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Jüdische Rundschau · 1923-02-23 · Heft 16 (23.2.1923) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVIII (1923)
Issue
Heft 16 (23.2.1923)
Date
1923-02-23
Page
– (sequence 1)
Language
German
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II. 1923 Jüdisch« Rundnehau G.ra.b.IL, Berlin W13, SRch.iachc j Straß־». - Telephon 1 Amt l’iahburg 6697, 6698 u. 6699. 1 Anzeigenpreis für die achtgespallcncNonparcillczeile 150M, j Für 11eW.AnztXu 15ü% Aulidiind- Für At111!,nd1in«crsl• 100% VsluUsuschUj j Arweij'ciuichluß: Dienstag und Freitag nachmittag 4 Uhr. Telephon: Pfnlzburg6697u.6698. Postscheckkonto: BerlinNr.!7392. Für Oesterreich! Postsparkassenamt Wien, Konto Nr. 156030. Für Tschechoslowakei: Poslsparkassennmt Prag. Konto Nr.59410. *־ Redaktionsschluß Sonntag und Mittwoch nachmittag. — ז׳ שבם׳ הרס״ג XXVIII. Jahr =3• par Zionismus crsärobl für das Jüdische Volk dla Schonung einer iJMontüct» ־ rechtlich gesicherten Hclmstütla In Palästina• ״Dasalar Programm.'; Auf! An die Arbeit! f 'י Ein Aufruf Max Nordlaus I; zur Mandatsbesfälijung [,־ (Aus dem Archiv der Zionistischen Organisation.) {: |m Anfang des Jahres 1920 hatte es — wieder einmal — j ,jen Anschein, als ob die Uebertragung des Mandats über l pjiästina an Großbritannien und damit die endgültige Fest- ׳jttnmg der bis dahin noch immer umstrittenen Mandats- ׳ sccti!mm1ngen unmittelbar bevorstünden. Die englische Re-; «,erung hatte Herbert Samuel beauftragt, in der Eigenschaft j fjllM "iiianziellen Beraters Feldmarscliall Allenbys Palästina ' ,Inen Studienbesuch abmstatien, und die Zionistische Organ!• I sjSj0״ erhielt die Mitteilung, daß die Uebertragung des jlandais an Großbritannien voraussichtlich in kurzem er- [I!tilgca werde. ri Am 6• Januar 1020 fand im Konferenzsaal der Zionisti- 11chcn Organisation in London unter dem Vorsitz des Herrn I Snkolow eine der damals üblichen Sitzungen des Actions- | Comilcs statt, an der eine größere Anzahl von Mitgliedern ä te Actions-Comites und Dr. Max Nordau tcilnahmcn, der t ehrend «eines Aufenthaltes in London zu allen wichtigeren v Sitzungen cingeladeu wurde. Herr Sokolow berichtete über 1 die Lage und stellte die Frage, welche Vorbereitungen für!; den Tag der Mandatsübertragung getroffen werden sollten. I; Df. Nordau erklärte seine Meinung, der Mandatstag solle als I' rationaler Festtag gefeiert werden. Die Bestimmungen des f; Mandats seien nicht das Entscheidende. Für ihn sei es f; hinreichend, daß England Palästina erhalte, und die Juden I würden England das Vertrauen zu schenken haben, daß cs :! (t.ne Versprechungen erfüllen werde. Nach Nordaus Er-! i'anmg ließ der Vorsitzende zwei Komitees einsetzen, von ' feien das eine die Finanzpläne feststeilcn, das andere, unter :; Dr. Max Nordaus Vorsitz, für die Vorbereitung der Mandatsleier im ganzen jüdischen Volk sorgen solle. Das ״Komitee der Mandatsfeier“ hielt eine erste Sitzung p 13. Januar unter Nordaus Vorsitz ab und beschloß, c:3 ein Aufruf an das jüdische Volk gerichtet werden solle, 1:1ld das Mandat erteilt sei. Nordau erbot sich, den Aufm verfassen, und erhielt den Auftrag, ij la der zweiten Sitzung des Komitees am 19. Januar ' L;tc Dr. Nordau seinen Entwurf zu dem Aufruf — der;;״. nachfolgenden zum erstenmal zur Veröffentlichung ge- <! ungt — vor. Kadi einer kurzen Aussprache über einzelne : Punkte des Entwurfs wurde die Sitzung auf den 22. Januar , vertagt. Am 22. Januar sdvien es schon wiederum sehr; unwahrscheinlich, daß die Mandatserteilung unmittelbar bei Vorstände. Dr. Max Nordau übergab nach der Sitzung, die ׳ j auf unbestimmte Zeit vertagt wurde, seinen Entwurf dem 1 Sekretär Herrn Leo Herrmann mit den Worten: ״Ich habe einen Auitrag erhalten und erfüllt; der Aufruf gehört Ihnen.