Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVIII (1923)
- Issue
- Heft 21 (13.3.1923)
- Date
- 1923-03-13
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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- .-,U Seite 126 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr 2! Jungen gewesen, ohne daß hierbei wesentlich neue Öesichtspunktc zutage getreten wären. Die Führer der Die- *llards haben erneut behauptet, daß die britische Regicrung den Arabern die Unabhängigkeit Palästinas versprachen liabc, und diese Behauptung ist auch von der neuen Regierung mit anerkennenswerter Deutlichkeit zurückgcwicscn worden. Aber auch außerhalb derjenigen Diskussionen, die Palästina zum Gegenstand hatten, treffen die Grundsätze, die seitens der Regieningsvcrtretcr in der, gesamten Orientdebatte geäußert wurden, auch auf Palästina speziell zu. Audi hier liegt es so, daß!England ohne Zweifel solange seine Stellung in Palästina keiner Aendcrung unterziehen wird, als der Orientfriede nicht gesichert ist. Aber ebenso fest steht, daß die britische Regierung und mit ihr weite Teile des britischen Volkes weniger aus Sympathie mit den Arabern, als aus Gründen einer energischen Sparsamkeitspolitik, eine Einschränkung der britischen Verpflichtungen im Nahen Osten herbeizuführen wünschen. Dieser Augenblick ist noch nicht gekommen und wird voraussichtlich nicht so bald kommen. Aber es gilt für uns, gerüstet zu sein. Wir wollen nicht noch einmal eingehend auscinandersetzen, was wir zu tun haben, um die Frist, die uns gegönnt ist, zu nutzen. Das ist an dieser Stelle häufig genug geschehen. Wir müssen mit verzehnfachter Kraft arbeiten, um nicht nur unsere Position im Lande zu be- Die Dividenden der Zionistischen Finanzinstiiute Der Jewish Colonial Trust, 10—12, Walbrook, London E. C. 4, hat bereit vor längerer Zeit eine Dividende von all 1 per tlmre für das Jahr 1921 erklärt Die folgende Aufstellung zeigt, welche Dividenden der Aktien des Jcivish Colonial Trust schon fällig sind, und mit welchem Betrag sie elngclö.st werden: Coupons Nr. 5, 6 und 7 , , , je 6 d 8״ ״ und 9 , . . ״ je 7 d 11 ״ ״ und 12 . * . , je 1 sh. Der Coupon Nr. 10 ist ungültig. Die Einlösung durch den Jcwisb Colonial Trust gesclricht frei von englischer Einkommensteuer.*) Die Palcstine Land Development Co. Ltd., Jerusalem, hat für das Jahr 1921 eine Dividende von 6 *,15 0׳ d. per share erklärt. Da auch für das vorhergehende Jahr die gleiche Dividende gezahlt wurde, werden sowohl der Coupon Nr. 1, als auch der Coupon Nr. 2 mit je 15 d per Coupon cingciöst. Die Einlösung kann sowohl durch das Büro der Palcstine Land Development Co., P. O. B. •156, Jerusalem erfolgen, als auch durch den Jcivish Colonial Trust, London. In letzterem Falk ist die englische Einkommen- Steuer zu entrichten. Wie bekannt, waren die Aktien der P. L. D. C. und des J. C. T., soweit sic Bürgern der mit England im Kriege gewesenen Staaten gehörten und für Rechnung solcher Aktionäre in England lagerten, genau 80 wie Aktien anderer englischc• Gesellschaften beschlagnahmt. Gemäß Verfügung vom hlaupten, sondern neue zu erwerben, und wir niüssen Ende vorigen Jahres hat der Public Trustee die Aktien der zugleich mit allen Mitfein versuchen, mit dem Volke, das in Palästina mit uns zusammen leben wird, gute Beziehungen zu finden. 