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Jüdische Rundschau · 1923-03-23 · Heft 24 (23.3.1923) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVIII (1923)
Issue
Heft 24 (23.3.1923)
Date
1923-03-23
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 144 JU ED IS CHE RUNDSCHAU ^!T | ,Jugendbewegung Der Bla» ■Weiß und seine Gesetze Von Mawrlki Kl h n, Leipzig. I. Die Tatsache, daß fast im selben Augenblick, ln dem der Blau-Weiß sich für d c n Zionismus restlos entschied, ihm von der Zionistischen Organisation äußerster Kampf angesagt worden ist, ist schon an sich sonderbar. Seltsamer noch wird die Sache, wenn man bedenkt, daß dieser Kampf gerade zu der Zeit entbrennt, in der der Blau-Weiß, gestützt auf seine Menschen, den Versuch unternimmt, ernsthaft etwas für den Zionismus zu tun, zu der Zeit, in der es jedem Einsichtigen klar werden muß, daß die Entscheidung von Prunn für den Blau-Weiß keine literatenhafte Stellungnahme, keine Sympathieerklärung bedeutete, sondern die verbindliche und verpflichtende Willenserklärung einer mündig gewordenen Jugendbewegung. Der deutsche offizielle Zionismus nun beginnt gerade in diesem Augenblick den Kampf gegen den Blau-Weiß. Zunächst schien dies den Menschen im Blau-Weiß unbegreiflieh: Man hatte in derselben freudigen Zuversicht, mit der man neu im Bunde stand, erwartet, daß das zionistische Werk dadurch, daß der intensivste Teil der nationaljüdischen Jugend in Deutschland verpflichtend an ihm Anteil zu nehmen gewillt war, zu einer ungeahnten Entfaltung von Leistungen in menschlicher und sachlicher Hinsicht gelangen würde. Diese Erwartung hat sich nicht erfüllt. Das Gegenteil trat «in, ln Cassel fanden die deutschen Zionisten als einzig angemessenen Platz für den Biau-Weiß nur die Anklagebank. Das K. J. V., um dessen Bündnis sich der Blau-Weiß nun werbend bemühte, fand dies zu einer Erwägung nur wert, als das geeigneteste Mittel den Blau-Weiß zu bekämpfen. Das offizielle zionistische Organ, die ״Jüdische Rundschau“, veröffentlichtc offiziös die Stellungnahme des Landesvorstandes der Z, V. f. D״ die an sachlicher Auseinandersetzung alles, an übelster Polemik nichts zu wünschen übrig ließ. Dies ist, ungeschminkt gesagt, die Situation. Sie Ist sonderbar und bedarf einer Erklärung. Aber diese Erklärung kann nur so gegeben werden, daß die gesamte Einstellung des Blau-Weiß aufgedeckt wird:־ Denn nur dadurch wird •le ganz bewiesen werden können. Dieser Aufsatz hat nicht zum Ziel, die ganze Aufgabe zu bewältigen. Ihm werden andere folgen, die cs zu vollbringen suchen. Seine Angelegenheit ist nur,, den Komplex der Fragen zu klären, die mit den Anwürfen gegen das Gesetz, gegen die Verfassung des Bundes zu tun haben. Er soU zugleich beweisen, daß diese Dinge im Blau-Weiß weder eine ״Bagatelle“ sind, wie cs Pleßner meint, noch durch die Phrasen der Randbemerkungen des Landesvorstandes Irgendwie getroffen werden können, II. Oesetze bedeuten Forderungen. Sie sind erst dann legitim, wenn sie notwendig sind. Notwendig sein aber bedeutet, daß ohne sie die Erfüllung gestellter Aufgaben unmöglich ist, daß das Ziel sie fordert. Sie sind Ausdruck einer höheren Forderung; und sic drücken dies aus, indem sie selbst fordern. Das System solcher Forderungen heißt eine Verfassung. Sie deckt einerseits das Wesen der Sache, andererseits