Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVIII (1923)
- Issue
- Heft 12 (9.2.1923)
- Date
- 1923-02-09
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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I Seile 68 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 12 Zionlstcnkongreß und Pslftstinakongrcß , Von Dr. Jacques Adler, Leipzig. 1 Das Interesse der jüdischen Oeffentlichkcit hat sich neuerdings immer deutlicher von der äußeren Politik her der Inneren Politik wieder zugewandt. Dies mag hier erläutert und beurteilt werden. Was ist irn Gesichtskreis und Aktionsbereich der jüdischen Bewegung der Gegenwart äußere und was ist innere Politik? Als äußere Politik der Zionistischen Organisation bezeichnen *vir ihre Beziehungen zu den nichtjüdischen Machtfaktoren; Süßere Politik Ist das diplomatische Arbeitsgebiet der ״Jewish Agency" auf Grund des Palästinamandats, was im wesentlichen wohl als die zutreffende Begriffsbestimmung gelten kann. Innere Politik dagegen umfaßt unser Tun und Lassen sowohl im Bezirke der Zionistischen Organisation, als auch weiter im Rahmen der Gesamtjudenheit. Daß die äußere Politik in der Debatte des großen Publikums heute wieder eine geringere Rolle spielt und sich wieder mehr der Erörterung und Entscheidung des Kreises der speziell politisch Interessierten und der offiziellen Persönlichkeiten unterstellt, liegt in der Natur der Entwicklung. Die politische Vertretung des Zionismus im Verkehr mit den Regierungen und mit den Repräsentanten der nichtjüdischen Oeffentlich• keit war, seitdem mit Theodor Hcrzls Tode die erste große, vom Volksintcresse begleitete politische Aktion zum Abschluß kam, bis zu den Tagen der Balfour-Dcklaration immer nur 'Aufgabe und Mittelpunkt der Gedanken für einen kleinen Kreis. Darin brachten auch die wichtigen Ereignisse der neuesten Zeit nur vorübergehenden Wechsel. Wie die Balfour-De• klaration, so weckten auch der Beschluß von San Remo sowie schließlich die Bestätigung des Palästinamaiidats für den 'Augenblick zwar lebhafte Begeisterung, doch mehr auf Grund intuitiven Erfassens der Bedeutung des Erfolgs als gemäß einer wirklichen gründlichen Erkenntnis des großen Fort- Schritts in der Entwicklung der für uns wesentlichen poli• tischen Zusammenhänge. Das Wissen um die äußere Politik wird nicht mit einem Tage gewonnen, die Einsicht in die Beziehungen der Nationen und Regierungen untereinander und in die hier wirksamen Triebfedern will durch Lernen und Nachdenken Schritt für Schritt erworben werden — und kann und muß auch erworben werden. Denn ein Volk ist für die nationale Selbstbestimmung, wie sie unser Ziel ist, dann erst völlig reif, wenn es sich der Grenzen bewußt geworden ist, die seine Kompetenzen vom Lebenskreis und von den Lcbensintercssen anderer nationaler Gebilde scheiden. Außenpolitisches Verständnis schafft erst den internationalen Pakt, der die Voraussetzung friedlicher gemeinsamer Existenz und gegenseitiger Förderung der Völker ist. Wir dürfen cs dankbar begrüßen, daß dem jüdischen Volke heute die Möglichkeit gewährt ist, in gewisser Muße sich in die Probleme seiner Außenpolitik hincinzudcnkcn, wobei ihm die demnächst in der ״Zionistischen Broschüren-Bibliotlick“ erscheinende Dokumcntcnsanuiilung zur zionistischen Politik willkommene Dienste leisten dürfte. In gewisser Muße — denn tatsächlich ist in unserdr Außenpolitik heute schon ein gewisses Gefühl der Stabilität