Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVIII (1923)
- Issue
- Heft 9 (30.1.1923)
- Date
- 1923-01-30
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 45 Jugendbewegung Antwort auf das ״Prinzipielle Wort“ der Frankfurter Vo״ Dr. L- Strautt, Kirchhaln ln Messen. Vorbemerkung des Verfassers. Zur Orientierung sei bemerkt: Atif dem außerordont- Urlu'11 Kartelliere des K. J. V., der Weihnachten In Berlin ,,aitiand, war die Frankfurter Richtung Re Ren die;111$ i’irf Tagesordnung stehende Fusion mit dem Blau-Weiß, und ovar in Mt*r Hauptsache wegen der angeblichen Abneigung,!, seelischen Unfähigkeit des Blau-Weiß, sich auf die Fordennijr der ״jüdischen Inhalte'׳ cinztilasscn. — Mit ״Breslau" ist der «lcut$chjüdJ3ch und machtpolitisch orientierte Flügel de* Blau-Weiß gemeint, der ia den letzten Monaten hn Blau- Urriti zu einer beherrschenden Stellung gelangt Ui Die fol- ״ende Erwiderung geht sowohl von diesen Tatsachen wie von der mit diesen eng zusammenhängenden Erklärung in Hr. 103/101 der ״Jüdischen Rundschau“ aus. Die folgende Antwort ist von einer Tendenz beherrscht,!je sich in vielem der des bisherigen Blnit-Wclß verwandt weiß. Diese Verwandtschaft schließt eine prinzipielle Meterogcncität nicht aus, schließt insonderheit nicht aus, daß unsere Tendenz in einer ganz prinzipiellen Schicht einer zusammen- ׳’«chlossenen Front des Blair-Weiß und der Frankfurier gegenfihorsteht, <״nl zwar infolge einer Bejahtmg der von beiden pediorreszierten Werte der ״Argirmeatation“ und des ״formalen Politizisnms“. Darin offenbarte der außerordentliche Kariclltag des K. J.V. eine wunderbare Einmütigkeit der sriürftfcn FusionKgqjwr und der energischsten Fusion®- freunde: in der nrversichtlichen Ueberzeugimg beider, daß ,üe Zeit der souveränen Wissenschaft und der souveränen Politik zu linde sei. Man lasse sich nicht durch die politischen י’,£זי t* idnleningen von Waller Moses tauschen: was er ״politisch״ nennt, ist politisch im antiker!, nicht Im niodernen, für uns ber c,1׳«nuS.rcblichen Sinne. Hinter dieser absoluten Aufhebung der י Sjiüre des ״Privaten“ steht kein nxxlcnicr Leviathan, sondern > das pagan-fasdstischc Gegenstück zu dem, was bei den Frankfurtern in mystisch-humanitärer Prägung vorlicgt (beides allerdings ebenfalls moderne, wenn auch gegenmoderne, als solche eben inner-moderne Einstellungen). I Sicht anders verhalt es sich mit dem ״Glauben“, den beide ׳ als der ״Argumentation“ unzugängliche letzte Gewißheit aufi zurichten gewillt sind. Fraglos stimmen sie darin mit der , Tendenz unserer gesamten Generation überein. Das madit?ic uns irgendwie sympathisch, beweist aber in nichts ilire Gerecht igrmg. Sehen wir hier ganz davon ab, ob nicht vielleicht ״Wissenschaft" und ״Staat“ — diese Früchte anti- Lifoiisdien Geistes — der innersten jüdischen Tendenz verwniter sind als das entschieden trautere Wunschbild unserer Orp.ta,ringen — ein Vielleicht, zu dem man wohl kommen kann, trenn mau an die biblisdien Ursprünge der modernen Wissen-!re.!; Kluft, an den gleich 11 n hei m liehen Charakter der bib- 'ו י iisdien Welt und des Weltbildes des 17. Jahrhunderts, an die "ך Rolle, die Spinoza bei der Konzeption des modernen Welt- und 1"tj des modernen Staatbildes spielt, und an manches andere noch 3c!