Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVIII (1923)
- Issue
- Heft 10 (2.2.1923)
- Date
- 1923-02-02
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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< 1 r- ׳. V - ’•׳ k.-, V*—ruf'W*•^ T-vIX^T "׳* ״ ~" *t» Ec.-Iin, 2. II. 1923 Nummer i cheint in zwangloser Folge nehmt;! eit lc I mchr ftitsdi!-' Mf Sch kr en; Ine. r vic:;. h1״ ni« :Nutze״ t einst;?igliru״ ünfluü breitet!, den hä;;!.' I geze;: eh in <J!ntlo. p liat. Ah' Prinzipielle Vorbedingungen einer industriellen kooperativen Bewegung in Erez-Israef ' Von Dr, Walter Preuß, Jerusalem. [her Beschluß der Allgemeinen _ Arbdterorpanisntjon, die j41er in Erez-Israel vereinzelt existierenden industriellen Ko- ,,"!crativen m einem Verbände zusammenzaisdiließen, ist von ''ncr rieldigeu TOlkswirtscJiaftlidien Einsidit getragen. Nur :,t es nötig, den Wo;;, der einmal bcschrittcii wurde, auch ׳;, En.-Ic zu gehen und,die Konsequenzen zu ziehen, die einzig ,,,kI allein ein Gelingen dies«• Kooperativen verbürgen. Zwei (]mnilfr.'igcn tau,dien hier auf: Welchen Weg sind bisher (;,e industriellen Kooperativen in den anderen üimicTii gegangen ,,."ן wodurch untcrsdicidet sich die industrielle Kooperative;’׳roz-lsraed von der anderer Länder? Finden wir, daß außerhalb , rc7-I;racls die induslricUc Kooperative niemals gelimgeii ist •״m| nicht gelingen konnte, umt unterscheidet sich die koopera-!;ec Arbeit in Ercz-isracl nicht grundlegend und in entscheiden• finge vg (‘|'cn prinzipiellen Punkten wn der außerhalb des Landes, so Juden!!1״ m״ß auch in Erez-lsracl der Versuch aussichtslos'erscheinen. I an> d? |g das nicht der Fall, so heißt cs, die Bedingungen aufzudecken, "aber a!g unter denen die kooperative Bewegung allein gelingen kann. Bewept-'״' Zunächst ist die Frage m beantworten, was unter einer nein, jk•’׳Kooperative zu verstehen ist. Die Grundbedingungen jeder aus dg khtcit, sozialistischen Kooperative zeigen sich darin, daß sie fcr '״n,T זו״ Genossen, keine Lohnarbeiter hat, daß alle Gaiosaen ״.’cj ,!ן glcidicr Weise am Lohn und Gewinn parti/.ipicren und1; cn!5 ״!gaft’die l<vcuzali offen ist, <L lt daß sie jederzeit bereit 80 "X'•;1, nadi Bedarf neue t'1euos־s<*n und nicht etwa neue Lolmihen, abg‘ Arbeiter auf/itiK hüten. Wir sprechen hier nicht wn denjenigen : ficht di ,Genossenschaften“• die von vornherein mir äußerlich «ien | (e.wtcn ״Genossenschaften“ angenommen halien, in Wirklichfordert seit mir eine Vielheit kleiner Unternehmer sind, die sidi tun Kcrt «״:׳ durcJi ihre Zahl von Einzchuitenichmeni umersdidden: n — iJ 'wir sprechen von der echten Genossenschaft, die jene Bc- ./ ~"ך״ V111״unge11 aiizucrkennen bereit ist Welches ist" dir Weg in * 1״r r'1 V.cr’kapitalisHsdien Umgebung? An dieser Stelle sofort eine prinzipielle Bemerkung. Auch eine Kooperative, die obigen Bedingungen genügt, ist nur v;nc vereinzelte Gruppe, eine Unternehmung auf kooperativer Basis, der bei ihrem Gelingen nur eine gewisse privatwirt- ,iMtilidie Bedeutung z.ukomint Worauf es uns nnkommf,;4, die Frage so zu stellen: unter welchen Bedingungen kann »ien Kooperativen überhaupt ein volkswirtschaftlicher und all- 1!;cinriiK-r sozialistischer Wert beigemessen werden? Wären Äjr nicht überzeugt, daß den Kooperativen eine allgemeine, weit über die der einzelnen Kooperativen hinausreichende Bc* ’,leutung zukommt, so lohnt es sich nicht, besondere Bemiilmn- >;cn zu machen, um statt einer Reihe einzelner eünc Reihe Anammcnarbeitendcr Unternehmer airatsiodeln. Im besten Palle würden sie weniger Kapital brauchen; auch das ist!enkür' .