Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVIII (1923)
- Issue
- Heft 16 (23.2.1923)
- Date
- 1923-02-23
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Ke Polizeidirektion stellte 1'!ן al1f den Standpunkt, daß diese Plätze nur für Verf-s131tungcu freigegeben werden könnten, die — Sache des *.-vcn Volkes seien. Da die Sozialisten ablchntcn, irgendwo!' der Vorstadt zusnmmenzukomnien, unterblieb die Demon- ”׳gion. Und unsere guten ״Münchener Neuesten Nach- “ konnten die Mitteilung von diesem Tatbestand ״Eine Kundachten ,Piuiiizelnd mit den Worten übcrschrciben: '{Diing, die unterbleibt“. 1 Etwas später kündigte eine ״Gemeinschaft proletarischer Freidenker** den Vortrag eines Herrn von Mühlbaur über Hitler und die nationalsozialistische Bewegung“ an ’,;ן versprach dabei, Hitler selbst oder seinen Vertreter (״civiertcl Stunde lang zu Wort kommen zu lassen. Am -idislen Tag war ganz München mit riesigen roten Plakaten pigeiukn Wortlauts überdeckt: ״Die Jüdischen Drahtzieher des proletarischen Freidenker- oder Nichtfreidenkcr-Vercins besitzen die Frechjuit. meinen Namen auf ein Plakat zu drucken, zu dem; durchsichtigen Zweck, ihrer ansonsten allmählich aus- : st״bcnden Narrengemeinde dadurch neues Biut zuführen ' w können. j Es wurde mir zu dem Zweck gnädigst gestattet, durch j ejne dreiviertel Stunde lange Rede zu versuchen, ob es mir i etwa gelänge, aus einem freidenkerischen Hering eine ] nationalsozialistische Bachforelle zu machen. 1 Ich habe auf den koscheren Vorschlag eine einzige Antwort zu geben: 1 1. Rede ich überhaupt nicht vor Juden, j 2. Kann ich und will ich nicht reden vor »,,Frai• : denkern“, da man dann auch frei reden können müßte. I Soviel mir aber bekannt ist, ist zurzeit der Maulkorb in! Deutschland zwar nicht den proletarischen ״Fraidenkern“, ן dafür aber um so inehr der denkenden Vernunft überhaupt; verboten. Unsere Parteigenossen ersuche ich, au! den blöden! jzdenschwindcl nicht hereinzuralien und d e fraidenkerische Gemeinde in Ruhe und Frieden frei denken zu lassen.“ Adolf Hitler. Plakate unterliegen der Genehmigung. Diese Kund-;;!ing, die ganz München überzog und von der jeder Kennt- ■j nehmen mußte, erfolgte also im Einverständnis mit eben ner Polizeidirektion, die einen einzelnen Platz zu einer .1Demonstration für die Unteilbarkeit ^ler deutschen Republik ';der nicht freigeben konnte, damit in dieser entscheidenn Stunde Deutschlands Parteigegensätze nicht aufgewühlt ,Irden und nur das in sichtbare Erscheinung träte, was Sache « ganzen Volkes sei. Das ist demnach, sachlich ausgedrückt, amtliche Bestätigung der schon vorher bekannten Tat- 1;he, daß es ln Bayern eine Einheitsfront nur gegen die : den, also einen Teil der eigenen Volksgenossen, gibt. Und als wir am nächsten Morgen wieder erwachten,!::glückten neue Plakate unser Auge; diesmal verfaßt vom;,Bund jüdischer Frontsoldaten“ und folgenden Wortlauts: j ״Der Feind steht an der Ruhr. Die Heimat hat jetzt!Ire Pflicht zu tun. ■ | t werden, icrschbarc Hum zürn uUiteratur nicht enis davon; lern. An■ en, fehlte 11 cn bin• der Eine Schrift■ in vielen :csscnheii Literatur jiuiisclicn Sprache n Uebcr• , Pcrcz, 1, Essay« aiik, der Dichter chowski, >lie Be־ .d tiefer, gelingt• idcntimi, vor uns r Gasse, Dwiscen•! Bcofr ■0 maß• bei den 1 nicht* “ zeigt, blieben. 1c Subsollte•!iS zu« a honen, ■n ur.d; Sitten bonsert läisCllC* '] diese allgemeine Charakteristik durch Belege einzelner Stellen, i'itze, Wörter zu stützen; sie sind widerlich genug (der jScholar mit der barbarischen Musik!), treffen aber jedes für;*<hnicht die peinliche Atmosphäre, in der das Ganze schwebt.