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Jüdische Rundschau · 1923-02-06 · Heft 11 (6.2.1923) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVIII (1923)
Issue
Heft 11 (6.2.1923)
Date
1923-02-06
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Für Tschechoslowakei: löstsparkMJcnamt Prag. Konto Nr.59410. — RedaktionsschluQ Sonn tag und Mittwoch nachmittag. — כ׳ ■עבט* תרס״ג (VIII. Jalirg. per Zionismus erstreb! ttlr daa Jüdl3che Voile die Schaffung elnar Öffantiieh rechtlich gesicherten Heimstätte ln PalSctlna. ״Baseler Programm.** Zum Ausscheiden Jabotinskys Die dicswöchcntüchc Nummer des ״Haolatn“!)ringt den folgenden, offenbar offiziös inspirierten Artikel. 0 n * סח« 4 ל.ט «> 13 «S הסאריו acaa 9 Säsart'i מתי יי* ד* ר הע מ y י ה& י נ 1 ה* ו ו הק ו ו { 1 י ו ז 9n 1*3 103 3ל( באו 13־1 3ל* באו ני! יי? 3* הה im tKT Dieses Mal hatten sich die Mitglieder des Actions- Comites zu ihrer Sitzung sorgenscliwer cingcfunden, und diese Sorgenschwere lastete über allen Sitzungen. Es war die Sorge um das Schicksal mehrerer unserer Positionen und unserer Anfänge, die jetzt von der zu■ nehmenden finanziellen Krise der Organisation und von der wirtschaftlichen Krise in Palästina bedroht sind. Und diese Gefahr wächst zusehends. Diese Sorge war nicht mir die Grundstinunung dieser Sitzung, sic war ihre Seele, Wenn w ir uns aber mit der Sitzung näher befassen und sie nach ihrem sogenannten Spiegel, dem Protokoll, beurteilen, so seh.cn wir, daß fast die Hälfte dieser Sitzun* gen in einem verworrenen Kampf um eine ganze Reihe politischer Fragen bestand, die in keinem Zusammenhang, jedenfalls in keinem organischen Zusammenhang mit dem Gegenstand unserer Hauptsorge zu stehen scheinen. Zu einer gründlichen Erörterung der finanziellen Fragen kam cs überhaupt nicht. Das Actions-Goinite hat nur schematisch und in allgemeinen Umrissen den Weg zur Ueberwindung der Krisis, angedeutet. Die politische Debatte, der der größte Teil der A.-C.־ Sitzungen gewidmet war, war mir eine Fortsetzung jener .Meinungsverschiedenheiten, die bald abnehmen und bald zu nehmen, die aber innerhalb der Exekutive nie ,aiiilu ren. Eines der Mitglieder der Exekutive, das in dieser Angelegenheit eine Partei für sich bildet, Herr : Jabotinsky, hat sie vor dem A.-C. aufgerollt. Mit einer seltenen Einmütigkeit hat das A'.-C. es abgclclmt, sich mit den Forderungen des Herrn Jabo- ‘ tinsky, die ihn von den Ansichten der anderen Mitgücder der Exekutive trennen, solidarisch zu erklären, Und aus diesen seinen Anschauungen hat Jabotinsky die letzte Konsequenz gezogen und ist aus der Organiganisation ausgeschieden. Wie das A.-C. in seiner letzten Sitzung, so werden auch zweifellos die zionistische öffentliche Meinung und gewissermaßen unsere ganze Tätigkeit und Energie jetzt , von den Dingen abgelenkt werden, mit denen sie sich; ausschließlich befassen sollten, nämlich den Fragen und Angelegenheiten fies Jiscliuw, der von einem doppelten finanziellen Hunger gepeinigt wird, und werden sich mit der Affäre Jabotinsky befassen. Das ist sehr zu bedauern. Da aber die Frage schon aufgerollt ist, obwohl nicht wir sie aufgerollt hatten, so betrachten wir j cs als unsere Pflicht, auch unsere Meinung darüber zu; äußern, und diese Meinung wird klar und eindeutig sein, i Formell entspringt dieser Streit einer Anzahl von | Resolutionen, die Jabotinsky eingcreicbt hat und deren! Annahme das A.-C. ablchntc. Und obwohl diese Reso-;!Mionen, wie wir uns bemühen werden nachzuweisen,! mir äußerlich mit dem Wesen dieses Konflikts zusammen- : hängen, betrachten wir cs als unsere Pflicht, auch auf; diese Resolutionen ein wenig cinzugehen״ um damit j gleich den Nebel zu zerstreuen, der sich noch verdichten | kann, da die Sitzungen des A.