Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVIII (1923)
- Issue
- Heft 16 (23.2.1923)
- Date
- 1923-02-23
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 88 JUEDISCHE RUNDSCHAU Keren!}ajessod Zur licvorstelicnden Berliner Tilgung Wir Zionisten machen vor uns selbst und vor der Oeffcntlichkeit keinen Hehl daraus, daß die Bewegung in einer ernsten Krise steht. Wir zweifeln nicht daran, daß der Zionismus auch diese Gefahr wie so manche Kcit San Rcmo überwinden wird, aber wir müssen uns mit Beschämung eingestchen: wenn sonst die Gefahr von außen kam, so liegt diesmal das Hemnis für den Fortschritt der Sache itn jüdischen Volke und in uns selbst. Was immer man zu dem Mandat und seiner Handhabung sagen mag. Die Möglichkeit zur Gegen* iwartsarbeit ist vorhanden, und wiederum kann nur der Erfolg unserer Arbeit alle strittigen Punkte in unserem Sinne entscheiden. Aber — die Arbeit stockt 1 Statt neue Positionen in Palästina zu gewinnen, haben wir Mühe, das längst erworbene Terrain zu behaupten. Unsere Pioniere geben Unermüdlich ihr bestes her, aber sie fühlen sich ver* lassen, verlassen vom jüdischen Volke und auch von der Organisation. Soll die Gculah an einer Geldfrage!scheitern? Denn Geld, und nur Geld ist es, was uns jetzt zum Siege fehlt. Immer wieder müssen wir es Unserm Volke, besonders aber unsern Gcsinnungsgeiiossen und Mitarbeitern einhämmern: Der Erfolg der Keren Hajessod-Bewegung entscheidet über das Schicksai des Zionismus und des ganzen jüdischen Volkes. Wir kennen natürlich die Ursachen unserer Schwierigkeiten, Ernüchterung, Ermattung, politische und wirtschaftliche Krisen in aller Welt, Zertrümmerung lind Schwächung der eigentlich bewußten jüdischen Volksmassen und der equobten und geschulten Organi- Kationen, Verlegung des materiellen Schwergewichts auf Teile unseres Volkes, die bis jetzt kaum noch von der Idee erfaßt waren, jedenfalls aber nicht reif sind, den Gedanken des Maasscr in seiner ganzen Bedeutung ru erfassen ־— die Gründe ließen sich nur allzusehr noch mehren. Wir kennen insonderheit die Hindcrnisse, die sich uns in Deutschland entgcgenstellen. Es ist noch nicht so sehr die Geldentwertung an sich, denn die müßte sich bei entsprechender Opferwilligkeit bis zu einem gewissen Grade durch die Höhe der Markbeträge ausgleichen lassen, als vor allem die Wertunbeständigkeit, der fortschreitende Verfall der Währung. Wenn wir nicht ständig auf dem Posten sind, machen die Summen, die uns zuflicßen, nur noch Bruchteile des Wertes aus, dem sie entsprechen sollen. Aber es ist zionistische Pflicht, und es muß möglich Kein, alle Nachteile durch intensivste Arbeit auszugleichen. Wir könnten noch viel mehr Menschen erfassen und jeden Zeichner genauer dauernd im Auge behalten, wenn wir genügend Helfer hätten und wenn die, die ־ Bich bereits zur Mitarbeit verpflichtet haben, vollauf ihre Schuldigkeit täten. Es scheint, daß eine gewisse Müdigkeit Platz gegriffen hat, und es ist dringend erforderlich, daß ein neuer Antrieb die Bewegung erfüllt. Wir stellen jetzt vor einer überaus wichtigen Aktion. Die Beiträge der Zionisten müssen entsprechend der Geldentwertung erhöht werden; alle müssen erfaßt werden, das Maasserprinzip muß voll durchgefiihrt sein, und die Beiträge müssen mit äußerster Beschleunigung gezeichnet und geleistet werden, um den realen Ertrag in voller Höhe ggBgilB■”!■1י ■י■■ 1■״.1׳ ■^ü*ü״l!u-!■ .bl1׳ ׳ ■uBaL ■uj 1 ."•Xi* Nurfs• Aktion des Keren ■Hßjcssod Warcuscndangcn für die Nurl.mktlon de* Kcrcn-Hajcs'.os! f.lnd 7.u richten nti Oelsr. Bertling, BerHnd'.lurlotlcnburf, Sophie• (',Imloltcnslr. 