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Jüdische Rundschau · 1923-03-16 · Heft 22 (16.3.1923) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVIII (1923)
Issue
Heft 22 (16.3.1923)
Date
1923-03-16
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 132 JUEDISCHE RUNDSCHAU Aktionskalender der Z. V. f. D. ’Augsburg: 1. Febr.: Gründung der Ortsgruppe. Vortrag von Dr. Robert Katt (München). Bamberg: 28. Jan.: Dr, Weichselbauni: Die Entwicklung des Zionismus. — 10. Fcbr.; Kpl.-Ing. Roer: Ke wirtschaftlichc Lage Palästinas. — 13. Febr.: Dr. Weichselbamn: Max Nordau. Berlin: 18 Mitgliederversammlungen der Bezirksgruppen der B. Z, V., des Zionistischen Jugcndvcrcin* und der Gruppe der Zionisten aus dem Osten. Brandenburg: 7. Mart: Karl Glaser: Juden und Judenlinsser. (Ocffcntllchc Versammlung.) Breslau: 25. Febr.: Palästina-Film. — 6. März: Dr. Majerczyk, (Berlin): Industrielle und kommerzielle Probleme in Palästina. — 12. März: Dr. Nahum Goldmann: Der Jude als Schöpfer. (Ocffcntliche Versammlung.) ,Cassel: 10. Febr.: Nordau-Fcicr, Gedenkrede li-A. Dr. Gronemann (Berlin). Chemnitz: 8, Febr.: R. Weißkopf: Bericht über die Sitzung des Actions-Comitäs. — 25. Febr.: Dr. Geis: Unsere Forderungen au die Talmud-Thora. — 19. Febr.: Dr. Nahum Goldni.mn: Judcnland und Judcnschicksal. (Ocffcntliche Versammlung.) — 22. Febr.: Dr. Adler (Leipzig): Ke zionistische Bewegung und die Jugend (Zionist. Jugendverein). — 8. März: Diskussionsabend Cottbus: 1. März: Dr. Hantke: Jüdische Politik. (Oeffcntliehe Versammlung.) Danzig: 3. Febr.: Dr. Kurt Rosenthal: ״Antisemitismus“.!— 15. Febr.: Prof. Dr. Heinrich Loewe: Dem Andenken Max Nordaus. (Ocllcntliche Versammlung.) 18. Febr,: Palästina-Fdm. Dresden: 6. Febr.: Literarischer Abend. Düsseldorf: 7. März: Walter Stiel: Die deutsche zlonistlsche Jugend. Elberfeld: 14, März: Ocffcntliche Versammlung, Referent: Dr. Emst Simon. Frankfurt a. M.: 20. Febr.: Nordau-Gedenkfeier, Ocdenkrede: R.-A. Dr, Oronemann (Berlin), —. 6. März: Palästina-Film.; Gelsenki rchen: 18. Febr.: Palästina-Film. Oöriitz: 4. März: Paliistina-Film. ' Gotha: 17, Dez. 1922: Chanukkahfeler. — 4, März: Purimfelcr. Halle: 13. März: Rabb. Dr. Emil Levy: Was verdankt der Zionismus dem religiösen Judentum? Hamburg: 26. Febr.: Bialik-Feier (Ivria)'. — 27. Febr.: Stampfer: Die genossenschaftliche Siedlung ln Palästina und Dr, Pardo: Die Steilung des internationalen Proletariats zum Zionismus. (Hapoel-Hazai'r.) — 11. März: Ostjudentagung, Referenten: Dr. Helft, Davis Trietsch, Jakob Sandbank, Lazarus Barth. — 12, März: Cohn-Schechtcr und Alex. Adler: Kulturarbeit oder Kulturkampf in Erez-Israel. Hellbronn: 18. Febr.: Palästina-Film. Herne: 11. Febr.: PalästLna-Film. Insterburg: 12, März: Karl Glaser: Wir Juden und der Antisemitismus. (Oeffentllche Versammlung.) Ktel: Mitglieder-'Versammlung, Referent: cand. med. Solo Juliusburger. Köln: Dr. Nathan: Die politische Situation Im Zionismus. — 14. März: Rabb. Dr. Emil Cohn: Der Groll des Juden. (Ocffcntliche Versammlung.) Königsberg: 25. Febr.: 2. Aufführung des Palästina-Films. — 13. März: Karl Glaser: Wir Juden und der Antisemitismus. (Ocffcntliche