-C. geschlossene und die \ Meldungen über diese Sitzungen kurz gefaßt und ungeordnet sind. Herr Jabotinsky hat auf einen angeblieben Zusammenhang zwischen der unbcfriclügenden politischen Lage in Palästina und der finanziellen Krise der Organisation hingewiesen. Er hat die Schlußfolgerung gezogen, daß das jüdische Volk auf unseren Mahnruf hauptsächlich deshalb nicht in genügendem Maße reagiert, weil trotz aller unserer politischen Erfolge der letzten Jahre unserer Arbeitsamt der Enthusiasmus fehlt, der für die Mobilisierung der Volksfinanzen notwendig ist, und das aus dem Grunde, weil jede neue Nachricht überdas Vorgehen der englischen Regierung in Palästina deprimierend auf die Stimmung dieser Menschen wirkt Das A.-C. hat diese Behauptung bestritten. Das A.-C. wollte diese beiden Gebiete unserer Arbeit, nämlich das politische und das finanzielle, nicht in einer Resolution verquicken. Daß zwischen den beiden ein Zusammenhang bestellt, ist eine Binsenwahrheit. Hätten wir diese Wahr-! heit verkündet, so wäre das nach Meinung sämtlicher Mitglieder des A.-C. und auch der Autoritäten, die in verschiedenen Ländern für den Keren Hajessod arbeiten, «ine Bestätigung der Gleichgültigkeit der einen, der Trägheit der anderen und des Indifferentismus aller ge• wesen, während wir jetzt die Pflicht haben, alle Kräfte anzuspornen, um dem Jischuw aus der finanziellen Misere, in der er sich, befindet, lierauszuhclfcn. Mit; unserer politischen Lage in Palästina müssen wir uns , stets befassen, und auf sic alle unsere Aufmerksamkeit ( konzentrieren. Allein wir hätten einen gefährlichen Weg! he schritten, wenn wir die Behauptung bestätigt hätten, daß das Maß der Aktivität unseres Volkes bei der Aufbauarbeit für unser nationales Heim von wechselnden politischen Situationen abhängig wäre. Es wäre irr- > sinnig, wenn die zentrale Körperschaft unserer Bewegung sechs Monate! nach' Bestätigung des Mandats erklärte, daß die genügenden politischen Voraussetzungen fehlten, damit ein Volle, das 15 Millionen Seelen zählt, ein Budget von 000 100׳ Pfund jährlich decke, die für seine nationale Wiedergeburt nötig sind. Die zweite Resolution Jabotinskys, belrcffcnd eine Anzahl unerwünschter Beamten in der pa- 1 ästinc n siscli e n Administration, ist nur ein Detail aus einem größeren Fragenkomplex, der mit unserer politischen Lage in Palästina verbunden ist. Eine umfassende Darstellung dieser Lage hat Dr. Wtizmann in seinem Bericht gegeben. Er bat sie auch kouuiiciiticrt mit all ihren positiven und negativen Momenten auf Grund seiner Eindrücke während seines letzten Besuches in Palästina, Die Exekutive hat durch Herrn Sokolovv erklären lassen, daß sie alle politischen Forderungen, die auf der Tagesordnung stehen, der englischen Regierung unterbreiten wird, auch die Forderungen, die im Briefe des Waad Lcutni enthalten waren, und daß sic sich die Verwirklichung dieser Forderungen als Ziel ihrer nächsten politischen Tätigkeit steckt. ״Das A.1C.“, wie es in Punkt 1 seiner politischen Resolutionen lautet, ״nimmt die von Herrn Sokolovv im Namen der Exekutive abgegebenen Erklärungen über die politische Tätigkeit und die zukünftigen politischen Pläne der Exekutive zur Kenntnis“. Das bedeutet, daß der von der Exekutive vorgczciclmctc Weg der politischen Arbeit mit den Anschauungen des A.-C. übereinstimmt. Es Ing also kein Grund vor, dieses Detail betreffend die palästinensische Administration aus der allgemeinen Deklaration der Exekutive auszuschalten und cs zum Objekt einer besonderen Resolution zu machen. Die Erklärung der Exekutive enthält auch dieses Detail und weist ihm den entsprechenden Platz uhtcr den anderen Forderungen an, wie z. B. der Immigrationsfragc, der Dschiftlikfrage, der rechtlichen Lage des Waad Lctimi usvv. Was die dritte Resolution Jabotinskys betrifft, die sich auf ״Gerüchte, als ob verschiedene Dokumente der letzten Monate, insbesondere aber die Zustimmung der zionistischen ,Exekutive ztmi. Inhalt derselhen einen Verzicht der, Zionistischen Organisation auf die Prinzipien des integralen Zionisinus bedeuteten“, bezieht, so hat diese Resolution jede praktische Bedeutung nach der offiziellen Erklärung des Präsidenten des A.