vorhanden, das Bewußtsein, für die weitere Ent- Wicklung eine bestimmte feste Basis zu besitzen, nachdem nunmehr auch die Lausanncr Konferenz das Mandatsland Palästina und seinen Rechtszustand sowohl sachlich als eine endgültig erledigte Angelegenheit außer Diskussion gestellt, als auch formell als eine vom Völkerbund autoritativ ent■ schicdcnc Sache respektiert hat, nachdem ferner der britische Kolonialminister das schon mehrfach kundgegebene unverär.derlichc Verbleiben der heute im Amte befindlichen Regie rung — die sich auf breiteste Parlamentsmchrheit stützt — bei der im Weißbuch vom Sommer 1022 vcrlautbartcn Palästina- Politik, als Konsequenz, der Balfour-Dcklaration und als Vorausset/ung der Prinzipien des Mandatsinstrumeutes, in aller offiziellen Form bestätigt hat. Die bereits stabilisierte außenpolitische Lage hat aber nur dann Aussicht auf dauernde Stabilität und weitere uns günstige Befestigung, wenn der Rahmen, den sie schalft, durch das Interesse und die Tätigkeit der jüdischen Massen selbst den entsprechenden Inhalt erlangt. Soll dies noch deutlicher gesagt werden? Die Gewährung des Aufbaues der jüdischen Heim Stätte in Erez-lsracl ist zunächst nur ein Versuch, den die internationale Ocffcntlichkcit, nicht ohne auf manchen Widerstand gestoßen zu sein, gegenwärtig mi^ einer ihr selbst noch recht neuartigen, aber ihr doch sehr sympathisch erscheinenden Humanitäts- und Gerechtigkeitsidee ausstcllt. Es hat vieler Mtihe und diplomatischer Kunst seitens der zionistischen Führer bedurft, um die Verwirklichung dieses Experiments zu er reichen. Heute ist cs nun im Gange. Daß es jetzt aber auch gelinge, ist weder in die Macht wohlwollender Veranstaltcr noch auch unserer' Führer gegeben, sondern liegt nur beim jüdischen Volke selbst. Wie noch vor wenigen Monaten unsere innere Politik von den Erfolgen der äußeren Politik, von der Mandats Bestätigung, mächtige Anregung empfing, so blickt heute die diplomatische Leitung und der ihren Interessen nahestehende Kreis mit Spannung auf die Regungen, womit das jüdische Volk in seinem inneren Leben auf die ihm gewährten neuen Existenz- und Schaffensmöglichkeiten reagiert. Der Führer bindet ruhig das Steuer fest — denn gerader Kurs ist vorerst gesichert — und hält Rundblick im Fahrzeug, das ihm anvertraut ist. Wer fährt mit ihm? Wem zuliebe hat er *ich durch Stürme durcligcrungen? Es ist charakteristisch für die gegenwärtige Situation, mit welcher Stärke aus den Beschlüssen der Berliner Actions- Comitf-Tagung die Ueberzeugung spricht, daß heute mehr denn je unsere Führer — von der diplomatischen Sorge nicht mehr ganz so schwer gedrückt wie noch vor gar nicht ferner Zeit und auch durch den neuen palästinensischen Berater, Oberst Kisch, nicht unbeträchtlich entlastet — ins Volk gehen, zu ihm reden, seine Begeisterung des Augenblicks in dauernde Teilnahme verwandeln und seine ideellen und materiellen Energien für das Gelingen des nun einmal begonnenen, nun einmal auch in Ehre zu Ende zu führenden Experiments gewinnen müssen, dieses Experiments auf die These, daß nationale Existenz nicht nur tatsächliches Ergebnis der Gewalt, sondern auch sittliche Forderung des Rechtes sei. Wo ist das Volk, um dessen Arbeit es heute zu werben gilt, um dem Erreichten Festigkeit und Ausdauer zu geben? Unbedingt rechnen darf heute die verantwortliche Leitung auf alle Zionisten, zuversichtlich rechnen soll sie auf alle Juden. Im