‘ :•uiiisleren unsere jüdischen Dichter nicht Schwächen, geißeln 6! nicht auch Sinnloses und Niedriges? Sie tun es mit der ■ i 1׳.'affe der Kunst, mit dem Humor, der auch das Unbedeutende, . > s Schädliche zur Höhe hinanzieht und kräftigere Wirkung f Et als sachlich begründendes Beweisen. Dem Roman von 1 •naraud fehlt der Humor völlig. Ganz leise geht der Unter- '« der Bosheit, der Ironie, der Verachtung, des Witzeln«! prdi das Ganze, und auch falsche Darstellungen und Ver- Landungen (von der Uebersetzerin einmal korrigiert) fehlen י Lebt. Ein unerquickliches Gefühl bleibt zurück, wenn man Buch beiseite legt. Wir bekämpfen heute die Flut von Befeindungen״ die;‘1 Judentum, dem Ostjudenfum zuteil werden. Angriffen : ';'n man entgegentreten•, die ״große Täuschung“ kann man L noch größere Täuschung ihres Verfassers aufdecken und;»«legen. In der Politik können Ucbertreibungen auf ihr zurückgefiihrt, Irrtümer rektifiziert werden. Aber in ־’/ Belletristik gibt cs keine Waffe, die dem entspräche. f;c sollte man Kunstwerke widerlegen oder richtig stellen? i:f hat cs für einen Sinn, Lieblosigkeiten und Verstand-;׳*losigkeit einer Romandarstellung aufzudecken, die dem;«er doch gerade diesen Unterton hinterläßt, wenn ihm längst ‘ Einzelheiten entschwunden sind? Hier muß eine Ver- 5J"g fcstgestellt werden. Die Kunst, die schöne Literatur ist;3״er (im großen ganzen) von den Tagesströmungen, von dem »Lscmilismus frei geblieben. Wer Gedrucktes über den ״״,'isemitismus lesen will, hat hierzu andernorts überreichlich ־,degenheit Man sagt, Juden seien immer empfindlich, wenn ihre Fehler Licht gezogen werden. Das ist richtig. Die Schwächen, '!' wir besitzen, sind wir allzu eifrig abzulegen bereit.! plle‘'<iings haben wir eines — wieder — gelernt, zu erkennen: ,'!11«r, die man uns lieblos entgegenhält, sind oft keine; ‘'״er, sondern unsere Eigenart, die andere uns ln Ge- ’;5'/1״keit verübeln. Wird aus der Summe alles Wahren nur 1 hcraur.kristalliH’yt, was unvorteilhaft ist und — in ein Risses Licht gLetzt — abstoßend wirken muß, so ent- :!if|h im Endeffekt ein Zerrbild, das der Wahrheit Hohn *pricht. ' : . dieser Roman braucht nicht antisemitisch' gewollt zu In der Wirkung ist er schlimmer als antisemitische die ofien und deutlich ihren Charakter alt Tendenz- JUEDISCHE RUNDSCHAU Der deutsche Jude hat In den unvergeßlich großen Jahren Schulter an Schulter mit den anderen deutschen Volksgenossen Gut und Blut geopfert Grenzenlose Ergebenheit zu seinem Vaterland ist heute wie dam,11a in ihm verankert. Und heute wie damals wird das deutsche Judentum nicht nur durchhalten bis zum äußersten, sondern mehr tun als seine Pflicht-** II. Ist das alles wahr? Vom Plakat der jüdischen Front- Soldaten habe ich nur geträumt. Aber dieser Traum war wenig originell, da er nur reproduzierte, was In diesem Geiste und in diesem Stil wiederholt an den Straßenecken Münchens zu lesen war. So unterhält man sich jetzt hier seit Jahren. Seit Jahren wird die Bevölkerung durch Anschläge und Versammlungen gegen die Juden gehetzt; und Immer geschieht es auf die geistvolle und ticfbegriindctc Art, von der das letzte Hitler- Plakat ein Beispiel gibt. Und seit Jahren läßt da9 eine große jüdische Gemeinde, der eine Fülle alteingesessener, angesehener und einflußreicher Familien angehört, mit sich geschehen. Wenn sic sich aber einmal aufrafft, geschieht es, um den Fuß zu lecken, der sie tritt. ׳ Es ist tief lähmend, seine Ehre wehrlos dem unverantwortlichcn Treiben eines demagogischen Narren preisgegeben zu sehen; in einer Umgebung von Feinden zu leben; und von der Gemeinschaft, deren Kultur man angehört, deren Sprache man spricht, und in deren Schicksal man verflochten ist, ausgeschlossen zu sein wie ein Hund. Aber viel fürchterlicher ist die Tatsache