ihre Erfordernisse auf. Hierin liegt schon, daß sie nicht subjektiv beschlossen sein kann, sondern als objektive Notwendigkeit sich ergibt. Ist dies ailgemefnhln Wesen von Gesetzen, so begreift man, wie absurd die Vorstellung ist, das Gesetz wäre in Prunn den armen Blau-Weißen oktroyiert, ״geoffenbart“ worden. Es ist von der Leitung nur ausgesprochen worden, getragen haben es alle Menschen, die den Gedanken des Blau-Weiß trugen. Die Entwicklung des Blau-Weiß hat das Gesetz gefordert; nur darum ward es anerkannt. Darum hieß es auch, daß diejenigen, die es nicht anzuerkennen vermögen, nicht mehr im Blau-Weiß sein können: Sie (rügen nicht mehr die Entwicklung des Bundes. Was erforderte die Entwicklung? Was bedeutet das Oesetz? Der Biau-Weiß hatte sich zu einer Aufgabe entschieden; zur zionistischen Aufgabe. Er begriff ihre Schwere. Er begriff, daß das Ideal deutscher Jugendbewegung •— der ln allem freie Mensch — im Widerspruch zu den Erforder• nissen der Aufgabe stand. So zog die zionistische Entschcidüng nach sich: Verzicht auf die Freiheit, Uebcmahme der Erfordernisse der harten Notwendigkeit des Augenblicks,׳ Fügung dem Werk. Freiwilliger Dienst, freiwillige Bereitschaft, den Forderungen der Aufgabe zu genügen: Dies war die Losung.. Eine solche Losung kann eine Phrase sein. Und fst eine Phrase, wenn aus ihr heraus nicht Verolndlichkeit für jeden Einzelnen entsteht. Solche Entscheidung ist Immer billig, wenn sie nicht Folgen nach sich zieht. Die» ist der Sinn der Oesetze: Jeder Einzelne, der sich verpflichtet, nimmt Pflichten schwerster Art auf sich. Ob er sich verpflichtet — hierin hat er die Freiheit der Wahl; wenn er sich verpflichtet, so wird er Diener einer Sache, die höchst real in sein ganzes Leben eingreift. Nur durch eine solche Verpflichtung hin• durch kann es zu jenem Ernst des Bekenntnisses kommen, der uns dem Zionismus gegenüber einzig am Platz zu!ein scheint. Dies Ist der Sinn dessen, was wir Oesetz nannten: Innerste Bindung durch freiwillige Zuordnung. Vom Zwang ist bei all dem nicht viel zu merken. Vom Ernst freilich desto mehr. Die Gesetze haben die Aufgabe, den Ein-!einen im ernstesten'Sinne zu binden. Ohne solche Bindung ist die Durchführung der Aufgaben, in deren Dienst der Blau-Weiß getreten ist, unmöglich. Die Verpflichtung auf das Gesetz ist der Akt der Entscheidung für jeden Einzelnen, der Entscheidung für den Bund und damit für die Aufgabe — oder gegen den Bund und damit gegen die Aufgabe, Die Fähigkeit, solche Entscheidung zu fällen, hängt nicht vom Alter, sondern nur von der Reife ab. Die Notwendigkeit solcher Entscheidung, die ״den ganzen Bezirk des Lebens umfaßt", ergibt sich aus der ungeheuren Oröße der Aufgabe, aus dem ״beispiellosen Beruf“, zu dem der Blau• Weiß sich verpflichtet fühlt: Aus dem Zionismus. Wenn man ernsthaft das Problem wägt, wenn man ernsthaft bedenkt, daß die Aufgabe des Blau-Weiß' eine pidagagischc ist, 80 wird es klar werden, daß gerade der Blau-Weiß vor solcher Bindung seiner Menschen sehr lauge zurückgeschreckt ist. Ein Zug, der Gesamtbund können ohne sie existieren. Existieren — aber nicht wirken. Erst dadurch, daß der ״Bund" Ziel und Aufgabe bekam, •ich dem Zionismus verschrieb — erst dadurch wurden die Oesetze notwendig. Hier wird klar, wie absurd und wie böswillig die Behauptung ist, der Bund