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Jüdische Rundschau · 1923-02-06 · Heft 11 (6.2.1923) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVIII (1923)
Issue
Heft 11 (6.2.1923)
Date
1923-02-06
Page
– (sequence 2)
Language
German
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I Seite 60 jftigcndbewe^uttj} Aufhebung der Fusion zwischen K.J. V. und Blau •Weiß Die Ende Dezember erfolgte Fusion des Kartells jüdischer Verbindungen mit dem jüdischen Wanderbund ״Blau-Weib“ Ist wieder aufgehoben worden. Grund war die Forderung der Blau-Wciß-Führcr auf nachträgliehe Rcvidicrung der vereinbarten Bundcsbcstiinmungcn. An Stelle des Einlicitskartell* sollte ein Ralimenkartcll treten, unter Aufrcchtcrlialtun״ der Individualität des Blau-Weiß, seiner hier schon diskutierten Prunuer ״Genetze“ und einer eigenen üundeslcitung. Die definitive Fusion zwischen diesem geschlossenen Blau-Weiß und den entsprechend organisierten Korporationen des K. J. V. sollte in allmählicher Entwicklung herbeigeführt werden. Demgegenüber forderten die Führer des K. J. V. Anerkcnming des vereinbarten sofortigen und definitiven Fusionszustandes. Da eine Einigung nicht erzielt werden konnte, löste sich das Kartell Jüdischer Bünde ״Blau- Weiß“ nach kaum dreiwöchigem Bestand auf. Post Festum Von Dr. Moritz Bileskl, Berlin. Der nachfolgende Artikel zur Auflösung der Fusion gibt den Standpunkt des K. J. V. wieder. Die traurige Komödie, die dein deutschen Zionismus In den letzten Wochen von seiner Jugend vorgespielt worden ist, toll hier nicht in ihren einzelnen Szenen dargcstcllt und kritisiert werden. Es ist lediglich meine Absicht, einige zusammengefaßte Ergebnise fcstzustellen, die den Zustand der im Blau-Weiß organisierten zionistischen Jugend beleuchten und aus diesem Grunde eine allgemein-zionistische Beachtung verdienen. Der Blau-Weiß galt als ein Faktor der zionistischen Bewegung in Deutschland. Sein Führer wurde als einer von elf oder zwölf Delegierten von den deutschen ,Zionisten zum letzten Kongreß abgeordnet. Der Blau-Weiß selbst ist von seiner zionistischen Bedeutung so sehr überzeugt, daß er in der Einleitung zu seinem Grundgesetz von seinem ״bcispic!• losen Bern!“ spricht, den er ״in seiner ganzen Größe erfaßt habe". Dieser Blau-Weiß hat im Kampf mit anderen Teilen der zionistischen Bewegung gestanden. Im Verlaufe dieses Kampfes wurde die Aktion einer einheitlichen Zusammenfassung der zionistischen Jugend Deutschlands cingeieitet, die vom gesamten deutschen Zionismus mit stärkster Anteilnähme verfolgt wurde. Die Aktion führte nach monatdangen Verhandlungen, nach Ueberwindung heftigster Widerstände zu einem positiven Ergebnis, das von vielen Zionisten als verhängnisvoll, von anderen als überaus fruchtbar und als *Anfang neuerer Entwicklungen, fast durchweg aber als 11n- ,gewöhnlich bedeutungsvoll empfunden und mit Erregung auf- ,genommen wurde. Und nun, nachdem alles dies erlebt, erstritten, ertragen und begrüßt worden ist, Ist es möglich, daß der Blau-Weiß, dieser zionistische Faktor, erklärt, er habe es nicht so gemeint, man müsse diesen Vorgang ״rcvlcficren“, soweit revidieren, daß er als ungeschehen anzusehen wäre; denn er habe sich geirrt. Was heißt das? Dem Blau* Weiß fehlt jedes Gefühl für eine moralische Verantwortlichkeit