■dm etwas, interessiert uns aber vom Standpunkt der Eni- 'viiUimg der Arbeiterschaft nicht. Prinzipiell ist vielmehr zu!'(■merken: nur dann, wenn die industriellen Kooperativen, <i;e mich zu untersuchende Möglichkeit ihres Gelingens über- 'i.uipt vorausgesetzt, eine weitcrreichemle allgemeine Bedeutung!•ihr l‘1,׳*:cn’ sl-.h. <hc Produktion der Gesaintarbeitersdwft auf eine kuDllC 11:;(jcrc Basis stellen, Stätten genossenschaftlichen Geiste!* Werden Lublir3** nidit Brutstätten kleiner verkappter Unternehmer, wenn tv Kcr> "c die Gcsaintarbcitcrschaft und nicht eine kleine Zahl einait ein־k '1,״cr 'l! *km Besitz der Produktionsmittel zu bringen vera 1!/ I •1"־"»,;cii, haben sie für die Arbeiterbewegung Ercz-lsraels prm- St Ken;■;,;;dies Interesse. Diese Grundfragen gitt cs zu untersuchen. I wurd|!; jp jst bekannt, daß bisher <110 iiirtiislricllm Genossenrmögert •duften in den großkapitalistischen Ländern sieh nicht haben Initwickdn können. Die Gründe für diese Erscheinung liegen Ntr pm!1'■™׳ *kaß Mle derartigen Versuche den Geist dt•! vo.-marxisti- , I •:licn Utopismus zu atmen scheinen. Gegenüber den groß- K 'c״w’'s1pita!is!i5Cl|Cn Iiidusjricgebiklen sind sie» weder was Kapital omii was Kredit hclriflt, konkurrenzfähig, Größere Versuche sind aus allen dies« Gründen nicht gemacht worden. Dazu kommen die Schwierigkeiten, die aus der ״Disziplinlosigkeit“ sich seJbstverwaltendcr Arbeiter in der der 2n r Aiifl.;־ tse, durg tn kör1;״ f gcnitJ tzter c | fctori chicks.:'■ In seine'! Tag!;־ leutsd«. lichte s t!! m San*, leid ua! en Marli Tat oftmals entspringen, der mangelnde Absatz, alles Gründe, die sicherlich im Anfang die Konkurrenzfähigkeit erschweren. Von den Theoretikern, besonders von Oppenheimer, werden aber darüber hinaus prinzipielle Gründe angeführt, die das Aufkommen industrieller Pradnldivgcnossciisdiaften angeblich j unmd״lirl1 erscheinen lassen. Oppenheimer nennt das Gesetz, aus dem diese innere Unmöglichkeit «rtspringt, das ,,Gesetz, der Transformation“. Dieses Geselz besagt, daß aus inneren, uii.iiNwcidilichen Gründen die imlustricllc Produktivg'eiiiosswi►■ ־׳'Ciiaft dahin gelangen muß, sich abzuschließen, d. h. kane neuen Genossen aufzunehmen und zu nichts anderem, als einer Vercimginig kleiner Unternehmer zu werden. Diese Tatsache entspringt aus folgendem, außerordentlich wichtigem Gniiulc: weil ikimlid» das' Interesse der Produktivgcnosseni- Während die das kanlscfc- Idischcr lisschui es Kon gtepher a ron Iko-Ein׳ hard ler M! ntVchc׳־ dein Gesamtintercssc nicht parallel läuft. •1j. Allgcmeinhoit ein Interesse an 11i«lri;:vn Preisen hat, hat sic mdiä;(׳־*., (ine? nn hohen; die Poxhiktivgeiiosscnschnft, wie alle Unterwir n: Hilnncr, befindet sich im Gegensatz zu allen Käufern und ing der imill mit allen Verkäufern konkurrieren. Weil die Interessen jarai! «ne, ־. ״;^ד,ן, ,;|״illur Käufer parallel gehen, deshalb je bc■ "vlint!t der Koiisiunvereiu; weil das Interesse eines Prath»• י de f f z.