“ Wenige Wochen später brachten die Unruhen in Jerusalem j, sie Krisis auf ihren Höhepunkt, und in San Rcmo beschloß (J der Hohe Rat die Uebertragung des Mandats an Groß-!. britannien und die Einverleibung der Balfour-Deklaration in ji icr, Friedensvertrag. Aber die Aufeinanderfolge der Ereigi! risse war derart, daß Nordaus Aufruf nicht verwendet werden jj ionnle, wenngleich er seihst auch noch am Tage der Entj* Scheidung von San Rcmo wiederum erklärte: ״Für midi ist {, <k־,$ Entscheidende ausschließlich die Uebcrnahme des Mandats II durch England. England kann die Balfour-Deklaration n'rht ן! lurücknchmcn. Die Bestimmungen des Mandats selbst sind ij nebensächlicher Art.“ Von dieser Grundeinsteilung Max ' N'ordaus zeugt nun auch tatsächlich der von ihm verfaßte Entwurf zu dem Aufruf an das jüdische Volk. Er löst die j Ücdcutung der Uebertragung des Palästinamandats an Groß- 1 britannien von allen Einschränkungen los und verkündet, j i daß die Verwirklichung der Deklaration vom 2. November 1917 i ן jetzt ebenso vom jüdischen Volk wie von der englischen!• Regierung abhängt. f* Nordaus Aufruf zur Arbeit wird nach des Meisters Tod jj »m so mahnender dem jüdischen Volk entgegentönen, je j weiter wir uns von den Tagen entfernen, da wir den Tag f des Mandats noch vor uns wußten und hoffen konnten, j ff werde einen Enthusiasmus und einen Opfergeist ent- 1Eüdcn, die keiner Befeuerung bedürfen.; Wir wissen heute, daß das jüdische Volk in allen seinen!, teilen immer wieder zur Arbeit aufgerufen werden muß, : »t:m das große Werk der nationalen jüdischen Heimstätte!j# Palästina gelingen 8011. Daruin bleibt Nordaus Aufruf : ® Gültigkeit. L. H. i Nordaus Entwurf laufet: ■ ן Seit 2000 Jahren haben wir an jedem Osterfest j tiefstem Herzensgrund aufgescufzt: ״Im nächsten j Jalme in Jerusalem 1“. , Leschaaah habah bijeruschaiajim. Eeim kommenden Osterfest werden wir jubeln dürfen:; h|n diesem Jahre in Jerusalem 1“. Leschanah hasch ) bijeruschaiajim.; Ais am 2. November 1917 Mr. Balfour die ge- : scltichtlich' gewordene Erklärung abgab, daß England die Errichtung einer Heimstätte für das jüdische Volk!! Palästina begünstigen wolle, war dies eine Zusage jj de! britischen Regierung, deren Verwirklichung von j: der Vorbedingung abhing, da& sie das Recht habe, über j! Dieses Recht hat die britische Regierung nunji ft«Ir Der Bund der Völker hat ihr in aller Form die Vollmacht erteilt, Palästina unter ihre Verwaltung j; *ü nehmen und dort so lange die Oberhoheit auszujj ״ben, bis das Land genügend entwickelt und erstarkt 1 i fcdu würde, um aus eigener Kraft ein unabhängiges : j 6Etliches Dasein m führen, ׳ Was 1917 ein bedingtes Versprechen war, ist zur Ankündigung eines bestimmten Vorsatzes der englischen Regierung geworden, dessen Verwirklichung von ihr abhängt. Von ihr, doch auch von uns. Unser erstes Gefühl an diesem großen Tage, der in greifbare Nähe rückt, was so lange der unabsehbar ferne Gegenstand unserer Sehnsucht war, ist heiße Dankbarkeit für die großartige Darbietung Englands, eine Dankbarkeit, die Jahrtausende nicht erschöpfen werden. Das zweite Gefühl aber kt das einer überaus ernsten Verantwortlichkeit, die uns von dieser Stunde an auferlegt ist. England hat zum jüdischen Volke das Vertrauen, daß es gewillt und fähig ist, das ihm geöffnete Palästina in großer Zahl zu besiedeln, cs aus einem verödeten Brachland in einen blühenden Garten zu verwandeln, wo wieder, wie in den biblischen Tagen, Milch und Honig fließt, und dort die vorgeschrittenste Kultur der Neuzeit einzupflanzen, die es zu einem Vorbild der Ordnung, der Bildung, des Wohlstandes, der maßvollen bürgerlichen Freiheit machen soll. Die Aufgabe ist sehr groß, fast beängstigend groß; sie ist nicht zu groß für unser Wollen und Können. Jeder Jude, dem die Ehre, das Dasein, die gesunde