unserer eigenen Erbärmlichkeit. Es brauchte soweit nicht zu kommen. I Diese Juden hier sind von so geschwollenem Stolz auf ihr Deutschtum: auf ihrer! bayerischen Dialekt, auf den blauen Janker und die Kniehosen; sie sind von solcher Verachtung gegen den Ostjuden, der die Höhe ihrer bayerischen Kultur nicht erreichte — und sie sind ln Wahrheit schäbigere und gedrücktere Gesellen als die traurigste Ghcttocx' mz. Man gehe durch die Straßen und sehe die großen jüdischen Oescliiiftshäuser; man höre die Namen, deren Klang häufig über die Grenzen der Stadt hinau3gcht. Und man steht fassungslos vor der Tatsache, daß die Micbt, die diese Menschen hahen könnten, wenn sie Mcn-chen wären, zu einer Ohnmacht wurde, durch die sie m'׳‘ Recht der Gasse preis- gegeben sind. III. Für uns Zionisten aber sind diese Tatsachen ungemein lehrreieh. Die Abwehr galt als Domäne unserer Ocgner. Säe hatten nichts als Abwehr; sie war ihr Kampfgeschrel gegen uns, ihr Stolz und ihre Fahne. Nun, heute steht fest, daß sie selbst aut diesem einzigen Oebict, das Ihnen Judentum bedeutet, elend versagt haben. Sie haben ihre Tiraden gegen uns geschmettert; aber als es darauf an kam, haben sie nicht einmal abgewehrt. Sie haben sich nach oben verbeugt und nach unten getreten: den Ostjuden haben die Helden abgewehrt. Und damit ist die Abwehr heute auch unsere Aufgabe geworden. Es handelt sich schon nicht mehr um die tlico rctische Frage, wie weit die Bekämpfung des Antiscmitis mus in Deutschland Sache der zionistischen Bewegung als solcher ist. Es handelt sich einfach um die Tatsache, daß dasselbe natürliche Empfinden aufrechter Menschen, das uns zum Zionismus führte, heute auch notwendig zum Abwehr■ kampf treiben muß. Es Ist unnatürlich, sich, wenn man bespien wird, mit der Blickrichtung Palästina zu trösten. Wer nur dahin sieht, hier aber sitzt, muß spontan das Bedürfnis haben, den Erniedrigungen zu wehren, die ihm hier an jedem Tage zuteil werden — oder er hat vor lauter Ideologie sein natürliches Gefühl verloren. Das betrifft den einzelnen Zionisten. Die Organisation als solche aber — Ich habe das hier schon einmal gesagt und werde es noch häufiger sagen schrift erkennen lassen. Die Kunst soll frei sein von Fesseln der Tendenz, sic will den Menschen veredeln, sie will an «eine Seele rühren. Dieses ״Kunstwerk“ vergiftet die Seele. Dr. ferner Bab. Seite 89 sollte sich der großen propagandistischen Bedeutung bewußt werden, die darin liegen könnte, wenn wir es sind, die sich des augenblicklich unmittelbarsten Bedürfnisses de» deutschen Judentums in würdiger und weithin sichtbarer Weise annehmen, Unsere Sache wäre cs sogar, die deutsehen Intellektuellen zu sammeln, die dem antisemitischen Treiben mit Abscheu gegenübersteben, aber der Initiative zur Sammlung entbehren. Selbst heute gibt cs genug solcher Männer, die unserem Rufe folgen würden, weil' sic, indem sie für uns eintreten, der deutschen Sache im Kampf gegen den Ungeist dienen. Jan Kroker. S. Müllen ״UcbcrbllcK über die biblische und nachbiblische jüdische Geschichte" (Wiederholung im Gc* schichtsuntcrricht). 2. verbesserte und vermehrte Auflage- J, B. Metzlersche Verlagsbuchhandlung, Stuttgart 1923. Der rühmlich bekannte Verfasser der ausgezeichneten biblischen und nachbiblischen Geschichtswerke, S. Müller in Heidelberg, hat soeben in 2. verbesserter und vermchrter Auflage ein vorzügliches Repetitorium für den biblischen und rinchhiblischcn jüdischen Geschichtaunterricht erscheinen lassen, aas sich als bahnbrechende Pionierarbeit in hohem Maße segensreich erweist. Denn wieviel wird dadurch gesündigt, daß der Jugend die Wiederholung des in früheren Jahrgängen durchgenommenen Gcschichtsstoffcs vorenthalten