15. Per Sendung Ist ein Brief mit Inl1»ltsverze1ci1nl* bcizulcgcn. Der Brief rniili den Vermerk erhallen: ״Zur Verfügung des Keren Hajersod-iSeaukrtglen Dr. Max Hirsch.“ Gleichzeitig Ist das Büro de* Kcren-Ilnjessod, Zentrale für Dcvtichlend, Berlin W 15, Kaiser Str, 12-13 enter Beifügung •Incr Abschrift de* Inhalt*• Verzeichnisse:), von der Abseuäung xa benachrichtigen, zu erhalten. Diese Aktion ist entscheidend für die Bewegung in Deutschland, denn bei der mehr als je materiellen Grundcinstcllung der übrigen Juden, müssen wir uns doch in erster Linie auf den Idealismus unserer Gesinnungsgenossen stützen, und selbst die nichtzionistischen Kreise, die für die Aufbauarbeit ln Betracht kommen, werden versagen, wenn sie nicht das Beispiel der Zionisten, die zum Geben verpflichtet Bind, aufrüttelt und anfeuert. In ganz Deutschland hat die Arbeit schon eingesetzt und wird erfolgreich durchgctührt, Nur Berlin ist noch zurück, weil die hier besonders schwierigen Verhältnisse eine besondere Besprechung und Organisation verlangen. Aber cs ist höchste Zeit, denn bis Ende Februar muß auch hier die Aktion in vollem Gange sein. Wir verweisen eindringlich auf ■die Konferenz, die am Sonntag, den 25. Februar, im Meistersaal stattiindet. Aus dem Gesagten geht ihre Wichtigkeit wohl genügend hervor; mögen recht viele Helfer sich daran beteiligen und alsdann mit frischem Mut und ganzer Kraft an die Arbeit gehen. Die Moasscrfrage Von Dr. Ern»t Wöllstein, Berlin. Wir wissen, daß cs von Tausenden zahlungsfähiger Zlo* nisten ln Deutschland 500, vielleicht 600 gegeben hat, die ehrlich Dircn Maasscr abgeführt haben, wahrend die Masse der anderen Zionisten mit sich und ihrem Gewissen mehr oder minder große Kompromisse sddossea. Und trotzdem waren es diese 5—600, meist norih nicht einmal wohlbciniltelten, die dem Keren-Hajessod in Deutsch• land, Ja in großen Teilen der Weit, die moralische Stütze gaben, ihn geradezu — moralisch gesehen — ermöglichten und machten. Und diese 500 Leute ln Deutschland gibt es nicht mehr! Nicht weil ihre Moral gesunken wäre, sondern weil wir von ihnen nicht Maasscr verlangen, laut der Maas sc!־Verordnung nicht verlangen dürfen. Es gab keinen männlichen Angestellten, der im Jahre 1022 nicht mindestens Bezüge im Werte von 25 Goldmark im Monat, nach Vornahme der stets zulässig gewesenen Ab• züge, mindestens 20 Goidmark, verdient hätte. Sein Maasscr beträgt also 2 Goidmark pro Monat “ 24 M. pro Jahr, Was fordert die Maasscrordnung von demselben Manne? Rcdrnen wir mit einer durchschnittlich 75 fachen Ocldcnt• Wertung für die ersten 6 Monate, 500 fachen für das 3. Quartal und 1200 fachen Geldentwertung für das 4. Quartal, so hat er verdient: 6.1875 - 11 250 M. •f 3 12 500 — 37 500 M, 4000 30 י 3 ־ -m 90000 M., zusammen 138 750 M. ab 10 ״/o Steuern «=■> 125 000 M. ab 72000 M, Existenzminimum =* 53000 M., davon 10 c/0 ■5300 «־ M. Maasser für 1922, d. h. bei 1800 fadicr Geldentwertung 3 Goidmark statt 24, wenn sic sofort gezahlt worden sind, sind sic erst jetzt bei 7000 Jacher Geldentwertung gezahlt, so sind nidit 3, sondern 4/־ Goldmark, also noch nicht ein 30tel des Maasscr, oder — vielleicht — Maasser von dem Einkommen der ersten 14 Tage dieses Jahres. Dies Beispiel für den ׳— sicherlich kleinsten — Angestellten. Ein jüdischer Kunstabend An einem wohlgclungencn Jüdischen Abend der B. Z.V. sang Leo Gollanin jüdische Lieder, las Else Lasker- Schüler Gedichte und den ״Wunderrabbincr von Barcelona‘׳, las Arno Nadel aus einem alten Jüdischen Purimspiel, und Andreas Weißgerber spielte. Else Lasker-Schüier singt Ihre Dichtungen. Nicht etwa sentimental. Sondern die Steigerung der rhythmischen Expression führt ihren Vortrag an jene Grenzen, wo Sprache und Gesang identisch sind und wo vielleicht das Melos überhaupt entspringt. Else Lasker-Schüier sang außer fünf Oedichten, die vol Sehnsucht nach ihrem Volk, ihrem Land, ihrer Sprache sind, den ״Wunderrabbiner von Barcelona“. Dies Buch enthält u. a. die ach so weitsichtige Stelle: ״Aber daß Palästina nur die Sternwarte ihrer Heimat sei, wagte der Wunderrabbiner den müden Auserwählten nicht ins Oedächt• nls zu rufen.