gegenüber der zionistischen Oeffcntlichkeit. Er hat kein;Empfinden dafür, daß es im öffentlichen Leben Handlungen "gibt, bei denen Irrtümer unmöglich sein müssen. Er versteht nicht, daß eine Bewegung wie die zionistische von Ihren wesentlichen Gliedern ein Mindestmaß von Sicherheit, von Zuvcrlässipkcit verlangen muß, wenn sie mit ihnen rechnen will. Ei hält cs für möglich, daß man Entschlüsse von zlonistisclier Tragweite, wie die Fusion, nach Belieben faßt und korrigiert. Er merkt nicht, daß durch solches Verfahren, des ja morgen bei irgendeiner anderen entscheidenden zionistisehen Frage angewendet werden kann, nicht nur ihm gegenüber jedes Vertrauen schwinden muß, sondern daß durch die Möglichkeit solcher Täuschungen eine Orundlage zionistischer Verbundenheit erschüttert wird: Das Gefühl, daß man sich aufeinander verlassen und daher gemeinsam vorgrhen kann. Oedanken über die tiefe Enttäuschung, die der Blau-Weiß der zionistischen Gesamtheit bereitet hat, liegen ihm olfenbar lern. Sie kümmern ihn nicht, er ist sich selbst genug. Das Verhalten in der Fusionsfrage ist der beste Beweis für das Fehlen jedes wirklichen Zusammenhanges mit der zionistisehen Gesamtheit. Der Blau-Weiß duldet c* auch und wird cs, wie es scheint, weiter dulden, daß sein Ideal des Führertums, dieser Gedanke, von dem er lebt, sich so herrlich bewährt, wie es in dieser Fusion geschehen ist. Lassen wir jeden Verdacht einer Täuschungsabsicht beiseite, so ergibt sich, daß diesen Führern so gut wie jede Führereigenschaft fehlt, — wenn nicht ein frevelhafter Leichtsinn den Führer qualifizieren soll. Sie kennen keine Ziele. — Das Ziel, das sie heute verfolgen, erweist sich morgen als ein Irrtum. Sic haben keine Ansehauungoii. — Ihre Unsicherheit entwertet jede Meinung, die sie äußern. Sie taumeln in Entschlüsse hinein, über deren Tragweite sie später höchst erstaunt sind. Die Stärke, die sie für Entscheidungen eingesetzt haben, schwindet In dem Augenblick, wo nichts anderes geschieht, als daß in ihrem Kreise eine andere Ansichtsvariante mit einer gewissen Energie Beachtung verlangt. Es bleibt ihnen die Fähigkeit, Qrur.dlagen für Vereinbarungen nicht zu lesen (Walter Moses erklärte, daß er den Statutenentwurf des K. J. V. nicht gelesen habe), geschehene Tatsachen nach ihren jeweiligen Schwankungen abzuändern und ihren Vertretern nachträglich die Vollmacht zu bestreiten, nicht nur im formellen, sondern auch in dem moralischen Sinne, daß sie grundlegende Fragen aus dem Geiste des eigenen Bundes verstehen und beantworten könnten. Diese Feststellungen werden nicht aus Luit an Polemik gemacht. Sic wäre verständlich, aber sie verschwindet vor der Bedeutung des noch immer richtigen Oedankens, was diese Fusion, wenn sie richtig und ernsthaft gewollt worden vyare, hätte werden können. Sie sollen nur auf den unertrigiiehen Zustand hlnwclsen, daß die im Namen des Zionismus zusammcngcschlossenc Jugend, die wir noch immer als eine unserer großen Möglichkeiten empfinden müssen, geduldig einer solchen Führung folgt, bei der von Verantwortung nichts, von Prätention alles zu finden iri, ' J U 11D ISCHE RUNDSCHAU Immerhin, auch von dieser Führung werden Gründe für Ihr Handeln angegeben. Die Auflösung der Fusion wird in einem Memorandum mit der grundsätzlichen