Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVIII (1923)
- Issue
- Heft 19 (6.3.1923)
- Date
- 1923-03-06
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 110 aussctzungen für die Beschaffung von Kapital und Kredit haben. Dies ist ak״r durchaus nicht so selbstverständlich, wie Preuß es annimmt. Zunächst bringen die Unternehmer ihr eigenes Kapital mit, das sic schon haben und nicht erst iuehen müssen. Mag dies auch bei vielen fndustrleplonlcrcn sehr klein sein, so sollen wir doch, daß eine beträchtliche Zahl von Klcinunteriichmcrn mit 3000—5WO Pfund bar und mit Maschinenbesitz nach Palästina gekommen ist, und die Summe des Kapitals, das auf diesem Wege ins Land kam und industriell verweilet wurde — indes fortwährend neue Kleinkapitalistcn ins Land kommen — ist beträchtlich höher als jenes, das in absehbarer Zeit die Arbeiter autbringen werden. (Dabei ist von den GroQuuternehmungcn, wie Silikatfabrik, Salzkompagnie, Riiteitbcrgstation, ganz abgesehen.) Das ״Eigcnkapital“ der Arbeiter hat übrigens, eine besondere Struktur. Bel der Arbeiterbank beträgt die Beteiligung der Zionistischen Organisation Vs des arbeitenden Kapitals, das letzte Drittel — 15 000 Pfund Aktien, im Laufe eines Jahres placiert — st,mimt zum Teil auch von ״bürgerlichen" Ziotristen, die Aktien erworben haben. Wir seihst beklagen cs, daß der Absatz dieser Aktien nicht schneller geht, aber wie kann man behaupten, daß die Bedingungen für die Kapitalbeschaffung für private Unternehmungen und für die Arbeiterschaft ungefähr gleich sind. . Was den Kredit betrifft, so ist auch hierfür ähnliches zu sagen, Stellen auch die in Zentralen zusammcngcschlosscnen industriellen Produktiven, die übrigens erst geschaffen werden müssen, als großer Konzern eine gewisse Kreditbasis dar, wobei natürlich ihr Gcsamtbcsitz haften müßte, auch die Industrieanlagen, so ist die Kreditfähigkeit zahlreicher Einzel• Unternehmer zusammengenommen nicht geringer, sondern eher viel größer, denn bei diesen ist auch die persönliche Garantie auf Grund ihrer Fnehkenntnisse und Erfahrungen ein Faktor für die Kreditwürdigkeit, außerdem werden kommerzielle Kreditinstitute doch noch, bis auf weiteres, die ihnen ge• Läufige Kreditgewährung an Einzehmtcruehmungcn bezüglich des Risikos leichter abschätzen können, als jene bei Koope• rativen, ganz abgesehen davon, daß sich der Einzcluntcr• ncltmcr auch im Wege von Beteiligungen Kapital vorschaffen kann. Wenn viele Klcinindustriclle daran scheiterten, daß sie keinen Kredit erlangten, so fehlte es nicht in erster Linie an ihrer mangelnden Kreditwürdigkeit, sondern daran, daß leider die entsprechenden Institute in Palästina fehlen. Dies war bisher das Haupthindernis der industriellen Ent- Wicklung. Dr. Preuß gebt ferner davon aus, daß mir die von Oppenheimer auigezcigtcn Klippen, an denen die industriellen Produktivgenossenschatten in Europa bisher gescheitert sind, umschifft werden müssen, damit sic reüssieren. Sonst setzt er, weil cs sich um Neuland handelt, die Bedingungen gleich. Aber gerade, weil cs sich um Neuland handelt, hat unseres Erachtens der bewegliche, erfahrene, intuitivreiche Einzel- Unternehmer, der seine ganze Existenz mit seinem Unter• nehmen verknüpft — wie es die Geschichte jedes Kolonial• landes zeigt — einen Vorsprung. Wie schwierig übrigens aucii für einen solchen die Einführung■ neuer Industriezweige