wird! — Hier wird nun für diesen ganz besonderen Zweck in gedrängter Darstellung, frei von gedächtnismäßiger, bloßer Aneinanderreihung, mit methodischer Meisterschaft, herzenswarm und sprachschön, mit Ernst und Würde jüdisches Wissen und Fühlen von hoher Warte herab vertieft. Die Beleuchtung des Oottcsdienstes, der Opfer, der religiösen Gebräuche, der hiiusliehen Andacht, der Festtage, des Prophetisimis, der sozialen Idee usw. wird in einer, ähnliche Darstellungen auch an innerem Gehalt weit überragenden Form geboten und weckt in den Herzen der reiferen Jugend, wie ich als Religion»- ichrer an höheren Schulen oft habe beobachten können, einen mächtigen seelischen Widerhall. Es ist keine Uebcrtreibung, wenn man diese neueste Arbeit Müllers, der selbst, — wie er in seiner interessanten, und lehrreichen Vorrede sagt — nunmehr auf eine 25 jährige schriftstellerische Tätigkeit im Dienste des jüdischen Religionsunterrichtes zurückblicken kann, als eine besonders bedeutsame Erscheinung bezeichnet. Möge der vortreffliche Mann und Pädagoge, der so lange schon der jüdischen Jugend sein Bestes hingibt, und der überdies für die Hebung des jüdischen Bentntenstandcs stets mannhaft eintritt, uns noch mehr solch edle Blüten seiner im Dienste der Wissenschaft gereiften Lebensarbeit schenkenI — Ich verfehle nicht, noch zu bemerken, daß ich als Religi-onslehrer an höheren Schulen das Buch und alle seine Geschwister Aus eigener Erfahrung seit vielen Jahren bestens kenne und daß ich. daraus die Berechtigung für mich ableite, es allerorten wärmsten« zu empfehlen, m Kürz« und Einfachheit mit Klarheit und Hamburger Brie! Im großen Hörsaal der hiesigen Universität fanden fünf akademische Vorträge über die ״Juden frage“ statt. Ein zu diesem Zwecke gebildetes Komitee hatte die Veranstaltung getroffen, die sich eines ganz besonderen Zustromes erfreute. Sowohl Juden wie Nichtjuden füllten den großen Raum bis auf den letzten Platz, und es war nicht möglich, weiteren Nachfragen Rechnung zu tragen. Zweck dieser Vorträge war, die theoretischen Grundlagen des Judenproblems zur Diskussion zu stellen und das Interesse für den Aufbau Palästinas zu weckitn und zu vertiefen. Als erster Redner sprach Prof. Franz Oppenheimer aus Frankfurt a, M. über die ״Juden und der Staat“, Vom soziologischen Standpunkt aus behandelte er den Staatsbegriff, sprach über den Feudal-, Klassen- und Gemeinschafts• Staat und stellte die Kennzeichen jedes einzelnen heraus, als deren bedeutsame Lebens- und Sprachgemeinschaft gelten. Nach einem Exkurs über politische Erscheinungen der Gegenwart wie die verlogene Judenstatistik und die Auswüchse des Klassenstaates wandte sich Oppenheimer dem im Entstehen begriffenen jüdischen Gemeinwesen in P a 1 ä s 11 n a zu, das als eine ״reine Gemeinschaft“ errichtet werden müsse, die auch den Minoritäten ihre Rechte belasse, sonst würde all das Unrecht, über das wir uns seit zwei Jahrtausenden beklagen, seine nachträgliche Berechtigung erhalten. , Der soziologisch-politischen Behandlung des Problem* folgte die rein historische von Prof. K i 11 e 1 - Leipzig, dem protestantischen Alttcstamcntler an der dortigen Universität. Er sprach über ״Die Juden in der Antike und ihre Bedeutung für die Kultur des Abendlandes“. In einem umfassenden geschichtlichen Rückblick wurde der Nachweis geführt, daß nur die innere religiöse Entwicklung des jüdischen Volkes, der Einfluß der Propheten und die Macht der Religion das Weiterleben trotz der drohenden Entwurzelung in Babylon bedingt haben, daß ferner Israel als das klassische Volk der Religion durch die Kraft seiner religiösen Ucberzcugungen, durch die universalen Ideen seiner Führer der abendländischen Kultur ihren