Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVIII (1923)
- Issue
- Heft 24 (23.3.1923)
- Date
- 1923-03-23
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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24 ■לא JUEDISCIIE RUNDSCHAU Seite 143 Kr. 24 ■־'״* l-Orj anי° ׳> es! >f‘ru s * e1ä;ll der Rc! :8!k'‘> häticn ' Rat zu bo! cI» au de- ׳on sh! nli, vor »innen :.׳!:€ h, dl, sich Gleich!bemlen re, A\: um Ja i 'tili,' i ,, Rat 1 ׳ /.■!,ilftrdnun' : 1il*iche Lin,;' ibersdtriiic•, t, Ce״. ci tä זי-י disqunü.;• ph ist, da׳;; wz sitl1cn,ן! 7. über d;1 ־ :mand, rciÜ t ober (£; •cn als p;. ו . ,, ~ r Zeit de» 1 tn; 1 :eit, die!■>_,1 tl innerhalb j 1 um Ver-; ciiikomraa! ren, wird» tm die pS. ,.J icvicle der 1 cn wurden,;• vom Oberf, t mitlcücii, i L'orltnei kretär dt• geg ebene flclves die ׳liängigkeit y Oor«, n, um die t der ara• vnzeu an• daß Pa• zen bele Absicht lalen lind ait diesem belianddn. nicht Pa• 1er Besitz env Ko• G e. indat»• j, Mandats j 5n unter• |■ eh dieses iij 4' einte der!.;! Wien U• 1 Heilige*1 Empfind־ n JaTfs ן n Jaff* b| 11 David rtiiicrP״ b:\Uctt. 1 David : p r a c11 fik Be)' (! richtete ־ [j/ifien* .;1 wurden n. Das ruitil ln Siebenbürgen Die Jtidcnhrit Groß-Rumäniens, die heute zirfc» 1 Million lühlt, stellt naturgemäß ebensowenig wie das übrige Volksmm dieses durch den Krieg um fast zwei Drittel vergrößerten j ,indes ein einheitliches Ganzes dar. Durch die Friedensschlüsse wimkn Rumänien Gebietsteile geschlagen, die, obwohl teilweise von rumänischer Bevölkerung bewohnt, doch in kultureller Beziehung Jahrhunderte lang eine vollständig gesonderte Entwicklung durchgemacht haben. Siebenbürgen mit seine״' n״!;arischen Milieu, der Banat, der ein Gemisch von jCimincn und Völkerschaften darstcllt, Beßarnbien, das in ,!cn alten russisch-ukrainischen Kulturkreis hineingehört, und die Bukowina, die am Rande der alten' österreichischen ,Monarchie ein Vorposten des Deutschtums war, wurden mit dem alten Königreich zu einer Einheit zusammengeschmolzcn. 1;s ist selbstverständlich, daß auch das Judentum in diesen lindern, grundverschieden voneinander, sehr wenig Beliiliriiiigspmiktc bisher gehabt hat, und es ist ebenso klar, daß die Gegensätze, die im Judentum zutage treten, sich nicht im Laufe einer so kurzen Zeit, wie sie seit dem Friedcnsschluß verstrichen ist, beheben lassen, um zur Bildung fuicr einheitlichen Gemeinschaft führen zu können. Der /,weck dieser Zeilen soll es sein, kur* die Verschiedenheiten «1er Judenlieitcn Siebenbürgens und des alten rumänischen Königreiches zu charakterisieren und zu versuchen, die EntvicUtingsmöglichkcitcn des rumänischen Judentums klarzulegen. Das am meisten assimilierte Judentum Oroß-Rumänlens ist das im Banat und das im alten Siebenbürgen. Hier hat das Judentum als Vorkämpfer des Magyarentums mit Erfolg versucht, in kultureller, geistiger un-d Wirtschaftlieber Beziehung dieselben Positionen elnzunchmen wie dies im übrigen alten Ungarn der Fall war. Die wenigen positiv jüdisch gednnten Kreise haben sich bemüht, in der Orthodoxie ein Konservierungsmittel zu finden, da ein nationales und politisches Leben unmöglich in Erscheinung treten konnte. Diesem streng orthodoxen Teil des siebenbürgischen Judentums steht das sogenannte neologe (liberale) Judentum gegenüber, das die Magyarisierung soweit als möglich durchzufiihren versuchte. Es sei gestattet, hier eine allgemeine Bemerkung Ober das ungarische Judentum einzuschaltcn und zu untersuchen, wie einerseits die ungarische Assimilation sich in einer so radikalen Weise durchsetzen und wie