menschlichen Verschiedenheit der Blau-Weißen und K, J.V.cr begründet. Aus der menschlichen Beschaffenheit der Blau-Weißen ergäbe sich das Leben des Blau-Weiß, das man nicht plötzlich reglemcnticrcn, ln eine bestimmte Bahn zwingen könne, ergäben sich die Gesetze, deren Abschaffung unmöglich sei. Es soll hier nicht auf die mannigfachen Unrichtigkeiten cingegtmgcn werden, die in die Unterscheidung des Typs des K. J.V.cr» vom Typ des Blau-Weißen hincmgcschcn sind, Unrichtigkeiten, die eine erstaunliche Verständnislosigkeit für Menschen und Tatsachen zeiget! (wie sie z. B. auch in der sonderbaren Anrufttng Blnmentelds für eine der Seinen entgegengesetzten Auffassung zum Ausdruck kommt). Es soll vielmehr die Charaktcristik, die der Blau-Weiß für »einen Menschentyp gibt, als gegeben anerkannt werden. Gerade dann zeigt sich, daß man diese Auffassung des DIau-Wclß von der Art seiner Menschen, mit der ein entscheidender Punkt berührt wird, die der Blnu-Wclß mit allen Kräften bejaht, von der er nicht lassen will und kann, mit allen Mitteln bekämpfen und ändern muß. Die Schilderung, die das Memorandum vom Blau-Weißen gibt, gipfelt in der Feststellung, daß der Blau-Weiße seine Gegenwart, die vorhandene und jede zukünftige bejaht, daß sich aus der Selbstverständlichkeit seines Lebens die Selbstverständlichkeit des Zionismus ergäbe und findet ihren deutlichsten Ausdruck in dem Satze: ״Der Blau- Weiß weicht nicht Problemen aus, oder verschiebt sic auf später; er kennt sie nicht.“ Diese Schilderung erscheint mir in der Tat als eine katastrophale Offenbarung der Verständnistosigkeit für zionistische Voraussetzungen und Ent* Wicklungen. Es soll hier nicht auf die mit diesen Vorstellungen zusammenhängenden Übersteigerungen und Verirrungen de» Bundesgedankens cingcgangen werden. Aber es muß darauf hiiigcwicscn werden, daß die Wurzel des Zionismus, die treibende Kraft für jedes zionistische Streben, in der Erkenntnis des Problematischen, Krisenhaften in der Natur des einzelncn Juden und des Judentums enthalten ist. Der Blau- Weiß hat da! Mut, sich so wie er ist, als selbstverständlich zu empfinden, siel! zu bejahen, sich unproblematisch zu finden. Man steht fassungslos vorder Unwahrheit, der Unmöglichkcit einer solchen Behauptung. Gäbe es einen einzigen Ort, der die Sicherheit, die Selbstverständlichkeit jüdischen Lebens aufwicsc, so wäre die entscheidende Aufgabe des Zionismus in der Gegenwart bereits gelöst. Aber jeder Zionist weiß — nur der Blau-Weiß weiß cs nicht —, daß es heute nichts Unproblematisches im Judentum gibt, daß alles fragwürdig ist. Wenn wir uns der ״organischen Entwicklung“ überließen, das Ergebnis wäre der Untergang des Judentums; denn in jeder jüdischen Position würde eine selbstverständliehe Entwicklung des gegebenen Zustandes die zum Verfall führenden Kräfte als stärker als die bessernden erweisen. Auch der Blau-Weiß jnheht von dieser Feststellung keine Ausnähme. Diese allgemeine Erkenntnis von der Problematik alles Jüdischen zwingt uns zum Zionismus. Sic allein rechtfertigt ihn. Die Folge ist: Wir müssen uns immer wieder entscheiden, wir müssen uns immer wieder, im kleinen und im großen rindern, immer wieder Probleme erkennen, Lösungen suchen. Die Sicherheit und Selbstverständlichkeit des Blau- Weiß kann nicht