/i dcnlit — die Lehre von dem prinzipiell utilistischcn Charakter 1i;! der modernen Wissenschaft ist eine sentimentale Verleumdung •R i - sehen wir also ganz davon ab, ob die Verwerfung des .. rt «*lernen Geistes überhaupt zu Recht besteht, 90 versteht j cs sich doch von selbst, daß es unmöglich ist, aus dem <">'](־'׳ modernen Lebe« oline moderne Mittel herauszukommen. Auf die üblichen, allmählich fade gewordenen Beleidigungen der ״bürgerlichen" Haltung brauchen wir uns also gar nicht erst einzulassen. Airs Gründen, die offenbar in einer anderen Ebene liegen j als die soeben erwähnten, glaube ich in dem Kampf zwischen Breslau und Frankfurt (zwischen Frankfurt und Blau-Weiß) für Breslau (Blau-Weiß) Stellung nehmen zu sollen. DcrKartelltag des j K. ]. V. bedeutet trotz des äußeren Mißerfolges des durch Ernst i Simon dargcstelltcn Frankfurter Geistes in Wahrheit einen,Sieg j dieses Geistes: In der bedauerlichsten Weise trat unsere argu■ י!aentative Unterlegenheit, unsere inhaltliche Leere zutage, | Jedenfalls steht eines kst: Wir haben das prinzipielle ״Wort“ :t«d1 nicht gefunden, wir sind noch nicht zur prinzipiellen Lrhdlung unserer selbst geliehen. Was sich als solches Wort, S1r«r|1' ־^ solche Erhellung auf der Tagung ausgab, war seicht friüllt: |rte X '■ eigen eimr!»tich i Ipwar: Ilern v Marc Chagall Chagall hat mehrere Gesichter, dag eine grinst einen! i» spukhafter Verzerrthcit an, ein wahrer Höllenbrueghel, .;däJ andere schmunzelt in weinseliger Behaglichkeit, aber | ist da, das schaut einen aus Augen an, wie sie ן ) Khnopff.s visionäre Erscheinungen haben: diese Augen lachen j "Mit, höhnen nicht, sie sehen nichts von der äußeren Welt, sind ganz nach innen gekehrt. , Seltsam, daß man sich verleitet fühlt, Gegenstücke zu );1!ו-!זגץ unter den Belgiern zu suchen, und doch haben gerade : “*esc in der europäischen Malerei die beiden Tendenzen : 71'm Ausdruck gebracht: die bis ans obszöne grenzende "1׳rhe Satirik und zarteste Romantik. Chagall, der Satiriker, 5;',Rt zirm Detail, ist gerne Brucghelhaft erzählerisch, Chagall,; jlcr Romantiker, — romantisch nennt er selber mit glück- ‘1^׳cni, entschuldigendem Lächeln seine Liebcsbildcr, — ist , 5•י mondsüchtiger Schwärmer, der nur Silhouetten und große . 5^atten sicht. i Die Verbindung von scheinbar so verschiedenartigen Eie- ״ ־raten, wie sie Brucghel und Khnopff, jedes einzeln zum j Aus־!ruck gebracht haben, der Hang zur Groteske, zu raschpestnlttii, ans Menschlichem und Tierischem, aus ,:)'״schein und Sentimentalem (Chagall verbindet mit Vor- , ,1.1ץ Menschenartiges mit Ochsenartigem) ist psychologisch,; '■!cht logisch erfaßbar. Ein anderer Belgier, ein Schriftsteller, , “״ysmaiis, veranschaulicht dieses Spiel von Gegensätzen.; uwgall wirkt aber unverfälscht jüdisch, ganz und gar nicht '0״ anderen, fremden Kulturen angekränkelt, war doch auch , Cl״c ein Zyniker und Romantiker zugleich. Ist nicht schließ- - 'C l 11׳e Groteske auch ein jüdisches Phantasieprodukt? ־ -׳ Bei keinem anderen jüdischen Künstler ist man so be-;;•1״iß, das Temperament zu entziffern, das hinter dem Werke 1 wie bei Chagall. Bei ihm liegt die Problematik im U|rstcn Eindruck, und diesen ersten Eindruck wird man nicht y p8'. Erst viel später, als etwas Abgeleitetes, wirkt Farbe, ״, ■'me, Komposition. Und dann besinnt 1man sich auf alle ^0Rüchen ״ismen" und sucht zu etiquettieron. Man sollte! 