ü״,>'״ oiät dem aller Pixxhi,־zenten im Cx'gcnsaiz *tvhl, deshalb ‘ vcr.j smi die Schwierigkeiten bei der Orgnnisieriing der Produktiv- Volke5 ׳!®*^nsdiaftcn »1 groß, deshalb ist die Entwicklung des v0i',1;!tnov»ensdiafIliclKfi Geistes so schwer, deshalb verwandelt ,tcriK“־ ן•ich die ProduktivgciKissensdialt zum kleinen, sich abschheßen- | '׳en Unternehmer. I>1rch AtiBtlduurngr steigert der Konsum- Dr eis!;״ein seine Kraft, weil sein Einfluß auf die Gestaltung der ׳cselic'1 lrCisc wächst; die Produklivgeuossenschaft schwächt sich bei 1c dcl ־,'!1״Jihmtiig, da sie sich mehr Konkurrenten hcranzieht und onistet* (1 '^^11־,üinc netter Mitglieder der ProfitUnter mehr Mitglieder ® xj '*'״teilt werden muß. i.he l’rodnktivgcnosia-nsdiaft muß daher *rwi 1״ uis innerlichen Grii«d«1 das Bestreben haben, sieb abz.m in vo-j ::cnlicBeu, muß in der kapitalistischen WirtseSiaft den Gesetzen ß 3uc; ncs Unternehmertums untcrUeßcn; sic kann aus inneren Plan•, finden keine allgemieinc Bcdartung ciiangcn, sondern muß |;di entweder wandeln und abschticÖen, oclor kann nicht koa- :schlutj >“urh'1rz[iihig Weihen.'!durch! . Am tieferen Ursa dien hat sielt also die indüstricl.'c Geun.«1‘ nicht entfalten können, ans inneren Gründen wird ־ c; , ’ <י^״ו weiterhin im Umkreise der kapitalistischen Produktion C j?)’fr.t*a״n existieren können, wenn die Bedingungen beseitigt I 1'.1'4‘i die an 010111 Mißlingen Schuld tragen. Zeigt 0-1 sich ".-1:* יf11» daß in Erez-Israel entweder die Verhältnisse ,indem K als in Europa, oder aber, daß es bestimmte Bedingungen i pht, suger denen gerade in Erez-Israel eine Entwicklung der ™iiistrielien Produletivgaenossensdiaft möglich erscheint, so ha t |s keinen Zweck, auf dem begangenen Wege *prtzuschrciten, dann hat auch die Bildung Gnes Merkaa keinen Wert und kann die Ent- 1r ktin ״nK n'cht fördern. Zeigt es sich aber, daß ן*-“' ,m Bedingungen kt Erez-Israei «adere sind, so ist zu untersuchen, ob die Lmsetziin״ einer Zcntrallcitung allein genügt, <xlcr aber, ob die Entwicklung nicht andere Wege cinsdilafcn muß. Beachtenswert ist, daß alle Versuche b den hodikapltalistisehcn Ländern inuner ־nur einzelne Genossenschaften betrafen. Kur ein einziges Mat ist der Versuch gemadit worden, in größerem Unifangre industrielle Genossenschaften mit EigenprcKhikiion systematisch auf/.iibaucii, 1818 in Frankreich. U(־ber vliescii Versuch wird noch kurz zu sprechen 9dt1. ln allen anderen Fällen bezieht sich das Urteil über die prinzipeile Unmöglichkeit der PiXHliiklivgcimssciischaftcn auf Einzelgcnosscnschaften (iil>cr den Versneh in Sowjctruilland zu mlcn, crselieiut vvririiht, ein kein objektiv« Material zur Verfügung sieht). Es bleibt also die prinzipielle Frage offen, wie die Aussichten der Pixchiktivgenossenschaftcn dort wären, wo die •Möglichkeit vorhanden ist, Versuche in größerem Umfange zu inaclien. Und in der Tat liegen die Verhältnisse in Lrcz- Israel so, daß die Voraussetzung in Weiterem Umfange gegeben ist. als im kapitalistischen Europa. Erez-Israel ist ein Land, dessen kapitalistische Entwicklung noch in den ersten Anfangen stockt. Ein Aufbau kann von vornherein dort sowohl in Form der Privatinitiative, wie midi auf genossenschaftlicher Basis vor sich gehen; beide Formen