“ Das soll wohl heißen: Wenn wir in Palästina sein werden, dann ist uns Zion immer noch so entfernt wie der Sternenhimmel. , Uebrigcns: Der Zionismus hat das Publikum seiner Vortragsabende noch gehörig zu erziehen. Folgendes geschah: Im ״Wunderrabbincr“ durchzieht der immerwährende Gebets• ton Eleasars die Stadt, plastisch und bedrohlich durch einen langgezogenen musikalischen Klang ausgedrückt, der ln drei• maliger Wiederholung in die Dichtung hineingearbeitet ist. Als nun Frau Lasker-Schüier neulich diese Stellen Jas (oder *ang), dalbcrtcn einige ziemlich erwachsene Zions-Jünglinge und •Jungfrauen wie die Backfische. Man muß schon ein ziemliches Brett vor seiner Phantasie haben, um sich nicht ün Moment einfühlen zu können, wenn aus einer Dichtung einmal ungewöhnllcherweise eine musikalische Intuition hervor• wächst! $ Das alte jüdische Purimspiel, das Arno Nadel danach las, hat durch seine etwas zu glatte Uebertragung viel von *einer ursprünglichen Jüdischkcit und Naivität verloren. Man glaubte eher ein altes deutsches Puppcnsplcl zu hören, das eine moderne Ucberarbeitung erfahren hat. Immerhin handelt cs sich hier um eine interessante kulturhistorische Kuriosität Ueber die Unsitte der pompösen, opernhsften Klavierbesrbeitnugen, mit Hilfe welcher oe'tjüdische Volksmusik dem wesljüdischcu Publikum schmackhaft gemacht wird, hat Fritz Mordcchal Kaufmann oft und clndringlieh genug hingewiesen. Offenbar aber ohne den geringsten Erfolg. Denn heute wie vor zehn Jahren hört man dieselben Lieder ln der gleichen abscheulichen Aufmachung, und außerdem immer wieder echte, alte Volkslieder und unechte, wirkungsvoll nachgcahmtc Operniicder in wirrem Durcheinander. Es ist wirklich traurig, daß ein Künstler wie Leo Gollanin, der in Berlin fast einzige Vertreter dieser Gattung, in seiner außergewöhnlichen Musikalität hier nicht Reformen schafft. Es existiert ein Buch von Fritz Mordcchai Kaufmann (״Die schönsten Lieder der Ostjuden“, Jüd. Verlag, Berlin), das eine große Auswahl echter, jüdischer Lieder in absolut legitimer Fassung von Wort und Melodie enthält, und auf das man nicht oft und energisch genug hinweisen kann.! Alice Jacob-Loewentoa. Oterarlsd>e fßitteütmgen Der Schatten des Kreuzes Unter diesem Titel ist (im Verlage Kurt Wolff, 1922) ein Roman von J. und J. Tharaud erschienen, von Charlotte Grunbcrg aus dem Französischen ins Deutsche übersetzt Die Verfasser sollen, wie man mir versichert, nicht Juden sein. ״Das Buch schildert das Leben der Juden in den Karpathen, so heißt es in der Anpreisung auf dem Umschläge, und ist an kulturhistorischer und rassenpsychologischer Dar- Stellung ein Meisterwerk. Seine historische Bedeutung liegt darin, daß es die noch heute unberührt bestehenden Zustände beschreibt und die Quellen aufweist, aus denen das moderne europäische Judentum gespeist wird.