1 «cht tun, denn «he rein formal« Handhabe kt bei «witetn und leer. Leider muß ausdlr&ddldi gesagt werden, daß dieser Mangel ein wirklicher Mangel ist. Ganz mul gar fremd hat u!w die jiingliiighaftc Sentimentalität zu sein, die im Vertrauen auf die innere Echtheit ihrer Tendenz darauf ver• richtet, zum ״Worte“ zu kommen, zum Grunde, zur Recht* fertigung,. in unserem Falle: zur zionistischen Rcclrtfcrtigung, Man hat gemeint, indem man uns jahrelang bis zun* Ekel mit ״l’riebi.i■■• eit“ und ״Bekenntnissen“ überschüttete, 1*ns ver• gessen rnaclien zu können, daß es so etwas wie Kritik gibt — wir sellnst wurden einen Augenblick irre — nunmehr lmkennen wir uns eindeutig zu denn Geiste der Nüchternheit im Gegensatz zu dem der pathetischen Deklnmntion, Mag cs immerhin auf den ״Glauben“ ankommen — der Glaube ist kein Orakel, sondern unterließt der Kontroüe durch das historische Denken. Nicht darauf kommt et wna demnach Mi, «len Frankfirrtcr Thesen andere — sei cs Breslauer, sei ea Kirdihalner — Thesen entgegenzusteßen, sondern Kritik zu üben an den Thesen, die man uns vorgcicgt bat. Ke«? wollen ja Ausdnick nicht des partikularen Woliena zufälliger jüdischer Individtien — solches erregt unsere Teilnahme nicht —, sondern des allgemeinen und notwendigen Wollcais des jüdischen Volksßdstes auf derjenigen Stufe desselben, die ״Zionismus“ heißt, sein. Sofern in uns anderen zion kt Ische Vernunft lebt, haben wir die Möglichkeit, diese Forderungen zu kritisieren, deren Voraussetzungen gesondert zu prüfen. Können wir auch zur Stunde unser ״Wort“ noch nicht aiKziprechen, so wollen wir uns doch schon heute fragen, ob das Wort der Anderen Bestand habe. Auch das ״Prinzipielle Wort“ kt zunächst ein Wort der Kritik — prüfend, richtend, verurteilend wendet es trieb an uns, d. h. an die, die atjch bewußt bejahend — nicht nur schlicht seiend — ״Dcufsdne Juden׳‘ sind. Zu beanstanden ist »fort die Eingang&these der Kundgebung, daß eine Anarchie der Standpunkte und Stellungnahmen die deutsch* jüdische Jugendbcwc,׳nmg charakterisiere. Die These beweist sidi leicht und bequem, wen« man ach an die Schemenhaften Sdicmat.1: ״Sozialismus—Kapitalismus", ״Bubertum— Irreligiosität“, ״Panjudal sinus—deutsrli-jüdisdier Partikulnrlsunrs“ hält, ohne die dahinterstehende Wirklichkeit zu bedenken, zu deren ideologischem Ausdruck die allgemeinen Namen zeitweilig tauglich erschienen. Fraglos bcreditlgt der unerhörte Intellektualismus der Jugendbewegung zu dem Verdacht, daß die reine Willkür der Subjektivität die Anschauungswandlungen des Blau-Weiß beherrsdie Indessen ist dem nicht 90,. Gehen wir von der durch die Namen Landauer und Buber bczeidmetm Gesamtstcllung aus, die unmittelbar nach Kriegsende im Blai»• Weiß sozusagen kanonische Geltung hatte, so bemerken wir, daß wn eben dieser Gesamtstcllung ztir heurigen, «ine sinne volle Entwicklung führt Man denke an Buberi durchai» ״immanente“ Deutung der Religion, ist Gott ״später“ als das religiöse Erlebnis des Individuums oder des Volkes —• und dies ist die Lehre Berbers — 90 ist damit die Linie zur Verabsolutierung des ״Menschlichen“ vwgczeichnct. (Oh man sich das Menschliche mehr heldisch oder mehr chassidisch denkt, ist eine spätere Sorge.) Ferner