haben sich erst Absatzwege rn erobern, haben neue Gebiete der Industrie zu aitwidahi. Unter diesen Umständen ist die Voraussetzung der Be¬ Schaffung des Kapitals und' des Kredites für beide ungefähr gleich und ein wesentliches Ilemnis der Entwicklung der Kooperative zunächst lx׳sciligt. Die Existenz und der vorläufige Bestand von Genossenschaften erscheint daher in gewissem Ihn fange durchaus aussiditsreich, da sic nicht auf eine Konklirren/, bereits in größerem Umfange existierender Unternehmer sloßcn. Nur, und das ist das Entscheidende, sagt diese Anfaiigsciitvvkklung nichts über die weitere Entwicklung aus, weil cs unbedingt richtig ist, daß das innere Gesetz der Produktivgenosseiisdiaftcn ihrer Ausbreitung hemmend in den Weg tritt. Schon heute ist cs nicht möglich, mehr als eine begrenzte Anzahl von Kooperativen im Lande zu entwickeln. Und was schlimmer ist, als das: cs besteht aus eben den erwähnten inneren Gründen die Gefahr, daß die einzelne Genossenschaft sich sehr schnell abschlicllt, nichts weiter wird, als ein kleines Unternehmen■ mit mehreren Besitzern. Diese Erscheinungen sind so allgemein gültig, als daß auch noch so guter ״genossenschaftlicher“ Geist darüber hinweghellen wird. Zudem dürfte eine stärkere Befestigung des privaten Kapitals diese Situation nur noch verschärfen. Ehe vereinzelte industrielle Produktivgenossenschaft muß notwendigerweise auch dort, wo sic zunächst Boden fassen kann, sich zu einem abgeschlossenen Untcrncliinergcbilde verwarn dein, dessen Streben in immer stärkerem Grade dem «ler allgemeinen Arbeiterschaft entgegengesetzt sein muß. Diese Gefahr hat man offenbar nicht in ihrer ganzen Größe erfaßt, als mau zwar den Zusammenschluß der Kooperativen in die Wege leitete, darüber hinaus aber keine entscheidenden Schritte tat. Wenn man, und mit Recht, der Meinung ist, daß im Koloniallaud Erez-Israel der Boden für die imlustricllc Kooperative günstiger ist als in kapitalistischen Ländern, war cs auch notwendig, diesen Weg zu Ende zu gelten und die Bcdiiigungeu zu schaffen, unter denen einzig und allein eine Entwicklung der Kooperativen überhaupt möglich ist, die aber auch zugleich allgemein sozialistische Bedeutung beanspruchen darf. Wir stellten also fest, daß zwar der Versuch, Industrielle Genossenschaften in Erez-Israel zu gründen, 'mehr Aussicht auf Erfolg hat. als in Europa, daß aber dieser Versuch nur lohnt, wenn es gelingt, Bedingungen zu schaffen, die Gebilde von wirklichem volkswirtschaftlichen Wert und von Bedcutung für die Sclbstnrheit der Arbeiterschaft zur Folge haben. Da zur Begründung dieser Genossenschaft fast Immer Kapital der Arbeiterschaft selber in beträchtlichem Maße nufgewendet werden muß, so wäre es grundfalsch, weiteres Kapital in diese Gebilde liiiieiiizustcckeii, fall« nicht gleichzeitig Bedingungen geschaffen werden, die die Industrielle Genüsseuschatt aus ihrer schädlichen Vereinzelung heraushebt. Die Frage ist: gibt cs Möglichkeiten, eine größere genosscnschaftlichc Produktion zu schaffen, die von allgemeiner Bedeutung für die Situation der Arbeiterschaft tu Erez-Israel ist? Klar ist bereits folgendes: Eine einfache Zentralisierung kann zwar die Kredit- und Absatzfrage erleichtern, kann aber den innerlich notwendigen Verlauf der