Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVIII (1923)
- Issue
- Heft 18 (2.3.1923)
- Date
- 1923-03-02
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10נ JUEDISCHE RUNDSCHAU Heren!)ajessod Die Keren Hnjessod - Aktion im Jahre 1923 Auf Grund der Vorschläge einer Konferenz der zioliisUschcn Vertrauensleute, die Anfang Februar in Berlin stadgefunden hat, hat der La ndesvoratand für die Keren Hajessod-Aktion unter Zionisten im Jahre 1923 folgende 13 c* Schlüsse gelaßt: 1. Die Zeichnungen auf Grund des Einkommens von 1922 find sofort zu tätigen und sofort ganz zu zahlen. 2. Die örtlichen Keren Hajcssod-Stellcn sind verpflichtet, Eingänge für den Keren llajessod unverzüglich nach Berlin SU überweisen. 3. Ab 1. April 1923 sollen vierteljährliche Vorauszahlungen auf den Maasscr vom Einkommen des Jahres 1923 geleistet werden, die am Ende des Jahres auf den endgültigen Maasscr- Betrag berechnet werden. Als Maßstab für die Höhe der Vorauszahlungen gilt der Maasscr vom Einkommen oder Verbrauch des vorausgegangenen Vierteljahres, deren Höhe, falls sic nicht genau festgcstclit werden kann, geschätzt werden soll. 4. Zeichnungen für den Keren Hajcssod sollen in Zukunft, falls sie nicht sofort honoriert werden, auf den Gegenwert eines bestimmten Pfundbetrages lauten, *’ Das Mißverhältnis, das sich zwischen den tatsächlichen Einkünften und den nach der Maasser-Ordnung errcchncten Keren Hajcssod-Beiträgcn in vielen Fällen ergibt, hat die zionistische ()Öffentlichkeit wiederholt beschäftigt. Schon in der Zentralkomitee-Sitzung, die um die Jahreswende stattfand, wurde der ganze einschlägige Fragenkomplex eingehend erörtert. Auch in der ״Jüdischen Rundschau“ sind wiederholt Aufsätze erschienen, die dieser Frage gewidmet waren. Schließlieh hat die Konferenz der zionistischen Vertrauensleute des Keren Hajcssod das gesamte vorliegende Material erneut zur Diskussion gebracht. Die vorstehend wiedergegebenen Be- Schlüsse des Landesvorstandes zeigen den Weg, der nunmehr gegangen werden soll. 1. Was zunächst die Zeichnungen anbetrifft, die auf Grund des Einkommens von 1922 abzugeben sind, so muß man sich mit der Tatsache abfinden, daß die ganz einzigartige Ent* Wicklung der Gcldwertveriiältnisse im Jahre 1922 den nach diesem Einkommen berechneten Maasser zum Bruchteil eines wirklichen Maasser gestaltet. (Das hat Im einzelnen Emst ,Wöllstein in Nr. 16 der ״Jüdischen Rundschau“ zutreffend ■nachgewiesen.) Es ist nun einmal nicht möglich, jetzt nachfraglich festzustcllen, wie die in den verschiedenen Teilen des Jahres 1922 unter gänzlich verschiedenen Geldwertverliälhiisscn verdienten Einkommensteile in ihrer Gesamtheit heute zu bewerten sind. Deshalb kann die Schädigung, die der Keren Hajcssod infolge dieser Sachlage erleidet, leider nicht vollkommen beseitigt werden. Dagegen ist es möglich, die Schädigung ganz wesentlich herabzumindern: dadurch, daß die auf Grand des Einkommens von 1922 zu zahlenden Beträge von jedem Zionisten sofort gezahlt werden. Dazu ist bei der ungeheuren üekiwertverminderung, die ein* getreten ist, jeder Zionist in der Lage. 2 ׳ ׳, ■ Eine unter allen Umständen vermeidbare Schädigung des Keren Hajcssod bedeutet es, wenn die örtlichen Stellen die bei ihnen ein ׳gegangenen Gelder ohne Notwendigkeit einen kürzeren oder längeren Zeitraum hindurch liegen lassen, bevor sie sie nach Berlin abflihren. Deshalb müssen die örtliehen Stellen unbedingt alle Eingänge für den Keren Hajcssod Unverzüglich nach Berlin überweisen. 