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Jüdische Rundschau · 1923-02-02 · Heft 10 (2.2.1923) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVIII (1923)
Issue
Heft 10 (2.2.1923)
Date
1923-02-02
Page
– (sequence 3)
Language
German
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JUEDISCHE RUNDSCWAÜ Säte m •- 10 Nr. 10 ' <,<־•"} 1: י‘־‘ | ‘ I!1 t!c;1 ,v I II I;: :datj t J .0ז kn:; 1; 1mg r .׳i’tkci:;■ I ) die V.:.; )3!:zt1frcl, sehr kt,-׳ ann. ס - Is An1-־:״ J atriotisc! | he me:; - I nden Vc 1 kritisiert' I aktiv -י I l I!׳eifelt, 01׳ ן m meift;1 | eh aktiv;':' 1 mir bis!!;! | nger nie;; |!111 in״, ( j | ich sei!•[ | mich 1!:j | werde ic; | der I iclnvimiipl I!n: PläV | 11! d i c ■;ן f 9 der f>; I > mir ei•:׳ | voll (film! I J11• Jene, 1 ׳r1״ diese | ׳ ׳.'entlir ' | . und di' :| darin, c; | eken‘, so:■׳ 1 aw־,;,״ | ielit, ist c:| Araber!!1 Aral״ «rumj d, Vrge r icrung r nin!; wi: ׳״ein, ei i Getreii: in billige: de. i. Febrm:!11 Wahle; ei bracht:־ ih Ha: iapoei ttrden. I bis 7MB 7u die׳,*! gsten bei '!und (ab• tu 23 CO1, 1־1600 11: :1114׳1.1 [n diesen Tagen feierte unser Gesinnungsgenosse und .1'hrbcitcr Adolf Böhm in Wien seinen fünfzigsten Ge-! irtstag■ Bci einem Mann, der wie Böhm in der Fülle des ־ "und Schaffens steht, fällt es schwer, diesen Lebens- (schnitt n1m An,aß einer Würdigung zu machen. Und!״noch wollen wir cs uns nicht versagen, außer den herz-!clien Glückwünschen, die wir unserm Freunde zu diesem jä übersenden, einige Worte über die Bedeutung zu sagen,!;c cr speziell für die jüngere Generation von Zionisten Gehabt hat. Böhm Ist erst nach Hcrzls Tode Zionist ge- Ivorden. Er gehört in die Reihe jener zionistischen Führer, mit dem ganzen Kulturbesitz Europas ausgestattet, dem 1Judentum äußerlich entfremdet, in gereiften Jahren den Weg ihrem Volk gefunden haben, und von diesem Moment 1ןג ihre Kraft und ihre Fälligkeiten in den Dienst der zio-!tistischen Sache stellten. Böhm ist ungewöhnlich schnell in der zionistischen Welt bekannt geworden und wurde sdion etwa ein Jahr nach seinem Eintritt in die Organis.ition in das Große Actions-Comitö gewählt. In jene Zeit fielen die Nachwirkungen des Uganda-Konfliktes und Böhm hat sich entschieden auf die Seite der palästinozcntrischcn Richtung gestellt. Gleichzeitig hat er führend an der Um- «amllung des österreichischen Zionismus mitgeschaffen, der damals zur geistig führenden Partei des Österreichischen jiKlcnlums heranwuchs und auch die Ideologie der nationalcn Politik der Diaspora ausbildete. Ais Nachfolger von Dr. Isidor Marguücs, mit dem ihn enge Freundschaft verhindet, wurde er Präsident der österreichischen Partei und jahrelang ihr anerkannter Führer. Er bemühte sich, den Zionismus aus der Flachheit, die ihm besonders im Wiener studentischen Milieu anhaftetc, zu befreien und vor allem die Jugend zu einer tieferen Auffassung des Nationalismus zu erziehen. Ein Dokument dieser Tendenz ist seine geradezu klassische Rede an die Studenten aus — wenn wir nicht üren — dem Jahre 1911. Böhm war aber niemals zionistisch« ״Lokalgrößc“. Er hat stets in der zionistischen Ocsamibewegung, deren Probleme für ihn an erster Stelle standen, einen führenden Platz eingenommen. Schon auf dem 8. Kongreß im Haag (!907) leitete er als Referent der P.ilästinakommission die große Debatte zwischen ״politischen“ und ״praktischen“ Zionisten ein, in der dann Weizmann mit seiner berühmten Rede die Entscheidung für die ״praktischen“ hcrbeiführtc. Böhm war damals einer der leidenschädlichsten Vertreter dieser Richtung und beteiligte sich auch an dem Kampf dieser Gruppe gegen die damalige Kölner Leitung, ohne jedoch in «einem Kampfe jemals die Grenzen der Sachlichkeit zu verfassen. Böhm, der schon 1906 selbst in Palästina war, ist einer der genauesten Kenner unserer Koionisationsarbeit und ihrer Probleme. Er war es, der schon vor dem Krieg, und seit der Balfour-Deklaration in verstärkten! Maße, die Aufstellung eines Kolonisationsplanes gefordert hat und selbst im Bereiche der ihm gebotenen ,Möglichkeiten mit größtem Eifer für die Verbreitung von Palästinakenntnis tätig war. Er arbeitete unermüdlich für die Institutionen, die der unmittelbaren praktischen Arbeit im Lande dienen, insbesondere für Nationalfonds und P. L. D.C. Auf allen Kongressen hat er besonders in der palistinakommission lebhaften Anteil genommen. Von der Leitung der österreichischen Landesorganisation mußte er a Jahre 1913 infolge eines persönlichen Konfliktes, der das religiöse Gebiet betraf, zurücktreten. Diese Episode hatte auf ihn eine tiefe Wirkung; in einem Artikel betitelt ״Ziomstisches Reformjudentum“ rechnete er mit seinen Gegnern 1b. Er zeigte, daß die Tendenz gewisser zionistischer Kreise, die jüdische Tradition mit dem Zionismus zu identifizieren, und zwar indem sie diejenigen religiösen Bräuche für zionistisch verpflichtend erklären, die sic selbst auswählen, —- der Tendenz des Reformjudentums entspricht, das auch nach seiner beliebigen Auswahl eine neue Religion sich abzuzirkeln versuchte. Der Zionismus ist demgegenüber etwas viel Größeres, er umfaßt das ganze Leben und ist die revolutionäre Kraft, die ein neues Judentum schaffen soll; für den neuen Juden aber ist Freiheit der persönlichen Ent- Scheidung in Gewissensfragen unerläßlich. Ci) des Jüdi• ianzjalirc; . Oktobe; tiden dr׳: .tcn. D:! tt, gegen׳ Vorjahre!, ifindlichrr. ng in fad ülschaft־׳ Inigfachrt de Props- /e rces! rien Ai!’■ IdfeatiicB über dir igkeit dr: ,üealisW’ I j.:wc':un;I!11 Standmu13 aub 1 nt sW 10t, d'ese :crhaltnnl ndpunktc. Vorwanf ro unsere sebüro F ir in dd «Idungeft treimgb3;haft des Diese Größe der zionistischen Idee war es, die Böhm am tiefsten ergriff. Er erblickte im Zionismus den Ausweg aus den Nöten des modernen Juden, der die Errungenschäften des besten Europas, geistige Freiheit, Achtung vor individueller menschlicher Würde, nicht mit der ghettohaften Enge des traditionellen Judentums in Einklang zu bringen vermochte. Seiner Ueberzeugung nach mußte die zionistische Propaganda aus der Sphäre der Parteiagitation in den Bezirk dieser Idee der Erneuerung des jüdisehen Menschen emporgehoben werden. Er prägte das!Fort von der Notwendigkeit der ״Idcenpropaganda“, für die er selbst unermüdlich in Wort und Schrift wirkte. Bölun kt einer der produktivsten und geistvollsten zionistischen Schriftsteller und Publizisten. Eine große Zahl von Aufsätzen von ihm erschien in der seinerzeit von ihm mitredigierten ״jüdischen Zeitung“ in Wien, ferner im ״Juden", in der Ejäger ״Selbstwehr“, in der ״Wiener Morgenzeitung“ und "ioht zuletzt in der ״Jüdischen Rundschau“. Von besonderer Bedeutung ist sein Essay ״Wandlungen im Zionismus“, der in dem vom Prager Bar Kochba herausgegebenen Sammcllnich ״Vom Judentum“ (1913) erschien; darin tritt er auch für ein unbefangenes Verhältnis zum Christentum ein. Zu seinen Publikationen gehören ferner eine Reihe von Broschüren über die