führt Landauers am deutschen Mittelalter orientierte Bejahung der organischen Gemeinschaft im Gegensatz zur rationalen Gesellschaft, mit charalrteristisdrcn, aber ganz willkürlichen Abstrichen alles dessen, was sich auf Macht bezieht, wenn man der Inneren Dynamik des Bejahten und nicht den Wünsdibarkeiten Landauers folgt, zirr entschiedenen Bejahung des Marktprinzips. Nur die Aufnalirne des innerlich geforderten Machtprinz.ips trennt den ״Sozialismus“ Landauers von dem Folitizismus des bisherigen Blau-Weiß (der ja ganz und gar nicht ״formal“ ist). Endlich ist cs erlaubt, nachdem der jüdische Natio nalisnuts ins Zeitbcwußtscin übergegangen ist, gerade im Intercssc des Zionismus die spezifisch deutsch-jüdischen Werte zu betonen. — Als allgemeiner, diese Entwicklung begünstigender Umstand ist entscheidend, daß sidi mit der deutschen Jugend zugleich di« deutsch-jüdische von den Hysterien der Kriegsmüdigkeit, der Niederlage und dos Umsturzes zu bcfreien begonnen hat. Wenn inan sich nicht an die sensationellen Wandlungen einzelner Individuen, sondern an die Entwicklung der Gesamtheit hält, 90 wird man eine sinnvolle, ja eindeutige Richtung dieser Entwicklung nicht übersehen. Täuscht man sich aber über die immanente Sinntendenz, die in bestimmter Weise in die Zukunft hinausdeutet, und damit einen genuinen Maß- ן sinb für die Beurteilung abgibt, dann und nur dann ist man nicht ausreichend für den Fall Chagalls. Und wollte man diese gewissenhaft anwenden, müßte man da nicht das ganze Gebiet der Kunstgeschichte durchqueren? Der Werdegang des Künstlers, wenigstens einige Etappen desselben, werden durch die Ausstellung illustriert, die die vormalige Galerie von Diemen (Unter den Linden) ver• anstaltet hat. In den Jahren 1007/03 malt Chagall noch im altertfimclmlen Helldunkel. Vornehm, ruhig wirkt das frühe Sclbstportrlt. Als ein ganz anderer erscheint er ln den Werken aus der Zeit 1914—1917, die er, in die Heimat zurückgekehrt, in Liosno und Witcbsk, malte. Dahinter liegen die Pariser Lehrjahre, die Zeit kühner Versuche, der Auftakt. Die neueren Werke, wozu auch die Wandmalerei im jüdischen Kammertheatcr in Moskau zählt, fehlen in der Ausstellung. (Die sind zum großen Teil in russischem Staatsbesitz.) Was Chagall noch von Dobujinskl in seinen' Provinz• Stadtbildern gehabt haben mochte, hat er späterhin gänzlich abgestreift. Nichts von rührseliger Bicdcrmcierstimmung ist mehr zu verspüren, die niedlichen Häuschen wackeln und der Jude mit dem Päckcl streift durch die Landschaft. Dieser Jude, man lernt ihn ln allen möglichen Situationen des Lebens kennen, — ist nicht mehr der zugestutzte, fromme, artige Jude. Wenn Chagall ihn malen soll, «len frommen, andachtsvollen, wird er geradezu herausfordernd. Er will nichts von Demut wissen, und von beklemmendem Ernst des jüdischen Schicksals. Der Ernst wandelt sich ihm in wahnwitzige Groteske. Immer hemmt Ihn etwas, sich 'dem Schauen dieser demütin^n Kleinstadtexistenzen ganz hinzugeben. Hingegen in den Bildern, wie das Liebespaar, der Kuß (es ist wohl anders benannt), das Bildnis seiner Frau, ist Chagall einer, dem ea gegeben ist, restlos aufzugehen. Aus tiefer Versunkenheit in die Mysterien des Gefühls sind diese Werke geschaffen worden. Der unwiderstehliche Hang zur Ironie konnte in wenigen