“ Man geht also mit Interesse und Spannung an die Lektüre des Buches. Es verlohnt nicht, eine Inhaltsangabe zu geben. Zwar wird eine laufende Handlung zur Darstellung gebracht, aber die Entwicklung Ist ohne Inneren Zwang und eigentlieh ganz nebensächlich. Den Verfassern ist es nur darum zu fun, eine Milicusttidic aufzurollcn, Charaktere, Situationen, Gebräuche und Sitten, Tun und Treiben jener Menschen in Ungarn vor unseren Augen vorbeipassieren zu lassen. Die einzelnen Vorgänge, wie das Leben im Hause de» Wunderrabbis, die Feier des Neujahrsfestes und Versöhnung»• tages, und andere mehr, sind fesselnd geschildert, oft erschreckend realistisch. Das Buch ist durchaus lesbar, nicht schlechter als andere auch; aber auch nicht viel bester: sicherlich kein Süerk, da* Bestand haben wird, . . Nr.,/ Nr. 1' logische Konsequenz wäre, den Mindestsatz des auf 20OWM, pro Jahr fcstzusclzcn. “ i Schlimmer liegt der Fall beim Kaufmann. |!;1? ,! die weise zionistische Behörde dem zionistischen Steuer, ' die Berücksichtigung der Geldentwertung bei der Ma)u.| erklärung wohl zugrbilligt, sic bat aber vergesst! j verhindern, daß die Geldentwertung auch bei der Zahl,4 dem Maasscr/aUcr zuungunsten des Kcrcn-Hajcssod kommt, | Für Leute mit Arbeitseinkommen hat die Praxi) f Anfang eines Weges gezeigt: Es gibt einige Wenige, dievf mit יי1*י Maasscrordnung, sich verpflichtet haben, jeden Monat , deutsche 6 0/0 ihres jeweiligen monatlichen Bruttoeinkommens an ,§ dieser K Keren Hajesrod a t» zu führen. I syf dem Es gilt auch, die anständig zionistisch gesinnten yj . 8,cl1 »u* leute daran zu gcwöiuien, daß, wenn ihre Ratenzahlung tnstaUur entwcrlctcrem Geld« *!,geführt werden, alt das Geld w*j 1 ganzen 1ie es verdient haben, diese Geldentwertung nicht den! f (n der Was Ist, darä tt. dischen Volke zur Last fallen darf I Es ist eine, jedem selbständigen Kaufmann bev. Schwierigkeit, den Maasser zu einer Zeit zu berechnen, in er keine klaren Bilanzen machen kan n, weil er seine Bü in wcrtuiibcständiger Währung führen muß. Mehr ,, weniger wird jeder sclüitzcn müssen. Aber diese Schätz•! 5 freidcnl 9011 erstens darauf basieren, daß der Kaufmann im Grell adolf und Ganzen besser lebt aI3 der kleine Angestellte, zweiv] : ’ ־־ »oll die Zeichnung ein Mehrfaches der oben erwähnte! I Goldmark monatlich betragen und 9011 einmal abgegeben, »J beständig sein. D. h.: auf Ooldmark, zahlbar zum jcwesiv Kur6c lauten. Zusammen fassend möchte feb tagen: Der Maasser Immer hur eine Angelegenheit der anständigen Leute, e diese sollten den Weg wieder finden, ihn auch heute noch! Maasser zu zahlen, sei es durch Abzüge vom jeweilig monatlichen Einkommen, sei es durch wertbeständige Za; mmgen. Die gesetzgebende zionistische Behörde wird 4. Praxi» folgen müssen, diese selben Leute sollten es iS* ablchncn, auf Grund einer Maasscrordnung Maasscr zu fc; dern, die Maasser nennt, was noch nicht Maasser Maasser BL itratlon. richte״" (ciununz ' eebung» Et« und ve | dreivier! I nächster i folgend( Belgien Im Auftrag des Direktoriums des Keren Hajessod b» findet sich zurzeit Herr Jean Kolm zur Weiterführung dr Keren Hajcssod-Arbcit in Belgien. Diese Arbeit wurde » vorigen Jahre durch Herrn Koim eingelcilct, der wieder!!: Belgien besuchte. Das Keren Hajcssod-Komitce tn Bcvhat inzwischen die Aktion weitergeführt. Im vorigen Ja! wurden 130 Zeichnungen für 1 227 7 50 Frcs. gewonnen, v: denen ein Fünftel ün Jahre 1922 zahlbar war. Hiervon si bisher 182 390 Frcs. eingezahit worden. 180 000 Frcs. wur<!: an das Hauptbüro nach London überwiesen. 