Dinge allein noch nicht beeinflussen. Welches sind die Bedingungen zur Hutwickhmg einer genossenschaftlichen industriellen Produktion von allgemeinem Werte in Erez-Israel? Die Schaffung eines Mcrkas ist nur die Vorbedingung zu diesem Werke. Das Ziel kann mir sein, solche Bedingungen zu schaffen, daß für die einzelne Kwuznh nicht mehr die Versuchung besteht, sielt nbzuschlicßcn, zu einem kleinen selbständigen Unternclimcrgebildc zu werden. Und diese Voraussetzung ist mir dann erfüllt, wenn für den Arbeiter in der Einzclgcnosscnscliaft nicht mehr die Möglichkeit besteht, einen höheren Lohn zu erhalten als jeder andere Arbeiter. Die volkswirtschaftlich richtige Verfassung der industriellen kooperativen Bewegung würde also etwa so aussehen: Der Mcrkas hat die alleinige Berechtigung, Kooperativen zu gründen. Die Kooperative ist in der Gestaltung der Arbeit atrionom. Jeder Arbeiter bekommt nur einen DurehscliniUsloInt, auch im Falle guten Verdienstes der Gruppe. Von dem Uebersdmß gehen 75 «V״ in die Zcntralknssc und werden zur Gründung neuer Kooperativen zur Unterstützung der bereits bestehenden tma zur Schaffung eines Reservefonds verwendet. 25 «/« werden an die Chawerim am Ende jedes Monats verteilt. Die Gruppe zusammen mit dem Mcrkas entscheidet über die Aufnahme oder anderweitige Verwendung von Genossen im Fall von Absatz- Schwierigkeiten. Keine Genossenschaft darf privates Kapital besitzen. Privates, ciugebrachtcs Kapital geht in den Besitz der Gesamtheit, nicht ilcr einzelnen Genossenschaft, über. Worin besteht die allgemeine Bedeutung dieses skizzierten Systems? Zunädist sind die Gefahren eines Abschlusses der einzelnen Genossenschaft beseitigt. Der einzelne Arbeiter, dessen Loht! iiu besten Falle um ein Geringes höher ist als der übliche, in seinem Gewerbe, hat kein besonderes Interosse daran, andere Genossen aus/.nschliellen, da auch im Fall der Neuaufnahme von Genossen sein Lohn nicht geringer wird. Dadurch, daß nidit die einzelne Kwuznh, sondern die Gesamtheit Eigentümer des Kapitals ist, ist es möglich, vom Gcsiditspunkt der Gesamtheit und nicht von dein egoistischprivaten tler einzelnen Gruppe aus, die Entwicklung zu bcstimmen. Gleichzeitig wird ein Fonds zur Entwicklung weiterer Gewcrbs/.weigc geschaffen. Duc Gefahr der geringen Gewiiwidiauce für die Genossenschaft erscheint nidit dringend, da bei Auflösung der Kwuznh die Gefahr dauernder Arbeit»• lösigkeit vorhanden ist, und die Gruppe selbst in Gefahr gerät. Aber auch an die idealistische Gesinnung der Arbeiter* schaft läßt sich iu Erez-Israel leichter 'appcUicrea als anders wo. Nur auf diese Weise ist es möglich, Grundlagen für cm< wn jedem Standjmnkt aus nützliche Entwicklung der kixrpcra׳ tiven industriellen Produktion zu schaffen. Die Frage der Stellungnahme zrnn Mnsdibir kann ntil dahin bcjp-cnzt weiden, daß der Absatz mit Hilfe des Maschbii erleichtert wird. Line Uebcmnbme der Kooperativen durdi den Maschbir kommt nicht m Betracht, würde auch an dci prinzipiellen Stellungnahme nichts ändern, da die Problem{ der industriellen Pre*luktivgenossenschaft bestehen lilcibcu.1) lhirdi die Zentrale wird die Kapitalbeschaffung erleichtert, durch die Begrenzung der egoistischen Gesichtspunkte, die die Kooperative wie jede isolierte