sei für den Blau-Weiß Selbstzweck geworden. Der Dienst am Volk, der Dienst am Werk des jüdischen Volkes Ist einzig maßgebendes Prinzip des Blau• Weiß. Der Bund ist ihm ein — freilich innerst notwendiges — Mittel, diesen Dienst ganz erfüllen zu können. Nie ward der Bund mit einer Gloriole umgehen; die Gloriole des Dienstes aber ward Immer empfunden. In diesen Zusammenhang gehört es, die Demagogie aufzudecken, die in den Randbemerkungen zum Oesetz zu finden ist: Jene Argumentation, daB eines Tages der Blau-Weiß gegen den Zionismus auftreten könnte. Schon abgesehen von der Billigkeit der Ableitung dieses Argumentes von der Be- Stimmung, daß die Zugehörigkeit zu einer Partei Billigung der Leitung bedarf — eine Bestimmung, die keiner politischen Bewegung fremd ist ■— abgesehen hiervon muß festgcstcilt werden, daß die Verfasser der Randbemerkungen gewußt haben, daß der Biau-Weiß schon in Prunn erkannte, daß seine Berechtigung und sein Sinn einzig im Zionismus liegen. Diese Erkenntnis war die Erkenntnis von Prunn. Dies unterschlagen zu haben, gehört nicht zum Ruhme des Landes- Vorstandes. Auch die Erwägung, eine Bundesleitung ״könnte“ einmal gegen den Zionismus sein, ist wenig ernst. Die Bundes- Icitung ״könnte“ es in des Wortes wahrer Bedeutung nimlieh nicht. Sie würde sonst den Oedahken des Biau-Weiß ad absurdum führen. in. War bisher die Rede vom Oedanken, der in den Oesetzen liegt, vom Ocist, aus dem heraus sie entstanden (und der, wie es scheint, wenig mit ״fascistischem“ Geist zu tun hat), so ist jetzt über Ihren Inhalt zu sprechen. Ihrer Aufgabe gemäß kristallisieren sich die Oesetze um den Satz: ״Die Menschen des Blau-Weiß stehen zur Disposition der Bundesleitung." In ihm ist der Oedanke der Verpflichtung am klarsten, ausgeprägt, in ihm Ist auch — was zum Zentrum aller Angriffe geworden ist •— die Bundesicitung als die Instanz genannt, der gegenüber die Verpfllchtung gilt. Ihre Einzelrcchte, die ferner im Gesetz angegeben werden, folgen aua dieser Orundthese. In Ihr liegt auch das Bild der Armee beschlossen. Es wird möglich sein, den ganzen Umfang der Gesetze zu durchmessen, wenn man den Umfang dieses Grundsatzes ermißt. Ein Gesetz hat zum Inhalt Rechte und Pflichten. Rechte einer Instanz, Pflichten des Einzelnen. Oberste Instanz des Blau-Weiß ist die Bundesleitung. Oberste Pflicht des Einzelnen ist, ״den Anordnungen der Bundesicitung Folge zu leisten“. Wie muß die Instanz sein, um die Forderungen zu 'teilen, wie muß der Einzelne sein, um ihnen zu genügen? Die Bundesicitung muß der Träger des Oedankens des Biau-Weiß sein, le premitr serviteur de l’dtat. Nur als solcher kann sie auf Anerkennung, rechnen, nur wenn sie das Vertrauen besitzt, nur dann wird ihren Anordnungen genügt werden. Einer Willkürherrschaft aber hat man noch nie Vertrauen entgegengebracht. Es ist zum allermindesten höchst unwahrscheinlich, daß eine Führerschaft, d. h. Menschen, die immerhin Freiheit und Wirksamkeit entfalten, sich einer Willkürdiktatur fügt Nur so kann die Bundesicitung die Leitung des Bundes inne haben, daß sie das Vertrauen aller besitzt Ein Mehrheitsvotum, genügt nicht. Darum ist die Form im Biau-Weiß entstanden, daß Mehrheit«• entschcidungcn nichts bedeuten können: Bedeutungsvoll kann erst die Einmütigkeit des gesamten Bunde» werden. ' Die Bundesicitung ist Träger