ist, zeigt der Leidensweg, den ein Lodzer Textilfabrikant gehen mußte, der schon vor zwei Jahren mit seinen Maschinen nach Palästina gekommen ist, um eine kleine Weberei, für die das Rohmaterial im Lande ist und deren Rentabilität außer Zweitel stellt, in Betrieb zu bringen, obzwar schon 10000 Pfund investiert sind und er in Palästina jede mögliche Unterstützung erführt. Welche erdenklichen Gründe sprechen dafür, daß die 'Arbeiterschaft solche Dinge leichter, schneller und besser zustande bringen wird? Dr. Preuß wehrt sich gegen Hinweise auf Rußland und zeigt eine Menge von Widerständen auf, mit denen die Sowjets in der Industrie zu kämpfen hallen, aber er vergißt die positiven Kräfte anzuführen, über die sie für den in• dustricileu Aufbau verfügten: Ihre politische und Wirtschaftliehe Alleinherrschaft — namentlich die Gewalt über den Markt (Verteilung), über das Geld• und Kreditwesen, — das Bestehen einer für die kommunistische Idee begeisterten Arbeiterschaft, die Abschüeßung der Grenzen usw. Und wenn er sagt, daß es sich in Rußland um Großindustrien handelte, die enteignet wurden, so wäre de.n hinzuzufügen, daß gerade die Klcinindiistrie — um die es sich in Palästina liaupt• sächlich handelt — nicht enteignet wurde, was kein Zeichen dafür ist, daß selbst die Bolschewiken gerade diese als geeignet für den Betrieb durch Kooperativen halten. All diese Bemerkungen sind nicht gegen die Industriellen Arbeiterkcopcrntivcn gerichtet, sondern mir gegen die Ein• scitigkeit, mit der gesagt wird, daß Palästina entweder vom Privatkapilal oder von den Arbeiterkooperationen industriell aufgebaut werden könne. Wir hoffen, daß die Kooperativen nach und nach (und ein schnelles Tempo ist für sie in der Industrie nicht möglich) reüssieren und in der Industrie Palästinas einen immer größeren Raum einnehmen werden, aber wir können wenigstens vorläufig die privaten Unter• nehmer nicht nur nicht entbehren, sondern wir müssen, unseres Erachtens, alles tun, mn möglichst viele und kapital*• kräftige von ihnen nach Palästina zu bringen. Efne neue geologische Karte von Palästina Das rührige Handels- und Indiistriedeparlement der Zionistischcn Organisation teilt mit, daß Dr. Braivcr in kurzem eine neue geologische Karte von Palästina veröffentlichen wird. Hierbei wird das gesamte!Material Blankenhorns verarbeitet werden, das wesentlich ergänzt und erneuert wurde durch Dr. Brawers eigene Nachforschungen. Die Karle, im Maßstab 1:200000, wird in sechs Farben angefertigt. Die amerikanisch-archäologische Schule in Jerusalem überwacht die Einzeichnungcn in englischer Sprache. Die Herstellung erfolgt in einer erstklassigen europäischen Anstalt. Der Preis wird zirka 1 Pfund betragen, die genaue FestsrOting kann erst nach dem Umfang der Bestellungen erfolgen. in Palästina selbst naturgemäß kein großer Absatz möglich ist, ergeht die Aufforderung an alle zionistischen Körperschaften, Bestellungen für die Karte aufzugehen. (Adresse Department for Trade and Industry of the Zionist Executive, Jerusalem, P. O. B. 92) Das erste Sanatorium in Palästina Am 15. April wird das Sanatorium ״Edna" auf dem Karmel im Stile der besten Sanatorien Europa׳! eröffnet werden. 