-C., Professor Cliajes, verloren, der cs unmöglich fand, in der höchsten Körperschaft der zionistischen Bewegung eine Resolution zur Abstimmung zu bringen, die die Treue zur Organisation und zu ihren Prinzipien erklärte, . Wenn wir die von Herrn Jabotinsky cingebrachten drei Resolutionen summieren, so sehen wir, daß die erste ihrem Wesen nach nur eine theoretische Konstruktion zur Aufklärung der Ursachen der schweren finanziellen Lage unserer Bewegung ist, keineswegs aber ein bcstimmtes politisches Programm1. Die zweite Resolution ist in der umfassenderen Erklärung der Exekutive ent halten. Wenn es der Zweck der dritten Resolution war, die unerschütterliche Kraft der ״Grundlagen des integralen Zionismus“ nochmals zu proklamieren, so ist dieser Zweck durch die Erklärung des Präsidenten des A.-C. erreicht. Es ist deshalb ziemlich verwunderlich, daß die Annnlnnc der politischen Resolutionen, deren, Formulierung von ־der Jabotinskys etwas abweicht, einen Grund bildete, daß ein verantwortlicher Politiker einen so verantworlungsvollen Schritt in so verantwortungsvoller Stunde macht, Nun kommen wir auf das Wesen der tiefen Mcinuügsverschlcdcnheit zu sprechen, die bisher in den engeren Kreisen der Zentrale unserer Bewegung verborgen war und die jetzt in die Oeffcntlichkcit dringt. Da diese Meinungsverschiedenheit sich schon enthüllt lut, ist es besser, sie vollständig aufzudecken. Die von Herrn Jabotinsky cingebrachten Resolutioiicn waren nur ein zufälliger Ausdruck für eine politische Richtung, die meist den etwas verschwommenen Namen ״Aktivismus“ trägt. Vor einiger Zeit haben sich um diese Losung bestimmte Kreise geschart. Aber im Laufe der Zeit und Infolge politischer Ereignisse, hauptsächlich infolge' der großen Realität des Mandats, sind die politischen Bestrebungen auf eine andere Basis geleitet worden, und die.’Anzahl der Anhänger des Aktivisnius hat progressiv abgenommen. Unter allen Führern unserer Belegung und verantwortlichen Arbeitem des Zionismus ist in׳ der letzten Zeit Jabotinsky vielleicht der einzige geblieben, der an dieser Losung fcsthält. . Wenn wir in kurzen Worten das Wesen des Akti- Visums formulieren wollen, so müssen wir sagen, daß er dahin strebt, sofort in׳ die politischen )Verhältnisse Palästinas einen neuen Faktor hincinzubringen: eine jüdische militärische Kraft. , Das ist das A und O im Programm des Herrn Jabotinsky, Darin erblickt er nicht bloß eine politische Hauptaufgabe, sondern die einzige Aufgabe. Und in diesem Punkt stellt er unter uns allein. Einige Leute, die in die in lerne Tätigkeit unserer Institutionen nicht genügend eingcweiht sind, täuschen sich, indem sie glauben, daß das Wesen des Aktivismus eine intensivere politische Tätigkeit sei, die kühn größere Forderungen stellt. Es. ist leicht zu begreifen, daß mehrere unter denen, die mit unserer politischen Lage in Palästina int zufrieden sind, hollen, durch eine Solche aktive Politik günstigere Ergebnisse erreichen zu können. Allein diese aktive Politik, die uns vielleicht wirklich wünschenswert erscheint, eine Politik, die einen starken Willen äußert und die ihre Forderungen sukzessive durchsetzt, hat nichts gemein mit demjenigen Aktivismus, dessen Prophet Jabo!insky ist. In allen anderen Angdegenheiten, mit Ausnahme seiner Angelegenheit, ist Jabotinsky manchmal geneigt, größere Konzessionen zu machen als die anderen verantwortlichen Politiker des Zionismus. Das läßt sicli leicht begreifen. Alle anderen Angelegenheiten sind für ihn 'Nebensache im Vergleich mit derjenigen Fiuuptangelcgenlicit, für die er sich einsetzt. 