Versammlung.) Landsberg: Dezember: Makkabäerfeier. — 25. Febr.: Nordau-Gedcnkfeier, anschließend öffentl. Vortrag von Regicnmgsrat lians Goslar: Die Zukunft der deutschen Juden. Leipzig: 6. Febr.: Generalversammlung. — 11. Febr.: Liederabend Leo Goilanin. — 22. Febr.: Dr. Nahum Ooldmann: Untergang und Aufbau. (Oeffentl. Versammlung.) — 15. und 22. Febr., 18 ״. und 15. März: Rabb. Dr. Goldmann: Das Judentum als Kulturfaktor. (Zyklus.) — 3. Febr.: Rabb. W. J. Temkin und Dr. J. Trinis: Ke Lage des russischen Judentums und die Gcsamtjudenhcit. — 10. März: Dr. Hans Bloch: Theodor Herzl und wir, (Zionist. Jugcndb.) Magdeburg: 20. Febr.: Dr. Hantke (Berlin): Jüdische Politik. (Ocffcntliche Versammlung.) Mannheim: 20. Febr.: DLv.-Pfarrer Kaufmann zum Lichtbildervortrag über Palästina. München: 5. März: Purimfest. Nürnberg: 1. März: Max Buchmann: Ke Juden als Rasse. Oberhausen: 26. Febr.: Oründung der Zionistischen Ortsgruppe. Ratibor: 1. März: Purimtee. Schönlanke: 19. Febr.: Palästina-Film. — 10. März: Kart Glaser: Wir Juden und der Antisemitismus. (Oeffentliche Versammlung.) Stettin: 28. Jan.: Reg.-Rat Goslar: Ke Zukunft der deutschen Juden. (Ocffcntliche Versammlung.) Stuttgart: 4. März: Palästina-Film. ,Waldenburg: 11. März: Palästina-Film. .Wanne: 20. Jan,: Gründrnigsvcrsammlting der Ortsgruppe, Zwickau: 30, Scptbr. 1922: S. Schocken jr,: Reisceindrücke in Palästina. — io. Dez. 1922: Cliannkkahfcier. — 13. Jan..! Jakob Sandbank: Die Entwicklung der jiddischen Sprache und die Anfänge ihrer Literatur. — 3. Febr.: Jakob Sandbank: Ucber die neue jiddische Literatur. — 18. Febr.: Dr. Nossbotim: Die neue antisemitische Welle. — 3. März: Gollanin-Licdcrabcnd. Oruppen verband Thüringen: 25. Febr.: Ostjuden• tagung, Referenten: 1, Dr. Moses Waldmann '(Berlin): Die Lage der Ostjudcn in Deutschland; 2. Alfred Berger (Berlin): Praktische Ostjudenfürsorge in Deutschland. Gruppen verband Sachsen-Anhalt: 25. Febr.: Bezbkstagung, Referenten: 1. R.-A. Felix Rosenbliith (Berlin): Allgemeine Lage; 2, Sally Hirsch: Allgemeine Lage und Nuris-Aktlon; 3. Dr. Erhard: Nationalfonds-Arbcit. Oruppcnverband Oberschlesien: 4. März: Oedenkfeicr IJ/lax Nordau, Gedenkrede von Arnold Wiener; 2, Die Keren Hajcssod-Aktion in Obcrschlcsicn, Referent: Markus (Berlin). Es fehlen Nachrichten über Veranstaltungen der Gruppen: Aachaffcnliurg, Bielefeld, Bonn, Braunschwelg-Wolfeuhtittcl, Dessau, Fulda, Gießen, Gki'.viiz, Hannover, Heidelberg, Hindenburg, Karlsruhe, Konstanz, Licgnitz, Mainz, Memel, Nordhause״, Osnabrück, Plauen, Saarbrücken, Stolp, Trier, Wiesbaden, Wünburg. , . v;v v s ' v 9 * * .1 Wir bitten diese Oruppen, uns mitzuteilen, welch« lnfernen und öffentlichen Veranstaltungen in der letzten Zeit dort *tattgefunden haben. Der n Achate Aktionskalender er ich et nt am 17. April 1923. Zionistische Vereinigung f. Deutschland. Berlin W! 15, Sächsische Str. 8. Nahum Sokolovv In Wilna Wilna. (J.C. B.) Am Freitag, den 9. März, Ist Nahum Sokolow in Wilna eingetroffen. Der ihm von der Bevölkerung bereitete Empfang war ein grandioser. Am Bahnhof hatten sich die Leiter der jüdischen Organisationen in Wilna und ein