glücklichen Momenten überwunden werden. Aber ist Chagall nicht in seinen unglückseligen Augenblicken doch Cbtgalkak«־? Rahe! SBUchait■«*. gezwungen, einen »genanntei ״objektiven", <L h. einen der F-ntwickhmg selbst fremden Maßstab anruiegm Wir sind mm der Meinung, daß nicht nur die deutsdvjüdi'.che Jugendbewegung eigener Simiriditung nidht entbehrt, sondern daß diese Sinnriclitung «■liier im Wesentliche« mit derjenigen der gesamten dcutsdi-jiidiaciien Entwicklung identisch ist Um einen bequemen Namen zu balrcn, wollen wir wn ״Einwjrkli ehun g“ spredhen, d h, von <k־r Tendenz, Zugang zu normaler historischer ״WirMielv’koit" (Omml und Boden, Madit und Heer, Batr-rniirm und Adel) zu gewinnen. O.« entscheidende« Unten.diicd von Zionismus und Assimilitkxii sehen wir darin, daß die letztere auf Eüiwlrkliclumg nur der Individuen, nicht des Volkes bedacht war. Zionismus bedeutet also letztlich nidht ״Rückkehr zum Volke“ — dies ist sein Sinn nur im Gegensatz zirr ״individualistischen" Assimilation — »ondern Rückkelir zur Wirklichkeit, zu normalem liistorisdicn Dasein, und danan stellen allerdings Zionismus und Assimüation in einer Front detn Oahdli gegenülua־. De Oahröi- Welt, die Welt der Entwirklichtlieit des ״Volksgespenstes“, mußte Innerlich gesjrrengt werden, wenn man wieder zu schlichter Wirklichkeit joommen wollte. Diese fiprcngimg vollzog der Liberalismus durch die Trennung von Religion und Profanem der gemäß da« erster« in die entrückte Sphäre der Predigt, des Gottesdienstes, kurz: des Feierlichen erhoben wimie, wiihrend In der S;»11.ire des letzteren eine Uebcrsdiwemmung mit deutschen Strömungen startfand. Sehen wir von deT inneren Vorbcreitetlicit für einander 90wxW der Deutschen als auch der Jmlcu, ab, die im 18. Jahrhundert gegeben war, sehen wir weiter von der Umbiegung ab, die der deutsche Geist durch das Eindringen jüdischct Kräfte erfiihr, to bleibt al* das für uns Bedeutsame an der dcutsdi-jiidisdien Entwickhuig eine immer stärkere Eindeutschung zimiithst in der Sgiiärc des Profanen übrig. De Dynamik der Eimleutuclmng führte, als das deutsche Jmtentum reif zur Aufnahme alles dessen geworden vzar, was mit dem ״histori׳alten Sinn“ Zusammenhang♦, zur •jpe/ifiuchen Form des deul• ,th-jüdir.d!cn Zionisimis (der etwas ganz anderes ist als die Zionslicbe vergangener Goschlcditer). Die jüdische Religion batte für diese Entwicklung nur die negative Bedeutung als stetige Erregerin einer gewissen Spannung, eines Frcnulheitsgcfühls. Aus ihr seihst kamen die Kräfte nicht, die unseren Zionismus innerlich bedingen. Unser heutiges Dlemma besteht eben darin, daß der Eindeutschung nur die formale Bedeutung eineszufälligenWegcszumnotwendigcnZicie der Einwirklichung zukommen dürfte, daß dieser Weg aber von den Inhalten, die diese Wirklichkeit allein erfüllen könnten, fortgeführt hat, fortführen mußte; dcmi die Gesinnung, die als eiserner Reifen diese Inhalte zusammcnhiclt, der Geist, der in ihnen lebte, war galuthhaft. Dazu kommt noch das Folgende: Von der Eindeutschung in der profanen Sphäre gingen Tendenzen aus, die die gesamte Religiosität des deutschen Judentums innerlich wandelten, von welcher Religiosität aus die ״Inhalte“ eine ganz andere Auffassung empfingen, d. h. ויה •r ihren Oiarakter gänzlich änderten. (So ist z. B. die die Frankfurter beherrschende Auffassung identisch mit der der späteren Romantik, mit ciiarakteristisdien Umbiegungen aus dem Geiste des ,,Messt.