3. Nachdem durch die sofortige Zahlung des auf Grund des Einkommens 1922 zu berechnenden Keren Hajcssod- Beitrages der Schlußstrich unter dies für den Keren Hajcssod recht trübe Kapitel gezogen worden ist, muß unverzüglich die Keren Hajessod-Aktion für das laufende Jahr — 1923 — beginnen. Es liegt auf der Hand, daß der schädlichen Wirkung einer etwaigen weiteren Geldentwertung nur dadurch vorgebeugt werden kamt, daß die Zahlungen nicht erst am Ende des Jahres, sondern in kurzen Zeitabschnitten erfolgen. Das gewichtige Argument gegen alle Vorschläge dieser Art war bisher, daß sie nicht gleichmäßig gegenüber allen Keren Hajessod-Zeichncrn durchgetührt werden könnten, weil zwar der Festbesoldete, nicht aber der selbständige Kaufmann in der Lage ist, vierteljährlich sein Einkommen festzustelien. Einen Ausweg aus dieser Schwierigkeit hat Georg Wollstein in Nr. 10 der ״Jüdischen Rundschau“ gewiesen, und seinem Oedankengange hat steh die Konferenz der Vertrauensleute im Arabische Hochzeitsbräuche Von Ben-Jakob. Die verschiedenen Zeremonien einer arabischen Hochzeit gehören zu den merkwürdigsten und sehenswertesten Erscheinungen in Palästina, ich hatte vielfach Gelegenheit, arabischen Hochzeitsfeiern in Palästina beizuwohnen, einmal sogar als Beistand des Bräutigams, mit dem mich aus der Zeit, da wir zusammen bei einem jüdischen Kolonisten arbeiteten, gute Freundschaft verband. Die arabische Hochzeit findet nicht, wie es bei den Juden auch in Palästina üblich ist, im Hause der Braut, sondern im Hause des Bräutigams statt. Selbst die ärmste Hochzeit dauert nicht weniger als drei bis vier Tage. Am ersten Abend versammeln sich die Männer des Dorfes, vorwiegend die Freunde und Angehörigen des Bräutigams. Sic setzen sich mit unterschlagenen Beinen in einen runden Kreis um ein großes Feuer auf dem Hofe. Einer von ihnen sorgt dafür, daß das Feuer nicht ausgeht, indem er ständig Holz und Mist zu wirft. Die anderen rauchen ihre ״Nargilchs" (Wasserpfeifen) und trinken Kaffee. Manche rauchen auch Zigaretten, die als Hochzeitsgabe vom Freunde des Bräutigams gespendet wurden. Dieser Freund spielt eine wichtige Rolle: Er leitet den ganzen ersten Hochzeitsabend. Später beginnen einige Hochzeitsgäste zu tanzen und machen verschiedene Späße. Die Frauen lassen von ihrem abgesonderten Platz aus ihre hellen Stimmen hören und klatschen in die Hände. In den ersten Tagen der Hochzcitsfeief gehen die Freunde des Brautpaares in die Stadt, um das Hochzeitskleid und Schmuck als Geschenk für das Brautpaar einzukaufen. Dieser Weg erfolgt In Scharen; sic singen, schießen in die Luft und voliführen auf ihren Pferden die bekannte ״Fantasia". Oie Braut wird in den ersten Hochzeitstagen mit Oel gesalbt und bei Gesang und Tanz geputzt und ge״ »ehmückt. Auch der Bräutigam wird in Anwesenheit *einer 1! wesentlichen angcschlosscn. Auch wer sein Einkommen in kürzeren Zeitabschnitten nicht errechnen kamt, kann seinen Verbrauch vierteljährlich fcststcllcn. Deshalb kann allen Zionisten ausnahmslos