15 ist für leiden aller Art, mit ׳•!Ausnahme von ansteckenden und Geisteskrankheiten bestimmt. Die Leitung hat Dr. Cz.kovits, der in verschiedenen Schweizer Sanatorien tätig war. Neben ihm wirken Dr. Joffe und Dr. Auerbach. Adresse: Sanatorium ״Edna", Haifa, P.O.fi. 232, , __JUEDISCHE RUNDSCHAU _ Zur Reorganisation des Keren Hajessod Herr A. B. hat In der letzten ״Jüdischen Rundschau“ meine Vorschläge, die «1er Verwandlung der jetzigen zag• haften Kleinkoioiiisatioii Erez-Isroel* In eine großzügige und energische Großkolorüsation auf der Grundlage eines privatwirtschaftlich organisierten Keren Hajessod diene» sollen, einer eingehenden Kritik unterzogen. Dafür kann jeder nur dankbar sein, der weiß, daß eine neue Idee selten ohne befruchtende Kritik von Presse auf Parlament sich zur Wirk• lichkeit hat durchringen können. immerhin scheint die ganze Frage, die letzten Endes eine starke jüdische Einwanderung in das Land unserer Väter ermöglichen soll, die also von grundlegender Bedeutung für den endlichen Sieg der zionistischen Sache ist, doch so wichtig, daß einige wesentliche Punkte der A. 0.sehen Kritik nicht unwidersprochen bleiben mögen. Die Psychologie der Bankdirekiorcn ist recht gut bc• kannt, auch daß sie zuweilen in puncto puncti schwierige Herren sind. Daß sie aber neuen Ideen nicht immer ganz* lieh abgeneigt sich zeigen, wenn sic Ihnen realisierbar er• scheinen, lehrt mit vielen anderen das Beispiel der Rathenau• sehen A. E. G., iveVlic anläßlich der erfolgreichen Vorführung einer Glühlampe bei einer Abendgesellschaft gegründet wurde, und jenes der ersten Automobilkoiistruktcure, die rasch einen Bankier fanden, nachdem der erste, an den sie sich wandten, mit Entrüstung erklärt haben soll: soeben seien Leute bei ihm gewesen, die einen Wagen ohne Pferde zum Laufen bringen wollten! Sicherlich wird auch A. B. zustinunen, daß die Mit• Wirkung des Großkapitals nicht als Almoscngcbcr, sondern als Aktionär in größerem Maßstab möglich wäre, wenn, wie vorgeschlagcn, die Regierung des Jewish Home in Ercz- Israel mit ihrem nach englischen Methoden aufgebauten Finanz.- und Steuersystem die Garantie für die Verzinsung der K. I I. J.-Zeniiikate übernehmen würde. Daß ausreichende Verzinsung, auch in zionisticis, erreichbar Ist, beweise ein anderes Beispiel. Die Palestinc Land Development Company, kurz vor dem Kriege zu genau demselben Zwecke ge• gründet, dem der reorganisierte Keren dienen sollte — heute betreibt sie allerdings in der Hauptsache die Parzellierung städtischer Immobilien — verteilt eine Dividende von 6 Jeder, der in Deutschland damals ein Goldstück für eine Aktie riskierte, erhält jetzt jährlich eine Ausschüttung von zwölftausend Mark, gleich der Miete einer respektablen Fünfzimmerwolimingl A. B. glaubt, wenn wir ihn recht verstehen, mit einem leisen Lächeln den Gedanken abweisen zu müssen, daß die Siedler jemals imstande sein werden, für Geräte und Vieh 6, für das Land 3 «b — nicht von Anfang an, aber im Durch• schnitt — zu zahlen und die Mobilien noch obendrein amortisicrcn zu können. Aber ,warum, in aller Welt, sollte cs nicht möglich sein, aus den sonst so intelligenten jungen Juden wirklich tüchtige Landwirte zu machen, die aus ihrem Boden etwas herauswirtschaften können? Warum Ist dies bisher, in vielen Fällen nicht gelungen? Weil die Vorbereitung eine unzureichende ist, weil man versäumt hat, in den Au9■ wanderungsländern die Leute praktisch und theoretisch von anderen ausbildcn zu lassen, die säen, die ernten, die Vieh• zucht zu treiben in rationeller Weise erlernt haben. Die