massenhaftes jüdisches Publikum eingefunden. Dem Gast wurden ungeheure Ovationen bereitet Nach Verklingen der Bcgriifhingsnifc stimmten die zu einem Riesenspatier aufgcstellten Schüler der jüdischen Schulen die ״Hatikwah“ an. Sämtliche jüdischen öffentlichen Gebäude der Stadt waren beflaggt. Die Jugendorganisationen stellten Im Hotel, wo Sokolow abgestiegen war, eine Ehrenwache. Die jüdische Presse Wilnas vergleicht den Empfang Sokolow* in Wilna mit dem Empfang, der seinerzeit Moses Monteiiore und später Rabbi Jizchak Eichanan (Wilnaer Oaon) und Theodor Herzl zuteil geworden war. Am Sonnabend, den 10. März, fand in der großen Synagoge zu Ehren Sokolows ein Fcstgottesdicust statt. Rabbiner Krakowski hielt an den Gast eine feierliche Anaprache, die Sokolow durch eine einstfindige Rede beantwortete. Die tausendköpfige Menge bereitete auch hier Sokolow begeisterte Ovationen. Zionistische Erziehung Von Schlomoh Thalhelmer, Düsseldorf. Aufgabe des Blau-Weiß ist, Menschen zu erziehen, die nach dem ganzen Maß ihrer Kräite an der zionistischen Aktion teiliiclimcn. Es kommt also weniger darauf an, einen jüdischen Typ, der auf bestimmte Anschauungsinlialtc festgelegt ist, zu schaffen, als unbedingte Kämpfer für das nationale Ziel. Daher das Bild der Armee, die das Land durch ihre Arbeit erobert und sich nicht darum kümmert, was später sein wird, und die die Gegenwart drängender Forderungen als alleinige Pflicht empfindet Der Gegensatz zwischen dem Blau-Weiß und der Mehrzahl seiner Gegner ist ein Gegensatz zionistischer Auffassung. Für den Blau-Weiß heißt Zionismus Aktion, nicht aber Aaschauung oder Lehre. Ich hoffe, an der Kardinaffragt der Kskusslon zu zeigen, um was cs hier geht. Das Problem der jüdischen Erziehung existiert natürlich nicht absolut als ein Bestandteil der ״ZSonlsikehen Theorie", sondern ist die Frage, wie machen wir aus unseren jungen Menschen Träger und Erfüller de* Zionismus. Darum ist e* grundverkehrt, mit einer propagandistischen Haltung an die Erziehungsaufgabe heranzugehen. Es Ist historisch ganz begreiflich, wenn das alte Schema der zionistischen Propaganda noch heute im K. J.V. beherrschend ist. Seine Struktur als Studentenvereinigung brachte es mit sich, mehr und länger als sonstwo den Zionismus als geistige* oder moralisches Problem zu sehen. Das Keilen geschieht noch heute, indem die Gegensätze des jüdischen Lebens aufs schärfste gegeneinander gestellt werden, und schließlich die ״Entscheidung“ von dem ״Bearbeiteten'“ gefordert wird. Diese Methode erfordert ebenso die Kunst geistiger Vergcwaltigung wie Ucberzcngungskraft, Aber sie Ist gerade das Gegenteil aller wahren pädagogischen Arbeit Daher muß man, wenigstens solange man erziehen will, verzichten auf Konstruktionen wie ״Deutschtum oder Judentum", ״National!