die Verpflichtung zur Leistung vierteljährlicher Vorauszahlungen aufcrlcgt werden, di: c:1tweder nach dem Einkommen oder nach dem Verbrauch des vergangenen Vierteljahrs zu berechnen oder zu schätzen sind. Das bedeutet nicht etwa den Ucbergang vom ״Mawrr vom Einkommen“ zum ״Maasscr vom Verbrauch" (der eine höchst unsoziale Einrichtung wäre). Sondern der Verbrauch wird nur als liiifsmnßstab fiir die Berechnung der Vorauszahlung gen /»gelassen. Am Jahresende aber hat jeder Zionist den Maasscr vom Einkommen festzustcllen umi den Betrag zu zahlen, der nicht bereits durch Vorauszahlungen beglichen Ist. 4. Bei dem neuen Arbeitssystem des Keren Hajcssod wird grundsätzlich für ״Zeichnungen“, d. h. für Zeichnungrankündigungen, die erst in einem späteren Zeitraum honoriert werden sollen, wenig Raum sein. Es ist dringend erwünscht, daß künftig im allgemeinen Zeichnung und Zahlung zeitlich zusainmcnfallcn. In den Fällen, h> denen das aus besonderen Gründen etwa doch nicht möglich ist, muß der Zeichner den Keren Hajcssod von der Gefahr einer Ocldwcrtverschlcchtcruug entlasten. Deshalb sollen derartige Zeichnungen auf den Gegenwert eines bestimmten Pfundbetrages lauten. Mesopotamien Dr. Bcn-Zlon befindet sich zurzeit auf einer Propagandatournce für den Keren Hajcssod in Mesopotamien, wie er mittcilt, hat ein bekannter reicher Jude in Basra, Georg Schem-Tow, ein Testament gemacht, durch das nach seinem Tode dem Keren Hajcssou sein gesamtes Vermögen in Höhe von 140 000 Pfund Zufällen aofl. I -.-.-."י ( Vom amerikanischen Reform * Judentum N e w Y o r k. (L C• B.) Der ״Verband der amerikanischen Reioringcmcinden“ hat in diesen Tagen eine Jahrcskoufcrcnz abgehahen, die zugleich die Feier der 50jährigen Tätigkeit des Reform gedankens in Amerika gewesen ist. Mehr als 3500 Delegierte und Gäste waren 15ei den Sitzungen anwesend. Seitens der Delegierten wurde eine Reihe religiöser Reformvorschlägc gemacht, von welchen die folgenden hervorzuheben sind: Revidicrung der Heiligen Schrift in dem Sinne, daß ein Ausgleich zwischen jüdischer und christlicher Auifassung zustande kommt. Aus der Bibel Sollen sämtliche Wuudcrgcschichten entfernt werden, wogegen die Christen aus dem Neuen Testament alle Stellen ausmerzen, die für die Juden beleidigend sind. Ferner soll die Bibel in Übereinstimmung mit den Prinzipien de« Darwinism us gebracht werden, damit die aufgeklärten Teile des Volkes aus der Religion neue Erleuchtung ziehen. Der Kampf gegen die jiddische Sprache soll mit allen Mitteln geführt werden, da Amerika kein Golusland sei und deshalb die Gotospräche Jiddisch unter keinem amerikanischen Volksteü ais Umgangssprache gebraucht werden dürfe. Es wurden auch Resolutionen gegen den amerikanischen Antisemitismus angenommen, besonders gegen den Plan des numerus clausus an der Harward* Universität zu Boston. Die Schlußsitzung der Konferenz brachte eine Sensation, indem der greise Rabbiner Dr. Joseph Sfivcrmann vom Enianuai-Temnd im Namen von 16 Delegierten eine Resolution ucs Inhalts eingebracht hat, die Konferenz stimme dem Palästina-Mandat sowie der Re* solution des amerikanischen Kongresses zugunsten eines jüdischen Heimes in Palästina zu und empfehle die Unterstützung dieses Gedankens. Nachdem mehrere bekannte