1 F. L, Zionistische Bewegung Eine wichtige Aufgabe für unsere Ortsgruppen und Vertrauensleute Der dringende Appell, den wir mehrfach an unsere Ortsgruppen und Vertrauensleute wegen der Aufbringung der Zionisterstcuer fiir dieses Quartal gerichtet haben, hat leider die erhoffte Wirkung nicht erzielt. An einer Anzahl von Orten ist zwar die Arbeit aufgenonunen und zum Teil, wie wir gern feststellen, mit recht gutem Erfolge durchgeführt worden. Von vielen unserer Ortsgruppen und Vertrauensleute aber haben wir weder eine Nachricht über die Auf* nähme ihrer Werbearbeit noch irgendwelche Beträge erhalten. Wir beabsichtigen, in der ״Jüdischen Rundschau“ demnächst eine Ucbersicht der Zionistensteucr-Eingänge für das 1, Quartal zu geben, und bitten dringend, 1. daß die Gruppen: Ailcnsteln, Bcuthea, Bonn, Braunschweig, Cottbus, Dannstadt, Dt.-Eylau, Frankfurt a. O., Fulda, Gießen, Göttingen, Hamm, Landsberg, Licgiiitz, Mannheim, Osnabrück, Plauen, Stuttgart, Trier, Würzburg uns einen Bericht über den Stand der Aktion geben und die bereits eingegangenen Gelder übeweisen, 2. daß diejenigen Gruppen, die schon einen Teil der Beiträge eingezogen und an uns abgeführt haben, die Einziehung der noch ausstehenden Beträge beschleunigen. Wir müssen bis Ende dieses Monats dem Quartalsende — die Zahlungen aller Zionjstensteuer-Zeichner für das 1* Quar׳ tal erhalten, um unser Büro aufrecht er• halten und unsere Arbeiten durchführen zu können.! Die Gesinnungsgenossen, die Unserer direkten Aufforderung zur Zahlung noch nicht Folge geleistet haben, werden nochmals dringend gebeten, ihre Zionistensteuer nunmehr umgehend an uns abzuführen. Wir fügen die für das' 1. Quartal geltenden — alleräings unter den heutigen Verhältnissen längst überholten —• Stufen auf: 1! ,1. Stufe für das11. Quartal 500 bis 800 M. 2. 3. 4. 6. 1. 1. 1. 1. ״• 1000 2500 5000 0000 2000 4000 8000 12000 Alle Gesinnungsgenossen, die dazu Irgend in der tage sind, bitten wir dringend, sich entsprechend der inzwischen eingetretenen Geldentwertung zu besteuern und ihren Betrag umgehend auf das Postscheckkonto (Berlin 8091) oder das Bankkonto der Zionistischen Ver- Einigung für Deutschland (Darmstädter- und Nationalbank, Depositenkasse Kurfürstendamm 52) einzuzahlen. Die europäische Misrachi Konferenz ׳ Die Eröffnungssitzung der europäischen Misrachl-Konfcrenz findet am Montag, den 12. März statt Die Beratungen werden voraussichtlich 3 Tage dauern. Die Tagesordnung, soweit sie bisher feststellt, wird u. a. folgende Punkte umfassen: . 1. Palästina-Referat. (Palästina-Arbeit, Beteiligung -kr misrachistiscbcn Landesverbände hieran, Vorbereitungs- •' arbeit einschließlich Chaluzimfrage.) Referent: Samuel Zuchowiecki-Warschau. 1 tZ Organisationsfragen. (Schaffung!einer aktiven Zentrale für den mittet- und westeuropäischem Misrachi, , Schaffung eines Zcntralorgans.) Referenten: Scjm-Abge- ordneter H. Farbstein-Warschau, Dr. Aron Barth- ׳ ~ Berlin. , f > 8. Stellung«ahmd zu den Probierten des XH1. Zionistenkongrcsses (insbesondere Keren Hajcssod und Weltkongreß). Referenten: Oberrabbiner I. Rubin stein-Wilna (Weltkongreß); Dr. Aron Barth- Berlin (Keren Hajcssod). , ,4. Geistige Probleme des Misrachf. Referent: ־VI EabWoejc M, A, AmiaDAiatwergen, 1 ׳ ׳״ r׳ v P. L. D. C. und des J. C. T., die beschlagnahmt waren, frei gegeben, sofern es sich um Aktionäre handelt, die nicht mehr als je 10 Stück dieser Aktien besitzen. Die Dividenden- Coupons dieser Aktieninhaber werden deshalb nunmehr von den Gesellschaften eingelöst Zionistische Vereinigung für Deutschland. Abteilung: Propaganda für die Finanzinstitute der Zionistischen Organisation. Die Nordati Aktion des Keren Kajemeth Seit Beginn der im Jahre 1919 vom Keren Kajemeth im