*• mus oder Kosmopolitismus“ und erst recht auf ״mannhafte Entscheidungen“. Wenn Judentum und Deutschtum wirklich wesentliche Bestandteile einer geistigen Persönlichkeit sind, kann cs keine Entscheidung zwischen ihnen geben. (Heine I) Aber cs gibt Entscheidungen der Tat, dann heißt es ״Jüdisches oder deutsches Volk", und bet ganzem Einsatz aller unserer Kräfte für unsere angestammte Nation braucht man den deutschen Geist ln sich nicht bekämpfen und das lächerliche Bild des Märtyrers mit den zwei Seelen abgeben. Möglich, daß wir an den Gegensätzen verschiedenen geistigen Ursprungs leiden, aber wir werden aus Ihnen niemals zionistische Encrgicen erwecken. Auch die Entscheidung, die zum jiidischen Volk führt, ist keine zwischen Problemen, sondern der befreiende Durchbruch ursprünglicher Kräfte; so und nicht anders haben wir unser zionistisches Urerlebnis empfimden. So war cs bei Theodor Herzl! Der Zionismus ist als Ergebnis persönlicher jüdischer Problematik undenkbar, er kann im Volke und im Individuum nur als Notwendigkeit existieren. Herzl ist für uns der Erkenner und Verwirklichet einer großen historischen Tendenz im Leben der Nation; er war kein erfindungsreicher Utopist, sondern der erste wahre Politiker unserer modernen Geschichte. Es ist ein selbstverständlicher erzieherischer Gedanke, sich an die lebendigen und entwicklungsfähigen Kräfte des jungen Menschen zu halten, und so den Zionismus aus einer natürlichen Disposition, die den meisten Juden noch eigentiimlicli ist, erwachsen zu lassen, Das Ursprünglichste ist das aller menschlichen Natur eigene Bedürfnis, einem bestimmten politischen und kulturellen Kreis eingeordnet zu sein. Der fehlt heute unseren Juden, und die Gefahr Ist groß, daß dadurch ihnen auch bald die gcscllschaftsbildendcn Kräfte verkümmert werden. Der Zionismus gründet auf der Voraussetzung dieser eigentlich politischen Eigenschaften des jüdischen Volkes. Hier hat also die Erziehung anzusetzen und im Bunde das Mittel und das Ziel einer politischen Gemeinschaft zu schaffen. Aber wie —- und das Ist der eigentliche Kern der Diskussion —• erhalten die Kräfte ihre spezifische Bindung? Ich glaube, daß es unmöglich Ist, das jüdische Wesen so ru deuten, daß ein Begriff vom ״Jüdischen" fest tungrenzt werden kann. Der Versuch, nationale Individualitäten durcti bestimmte geistige Inhalte auszudrücken, Ist noch nie geglückt. Die Möglichkeiten der nationalen KoUektivscelc sind zu groß, um aus der Enge persönlich-zeitlicher Bedingtheit beurteilen zu können, was ihr allein gemäß oder nicht gemäß ist. Als Spielerei wirkt, wenn die Demokratie als jüdisch empfohlen und der ״Führer“ des Blau-Weiß als tmjüdisch verworfen wird. Das muß zu lächerlichen Kt»»cauenzeo führen, Mw vergißt, daß der Zkailanpi* die I i , _Nri2j Greinen eint* efidiMften jüdischen Lebens sprengen!•,..! und nicht gebunden werden kann an da», was das Qli;״* kodifiziert hat, *andern daß der Glaube an unsere Zulc, ׳; auch den Otauben an neue Möglichkeiten der Jüdischen Vc^ 1 seele In sich birgt , ־ Wenn also die Formen des Blau-Weiß schwerlich e‘1V;) über seinen jüdischen oder unjfidischcn Charakter ausיו,׳;' so können es vielleicht eher seine Erziehungsstoffe. י-ן;; sächlich ist die Beschäftigung gerade mit jüdischen Din;-.1 für den Blau-Weiß der Gegenstand dauernder Beniühur,-! Aber es ist niemals in seinen Sinn gekommen, daß mit mehr oder weniger jüdischer Kenntnisse für seine ״Jüdiachk(!!-< etwas Entscheidendes geleistet sei. Das Verständnis für c.