Wirken auf solches Ziel wird erst die ״Jewish Agency" zur Tatsache des Völkerlebens, die mehr ist als ein völkerrechtlicher Begriff, Denn die Mitarbeit der Juden zu gewinnen, ist je nach dem Mandatswortlaut das sclbstver- *ländliche Korrelat der palästinensischen Tätigkeit Ehe man daran geht, den gesamtjüdischen Entschluß zum jüdischen Palästina-Aufbau in feste organisatorische Form zu fassen, ist die Einheitsfront der Zionisten die erste Tagesfrage, Soll das Jahr 1924 den jüdischen Weltkongreß für Palästina bringen, dann ist der Frühsommer 1923 keineswegs zu zeitig gewählt für den die Propaganda des Weltkongresses Ins Werk setzenden Zionistenkongreß. Den Weltkongreß der Palästinafreunde zu rüsten, das wird, wenn die Programme den unserer jetzigen Lage immanenten Forderungen entsprechen, d e Aufgabe des diesjährigen Zionistenkongresses sein neben den Regularien einer jeden Tagung. Denn sonst ist ja alles geregelt, die Finanzen sind organisiert, Schckcleinhcbung, Keren Kajemeth, Keren Hajessod wohl ins System gebracht, nur die Menschen sind nun noch zu organisieren, die der, wohlgeordneten Mechanisinus mit ihrem Willen, mit ihrer Kraft durchdringen und ihn in einen Organismus verwandeln sollen. Der kommende Zionistenkongreß muß auch die letzte U11klarheit entfernen, damit die Zionistische Organisation die Plattform des Palästina-Weltkongresses in der Gewißheit betreten kann, sie mit dem vertrauensvoll erteilten Mandat der jüdischen Gesamtheit zu verlassen. Eine andere innere Politik al* die energische Konsolldierung der zionistischen Bewegung und die Einsetzung dieser konsolidierten Macht In das Meinung»- und Encrgicnkonglomerat des Weltkongresses als Kristallisationskern einer ge samtjüdischen Palästina-Aktion, eine andere Politik gibt es heute nicht. Wenn der Innenpolitiker vom Außenpolltiker verlangen darf, daß er dem Volksempflndcn stets nahe bleibt, seine Wünsche aufmerksam anhörc und nicht gar zu ferne Pfade gehe, ohne sich über das Ziel zu äußern, so kann auf der anderen Seite der Außenpoiitiker gerade deshalb, weil er keine Gchcimpolitik betreibt, weil er die ״demokratische Kontrolle‘‘ gern erträgt, nun auch verlangen, daß sich die inneren Strömutigen der von ihm erkannten politischen Notwendigkeit gemäß verhalten. Betreffs dieser Notwendigkeit genügen wohl wenige Worte. Der wirtschaftliche Aufbau des jüdischen Nationalheims, namentlich durch den Keren Hajessod, bedarf heute der finanziellen Mitwirkung des ganzen jüdischen Volkes. Diese Mitwirkung ist nur zu erwarten, wenn Verständnis für die gegenwärtige Lage und die weiteren Möglichkeiten, wenn Wille zur Mitarbeit vorhanden ist. Es wäre verfehlt, so lange den Dingen zuzusehen, bis allenthalben Wille und Verständnis durch den Anschluß an die Zionistische Organisation aktiviert worden sind. Die drängende Entwicklung der Dinge in Palästina duldet kein Zaudern, fordert die Aktion schon auf früherer Stufe, auf breiterer Basis. Dies ist die Begründung des Weltkongresses aller Juden, die am Heimstätteubau in Palästina mithclfcn wollen, aus welchen Motiven auch immer. Organisatorische Möglichkeit und einheitliche Parole hierfür zu schaffen, obliegt dem Zionistenkongreß. Dem Ruf an die Völker folge der Ruf an die Juden! Die Stellungnahme, die der jüdische Palästina-Weltkongreß beschließen, und der Auftrag, den er seiner Elnbcruferin, der Zionistischen Organisation, erteilen wird, dürften dereinst