dieser Einheit des Bundes, Sie besteht aus den Menschen, die kraft ihrer Bedeutung den obersten Rang innehaben. Daß hierüber eine Mehrheit entscheide, ist unmöglich: Hierüber entscheidet die Einmütig, keit des Bundes. Das ist der Sinn dessen, daß nichts über die Form der Einsetzung der Bundesicitung gesagt wurde. Das ist der Sinn der geschmähten Ueberzeugung des Blau-Weiß, seir.e Bundesicitung könne nicht gewählt werden, der Ueber■ zeugung, daß die so gegebene Freiheit nie in Willkür um״ schlagen kann, der Ueberzeugung, nur einer solchen unwähl• baren, freien Instanz könne wirklich Ochorsam entgegen• gebracht werden. Der Gehorsam Im Biau-Weiß ist auf Ueberzeugung ge׳ gründet. Alle Ueberzeugung aber ist ein Akt freier Einsicht. Die Menschen der Armee des Biau-Weiß haben nicht zu parieren, sind keine Nummern, denen ״befohlen" werden kann: Sie sind Freiwillige, deren menschliche Geltung ganz anerkannt wird, die aus tiefster Ueberzeugung Gehorsam üben im Dienste des Werkes, für das sie sich entschieden haben. Der Kadavergehorsam eines Soldaten ist Zeichen seines Unwerts und seiner Unfreiheit, der Gehorsam des Einzelnen im Biau-Weiß ist Zeichen über die Willkür er• hobener Freiheit, die sich ah der Möglichkeit freiwilliger Bindung bewies. Dieser Sachverhalt, der nichts mit dem Aufbau des preußischen Militärs zu tun hat, liegt schon Itn Zuge begründet. Wer das Verhältnis von Führer und Wanderer kennt, weiß, daß ca im Vertrauen und menschlicher Anerkennung wurzelt, nie sich (wenn der Zug unserem Bilde entspricht) im Befehl oder gar Zwang ausdrückt, und, daß nie Willkür des Führers, nie Gehorsamsverweigerung Vorkommen kann (was nicht aus• schließt, daß alle menschlichen Konflikte möglich sind). Die Einsicht in die Struktur des Biau-Weiß ist notwendig, um das Ausmaß und die innere Berechtigung des Gesetzes zu erkennen. Es sei eingeräumt, daß für denjenigen, der das nicht kennt, Mißverstehen entstehen kann. Aber es sei zu׳ gleich fcstgesteilt, daß diejenigen, die es mißverstanden haben, den Sachverhalt kannten. Die Kenntnis dieser Struktur des Blau-Weiß, die tief in seiner pädagogischen, wie auch heute seiner politischen Tendenz wurzelt, klärt den Inhalt der Gesetze. Man versuche von hier aus und ohne Voreingenommenheit, das Oesetz noch einmal zu sehen: Wir sind überzeugt, man wird nichts in ihm finden, was ״berüchtigt“ sein könnte. Nicht einmal das Pathos der Preambel — auch wenn Journalisten cs un׳ erträglich finden. JV. Dies genüge, den Sachverhalt zu klaren. Nur eins ist noch zu fragen, um auf das eingangs an gedeutete zurückzukommen: Wo liegen die psychologischen Grundlagen dafür, daß der Biau-Weiß und seine Oesetze so radikal mißverstanden worden sind? Wir meinen, im folgendem: Die Ideen, die In ihnen ihren Ausdruck fanden, die Idee des in Freiheit übernommenen Dienstes, des Selbstbekennt• nisses, der eisernen Selbstzucht, sind dem Oaluthjuden fremd und unverständlich. Dem Zionisten freilich mülten sie klar sein, Theodor Herd waren sie geläufig. Nr. 24 Man hat hierauf, wie auf alles Fremde, durch lehmmg reagiert. Man besaß die Oröße der Ancrkcnnur., ■ neuer, bedeutsamer und vor allem verpflichtender Din-', nicht. So lehnte man sic ab und tat dies In der typis^ Art: Man zerdiskutierte sic, zerrte sie in Polemik. Die Ungläubigkeit des Oaluthjuden befreienden Erlebnissen gegif|, über verriet sich aufs deutlichste. Es war dieselbe, we״l. schöne Tendenz des heutigen Juden, Ueberlegenheit f, heucheln, wo nur maßloses Unvermögen bestand. Es!!! dieselbe Tendenz, die sich zu Hcrzls Zeiten und auch no-jj heute gegen den Zionismus aullchnt. Daß freilich die Träg,, solcher Tendenz Zionisten sein konnten, hat der Blau-We!! nicht glauben können. Aber er weiß aus anderen Kämp!