zionistische Palästinaarbeit und den Nationalfonds. Eint Zcitlang gab er vor dem Krieg in Wien die Zeitschrift ״Palästina“ heraus, die er mit großen Opfern aufrecht öniclt, weil er die überragende Bedeutung einer sachlichen Information über Probleme und Materialien der Paläslinaarbeit erkannte. Die Bemühungen, die Zeitschrift nach dem Kriege erneuern, scheiterten an den außerordentlichen tcchmschen Schwierigkeiten. Als Ersatz hat Böhm sich bereit erklärt, die Paiistinabeilage der ״Jüdischen Rundschau“ zu redigieren, die nun schon fast ein Jahr unter seiner Leitung zu unserer großen Freude in unserem Blatt erscheinen konnte. Das wichtigste Werk Böhms ist?״*r sein Buch ״Die zionistische Bewegung“, das " 2"«י! Bänden im Weltverlag erschienen ist. Dieses Buch, “as in unserer Zeitung schon gewürdigt wurde, ist die *״fe zusammenfassende Geschichte des Zionismus, die insbesondere die ideengeschichtlichen Zusammenhänge und Entweklungen darzusteilen unternimmt. Das Buch ist heute zweifellos das beste Propagandsmittel des Zionismus, das ln deutscher Sprache besitzen. Die Zionistcnstcucr Die Zionistenstcucr-Aktion ist kn Oange. Infolge der ungeheuerlichen Geldentwertung, die jetzt eingetreten ist, sind die vom Finanzausschuß aufgcstclltcn Steuersätzc längst überholt Wir bitten unsere Gesinnungsgenossen dringend, die Aufrcclitcrhaititng der Organisation dadurch zu ermöglichen, daß jeder nach seinen Kräften — soweit irgend möglich, über die vom Finaazau•- schuß festgesetzten Sätze hinaus — umgehend Zionistcnstcucr entrichtet, und zwar entweder auf unser Konto bei der Darmstädter und Nationalbank für Deutschland, Depositcnkassc, Kurfürstendamm 52, oder auf unser Postscheckkonto Berlin Nr. 8091. Zionistische Vereinigung für Deutschland. Landesvorstand. Sechs Wochen in Rumänien Dr. Alexander Ooldstein, der im Auftrag des Keren Hajcssod-Dircktoriums sechs Wochen in Rumänien geweilt hat, hat, bevor er seine Faüirt nach Kanada nntrat, über seine Eindrücke in Rumänien und seine so erfolgreiche Arbeit» methode, interessante Mitteilungen gemaeM, denen wir fob gendes entnehmen: Bei meiner Ankunft in Bukarest traf ich dort eine Lage an, die typisch ist für so viel andere Länder. Einerseits war das Interesse für de!» Zionismus in da» breiten Massen seit der Balfour-Deklaration ungemein erstarkt, andererseits war die Stimmung gerade zur Zeit meiner Ankunft eine sehr gedrückte. Es war dies der. Moment der Kemalschcn Siege und der Beginn der Lausanner Konferenz und der antisemitisehen Propaganda in einem Teil der cngliscäicn Presse. Audi die Untcriiauswahlcn fanden in jener Wod« statt Außerdem wirkte ein neuer Faktor auf die Lage ein: die Juden in Rumänien veriiarrcn nodi im Rausdie der Glcidibcrcchtigung, und ein großer Teil der Intelligenz und der Reichen war deshalb der Meinung, daß die Juden verpflichtet seien, dafür mit Assimilation zu zahlen. Die bisherige Tätigkeit für cfcn Keren Hajessod war in Rumänien verhältnismäßig sdiwadt im Laute der zwei Jalire seit der Begründung des Keren Hajcs90d hat ganz Rumänien mir 2 200 000 Lei beigesteuert eine Summe, die sehr gering ist im Verhältnis zur Zahl der Juden in Rumänien und den dort vorhandenen Möglichkeiten. Bei dieser Oelegcnlicit muß idi jedoch auch zwei zkmistisdtc Leistungen erwähnen, mit denen Rumänien sieh ausgczeiclmet hat Aus eigener Initiative ist dort dne Achusah-Bcwcgung zur Sdiaffimg einer Gartenstadt auf dem Karmel entstanden. Jedes Mitglied der Adiusah