Einvernehmen mit der Zionistischen Exekutive cingclcitelcn Aktion zur Errichtung einer Nordau-Gartcnstadt, sind bis zum Todestage Nordaus beim Hauptbüro des IC. K. L. insgesamt £ 17 900 an Spenden eingegangen. An dieser Sammlung haben sich folgende Länder beteiligt: England £ 12(188, Südafrika £ 1726, Belgien £ 769, Rumänien £ 675, Jugoslawien £ 4C0, Vereinigte Staaten £ 3U), Türkei £ 299, Ercz-Jisracl £ 250, Holland £ 240, Finnland £ 135, Frankreich £ 107, Italien £ 61, Lettland £ 58, Tschechoslowakei £ 54, Ostsibirien, Ungarn, Marokko, Oesterreich, Polen, Elsaß-Lotlningcn, Australien, Westgalizien, Aegypten, Estland zusammen: £ 93. Der überlegene Anteil Englands fällt in die Augen. Man kann sagen, daß die dortigen Juden die einzigen sind, die ihre Schuld au Nordau einigermaßen abgetragen haben. Da* gegen sind große Länder mit starker jüdischer Bevölkerung und selbst mit guter Valuta in obiger Liste wenig oder gar nicht vertreten. Nordaus Tod hat wieder die Aufmerksamkeit der Jüdisehen Welt auf die Oartcnstadt-Aktion gelenkt. Kaum war die Trauerbotschaft nach Jerusalem gelangt, irlleß das Dlrcktorium des K. K. L. telegraphische Order an alle seine lokalen Organisationen, bei den bevorstehenden Trauerfeiern die Nordau-Gartenstadt dem Publikum in Erinnerung zu bringen und die Aktion an den darauffolgenden Purim-Tagen energisch fortzusetzen. Dementsprechend richtete auch das Hauptbüro einen Appell an die breite Ocffcntlichkeit. Die ersten Nachrichten über die Vorbereitung der erneuten Aktion sind schon in Jerusalem cingclangt. Ucberall wird fleißig gearbeitet, in England, Polen und Deutschland. Auch aus den jüdischen Siedlungen des Balkans kommt ein starkes Echo. Besonders erfreulich aber ist eine Depesche aus New York, wonach für Purim in den ganzen Vereinigten Staaten ein Nordau-Drive durchgeführt wird. Die finanzielle Krise in der Berliner Gemeinde Die finanzielle Lago der Berliner Jüdischen Gemeinde ist in den letzten Monaten eine außcrordontöcb bedrohliche geworden. Die Einnahmen st dien in keinem Verhältnis zu den immens gestiegenen Ausgaben, die jetzt auf etwa 3 Milliarden Mark veranschlagt werden, von denen weit über eine Milliarde allein auf Kohicnbosten kommt. ,Es ist ein besonderer Finanzausschuß eingesetzt worden, dem vom Vorstand die Herren G die imrat Stern, Direktor Kareski und Kammergerichtsrat Wolf, von der Repräsentanz die Herren R.-A. Dr. Stern, Dr. Klee und M. A. Loeb angehören. Dieser Finanzausschuß hat Besprechungen mit führenden Männern des Wirtschaftslebens gehabt, auf Grund deren Dr. Ahron Hirsch, der Seniordtef der Firma Hirsch Kupfer, Direktor Ooldschmidt von der National bank für Deutschland und Kommerzienrat Levy, Vorsitzender des Verbandes der Mctallgroßluiudler, in den Finanzausschuß kooptiert wurden. Die Aufgabe» dieses Finanzausschusses liegen in der Haupt* sachc in der Beschaffung langfristiger Anleihen und m der Reform det Steuerwesens. Die Steuerreform wird vermutlich vor allem darin bestehen, daß die Steuern van jetzt an vierteljährlich unter Berücksichtigung des Index erhoben werden sollen. Im Zusammenhang mit dieser Finanzreform wird eine Vcrwaltungsrctorm vorbereitet, die, wie wir hören, aud» an einen Abbau de« großen bünokratischcn Bcamtcnapparatea denkt , Aus der Agudah - Bewegung Die von der Zentralratssitzung der Agudah 11» Breslau beschlossene Einberufung der Kncssioh Oedauto ist erfolgt. Die Tagung soll vaart 4, bis 11. El ul (16. bis 23. August), in Wien erfolgen. Die dJeswöchratlichc Nummer der offiziellen