für unsere politische Position nicht minder bedeutungsvoll sein als Balfour-Dcklaration und Palästinamandat. Sie werden die Antwort des erwachenden Volkes auf die Stimmen sein, die es aus zweitausendjährigem Schlummer erweckten. Gedenken wir dessen, daß Palästina unser wartetl Angesichts der Abstriche an seinem Budget, das schon im bisherigen Format zu knapp war, dürfen theoretische Ei ח wände nicht länger den wirklich entscheidenden Schritt des Aufbauwerkes verzögern. Das Palästina• Referat ln der Breslauer Agudah•Tagung Der ״Israelit" veröffentlichte am 1. Februar den Wortlaut des Referates, das Herr Dr. med. Siegfried Oppenhei m c r in der Sitzung des Zentralrates der Agudah in Breslau über Pa'ä st i na fragen gehalten hat. Der Referent klagt darüber, daß die einzelnen Paläslinazcntralen der Agudah bisher nicht dazu veranlaßt werden konnten, die bei ihnen gesammelten Gelder für den Keren Hajischuw der Zentrale zur Verfiigung zu stellen. Dennoch sei eine gewisse Palästinaarbeit geleistet worden. Im größten Landesverband, dem polnischen Schlomeh Emunch Jisrocl, hat der Rabbiner Alter von Gor eine Propaganda entfaltet, die zum Ankauf eines Orund- Stücks in Jaffa geführt fiat. Außerdem ist eine Gesellschaft ״ßinjan Hoorcz" gegründet worden zum Zw׳ecke der Erriditimg von Wohnhäusern in Palästina. Die deutsche Palästinazcntrale hat Herrn Dr. Ehr mann nach Palästina gesandt, um sielt durch diese Reise eine klarere Vorstellung von den Notwendigkeiten des Landes zu machen. Als wjehtigste Aufgaben ergeben sich darnach die Schaffung einer palästinensischen Vertretung der Agudas Jisrocl und die Reorganisation ihres palästincnsischcn Landesverbandes. Von diesen Aufgaben ist die Lösung der ersten aus Mange! an geeigneten Kräften nicht gelungen, die zweite wird als durdigcführt bezeichnet. Es wurde ein ebenfalls mißlungener Versuch zu einer Tabakpflanzung in Gedera gemacht. Die Agudah ■unterstützte ferner eine in Jerusalem cröffncte Madditnschute. Sie hat Propaganda für die Zeitschrift ״Kot Jisrocl" gemacht. Die Gesellschaft ״Bin jan Iloorez" ist mit einem Kapital von 15000 Pfand begründet, von denen die deutsclve Palästinazentrale 3000 Pfund übernommen hat. ln neuester Zeit hat sich nach diesem Bericht die Agudah auch mit der Ausbildung von handwerklichen Chaluzim in Deutschland beschäftigt. Die Tendenz geht dahin, eine Kolonie thoratreuer Chaluzim zu schaffen. Die Errichtung eines Lehrgutes in Deutschland ist bisher nicht gelungen. Was die Tätigkeit der palästinensischen Landesorganisation anbetrifft, so gibt dieselbe das orthodoxe Organ ״Kot Jisroel" heraus, hat ferner die obencrwälmtc Mädchenschule be• gründet und eine Aufnahmestation für orfüvodoxe Chaluzim goschaffen. Sie hat zwei Grundstücke in der Nähe von Jerusalean gekauft. Ferner wird von der Tätigkeit der beßarabisdven Lande :}Organisation berichtet, die 15000 Lei für den Keren Hajischuw gesammelt hat (ein recht mäßiges Ergebnis), und die Vorbereitungen zur Gründung einer Kolonie in Palästina trifft. Der Bericht der Agudah macht Im ganzen nicht den Eindruck, als ob man in diesen Kreisen bereits wirklich zu einer ernsten Palästinaarbeit gelangt (st. Insbesondere Ist charakteristlsch, daß über die Ergebnisse der Sammlungen für den Keren Hajischuw nichts mitgeteilt wird außer der einen Ziffer aus Beßarabien, die als besonder* rühmenswert hingeitetlt wird und in Wirklichkeit für Icdnerlci Palästinaarbeit ernsthaft in Betracht kommt.! V, 11 ן 1 | ן.