•»- ncsmtts" des 19. Jahrhunderts sowie des durch den Namen Dostojewski bezcichnetcn Komplexes). Man kann eben keine etwas tieferen deutschen Dngc aufnehmen, ohne damit u. a. eine Dosis spezifisch diristlidien Geistes mitzufassen. Man bedenke ferner, daß die innerjüdische Reaktion auf den Libcralisimis sich jpuiz scUrstvcrstämnieh der Waffen bediente, die das christliche Euiopa in der Rcstauratkmsepoche umt schon früher gegen den Aufklärungsgeist gesdimicdet hatte. So sehen wir uns von allen Seiten in der dcutschjüdisdvcn Welt, in der wir geistig groß geworden sind, festgehalten — und /.war dann ganz besonders, wenn wir an unserem Zionismus festhalten wollen. Daß wir aus ihr ״irgendwie" hinaus müssen, daß an dem Punkte dieses Miisscns die Forderung der ״jüdischen Inhalte“ ihren moralischen Platz hat — das ist den Frankfurtern bereitwilligst zuztigeben, und darüber haben auch wir uns bisweilen unsere Gedanken gemacht. Man scheint aber zu glauben, daß die Inhalte 90 unmittelbar zum Erfassen und zur rechten Auffassung bereit da lägen — oder fürditct man nidrt die cntretzliche Gcfalvr, daß man seinen Schelcr, bzw. wen man sonst noch im Kopfe bat, in die ״Inhalte“ hindntriigt? Ein gcwds.es Nadrdenken ülvcr dieses Problem wird dringend angeraten. "»1 ««' ״1,1«..1 , י iww׳ ... •"»......('■ BQcherscliau Zionistische Broschüren * Bibliothek t ״Palästinensische Wirtschaftspolitik“. Verlag des Berliner Büros der Zio* nistischen Organisation. Das Berliner Büro der Zionistisdie# Organisation gibt all neueste Veröffentlichung eine Serie on Broschüren tmter dan Titel ,^tonisiisclie Rnosdiüren-Riblioibek“ heraus, der« erste Nummer, ״Palästinensische Wirtschafts- Politik", Jetzt vorlicgt. Mit dem Erscheinen dieser Brosdrürenreihe wird einem in Kreisen der Zionistischen Organisation seit lange empftmdenen Bedürfnis nach volkstümlidhem und sadilidi interessantem Agitatfons- und Infonnationsmaterial abgeholfen. De Broschüre ״Palästincnsisdie Wirtschaftspolitik“ bringt das Referat, das von Herrn S. Schocken jun. auf der Jahreskonferenz in Karlsbad erstattet wurde und das seinerzeit als modernste und objektivste Dar-kllung palästinensischer Lebens- und Aufbaufragen mit großer Anerkennung und Beachtung aufgenommen worden ist. De zweite Nummer der ״Z. B. B", (h'c in den nächsten Wochen erscheinen soll, verspricht als Sammlung von Dokumenten zur zionistischen Politik sehr intcressant zu werden. Sic wird neben den grundlegenden politischen Dokumenten des Zionismus, Baseler Programm(, Baifcmr-Dcklaration, Erklärung der verschiedenen Regierungen, Auszüge aus dem englisdien Weißbuch über Pal.Hstinapolitik, sowie den Wortlaut des Mandates und der palästinensischen Verfassung enthalten. 1 Als dritte Broschüre Ist eine VerÖffentliclnmg ausgewählter Kongreßreden geplant. Preis der ersten Nummer 60 M. Konzerte Auf den am Montag, den 5. Februar, im Blüthnersaal stattfindenden Volkdiederabend von Leo Go Han in machen wir besonder» aufmerksam. — Ebenso weisen wir unsere Gesinnungsgenossen auf den am 3. Februar in Leipzig im Saale des Städtischen Kaufhauses atattfiadenden Liederabend von Lao Qollanin bin.