Agudahhcilage des ״Israelit" enthält die Einbaufung, einen Aufruf und die Wahlordnung. Aktives und passives Wahlrecht steht hiernach nur männlichen Personen zu. Aktiv wahlberechtigt ist jedes Mitglied einer Agudah-Gruppe, zur passiven Wählbarkeit gehört außerdem gesetzestreuer Lebenswandel Gewählt wird nad» dem gemeinen, direkten und geheimen WaWrccht, aber ohne Proporz. Jedes Land wählt drei Abgeordnete, außerdem wählen größere Ortsgruppen für je 100 Mitglieder eben Abgeordneten. ■״ ,I, ״ t *) Eine, Einlösungsstell« des 'Jewlsh Colonial Trust In DciitÄsod wild ds)ap|4j^ bckanntgegcbea werden, Der Wiener munerus clausus j Zu dem von uns ln dnr vorigen Nummer der Rundschau" veröücnllichtcn Beschluß der Professoren <;! Wiener Technischen Hochschule schreibt die ״Wiener Mo״;.{ zeitung": ' 6 ן Man muß dieses Dokument genau lesen, um seine z1״ deutigkeit zu erkennen. Es will sich nach allen Seiten der״. Die Zahl der zur Hochschule zugclnsscnen jüdischen R(j.,{ aus dem Ausland wird mit zehn Prozent fcstgcstcllt; ,, dies min zehn Prozent der Gesamtzahl der Hörer oder y. Ausländer sein sollen, wird nicht gesagt; aber die Gesa:• zahl aller an einer Fachschule zu immatrikulierenden jüdisch־ Hörer — wohlverstanden aller jüdischer Hörer, nicht et,! * nur der jüdischen Ausländer — wird mit diesen zehn Prore-T Abgegrenzt. Zwar beeilt sich der Prorektor Ferstel, d«»' * Unterschrift die Kundmachung trägt, zur Beruhigung ־:ן,‘ Bodenständigen zu versichern, daß sich Beschluß und Pro«,״{ Ziffer nur auf die ausländischen Juden bezieht und ur.!•' > diesen hauptsächlich den aus Polen und Ungarn kommend״'׳! Zustrom eindümmeu will. Er hat dem AgitationsmalctJ der völkischen Hodiscluilkammcr entnommen, daß in VT!'.! schau nur zwei Prozent Juden, in Krakau nur fünf Pro;!! Juden, in Budapest nur zehn Prozent Juden zugelassen sir,4 wie denn auch an amerikanischen Universitäten die Proter'i״ einsrhriinkung eingeführt sei: An diesen Angaben ist!!!;1? richtig, daß in Ungarn die Schande des numerus c!au1;,| gesetzlich fcstgclcgt ist. In Polen besteht keine dct3rt1-(| Verfügung, und in Amerika, dessen Universitäten übrijtr.![. ausnahmslos private, nicht staatliche Institute sind, hat nyt die Harvard-Universität einen solchen Beschluß gefaßt, abt! nicht durchgeführt. Aber selbst, wenn das alles rieht;- wäre — ist das Beispiel für eine Wiener Hochschule v, nachahmenswert? Die Unklarheit der Wiener Kundmachung Ist eine j;. wollte. Es Ist doch schwer anzunehmen, daß die von ihren•! Deutschtum so eingenommenen Professoren ihre Sprache!J schlecht beherrschen, daß sie das ״Juden rausl“ nicht eij.j wandfrei ausdrückcn könnten. Die Sache liegt anders. Ei sollte für die auf Grund der Kundmachung zu erwartendes Schritte von jüdischer Seite etwas zum Abhandeln übnj gelassen werden. Man wird im Wege einer nachträgliches Kommentierung gnädig gestatten, daß die inländischen jüd,. sehen Bewerber, die durch das Siaatsgrundgesetz cinstwciler noch geschützt sind, außerhalb der Prozcntcinschränkuttj bleiben. Damit will man vielleicht auch erreichen, daß wieder ein Keil zwischen Ost- und Wcstjudentum getrieben wirf! und daß trotz alles Rassengeschreies die Möglichkeit de; Absorbierung jüdischer Arbeit für die arische Sterilität g(. wahrt bleibt Zwar trägt das Tor der Technik seit gesten I ein riesengroßes Hakenkreuz In Kreide, aber sicher ist sicht! Man kann unter Umständen auch jüdischen Fleiß verwerte! I Wenn in Zukunft ein jüdischer Ingenieur etwas Gutes leiste!, so will man doch mit Stolz vermerken