Unternehmung notwendig entwickeln muß, wird das Gcsamtinfcrcsse aller Kooperativen in den Vordergrund geschoben und die Abschlicßung dei Gnippe verhindert, Audi die Frage der inneren Ihsziplin wirel dadurch erleichtert, daß in Disziplinfällen, die aus zu geringer Arbeitsintensität der Gruppe entspringen, die Leitung sich selbst das Rockt Vorbehalt, Vorarbeiter zu stellen. Im übrigen ist die Gmp|x:, wie gesagt, autonom. Wenn also die Erhöhung der Profitrate bei der einzelnen Ocnossensdiaft nur einer begrenzten Zahl van Genossen zugute kommt und sic zu Unternehmern macht, so gehört sie in diesem Falle der Gesamtheit. Die gesamte Arbeiterschaft ist am Oewiiwi beteiligt; Lin/d- und üesaniUnteres■«.* geben wahrhaft denselben weg. In den aus äußeren Gründen picht zur Vollciidung gekommenen Versuchen der!*roduktivgenossciischaft von 181« stand schon die Idee im Vordergrund, ein soldics <H'samtkapital zu si'haffcn. Statt dessen ist man späterhin immerhin zu dem müßigen Versuch zurüekgekehrt, die vx.lkswirtschaftlich' nnhr.ltbare, für die Interessen der Arbeiterschaß direkt schädliche industrielle Einzelpioduktivgcnossenschaft zu gründete Die Genossenschaft aber, die sich als in» Dienste dei Gesamtheit stehend betrachtet, deren Gewinnchance über einen Durchschnitt hinaus zwar nicht ganz ausgcschaltct, aber doch so gering ist, «laß kein irgendwie erheblicher Anreiz voriiegt, die Genossenschaft zu ״sperren“: die kein Eigenkapital besitzt und besitzen darf, deren Gewinne der Gcsaintarbcitcrschaft znfhefien, deren Ausdehnung cnlcr Verringerung durch die Zentrale bestimmt wird: diese Ocnossensdiaft ist nicht nm von der größten Bedeutung Tür die Arbeiterschaft, die sie als Gesamtheit in den Besitz von Produktionsmitteln bringt: sic ist auch in dem KoloniaUancle Erez-Israel aussichtsreich, weil 1. neue Produktion io den meisten Gewerben zu entwickeln ist; 2. weil die Konkurrenz des Privatkapitals nadi nicht bedeutend ist; 3. weil Kredite für die ,genossenschaftliche Produktion, in der sämtliche Genossenschafter bürgen, jedenfalls nicht schwerer als für die private Produktion zu erhalten sind; -1. weil die idealistische Gesamtlcbensriditung der jüdischen Arbeiterschaft dieses große Ziel erleichtern hilft; 5. weil darüber hinaus die Arbeitsbedingungen der Prexhiktivgcnosscnsdiaft zumindest nicht rfchlcehter sind als außerhalb und weil 6. ohne Unter- Stützung der zentralen Institute keinerlei Möglichkeit für genosscnschaftlichc Artveit bestellt. Alle diese Gründe ermutigen, die industrielle genossenschaftliche 1‘rodukti.m stärker als bisher in die Wege zu leiten, ■Je weiter der Aufbau fortsehrcitet, desto schwieriger wird es aus den angeführten Gründen, diese Arbeit ins Werk zu setzen, Auf der anderen Seite erscheint jeder Versuch, einzelne Genossenschaften zu gründen, selbst dann, wenn man sie einer gemeinsamen Leitung unterstellt, als zwecklos, auf die Dauer «»gar als schädlich, solange man nicht auf dem beschriebenen Wege weitergellt, der, kurz zusammengefaßt, folgende Haupt- Prinzipien erfordert: 1. Das Gesamtk.ipital bleibt im Besitz der Allgemeinheit. 2. Der Genosse erhält nur einen Durchschnittslahn. 3. Vom Gewinn werden am Ende des Jahres nur 25 0׳״ verteilt, 75 ״;« bleiben gemeinsames Kapital der Gesamtheit. 