lange Inhalten. Er wird erkennen müssen, daß auch sein Judentum gewiß nicht mehr Echtheit, Selbst- Verständlichkeit und Sicherheit besitzt als irgendein anderes. Wenn die Blau-Weißen aus ihrem Traum erwachen und sich uinschcn, werden sic mit Schrecken wahrnehmen, wie unwahr, wie cingcrcdct ihr organisches Leben ist. Diese Enttäuschung enthält die Oclahr des Abfalls nicht nur von dem, was ihnen als ein möglicher Zionismus dargcstcllt wird, sondern auch vom Zionismus selbst. Diese Gefahr muß bekämpft werden. Die Blau-Weißen müssen erkennen, wie das Judentum aussieht, wie sic selbst »ussehen, wenn sic Zionisten werden und bleiben sollen. Ob sie zu dieser Erkenntnis imstande sind, muß fraglich erscheinen nach dem, was die Fusion gezeigt hat; denn es gehört dazu eine Eigenschaft, die für alle Teile des Zionismus, auch für die Führer seiner Jugend notwendig kt! Ernst. Die Fusion hat nichts deutlicher gezeigt als den grenzenlosen Mangel an Ernst, ln dem die Blau-Weißen heute leben und der ln so auffallendem Widerspruch steht zu der Krisis, in der sich heute das Judentum befindet, zu dem Gefühl, daß sich ln verhältnismäßig kurzer Zeit alles ent* schieden haben wird. Diese Fusion ist gespielt worden, nicht nur wie eine Komödie, sondern auch wie ein Spiel von Kindern.* Der Gedanke, der eine symbolische Bedeutung für Notwendigkeiten der zionistischen Gegenwart gewinnen konnte, der neue zionistische Kräfte wecken und freimachen, neuen Schwung, neue Freudigkeit, neues Pflichtgefühl in den Zionismus hinclntragen konnte, Ist kompromittiert worden durch die Art, wie er behandelt worden ist Und nicht nur durch diese Art: Man hat ihn aufgegeben um eines Spiele! willen. Denn nicht anders kann ich die Stellung des Blau- Weiß zu den Gesetzen bezeichnen, die ihn dazu bestimmt hat, lieber die Fusion aufzuheben, als die Gesetze aufzugeben. Die knapp bemessene Zelt reicht nicht, um auf den Inhalt dieser Grundgesetze noch clnzugeheii ׳ und zu zeigen, daß sie keinerlei bleibenden Wert enthalten, wenn man nicht ein Ueberweisungsstahit, eine Machtposition, die für eine Bundes- Icitung fixiert wurde, und die unmögliche Einzwängung jeder menschlichen und zionistischen Entwicklung bi einen Jugendbund als Lebenswerte ansehen will. Die •Unterscheidung zwischen dem unabänderlichen notwendigen Oesetz und dem unwesentlichen Statut mag für Kinder eine Bedeutung haben. Für Menschen, die den Ernst des Zionismus verstanden haben, erscheint auch dieses Spiel nicht angemessen. Der Zionismus ist eine Aufgabe, die mit männlichem Ernst gelöst werden muß. Auch die Aufgabe, Jugend zum Zionismus und Im Zionismus zu führen, braucht diese Eigenschaff Die Betrachtung aller der menschlichen und zionistisehen Fehler, die ln dieser Fusion zutage getreten sind, zeigt, wie sehr es für alle zionistischen Ziele, auch für die Jugendbewegung, auf unser altes Programm ankommt, daß unser Leitgedanke auch in Zukunft bleiben muß! Das K.J.V, will •eine Mitglieder zu Männern erziehen. ״er ״mersaa neciiaiur׳ in Berlin Berlin. (J.C.B.) Gemäß dem Beschlüsse der Bert Tagung des Hcchaluz vom 23. Dezember soll schon in nächsten Ze t die Überführung des Zentralkomitees Hcchaluz-,Weltorganisation von ,Wien nach Berlin erfolj Nr.!! Zum jüdischen Weltkongreß Von Dr. H. Kadis eh, Vöslau, (Wir