andererseits nach dein Zusammenbruch das ungarische Judentum so schnell einen Weg zu einem wenigstens nach außen hin zur Schau getragenen nationalen Judentum finden konnte. Es ist jedoch schwer, die Grenzen zwischen Orthodoxie und Assimilation zu ziehen, denn innerhalb dieser orthodoxen Gemeinden bestehen die größten Gegensätze Und ein sehr wesentlicher Teil der jüdischen Orthodoxie in Siebenbürgen hat den größten Teil der zur Assimilation geneigten Juden geliefert. In den meisten Gemeinden Siebenbürgens finden wir heute eine kleine Gruppe Sephardim, die aber keineswegs von spaniolischen Juden abstammen, sondern eine orthodoxe Gruppe darstellcn, die sich von der übrigen Gemeinde ■zurückgezogen hat, da ihr die bestehenden Einrichtungen nicht genug orthodox erscheinen. Dieser Teil hat sich als Sephardim bezeichnet, 11m von der Regierung das Recht, als eine besondere Gemeinde zu gelten, zu erhalten. Es ist nun demnach so, daß jeder orthodoxe Jude in die sephar- dischc Ocmcinde eintreten kann. Zwischen dieser Trennung»* Orthodoxie und den großen orthodoxen Gemeinden bestehen dauernd Differenzen, die das jüdische Leben im negativen Sinne beeinflussen. Wenn man jedoch vom Standpunkt der Volkscrhaltung und reinen Objektivität die Dinge auffaßt, so muß man gestehen, daß sich das jüdische Volkstum gerade in diese Trennungs-Orthodoxie zurückgezogen hat und ebenso heftig die Agudas Jisroel wie die Zionisten bekämpft, Die Gesamtheit dieser Trennungs-Orthodoxie unterhält in Bist ritz eine Kanzlei, die jedoch vollständig einflußlos ist und nicht imstande war, eine Organisation herbeizuführen. Die Masse derjenigen Juden, die dem Nationalverband ange- ■hören, rekrutiert sich aus den großen orthodoxen Gemeinden, womit jedoch keineswegs gesagt sein soll, daß das Gros dieser Gemeinden etwa aus orthodoxen Juden besteht. Der Gegensatz, der sich zwischen Zionismus und Neologentum herauskristallisiert, hat dazu geführt, daß der wesentliche Teil derjenigen Zionisten, die vom religiösen Standpunkt aus rur Ncologen-Gemcinde gehören würden, sich in den orthodoxen Gemeinden befinden, da es dort die Gelegenheit sicht, seine Interessen besser zu verfolgen. Darauf ist es auch zurückzuführen, daß in den Institutionen des Nationalerbandes, wie im hebräischen Gymnasium, auf die Stimmung der Orthodoxie besondere Rücksicht genommen wird, um so »ehr, als man hofft, durch einiges Entgegenkommen in späterer Zeit die Trennungs-Orthodoxie doch für den Wiede©■ «״tritt in die Gemeinden zu gewinnen. Das ungarische Judentum lat nicht, wie beispielsweise das deutsche Judentum, bei seiner Assimilation einen Austausch von geistigen Gütern durchgemacht. Das, was ungarische Kultur, Literatur und Kunst genannt wurde, war im Grunde fast ausschließlich jüdischen Ursprungs, der allerdings sorgfältig verleugnet wurde, Dieses Betonen des Ungarischen hat jedoch naturgemäß zu einem nationalen Chauvinismus des Judentums geführt, der vielleicht als das schlimmste Produkt dieser Assimilation gelten kann. Denn es ist klar, daß dem Judentum nichts fremder ist, als der chauvinistische Nationalismus der 15״,/arischen Juden, der heute plötzlich in denselben jüdischnationaler» Chauvinismus (nicht zu verwechseln mit Zionis- (:his) tihcrschlägt, wie er seinerzeit die Fahne des ungarischen Chauvinismus hochgchaltcn hat. Es kann jedoch nicht verhehlt werden, daß gerade in ncologischen Kreisen sich heute auch noch Teile des’Judentums genau so als tatsächliche Ungarn betrachten wie vor dem Kriege und daß die Einstellung dieses Judentums heute genau so wie ehemals als streng magyarisch bezeichnet werden kann. Als der Zusammenbruch des alten l!