der Anlage und Leitung der Geflügelzucht helfen will und weil das ein für Frauen sehr geeignetes Fach ist. Wir brauchen 4000 m Drahtnetz, davon 2000 m 2'/» cm Maschenweite und 2000 m mit größerer Maschcnwcitc, etwa 5 cm oder noch größer, aber aus starkem Draht. Auch brauchen wir starkes Drahtgeflecht für einen Zaun um den Hausgarten und Hof. Wollen Sac so freundlich sein, sich mit Frl. S. in Verbindung zu setzen, damit Sie wissen, was sie zu besorgen übernimmt. Ich lege eine kleine Liste für Bienenzucht bei. Wir besitzen nur 15 Bienenstöcke, sonst nichts vorläufig. Da auf dem Lande viel Fliegen sind und in Nahalal speziell viel Moskitos, brauchen wir für alle Fenster und Türen, auch die Veranda?,- moskitoc ichte Drahtnetze. Wir beabsichtigen in der nächsten Zeit noch zwei Baracken (für je zehn Mädchen) zu bauen, damit wir Wohnplatz für 30 Mädchen haben. Frau H. schrieb nach Belgien wegen Röhren für Bewässerungsanlagen. Ich möchte gern, daß Sie die Sammlungen in Europa organisieren. Nähere Auskunft erteilt das Büro des Verbandes jüdischer Frauen für Kulturarbeit in Palästina, Berlin, Burgstr. 27 Büro 22 (etwaige Spenden sind frcuiullichst ״z. H. von , Frl Lychenheim" zu adressieren).

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