arabischen Fellachen in Aegypten zahlen ihren Gcldlciliern bekanntlich 40—70 ״b, womit nicht gesagt werden soll, daß wir für Palästina ähnliche Verhältnisse erstreben, womit aber gesagt sein soll, was unter Landwirten alles möglich ist. Wenn cingewnndt wird, daß Idealismus und Opfersinn der Siedler privatwirtschaftlich hemmende Momente sein sollen, so scheint der praktischen Erfahrung das Gegenteil richtig. Soll die jüdische Kolonisation wirtschaftlich möglich gemacht werden, so müssen eben unsere jungen Siedler ihre Ansprüche ans Leben fürs erste ein wenig zurückschrauben. Wer kennt nicht die Leiden und Entbehrungen der Tausende von Siedlern in Amerika, die ohne jeden Keren Hajessod in den Urwald und in die Prärie zogen und doch in hundert Jahren aus Ihrem Lande das blühendste und wirtschaftsstärkstc der ganzen Welt gemacht haben, obwohl sie für Gerät und Vieh selbst heute noch einen ganz anderen Zinsfuß zahlen müssen, als den von uns vorgcschlagcnenl Wer weiß nicht, daß auch die deutschen Arbeiter und Angestellten nach dem Kriege für ein Stück Brot und in Lumpen die deutsche Industrie über die schwerste Zeit, in der sich je ein Land befunden hat, hinübergerettet haben? Schließlich ist zu erwidern, daß A. B. zwar ausführlich auf das Schema, auf den grundlegenden Kern des Vorschlages aber nicht genügend 'eingegangen ist, um ihn widerlegen zu können. Die Umwandlung der jetzigen Wohltätigkcitswirt• schaft — ganz gleich, ob sie Keren Hajessod oder Keren Kajemeth heißt — im produktiven Aufbau auf der Grundlage ptivatwirtschaitliclicn Uiitcrnchmcrgcistcs und ebensolcher Prinzipien würde ohne Zweifel dem Aufbauwerke in ganz anderer Weise Kapital Zuströmen lassen, wenn cs nicht ä fonds perdu geschenkt, sondern zugunsten der Zeichner zu produktivem Werte angelegt und im Bedarfsfälle flüssig gemacht werden könnte. Das ist im Grunde die alte Chartcred Company Theodor Herzis aus dem ״Judensfaat“, der schon damals an die Stelle der Schenkungsmethoden die lebendigen wirtschaftlichen Kräfte des ganzen Volkes setzen wollte. Jewish Colonial Trust, Palestinc Land Co., Anglo Palestinc Co. —, das waren Etappen auf dein gleichen Wege, den wiederum cinzusclilagcn jeder raten muß, der will, daß die jüdische Kolonisation Ercz-Israels zu neuem, produktiven Leben erwachen soll. HerzI hat,, infolge des Widerstandes ,des da• maligen türkischen Imperialismus, die Idee der auf praktischen und rationell-kapitalistischen Methoden gebauten jüdischen Großkolonisation ebenso zurückstcllen müssen, wie die Idee des Charters und der jüdisch-arabischen Autonomie nach beendeter Einwanderung. In unseren Tagen ist der Gedanke des Imperialismus im Weichen, an seine Stelle tritt — heute oder morgen — Völkerfrieden, Völkerfreiheit und das gleiche Recht aller Menschen. Es ist deshalb Zeit, die alten ׳Zeichen wieder aufzupflanzcn! Berlin, Leopold Loewenthaf. Die vorstehende Erwiderung Herrn Loewenthafs auf meine Kritik seiner Vorschläge für die Reorganisation des Keren Hajessod hat einen prinzipiellen und einen praktischen Teil. Was den prinzipiellen beiriftt, so meint Herr L., daß cs not tut, die bisherige ״Wohltätigkeitswirtsehnft" in einen produktiven Aufbau umzuwandeln. Dieses Ziel, das Brandeis und auch der Rcorganisationskommission vorschwebte, ist sicher ein anstrebenswertes, und kein Zionist wird *ich dagegen aus• Nr!9 sprechen. Aber die