״garn erfolgte und die rumänischen Truppen in Siebenbürgen cinrücktcn, stand das ungarische Judentum Siebenbürgen® vor der Frage, wie es sich den neuen Verhältnissen 8״passen sollte. Die Rumänen, die man vor einigen Monaten ״och als eine in der Zivilisation zurückgebliebene Nation 1;erachtete und mit der man, solange man sich als Ungarn fühlte, nichts zu tun haben wollte: an diese Nation konnte sich nicht sofort assimilieren. Das Magyarentum mußte notwendigerweise von der rumänischen Regierung unterdrückt ®der zum mindesten in den Rahmen zürückgewiesen werden, der dun 613 «Ine Minderheits-Nation zukam, und es wäre politisch ilchcrlich der größte Fehler gewesen, wenn das ungarische Judentum auf seiner magyarischen Position verharrt und so der rumänischen Regierung gleichzeitig Oelegenheit gegeben hätte, den Kampf gegen Ungarn und Juden auf einmal zu führen. Außerdem ebbte die Sympathie für Ungarn durch die Pogromnachrichtcn aus diesem Lande ab. Es gab eine ganze Anzahl von Juden, die zur Erkenntnis kam, daß die Assimilation des ungarischen Judentums doch nicht vollständig!;einig gewesen war, um die Unterschiede der Rasse zu verwischen, und es gab wiederum einige andere Juden, die der Ucberzcugung waren, daß die Politik, die das ungarische Judentum durch Jahrzehnte verfolgt hatte, nicht der Weg gewesen ist, um den Juden für die Dauer eine politisch wertvolle Position zu aichern. Es kann nicht verschwiegen werden, daß es eina ganze Anzahl Juden in Siebenbürgen gibt, die für sich die Angelegenheit so erledigen, daß sie sich im Augenblick der Besetzung Siebenbürgens für cbensoguic Rumänen erklärten, als sie'früher iiir Ungartum betonten. Besonders merkwürdig ist der Fall eine• der rciciistcn Siebcnbürgcr Juden, der unter dem alten Ungarn den Adel erhielt und sein Ungartum nie genug betonen konnte und jetzt erklärte, daß er sich durch und durch als Rumäne fühle. Dieses Beispiel, das durch andere beliebig ergänzt werden könnte, stellt das typische Beispiel der Assimilationsbcweguiig dar, über deren Auswüchse gerade ln den letzten Jahren soviel geschrieben wurde. Aus den oben dargclegten Gründen war es klar, daß der jüdische National!•* mus, wenigstens von außen gesellen, ein ungeheuer leichtes Arbeitsfeld haben konnte, da er allein den Juden in dieser politisch außerordentlich schwierigen Situation einen Ausweg gezeigt hat. Die Gründung des Jüdischen Nationalverbände« für Transsylvanien, der außer dem Gebiet von Siebenbürgen das Judentum des Marmaroscr Komitates und das des Banats umfaßte, wurde deshalb von seiten des Siebcnbürgcr Judentums mit Freude begrüßt. Ursprünglich gegründet ausschließlich zum Zweck einer innerpolitischen jüdischen Politik, nahm er jedoch immer mehr, wiederum äußerlich gesehen, Elemente des Zionismus auf, die versuchten, die günstige Gelegenheit zu benutzen, um den Natm-nlvcrband zu einer schlagkräftigen zionistischen Organisation auszugcstalteti. Man glaubte, daß einerseits das neologe Judentum Siebenbürgens für die ganze Ideologie des Zionismus leicht zu erfassen sein werde, daß auch das orthodoxe Judentum froh die alten Fesseln, die es an seiner nationalen Entwicklung hemmten, abschüttcln werde und sich zum mindesten der misrachistischcn Ideologie zuwenden würde. Den Weg hierzu glaubte man zu sehen in einer auf allerbreitestcr Basis aufgebauten Propaganda. Man versuchte, in kurzer Zeit das assimilierte ungarische Judentum in ein zionistisches umzuwandeln. Man vergaß, daß Zionismus entweder, wenn er