־ י*‘ MMMMaMSlIS Brief aas München . Und gaben sich redliche Mühe, die Stadt gj•: zu verrohen und zu verschandeln. Denn feind waren s;(! und abgeneigt aller Meditation und Philosophie und »l'itj> von menschlicher Vernunft cingcgcbencn höheren Gedankte,; und kannten mir die Kraft, und priesen sie auch nur daa5; wenn sic roh und gewaltsam war. Also wußten sie die SUt!׳. und den Ort Ihrer Geburt zu lieben, diese Trublions . ...j J Indes die weisen Männer, so den TrubÜons entgegen wart» ׳ i nur verlangten, cs möchten ihre Obersten in allen Ehren tkjC; den geheiligten und erhabenen Gesetzen der Stadt und dt?|e \ Republik unterwerfen. Jedoch die Trublions ließen nicht! ab von ihrem Ocschrci und vermochten nichts zu höre;, denn die karge Natur hatte ihnen den Verstand versagt .. Es kam aber ein Tag, wo die Trublions zerbarsten, wt;•'; sie voll eitel Wind waren . . . .״ j 1 i Das stammt von Anatole France, der einen alten Text{; erfunden hat, um den Geist seines Vaterlandes zur Zeit der; : Dreyfus-Affäre zu kennzeichnen. Man kann daraus, gan!! J nach Geschmack, einen tröstlichen oder einen nieder-1? schmetternden Gedanken ziehen. Es ist niederschmetternd,{ j daß die menschliche Bestie sieh überall gleich bleibt. Ich aber *; bin mehr für den tröstlichen Teil des Gedankens: daß mm.ן j lieh der Deutsche von 1923 wahrhaftig mehr Entschuldigung*.‘ { gründe als die grande nation ein Vici tcljahrhundcrt nach 1?7) t dafür hat, in die Geistesverfassung der Trubiions geratest ' zu sein. Immerhin ist er hincingcratcn; und, wer mitten ia j ן den Ereignissen steht, neigt weniger zu historischer Gercch , tigkeit als zu heftiger Verurteilung. Was seitens der bayrischen Trublions hier augenblicklich j geschieht, wird in den Zeitungen mit Recht ״Der Zustand I i in Bayern" überschricben. Die verbotene Fahnenweihe den j Nationalsozialisten — cs handelt sich um eine rote Fahne, } mit einem weißen Kreis, der in seiner Mitte groß und schwarz! j das Hakenkreuz trägt — hat unter großer Anteilnahme der | 4 Bevölkerung und unter wiederholter Absingung des Ehrhardt•{ § Liedes stattgefunden. Dabei wurden die Warfe ״Brigade Ehr-1 | hardt" auf ״Sturmabteilung Hitler“ urirhylhniisch, aber im ■ *- gleichen vaterländischen Geiste abgeändert. Heiisrufe der Massen umbrausten Führer und Teilnehmer, die zum Orkaa schwollen, als der Oberst Xylander herzliche Gruße det völkischen Rcchtsblockes und dessen Einverständnis mit des Trublions in Fragen des Antisemitismus überbrachte. Der Oberst übrigens kam gerade von einer Gerichtsverhandlung, der er sich, empörend genug, wiegen 11 erlaubten Tragens der Uniform hatte unterziehen müssen. Ein in der Tat lächerlicher Zwischenfall, wenn man berücksichtigt, daß die Sturmtrupps! des Herrn Hitler, die an sich verboten sind, in dem gleich• falls verbotenen Kricgsschmuck als Herren der Stadt durch die Straßen ziehen. Der Oberst führte vor Gericht denn auch aus, daß ihm das Recht zum Tragen der Uniform durch keine Verfügung des Reichspräsidenten genommen werden könne. Diese Ansicht erwies sich als richtig; denn das Gericht teilte den Tatbestand schlau in einen objektiven und einen subjektiven, sah von dem objektiven ab und erkannte subjektiv auf Freisprechung unter Ueberbürdung sämtlicher Kosten auf die Kasse eben jenes Staates, der offenbar Ver- 1? fügUngen objektiv erläßt,' um subjektiv für ihre Nicht• bcachtung