Entwicklung seines Volkes am Herzen liegt, muß jetzt seine ganze Kraft, alle seine geistigen und wirtschaftlichen Fähigkeiten daran setzen, an seinem Teile zuin Gelingen des hohen Werkes beizutragen. Wer den Wanderstab ergreifen will, ziehe hoch־ gemut, mit kraftspendender Hofinung und schöpferischem Streben nach dem altneuen Heimatslande, entschlossen, künftiges Glück mit harter Arbeit zu erzwingen und zu verdienen. Wer nicht gewillt ist, die Fahrt selbst anzutreten, helfe den Ausgehenden mit Rat und Tat, mit Geld, mit Veranstaltungen der Fürsorge, mit fachmännischem Beistand auf allen technischen und wirtschaftlichen Gebieten. Es darf sich nicht zeigen, daß das jüdische Volk im entscheidenden Augenblick versagt, daß es sich als unfähig erwiesen hat, den ihm geöffneten Platz im Kreise der gesitteten freien Völker mit Würde und Ehre emzunehmen. Das Vertrauen Englands zum jüdischen Volke darf nicht getäuscht werden. Feiern wir den heutigen Tag, unaussprechlich bewegt, als ein hohes Fest des Dankes und der Hoffnung. Ater wenn unsere Freudengesänge verstummt, unsere Fcstlicliter erloschen sein werden, töne ein einstimmiger Schrei von unser aller Lippen: Aufl An die Arbeit! Die Aussichten des amerikanischen Keren Hajessod Einem Schreiben eines in der Keren Hajessod-Arbeit in Amerika stehenden Zkmistcn entnehmen wir nachstehende Stellen von allgemeinerem Interesse: ״Nachdem Ich soeben eine Rundreise durch das ganze Land gemacht habe und wichtige Zentren, wie Boston, Clevciand, Chicago, St. Louis und Kansas besucht habe, glaube ich, meine Beobachtungen mittcilen zu können. Ich habe Boston und Chicago besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Ich war H Tage in Boston und nahezu einen Monat in Chicago. Auch in New York machte ich es mir zum Grundsatz, mich nicht mit der Ansicht von Freunden zu begnügen, sondern hatte auch außerhalb der Versammlungen Gespräche mit den verschiedensten Leuten. Ich fand allenthalben, daß das Verständnis für den Zionismus und die Aufgaben des Keren Hajessod gewachsen sind und daß breitere Schichten sich für uns zu interessieren beginnen. Alle Keren Hajessod- Mitarbeiter geben zu, daß cs jetzt leichter ist zu arbeiten, als vor ein oder zwei Jahren. Alles, was jetzt geschieht, ist noch vorbereitender Natur, der eigentliche Drive beginnt erst Anfang März. Soweit es bisher möglich ist, geben die bisherigen Vorbereitungen für den Drive Anlaß zu günstigen Vorhersagen. Ich will einige Beispiele ״eben. Während in Boston früher nie mehr als 40 000—50 000 Dollar aufgebracht wurden, beziffern vorsichtige Schätzungen das voraussichtliche Ergebnis diesmal auf 150 000—200 000 Dollar. Während St. Louis in früheren Jahren nur ganz unbedeutende Summen aufbrachtc, wurden hier bei einem Bankett 10000 Dollar gesammelt und weitere 20 000 Dollar gezeichnet. Man hofft, auf etwa 60 000 Dollar zu kommen. Audi für Cleveland, Chicago und Philadelphia gelten die Aussichten als gut. Ich will nicht den Eindruck erwecken, als ob ich mich Illusionen hingebe; wir alle versuchen, einen grundlosen Optimismus zu vermeiden. Dennoch glauben wir bei vorsichtiger Schätzung, daß in diesem Jahr mit 3 Millionen Dollar gerechnet werden kann, wenn es uns gelingt, die, Zahl unserer Mitarbeiter zu vergrößern. Es wird sie ferner interessieren, daß auf Grund einer telegraphischen Anregung Welzmanns hier beschlossen wurde, Ach ad Ilu&ft »ach Amerika *inzuladva.