^ wie er sich ihr gegenüber zu verhalten hat. Gencralionsuntcrscbiede? Von Richard Markel, Hamburg. Martin Bandmanns Versuch, den gegenwärtigen Meinung kampf innerhalb de* deutschen Zionismus aus dem Unit!, schied zweier Generationen zu erklären (״J. R.“ Nr, 21),i darf nicht unwidersprochen bleiben. Er muß, wie alle Vct. suche, die Fragen unseres Lebens auf eindeutige Formeln zu bringen, einseitig bleiben und den Fehler in sich traget, nicht alle in Betracht kommenden Tatbestände erklären ® können. Allein die Tatsache, daß es sich bei unseren Qeger. Sätzen nicht nur um solche zwischen K. J. V. und Blau-WeU, sondern ebensosehr um solche innerhalb des Blau-Weiä handelt, widerlegt die von ihr״ entwickelte Theorie, so geig, reich sie sein mag und so geeignet sie ist, verschieden* Entwicklungsstufen innerhalb des Zionismus überhaupt ® erklären. Die Tatsache, daß Bünde wie Frankfurt, Wie!, baden und Fulda und noch eine ganze Reihe fürs erste noch schwächerer Oruppen innerhalb derselben Ocneration die gegenwärtige Entwicklung des Biau-Weiß aus einheitliches Anschauungen heraus bekämpfen, ist ein Zeichen dafür, d«B et sich nicht um Generationsunterschiede handelt. Wir sollten ei vermeiden, in dem Bestreben, zu unserer Rechtfertigung die natürliche Notwendigkeit unserer Stellung naclizuwthen, Tatsachen des Lebens In den engen Rahmen einer theorett- Chen Begründung einzuzwängen, die Hierzu viel zu vielzeitig sind. Daß e* innerhalb des Zionismus Oenerationsunterschiedt gibt, wird von niemand bestritten werden. Die Unterschiede zwischen ״Qaluthzionismus“ und ״Palästinazionismus‘1 kern, zeichnen ihn. Aber dieser Gegensatz in der Verwirk• lichung des Zionismus durch die Tat des Einzelnen war niemals Gegensatz der Anschauungen gewesen und ist ea auch jetzt nicht. Beiden Generationen des Zionismus bt die Forderung der Rüdekehr nach Erez-lsraei gemeinsam, nur daß die ältere sie zur Zeit ihrer Jugendkraft nicht ver■ wirklichen konnte und später nicht mehr imstande dazu ist, wahrend die jüngere sic im Besitze ihrer Jugendkrait ver• wirklichen kann. Die Gründe hierfür, die in der jeweiliges weltpolitischen Lage des Zionismus liegen, »ind allgemein bekannt. So hat sich denn auch, eben weil e» kein Unterschied der Anschauungen ist, die ältere Ocneration immer ln den Dienst der jüngeren gestellt, wo es sich darum handelte, der jüngeren die Verwirklichung zu ermög. liehen. Das geschah stets und geschieht weiter (Unter• Stützung der Hachscharah und Alijah z. B,). Wenn ea jetzt zum Ausbruch dieses unglücklichsten aller inneren Kämpft gekommen ist, so liegt es an dem Oeist, in dem diese Verwirklichung geschieht, und an der Form, die ihr zugrunde gelegt wird. Und das sind keine Oenerationsunterschiede, wie die bereits angeführte Tatsache beweist. Der Kampf richtet sich gegen den Ocist dieser Ver• wirklichung, gegen jene einseitige Betonung allein des Oe• dankens der Ucbcrsiedlung