Antizionistcn gegen die Einbringung dieser Resolution protestiert hatten, wurde dieselbe auf Antrag Henry Margenthaus einer Kommission über* wiesen. Inzwischen erhielt Dr. Silvermann von zahlreichen Delegierten das Versprechen, die Resolution zu unterstützen. Ein weiteres Bombenattentat Warschau. (J. C. B) Nach dem Bombcnaffcnfat gegen die Wohnung des Abgeordneten Dr. Wein zieh er in Bendin und des Dr. P e r 1 m a n n in Sosnowitz ist auch gegen die Wohnung des Arztes Dr. Melodista, der Mitglied der Wahlkommission der nationalen Minderheiten war, ein Bombenattentat verübt worden. Auch dieses Mal hat man von den Tätern keine Spur. Man ist in jüdischen Kreisen der Ansicht, daß die Untersuchung einen ganz verkehrten Weg ein sc 11 lägt, indem sie die Spur eines angeblichen bundistischen Attentates verfolgt. Dadurch gewinnen die wahren Urheber einen Vorsprung, der nicht mehr einzuhoicu sein wird. . Zum Bcamtenproblem { Zu unserem Artikel in Nr. 12 geht uns folt-tn■׳,' Schreiben eines zionistischen Beamten zu, das '* wohl es uns nicht zu diesem Zweck übersandt hier wicdcrgcbcn. Red. d. ״J. R.“ : Nicht in alle{! Ländern und Parlamenten war und!י I es unmöglich, Beamte ins Parlament zu wählen. Ejn . kn nute» Beispiel: Oesterreich-Ungarn und auch das 1׳ncxlt;>t demokratische Oesterreich. Im alten Oesterreich w,(); sehr viele Beamte Abgeordnete und sie waren sogar währe;' ihrer parlamentarischen Tätigkeit konstitutionell dagegen j,j sichert, nicht etwa wegen oppositionellen Benehmens י der Regierung gcmaßregclt zu werden. Sic rückten gci- : י den allgemeinen Vorschriften (Dicnstalter, Rangklassen) ,; und verloren daher keine Chance. Nicht daran ist O«!.( | rcich-Ungarn zugrunde gegangen! fm neuen Oesterreich;!; es nicht anders: Es ist ja bekannt, daß, während uns!* Gg. Stricker Abgeordneter war, er sein Amt als hohe! Beamter im Eisenbahndienst nicht zu verlassen brauchte. | Zweiter Gesichtspunkt: Führt man das P״r1j der Inkompatibiiitiit in der Zionistischen Organisation streu, durch, so wäre cs natürlich ein Unding, bei den Beamte' der Zentrale Halt zu machen. Es war deshalb eine der mul würdigen Erscheinungen der Londoner Konferenz, daß Hen Jean Fischer bet seinen Versuchen, die Inkompatibilität dt! Beamten mit gewählten Delegierten und A.-C.-Mitgliede1j| \ durch zusetzen, z. B. die Unterstützung des Herrn Jscor* de Haas fand, der in Amerika gleichzeitig gt, wähltcs Mitglied der amerikanischen Exekutive (untt: Brandeis) und der bezahlte, beamtete Sekretär der Zionist sehen Organisation Amerikas war. Und man darf doch nid,1, argumentieren, daß der Kongreß nur über die Zentrale bi stimmt und daß nur deren Beamte von der Wählbarkeit auj, geschlossen sein müssen, gibt es doch unzählige Fragen, th, den Zusammenhang zwischen Kongreß, Zentrale und Landes föderationen herstcllcnl Das Prinzip müßte also, kos. scqucnterwcisc, dazu führen, daß auch Beamte der Landes! und Sonderorganisatioucn weder an deren Tagungen stimm. I berechtigt teilnehmcn, noch in deren Komitees sitzen dürfen, noch sich zum Kongreß wählen lassen dürfen. Und «׳« ist Beamter? Offenbar jeder, der für seine Leistungen, wen! er sie berufsweise ausführt, honoriert wird. Und wie steht ti wenn jemand wohlhabend genug ist, sich ohne Honorieren( als