bringen den nachfolgenden Artikel als trag zur Kongrcßfr.ige. Red, d. ״J. R.1') Immer wieder kann man bei den meisten theoretisch Erörterungen über das jüdische Probien! und besonders ü».; das Verhältnis der Juden zu den anderen Völkern, sowie! verschiedenen jüdischen Fraktionen zueinander den Mm;.; der Synthese auch dann konstatieren, wenn sieh ( i Gegensätze bereits abgeschliffen haben, E! werden!!,. ־ neue Thesen aufgcstellt! nach Bedarf auch mechanisch koorc.; niert, aber nicht zu einer organischen Einheit verschmäh׳ ״ Diese Erscheinung kann mail neuerlich bei der Erörtern•; des Verhältnisses der Zionisten zu den Nichtzionislen, — j,; anläßlich der geplanten Einberufung eines jüdischen Wö; kongresses stattfiudet, ~ beobachten. 1! Es sei gleich an dieser Stelle betont, daß die vlclumstrltte•: j Frage, ob ein jüdischer Weltkongreß statifinJrn soll o;kr nid; 1 mir in dieser Form überholt zu sein scheint. Die Frage mü‘., j vielmehr so lauten: ״Unter welchen Voraussetzu; : gen ist ein solcher Kongreß möglich iittd untt; welchen Bedingungen kann er sein Ziel, die Förderung <k Aufbaues Palästinas durch Gewinnung neuer, der Zionistisch{• Organisation bisher nicht ungehöriger jüdischer Volksschichtי;׳ für den ״Keren Hajessod“, erreichen?“ An diese Frage reih ü sich die andere: ״inwieweit ist erstens ein Zusammen ־ arbeiten der Zionisten verschiedener religiöser und ökonomische•',י Anschauung sowie zweitens auch der Zionisten mit Niefg.?■ Zionisten beim Aufbau Palästinas in Zukunft möglich?“ ,; Man glaube nicht, genug damit getan zu haben, wem.•{; man auf die Tagesordnung des jüdischen Weltkongresses aus.1! schließlich den Aufbau Palästinas stellt und übersehe die ent-*!• scheidende Tatsache nicht, daß religiöse, sawid ökonomisch( ’> Oegensätze zwischen den verschiedenen jüdischen Fraktions! ij nicht nur in der Diaspora, sondern auch in Palästina Vorhand«! | sind, Gegensätze zwischen den Zionisten und Nichtzionislen, | sowie innerhalb der verschiedenen Richtungen der zionistischen J Bewegung. — Man hat eben allzulange die Tatsache ignorier,, daß die nationalen, sozialen und religiösen Kämpfe der letztes;3 Jahre, wcldie die Fundamente des alten Europa erschüttern, keineswegs spurlos an der Zionistischen Organisation vorüber»| gegangen sind und auch nicht an den europäischen Grenz«!?.4 haltmachcn. Die nationalen, religiösen und sozialen Kämpfe ן machen sich allmählich auch in Palästina fühlbar. Deshalb | wird der jüdische Weltkongreß, trotzdem er siel! ausschließlich ן mit der Kolonisation Palästinas beschäftigen soll, der En i Örtcrung auch der religiösen und ökonomischen Fragen nicht f nusweichen können, wenn er nicht auf jene jüdischen Kreise j verzichten will, für welche bei einer Besiedlung Palästinas1 nächst dem nationalen auch das religiöse uni,das ökonomische Moment in Betracht kommt Ke Erörterung des religiösen 11,11 sozialen Problems ist schon mit Rücksicht auf die erhöhte Bedeutung dieser Fragen im jüdischen Parteiieben, wie in der gesamten Kult uni eit unaufschiebbar geworden; von der Einigung über ein diesbezügliches Mimimaiprogramm hängt das Gelingen des jüdi sehen Weltkongresses wesentlich ab. Unverständlich hingegen erscheint mir die Verquickung der Frage des jiidisditn Weltkongresses mit der Jüdischen