durch ein assimiliertes Judentum wie das deutsche erreicht wird, das Produkt eines Kampfes und einer langwierigen Erziehung sein muß, oder daß er, gestützt auf jüdische Werte, einfach die Feststellung dieser unbewußten Nationalität darstcllc. Die erste Zeit hatte es den Anschein, als ob der Weg, der eingcschlagen wurde, der richtige wäre. In Klausenburg entstand ein hebräisches Oymnasium, eine jüdische Tageszeitung, die unentbehrlichen Fußballklubs und die ebenfalls bei jeder westeuropäisch nationalistischen Ent- Wicklung notwendige Pfadfindtfrbcwegung.•■ An Stelle des ungarischen' wurde das hebräische'Kommando eingeffihrt, an Steile des magyarischen Chauvinismus der jüdisch-nationale. Der Rahmen, den man sich gesteckt hatte, war ungeheuer groß. In zwei bis drei Jahren sollte an Stelle der ungarischen Assimilation nationales Judentum treten. Die Mittel konnten nicht groß genug sein. Man vergaß jedoch, für das von angeb• lieh ungarischen, Idealen durchtränkte Judentum das wichtigste Mittel, das einzig positive, anzuwenden, nämlich den Palästina- Gedanken, Vielleicht nirgends ist so systematisch versucht worden, Palästina als bereits vollzogene Tatsache hinzustellen, als ein Land, das bereits fertig sei und das das eigentliehe Land der Juden sei, Sicherlich nirgend hat man so wenig versucht, dein Judentum klar zu machen, daß Palästina das Endziel eines Kampfes sein muß und daß gerade dieser gemeinsamc Kampf uns Stärke verleiht. Die jüdische Tageszeitung brachte nur gute Berichte aus Palästina. Weshalb also sich darum bemühen, was ja bereits da ist und was sich glänzend entwickelt? was kein Problem mehr ist und eine sichere Position darstcllt? Hingegen Konzentrierung aller Kräfte auf die Verbesserung der eigenen augenblicklichen Lage, — damit war der Weg gegeben, den der Nationalverband für Transsylvanien cinschlagcn mußte: Hintansetzung des Palästina- Gedankens, Kampf um politische Gleichberechtigung, letzten Endes Kampf um dieselbe Stellung in Rumänien, die das Judentum in Ungarn besessen hat. Die wenigen wirklichen Zionisten, die cs in Transsylvanien gibt״ haben sich teilweise durch die oben skizzierten Lockungen verleiten lassen, zu glauben, daß der Weg des Nationalvcrbandc* der richtige Ist. Sie könnten heute nur zurück, wenn sie etnsähen, daß es der falsche Weg war. Der andere Teil hat sich zurückgezogen, verärgert und voller Mißtrauen, und beginnt jetzt sich an manchen Stellen zu regen, um mit der Entfaltung positiver zionistischer Arbeit m beginnen, während der Nationalverband immer mehr in das Falirwasser einer neuen Assimilation treiben muß. Die leitenden Instanzen des Nationalvcrbandcs für Transsylvanien, der sich heute zionistisch nennt, sind teilweise von Männern besetzt, denen vielleicht vor ganz kurzer Zeit keine Weltanschauung ferner stand als der Zionismus, und die wohl bemüht sind, ihre bisherigen Anschauungen zu revidieren, jedoch für sich und die Gesamtheit dauernd zu allen möglichen Konzessionen bereit sind. Sicherlich wird gerade dadurch die Lage des Zionismus in Transsylvanien immer schlechter, da er die wenigen Zionisten dauernd zu Konzessionen zwingt und man vielleicht Konzessionen auf Grund einer starken Ideologie und einer starken Partei machen kann, niemals aber auf Grund der Tatsache, daß es Institutionen gibt, die sich zio* nistisch nennen, in Wirklichkeit aber alles andere als dies sind. Diese Kritik würde nicht vollkommen sein, wenn man nicht auch die positiven Dinge erwähnte, die doch geschaffen wurden. Das wesentlichste Ist sicherlich die Tatsache, daß das Judentum