Beamter zur Verfügung zu stellen? Wird er auch dann disqualifiziert oder begnadet, weil er ein väterliches Erb! besitzt? Und dann kommt die letzte Frage: Dürfen tli aktives Wahlrecht behalten? Haben sie darum nicht d;t Möglichkeit, vielleicht einmal das Zünglein an der Wage n bilden und bei der Wahl von Delegierten ihre eigen« Interessen genau so zu fördern, wie wenn sie selbst Delegiert! würden? Und nicht nur das. Dieselbe ״korrumpierende'■ Wirkung kann cs natürlich haben, wenn sie überhaupt aktiv arbeiten. Müßte man es von diesem Gesichtspunkt aus nicht allen zionistischen Beamten verbieten, Artikel zu schreiben (dir nicht offiziell gebilligt sind), Reden zu halten (die nicht nur ihren eigenen Aufgabenkreis betreffen und von der vorgesetzten gewählten Instanz mit einem Imprimatur ver• sehen sind). Kann denn nicht z. B. ein Beamter wie Blumen, feld oder Ruppin (der nur Beamter war und noch nicht gewähltes Exckutivmitglled) durch Reden oder Schriften mehr und weiter entscheidenden Einfluß üben ais durch sein passive! und aktives Wahl- und Stimmrecht? Alle diese Gesichtspunkte sollten erörtert werden. Ei ist erfreulich, daß durch die Diskussion zwischen ״Hatikwah'1 und ״Rundschau" dieser Fragenkomplex endlich einmal sach• lieh erörtert wird. Es ist unsinnig, dieses Thema immer nur mit Leidenschaft und Verbitterung zu behandeln. Es bedarf ruhiger Betrachtung und Erwägung. Man könnte auf diese Weise manche Mißverständnisse aufklären, die oft nicht zerstört werden konnten, wenn die Frage ohne sachliche Auseinandersetzung bei Konferenzen und Kongressen zur Ent- Scheidung gestellt wurde. Das ist auch der Hauptvorwurf, der Herrn Jean Fischer, dem Vorkämpfer der Inkompatibiiitäts• thcoric, gemacht werden kann, während cs bedauerlich ist, daß man seine Beweggründe manchmal in mangelndem guten Willen und Unverständnis für die Leistungen der Beamten sicht — was wieder ihn und seine Freunde provoziert hat Hätte man diesen ganzen Fragenkomplex immer ruhig und sachlich behandelt, so wären manche Kämpfe und verbitternden Auseinandersetzungen unterblieben, die schlimmer gewirkt haben, als cs im Interesse der Bewegung hätte zugelassen werden dürfen. ra b.!IL f 1 ei ן ih ׳:; K '■!■ ht 81 le 1! \v , ui 111 V ׳ ׳ di i d! 1י ' •M '״ m gi tr K f;' v< .; Bl L >' 1 st :׳׳ hi;■ sc ן ] CI ei■' R. r' st ־ zi B i d:; a v<; sc W K k< l d! 10 d< ar je zu Ul nächsten und treuesten Freunde festlich gekleidet. Die Eheschlicßungszcrcmonic findet beim Dorfältesten statt. Den ganzen Tag der Eheschließung hindurch geht es im Dorfe sehr lustig zu. Am Abend wird zunächst der Bräutigam von seinen Freunden, nach dem Brauch unter großem Lärm, Im Zuge durch das ganze Dorf zu seinem Hause geführt: dabei werden Liebeslieder gesungen, die in ihrem Inhalt vielfach an das Hohelied erinnern. Dann folgt das Hochzcitsmahl. Geladene und ungefadene Gäste setzen sich mit unterschlagenen Beinen auf die Erde und essen gebratenen Reis, der stark mit Ocl versetzt ist. Sechs bis acht Personen essen aus einer Schüssel. Wenn sic satt sind, räumen sie den Platz für andere. Der Reis wird ohne Zuhilfenahme von Löffeln oder •Gabeln gegessen; derlei Gerät kennt der Dorfaraber noch nicht. Er steckt die Hand in die Schüssel, faßt kunstvoll eine