4. Die Zentrale organisiert neue Gruppen,■ clilseheidet gcnieinsam mit der Einzdgcnossenschal't über Erweiterung oder Verringerung der (ienossensehaft, hat das Recht, bei ungenügender Arbeitsintensität Einstellung wn 1 achnrbei׳ tern, evtl. Auflösung der Gruppe durchzutührcn. 5. Im übrigen bleibt die Gruppe in der Gestaltung der Arbeit autonom. Anmerkung der Redaktion: Die vorstehenden Ausführungen bedurften noch der Klarstellung verschiedener Fragen. Zunächst jener der Kapitalbeschaffung. Diesbezüglich wird wohl a!*Üic Arbcitcrbaiik gedacht. Doch sdbst wenn deren Mittel größer wären, als bisher, ist es schwerlich anzmuTimeti, daß sie Kapitalien für Gebäude, Maschinen usw., afs׳> Invostitioncu, die mir ir einer langen Reihe von Jahren amortisiert weiden können, vor/uslrecken in der Lage sein wird. Keinesfalls wird dies für eine nur «eiuienswcrtc Zahl von Industrien mögikli sein. Die Vcrtei'tmg des Gewinnes (Ucberschusscs) von dem 23״u monatlich den Arbeitern Zufällen sollen,, kann unmöglich so erfolgen. Eia industrieller Betrieb kann den Gewinn erst nach Ablauf eines Jahres feststcilen. Hierbei wird die Frage vorsichtiger Bilanzierung und notwendiger Reservierungen sicher Meinungsverschiedenheiten hervor rufen. Daß die nach Beleih- ״ung der Arbeiter mit 25 ״:״ übrigbleihcnden 75 ״;» der Zentral• knsse zufliellen sollen, damit diese seihst einen Reservefonds bilde (und neue Genossenschaften unterstütze) ist bedenklich. Jeder Betrieb muß so wett 'autonom sein, um Uebcrscliü׳!■ ׳ zur Vergrößerung-des Betriebes und Deckung von Verlusten, die cintretcn können, aus eigenen Reserven zu verwenden. Jeder andere Vorgang würde zu den größten Mißstände!( führen. Zum Beispiel wird die kommerzielle Vorsicht bei Führung des Betriebes nicht immer die gebotene sein, wenn die Leiter wissen weiden, »lall Abgänge ans einem Zentralfonds gedeckt werden, und׳ die Ueberschußbctricbc werden gar nicht damit ein* verstanden sein, daß ihre Uobcrsdnissc dazu verwendet werden sollen, atulpre nicht lebensfähige oder nidit richtig geleitete Betriebe zu unterstützen. Wenn man auch davon abschcn wollte, so ist nodi zu bcdenken, daß die Frage der Kapitalbüdung aus Uebersdiüsst.11 und die Verwendung angcsammelten Kapitals für eine Zentrale außerordentlich schwer zu entscheiden ist. Man 1111 tersdi itzt diesbezüglich die volkswirtschaftlich nützliche Funktion des soliden privaten Unternehmers mit seiner Erfahrung und seinem kaufmännischen Verständnis. Ein saldier wird stets sehr sorgfaltig und mit instinktivem Verständnis die ganze Lage auf dem Absatz* und Kreditmarkt, sowie die Erfordernisse rationeller Erzeugung erfassen, d. h. er wird genau wissen, welche Kapitalsteile er als Reserve mischen, welche er zu Erweiterungen und welche zur Acmlcrung der Betriebsanlage im Sinne der Öko- Jiomiseh richtigsten Lr/cugungswcisc verwenden soll. Und dies nicht nur in bezug auf die Höhe dieser Teile, «mvlern auch auf das Tempo ihrer Verwendung. In einem' kapitnlsnrnien Laude wie Palästina, würde jeder Fehlgriff in dieser Beziehung sehr ungünstig für die allgemeine Vblkswirtsdiaft sein. Daß eine *) Die Eigenproduktion der Konsumvereine vollzieht sich bisher stets in den Fonnen der Lohnarbeit, nidit in denen der Produktivgenoiisenschaft.