“ Die ökonomische Krise In Ercz Israel Uns liegt Abschrift eines von van Vriesland unter* zeichneten Schreiben!; der Palästina-Exekutive vom 22. Ja* nuar 1923 vor, das charakteristische Mitteilungen über die durch die ungenügenden Leistungen des Keren Ha* jessod geschaifene Lage enthält. Es heißt in dem Brief: ״Tatsache ist, daß die Lehrer seit Beginn des Jahres bis auf den heutigen Tag, also während vier Monate, nur für einen einzigen Monat Oe halt bekommen haben, und wir sind noch nicht einmal in der Lage, das Defizit aus dem Vorjahre zu decken. Auch in der Landwirtschaft werden die Vcr* hältnisse immer unerträglicher. Obgleich wir bis zum äußersten vermieden haben, weitere Kredite für Sied* lungen zu fordern, würden wir uns im Emck-Jesreel einer vollkommen heruntergekommenen Siedlung gegen* übersehen, hätten wir nicht wiederum Obligationen in Höhe von £ 1200 übernommen, um den Kolonien das Nötigste zu geben, damit sie etwas Mehl für sich und etwas Futter für das Vieh kaufen konnten. Trotzdem wir wohl wußten, daß dieses der Landwirtschaft zugute gekommene Geld auf Kosten der Lehrer und Beamten, die kaum noch länger leiden können, ausgegeben worden ist, hätten wir einen wahrhaften Zusammenbruch der Siedlungen im Emek erlebt, wenn wir sie nicht vom Hungertode bewahrt hätten, und mit dieser geringen Summe sind wir sogar auch nicht in der Lage, die Kolonien im Emek Jesreel, die ungefähr 1000 Seelen zählen, länger als ein oder zwei Wochen zu erhalten. Nahalal ist tief verschuldet, auch den Ara* bern gegenüber, voh denen die Kolonisten Samen )und andere für die landwirtschaftliche Arbeit nötige Mittel gekauft haben, und Sie werden verstehen, wie gefährlich die Lage aussieht, wenn sie ihren Verpflichtungen gegen die Araber in den umliegenden Dörfern nicht nachkommen. Wenn die Lage sich nicht innerhalb von zwei Wochen ändern sollte, dann wissen wir wahrhaft nicht, wie wir das Unheil des Niederbruchs unseres V^erks aufhalten können, Als wir die neuen Verpflichtungen eingingen, taten wir es in dem Gedanken, daß wir atn Rande des Zusammcnbruchs ständen, aber doch nicht die Hoffnung verlieren dürften, daß mit Beginn des Februar Rettung käme, da Sie uns mit Ihren Kabeln trösteten, daß cs besser werden würde. Im Dezember hatten wir £ 11 500 erhalten und im Januar bis heute £ 13111. Wir brauchen Ihnen wohl nicht auseinanderzusetzen, daß fast nichts getan werden konnte mit diesen kleinen Beträgen, die durch die An- Sprüche der Bank und durch die unerträgliche Last der unbeglichenen Schuldscheine ganz und gar aufge* braucht wurden. Sie werden begreifen, daß die Verhältnisse unmöglieh zu retten sein werden, wenn nicht im Monat Februar der zwei- bis dreifache Betrag der Dezember- und Januarsendungen eingehen werden. Wir ersuchen Sie auf das dringendste, jegliche Anstrengungen zu machen, dem jüdischen Volk klar zu machen, daß das jüdische Nationalheim aut dem Spiel steht.“ *. Dieses Schreiben bedarf keines Kommentars! Er kann nur im Sinne von Nordaus Aufruf heißen: Auf, an die Arbeit! Reise Weizmanns nach Amerika Am 23. Februar begibt sich Dr. Weizmann nach Amerika, um an der dortigen Keren Hajessmi-Aknon tcilzunchmcn. Die Einwanderung Jerusalem. (J.C. B) Die jüdische Immigration nach Palästina hat in der letzten Zeit sehr lebhaft eingesetzt. Am Sonntag, den 11. Februar, haben 520 jüdische Immigranten das Land betreten. Die Türkei und Palästina Reuter meldet, daß der Bevollmächtigte der Angora- Regierung in Lausanne, Ismed Pascha, vor seiner Abreise den Delegierten des Königs Hussein von Hedsclias, Dr. Scyyed Najikcl Assil, bei sieb empfangen haben, ismed Par J1a erkürte, die Angora-Regierung liege keinerlei feindselige AbsiciTen gegen die arabische Nation, im Gegenteil erkenne d e Türkei das Streben des arabischen Reiches nach voller Selbstä-uigkeit an. Sie erkennt nicht allein die arabischen Rechte auf Hodschas selbst, sondern auch auf Syrien, Palästina und Mesopotamien an. Ismed Pascha schloß, die freundliche' i c- Ziehungen zwischen der türkischen und der arabischen Nation seien unabhängig von der allgemeinen Friedensfrage und ihrer mögliche»• Lösung.

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