Stempel aufgedrückt habe. Diese Darstellung unterbrach der Redner wiederholt durch eine scharfe Stellungnahme gegenüber dem einseitigen Spczialisicrungsversuche des jüngst verstorbenen Prof. Delitzsch als auch gegenüber dem starken Dilcttantismus eines Oswald Spengler. Aus dem Ablauf der geschiehtliehen Begebenheiten leitete Kittel in seinem Schlußwort die berechtigten Ansprüche unseres Volkes auf Palästina her, wo er ein Aufleben und eine Entwicklung geistiger Kultur im Interesse der ganzen Welt für wünschenswert hält. An die historische Darstellung schloß sich die rellgionsgeschichtliche von Privatdozent Dr. Ob e r m a n n -Hamburg, der über ״Judentum und Islam“ sprach. Zwei Thesen führte er ln geistvoller und großzügiger Weise durch: die Entstehung des Islam aus dem haggadischen Judentum und die Beeinflussung der mittelalterlichen jüdischen Religionsphiiosophen durch die islamitische Kultur. Durch mannigfache Belspiele wurden die Gedankengänge illustriert, und das historische und sachliche Verhältnis beider Kulturen scharf hcrausgearbeitet, das vom islamisierten Judentum zu dem aus dem Judentum erwachsenen Islam. Mit einem interessanten Ausblick auf —"~יייי׳ייי-י~י-־ייייייי— Herzenswärme zu vereinigen, ist eine schwierige Kunst. Dem verdienstvollen Autor ist es gelungen, auf 65 Seiten das jüdische Volk im Spiegel seiner Geschichte, im Zusammenhang mit der Geschichte und Kultur seiner Umweit umfassend und liebevoll zu zeigen, die ganze jüdische Geschichte so darzustellen, daß der weiterleitende Faden nie aus den Augen verloren wird und das Ethisch-Religiöse in den Vordergrund tritt, damit nicht nur Wissen gefördert werde, sondern damit die Darstellung auch religiös — sittlich — bildend wirke. —« Rein pädagogisch gesprochen, wird es der leider oft vernachlässigten Wiederholung gute Dienste leisten und das verständnisvolle Lesen in der Bibel sehr erleichtern. Hermann Zivi! Elberfeld. Richard Otto Frankfurter: David schlägt die Harfe, Roman. Orethlcin & Co., Leipzig u. Zürich. Ein historischer Roman, der sich bemüht, die Zeiten Sauls, Davids und Salomos vor uns lebendig werden zu lassen, kann unseres Interesses und unserer Teilnahme sicher sein. Man wird dem vorliegenden Roman das eine lassen müssen, daß er spannend zu erzählen weiß und daß er sich bemüht hat, seine Personen zu charakterisieren und uns menschlich näher zu bringen. Der Verfasser legt Wert darauf, zu betonen, daß er sich mit der gesamten Wissenschaftliehen und bibelkritischcn Literatur dieser Epoche vfirtraut gemacht hat. Es kt zweifelhaft genug, ob das zum Vorteil des Romans atisgcschlagcn hat. Noch bedauerlicher ist allerdings die Tendenz, deren sich der Verfasser sogar rühmt, daß er Parallelen mit der Gegenwart häufig gezogen habe. E* mag noch verziehen werden, wenn er das Israelitische Reich zur Zeit Sauls, eingeengt zwischen den Philistern im Westen und den Amonitern und Moabitern im Osten, mit Worten charakterisiert, die durch Bezeichnungen wie Randstaaten- Politik u. ä. an die Situation des heutigen Deutschland erinnern lassen. Ganz unerträglich aber ist cs, wenn er z. B. aus König Salomo eine halbe Karikatur macht, für die er ln reichlichstem Maße Wilhelm 11. benutzt hat. Die ganze Liebe des Verfassers gehört dem König Saul, aus dem er eine starke und wirkungsvolle Persönlichkeit gemacht hat, die er dann mit David konfrontiert als dem listigen, populären, im Orunde menschlich erbärmlichen Volksverführer. Man ließe sieh derartige Verdrehungen Heber gefallen, wenn der Verfasser weniger auf seine wissenselndliche Vorb'ähng pochen würde. Was dem Buch seinen Wert verleiht, sind die Fraucngestalten, die wirklich einprägsame Bilder ergeben haben, — ä—;,׳• 1 ׳