zu bezahlen, und der sich dann wundert, wenn sein Zahlungsmittel niedriger als das der Polen bewertet wird. Nach der Fahnenweihe fanden zwölf Versammlungen statt, von denen sechs ertaubt waren, ohne daß es in den sechs verbotenen weniger festlich hergiug. Hitler wurde dort als der ״lauterste Wahrheitsverkünder in Deutschland" gefeiert. Und tatsächlich verkündete er in allen zwölf Versammlungen sehr laut die Wahrheit, daß er eines Putsche* gar nicht bedürfe, cs werde der Tag kommen, wo er ״nurmehr einen Blaser zu machen“ brauche. Im übrigen galten die Ausführungen der Redner dem Erbfeind, wobei nicht Immer einwandfrei feststand, ob damit die Juden oder die Franzosen gemeint waren. Den Teilnehmern jedenfalls ist der Jude bequemer zur Hand, während die Presse mit Rücksicht auf den Inseratenteil sich in diesem Punkte etwa* zurückhaltender zeigt. El de eis O* un er! ka wl M de füi »b au gh tin de H> wi ha an vt icl wi de de ve ih dt »t Je zu pr zu ■ bi X! ki G le A 0! zt w! A d׳ f ni 5 b \ h יי! »י z *I k ft * n C s b I t '{ Alle» in allem liegen die Dinge so, daß neben Regierung und Parlament eine Herrschaft der Straße besteht, auf der sich diesmal keine Proletarier, sondern sehr noble Leute befinden. Diesem Tatbestand tragen die ״Münchener- Neuesten Nachrichten" als eine nie versiegende! Quelle heiteren vaterländischen Geistes auf ihre Art Rechnung.! Sie bringen am 2. Februar aus der hurligcn Feder ihres i Chefredakteurs einen Artikel, der ganz ernsthaft Teilung zwischen den beiden Gewalten vorschlägt. Das Parlament mit der dazugehörigen Regierung haben sich nur als formale; Repräsentanten der Staatsgewalt zu betrachten, da tatsächlich { keine Macht hinter ihnen stehe, und ihr Sturz nur deshalb ' nicht möglich *cl, weil er vom Ausland nicht zugelassen; werden würde. Diesem Zustand müßten die tatsächlichen 1 Gewalthaber freundlich soweit Rechnung tragen, daß sie 1 wenigstens die Form zu wahren wissen. Das wäre ein Be- , kenntnis zur Anarchie, wenn es nicht vielmehr jene Vorsicht! wäre, die in »o zweifelhaften Zeiten gerade kein Bekenntnis | »biegt, sopdern erst den Hasen laufen läßt, um *ich dann t mit der Bemerkung, man habe cs gleich gesagt, auf den j inseratcnerhaltenden und abonnententrächtigcn Boden der Tat- ( lachen stellen zu können. , Dieser Boden aber ~ und darauf kommt cs an — wird nicht hier, sondern in erster Linie vom Ausland und in zweiter vom Reich bestimmt — solange Bayern dazu gehört. Und solange ist die ganze Rechtsbewegung hier ״voll eitel Wind“. Herr Hitler wird, glaube ich, den ״Blaser", der nurmcht nötig ist, nicht machen; denn es würde sich in vierzehn Tagen herausgestellt haben, daß auch seine Regierung die Ruhr nicht vom Feinde befreien, wohl aber die Mark noch weit unter den Kurs seines österreichischen Vaterlandes führen kann. Und allein mit Judenpogromen würde er sich, ganz abgesehen von ihren technischen Schwierigkeiten, auf die Dauer bestimmt, nicht in Ansehen halten können. Die Erreichung der nationalsozialistischen Ziele wäre nur ein Zwischenakt, aber ein zu verhängnisvoller, als daß man sie als Deutscher wünschen könnte. Vom rein jüdischen Standpunkt aus müßte man sie als Selbsterledigung auf schnellstem Wege begrüßen. Es wird wohl aber dabei bleiben, daß man lieber keine Verantwortung übernimmt und statt dessen weiter achttägig in sämtlichen Brau* von München die lautere Wahrheit verkündet. י ( t t I I I I < f ג I I 1