sieh doch langsam daran gewöhnt hat, den Namen Jude in anderer Weise zu führen als bisher. Es ist sicherlich so, daß die Chancen, die seinerzeit bestanden, auch heute noch bestehen und daß eine wirkliche zionistische Arbeit Aussicht auf großen Erfolg hat. Die Hilfsmittel für diese Arbeit sind ja. teilweise vorhanden. Das hebräische Gymnasium besteht,׳ «s brauchte gute jüdische Lehrer; aber die Möglichkeit, in die Jugend zionistische Erziehung hineinzutragen, ist doch der Tätigkeit des Nationalvcrbandcs zu verdanken. In dem jetzigen Zustande allerdings muß nun sich fragen, ob dlcto vorhandenen Hilfsmittel, wenn nicht eine Aenderung in der ganzen Richtung der Bewegung eintritt, nicht eher eine Gefahr als ein Vorteil lind. Der Gegensatz zwischen dem Judentum und dem Zionismus im alten Königreich und dem Nationalverband für Transsylvanien kann nicht besser als durch die Tatsache gekennzeichnet werden, daß auf dem großen Kongreß, der vor kurzer Zeit in Bukarest stattgefunden hat und dessen Aufgabe es sein sollte, die Wege zu finden, um den Juden Oroö-Rumäniens die im Versailler Friedensvertrag verbrieften Rechte zu sichern, der jüdische Nationalverband gemeinsam mit den wenigen assimilierten Juden des alten Königreichs gegen den zionistischen Vorschlag gestimmt hat.! In Kürze •ollen noch die politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse der Judenltcit Transsylvaniens gestreift werden. Transsylvanien ist im Augenblick ein Land, durch das di* erbittertsten nationalen Kämpfe wogen. Magyarentum, da» von Budapest unterstützt wird, Rumänentum und teilweise Deutschtum bekämpfen einander aufs heftigste. Die rege ungarische Irrcdcnta versucht naturgemäß, die rumänischen Regierungsstellen von sich abzuzichcn. Dies geschieht am besten durch den Hinweis auf den gemeinsamen Feind, die Juden. Nicht» ist bezeichnender dafür, als daß rumänische und ungarische Studenten sich einig waren über die Frage des numerus clausus, und auf der Klausenburger Universität auch die Vertreter der ״Sachsen“ (Deutschen) nicht» gegen die Vergewaltigung der Juden cinzuweiiden hatten. Und natürlich ist e» auch, daß die Rumänen sich noch an das Gestern erinnern, wo Ungarn und Juden gemeinsam die Rumänen unterdrückten. Denn cs war selbstverständlich, daß der ungarische Chauvinismus der Juden auch zum Ausdruck kam gegenüber den übrigen Minoritäten des alten Ungarn. Das Judentum, politisch unreif und unerfahren, ist nicht imstände, eine wirklich großzügige Politik zu führen. Hierzu kommen die Zersplitterungen, die trotz des Nationalvcrbande» tatsächlich bestellen, die Unterschiede zwischen Neologen und Orthodoxen, die mangelnde Organisation des Judentum• und die unzureichenden Kräfte, die zur Verfügung stehen. Auch liier ist cs jedoch so, daß eine von verständigen Männern geleitete zionistische Landespolitik volle Aussicht auf Erfolg hätte, da die Juden in Transsylvanien geistig und wirtschaftlich einen so bedeutsam(?״ Faktor darstellcn, daß, sobald die beiden Parteien einsehen würden, daß das Juden* tum eine wirklich gut organisierte kompakte Masse dar* stdit, sie es sich angelegen sein ließen, sich den Einfluß dieser Masse zu sichern und es so ein leichtes wäre, die Neutralität in diesem nationalen Kampfe zum Vorteil des rumänischen Staates und zum Vorteil des Judentums aufrecht zu erhalten. Die wirtschaftliche Lage de» transsylvanischen Judentum» muß im Augenblick als eine ungünstige bezeichnet werden. Siebenbürgen, als Teil der alten ungarischen Monarchie, hat nicht so schnell eine Umstellung vornehmen können, wie