Frage Ist nur, ob und wie e* zu erreich!.! ist, namentlich ob cs auf dem Wege der Umwandlung Keren Hajessod nach den Vorschlägen Locwcnthal! ^< sichern ist. '{ Damit kommen wir auf die rein praktische Fragt, t!J die es sich in meiner Kritik gebandelt hat. Ich habe wc,!!!j mit ״leisem Lächeln“ die Möglichkeit verneint, daß die kl Siedler jemals 3 oder ft des investierten Kap.tal? v/adc;! zahlen können, sondern nur bestritten, daß sie dies v0;| Anfang an können und daß überhaupt diese Erwartung eine sichere Kreditbasis geben würde, noch ausgeführt, da;I der Idealismus der Arbeiter ein Hindernis für privat»»׳,! schnftliche Erfolge ist, Diesbezüglich habe ich nur <y Zweifel Ausdruck gegeben, ob dieser Idealismus, ohne!1^ nach meiner Ucberzeuguiig Palästina nicht aufgebaut wer!!!; könnte, allein den Finanzkreisen als börscnniäßige Sicher^ der Zertifikate dienen kann. | Wenn Herr L. — w.u in seinem ersten Artikel nicht!fand — heute davon spricht, daß er überhaupt mir 3 <*'׳> Durch, scimittsvcrzinsung, aber nicht ״von Anfang an“, meint, ändert das nicht das geringste an meiner Kritik. V.-• er das Kapital durch die Sicherheit der Anlage und der Ver. zinsung anlocken will, dann muß er ein bestimmtes Ver. sprechen geben. Wie soll dieses lauten? Irgendwann mu5 doch die Verzinsung beginnen und irgendeine bestimmte Höh* muß sic haben. Also muß er sagen: in vier oder {״״! Jahren wird sie anfangen. Glaubt er wirklich, daß dies rin Anreiz für Kapitalisten wäre, ihr Geld herzugeben, noch dazu! bei einer Durchschnittsverzinsung von 3 «/#. Was die Sieker, heit der Anlage betrifft, die darin bestehen soll, daß der ganze Fundus im Besitz des Keren Hajessod bleiben soll, so ist das gar keine Aenderung der heutigen Situation, Der Keren Hajessod schenkt die Bauten usw. auch heutt nicht dem Ansiedler, aber der springende Punkt ist doch der, daß keinerlei Investitionswerte' für einen Kapitalisten Werte sind, wenn sie nichts tragen. Die Frage, warum die intelligenten jüdischen Siedler nicht imstande sein sollten, eine rationelle Verzinsung herauszuwirtschaften, ist eine rein theoretische. Herr L. mein!, schuld daran sei bisher die mangelnde Fachausbildung dtr Leute in der Etfaspora gewesen. Ja, wenn cs um nicht* anderes ginge, warum sind seihst dort, wo die in Palästina durch 10—15 Jahre glänzend ausgcbihleten Arbeiter an״e• siedelt wurden, die Erfolge heute noch gering? Es hieße, die ganze Geschichte der Kolonisation Palästinas ins einzelne neuerdings zu untersuchen, um die Antwort darauf zu geben. Aber ich unterlasse es, darauf einzugehen, denn es geht doch nicht an, daß Herr L. mir mit seiner rhetorischen Frage die BewcLslast ruschieben will, daß seine Behauptung stimmen muß. Herr L., der einen praktischen Vorschlag macht, müßte selbst darlcgen, warum er ihn für ausführbar hält und die* auf Grund sehr genauer Daten aus der bisherigen Kolonisationsgcschichte. Hier handelt es sich nicht um ״neue“ Ideen, wie etwa bei den Beispielen der Interersicrung vca Bankdircktorcn für technische Erfindungen, von denen L spricht, sondern um Ausarbeitung von bestimmten Plänen ia allen Einzelheiten, auf Grund der praktischen Erfahrungen seit 40 Jahren. Dies hat einmal Oettinger versucht und trotz der Einzelkritik an *einen Zahlen hat er eine erste Grundlage geschaffen. Es ist kein Zweifel, daß wir mit der Zeit zu einem Kolonisationssystem kommen werden, in dessen Schema sich die einzelnen Finanzinstrumente und Fonds werden einfiigen lassen. Das ist kein neuer, sondern ein sehr alter Gedanke, der z. B. von mir selbst schon 1903 lebhaft vertreten wurde. Aber momentan handelt es sich beim Keren Hajessod um aktuellste Notwendigkeiten: Heute sind wir wegen der geringen Einnahmen des Keren Hajessod nicht in der Lage, den schon vor drei Jahren beschlossenen Ausbau der N.