Hnndvoll Reis, schiebt sic noch kunstvoller in •den Mund, ohne daß ein Körnchen dabei zu Boden fiele, wischt das Ocl vom Munde und ißt weiter, bis er satt ist. Ich erinnere mich noch mit Schaudern meiner Qualen bei einer arabischen Hochzeit, zu der ich geladen war. Ich saß bei der Rcisschüssc! uttd sah den Arabern genau beim kunstvollen Rciscsscn zu. Doch ich konnte ihnen das Kunststück absolut nicht nachmachen. Ich bekam sehr wenig zu fassen, wenn ich die Hand in die Schüssel steckte, was ich in der Hand hatte, fiel zu Boden, che es zum Munde kam, und überdies machte ich mich am Oel schmutzig. Die Araber machten allerhand Scherze über den Europäer, der ohne Löffel nicht essen könne. Meine Quai hatte erst ein Ende, als die Rcisschiisscl leer war. Nach dem Reis wird den Gästen Kaffee vorgesetzt. Indessen befassen sich die Freunde des Bräutigams damit, ohne Zeremoniell die ungebetenen, unerwünschten Gäste hin• auszuwerfen. Dann erst beginnt die Musik zu spielen, welche aus einem Paar verschieden gestimmter Mandolinen, Pfeilen, einer Gitarre und einer Pauke besteht, Allmählich beginnen einige Gäste zu tanzen. Getanzt wird der Schwertertanz, bei dem eine Gruppe von Männern tanzt und dabei die scharten, blinkenden Schwerter gegeneinander zückt. Wer sich am Schwertertanz nicht beteiligen will oder kann, maß sich mit Odd loskauten, das den Musikern zutällt. Nach dem Schwertertanz breitet der Freund des Bräutigams auf dem Boden ein Tuch aus, auf welches jeder Gast ein Geld• geschcnk legen muß. Der Name des Spenders wird wiederholt laut und ehrfürchtig, von einem Segensspruch begleitet, ansgerufen. Um der Ehre und des Segens öfters teilhaftig zu werden, geben viele ihr Geldgeschenk in Teilen. Zu gleicher Zeit findet im Hause der Braut eine zeremonicUc Feier statt, an welcher außer den nächsten männliehen Verwandten des Brautpaares nur Frauen tcilnchmcn, Nach Musik und Tanz werden die Vorbereitungen zur fest• liehen Einführung der Braut in das neue Heim des jungen Paares getroffen. Das geht aber nicht leicht. Da fordert ein Oheim der Braut ein Geldgeschenk für die Erlaubnis, das Mädchen aus dem Hause zu fuhren. Bis dieser Fürderung nach viel Geschrei, Zank und Handeln Genüge getan ist, kommt der jüngste Bruder der Braut und will auch Löscgeld für die Erlaubnis, die Braut aus dem Hause zu führen. Endlich setzt sich der Zug in Bewegung. Aber neben dem Hause des jungen Paares bleibt die Braut stehen und tut, als wolle sic sich nicht hineintühren lassen. So ist es Brauch. Dieses Spiel dauert längere Zeit. Auf der Schwelle des Hauses wird der Braut ein Stück Sauerteig gereicht, den sie mit einer zeremoniellen Handbewegung auf ihre Stirn legt. Sic betritt das Haus mit einem Krug Wasser auf dem Kopfe als Zeichen der Ucbcrnahmc ihrer Pflichten als Hausfrau, Spät am Abend versammeln sicii die Frauen mit der Braut in einem Zimmer, der Bräutigam sitzt allein im anstoßenden Zimmer. Die Tür zwischen beiden Räumen ist offen, der Bräutigam sitzt ihr gerade gegenüber. Unter ohrenbetäubendem Quietschen der Weibe•־ geht die Braut dem Bräutigam eet״-e״. Sic schreitet mit gesenktem IS A• 1, ül b! in 1 di : bc 1 ia i in « d« 1 m A ן ui 1 M B hi zi g» b! S< T w bi 0 b a s: k {, *• d r z ו < #n- O >-o t > גז■? 3 N בש