Diasporapolitik. Es gibt dafür nur folgende Erklärung: Manche zionistische Kreise bilden sich eüi, daß nach Ausschaltung der Landesarbeit — und besonders der jüdischen Landespolitik — die Zahl der Intercssentcn für die Palästinakolonisation und in weiterer Hinsicht für den jüdischen Weltkongreß wachsen werde. Die Vertreter dieser Anschauung sind aber bisher den Beweis für die« Behauptung schuldig geblieben. Sie übersehen vollständig, - daß die ablehnende Haltung vieler Kreise gegen den Zionismus f nicht in erster Linie durch ihre Gegnerschaft zur jüdisch«! 1 Landespolitik J1 ervorgerufen ist, sondern die Konsequenz ihre! I; Grunda n s c 11 a u u ח g ist, daß die Judenfrage keine natio- | nale, sondern eine ö k ת ס o m i s c 11 e o d c r c i n e r c l i g i ä s« 1 sei Aber wie jeder Irrtum, 90 enthält auch die Forderung | der »genannten ״reinen“ Zionisten, der Verneiner der Landesj Politik, (die sich teilweise auch national-jüdische Zionisten nennen) ein Körnchen Richtigkeit. Diese Richtung iin Zionismus bagatellisiert einerseits bedauerlicherweise mit ihrer Parole: ״Der Qaluth läuft uns nicht davon“, die Interessen des in der Diaspora verbleibenden Teiles der Juden, ist aber anderer• scits eine ins Extreme ausgeartete, nicht unbegreifliche Reaktion gegen chauvinistische Ueberireibungen und die zeitweise Uebef• Schätzung des Parlamentarismus mancher bourgeoisen Kreise. Ke Behandlung dieser Frage hat aber nicht nur theoretische Bedeutung, sondern sie ist besonders in Oesterreich — mit Rücksicht auf die spätestens im Oktober stattfindenden Nationalvcrsaninilungswaiiien — von aktueller, einsdmeideoder Wichtigkeit Die in Oesterreich in Stadt und Land zunehmende antisemitische Strömung, weiche in der letzten Zeit eine neue radikale Vertretung in den deutschen National- Sozialisten gefunden hat, stellt die Juden vor die schwierige Frage, wem sic im zukünftigen Parlamente ihre Interessen- Vertretung übergeben *ollen, da sie in der jetzigen National• vmammhmg keine zweckentsprechende Vertretung fanden. Nichts wäre verhängnisvoller, als in dem Momente, w0־ Oester• reich und speziell seine jüdischen Bewohner einer sehr ernsten Zukunft entgegen eilen, über diese Lebensfrage der österreichischen Juden zur Tagesordnung Überzug dien, Einc gegenseitige Aussprache der Juden, denen an der Zukunft ihres Volkes und daher audv an der Palästinas ge•!egen ist, ist auf dem jüdischen Weltkongreß unerläßlich, und cs ist nicht ausgeschlossen, daß der Kongreß ln einem späteren Zeitpunkte eine Einigung über wichtige Lebensfragen des jüdischcn Volkes auch in der Diaspora zeitigt, wie cs die Lebensnotwendigkeit des jüdischen ,Volkes in IV,.t j״,ms bewerkstelligte. 1 “ ׳ D vc ru 2fl VC da ׳ ׳0 ab de m ln lK fa ix di in re rt dt v nt U fa .11 fi v! at s< D is Sl d! c! f k d d b <r si S \> b P z. d fc ג n 1, E ti ת v J I! t v I 5 1 1 9 ׳ | t I 1 l h I 'י 1 b 1 ' ו 1 I Einberufung des Weltkongresses der Agudas Jisrocl <JP2). Wie uns aus offizieller Quelle berichiet ״ fd1 ׳w ״ef 6«schäf<sftiI1rcnde Ausschuß der Agudas Jiarocl-Weltorganisatlon auf Grund der ihm vom Plenum die“ En"״chtlffunßen beschlossen, äse Knessio Oedaulo auf den 4. Elul 5683 (\b ffust 1923) nach Wien einzuberufen. (!6,Au* i י

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