erteilt einen Dun am Boden für einen Garton lind ein Haus. Die Anteilscheine für die erste und zweite Achusah sind bereits sämtlidi ausverkauft, so daß bereits jetzt Anteilsdidne für eine dritte Achusah zum Verkauf gelangen. Diese Bewegung ist von Tag zu Tag im Steigen begriffen. Sodann wurde in den letzten Jahren Rumänien zum stärksten Zentrum für die Chahizim aus den verschiedenen Ländern, die dort die für sic nötige Ausbildung erlangen, um zum Nutzen der Aufbauarbeit in Palästina wirken zu können. Der Merkas dieser Cnluzim und das ztonisiisclie Patästinaamt in Rumänien haben bereits 14 G1ah1zt1n-Gru;1pen nadi Palästina abgefertigt Die Chahizim werden auch mit Geld׳ versorgt für den Unterhalt während ilircs Aufenthaltes in Rumänien, desgleichen mit Visa und mit Rdsespesen bis nach Erez-Isracl. Diese Chahizim-HUfe und die Adiusah-Bewegung and gewisse Leistungen, die keineswegs gering geschätzt werden dürfen. Da ich Anfang Januar zusammen mit Colond Patterson als Mitglied einer besonderen zionistischen Ekilegation von London nach Kanada abreisen muß, um dort die Aktion für den Keren Hajessod zu leiten, so standen mir für meine Arbeit in Rumänien nur sechs Wodicn zur Verfügung. Ich besdibß deshalb, meine Arbeit nicht zu zersplittern und keineswegs das ganze Land zu bereisen, sondern meine Energie auf Bukarest zu konzentrieren, das dann zum Muster für das ganze Land werden sollte; 90 sollte der größtmögliche Erfolg für Herrn Sokolow gesichert werden, dessen Besuch in Ruuiänicn für den Februar angekündigt ist. Gleich bei Beginn meiner Arbeit habe idi midi überzeugt, daß die Haupt- Schwierigkeit in der Glcidigültigkeit, ja Feindschaft der reidicn Elemente gegen den Zionismus liegt. Das zweite große Hindenüs besteht darin, daß in Rumänien keine einzige jüdisdic oder hebräische Zeitung existiert und daß andererseits dort die allgemeinen fortschrittlidien rumänischen Zeitungen, die von den assimilierten Juden gelesen werden, keine Meldungen über den Zionismus bringen. Mit großer Mühe ist cs mir gelungen,•dieses Schweigen der rumänischen Presse zu durchbrechen. In den großen Zeitungen von Bukarest erschien eine Reihe von Interviews und Artikeln über die Lage Palästinas und die Unwanddbarkeit der englischen Verpflichtungen gegenüber Erez-Isracl, über unsere kolonisatorischen Fortschritte und Pläne usw. Das gab mir die Möglichkeit, das Interesse für meine Mission bei den reichen und1 intellektuellen Elementen zu wecken, die ausschließlich ruinänisdie Zeitungen lesen. Nach dieser intensiven Preßpropagnmia begann die mündliche Propaganda. Außer den Führern der Zionistischen Organisation in Rumänien, den Herren Bernhard1 und Marguiies, die mit großer Aufopferung und Energie ihre Arbeit vollführen, hafte audi das Auftreten des Präsidenten des Keren Hajessod, des Abgeordneten Dr. Stern, der der älteste jüdische ״Klal-Tuer“ in Rumänien und einer der bedeutendsten Schriftsteller und Advokaten i׳st, große Wirkung, Dr. Stern hat 50 Jahre für die jüdisdic Emanzipation gekämpft, und jetzt, da sein Ideal zur Verwirklichung gelangte, hat sich in ihm eine innere radikale Wandlung vollzogen, so daß er sich in seinem siebzigsten Lebensjahre in die Reihen der zionistisdien Kämpfer gestellt hat. Im Laufe dieser wenigen Wochen wurden in Bukarest unter meiner Beteiligung 18 Versammlungen arrangiert, bcginnend mit einer großen Volksversammlung und endend mit einer Reihe von Konferenzen über Palästina, die