e» notwendig gewesen wäre. Die Zollgrenzen, die den Handel ' nach dem alten Oesterreich-Ungarn sperren, die schlechten Kommunikationsverhältnisse und vor allem auch die Unkenntni» der Landessprache haben der Judenheit wirklich einen schweren Schlag versetzt. Hinzu kommt eine ungeheure Oeldkrisi», die mit der Finanzpolitik Rumäniens zusammenhängt. Trotzdem sind hier die Aussichten für das transsylvanische Judentum nicht ungünstig. Im Besitz von fast allen Rohstoffen ist Groß-Rumänieu eines der reichsten Länder Europas, und die jüdische Intelligenz ist sicherlich dazu berufen, bei der För* derung der nicht gehobenen Landesschätze regen Anteil zu nehmen. .W, T, Die lea und das jüdische Emlgratlonsprotlem London. (J. P. Z.) In der am 4. März in ־ London abgehaltcnen Sitzung der ״Anglo Jcwish Association“ teilte der Präsident d’Avigdor O 01 d s m i d u. a. bezüglich der neuen Leistungen der ״Jewish Colonization Association“ fol* gendes mit: Das Emigrationsproblem beansprucht auch weiterhin die genaueste Aufmerksamkeit der Ica. Die Ica ist bemüht, die Arbeit der verschiedenen europäischen Emigrationskomitees zu koordinieren und sie unterhält die engsten Beziehungen zu denselben. Der Vertreter der lea, Mr. Oungre, besuchte diesen Herbst die Gesellschaft ״Ezra“ In Antwerpen und zwei Beamte wurden beordert, sich mit det Lage in Rumänien und in K o n s t a n t i n o p e l zu be^ schäftigcn. Um die Interessen der Emigranten so weit als möglich zu schützen, hat die Ica Uebcreinkommen getroffen, Geldüberweisungen für ihre Schützlinge in der Valuta des Ursprungslandes .durchzuführen, was die Emigranten vor Verlusten beim Umwechseln schützt. Die Ica hat cs auch trreicht, wesentliche Reduktionen der Schiffahrtspreise zu bekommen. Während die allgemeine Emigration aus Polen Im Jahre 1922 wesentlich kleiner als 1021 war, ist prak* tisch eine doppelte Zahl wie voriges Jahr nach Argentinien ausgewandert, und infolgedessen war das Emigrationsbüro der Ica in Warschau außerordentlich beschäftigt. Während des letzten Quartal» 1922 wurden 1063 Personen auf ihrer Reise nach Argentinien durch dieses Büro unterstützt. Die Evakuicrung der russischen Flüchtlinge in den Rayon cn von Rowno und Lemberg, die von den lokalen Emigration»• komitccs unter der Kontrolle der ica durchgeführt wurden, ist andauernd zufriedenstellend; 850 Personen sind neulich evakuiert worden. Die Zahl der in Argentinien anlangcndcn Emigranten beträgt zirka 750 monatlich und die Gesell- Schaft zum Schutze der jüdischen Immigranten in Bucuo» Aires arbeitet jetzt gemeinsam mit der lea. Schritte sind unternommen worden, uni die Evakuierung der Flüchtlinge aus Konstantinopel zu sichern. Diese Angelegenheit war sehr dringend und wurde im Dezember vorigen Jahres und im Januar d. J. durch den Inspektor der Ica. Mr. Yanowsky, unter Beihilfe des lokalen Amtes des Völkerbundes und des Verbandes der gegenseitigen Hilfe der russischen■ Juden er- Icdigt. Von den in Konstantinopcl im Jahre 1922 befindlichen 3000 Flüchtlingen, waren mehr als 1000 bestrebt, die Stadt zu verlassen, sie konnten aber aus Mangel an Mitteln dies nicht tun. Trotz der Beschränkungen, die die Immigration In einige überseeische Länder so erschweren und dank den speziellen, durch die Behörden von Argentinien und Palästina erteilten Ermächtigungen, sind mehr als 700 Flüchtlinge evakuiert worden, von welchen 155 nach Argentinien und 310 nach Palästina gingen. Im Hinblick auf den ständigen Emigration!• ström aus Rußland, hat die Ica ihr Büro in Konstantinopel wieder eröffnet, , 1 . ׳ /- r •■ ׳ f _______