12s lohnt nicht, deswegen zu streiten. Nach den Junicrcignissen und der Veröffentlichung des Weißbuches gab. es einen Moment, wo ein energischer Politiker, der seinen Willen durchsetzen wollte, die Majorität hätte hindern können, sich auf Konzessionen cinzulasscn. Jabotinsky hat aber damals seine bedingungslose Zustimmung gegeben. Es ist auch schon aus der Presse bekannt, daß in einer anderen Frage, die auch Raum genug für eine aktivere Taktik bot, in der Angelegen heit der nebelhaften Piirne der arabischen Föderation Jabotinsky sich mit der Anschauung der alleräußersten Rechten solidarisch erklärte. Es ist ein Verdienst dieser Sitzung des A.-C., daß sie endlich geschieden hat zwischen einer Verstärkung der Tätigkeit lind Energie auf allen Gebieten unserer politischen Arbeit einerseits^ , und zwischen dem Altivisrnus andererseits, den Herr Jabotinsky uns in den letzten zwei Jahren zu bieten i sich erfolglos Lxiniihte. Und als diese Grenze deutlich fcstgestellt wurde, war das Ergebnis, ׳ daß der größte Teil der Mitgiiedei ' des A.-C. für die politische Aktivität eintrat, während auf der anderen Seite Jabotinsky allein stand. Es blieb ihm deshalb nichts übrig, als aus dieser Lage die letzte Konsequenz zu ziehe 11, Zu dieser logischen Konsequenz hat aber Herr Jabo-* tinsky noch eine andere Konsequenz liiimigefiigt, die vielleicht vorn psychologischen Standpunkt aus natürlieh ist, keineswegs aber vom Standpunkt einer lebendigen Organisation. Er trat aus unseren Reihen aus, um einen Kampf außerhalb der •Organisation für seine Anschauungcn zu kämpfen und auf eigene Faust politische Seil ritte zu machen. Es ist selbstverständlich, daß die Organisation in ihrem Urteil über einen solchen Schritt einmütig sein wird. Die gesamte Kraft des jüdischen Volkes, die trotz Tausenden von Hindernisseii und Widerständen zum Mandat gelangt ist, wird von dom Weg, den cs sich gebahnt hat, nicht ab gelenkt werden. Die Erklärung des Herrn Jabotinsky über seinen Austritt aus der Organisation enthält aber einen S.1I2, den wir nicht schweigend übergehen können, Er behauptet, die Tatsache, daß er auf dem XII. Kongreß zum Mitglied der Exekutive gewählt worden ist, nadulcui er in den Jahren 1915—1918 politische Schritte auf eigene Verantwortung und im Gegensatz zu der damaligen Exekutive gemacht hatte, bedeute, daß der Kongreß das Recht jedes Zionisten anerkenne, auf eigene Verantwortung politische Arbeit zu leisten. Gegen diese Behauptung־ .anarchistischer Art erheben wir schärfsten Widerspruch. Die jüdische und die zio» nistische Oefientiiehkeit muß wissen, daß dies keineswegs die Absicht des XII. Kongresses war, und daß es unmöglich war, daß der Kongreß ein Prinzip anerkannt habe, welches das Fundament der Organisation erschüttert. Die Wahl des 11־ emi Jabotinsky zum Mitglied der Exckutive ist auf FriedetisbeStrebungen in der Organisation zuriiekznführen. Der erste Kongreß nach dem Kriege und nach der Dalfoiir-Deklarailan wollte ein Ende machen mit der ungesetzlichen Lage in unserer Welt. Er wollte auch auf einmal alle aktiven Krältc in der Organisation und in ihrer Aufbauarbeit sammeln, Nur von diesen Absichten war der Karlsbader Kongreß geleitet, und er konnte von ihnen geleitet sein. Jetzt aber, wo eine gesetzmäßige Organisation besteht und arbeitet, wenn jetzt jemand aus unserer Mitte die Organe unserer Bcwegung mit Füßen tritt mul auf eigene Verantwortung verschiedene Schritte unternimmt, um so mehr, wenn er ein Mitglied der Exekutive war, zu dem die Organisation Vertrauen hatte, uitd den sic auf einen verantwortlichen Posten gestellt und den sic in alle politischen Einzelheiten eingeweiht lut, wenn solch ein Mann jetzt versuchen wird, Wege zu gehen, die die Organisation schädigen werden, dann wird er seitens der ganzen Organisation energischen Widerstand finden, und sein Urteil wird von vornherein gesprochen sein.

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