politisdie Lage und den Keren Hajessod, wie auch Sondervcrsammlungcn fast aller jüdischen Vereinigungen und Organisationen in Bukarcst, wie Liga der jüdisdicn Frauen, Studcntcnvercinigung, B’ne Brith-I.ogc, Liga der Akademisch-Gebildeten usw. Auf all diesen Versammlungen haben sich Freiwillige, insgesamt gegen 230, für die sogenannten Kommissionen eingetragen, die die Arbeit von Haus zu Haus auf sidi genommen haben. Ein besonderes Exekutiv-Büro wurde bestinunt, das den Arbeits* , pkn entworfen und cüa Aktion in Bukarest geleitet hat 'Am 18. Dezember, dem Tage meiner Abreise aus Ru• niänien betrug das materielle Resultat der Keren Hajessod- Aktion in Bukarest über 5 Millionen Lei, davon 4 Millionen bereits emgczahlt. Bei meinem Abschiedsabend laben sidi alle Keren Hajessod-Kommissionen feierlichst verpflichtet, auch weiterhin die Arbeit energisch fortzuseteen, um für Bukarest ein Resultat von 10 Millionen Lei zu errcidien. Wie sehr erfolgreich die konzentrierte und energische Aktion in diesen sechs Wodien war, zeigt die Tatsache, daß in den früheren 20 Monaten in Bukarest nicht mehr als 623 000 Lei gesammelt worden warea Wenn man diese Summe mit dem Resultat der diesjährigen Keren Hajessod• Kampagne vergleicht, so liegen genügend Gründe vor, weiter• hin optimistisch zu sein. Am 11. Dezember fand in Bukarest der erste all rumänische Kongreß der jüdischen Gemeinden rtml Rabbiner satt, der die Grundlage für eine legalisierte jüdische Gemeinde und eine Zcntralorganisation der Gemeinden in Rumänien gebildet hat. Der Minister Bami hat in seiner Begrüßungsansprache erklärt, daß die Regierung den Statuten zu stimmt, das heißt, daß die rumänische Judenheit endlich ihre Organisation findet, um die Verwaltung der jüdischen Angelegenheiten, wie Schulen usw., zu übernehmen. Idi war cingcladcn worden, in diesem Kongreß einen Vortrag über Erez-Isracl zu halten. Außer meinem Appell für den Keren Hajessod habe idi audi die Wichtigkeit eines Weltkongresses für den Aufbau Palästina» gemäß dem Karlsbader ßesdiluß unterstridien. Der Erfolg der Keren Hajessod-Aktion in Bukarest wird zweifelsohne eine energische Arbeit in ganz Rumänien auf denselben breiten Grundlagen wie in Bukarest zur Folge Italien. Die Zionistische Organisation hat dort bereits mit intensiven Vorbereitungsarbeiten begonnen, 90 in allen größeren Städten, wie Jassy, Galatz, Braiia usw., damit zur Zeit der Ankunft des Herrn Sokolow in allen Gemeinden eine starke Aktion cinsctzen kann. Jede dieser Städte wird Delegationen der umliegenden Städtchen einiaden, um so jeder Gemeinde die Möglichkeit zu geben, in Kontakt mit Herrn Sokolow zu treten. Nach Durdiftflmmg der Aktion in den größeren Städten wird auch in den kleineren Städten die intensive Arbeit cinsctzen. Der Erfolg der Arbeit in Bukarest zeigt, da ß es weder gute noch schlechte Länder für den Zionismus gibt. Es heißt, daß cs für den Keren Hajes90d tote, kranke und gesunde Länder gibt Rumänien wurde als Land bezeichnet, das auf der ״Kranken Liste“ stellt; seine Keren Hajessod-Beiträge figurieren an 14 Stelle der Liste, lind es hat für den Keren Hajessod weniger auf gebracht, als Bulgarien mit seinen nur 45 000 Juden. In Rumänien selbst war Bukarest in dieser Beziehung die ärgste Stadt. Da־ jetzige Erfolg beweist aber, daß diese ״Krankheit“ Heilung finden kann. Ke instinktive Sehnsucht der verschiedenem Klassen des Volkes für das jüdische Heim in Palästina ka!n sogleich zum Ausdruck, als