können, daß er as der Wiener Technik ausgebildct worden ist und der dcut sehen Nation angehört. Das geschieht an der einen Hochschule, und, da wir bekanntlich mit der Autonomie der Hochschulen gesegnet sind, die ebenso bekanntlich zum Zweck der Sicherung der Lehr׳ und Lcrnfrcihct unentwegt mit deutschem Gruß und Heil hochgchaltcn wird, so werden die anderen autonomen Hochschulen bald naclifolgen. Die hohe Regierung ist aber peinlich berührt, wenn die Juden sich wehren. Da ist an Samstag in der jüdischen Protcstvcrsammlung ein kräftiger Wort gesagt worden. Die Herren Minister sind befremdet Antisemitismus? Unterdrückung der Juden? Wir in unseren Ressort werden durch solche Vorwürfe nicht getroffen. Mir san eh' die reinsten latnpcrln! Herr Wabcr hat keines Optionsetlaß herausgegeben, Herr Frank nicht die Rassen- Zahlung angeordnet und Herr Schmitz hat nicht die jüdischen Führer der Sozialdemokratie angeklagt, sich eine arische Ttrrorgarde geschaffen zu haben! Und am Samstag sind Tausende von Buben in Reih und Glied unter militärischem Kommando durch die Straßen marschiert, haben Männer und Frauen blutig geprügelt und dazu applaudiert, sind der Wadte mit Messern zu Leib gegangen und haben nach der Verhaltung auf den Polizeistuben ein Arsenal von Gummiknütteln, Drahtstöcken und Revolvern abgeben müssen. Wo sind die Ausrüstungsstätten und wer bewaffnet diese Schuljugend? Die Herren Minister, die so bös angegriffen wurden, denken angestrengt über die Konkretisierung der erhobenen Vorwürfe nach. Inzwischen besetzen Hakenkreuzhorden die Tore der autonomen Universität und weisen jüdische Studeuten mit dem Gummiknüttel ab. Die Herren Minister haben ihr Nachdenken noch nicht beendet. Und inzwischen affichiert der Prorektor seine Kundmachung, die freilich einige pcinliehe Anhaltspunkte für ausländische Interventionen liefert. Es werden der Friedens vertrag von Saint-Germain und die Abkommen mit der Tschechoslowakei gröblich verletzt, und die Völkischen werden lernen müssen, daß Verträge kein Fetzen Papier sind. Aber hat es dieser Staat gar so notwendig, die ärgerliche Aufmerksamkeit!־einer Nachbarn (die »ehr gerne intervenieren) auf sich zu lenken? Wenn aber seine Regierung und die Führer seines geistigen und kulturellen Lebens cs dennoch wagen, warum beschränken sie sich denn auf die ausländischen Studenten? Weshalb nehmen sie bei ihren Kreditgesuchen keine Prozenteinschränkung vor? Weshalb richten sie für die jüdischen Anleihezeichner nicht gleichfalls eine sakrosankte, stets infalliblc Kommission ein, die deren Eignung ״unter Bedachtaahme auf Volkswirtschaftliehe Interessen“ prüft? DJc Fiüchtlingslrage vor dem polnischen Sejm o . W«[8chau. (J.C. B.) Die Verwaltungskommission des Sejm hat den Deputierten J. Grünbaum zum Referenten über die Interpellation de« jüdischen Pariamcntskiubs in Sachen der Flüchtlingsauswcisungcn bestellt. Zugleich mit der jödlschen Interpellation werden die Nationaldcmokraten wegen einer Verschärfung der Maßnahmen gegen die Flüchtlinge interpellieren. Ke Diskussion in der Vollsitzung der Koni״ misston wird erst in drei Wochen erwartet. Vor dem Plenum des Sejm dürfte die Frage erst im Sommer zur Sprache kommen. Die floffnung, auf parlamentarischem Wege die Zwangsausweisungen gegen die Flüchtlinge ab* zuschaffen oder zu mildern, kt sehr problematisch geworden. Freie Jüdische Volkshochschule Berlin Die Vorlesung von Dr. R. Kayser, ״Die Juden fn der deutschen Literatur der Gegenwart", findet nicht von ÄrtET )V°° ctatt W1״» Donnerstag•