nach Palästina, als ob damit die Aufgabe erfüllt wäre, die uns, der jüdischen Jugend• bewegung, gestellt ist. Mit der Uebersicdlung allein ist es nicht getan. Gehen wir denn nicht nach Palästina, um dort in sozialem Aufbau eine jüdische Kultur erstehen zu lassen? Deshalb genügt nicht Uebersiedlung überhaupt Wich• tig ist ohne parteipolitische Stellungnahme die mensch• liehe Einstellung zu der Art, in der Palästina aufgebaut werden soll. Für wen, der jüdische Jugendbewegung erlebt hat, ist es nicht selbst verständlich, daß Ercz-Israel gemeinschaftlich aufgebaut werden muß? Ergibt sich da» nicht aus dem ״Erleben des Zuges (Lebens)“, von dem so oft die Rede ist? Und ist nicht dann der Anschluß an und die Einfügung in das Aulbauwerk der palästinensischen Arbeiter• schalt eine ebenso selbstverständliche Forderung, wenn für den Blau-Weiß nicht der Bund, sondern das Volk die höchste Gemeinschaft ist, der er dienen will? An dieser Frage aber versagt der Biau-Weiß, Er hat es nicht vermocht, diese menschliche Forderung unserer Gesinnung in Einklang zu ^ringen mit jener Tatsache, daß Palästina in wesentliche» Maße durch Privatkapital aufgebaut werden muß. Ei entstand jene• bekannte Bild vom ״königlichen Kaufmann“ und leinen Nachfolgern, die alle ln derselben Richtung gehen. An der Schwierigkeit der Frage, für die es eine Lösung gibt, wenn man sich nur ernsthaft um sie bemüht, ist der Biau-Weiß ge• achcitcrt. Versagt hat er aber auch gegenüber der kulturellen Forderung. Nach verschiedenen Anläufen, aus denen hervor* ging, daß noch nicht die genügende Spannkraft für ihre Er• füllung vorhanden war, gelangte man zu jener Verwässerung, die «ich aui das Erlernen des Hebräischen als Sprache beschränkt, gelangte man zu jener Theorie der Rechtfertigung, daß ea (mit einem Bilde) erst notwendig sei, ein Haus zu bauen, bevor man sich hineinsetzt, um zu ״lernen", oder konkret, daß der Aufbau in Palästina wichtiger sei als aüt Beschäftigung mit den Werten jüdischer Kultur. Welche Ver• kennung der Wahrheit, daß allein eine Synthese, eine gleichzeitige Arbeit an sich im Sinnt der Forderung der Chaiuziuth und der Be• chiftigung mit unserem nationilen Schrift• tum, der Weg zum Bau unsere* Hauses, eines jüdischen Palästina, Ist! Unser Kampf richtet sich auch gegen die Form der Ver• wirklichung, jene Autokratie auf der Grundlage der ״Verpflich fllnrr« fW RI... 1--״.״ , . _ Nl; i eine daß!’,und die ' ec nu s.1 וr.lt di ei' übe seit bei« leb«‘ l I Ursa׳ | wir fi durch offen ist, 1 I re n zu s ■ für: sin«1 die Der , Ströi bis '• der : Lebe; Stan<, freie Haar Iso Bl lief Dbiic sie i die', Seite, zu Wi; wird, vor*' ,1׳ 1 1;1 sind info Pub! Win I 1 *■'י1 י י I :'׳; 15!I kak' ״•׳1׳f; Moi ü;1' Hei1 ־ ׳•:h rur 1"4 . zu י ״ י r; Jot• kon r . 1; ll fe:a•; ■יו V י י* ♦ i. ■ n-•; I? T« ■: 11 tung“. Der Biau-Weiß in der Verkennung der wertvollsten, fruchtbarsten Triebkräfte des Lebens, gab sich sein Oese« und unternahm das, was wir als ein Verbrechen gegen dir Freiheit der persönlichen Entwicklung des Einzelnen empfin• den. Dies braucht nicht näher ausgeführt zu werden, da e* schon zur Oenüge erörtert worden ist. Betont soll nur werden, daß sich höchstens eine' Autokratie innerhalb des Zuge• rechtfertigen lilt, im Kreise der ״Reiferen“ acet V »

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