43160 Fr.f sind noch für das Jahr 1922 ausständig. Die Spesen Buchhaltung, Inkasso und Versammlungen betrugen 2425 Fro.f wogegen Einnahmen durch Zinsen und Entrees im Betrag von 1106 Frcs. zu verzeichnen waren, so daß die Gcsaw Spesen ln diesem Jahre 1318 Frcs. betrugen. Der Minimal beitrag, der in Belgien mit Genehmigung des Direktoriums festgesetzt wurde, beträgt 1500 Frcs., zahlbar In fünf Jahresraten. Ais dieser Betrag festgesetzt wurde, betrug er 30 t Diese* Minimum wird streng eingchalten und auch jede Zeichnung, die nicht dem Maasserprinzip entspricht, zurückgewiesen. Ist dadurch auch nur ein Teil der Zeichnung« erzielt worden, die hätten erzielt werden können, so ist andererseits das Niveau der Zeichnungen auf entsprechen;! Höhe gebracht worden. Es liegen 6 Zeichnungen üb« 50000 Frcs., 17 über 25 000 Frcs. und 3 über 20 000 Frcs. u$«. vor. Die Zeichnungen sind durchaus verläßlich, was siel daraus ergibt, daß von den zirka 225 OOQ Frcs. für 1922 182 000 Frcs. bereits eingezahit wurden, während die rest• liehen Zeichnungen meist erst Ende 1922 erfolgten. Auch der Spesensatz ist gering gehalten worden. Tatsächlich be• trugen die Spesen im Lande zirka >/» #/0. E* muß dieses Buch aber hier doch betrachtet werden Im Laufe der letzten hundert Jahre sind eine unübersehbare Reihe von Schritten erschienen, die das Ostjudentum zuia Thema hatten. Ein groß Teil ausgesprochene Schundliteratur war dabei und ist dern unvermeidbaren Schicksal nicht ent• gangen; es weiß heute kein Mensch mehr etwas davon zerfetzte, zerksene Bände, die in Bibliotheken modern. An• deren wieder, die ganz leidliche Schilderungen boten, fehlte der dichterische Schwung, um sie in spätere Zeiten hin• überzuretten. So zum Beispiel den Erzählungen der Else von Orzcszko, einer polnischen nicht-jüdischen Schrift• stelierin, die tn Deutschland ln Ucbersetzungcn in vielen Auüagcn verbreitet waren. Auch *ie sind in Vergessenheit geraten. Wollen wir heute Ostjudentum in der Literatur kennen lernen, 80 nehmen wir die Werke der ostjüdischen Dichter zur Hand, die in hebräischer und jiddischer Sprache geschrieben *ind und bei uns auch in guten deutschen Ueber• Setzungen vorliegen: Scholcm Aleciicm, Mendcle, Perei, Schalom Asch u. a. Diese Romane, Novellen, Skizzen, Essays sind wahrheitsgetreu und künstlerisch wertvoll. Bialik, der jetzt in״ aller Munde ist, wird der größte jüdische Dichter genannt, und die Poesie erfährt durch Tschcrnichowski, Schneur und andere von Jahr zu Jahr wertvolle Be• reicherungen. Die Kunst zeigt uns das wahre Leben reiner und tiefer» als es dem flüchtigen Erfassen im Alltagsgetriebc gelingt. In den Schriften unserer Dichter sehen wir das Ostjudcnlum, *eine Seele, seine Höhen und Tiefen lebendig vor uns und blicken nur mehr bedauernd auf jene Schreier der Oasse, auf jenes Geschwätz ln der Presse, auf jene pseudowissen• echaftlichen Darstellungen, die auf oberflächlichste Beob■ achtung oder böswilliges Nicht-vcrstchcn-wollen ihre maß• lose Flctzc gründen. Jeder Unbefangene kann auch bei den ostjüdischen Dichtern lernen, daß ihm als Menschen nicht» Menschliches fremd zu sein braucht. Der erwähnte Roman ״Der Schatten des Kreuzes“ zeigt, wie es scheint, nicht allzuviel von diesem Menschlichen. Nicht, daß man in der künstlerischen Schöpfung eine Sub־ limierung auch des Niederen, Gemeinen verlangen sollte• ,Aber In diesem Buche find־׳n wir vom Anfang bis zum Ende, Seite für Seite, eine Hcrabzichung des Erhabenen, eilt Uebertrciben und Unterstreichen, von Lastern und Schwächen; Heilige* wird dem Gelächter preisgegeben; Sitten und Gebräuche, in anderer Umwelt, in anderer Lebensart vmtändlich, werden von der hohen Wart« westeuropäische׳ ZJvttluüoA ia ihrer BIöBq ׳ungedeckt, Maa erspare es 2010 י* denke heit. 1 durch sterbe , zu kt 1 eine י etwa natiot 1• Antw t 2 denk! Sovie DcHÜ daliil verbt I Jude! Gein* PR geburrj nis nel jener Demoil leider : den Sl würdet des ga die aty lache, Juden] Ul beglüc ״Bund ihre f diese ־• Sätze, Schot! sich n Kritisl sie nb Waffe das $ tut al Thar* ton 4 durch leumd nicht, ׳las E i