der Ruf zur Arbeit in energischer Weise erschallte. Das jüdische Herz erwachte und reagierte warm auf den Appell. In den letzten zwei Jahren habe ich al* Delegierter de« Keren Hajessod die verschiedensten Länder besucht Diese Reisen gaben mir die Möglichkeit, in enge Bcrüitntng mit den verschiedensten Schichten der Judenlicit zu kommen, wie z. B. den Sephardim in Bulgarien, den Juden in Brasilien und Argentinien, der großen neuen und eigenartigen Judenheit in Amerika und den Juden im Balkanland Rumänien. Aber trotz all der vielen Gegensätze und der verschiedenartigsten Bedingungen und dem Konglomerat der vielen Sprachen, Sitten und Gebräuche kommt überall und überall derselbe große Schmerz unserer Brüder zum Ausbruch, dieselbe Sehnsucht nach unserem Hcimatlande und dasselbe Ver• langen nach der Erlösung des Volkes. (Ziko.) München Der gefürchtete Tag der Fahnenweihe in München ist unblutig vorübergegangen, und die bayrische Regierung ist davon überzeugt, durch ihre kluge Politik diesen Erfolg verursacht zu haben. Was in Wahrheit geschehen ist, war ja aus den Mitteilungen der Tagespressc ersichtlich: der Ausnahmezustand, den die Regierung gegen die National- Sozialisten verhängt hatte, wurde gegen die linken Parteien angewandt, den Nationalsozialisten dagegen wurden zunächst sechs von den beabsichtigten zwölf Versammlungen gestattet, schließlich jedoch alle zwölf, darunter die Fahnenweihe, er* laubt und auch die öffentlichen Umzüge ermöglicht. Diese Kapitulation vor den Nationalsozialisten hat dann allerdings die erfreuliche Nebenwirkung gehabt, daß es wenigstens nicht zu Ausschreitungen gekommen ist. Mit Recht meldet die ״Deutsche Zeitung“ am Montag abend triumphierend, ״die Nationalsozialisten hatten alles durchgesetzt, die Verhängung des Ausnahmezustandes erwies sich als völlig zwecklos“. Was in München geschehen ist, läßt jedenfalls die Lage für die Juden als äußerst bedrohlich erscheinen: die National- Sozialisten herrschen. Die Möglichkeit einer jüdischen Einheitsfront gegenüber dieser drohenden Gefahr ist leider als außerordentlich gering zu beurteilen. Wir haben über das Verhalten des Münchener Ccntraivcrcins bereits berichtet und gehen in dieser Nummer von einem erfreulichen Protest Kunde, den sämtliche jüdischen Jugendorganisationen Münchens, zionistische und nichtzionistische, dagegen erhoben haben. Aber der Ruhm des Münchener Ccritralvcreins hat den Verband der nationaldeutschen Juden natürlich nicht ruhen lassen. Ke ״MünchcncrNeuestcn Nachrichte n", die sich bekanntlich zu einem ausgesprochenen Organ der Dcutschnationalcn entwickelt haben, bringen einen Bericht über eine Mitglieder- Versammlung der Münchener Ortsgruppe der nationaldeutschen Juden. In dieser Versammlung kamen die üblichen nationaldcutschcn jüdischen Oedankengänge zum Ausdruck, und cs wurde fcstgcstellt: Die nationaldeutschen Juden rücken sichtbar ab von den in Deutschland wohnenden Juden, die durch Wort und Tat beweisen, daß sie undeutsch denken und fühlen. Gegen Schieber und Wucherer, gleichviel aus welchen Kreisen, verlangen sic das schärfste Vorgehen der zuständigen Behörden. Der Zuzug undeutscher Elemente, insbesondere aus dem Osten, muß ohne jede Rücksicht auf Rasse, Staatsangehörigkeit und Religion verhindert werden; an dieser Stellungnahme kann die nationaldcutschen Juden der hohe Prozentsatz der ostjüdischen Einwanderung in keiner Weise beirren.

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