< Beschaffenheit gcisliger Wesenheiten ist zu groß, um ן * glauben, daß durch derartige Gewaltkuren, wie etwa durch <1■ f radikale Ablehnung aller deutschen Stoffe, jüdische Kultur.f demente produziert werden könnten. Allein entscheiden׳! j,!{ der Charakter als die formende Kraft persönlicher und naler Individualität, der Stoff hat nur die Fähigkeit erweitern, nicht aber zu verändern. Der Biau-Wciße, de Landskneclitslicdcr ringt, ist so wenig in Gefahr, ln sei«: nationalen Substanz verwandelt zu werden, wie der deutsc';.;! Professor, der sich die jüdische Ucbcrlieferung bis ins klein!:׳[ : zu eigen gemacht hat und im wahrsten Sinne jüdisch g{. bildet ist. In beiden Fällen wird es nur darauf ankonimeg.l wie stark die nationalen Wurzeln sind und aus welcher leben-1 i digen Gemeinschaft sie ihre Nahrung ziehen. Stoffe bleiben -; auch wenn besonders innige historische Beziehungen da sind-! nur Bildungsclcnicntc, obwohl wir wissen, daß dem Juden seine Literatur einmal ungeheuer viel mehr bedeutet hat Also höhere oder geringere Bildung kann die Stärke unseres Nationalgcfühls nicht entscheidend bedingen. Alles das »oll und kann nichts gegen die vertiefende und bereichernder( Wirkung unserer Ucbcrlieferung, insbesondere auf uns jung! Zionisten sagen. Eine wahre Erziehung muß sich an die nicht analysier• baren Orundkräfte unserer Menschen wenden. Allein da! Leben Innerhalb der zionistischen Gemeinschaft kann sie (t!i und stark machen. Die Lösung unserer Jugend aus einem vielfach gerade In jüdischer Beziehung verlogenen Milieu, und die Selbstverständlichkeit, mit der ihr eigentümlich ja. dischcs Wesen innerhalb des Bundes aufgefaßt wird, bewirkte in kurzer Zeit, daß sie sich ohne das Gefüllt irgendeiner Problematik als Juden fühlen. Das muß die Grundbedingung eines gesunden Zionismus sein, denn wo Wille und Tat ge. fordert wird, darf kein Zweifel gepflegt werden. Daß hiermit das Erziehungsidcai des Blau-Weiß noch nicht erreicht ist, wie einige seiner Gegner zu glauben scheinen, ist sclbstve!. ständlich, aber ebenso, daß eine notwendige Voraussetzung erfüllt ist. Es ist ganz klar und allen bewußt, daß der Blae Weiß seine Menschen nicht als fertig entlassen kann, e! weiß, daß die Arbeit und das Leben Palästinas erst nach langer Zeit seinen Erzicliungswcg vollenden können. So sind die nächsten Aufgaben, die er sich im .Lande gestellt hat, a demselben Maß erzieherische wie unmittelbar dem Aufbau dienende. Der Glaube, hier jüdische Kulturträger für Palästiri fabrizieren zu können, der merkwürdigerweise dem Blau-Wciü *0 oft vorgeworfen wird, hat nie existiert, wie überhaupt die Sorge um die ״Oestalhing“ der Kultur die allergeringste des Blau-Weiß ist Es würde Ihm als schönste Erfüllung aller seiner Ziele erscheinen, In einer erfolgreichen Arbeit am Aufbau einige Voraussetzungen für eine werdende jüdische Kultur geschaffen zu haben. In Palästina allein kann die Verbindung mit dem Volke unlösbar werden, es ist der Glaube des Zionismus, daß die Eroberung der neuen Heinnt und die Verwurzelung in ihrer Erde das Fundament bilden müssen für alle» zukünftige Leben des Volkes. Positive Politik Von Awrom ben Elchonon. Der nachfolgende Artikel stellt «ine persönliche Meinungsäußerung des Verfassers dar. Red. d. ״J, R.