-F.-Farmen zu festen Sicdlungspunkten, die nach Konsolidierung keine weiteren Zuschüsse brauchen und vielleicht auch eine mäßige Verzinsung abweisen werden, im erforderlichen Tempo auszuführen und die Siedlungen auf Neuland im Emck Jcsrcel — die sich im Stadium der ersten Urbarmachung befinden — mit dem Notwendigsten zu ver• sehen. Diese beiden Aufgaben müssen zunächst durchgeführt werden. Mit der Konsolidierung der Farmen wird eine kolonisatorische Tätigkeit, die wir seit 1908 mit großen Fehlern und schweren Opfern inauguriert haben, zum Abschluß kommen, und mit den neuen Siedlungen im Emck wird eine neugekaufte große Fläche kolonisatorisch erschlossen, sowie zwei wichtige Sicdlungsfortnen (Moschaw Owdim und Gdud Haawodalt) erprobt sein. Bis dahin können wir mit dem Teil des Keren Hajessod, der für Landwirtschaft zur Verfügung stehen wird, gar nichts anderes machen. Dann wird aber auch der Zeitpunkt gekommen sein, wo wir ein wirk• liches System in der kolonisatorischen Arbeit cinffihren könne», wenn bis dahltt die nötigen Institutionen, wie namentlich Agrarkreditbanken, gegründet und genügend fundiert *eia werden. Aber schon Jetzt muß gesagt werden, daß dieses System gewiß nicht das von L. vorgcschlagcne sein wird. Denn der Keren Hajessod wird auch weiter zum großen Teil für wirtschaftlich nicht unmittelbar produktive Zwecke benützt werden müssen, wie Schulwesen, Assanierung usw., denn wie anders sollen diese Aufwendungen bestritten werden, als durch einen Speudenfonds? Zertifikate auf Orund dieser Ausgaben können nicht emittiert werden. Des ferneren ist die Einbeziehung des J. N.-F. in den Keren Hajessod — abgc* scheu davon, daß dann gewiß weniger eingehen würde, a1* wenn die Fonds getrennt bleiben — schon deshalb vom ökonomischen Standpunkt undiskutabel, weil — wie cs de Lieme vor Jahren (in Ercz-lsraei Nr. 5, 1920) ausgeiührt hat -־ der Siedler nicht zur Rentabilität kommen kann (und damit auch nicht zu der von L. geforderten Abzahlung), wenn ihm die Amortisation der Aufwendungen für Bodenkapital und Amclioration aiifgcbiirdct werden würde. , Abcr selbst wenn diese und andere Bedenken unstlcif haltig wären und man versuchen wollte, auf Grund des L.’schen Vorschlags zu arbeiten, so bliebe er eben nur ein — Vor• schlag. Denn von vornherein durch das Dekretieren: Der Keren Hajessod finanziert die ganze Kolonisation *b ovo und die Siedler werden durchschnittlich 3 «0׳ Zinsen und Amortisation zahlen, ist doch nicht schon der Be weil erbracht, daß die« auch möglich ist. D. h. die großen l'inanzlcute werden auf diesen Vorschlag hin noch gar kein Vertrauen dazu haben, daß tatsächlich schon die nötige Sicherheit gegeben ist. E3 ist gerade umgekehrt: Wenn wir jetzt durch vorläufige Aufwendungen aus Spcndenkapital di» kolonisatorische Arbeit, wie sic heute im Werke ist, so weit führen, daß wir wtchweiien könntet; von djtsum Punkte leh'(! da: ״־) ge,!111 ( v< ■ ' K M N kV at l F 1 d i b e N h *