“ Oraucnvolle Nachrichten kommen aus Polen. Wenn nicht ln letzter Minute ein Wunder geschieht, werden wieder einmal Tausende vou jüdischen Flüchtlingen von einem Staat, der sie vertreiben will, in einen anderen gejagt, der sic nicht auf• nehmen will. Von beiden Seiten vertrieben, buchstäblich von den Grenzen weggeschossen, von niemandem anerkannt, staatenlos, recht- und Schutzs o* — nur schwer kann man die Erbitterung ln Worte kleiden, die einen bei diesen unsagbaren Vorkommniisen packt. Nicht nur die Erbitterung gegen• über den brutal handelnden Judenverfolgungen, sondern viel• leicht noch mehr das Gciühl der Erbitterung, der Beschämung uns gegenüber, den wieder einmal passiv Duldenden unu anscheinend Wehrlosen. Es ist üotwendig, sich mit dieser Seite der Angelegenheit zu beschäftigen. Gerade wir, die wir politisch handelnd, bewußt für Juden eintreten, müssen uns fragen, ob keine jüdische Stehe da ist, die ein so grauenvolles Unglück ver• hüten könnte, ob keine jüdische Stelle existiert, die emgreifen müßte. Diese Frage muß ohne weiteres bejaht werden; man kann fast sa/jen, daß nicht zu wenige jüdische Stellen da sind, die sich mit den Schicksalen der Vertriebenen zu befassen haben, cs sind ihrer offenbar zu viele. Denn nur so ist der absolute Mißerfolg der politischen Aktion in dieser ungemein wichtigen Frage, die schon seit Jahren die Gemüter beschäftigt, zu erklären. Zu viel Organisationen, zu weiiig positive, ziclbcwußte, energische Politik!! Und so bietet sieh uns wieder einmal das Schauspiel, daß dal Fünfzchiimillioncnvolk der Juden dieser modernen Juden• Vertreibung nichts anderes entgegenzusetzen hat als jämmer• liehe, winselnde Proteste. Es muß die Frage aufgeworfen werden, was denn eigen»• lieh die Welthilfskonferenz und das Co m i t £ de« Ddl£gations Juivcs mit ihrem großen Apparat und ihren noch größeren Betrieben getan haben. Politische Arbeit ist noch von jeher am Erfolg gemessen worden. Um Pro• teste zu fabrizieren, braucht man keine Welthilfskonferenz, kein Conritö des D(l<!gation$ Juivcs und keine Büros in Pari», London, Genf, Berlin und wer weiß wo. . . Beschämend sind die Vorgänge für diejenigen, die berufe״ sind, die Rechte ־und Interessen des jüdischen Volkes ab politische Vertreter zu wahren. Bei allzu vielen dieser In• stitutionen hat die Odfcntiichkcit den Eindruck, daß die Haupt• Icistung im Reden, im Reisen und in der Erledigung interner Angelegenheiten und Streitigkeiten besieht. Man wird ant• "'°rtcn, daß trotz aller Bemühungen das Unheil in Polen nicht abgewciuict werden konnte. Dann muß mit aller Deutlichkeit den verschiedenen Personen gesagt werden, daß sie abdanken müssen! Denn entweder ist ihre Arbeit überflüssig, dann sollen diese Stellen verschwinden, oder die verschiedenen Personen smd nicht fähig, politische Arbeit positiv und erfolgreich zu leisten Ein Dritte* gibt cs nicht. Es ist die höchste Zeit, dftfl W 4er JJidjschen ßeifcutSichkelt mit dem System dt» ,־ - -• {Eorketauig Sette 131) ־. , .A■«—.1 «'׳

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